Ausgabe 
11.3.1931
 
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manskt di« treibende Kraft der Deut­sche nhetze gewesen sei. Dagegen konnte sich Schymansli selbst ungehindert über alle Ding« aussprechen und sogar erklären, baß das Ver­halten der deutschen Minderheit provozierend gewesen sei. Den geschädigten Deutschen erklärte der Richter dagegen, daß hier nicht über die Sauberkeit der Wahlen zu reden sei, sondern lediglich über die Straftaten, die die 2Naterie des Prozesses bildeten. Mit Aus­nahme des Zeugen Aeugebauer konnte keiner der bisher vernominenen sechs Zeugen die An­geklagten mit Bestimmtheit als Täter bezeichnen. Rur Aeugebauer, dessen Schilderung starken Ein­druck auf Gericht und Publikum machten, will einen der Angeklagten, und zwar Popella, wie­dererkennen. Wie fürchterlich die Aufständi­schen Aeugebauer mißhandelt und seine Woh­nung demoliert haben, ergibt sich schon daraus, daß der erste Polizeikcnnmandant von Hohen- birken, der am folgenden Tage bei Aeugebauer eine Besichtigung vornahm, sich zu ihm äußerte: Diejenigen, die das gemacht hätten, seien keine Menschen mehr, sondern Schweine!" Sonst geht aus den Aussagen der Aebenkläger deutlich hervor, daß fast in allen Fallen die Aufständischen sich den Zugang zu den Woh­nungen der äleberfallenen verschafften, indem sie sich als Polizisten ausgaben, fer­ner, daß es sich bei den Tätern durchweg um Leute handelt, die schon eine gewisse älebung für Lleberfälle hatten.

Das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft.

Bolksparteilicher Auflösungsantrag im Finanzausschuß abgclehnt.

WHP. Darmstadt. 10. März. 3m Finanz­ausschuß begann die Beratung des Etats des Mi­nisteriums für Arbeit und Wirtschaft. Minister Korell erklärte: Insgesamt betrügen die Ein­sparungen im Etat 145 565 Mk. Abgebaut sei das Gewerbemuseum und, zum großen Teil, das Landesgestüt, wodurch jetzt schon Ersparnisse von rd. 40 000 Mk. einträten. In Ober Hessen sei probeweise die Feldbereinigung mit dem Dermessungswesen zusammen­gelegt. Wegen der Aichtaushebung von Kreisen könne jetzt eine Gewerbeinspeklion nicht eingespart werden. Auf bem Gebiete des landwirtschaftlichen Schulwesens würden durch Vereinfachungen, wenn auch vielleicht nur vorübergehend, weitere Erspar­nisse erzielt. Di« Bezüge des Direktors der Land­wirtschaftlichen Versuchsstation seien eingespart. Die geforderten neuen Ingenieurstellen für die Dampfkesselinspektionen habe er wieder fallen ge­lassen, da mit einer Abnahme der Automobilprü- fungen gerechnet werden könne. In dem volkspar­teilichen Antrag, das Ministerium für Arbeit und Wirschaft a u f z u l ö s e n. erblicke er keine per­sönliche Spitze, doch sei das Gesamtministerium der Ansicht, daß er aushalten müsse.

Der Landbund beantragte, 30 Prozent der Stellen zu streichen; den volksparteilichen An­trag auf Auflösung des Ministeriums lehnt der Lanibund ab. Die Deutsche Volkspartei betonte, daß ihr Antrag auf Au Hebung des Ministeriums keine persönliche Spitze in sich berge. Der Lanb- b"nd-Antrag auf Streichung von 30 Prozent der Stelen sei undurchführbar.

^ine längere Aussprache entspann sich über Preissenkungsfragen, wobei der Mi­nister hervorhob, daß beim Preisabbau keine Geschäfte ruiniert werden sollen; doch müsse dasVerdienen" entsprechend der Aot der Zeit etwas kleiner geschrieben und die Handelsspanne verringert werden. Der zuruckgehende Umfang Les Geschäfts sei nicht auf den Preisabbau, . sondern auf die gesunkene Kaufkraft in allen Schichten des Volkes zurückzusühren. In Berlin ^habe er die Festsetzung von Produzentenmindest­preisen und von Konsumentenhochstpreisen bean- trägt, dafür aber kein Verständnis gefunden.

