Ausgabe 
11.3.1931
 
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Mittwoch, U. März 1931

181. Jahrgang

Nr. 59 Erstes Blatt

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnick und Verlag: vriihl'sche Univerfltäls-Vuch- und Stdnöruderci H. Lange in Stehen. Schriftlettung und Seschästrltelle: ZchuMrahe 7.

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Dr Friedr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tdyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen.

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Heimkehr aus Rußland.

Die deutsche, r Industriellen haben ihren Besuch in Moskau zu Ende geführt. Lieber ihre Eindrücke wird man vielleicht späterhin noch weiteres hören. Vorläufig ist nur ein amtliches (Kommunique herausgegeben, aus dem hervorgeht, daß ein neues Exportabkommen ge­troffen ist, daß also demnächst wieder größere Bestellungen aus Rußland für die deutsche In­dustrie zu erwarten sind. Eine in den Zeiten stärkster Arbeitslosigkeit willkommene Kunde, die aber vermutlich doch auch politische Bedeutung hat. Es darf nicht vergessen werden, daß die ganze Reise auf russische Einladung hin erfolgt ist und wohl in innerem Zusammenhang damit steht, daß in nächster Zeit die Frage akut wird, ob der deutsch-russische Vertrag von 1926, der die gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen re­gelt, erneuert werden soll.

Die Erfahrungen, die wir bisher gemacht haben, sind nicht allzu erfreulich. Statistisch läßt sich nach­weisen, daß die ganzen Verträge nicht eine Steigerung des Exports für und be­deutet haben, daß vielmehr die Russen die Be­träge, die für sie durch das deutsche Kreditsystem frei wurden, benutzt haben, um in anderen Ländern Aufträge zu erteilen, was ja nicht gerade der Zweck der Hebung war. Die Rus­sen saßen auch sonst auf einem ziemlich hohen Roß und hoben zu erkennen gegeben, daß sie den Ver­trag nicht ohne weiteres erneuern würden, sondern wesentliche Abänderungswünsche hätten. Sie wer­den inzwischen herausgefühlt haben, daß die Be­geisterung für eine einfache Verlängerung des Vertrages auch auf deutscher Seite gelinde gesagt recht gering ist, daß sogar von manchen Seiten starke Bedenken geltend gemacht werden. Es muß sie immerhin nachdenklich stimmen, wenn jetzt die dem Reichskanzler nahestehendeGermania" es glattweg für ausgeschlossen erklärt,mit einem Lande normale Vertragsbeziehungen auf­recht zu erhalten, in welchem man täglich den Bürgerkrieg gegen die kapitalistische Welt predigt und den proletarischen Llmsturz durch kom­munistische Zellen in fremden Staaten ideologisch und praktisch vorbereitet."

Linse re ganzen Beziehungen zu Rußland sind eben darauf aufgebaut, daß sie ein Gegen­gewicht schaffen sollten gegen eine eventuelle Abhängigkeit gegenüber dem Westen. Der Rapallo-Vertrag war die Betonung eines selb­ständigen deutschen Kursus, der auch weiterhin von uns verfolgt worden ist, obwohl die Russen das des öfteren bestritten haben. Aber wir kön- nen diese Linie nur innehalten, wenn die Russen das Doppelspiel auf geben, das sie bis­her mit ihrer amtlichen Politik und ihrer dritten Internationale getrieben haben. Wir können es uns nicht mehr gefallen lassen, daß sie allen diplomatischen Verträgen zum Trotz durch un­begrenzte Geldmittel den Llmsturz bei uns för­dern wollen. Sie müssen uns also Sicherheiten geben, daß diesem Unfug ein Ende bereitet wird, dann sind wir auch gern bereit, politisch und wirtschaftlich weiter mit ihnen zu verkehren.

Oer Fall Weingartner.

Professor Hcllpach fordert Solidarität der deutschen Wissenschaft und Ännst.

Seibel berg, 10. März. (TLl.) Professor Dr. Hcllpach, der frühere badische Llnlerrichtsmini- fter und Staatspräsident, hat andasDeutsch- Französische Studienkomitee (Vor­sitzender Staatsministcr a. D. Freiherr von Rostih- Wallwih, Berlin) das Ersuchen gerichtet, eine ak­tenmäßige Klarstellung des Falles Weingartner herbeizuführesi, aus der die wirklich bestimmenden Beweggründe der franzö­sischen Regierung für das Weingartner-Verbot er­sichtlich werden. Professor Hcllpach, der jenem Komitee angehört, weist daraus hin. daß er, falls die in der Presse verbreitete Darstellung des Fal­les Weingartner zutressend und erschöpfend fei, naturgemäß auch seinerseits nicht im- stände sein würde, seine Zusage eines Vortrags im Rahmen des Germa­nistischen Instituts der Sorbonne im Mai dieses Iah res ausrechtzuerhalten. Unter der­selben Voraussetzung werde sich hossentlich kein DeutschervonRamen undWürde bereit finden, in Frankreich zu reden, zu spielen, auszu­stellen usw., solange die französische Regierung im Amte sei, die den Fall Weingartner zu verantwor­ten habe.

