Nr. 211 Erster Matt
181 Jahrgang
Donnerstag, 10. September 1931
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
tmd unö Derlag: vrühl'fche Unioerfttäu-Vuch- nnö Sieinöruderei L. Lange in Sießeiu Schnftleitung uns iSefchästrstelle: S^uHtraM 7.
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Dr. Fnedr. Wilh. Lange, verantwonlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr tz.Tdynot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Ma§ Filter, sämtlich in Gießen.
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pokschestfonto: .Venffurtam Main 11686.
n i cf benutzt worden, um mit
Professor Dr. Alsberg und seinem Sozius Goll- Hilfe feiner Frau aus
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Die kommunistische Presse schwelgt seit einigen Tagen in Enthüllungen über einen neuen Iustizskandal. Wir haben davon bisher nicht Kenntnis genommen, weil derartige „Skandale" in diesen Blättern etwas Alltägliches sind. Inzwischen hat aber doch die Hetze Formen angenommen, die zu einer Klarstellung zwingen. Ausgangspunkt ist der Fall des jungen Stinnes, der vor zwei Jahren wegen Anleihebetrugs onge- klagt war. Er wurde vom Gericht freigesprochen, während fein Prioatsekretär von Waldow, der mit ihm yifammengearbeitel hatte, vier Monate Oe- fangnis erhielt, wobei das Gericht feststellte, daß die Teilnahme von Hugo Stinnes am, Betrugsvcrluch objektiv sicher sei, daß er auch fahrlässig gebandelt habe, daß aber der Betrug ein Dorsatzdelikt sei und nur ein erheblicher Verdacht der Böswilligkeit gegen Stinnes bestand, nicht jedoch die Gewißheit.
Nun kommen die Kommunisten und behaupten, dieses Urteil sei damals nicht rechtmäßig zustande gekommen, es sei vielmehr mit Bestechung, wenn auch nur auf Umwegen gearbeitet worden. Und zwar wird der Zusammenhang so konstruiert, daß der Vorsitzende des Gerichts, Landgerichtsdirektor Dr. Arendt, sehr befreundet gewesen sei mit einem damaligen Assessor, heutigen Rechtsanwalt Dr. Glade und dessen Frau. Dieser Glade nun sei von den Verteidigern des Angeklagten Stinnes, dem
Was noch vor kurzem von vielen als Phantasterei abgetan wurde, soll jetzt doch Wirklichkeit werden: Dis zum Jahre 1933 will eine amerikanische Gesellschaft eine Kette künstlicher Flugzeuglandeplätze durch den Atlantischen Ozean legen, so daß fortab der Flugverkehr zwischen beiden Konti- nenten auf einer verhältnismäßig sicheren Basis ruht. Die erste dieser künstlichen Inseln, ein riesiger Schwimmkörper mit gewaltiger Oberfläche, ist bereits auf halbem Wege zwischen der ostamerikanischen Küste und den Bermudainseln verankert worden. Sieben weitere Inseln sollen nach und nach geschaffen und über die Route, die der Zeppelin auf seinen Amerikaflügen zu wählen pflegt, verteilt werden. Jede Insel besteht aus Stahl. Sie ist so groß, daß sie auch bei schwerem Seegang nennenswerten Er- lchütterungen nicht ausgesetzt ist. Ihre Oberfläche hat Raum genug, um Flugzeuge bequem aufzunehmen und wieder starten zu lassen. Außerdem werden diese Inseln mit Funk, und Wetterstationen Flugzeug- schuppen und Unterkünften ausgestattet sein.
Das also, was man sich nach der ersten lieber- querung des Atlantischen Ozeans durch ein Flugzeug erträumte und was immer die Phantasie unserer Zeichner erregte, will nunmehr die Armstrong Sea- drome Development Corporation in Wilmington (Delawares durchführen, lieber Geldmittel scheint sie in ausreichendem Maße zu verfügen da sehr wahrscheinlich eine Summe von rund 120 Millionen Mark erforderlich sein wird. Die gesamte Strecke soll nach ihrer Fertigstellung zehn Stützpunkte umfassen, also acht künstliche und zwei natürliche, die Bermudainseln und die Azoren.