In der Abstimmung wurden der Landbund- Antrag auf Streichung von 23 Stellen, der volks­parteiliche Antrag auf Aufhebung des Ministe­riums unb auf Streichung einer Oberrechnungs­ratsstelle (Sekretär des Ministers) abgelehnt.

Kleine politische Nachrichten.

Die Verhandlungen zwischen Reichsbahn und Gewerkschaften über eine Lohnsenkung wurden fort­gesetzt. Da die Gewerkschaften jedes Eingehen auf die Forderungen der Reichsbahn ablehnten und die Aufrechterhaltung der bestehenden Löhne verlangten, haben die Verhandlungen zu keinem Ergebnis geführt. Die Reichsbahnhauptverwal­tung wird nunmehr die Einleitung eines Schlich­tungsverfahrens beantragen.

Di« braunschweigische Regierung hat einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der d e n 1. Mai a l s gesetzlichen Feiertag ab­schafft. Der 1. Mai war schon einmal als gesetzlicher Feiertag beseitigt; die letzte soziäl- demolratische Regierung hatte ihn wieder zum Feiertag erhoben. *

DieKreuzzeitun g", das älteste Berliner Blatt der Rechten, das jetzt im 83. Jahrgänge steht, wird am 1. Juli d. I. ihr Erscheinen ein­stellen. Zu diesem Termin ist sämtlichen Redak­teuren und Mitarbeitern mit der Begründung ge­kündigt worden, daß weitere Verlagsmittel zur Fort­führung des Unternehmens nicht mehr vorhanden seien. Versuche, das Blatt durch Druckgemein- schäft mit einem anderen Rechtsblatt, aber ohne eigene Redaktion, zu erhalten, sind noch Gegenstand von Verhandlungen.

Di« polnische Presse beschäftigt sich mit einer Erklärung des Leiters des Finanzministeriums, Oberst Matuschewski, wonach das Defizit im laufenden Finanzjahr 1930/31 50 Millionen, und im kommenden Finanzjahr ungefähr 300 Millionen Zloty betragen wird. Matu- schcwski kündigte an, daß er, wenn notwendig, zur teilweisen Deckung dieses Defizits die Be­amtengehälter um 15 Prozent kür­zen werde, was eine Ersparnis von 200 Mil­lionen Zloty bringen würde. Die Blätter vermu­ten, daß diese Maßnahmen am 1. Juli b. 3. in Kraft treten werden. *

Der Kaiser von Japan empfing den japa­nischen Ministerpräsidenten Hamagutschi, der wieder seinen Dienst aufnahm. Bis jetzt war er durch die Folgen des Attentats verhindert sein Amt auszuüben. An demselben Tage empfing der Ministerpräsident den britischen, italienischen und französischen Botschafter, von denen er sich über das zustandeaekomene Marineabkommev unterrichte» keß.

des Reichstandbmides.

und Osthilfe werden als unzureichend bezeichnet.

tonte Kampfansage

Agrarvorlagen

Berlin, 10.März. (TU.) Der Reichsland,

b u n d teilt mit:Der Bundesvorstand des Reichs­landbundes hat den Bericht des geschäftsführenden Präsidenten, Grafen von kalckreulh, ent- gcgengenommen und billigt die Haltung und Maßnahmen, die das Präsidium in Auswirkung der üampfbeschlüsse vom diesjährigen Reichslandbund­lag ergriffen ha«. Ausdrücklich erklärt auch der Bundesvorstand die seitdem bekanntge­wordenen Agrarvorlagen einschl. der Ost Hilfe für unzureichend, insbesondere wegen Richtberücksichtigung unserer Forderungen auf dem Gebiete der allgemeinen Lasten- senkung und der innerwirtschaftlichen Maßnahmen, sowie des Fehlens jeder Garantie für sofortige und ungeschmälerte Durchführung der Zollmahnahmen. Den innerhalb und außerhalb der Reichsregierung verstärkt zu Tage getretenen landwirtschastsfeind- lichen Kräften gilt nach wie vor unser s ch ä r f st e r Kampf. Eine Einwirkung auf die Parteien in den gegenwärtigen, rein politischen Entscheidungen, lehnt der Bundesvorstand ab. Die Verantwor­tung für die augenblickliche Lage und die weitere Entwicklung der Gesetzgebung auf wirtschaftlichem und politischem Gebiete liegt ausschließlich beim Reichskabinelt und den par- leien."