Englands Landrüstung.

Tie Vorlage der Arbciterrcgierung.

London, 10. März. (TU.) Bei der Aussprache über den Voranschlag für die Armee ging der La bour-Kriegsminister Tom Shaw eingehend aus die Abrüstungsfrage ein. Er betonte, er wolle keine gehässigen Unterschiede zwischen den Rationen machen, ober er bäte doch einen jeden, der ein Inter esse an der Sache der Abrüstung habe, einmal an Hand des vom Völkerbund herausgegebenen Hand" buches genau die tatsächlichen Verhältnisse zu stu­dieren. Es stehe außer Zweifel, daß die enorme R üst ungs Verminderung bei der eng­lisch e n A r m e e bei den anderen Ländern keine entsprechende Antwort gefunden habe. Die englische Abordnung habe nicht im geringsten den Erfolg gehabt, den man für wünschenswert halten müsse. Unter diesen Umständen sei es unmöglich, weiterhin die Politik der einseitigen Ab­rüstung Englands zu empfehlen. Die Ziffern sprächen dagegen, die Erfahrung spräche dagegen,

Der Eindruck der Groenerrede im Ausland.

Starke Erregung in der französischen presse. Paris hält an der Kriegsschuldiüge fest.

Paris, 10. März. (TU.) Die große Rede des Reichswehrministers Örocncr wird in der franzö- ischen Presse zwar stark beachtet, gibt der Mehrzahl der Blätter aber wegen ihres sachlichen Inhaltes keine Veranlassung dazu Stellung zu nehmen. Man begnügt sich vielmehr damit, die wesentlichen Punkte wörtlich wiederzugeben und unterstreicht besonders die Sätze, in denen sich Groener gegen d i e un­wahren Behauptungen des franzö- isch en St r i e g 5 m i n i |t e r 5 bezüglich der deutschen Wehrmacht wendet. Ausnahme von dieser allgemeinen Zurückhaltung macht dasE ch o de Paris", das betont, es habe sich für den Reichs- wehrminister weniger darum gehandelt, den Reichs­wehrhaushalt zu verteidigen, als einen weit aus geholten Angriff gegen den fran­zösischen K r i e g s m i n i ft c r zu Unternehmern Hierbei habe er sich zwar nicht des WortesLüge" bedient, habe aber mit großer Schärfe die Behaup­tungen Maginots als unwahr bezeichnet, lieber die Haltung der übrigen Parteien äußert sich das Blatt dahin, daß ihre Zustimmung zu den Aeußerungen Öroencrs nicht wundernehmen dür- en. Charakteristisch fei jedoch d i e Haltung der Sozialdemokraten. Die Erklärungen ihres Sprechers, daß es im deutschen Haushalt keine Geheimfonds für R ü ft ungs zwecke gebe, entgegen den französischen Gewohnheiten, beweise nur zu deutlich, daß die Sozialdemokraten nicht, wie man in Frankreich annehme, nur Zuschauer, son­dern direkte Komplicen der deutschen R e ch t s k r e i s e seien.

DerF i g a r o" wendet sich dagegen, daß das republikanische Deutschland mit den ehemaligen deutschen Führern übereinstimmt und Lie Lüge von der Alleinschutd Deutschlands am Weltkriege ener­gisch zurückweist.Paris Rouvelles schreibt, der Reichswehrminister habe gegen die französische Militärpolitik geradezu einen Prozeß eröffnet, von dem man zumindest sagen müsse, daß er inopportun fei. Man werfe den Franzosen häufig vor, daß sie zu wenigl o c a r n i st i s ch" ge­sinnt seien. Der Reich anzler Brüning wurde gut tun, die Leidenschaften seiner Redner zu zügeln, ehe er Steine auf Frankreich werfe. Reden, wie die des Generals Groener und des Ministers Trevi- ranus seien dazu geeignet, die deutsch-französische Verständigungsine die" zu vertagen.