Politisch interessant ist daran, daß die Franzosen offenbar durch die Amerikaner von den Azoren verdrängt worden sind, denn nach den Absichten der Pariser Regierung sollte eine unter portugiesischer Flagge gegründete französische Flugverkehrsgesellschaft verhindern, daß irgendeine fremde Macht ihren transatlantischen Flugverkehr über die Azoren gehen läßt. Frankreich behält aber immer noch d i e Strecke nach Südamerika, die zwischen den beiden am weitesten ins Meer hineinragenden Punkten Brasiliens und Afrikas liegt, sehr kurz ist. durch AvisoS mit hoher Geschwindigkeit befahren wird, wahrend von beiden Seiten Flugzeuge den Zubringedienst leisten. Das ist natürlich kein Idealverkehr. er dürfte auch sehr rasch in sich zusammensacken, wenn sich erst einmal die amerikanischen Stahlinseln bewähren und wenn die Amerikaner noch dazu übergehen sollten, mit dem gleichen Hilfsmittel Zweiglinien nach Südamerika einzurichten. Die künftige Sicherung des
dem Vorsitzenden Arendt Einzelheiten über die Behandlung des Falles herauszulocken und den Vorsitzenden so zu beeinflussen, daß der Freispruch schließlich zustande kam. Frau Glade habe auch bereits gegen Hugo Stinnes eine Zivilklage eingereicht, worin sie 1500 Mark Schadenersatz verlangt für Ausgaben, die ihr bei ihren Bemühungen für gesellschaftliche Repräsentation entstanden seien, wäh- rend ihr Mann gleichzeitig eine Klage auf 15 000 Mark angestrengt habe, weil ihm für seine Bemühungen angeblich sehr beträchtliche Summen versprochen seien, die er nur zum Teil erhalten habe.
Don allen Beteiligten liegen inzwischen Erklärungen vor, worin sie diesen Tatbestand wenigstens in der Deutung, die ihm die Kommunisten geben, abstreiten. Dagegen ist wohl richtig, daß Dr. Glade zur Bearbeitung juristischer Fragen herangezogen worden ist, wogegen ja auch nichts einzuwenden wäre. Der Gedanke jedoch, daß auf diesem Hmtoege der Versuch einer Beeinflussung deS Gerichtsvorsihendcn mit mehr oder minder deutlicher Bestechung gemacht worden sei, ist so abenteuerlich, daß man ihn zunächst als unmöglich ablehnen möchte. Selbstverständlich muß der Fall untersucht werden; nachdem einmal derartige Anwürfe erhoben sind, gilt es, Klarheit zu schaffen, um zu verhindern, daß durch eine derartige Hetze oaS Vertrauen zur Rechtsprechung untergraben wird. Aber wenn die Llnlersuchung beendet ist, wird auch mit voller Schärfe gegen die Verleumder eingegriffen werden müssen, deren Handwerk nur darin besteht, durch solche infamen Klatschgeschichten die Grundlagen der Gesellschaftsordnung zu erschüttern.
französische Enisuyroervote für Wein nnö Holz.
Ein seltsamer Auftakt zur deutsch-französischen Wirtschaftsverständigung.
Berlin, 9. Sept. «DIB.) Die französische Regierung hat mit dem Datum vom 28. August Einfuhrverbote für Wein und hol; erlassen, die am 4. September in straft getreten sind. Diese beiden Einfuhrverbote berühren auch deutsche Interessen, insbesondere wird der deutsche Holzhandel in Mitleidenschaft gezogen. Am schwersten geschädigt wird der badische Holzhandel, um so mehr, als die französische Regierung am 5. September eine Zusahverordnung herausgegeben hat, wonach das deutsche Holzkontingent für das laufende Ja^r als bereits erschöpft bezeichnet wird, so daß jede weitere Ausfuhr von Holz plötzlich unter- bunden ist, obwohl die Einfuhrverbote grundsätzlich stontingenle für dieses Jahr vorgesehen hatten.
Abgesehen von einer unmittelbaren Schädigung des deutschen Wein- und Holzhandels ist man in deutschen politischen streifen auch au» grundsätzlichen Erwägungen von den plötzlichen Einfuhrverboten überrascht, da sie im Widerspruch zu dem deutsch - französischen Handelsvertrag stehen. Wenn dieser Vertrag auch für einzelne Güter Einfuhrverbote vorsieht, so dürfen diese Verbote jedoch nur aus lebenswichtigen Interessen für die betreffende nationale Industrie erlassen werden. 3m Hinblick auf die unverhältnismäßig geringe Zahl von etwa 1 00 000 Arbeitslosen, die Frankreich im Vergleich zu Deutschland hat, kann man die Begründung der Einfuhrverbote mit lebensnotwendigen Interessen nicht verstehen. Das Auswärtige Amt wird mit der französischen Regierung in Verbindung treten, um die deutschen Interessen zu wahren. Wenn Deutschland nach demselben Prinzip verfahren würde, so könnte es so ziemlich jede Einfuhr verbieten, da bei seiner ungeheuer großen Zahl von Arbeitslosen durch jede Einfuhr ein deutsches Gewerbe betroffen wird.
