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4. Die private Initiative der Wirt­schaftsführung sei das wirksamste Wittel, um die Fortschritte zu sichern und die allgemeine Wohlfahrt zu mehren. Die Tendenz, die S taatsausgaben über die Einnah­men hinausgehen zu lassen, bedrohe erneut die Haushalte der Länder. Ein gesunder Haus­halt sei für die Wahrung des Staatskredites und für die Stabilität der Währung unerläßlich. Cs dürften keine steuerlichen Lasten erhoben wer­den, die die Erzeugung schädigen und damit dve Arbeitslosigkeit vermehren würden.

Der Andruck der Entschließung.

Washington. 9.Mai. (TU.) Die deutsche Abordnung sieht in der Annahme der Haupt­entschließung der IHK. ein positives Ergebnis. Bei den anderen Ländergruppen wird vielfach die Meinung laut, daß der Standpunkt Deutsch­lands und anderer revisionsfreundlicher Gruppen Jtoar berücksichtigt, die Entschließung im wesent- ichen aber von den Gegnern der Strei­chung oder Herabsetzung der Kriegs­schulden beeinflußt worden sei. Demgegen­über verdient die Erklärung, die der Vizepräsi­dent des Guaranty Trusts, William B o o t h, der Ehrenpräsident der 2HK., im Namen der ameri­kanischen Abordnung verlas, besonderes Inter­esse: Die amerikanische Abordnung habe nie­mals der Idee widersprochen, daß eine Station für sich das Recht in Anspruch nehme, ihre internattonalen Verpflichtungen auf der Ba- sis Her allgemeinen Prinzipien und Vorausset­zungen. unter denen diese Schulden festgesetzt wurden, erneut überprüfen zu lassen.

Aus aller Welt.

Magdeburg gedenkt seiner Zerstörung vor 300 Jahren.

In Magdeburg veranstalteten anläßlich der 300jährigen Wiederkehr des Tages der Zerstörung der Stadt durch Tilly die städtischen Behörden eine Erinnerungsfeier. Die Gedenkrede hielt der bekannte Historiker Professor Brandenburg, Leipzig. Er schilderte die politische Zerspviitte- rung Deutschlands, deren- Folge die konfessionelle Zerreißung gewesen sei und ging dann auf Hie Pläne der Gegenreformation ein, die im Vörden Deutschlands, besonders aber in Magdeburg, auf entschlossenen Widerstand gestoßen seien. Es könne keinem Zweifel unterliegen, daß die protestan­tische Form des Christentums nicht nur in Deutsch­land entstanden, sondern aus germanischem Geist heraus geboren sei. Es sei oft hervorgehoben worden, daß die ganze neuere geistige Kultur Deutschlands nur auf protestantischem Boden denkbar sei, und daß das Gelingen der Gegen­reformation die Voraussetzungen beseittgt haben würde, auf denen unser heutiges Geistesleben beruhe. Am Samstag war als Anstatt der Ver­anstaltungen im Kaiser-Friedrich-Museum eine AusstellungDas alte Magdeburg" eröffnet worden, außerdem hatte die evangelische Kirche durch eine evangelische Gedenkstunde in der Stadthalle des Ereignisses gedacht.

kommunistischer

Jeucrüberfall auf eine Rote-fireuvfiolonne.

Anläßlich einer nationalsozialistischen Kund­gebung in L i m b a ch (Sachsen) kam es au einem Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Ratto- nalsozialisten. In der Chemnitzer Straße wurden auf einige SA-Leute mehrere Schüsse abgegeben, die jedlxh ihr Ziel verfehlten. Später ist ein Auto mit Insassen einer Sanitäts­kolonne vom Voten Kreuz, die von einer Hebung kamen, -wischen Limbach und Burgstädt von Kommunisten, die im Straßengraben anschei­nend auf Vationalsozialisben gelauert hatten, be­schossen worden. Hierbei wurde ein Mann getötet und ein weiterer schwer verletzt. Das sofort alarmierte äleberfallkommando verhaftete im Laufe der Vacht mehrere.Beteiligte, die sich zum Teil im Walde verborgen hielten. Bei der Durchsuchung des kommunistischen Turnerheims fand die Polizei sieben scharf geladenePistolen. Auch hier wur­den mehrere Verhaftungen vorgenommen.