*

Di« Entschließung wird in den Berliner Zei­tungen lebhaft besprochen. Während di« ,.D t s ch. Tageszeit un die Entschließung mit war­

men Worten begrüßt und dieDeutsche Zei­tung" von einem folgerichtigen und unaufhalt­samen Einschwenken des deutschen Landvolks in Vie Front der nationalen Opposition gegen das Kabinett Brüning-Schiele spricht, betont die G e r m a n i a" mit Rachdruck, daß die Reichs­regierung mit der Osthilfe und dem Qlgrajr» Programm b i s an die Grenze dessen gegangen sei, was finanz- und handelspolitisch unter den gegenwärtigen Verhältnissen möglich sei. Das Blatt bezweifelt, daß sich der Reichs­landbund als geschlossene Organisation in die Front Hitler-Hugenberg einreihen lassen wird, weil die gestrigen Auseinandersetzungen im Bun­desvorstand den Gegensatz zwischen der politisierenden und der berufs­ständigen Gruppe des Landbundes in einer Weise beleuchtet hätten, daß feine Uebcrbrückung durch «ineEntschließung" auf die Dauer kaum möglich erscheine. Auch nach Ansicht derV o s f. Zeitung" ist mit der vorliegenden Entschlie­ßung das letzte Wort noch nicht gesprochen. Der Scheidung der Geister, die vollzogen sei, werde die Scheidung in getrennte Organisationen fol­gen. Das Blatt fommt zum Schluß, daß eine Spaltung des Reichslandbundes unvermeid­lich geworden ist. DieD. A. Z." erklärt, daß man verschiedener Meinung darüber fein könne, ob Kampfbeschlüss« oder undankbare realpolitische Tagesarbeit die zweck­mäßigsten Mittel seien. Man müsse aber die Zwangslage, in der sich der Landbund befindet, zu würdigen suchen und die Entschließung so deu« ton, wie sie es angesichts der organi­sationspolitischen Lage verdient.

Aus aller Well

Der Kasseler Kommunistenprozeß.

Nach dem unerfreulichen Zwischenspiel am Mon­tag konnte am Dienstagoorrnittag der große Kasse­ler Kommunistenprozeß in der vorgesehenen Weise beginnen. Die angeklagten 97 Kommunisten und zahlreiche Parteigänger hatten zwar auf einem ge­schlossenen Anmarsch zum Gerichtsgebäude nicht ver­zichtet, aber der Zug führte diesmal keine Musik und keine Transparente mit sich. Bei Feststellung der Personalien ergab es sich, daß ein großer Teil der Angeklagten erheblich vor- b e st r a f t ist. Bei der Vernehmung widerrief der Angeklagte Karl Becker die in der Untersuchungs­haft gemachten schwer belastenden Aussagen. Er habe sie lediglich gemacht, um aus der Haft entlassen zu werden. Die Angeklagten schildern den Hergang bei der Versammlung in Grebenstein übereinstimmend. Angeblich sei der Krawall im Saale des Restaurants Reichskanzler" dadurch entstanden, daß die be­reits anwesenden Nationalsoziali­sten eine halbe Stunde vor Beginn der Versamm­lung die in den Saal eintretenden Kommunisten hinauswerfen wollten und daß sich die Kom­munisten dann zur Wehr gesetzt hätten. Zum Schluß der Verhandlung gegen 19.30 Uhr hatte sich vor dem Gerichtsgebäude eine riesige Men« schenmenge angesammelt, um den Zug der Angeklagten zu begleiten. Als diese erschienen, er­tönten laute Heilrufe. Mit Musik zog dann der mehrere 100 Menschen starke Zug in die innere Stadt.