Die Pariser Abendpresse gibt in chren Kommen­taren unzweideutig der Furcht Ausdruck, die sie vor der Erfüllung der deutschen Forderung auf Einsetzung eines internationalen Schiedsgerichts zur Feststellung der Kriegsschuldfrage hegt. So schreibt der nationalistischeI n t r a n s i g e a n t" , daß kein Boden schlüpfriger sei als der, auf dem man cm derartiges Gericht aufbauen wolle. Bei der Kriegsschuldfragc handele es sich um mora­lische Verantwortlichkeiten, die auf anfechtbaren Unterlagen und Schriftstücken be­ruhen. Den von den Alliierten vorgebrachtenBe­weisen" könne man gegenteilige Anschauungen ge­genüberstellen, die demScheine" nach ebenso wertvoll seien. Für Frankreich, das als erste Macht den Beweis einer ehrlichen Abrüstung er­bracht habe, sei es geradezu widerlich, sich jeden Monat von neuem gegen den Angriff wehren zu müssen, der größte militari st i che Staat der Welt zu sein. Auch die nationalistischeLiberte" weiß der Forderung Deutschlands keine stichhal­tigen Gegenargumente gegenüberzustellen. Das Blatt unterstreicht lediglich, daß Deutschland nur deshalbein internationales Schiedsgericht über die Kriegsschuldsrage fordere, weil es sehr wohl wisse, daß sämtliche Verträge von 1 9 19 hierauf beruhten. Wenn es an der Revi­sion der Kriegsschuldsrage festhalte, so wisse es sehr genau, daß sich hieraus die Revision der Ver­träge ergebe.

Der ..Ternp s" wirft Gröner vor, auf geradezu ..unverschämte Art", auf die Aus uhrungen Ma­ginots geantwortet zu haben. Sein Ton erinnere an denjenigen eines Kriegsministers des ehe­

maligen Kaiserreiches. Alles, was seit Iahren die Meinungsverschiedenheiten anfache, finde sich in den Erklärungen des Reichswehrministers wie­der. Die These Sröners über den Rüstungsstand Frankreichs sei unhaltbar. Aber selbst, wenn sie wahr wäre, so könnte die zivilisierte Welt f i ch dazu nurbeglückwünschen", da gerade Frankreich mehr als andere Staaten die Auffassung vertrete, daß die Macht in den Dienst der Gerechtigkeit und des Friedens gestellt werden müsse. Deutsch­land habe kein Recht, sich gegen die Ausführun­gen Maginots bezüglich der Verantwortlichkeit am Kriege zu verwahren. Der böse Wille, den Deutschland bei der Durchführung der ihm auferlegten Verträge bewiesen habe, werde die Alliierten kaum veranlassen, den Angreifer von gestern auf gleichen Fuß mit denOpfern" des Weltkrieges zu stellen. Die Forderung einer Revision der Kriegsschuldfrage tut das Blatt mit der Bemerkung ab, es genüge nicht, wenn sich von Zeit zu Zeit eine Stimme im Lager der Alliierten gegen die Schuld Deutschlands am Kriege erhebe, um die These der Alliierten zu erschüttern. Die Ruinen in Belgien und Frankreich zeugten noch heute für die Schuld der kaiserlichen Armeen an den verbreche­rischen Handlungen, die durch amtliche Llnter- suchungen festgestellt seien. Deutschland dürfe

R y b n i t, 10.März. (WTB.) Unter außerordentlich starkem Andrang des Publikums und deutscher und polnischer Pressevertreter begann heute der Prozeß wegen der am 19. November v. I. In Hohettblrken durch Aufständische verübten Terrorakte gegen Angehörige der deutschen Minderheit. An dem genannten Tage Drangen, wie seinerzeit gemeldet, in den späten Abendstunden mehrere Auf­ständische in die Wohnungen der der deutschen Minderheit angehörigen Personen ein. Die Woh­nungen wurden vollständig demoliert und die Wohnungsinhaber und ihre Angehörigen teil­weise schwer mißhandelt. Unter den A n geklagten befindet sich auch der Polizei- kommandant von Hohenbirken, St o n c 3 a , so­wie der polnische Schulleiter Schymanfki.

Der Polizeikommandant K 0 n c z a erklärt, daß ihmnichtsvonGewaltaktenderHohen- birkener Aufständischen bekannt sei. Die Aufständischen hätten seinerzeit einen Umzug in Hohenbirken veranstaltet, der sehr ruhig verlaufen sei. Nach diesem Umzüge habe ein Teil der Demon­stranten, darunter auch er (Koncza) eine Gast­wirtschaft aufgesucht und dort bis 24 Uhr gesessen, während die Gewaltakte angeblich in der Zeit von 22.30 bis 23.30 Uhr verübt worden seien. Koncza gibt eine ausführliche Schilderung über die deutsche Minderheit in Hohenbirken ab, die, nach seiner An­sicht, eine starke Propaganda getrieben habe, die Die polnische Bevölkerung in Aufregung bringen mußte. Außerdem sei Die polnische Bevölkerung von Hohenbirken auch Durch reichsDeutsche Hitlerleute a 11 Der Grenze wiederholt provoziert wor­den. Der 'Angeklagte S ch y m a n s k i äußert sich in gleichem Sinne. Verheerend habe nach feiner An­sicht dieRededesMinistersTreoiranus gewirkt. Nicht uninteressant ist. daß die anderen An­geklagten angeben, sie hätten mit den verletzten Min­derheitsangehörigen in schön st em Einver­nehmen gelebt.