Raubüberfall auf einen Geldbriefträger.

In Mannheim wurde ein Geldbriefträger von drei.^ Burschen überfallen und um 30 0 0 M k. beraubt. Einer der Tater hat am Abend vorher bei einer Frau für sich und seinen angeblichen Bruder zwei Zimmer ge­mietet. Eamstagfrüh ging der neue Mieter frühzeitig aus der Wohnung fort und kam gegen 8 Uhr in Begleitung von zwei weite­ren Burschen zurück. Die Frau ^wurde in das Zimmer gelockt. Dort Wurde sie plötz­lich von hinten überfallen, ihr der Mund zugehalten und sodann ihr drei Schläge auf den Kopf verseht. Die Frau wurde dann^auf das Bett gelegt, an Händen und Füßen mit einer starken Schnur gefesselt und damit bedroht, daß sie umgebracht würde, wenn sie nicht ruhig sein sollte. Während die Frau von einem der Täter überwacht wurde, haben die beiden an­deren hinter dem Abschluß das Kommen des Geldbriefträgers abgewartet. Die Täter haben offenbar am Abend vorher den Betrag von zwei Mark an die Adresse der Der mieterinaufgegeben. Der Geld- briefträger wurde an Händen und Füßen gefessett, durch Schläge mißhandelt und ihm ein Betrag von etwa 3000 Mk. geraubt. Die Täter sind un­erkannt entkommen.

Schweres Mokorradunglück im Rheingau.

In Winkel rannt« der Generalvertreter Berger der Chemischen Fabrik Albert & Co. mit seiner Opel-Limousine gegen den auf seinem Motorrad rheinabwärts fahrenden Arbeiter Strinkmann aus Vod a. d. Weil und drückte ihn gegen eine Hauswand. Strinkmann wurde auf der Stelle getötet. Sein auf dem Sozius­sitz mitfahrender Freund erlitt eine schwere Schä- de'verletzung. Vach Bericht von Augenzeugen war der Lenker des Autos sinnlos betrun­ken und überfuhr beim Rückwärtsfahren noch­mals die unglücklichen Motorradfahrer. Eine große Menschenmenge hatte sich inzwischen an- gesammelt und nahm gegen den Autofahrer eine drohende Haltung an, so daß die Polizei Mühe hatte, ihn vor dem Lynchen zu bewahren. ,

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den II.Mai 1931.

OieEisheiligen".

11., 12. und 13. Mai.

Es ist eine alte Erfahrungstatsache, daß in der ersten Hälfte des Wonnemonats öfters ein Kälte, rückschlag eintritt, den der Volksglaube mit den Tagen Mamertus, Pankratius und Servatius zu- larnrnenaebracht hat. Die Abschiedsgrüße des schei- Senden Winters tun den Blüten und Saaten weh, und es gibt kaum einen schmerzlicheren Anblick, als wenn das junge, grüne, kaum der Knospe entschlüpfte Blatt sich kältematt zu Boden senkt und die soeben von der Maiensonne hervorgelockte Blüte unter dem kühlen Schnee schauert. Wenn der Landmann dann am kalten, klaren Morgen hinaustritt und den Frost­schaden sieht, dann wird ein tiefes Weh fein Herz durchzucken. Und der Winzer fürchtet die Eismänner noch mehr als die Reblaus; er hat vergeblich auf reichen Segen gehofft; nun ist die Ernte mit einem Schlage dahin.

Daß die drei Herren mit den lateinischen Namen mit dem Wetter verbunden und in Verruf gebracht wurden, war ihr persönliches Pech. Nicht sie rufen die kalten Winde hervor, sondern diese treffen gerade auf die Tage ein, denen die Herren ihre Kalender- namen gegeben haben, und da die Temperatur an dielen Tagen kühl bis ans Herz ist, so gelten diele, unschuldigerweise für streng. Gerade um die Ab- Wendung des kalten Wetters war es dem Mamertus zu tun. Dieser in der Mitte des fünften Jahrhunderts zu Vienna lebende fromme und gelehrte Presbyter führte, um den Hagelschlag abzuwenden, kurz vor Himmelfahrt drei Bußandachten, verbunden mit Bitt, gängen ein, die hier und da bis heute noch erhalten sind und kirchlich gefeiert werden.