Elly Beinhorn vor dem Rückflug.

Die Afrikaftiegerin Elly Beinhorn, deren Ans- gäbe, mit ihrem Klemmflugzeug die Arbei­ten der Expedition des Forschers Dernahki in Portugiesisch - Guinea zu unterstützen, zum größtenteil beendet worden ist, beabsichtigt in den nächsten Tagen Brssao zu verlassen und über hie geplante Strecke Tim­buktuSahara-3talicn nach Deutschland zurückzukehren. Die größte Schwierigkeit bereitet auf dieser Strecke die Brennstoff- Versorgung in der Sahara, die aber jetzt restlos gelöst ist. Auf mehr als acht Sta­tionen ist durch den Shell-Konzern Brenn­stoff deponiert worden. 3n einem Falle mußte das Benzin in einem in die Erde einge­bauten Tank der Compagnie-Transsaharienne, die den Autoverkehr durch die Sahara durch­führt, im sog. Bidon Rr. 5, der 500 Kilometer weit mitten in der Wüste liegt, gelagert werden. Zu diesem Tank erhält Elly Beinhorn von der Transsaharienne einen Schlüssel, da­mit sie sich selbst mit der^ nötigen Benzin» menge versorgen tann. Der Rückflug führt über rund 9000 Kilometer, di« voraussichtlich in etwa drei Wochen Überfl o g e n werden können. Man muß also mit der Rückkehr der Fliegerin zu Anfang April rechnen, wenn nicht irgendwelche Schwierigkeiten des Fluges auftauchen, die naturgemäß bei dieser Strecke nicht so leicht zu beheben sein dürsten.

Segelflieger hirth über den Dächern Reuyocks.

Der bekannte Segelflieger Wolff Hirth führte einen aufsehenerregenden Segelflug über den Dä­chern der Häuser Reuyorks am R.versid« Drive und der 164. Straße aus. Er stieg nachmittags aus, schraubte sich. zu einer Höhe von etwa 300 Metern hoch und segelte über eine Stunde über den Häusern. Da die Um­gebung während der Flugdauer polizeilich ab- gesperrt wurde, ging Hirth vorzeitig nieder, obwohl er weit länger hätte in der Luft blei­ben können. Der Flug fand im Beisein von tausenden Zuschauern, Berichterstattern und Filmleuten statt.

Die Kälte in England.

Aus ganz England und Schotlland werden starke Schneeverwehungen gemeldet, die in den nördlichen Teilen des Landes ganz be­sonders ernst sind und zu zahlreichen Ver­kehrsstörungen geführt haben. Es werden acht Todesfälle berichtet, die teils direkt auf die Kälte, teils auf sonstige Tlnglücksfälle in Verbindung mit dem Frost zurückzuführen find. Eine getoaltige Bo« schlug über das Vorschiff des 20 000-Tvnnen-Cunard-DampfersLaeonia" und spülte zwei Mann über Bord. Ein Fischdampfer strandete an der sckottifchen Küste. Dasselbe Schicksal erlitt ein Fischdampfer bei den Orkney-3nfeln. Eine große Anzahl von Ozean­dampfern erlitt starke Verspätungen. Die Dresden" undEuropa" meldeten, daß sie mit je zwölf Stunden Verspätung eingetragen wären.

Schwere Schneestürme in Kanada.

Ottawa und Zentral-Kanada erlebten in der Zeit dvm Sonntag und Montag den schwer­

sten Schnee st urm dieses Winters. Es ist fv viel Schnee in den Straßen gefallen, wie im ganzen Monat März des vorigen 3ahres. Der heftige Wind hat Schneewehen in Höhe von 3 b i s 4 Oll e ter erzeugt, die quer über die Straße verlausen und den Verkehr so gut wie unmöglich machen. Der Telephondienst wurde durch den Sturm an vielen Stellen unterbrochen und auch die Bäume haben erheblichen Schaden erlitten.

Ein Wiesbadener Student in den Alpen tödlich verunglückt.