Die „D. A. Z " bezeichnet die französischen Einfuhrverbote für Wein und Holz als den Ausdruck einer europafeindlichen Handelspolitik. DaS Weineinsuhrverbot richte sich in schroffer Weise gegen Italien und vor allen Dingen gegen Spanien. Von dem Holzeinfuhrverbot werden am ftärlftcn Deutschland betroffen. Mit Recht vertrete die deutsche Regierung den Standpunkt, daß hier eine glatte Verletzung des deutsch-französischen Handelsvertrages vorliege. Die Franzosen hätten seit einiger Zeit schon mehrfach durchblicken lassen, daß ihnen der deutsch-französische Handelsvertrag nicht mehr besonders gefalle. man könnte also die Einfuhrverbote zu den Vorbereitungen der Liquidation dieses Handelsvertrages rechnen. Dann bleibt aber immer noch, so schreibt das Blatt, dieses abrupte und ziemlich grobe Verfahren reichlich merkwürdig, wenn man an den bevorstehenden französischen Ministerbesuch in Berlin denkt, zu dessen Programmpunkten auch so etwaS wie eine wirtschaftliche Verständigung gehören soll. Einfuhrverbote pflegen nicht unter die Rubrik „wirtschaftliche Verständigung" gerechnet zu werden. Die „D. A.Z." gibt weiter der Ansicht Ausdruck, daß die französische Aktion entweder auf die Aktivität von ein paar ehrgeizigen Deputierten aus der Provinz i m Dienste lokaler Interessen zurückzufüh- ren sei oder daß man es für gut gefunden habe, bar. deutsche Holz auSzusperren, weil man in der französischen Handelsbilanz Platz schaffen mühte für das Holz der Russen, mit denen man in Wirtschaftsverhandlungen steht. Beides sei eine seltsame Vorspeise in dem Menu der beabsichtigten 'Berliner Besprechungen.
Holland will die Zolltarife erhöhen.
Amsterdam, 9. Sept. (WTB) Wie aus politischen Kreisen verlautet, beabsichtigt die Regierung, für die Fehlbeträge, die im Staatsjahr 1932 zu erwarten sind, durch Einführung einer Benzinsteuer und durch Erhöhung des allgemeinen Zolltarifes um 8 bis 12 Prozent einen gewissen Ausgleich zu schaffen.
Flugzeugverkehrs über den Atlantik kann dem Plan, den Zeppelin in den ilcberfecbienft xu stellen, empfindlichen Abbruch tun. Aber auch hier bleibt schließlich nur zu überlegen, ob ein Flugzeug, bas womöglich zehnmal Zwischenlandungen vornimmt, dem Zeppelinluftschiff vorzuziehen ist oder ob nicht der Zeppelin doch billiger und besser arbeitet.
Das (Stillhalteabkommen von deutscher Seite unterzeichnet.
Berlin, 9. SepL (WTB.) Da» Stillhalte-Ab- kornmeu ist heute durch die drei beteiligten Stellen. Reichsbank. Deutsche Golddiskont-Bank und Banken- stomilce, unterzeichnet worden. 3n straft tritt das Abkommen an dem Tage, an dem b i e Bank für internationalen Zahlungsaus- gleich an die beteiligten Stellen die Mitteilung gelangen läßt, daß sämtliche Vertragsparteien den Vertrag gezeichnet haben. Der maßgebende Text des Stillhalteabkommens usw. eia-
Die betreffenden Gesetzentwürfe sollen dem Parlament schon kurz nach der für den kommenden Dienstag bevorstehenden Eröffnung der neuen Sitzung»- vcriode des Parlaments unterbreitet werden. Ferner sollen noch weitere Maßnahmen zur Entlastung des Staatshaushaltes, u. a. durch Erzielung von C r • f p a r n i f f c n bei der Ausführung der Zuiderfee- Werke, oorgefehen fein.
©er tschechische Hopsen.
Wie kann der süddeutsche Hopfcnbaucr stk chützt werden?