In altheidnischer Zeit hielt man die Tage für Frost, und Eisriesen, die in die Götterschöpfung einbranaen, um sie in ihrer Verjüngung zu zer- stören. Und merkwürdig, wie die Gallier und Ger­manen ihren Wintergott hatten so kannten auch die Römer -einen solchen, Mamunus genannt, der an einem bestimmten Frühlingstage unter allerlei Scherz vertrieben wurde. Nach der Aehnlichkeit der Namen ist man geneigt anzunehmen, daß Mamertus der christianisierte Mamurius fei. Auch dessen Fest­feier bestand in einem dreitägigen Umzüge, auf dem ein geflügelter Drache mitgeführt wurde. Solche Maidrachen wurden in französischen Kirchen bis ins 18. Jahrhundert.aufbewahrt.

Mehr noch wie bei Mamertus fehlt beim heiligen Pankratius jebe Beziehung zu Wetter unb Strenge. Nach ber Sage kam er als Knabe nach Rom unb irrte in ben Straßen umher. Da fanb ihn ber Bischof Casus, nahm ihn auf unb führte ihn bem Christentum zu. Der Kaiser Diocletian suchte ihn burch Lyckungen unb Drohungen zum Abfall zu bewegen, unb ba ihm dies nicht gelang, wurde Pankratius mit dem 14. Le­bensjahre zum Märtyrer. Die Christin Aktavilla barg feinen Leichnam, von dem viele Reliquien nach Eng­land und Frankreich gekommen fein sollen. Viele Kirchen find nach ihm geweiht, auch Städte Haden ihn zum Schutzpatton erkoren.

Der Haupteisheilige ist Servatius, der als Bischof von Tongern am 13. Mai 450 verstorben ist. Von ihm berichtet die Sage, daß auf seinem unfern einer Landstraße bei Mastricht gelegenen Grade die Sonne niemals Schnee dulde, so hoch dieser auch bas Land bedecken möge. Dabei weht über dem Grabhügel un­unterbrochen ein scharfer Wind, der nach Berichten schon verschiedene Bethäuser, die man an der ge­meinten Stelle errichtet hatte, zerstörte, bis der Bischof Maruelf von Lüttich im sechsten Jahrhundert eine große Kirche an dem Orte erbauen ließ, in welcher die Gebeine des heiligen Servatius beigesetzt wurden.

Während in Norddeutschland Servatius als die Winter, unb Sommergrenze angesehen wirb, ver­schiebt sich bieser Termin nach Süben hin etwas. In Sübbeutschlanb kennt man Mamertus nicht, wohl aber Bonifatius, ben 14. Mai. Unb während es in Norddeutschland heißt:Vor Servaz kein Sommer, nach Servaz kein Frost" sagt man im Süben:Sein Reif nach Servaz, kein Schnee nach Bonifaz". Dieser heilige Bonifatius war aber nicht ber Apostel ber Deutschen.

Für die Eismänner und ihre Entstehung, für das Eintreten des Kälterückschlages um diese Zeit hat sich die Wissenschaft schon seit älterer Zeit interessiert unb mannigfache Erklärungen gesucht. Namentlich waren es bie Berliner Meteorologen und Physiker, die sich bemüht haben, das Problem zu erklären. Zu Alexander von Humboldts Zeiten glaubte man an­nehmen zu müssen, daß eine kosmische Ursache die Anomalie bedinge. Schon im vierten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts wurde darauf hingewiefen, daß am 12. Mai der Novemberschwarm der Meteore an der Sonne vorbeizöge und dadurch wohl der lern- peraturrürfgang bedingt werde. Von anderer Seite wurde der Kälterückfall mit dem Schmelzen von ungeheuren Eis- unb Schneemassen im Norbosten Europas, namentlich im Stromgebiet der Dwina, in Verbindung gebracht, und schließlich verlegte man die Heimat der Eisheiligen an die Küste Grönlands und Labradors. Es ist von wissenschaftlicher Seite bann nachgewiesen worden, daß im späteren Früh- jahr infolge der schnellen Erwärmung des Kontinents sich besonders häufig ein Gebiet niedrigen Luftdrucks über ber ungarischen Tiefebene ausbilbet, bem natur­gemäß über bem zu bieser Jahreszeit kalten Nord­westeuropa ein Gebiet hohen Luftdrucks gegenüber- liegt, so daß für Mitteleuropa eine kalte nördliche Luftströmung mit heiterem, trocknem Wetter eintritt, wobei infolge der nächtlichen Wärmeausstrahlung de- sonders die Nächte kühl unb kalt sind. Dor Mitte Mai geht in solchen Nächten die Temperatur oft bis unter Null Grad herab, so daß große Verwüstungen an der Vegetation stattfinden. Nach einer neuen Hypothese sollen wir durch die Veränderung des Perihels und Aphels, d. h. des Zeit- unb Raumpunktes ber Erd- nähe unb Erbfeme von ber Sonne, einer britten Eiszeit entgegengehen, eine Erklärung bes Problems, bie bie meiste Wahrscheinlichkeit für sich zu haben scheint, worauf wir aber hier nicht näher eingehen können. Indessen bemüht sich bie meteorologische Wissenschaft, durch entsprechende Schutzmaßnahmen die Frostgefahr von unseren landwirtschaftlichen und gärtnerischen Kulturen abzuwenden. Gr.

