schließlich den Syndikalisten zu verdanken haben und damit mehr oder weniger von ihnen abhängig sind. Die Einlösung dieses Wechsels aber fordern die Syndikate durch weitestgehendes Nachgeben hinsichtlich ihrer maßlosen soziale« Forderungen, was wiederum zu einem latenten Krieg mit den sozialistischen Arbeiterorganisationen, die sich dadurch in ihrem Bestand bedroht fühlen, führen wird. Man kann also heute schon prophezeien, daß dem Lande in sozialer Hinsicht schwere Kämpfe bevorstehen werden, insbesondere, wenn man berücksichtigt, daß die Syndikalisten bei den Kommunisten starke Unterstützung finden.
Lieber das parlamentarische Zusammenarbeiten in der Nationalversammlung Voraussagen zu machen, ist ziemlich gewagt. Obwohl es auf den ersten Vlick ohne weiteres möglich erscheint, eine Mehrheitsgruppe zu bilden, etwa aus Sozialdemokraten, Radikalen Republikanern und Rechtsliberalen, ist die Durchführung dieser Idee infolge der Parteigegensätze ausgeschlossen. Außerdem wird die Sozialdemokratie erst an einer am 10. Juli abzuhaltenden außerordent
lichen Perteiversammlung sich schlüssig werden, welchen Weg sie einschlagen will. Eine nicht zu unterschätzende Gruppe innerhalb der Partei hält die Beteiligung der Sozialdemokratie an der kommenden Regierung für unerläßlich, während die Mehrheit noch die parteitaktischen Interessen über das Staatsinteresse zu stellen scheint und den Eintritt der Partei in eine Regierungskoali- Hon verhindern will. Siegt diese Strömung, dann bleibt Lerroux das Zünglein an der Waage, von ihm wird es abhängen, welche politischen Kräfte zunächst die Verantwortung für Spaniens Zukunft übernehmen. Bedauerlich ist, daß die Sozialdemokratie anscheinend ein Zusammengehen mit den Radikal-Republikanern ablehnt und damit eine ausbauende Arbeit wesentlich erschwert.
Lieber die Rattonalversammlung selbst kann zunächst nur gesagt werden, daß sie in Madrid zusammentritt: ob sie dann die weiteren Tagungen nach dem Escorial verlegt, steht noch nicht fest. Wenn sie es tut, geschieht das nur aus Sicherheitsgründen, um Störungen durch kommunistische Elemente vorzubeugen.
Folgt dem Wettmoraionum die Abröstung?
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Hoover zu Mars: „Legen Sie das Zeug nur ab, für so etwas hat Europa kein Geld mehr/
Oer deutsche Schritt in Paris.
Botschafter von Hoeschs Besuch bei Laval wird von der pariser presse mit Genugtuung vermerkt.
Paris, 9. Iuli. (TU.) Der Besuch des deutschen Botschafters von Hoesch beim französischen Ministerpräsidenten Laval findet in der Presse ein Echo, wie /s nur bei sehr großen politischen Ereignissen üblich ist. Alle großen Informationsblätter widmen dem Ereignis lange Artikel. Sie unterstreichen besonders, der Botschafter habe den französischen Ministerpräsidenten wissen lassen, daß Brüning und C u r t i u s bis zum 25. Iuli in Berlin zurückgehalten seien, daß ihr Pariser Besuch aber in den letzten Tagen des Iuli oder den ersten Tagen des August stattfinden könne.
Das „Echo de Paris" unterstreicht, daß in den übergebenen Texten der Rame Frankreich nicht enthalten sei. Daher könne man den Besuch des deutschen Botschafters in keine Verbindung mit dem im französisch-amerikanischen Abkommen zum Ausdruck gebrachten Vorbehalt bringen, worin die französische Regierung bestimmteGarantienfür dieAnwen- d u n g der freigewordenen Gelder von Deutschland erwartet. — Das „Io u rn a l" hebt hervor, daß es sich deutscherseits Wohl um eine spontane Handlung handele, die liebenswürdig erscheinen wolle, die aber dennoch weder mit dem Dankschreiben des Reichspräsidenten an Hoover noch mit dem Brief Brünings an Mussolini verglichen werden dürfe. Deutschland drücke Frankreich gegenüber zwar seine Genugtuung aus, danke aber nicht einem Staat, der auf mehr als zwei Milliarden Franken verzichtet habe.