Eine Gruppe Wiesbadener Studenten fuhr un­ter Führung des autorisierten Bergführers Wicht von der Wiesbadener Hütte im Partnautale zur Iarntalhütte. Bei der Ab'ahrt über den 3am> glekscher kam der Student Karl Zyperek aus Wies­baden aus der Spur im Hang der Steilmoräne und rutschte mit einer Lawine unge­fähr 10 Meter ab. Die übrigen Teilnehmer begannen sofort mit den Rettungsarbeiten; es ge­lang ihnen auch, Zyperek, der in einer Tiefe von einem Meter im Schnee lag, nach 25 Minuten wieder vollständig fveizurnachen. Die an- gestellten Wiederbelebungsversuche blieben jedoch erfolglos.

Sechs Arbeiter von einer Lawine verschüttet.

Eine Gruppe von sechs Arbeitern war mit Aus­grabungsarbeiten vor dem Eingang eines TunnelsinFormazzo beschäftigt, als sie von einer riesigen Lawine verschüttet wurde. Obwohl aus den umliegenden Dörfern Hilfsmannschaften heran- gezogen wurden, ist es noch nicht gelungen, die Ver­unglückten zu bergen.

Schweres Autounglück,

Ein schweres Autounglück ereignete sich auf der DüsseldorfHuppenrather Chaussee. Ein mit vier Personen besetzter Personer.krastvagen geriet beim Ausweichen ins Schleudern und fuhr gegen einen Baum. Der Anprall war so stark, daß der Direktor Pipver aus Düsseldorf auf ber ©teile tot war. Ein anderer Insasse wurde leicht verletzt, während der dritte Insasse und der Chauffeur wie durch ein Wunder mit dem Schrecken davonkamen. Der Wagen wurde fast völlig zertrümmert. Rach Angabe des Führers des verunglückten Wagens soll der entgegenkom­mende Lastkraftwagen nicht abgeblendet haben.

Lin englischer Versicherungsschwindler hingerlchlel.

Der Mörder R o u e s , der im Rovember einen Unbekannten in seinem Auto verbrannt hat, um die Versicherungssumme für sich einzustreichen, wurde am Dienstagvormit­tag in dem Bedford-Gefängnis gehängt, lieber 2000 Menschen, zumeist Frauen und Kinoer, war­teten trotz der bitteren Kält« vor den Gefängnis­toren, bis die Rachricht von der Hinrichtung angeschlagen wurde. Roues hat bis zum letzten Augenblick an der Behauptung festgehalten, daß er unschuldig sei.

Die Feuerwehr in Berlin rettet drei Menschen aus Todesgefahr.

Ein gefährlicher Dachstuhlbrand entstand in der Schützenstrahe in Berlin-Steglitz. Als die Feuerwehr mit zwei Rohrleitungen zum Angriff vorgehen wollt«, ertönten plötzlich ausdenGie- b e l f e n ft e r n der im vierten Stock befindlichen Mansardenwohnungen gellende Hilfe­schreie. Drei Personen, eine 66jährige Greisin und zwei junge Mädche , 17 und 19 Jahre alt, waren im Schlafe von dem Brand über­rascht worden und konnten sich durch Flammen und Qualm hindurch nicht mehr den Weg ins Freie bahnen. Die Feuerwehr ließ sofort einen Rettungstrupp Vorgehen, der mit Aexten die Süren der beiden Wohnungen einschlug und die Gefährdeten mit Hilfe von Rauchschuhmasken inSicherheit brachte.

Kunst und Wissenschaft.

Jugendpreis Deutscher Erzähler 1930.

Berlin, 11. März. (WTB. Funkspruch.) Um den diesjährigen Iugendpreis, der dem Verbände Deutscyer Erzähler von der Deutschen Buchgemein­schaft alljährlich in Höhe von 10000 Reichs­mark gestiftet und im Einvernehmen mit dem Preußischen Kultusministerium verteilt wird, haben sich für das letzte Ausschreiben 91 Schriftsteller unter dem 40. Lebensjahre beworben. Das Preisgericht hat den Preis an Joseph Martin Bauer aus Dorfen in Oberbayern für seinen RomanAchtsiedel" erteilt

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 11. März 1931.