Generalleutnant Exz. Klingelhöffer t-

Gestern, gegen 19 Uhr, wurde der Generalleut­nant a. D. Exzellenz Klingelhöffer, als er sich auf dem Balkon seines Hauses in der Georg- Philipp-Gailstrahe 5 aufhielt, von einem Herz­schlag ereilt, der den alsbaldigen Tod des alten Herrn zur Folge hatte. Generalleutnant Klin­gelhöffer, auf dessen Wirken wir noch zurück- kommen werden, war am 26. Dezember v. I. 81 Jahre alt geworden. Wie wir hören, wird die Beisetzung der sterblichen Hülle des Entschlafe­nen voraussichtlich am Mittwoch stattfinden.

Strauß-Konzert in Gießen.

In der Dolkshalle, vor etwa 3000 Besuchern, gab am Samstagabend der frühere I. u. k. Hof­ballmusikdirektor Johann Strauß mit sei­nem Wiener Orchester wieder ein Kon­zert, nachdem er schon in den beiden letzten Jahren mit großem Erfolg hier gastiert hatte. Wie die beiden vorhergehenden Straußschen Kon­zertabende, so war auch die Veranstaltung vom Samstag für den Meister aus Wien und seine Künstlerschar wieder ein starker künstlerischer Triumph, für hie Besucher wieder eine kostbare Stunde der Erquickung an jenen immer wieder und heutzutage mehr noch als früher wunder­bar fesselnden, prickelnden Tonwerken der Wie­ner Komponisten. Mit der Ouvertüre zur Ope­retteDas Spihentuch der Königin" von Johann Strauß (Sohn) begann der Abend sehr ver­heißungsvoll, Ioh. Strauß' WalzerDorf­schwalben aus Oesterreich", I. Bayers Di­vertissement aus dem BallettDie Puppenfee", F. SchubertsLied aus Wien", Johann Strauß' (Sohn)Kaiserwalzer", E. Kal­mans Fragmente aus der OperetteDie Csär- däsfürstin", sowie der WalzerAn der schönen blauen Donau" und dieAnnen-Pvlla" von Ioh. Strauß' (Sohn) folgten programmäßig, wur­den aber in ihrer Folge unterbrochen durch eine ganze Reihe von Einlagen, die sich das Publikum durch ständig anwachsenden Beifall von dem prächtig und unermüdlich musizierenden Or­chester erzwang. Wie der Auftakt, so waren auch der weitere Verlauf und der Ausklang dieses Abends der guten Wiener Walzermusik volle Erfüllung dessen, was man sich von dem hier nun schon zu den wertgeschätzten Bekannten zählenden Wiener Meister Strauß versprochen hatte. Die starken Deifallssalven des Publikums haben dem Orchester und seinem Leiter den ge­bührenden Dank abgestattet, hier sei noch dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß Strauß und seine Künstlerschar uns auch im nächsten Jahre wieder als gern begrüßte alte Bekannte be­suchen und mit ihrer vollendeten Kunst erfreuen möchten!

' Bornotizen.