Berlin. 9. Sept. (ERB.) Wie die „Boss. Ztg." berichtet, ist der tschechoslowakische Gefandte. Dr. Lhvalkovsky. beim Berliner Auswärtigen Amt vorstellig^ geworden, um gegen den Hopfenverwenoungszwang z u protestieren. durch den der Hopfcncrport aus der Tschechoslowakei unterbunden werde. Bei dieser Gelegenheit erklärte der tschechische Gesandte dem zur Zeit amtierenden Ches des Auswärtigen Amtes. Dr. Köpke, daß die Prager Regierung unter dem Druck der Saazer Hopfen- bauern gezwungen sei, Gegenmaßnahmen
zu ergreifen, wenn die reichSdeutschen Bestimmungen nicht geändert würden.
SS wird dazu bemerkt: Der Hopfenverwen- dungszwang ist eingeführt worden, um d i e süddeutschen Hopfenbauern vor dem Ruin zu bewahren. In den letzten drei Jahren ist der HopsenpreiS von 300 und in den letzten drei Monaten von 150 auf 46 Mark gefallen, obwohl der Anbau bereit» um ein Drittel der Fläche reduziert worden ist. Dazu kommt, daß die Hopfenernte des vergangenen Jahre- noch nicht verbraucht worden ist. während die 'Heuernte in den nächsten Monaten auf den Markt kommen wirb. Daß eS sich bei Einführung beS Berwcn- dungSzwanycS nicht um eine zollpolitische Unfreundlichkeit gegenüber bet Tschechoslowakei han- belt, geht schon baraus hervor, bah ble Hopsen- bauern in bet Tschechoslowakei z u 75 Prozent Subetenbeutsche sind. Man wird daher hofsen dürfen, bah die Prager Regierung auf Geaenmahnahmen verzichtet, da eine Aufnahmefähigkeit für tschechischen Hopfen nur zu Lasten der schwer gefährdeten deutschen Hopfenbauern geschaffen werden könnte.
Skandinavische Initiative für ein Mstungsfeierjahr.
Oie skandinavischen Staaten wollen den italienischen Vorschlag aufnehmen und als Antrag im Abrüstungsausschuß des Völkerbundsrates einbrmgen.
London, 10. Sept. (WTB. Funkspruch.) „News Ehronicle" berichtet, die italienische völkerbunds- kornrnission sei noch nicht zu einer Entscheidung darüber gelangt, ob sie für ihren Vorschlag eines Rüstungsseierjahres eine endgültige Entschließung einbringen solle. Wahrscheinlich wurden aber d 1 e skandinavischen Staaten die Initiative ergreifen. Sie feien gegenwärtig damit beschäftigt, den Wortlaut einer Entschließung festzulegen, in der ein 12monatiger Rüstungsfeiertag oorgeschlagen wird. Bevor der Vorschlag eingebracht wurde, solle aber die 11 n - lerstühung anderer Staaten gewonnen werden. Natürlich bereitet, so heißt e» in dem Bericht des „Tleros Ehronicle" weiter, die praktische Durchführung Schwierigkeiten, denn während die Suspendierung von Sd)iffneubauten eine einfache Sache ist, kann dies von der Anwendung der Feiertagsidee auf die regelmäßige Arbeit in den Wilifärarfenalen nicht behauptet werden. Indessen besteht große Aussicht darauf, daß der skandinavische Vorschlag eingebracht und an den dritten Ausschuß des Völkerbundsrats verwiesen werden wird, in dem der dänische Außenminister Dr. Munch den Vorsitz führt. Das Blatt fügt feiner Mitteilung hinzu: Der Wunsch, daß Henderson den Vorsitz in der Abrüstungskonferenz behalte, sei nahezu allgemein. Zeder, der einen Erfolg der Abrüstungskonferenz wünsche, scheine der Meinung zu sein, daß eine Wiederaufrollung der Frage des Vorsitzes einen verhängnisvollen Zustand der Ungewißheit und Unsicherheit zur Folge haben würde.
Amerika begrüßt den Vorschlag Grandis.