„P e t i t P a r i s i e n" sagt, die Reichsregierung wolle sich der französischen Regierung liebeirswür- dig erweisen. Die Erklärung des deutschen Botschafters bedeute eine Geste, deren Wert man nicht unterschätzen dürfe. Laval habe auch nicht versäumt, den Botschafter zu bitten, der Reichsregierung die Genugtuung der französischen Regierung mitzuteilen. Die Besprechungen, die Ende Iutt zwischen den deutschen und französischen Ministern tn Paris stattfänden, hätten durch diesen Schritt nur gewonnen, da der Boden für fruchtbare Auseinandersetzungen nunmehr vorbereitet sei. —
Der „T em p schreibt, die spontane Mitteilung der Berliner Regierung müsse ihrem tatsächlichen Wert entsprechend gewürdigt werden. Selbstverständlich würden im Verlaufe der deutsch-französischen Verhandlungen auch andere Fragen erörtert werden müssen, wenn man in dauerhafter Weise die deutsch-französischen Beziehungen verbessern wolle. Die finanziellen Opfer würden vergeblich sein, wenn es nicht Gleichzeitig gelinge, den europäischen Horizont dadurch zu klären, daß man alle Mißverständnisse und jedes Gefühl der Beunruhigung zerstreue, das d ie Entwicklung der deutschen Politik nach den Forderungen des uneingeschränkten Rationalismus hin seit einem Iahre habe aufkvm- men lassen.
Der Besuch des deutschen Botschafters hat im allgemeinen Genugtuung ausgelöst und wesentlich zur Entspannung der Lage beigetragen. Wenn auch verschiedentlich betont wird, daß die Wirkung größer gewesen wäre, wenn man deutscherseits schvn früher diese Initiattve ergriffen hätte, und wenn auch verschiedentlich her- vorgehoben wird, daß es sich um ein taktisches Manöver handele, um irgendwelchen französischen.Forderungen zuvvrzukvmmen, so ist
man doch im großen und ganzen der Auffassung, daß ein erster Schritt auf dem Wege der Verbesserung der deutsch-französischen Beziehungen getan ist.
Reue Kampfansage der radikalen Opposition.
Berlin, 9. Iuli. (WTB.) Vertreter der rechtsgerichteten Oppositton sind heute in Berlin zu einer Sonderbesprechung zusammengetroffen, an der Dr. Hugenberg und Adolf Hitler teilnähmen. Die deutschnationale Pressestelle verbreitet über diese Zusammenkunft ein kurzes Com- muniquö, das den Charakter einer neuen Kampfansage an die Regierung trägt, ohne im übrigen näheres über die Beschlüsse der Tagung auszusagen. Es lautet: „Heute fand in Berlin unter Anwesenheit von Dr. Hugenberg und Adolf Hitler eine Tagung der Vertreter der nationalen Opposition statt. Der Versuch der derzeitigen Machthaber, trotz des sichtbaren Zusammenbruchs von Volk und Wirtschaft die Erfüllungspolitik unter verschleierten neuen Formen auch weiterhin aufrechtzuerhalten, führte zu einheitlichem ernsten Entschluß. Die nationale Oppositton wird den Entscheidungskampf zur Riederringung des heutigen Systems einletten und durchführen."
Oie Auflösung des Preußen- Landtags abgelehnt.