Tageskalender für Montag. Deut­sche Volkspartei: Mitgliederversammlung 20.30 Uhr imHindenburg"; Landtagsabg. Dr. Niepoth spricht überDie politische Lage". Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße:Der Bettelstubent".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Dienstag, 12. Mai, vorletzte Dorstcllung im Dienstag-Abonnement und letztes Gastspiel des Hessischen Landestheaters Darmstadt mit Bizets großer OperCarmen"; Spielleitung Generalintendant Professor Karl Ebert, musikalische Leitung Dr. Karl Böhm. Beginn p ü,n k t lich 19 Uhr. Die Intendanz macht darauf aufmerksam, daß während der Ouvertüre die Saaltüren geschlossen bleiben. Mittwoch, 13. Mai, 20 Uhr, unter Spielleitung von Walter Bäuerle Erst- und einmalige Auf­führung des MärchenspielsSchwanenweiß" von Strindberg für die Abonnenten des Mittwoch- Abonnements. Die das Werk begleitende Musik wurde von Kapellmeister Fritz Cuje zusammen­gestellt. Durch diese einmalige Ausführung wird den Abonnenten der anderen Tage Gelegenheit geboten, die bis zum Schluß der Spielzeit fälligen Gutscheine einzulösen. Freitag bleibt das Theater geschlossen.

** Wichtig für Lungenkranke. DU Sprechstunden der Fürsorgestelle für Lungenkranke in der Medizinischen Poliklinik finden für die Be­sucher aus den Landgemeinden, des Kreises Gießen zeden Montaa von 16 bis 17 Uhr statt. Lungen­kranke und Krankheitsgefährdete, die in ärztlicher Behandlung sind, bedürfen einer Ueberroeifung ihres Arztes in die Lungenfürsorgestelle. Unbemit­telte werden unentgeltlich beraten.

* Eine Achtzigjährige. Frau Louise Voll Wwe., In Löbershof 8 wohnhaft, begeht heute ihren 80. Geburtstag. Trotz ihres hohen Al­ters erfreut sich die Jubilarin noch bester Ge­sundheit.

** Auf der Straße gestorben. Gestern nachmittag wurde der frühere städtische Arbeiter Eduard Battenberg, Schloßgasse 1 wohnhaft, auf der Straße an der Ecke Kaiserallee-Moltke- straße von einem Schlaganfall betroffen, ber den alsbalbigen Tob zur Folge hatte. Die ärztliche Un­tersuchung ergab Herzschlag als Tobesursache. Der starke Betrieb in der Kaiserallee am gestrigen Nach­mittage soll dem schon seit einiger Zeit an chroni­scher Herzschwäche leidenden Mann so aufgeregt haben, daß er den Tod fand.

Allgemeiner Deutscher Frauen- verein, Ortsgruppe Gießen. Man be­richtet uns: Zu Beginn der sehr gut besuchten Maisihung des Allgemeinen Deutschen Frauen­vereins gedachte die 1. Vorsitzende, Frau Paula Selb, in warmen Worten der im letzten Jahre verstorbenen Mitglieder der Gießener Ortsgruppe. Besonders bedauerte sie das Hinscheiden von Frl. Mathilde D i n g e l d e i n , einer der Grün­derinnen des hiesigen Vereins. Sodann gab Frau Landtagsabgeordnete Maria Birnbaum aus der Fülle chres politischen Verstehens einen außerordentlich interessanten Heberblick über die Fragen, die gegenwärtig die lebenswichttgsten für Deutschland sind. Nachdem die Vednerin die bedeutendsten anderen Staaten in ihrer der­zeitigen Struktur geschildert und über ihre Ver­flechtung in die Weltwirtschaftskrise gesprochen hatte, zählte sie die besonderen Schwierigkeiten auf, mit denen Deutschland zu kämpfen bat. Wir müssen sagte sie vor allen Dingen die Sach­lage klar erlernten, wenn wir sie meistern wollen. Unser Ringen ist ein zäher Schützengrabenkrieg;