Verbesserung der Atmosphäre für die Abrüstungskonferenz
Washington, 9. Sept. (WTB) Irn Staatsdepartement wurde heute betont, die amerikanische Regierung begrüße jeden Schritt, der, wie der Vorschlag Grandis es offenbar plane, die schwierigen Genfer Verhandlungen im nächsten Jahre er- lelchtere. Ein Rüstungsfeierjahr würde die
Atmosphäre bei der Genfer Konferenz erheblich verbessern, und die amerikanUche Regierung erwarte mit Interesse die genauen Einzelheiten de» Italienischen Planes. Die Frage, ob nicht ein ähnliches Feierjahr zwischen England und den Vereinigten Staaten erörtert worden sei, wurde mit dem Hinweis darauf verneint, daß rin derartiger Plan nur möglich sei, wenn er alle in Frage kommenden Staaten einschlleße. Die amerikanische Regierung könne mangels Kenntnis der Details sich formell zu Grandis Vorschlag nicht äußern, aber die zugrundeliegende Idee stoße hier auf volle Billigung.
Beginn der Ausschußsitzungen in Genf.
Fehlbetrag im Haushalt. — Auch der Völkerbund soll sparen.
Genf, 9. Sept. (TU.) Die großen Ausschüsse der Vollversammlung des Völkerbundes, mit Ausnahme des 'Abrüstungsausschusses, haben Mittwoch nachmittag ihre Arbeiten ausgenommen. In den Eröfsnungssitzungen wurden nur formale Fragen, wie die Wahl der Vizepräsidenten sowie die Festsetzung der Geschäftsordnung und des Arbeitsprogramms behandelt. Der Ausschuß für Rechtsfragen behandelte die Frage der Angleichung deS Völke r b un d Sp akt eS an den Kelloggpakt. Die in dieser Frage noch bestehenden großen politischen Schwierigkeiten traten in unverminderter Form scharf zutage. Die überwältigende Mehrheit des Ausschusses sprach sich für Vertagung der Aussprache aus. — Den Verhandlungen des Ausschusses für Haushalts- und Finanzfragen des Völkerbundes kommt diesmal besonderes Interesse zu. da der Haushalt des Völkerbundes infolge des Ausbleiben- der Mitgliedsbeiträge einiger Staaten einen Fehlbetrag aufweist und in der Versammlung von verschiedenen Seiten die Forderung auf eine wesentliche Herabsetzung der außerordentlich hohen Ausgaben de- Völkerbünde- sowie die Herabsetzung der Gehälter der hohenBeamten deSSekretariat- geforoert worden ist. Der Haushalt deS Völkerbundes umfaßt insgesamt 23 Millionen Mark und ist um einige Millionen höher al- im Vorjahre.
schließlich Mantcloerlrag wird befannfgegeben werden, sobald der vertrag in Kraft getreten ist.
DelRe'ch-auMußfmKrieasbeschäi>ig!en- und firieger&fnferbliebenenfürforge.
Berlin, 9. Sept. (TTl.) Am 8. September tagte der Reichsausschuh der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenenfürsorge als gesetzliches Gutachterorgan für die Fragen der Versorgung der Kriegsopfer in Gegenwart von Vertretern des Reichsarbeitsministeriums. Diesem Ausschuß gehören sämtliche Kriegsopferorganisationen Deutschlands von Reichsbedeutung sowie die Vertreter der Hauptfürsorgestellen des Deutschen Reiches an. Die Organisationen und die Vertreter der Hauptfürsorgestellen konnten in der A e n - derung der zweiten Rotverordnung, soweit sie Kriegsopferfragen betraf, eine Einigung erzielen. So wurden eine Besserung der Renten für Leichtbeschädigte, eine Milderung der Anrechnung der Renten auf die Arbeitsll>sen- Unterstützung bei arbeitslosen Kriegsbeschädigten
und Kriegerhinterbliebenen, eine Milderung der RuhenSbeftimmungen für Personen, die öfsent- liches Einkommen beziehen, sowie grundsätzliche Aenderungen auf dem Gebiete der Gewährung von Zusatzrente der Reichsregierung empfohlen.
Beamtenbesoldung und Neuordnung der Pensionen.
Heute Sitzung des Reichskabinetts
B e r I i n, 10. Sept. (CNW) Durch die Preste geht eine Meldung, wonach die Reichsregierung die Absicht hat, das System der Beamtenbesoldung durch Notverordnung neu au regeln und die Pen- sionen zu kürzen. Dieser Plan ist nicht neu; vielmehr wurde bereits vor einigen Wochen darüber berichtet. Wie wir erfahren, wird sich nun aber voraussichtlich heute das Kabinett mit der Vorlage befassen. An den bisherigen Veröffentlichungen ist übrigens falsch, daß d i e bisherige zweijährige Aufrückungsfrist in drei Jahre umgeanbert werden soll. Nach der Vorlage des Reichsfinanzministeriums ist vielmehr beabsichtigt.