. B e r I i n, 9. Iuli. (VDZ.) Der Preußische Landtag hat am Donnerstag seine Auflösung mit 229 gegen 19 0 Stimmen abgelehnt—FürdieAuflösung haben gestimmt: 70 Deutschnationale, 40 Kommunisten, 33 Dolksparteiler, 16 Wirtschaftsparteiler, 16 Landvolkabgeordnete, 6 Rattonalsozialisten, 4 Christlich-Soziale, 1 linker Kommunist (Seipold), 2 OpposittonSkommunisten, 2 bei keiner Partei (v. Detten, früher Wirtschaftspartei, Klein, früher deutschnattonal).
Gegen die Auflösung haben gestimmt: 135 Sozialdemokraten, 70 Zentrumsabgeordnete, 21 Staatsparteiler, 2 Volksrechtsparteiler, 1 bei keiner Partei (König, Berlin). — Die fünf Abgeordneten der Deutsch-Hannoverschen Partei haben sich an der Abstimmung nicht beteiligt.
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Die Regierung Otto Braun kann sich im Preußischen Landtag auf 228 Abgeordnete stützen. In der Oppositton stehen allerdings 221 Mitglieder des Landtags. Trotzdem „regiert" die Preußenregierung unentwegt mit ihrer Mehrheit von sieben Sttmmen. Sie kann das um so leichter, als ihr von der Opposition her bei wirklich wichtigen Abstimmungen nennenswerte Schwierigkeiten nicht bereitet werden. Das muß festgestellH werden, obwohl die Vertreter der Opposittonsparteien immer wieder in Wort und Schrift für eine Beseittgung der sozialistischen Vorherrschaft in Preußen eintreten. Wenn es aber darauf ankomm t, aller Welt zu zeigen, wie kümmerlich doch die Mehrheit der Weunarer Koalition ist, dann versagt jedesmal die Oppositton. Das hat sich am Donnerstag erneut gezeigt, als das Stahlhelm-Volksbegehren auf Land
tagsauflösung zur Abstimmung stand. Das Preuhenkabinett konnte voller Genugtuung die Llnterstühung von 229 Abgeordneten feststellen. Es hatte noch Zuzug durch einen früheren Kommunisten erhalten. Auf der Gegenseite hatten sich aber ganze 190 Mitglieder zu
sammengefunden. so daß die Regierung immerhin eine Mehrheit von 3 9 Stimmen aufweisen konnte. Gerade bei denjenigen Parteien, die am lautesten den Rücktritt Otto Brauns und Severings fordern, fehlten die meisten Abgeordneten.
Schwere Unwetterschäden an der Wasserkante.
Orkan Über Dänemark.
In ganz Dänemark tobt ein furchtbarer Orkan, die Fährverbindung zwischen Gedser und Warnemünde wurde heute nacht unterbrochen. Der gewaltige Sturm und die mächtigen Regenmassen haben in den Kornfeldern in Süd-Jütland, auf Fünen und auf Laaland und Falster riesiae Schäden angerichtet, ebenso auch in den Obstgärten. Eine Unzahl von umgestürzten Bäumen haben den Verkehr auf Eisenbahnstrecken und Landstraßen gestört. Eine große Menge von Neubauten wurde einfach umgerissen, und eine sehr große Anzahl von Telegraphen- und Telephonverbindung ist unterbrochen. Eine Reihe von Orten ist ohne elektrisches Licht, und Kraft. In Apenrade steht das Wasser in den Straßen meterhoch. Der Verkehr ist nur in Booten zu bewerkstelligen. Das Wasser löschte u. a. auch das Feuer unter den Kesseln der Gaswerke. Es dürfte mehrere Tage dauern, ehe die Stadt wieder mit Gas versorgt werden kann. In Apenrade allein dürfte er in die Millionen gehen. Allein in Jütland sind vier Eisenbahnbrücken zertrümmert und weg. geschwemmt worden. Der gestern nachmittag von
Kopenhagen abgegangene Passagierdampfer nachLübeckist bisher verschollen. Die Windstärke wurde mit 12 gemessen. Stellenweise sind 187 Millimeter Regen gefallen.
Schwere Schäden im Hamburger Gebiet.