seine erste Etappe war bie Rheinlandräumung, die zweite Etappe soll die deutsch-österreichische Zollunion sein. 3n dieser Frage steht unS em harter Kampf bevor, hauptsächlich mit Frankreich, das zwar viel von einem Pan -Europa gesprochen hat, aber ernstlich ein geeinigtes Europa wohl gar nicht wünscht. Deutschland und Oesterreich wollen den ersten Schritt zu Pan-Europa tun. Zusammenfassend legte Frau Dirn bäum dar, was wir auf außenpolitischem Gebiet erstreben sollten. In erster Linie eine Revision des unhalt­baren Versailler Vertrages, dann aber seien weitere unerläßliche Verbesserungen: eine Heu- regelung der Weyrfrage und die Wiederbelei- hung Deutschlands mit Kolonien. Die Rednerin betonte eindringlich, daß wir innerpolittsch ein Voll brauchen, daß in sich einig ist und sich in ganz anderer Weise wie bisher mit seinem Staatswesen verbunden fühlt. Wenn wir daS starke nationale Wollen anderer Völker sehen, dann muß uns schmerzliche Scham über unser eigenes Versagen ergreifen. Uneinigkeit und Man­gel an Vätionalgefühl sind alte deutsche Fehler, sollen sie jetzt überwunden werden, bann müssen auch bie Frauen mithelfen. Sie sollen in sich den Willen zum Staate stärken, sie sollen ihn in der Jugend erwecken unb sie zur lleberbrückung des Parteienhabers erziehen. Auch auf anderen Ge­bieten sind große Aufgaben von ben Frauen zu bewältigen. Da gilt die Vereinfachung der trotz des verlorenen Krieges soviel üppiger gewor­denen Lebenshaltung aller Kreise, da kann ' die Frau als Konsumentin viel dazu beitragen, daß nicht weiterhin alljährlich große Summen für Alkohol und Parfümerien ins Ausland gehen. In zu Herzen gehenden Worten ermahnte Frau Birnbaum die Zuhörerinnen, opferbereit mit» zuwirken bei bem Dienst an Volk und Vater­land. Eine lebhafte Aussprache folgte bem mit herzlichen Beifall aufgenommenen Vortrag.

Raubübersall aus ein Zrauenheim in Bad-Nauheim.

Lpd. Dad-Rauheim, 11. Mai. In der Rächt zum Sonntag wurde auf das I s - raelitische Frauenheim in Dad-Ran­heim ein schwerer Raubüberfall verübt. Dem Täter fiel ein Geldbetrag von zirka 250 Mk. in die Hände. Die Oberin des Heims er­wachte nachts durch Geräusche im Rebenzimmer. Gleich darauf drang ein Mann in ihr Schlaf- Tn er ein und bedrohte sie mit einem Messer und einem Revolver. Dann durchsuchte er sämtliche Behälter und entwendete 150 Mark in Papiergeld und etwa 100 Mark Sil­ber gelb, sowie ein altes Zehnmarkstück. Der Sxiter der durch das Küchenfenster in das Haus eingedrungen war, entkam unertannt. Die poli­zeilichen Ermittlungen sind im Gange.

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Wettervoraussage.

Die Norbmeerstörung hat ihre Ausläufer nach dem Festlande ausgedehnt, und warme Luft ver­ursacht TeTÜperaturzunahme und leichten Baro­meterfall. Da das Tief sich mehr nördlich weiter­bewegt, dürften nur seine Randstörungen die Wet­terlage beeinflussen und infolgedessen außer Dunft- und Wolkenbildung mehr vereinzelt vorübergehende Niederschläge auftreten. Die Temperaturen steigen sowohl nachts als auch am Tage weiter an. Später wird wahrscheinlich die kühlere Luft der Rückseite .des Fallgebietes bis in unseren Bezirk Anlaß zu Gewitterstörungen geben.

Aussichten für Dienstag: Vielfach dun­stig und bewölkt mit Aufheiterung, Temperaturen zwischen Tag und Nacht sich mehr ausgleichend und wärmer, vorübergehend leichte Niederschläge oder aufheiternd, Gewitterneigung.

Aussichten für Mittwoch: Mehr wech­selnd wolkiges Wetter und einzelne Gewitterstörun­gen mit leichter Abkühlung.

Lufttemperaturen am 10. Mai: mittags 15,7 Grad Celsius, abends 9,5 Grad; am 11. Mai: morgens 9 Grad. Maximum 16 Grad, Minimum 2,9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 10. Mai: abends 16,2 Grad; am 11. Mai: morgens 10,2 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 1% Stunden.

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