Schon aus den ersten Auslagen der Zeugen, die zugleich Rebenkläger sind, ergab sich ein er­schütterndes Bild der Vorgänge in Hohenbirken. Wahre Schreckensszenen ereigneten sich in dem

kaum ein Interesse daran haben, diese Erinnerung wieder aufzuwühlen.

Keine tleberraschung in England.

Der scharfe Ton der Groenerrede gerechtfertigt.

Reuy 0 rk, 10. März. (WTB.) EveningPost schreibt zu den Erklärungen des Rcichswehr- ministers Groener, es sei nichts Lieber ra­sch en des an dieser Rede, die jedoch angesichts ihres festen Tones eine bedeutsame Erklärung der deutschen Politik in der Abrüstungsfrage darstelle. Cs sei klar ersichtlich, daß diese Frage für Deutschland nicht länger rein theo­retisch bleibe. Wenn die Darlegung des deut­schen Standpunktes eine Drohung ein» schließe, so sei diese durch den Verlauf Der Ver­handlungen über die Abrüstungsfrage in der letzten Dekade gerechtfertigt. Die Alliier­ten seien moralisch verpflicht et, dieAb- rüstungsversprechungen einzukciltcn, und im Falle eines Versagens sei es schwierig zu überblicken, unter welcher Begründung sie Deutschland das Recht, zu rüsten, verweigern könnten. Dies sei eine Herausforderung, mit der die nächste 2lb- rüstungskonferenz rechnen müsse.

Hause des Schlossers S 0 l l i ch, Der nur durch einen Zufall den Banditen entronnen ist, Da er sich in seinem Schlafzimmer unter Dem Bett verborgen hatte, wo er in Der Dunkelheit nicht gefunden tourLc. In einem unbewach e.i Au. e b ck war er Dann, mir mit dem Hemd bekleidet, nach dem Hof geflohen und hatte sich irnStallver- steckt.

Die Verteidigung Der Angeklagten ging Darauf aus, irgenDwie nachzuweisen, Daß Die Geschädigten bereits Durch Den Deutfchen V 0 lksbund größere Beträge erhalten hätten unD sonit Die Schäden schon abgegolten seien. Im Hin­tergründe stand Dabei Das Bemühen, Dem Gericht deutlich zu machen, daß es sich ja roch nur um bezahlte Agenten des so staatsgefährlicheil Deutschen Volksbundes handele. Man will Damit Dem Prozeß einen politischen Charakter geben und Den Taten der Angeklagten entlastenDs patriotische Motive unler,chicben.

Der Anwalt Der Rebenkläger Dr. Zechenter ver­bat sich diese Fragestellung mit der Begründung, daß die Fragen nach Der Entschädigung Der Re­benkläger in das Gebiet eines gesonderten Zivil- Prozesses, nicht aber in Den vorliegenden Straf­prozeß hincingehören, worauf sich das Gericht zur Beratung zurückzog. Zum nicht geringen Erstau­nen wurde jedoch als Gerichtsbeschluß verkündet, daß Fragen dieser Art auch weiter zuzu­lassen seien. Bei der Vernehmung des Schol- tys ergab sich, daß in dessen Haus nicht wenigen als 77 Fensterscheiben eingeschlagen wurden. In die Küche drangen fünf Kugeln, eine weitere Ku­gel wurde in das Schlafzimmer abgefeuert, die, wenn Dort jemanD geschlafen hätte, unbedingt eine tödliche Wirkung verursacht hätte. Liese Tatbe­stände sind seinerzeit auch von Dem PräsiDenten Der Gemischten Kommysion, ©a Ion Der, festge- stellt worden.

Es berührte eigentümlich, daß Der Gerichts- Vorsitzende immer sofort scharf eingriff, wenn d e Angeklagten auf Die Vorfälle am Wahl­tage selbst zuruckkommen wollten, um dadurch zu erläutern, daß Der Schulleiter S chy -

Der Mdecheitenterm in Hohenbirken.