Der seit vier Tagen andauernde Regen, teilweise verbunden mit Sturmböen, hat in S ch l e s- wig-Holstein und im ganzenRordsee- gebiet sowie zwischen Elbe und Weser schwere Schäden angerichtet. In Hamburg verzeichnet man seit Montag 127 Millimeter Regen. Gewaltig waren die Riederschläge vor <iUem im Regierungsbezirk Stade, wo u. a. im „Alten Land", dem berühmten O b ftti-o-u gebiet an der Llnterelbe, fast dje gesamte Kirschenernte vernichtet wurde. Der Schaden geht in die Hunderttausende. Roch nicht zu übersehen sind die Verwüstungen durch Sturm und Regen auf den Getreidefeldern. Für dieses Gebiet besteht außerdem noch Hochwassergefahr. Die Llnwetterkatastrophe hat auch mehrere Menschenopfer gefordert.
Oie Gemeindeordnung vor dem Landtag
WHP. Darmstadt, 9. Iuli. Präsident Delp eröffnet die Sitzung um 10.15 Llhr und stellt die neue Gemeindeordnung und das Zweckverbandsgeseh mit den Aenderungs- anträgen zur Berattmg. Da im Gefetzgebungs- ausschuh bereits zwei Lesungen erfolgten, hat der Aeltestenrat beschlossen, sich im Plenum mit einer Generalaussprache zu begnügen.
Innenminister Leuschner
erklärt einleitend u. a.: Mit der neuen hessischen Gemeindeordnung soll auf längere Zeit hinaus der Selbstverwaltung und den Gemeinden ein neues Gesicht und ein neuer gesetzlicher Rahmen gegeben werden. Der Entwurf bringt die gemeinsame Gemeindeordnung für Städte und Landgemeinden, weil wir die sachlichen Gründe für diese Zusammenfassung für berechtigt halten. Trotzdem ist aber die Unterscheidung zwischen Städten und Laandgemeinden nicht überflüssig geworden, weil u. a. der Grohenun- t e r s ch i e d zwischen den bisher nach der Städte- vrdnung verwalteten Gemeinden und der großen Mehrzahl der Landgemeinden sowie die Verschiedenheit in der sozialen und wirtschaftlichen Struktur dieser Gemeinden eine gewisse unterschiedliche Behandlung bedingen.
Aus ähnlichen Gründen sind in dem Entwurf In gewissen Fällen größere Landgemeinden den Städten gleichgestellt, womit zugleich auch die Dahn für weitere zukünfttge Angleichung freigemacht ist. Aus Rücksicht auf die Unterschiede in der Größe der Stadtgemeinden sind Sonderregelungen auf gewissen Gebieten vorgesehen, so z. D. für Städte über 20 000 Einwohner eine Sonderregelung auf dem Gebiet des Kassen- und Rechnungswesens, der Rechnungsprüfung und auch bei einzelnen Bestimmungen über die Staatsaufsicht.
Grundsätzlich hält der Entwurf an dem ® in* kam m c rshstem für die Gemeinden fest. Es entspricht dem Gedanken der Selbstverwaltung, die ohne Selbstverantwortung nicht denkbar^ ist, daß dasjenige Gremium, das grundsätzlich über alle Gemeindeangelegenheiten zu beschließen hat, auch die letzte Verantwortung für seine Beschlüsse trägt. Und ich hielt er gerade in unserer Zeit, in der der Mut zur Selbstverantwortung in den Kommunen schon hier und da abgestumpft ist, für einen schwerwiegenden Fehler, wollte man der beschließenden Körperschaft durch Einschaltung eines zweiten Gremiums vor der Bürgerschaft einen Teil der Verantwortung abnehmen. Reben dem Rat soll, wie bisher, auch in Zukunft der Bürgermeister als der verantwortliche Leiter der gesamten Gemeindeverwaltung stehen, der auch die Gemeinde nach innen und außen vertritt. Bei ihm und seinen stellvertretenden Beigeordneten liegt grundsätzlich die Exekutive.