Gefiederte Gäste aus Rußland.

Don Studienrat Ernst Holzel.

Zu den auffallendsten Erscheinungen unserer winterlichen Vogelwelt gehören die großen Krähenflüge, die mitunter Aecker und Wiesen schwarz erscheinen lassen, die treue Begleiter des Mist fahrenden Dauern sind und die sich all­abendlich an gemeinsamen Schlafplätzen vereini­gen. Gegen Ende Oktober pflegen meistens die ersten Flüge auch die Aufmerksamkeit des Richt­ornithologen zu erwecken. Diese Schwärme be­stehen in der Hauptsache aus Saatkrähen. Stol­zieren sie in der Wintersonne über den Acker, so schillert ihr schwarzes Kleid in metallischem, bläulichem oder violettem Glanz, während dort, wo Schnabel und Kopf zusammenstohen, sich eine weißliche, grindig« Zone befindet. Die Saatkrähe ist bei uns in Oberhessen ein seltener Drutvogel geworben, der deswegen verhältnismäßig leicht zu vernichten war, weil er gesellig in Kolonien zu brüten pflegt. Die einzige größere Kolonie in Hessen dürfte wohl noch bi« auf bemKühkopf" bei Oppenheim fein. Die großen FlügL können also bei uns ihre Heimat nicht haben. Wie sie im Herbst kamen, so verschwinben sie im März/April triebet in nordöstlicher Richtung.

Durch bas gefcinge Brüten eignet sich die Saat­krähe sehr gut für den Deringungsversuch. Es wirb leicht möglich sein, eine größere Zahl von Restjungen durch Fußringe zu zeichnen. Da aber bie Krähen in verhältnismäßig großer Zahl in bie Hanb des Menschen gelangen (Abschuß durch Jäger und Flurschühen), besteht auch begründete Aussicht, gezeichnete Tiere wieder in die Hand zu bekommen. Ein solches Schicksal hatte auch die Saatkrähe, die am 14. Januar 1931 auf dem Ge­lände bet Heil- und Pflegeanstalt in Gießen er­beutet wurde und deren Fußring mir zu gestellt wurde. Seine BezeichnungMoskwa 10 483 D beutete auf die russische Heimat des Tieres hin. Durch gütige Unterstützung der deutschen Vogel­warte in Rossitten erfuhr ich, daß es sich um ein Tier handelt, das von derBiologischen Station junger Raturalisten" in Moskau beringt worden ist. Die von diesen russischen Vogelzugforschern durchgeführten planmäßigen Beringungen haben zur Wiederaussindung einer größeren Zahl von Ringvögeln geführt und lassen uns dadurch heute schon einen Einblick in den Zug der russischen Saatkrähen tun. Die Beringungsorte liegen alle nordwestlich und nordöstlich von Moskau. Von dort geht der Zug nach Südwesten über Polen nach Deutschland und weiter nach Frankreich, wo in der Bretagne der von der Deringungsste'le am weitesten entfernt« Fundpunkt liegt. Wir ha­ben also auch hier das Bild eines deutlichen Oste West-Zuges.

Das Beringen der Vogel zur Erforschung ihrer Biologie hat nur dann Sinn, wenn beim Erbeuten eines gezeichneten Bogels so verständnisvoll ver­fahren wirb, wie in unserem F"lle. Der Ring kann seine Ausgabe nur bann erfüllen, wenn er unter genauer Angabe bet näheren Timstände sei­ner Erlangung an die Ausgabestelle zurückgeht. Das ist eine leichte Mühe, mit der dem wissen­schaftlichen Forschen ein großer Dienst geleistet werben kann. Ein Ring, ber irgendwo in einer Schublade als Kuriosität ruht, hat seine Aufgabe verfehlt.