Die polnischen Aufständischen vor Gericht. - polizeikommandant und Schul­leiter als Führer der Deutschenhehe.

und nach seiner Ansicht sprächen auch Die Aussichten auf Frieden und Abrüstung Dagegen. Die englische Regierung werde alles tun, um Den Tag herbeizu- führen, an dem die Rüstungen in Der ganzen Welt durch internationale Abkommen herabgesetzt würden. Im Augenblick sei es aber gänzlich unmö g l i ch, eine Herabsetzung vorzuschlagen. Deswegen hielten sich die in dem Voranschlag gemachten Zahlen­angaben auf derselben Höhe wie im Vorjahr.

Der konservative Abgeordnete Major Tryon erklärte, daß die Konservativen sich Dem Voranschlag nicht widersetzen würden, da er das Mind e st - maß dessen darstelle, was im Interesse der Nation gefordert werden müßte. Die Abrüstung müsse sich auf Dem Grundsatz gleicher Opfer aufbauen. Er hoffe, daß die englische Regierung einige Informationen über Die riesenhafte russische Armee und Deren Aufbau geben werde.

Oer Tagungsort

der Abrüstungskonferenz.

Genf, 10. März. (TLl.) Lim ten Tagungsort Der Abrüstungskonferenz von 1932 ist jetzt ein hef­tiger Streit entbrannt. Vertreter Der Stadtver- waltung von Barcelona ftnD soeben hier ein­getroffen, um mit Den zuständigen Stellen Des Völkerbundssekretariats zu verhandeln. Diesen Verhandlungen liegt ein großzügiges Angebot Der StaDtverwaltung von Barcellrna zugrunde, in dem

u. a. Die Paläste und Ausstellungsge- bäuDe Barcelonas ter Konferenz kostenlos zur Verfügung gestellt unD kostenlose BesörDe- rung unD Unterbringung sämtlicher Be­amten des VöllerbunDsfekretar'.ats sowie kosten­lose Besichtigungsfahrten nach Den Balearen zu- gesichert werden. Außer Barcelona haben inzwi­schen auch Lausanne, Biarrth, Cannes unD Wien um Die Wahl als Tagungsort nach­gesucht. Die enDgültige Entscheidung über Den Ta­gungsort soll auf Der Maitagung Des Völker- bundsrates fallen.

Diesrelen GrweMasten fordern em neues Arbettszettgesetz.

Berlin, 10. März. (ERB.) Der Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Gewerk- schaftsbundes hielt eine Tagung ab. auf Der in einer einstimmig angenommenen Entschlie­ßung Die Einführung Der fünftägigen Arbeits­woche gefordert wurde. In Der Resolution heißt es il a.:

Der Bundesausschuß lenkt die Aufmerksam­keit Der Öffentlichkeit Darauf, Daß Die Entwick­lung auf Dem Arbeitsmarkt eine DauernDe Verkürzung Der Arbeitszeit erfordert, um die Arbeitsgelegenheit selbst bei besserer

Konjunktur auf alle Arbeitskräfte gerecht zu verteilen. Aus diesem Grunde erhebt der Bun- desausfchuß schärfsten Protest dagegen, daß Schiedssprüche gefällt und durchgeführt werden. Die sogar eine Arbeitszeit über 48 StunDen auch für Die Zukunft festgelegt haben. Lim so einDringlicher muß Die Forderung wieDerholt tper» Den, balDigft ein neues Arbeitszeit- gesetz zu schaffen, das Die regelmäßige Arbeitswoche aus fünf Tage 0 d er 40 Stunden beschränkt. In einer wei­teren, ebenfalls einstimmig angenommenen Ent­schließung zur Lohnfrage heißt es u. a.: Statt Der in Aussicht gestellten Belebung der Wirtschaft ist Die Arbeitslosigkeit gerade infolge Der Kauf­kraft-Vernichtung erheblich Weiler gestiegen. Die Forderung Der Gewerkschaften nach Der Er­haltung Des Lohnniveaus liegt Da­gegen nicht allein im Interesse Der Arbeiter­schaft. Lohn und Gehälter sowie Die Summen aus den Llnterstühungen fliehen unmittelbar und restlos in Den Konsum zurück und bilden einen ständigen Antrieb des wirtschaftlichen Lebens. Der Dundesausschutz fordert daher sowohl von Der Reichsregieruna, wie von allen öffentlichen Gewalten, den bisherigen Druck auf Die Löhne sofort einzustellen und Der Arbeiterschaft gegen­über Dem Unternehmertum Den Schutz zu ge­währen, Den anDere weniger gefährDete Vvlks- schichten für sich in Anspruch nehmen.