Daten für Donnerstag, 12 März

1607: der Dichter Paul Gerhardt In Gräfenhai­nichen geboren; 1831: der Dichter Friedrich von Matthisson in Wörlitz gestorben; 1909: Hermann Julius Meyer, Inhaber des Bibliographischen In­stituts in Leipzig, gestorben.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater:Rachtasyl', 19.30 bis 22.30 älhr. Sparerbund: Oeffentlicher Lich b.l^ervor.rag, 20.15 Mr, imPrinz Carl", Seltersweg. Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Die Privatsekretärin".

Aus dem Stabtthearerbureau wird uns geschrieben: Heute, 19.30 Uhr, Maxim Gorkis Szenen aus der TiefeRachtasyl" unter der Spielleitung Walter Bäuerles. Samstag, 14. März, 20 Tlhr, findet als Vorstellung im Freitag-Abonnement das einmalige Gastspiel des Komikers Max Adalbert mit seinem Berliner Ensemble statt. Dies Gastspiel wird wegen Adal­berts mehrjähriger Verpflichtung beim Film zu- nächst das letzte Auftreten in der Provinz sein und daher einem langen Abschied von diesem Darsteller gleichkommen. Adalbert gastiert mit dem erfolgreichsten Lustspiel ber letzten Berliner SaisonDer Mann der schweigt" von O. Malin, das den Berliner Spielplan monatelang be­herrschte. Zehnerkarten haben keine Gültigkeit; für Abonnenten ermäßigte Operettenpreif«, sonst Operettenpreise.

Hohe Ehrung eines Feuerwehr- Veteranen. Reichspräsident v. Hinden­burg hat dem Inhaber der GastwirtschaftZum Schiptapaß", Jean Arnold, anläßlich seiner 51jähr'.g«n Zugehörigkeit zur Freiwilligen Gail- sch«n Feuerwehr durch Schreiben vom 10. März d. I. seine herzlichsten Glückwünsche und beson­dere Anerkennung für die treuen Dienste aus­gesprochen, die der Jubilar mit vorbildlichem Pflichtbewußtsein und in hingehender Arbeit für das Gemeinwohl geleistet hat.

** Keine Beförderung vonWertsen- dungen beiRacht. Dor der Lberpostdirektion Darmstadt wird mitgeteilt: Wegen der zunehmeir- den Gefahr von Raubüberfällen auf Landkraft- posten sieht sich die Deutsche Reichspost gezwun­gen, die Mitnahme von Geldern undWert- sendungen durch bie Landkrastpo.ten bei Fahrten in ber Dunkelheit einzustellen. Dadurch erfährt die Einlieserungsmöglichkeit bei den an Lanbkraftpostlur,en gelegenen Postdienst­stellen bis auf weiteres gewisse Einschränkungen, die von der Oefsentlichkeit vorübergehend in Kauf genommen werden müssen.

** Weitere Einschränkung der Heil­behandlung für Kriegsbeschädigte. Dom Verband der Kriegsbeschädigten und Krieger- Hinterbliebenen in der KriegerkameradschaftHas- fia" wird uns geschrieben: Anerkannte Kriegs­beschädigte ohne Rentenbezug hatten bisher einen von keiner Seite besttittenen Rechtsanspruch auf freie Heilbehandlung für die als Folgen einer Dienstbeschädigung anerkannten Leiden, wenn da­durch eine Verschlimmerung dieser Leiden verhütet wurde. Das Reichsarbeitsministerium hat nunmehr durch einen Erlaß diesen Rechtsanspruch bestritten und die Versorgungsbehörden angewiesen, solchen Kriegsbeschädigten hinfort nur noch befristete Hell behandlung ohne Barbezüge als Kann-Anspruch yi

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Mähren. Der Berban Kriegerhinterbliebenen bundesKysshäuser" dah die Nolverordnun 26 7.1930, auf die sich hierbei beruft, keine g solche Schmälerung ber beschädigten bietet, un M Entscheidung vor bi Morden der Reichst * Asro jn Qje£, jreifag, 13,, Samstag, möen in den Palast-l P'ele ber Afra statt, bie A. plul Hugo Gans Wankenlefetunst beim raren in vielen Stabt groge Erfolge erzielte. N^/ufmerlsamk - n, 'm Rahmen ihre S»! S M i, SB« zentration Ä ?5

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