Man hat im Ausschuß gefragt, ob es nicht an der Zeit sei, mit der Gemeindeordnung auch das Recht der selbständigen Gemarkungen zu regeln und damit einen Rechtszustand zu beseitigen, der in unsere Zeit nicht mehr recht passen will. Ich teile durchaus diese Ansicht, bin jedoch der Meinung, daß die Reuregelung des Gemarkungsrechtes besser einer besonderen Vorlage Vorbehalten bleibt. Bis dahin geben die Artikel 8 und 13 des Entwurfes neu^e Handhaben, um die Beseitigung der selbständigen Gemarkungen vorzubereiten. Der Teil des Ortsbürgerrechts, der in der Städte- und Land- gemeindevrdnung enthalten war, ist in die neue Gemeindeordnung nicht ausgenommen worden, obwohl auch auf diesem Gebiete mir eine zeitgemäße Reuregelung selbstverständlich erscheint. Die neue Gemeindeordnung bestimmt, daß Gemeindeangehöriger jeder ist, wer in der Gemeinde wohnt. Die bisher in der Landgemeindeordnung enthaltenen Vorschriften für die Bildung von Gemeindeverbänden sollen durch das Zweckverbandsgesetz erseht werden, das dem Landtag zur gleichzeitigen Behandlung vorliegt.
Der Entwurf hält nicht nur an dem bisherigen einfachen und klaren Aufbau der Auf- sichtsinstanzen (Kreisamt und Ministerium des Innern) fest, sondern er vermeidet es auch bewußt, eine Verschärfung in der Beaufsichtigung der Gemeinden eintreten zu lassen. Die Bestimmungen des Gesetzes zur Sicherung der Haushaltsführung der Gemeinden vom Dezember 1930 sind nicht in den Entwurf eingebaut worden, weil sie eine Rotmah- nahme sind, die nach meiner Auffassung sobald wie möglich verschwinden muh. Ich kann die Einrichtung des Staatskommissars nur als eine im äußersten Falle anzuwendende Maßnahme anerkennen, die den Gemeinden ihr eigenes Versagen auf diese eindringliche Weise vor Augen führt.
Oie Aussprache.
Abg. Heyne (DVP.) stellt fest, daß die Vor- läge nicht den Schlußstein eines großen! Gesehgebungswerkes darstelle. Es stünden ja noch mehrere Gebiete — Polizeiverwallungsrecht, Ortsbürgerrecht und selbständige Gemarkungen — aus, die vom Ministerium noch nicht in Arbeit genommen seien. Es wäre der Materie dienlicher gewesen, wenn sie einheitlich geregelt worden wäre. Ietzt lägen bereits ein halbes Dutzend Gesetze vor. Im übrigen dürfte die Gefahr nicht unbeachtet bleiben, daß Erscheinungen unserer augenblicklichen Situation in zu starrer Form in baä Gesetz gegossen wurden. Die Vorlagen erwiesen, daß die vorjährige Behauptung, wegen der Reform der Verwaltungsgesetze müsse der Landtag verlängert werden, nur ein Vorwand war, denn jetzt würden ja einfach zwei bestehende Gesetze z^sammenge- faßt. Da nichts Grundlegendes geändert werde, habe die Volkspartei sachlich Mitarbeiten und der Vorlage zustimmen tonnen.
In der weiteren Aussprache, der nur noch 25 Abgeordnete beiwohnen, lehnen die Abg. von der Schmitt (Komm.) und Abg. D r. B est (VRP.) die Vorlage ab.
Abg. Schreiber (Stp.) stimmt der Vorlage zu, bringt jedoch eine Reihe von Wünschen vor. Gegen die übermäßige Verleihung des Ehrenbürgerrechts müßten noch Sicherheiten geschaffen werden.
Abg. D r. Müller (Lbd.) bedauert, daß wieder nur halbe Arbeit geleistet werden solle, denn alle kitzlichen Punkte — selbständige Gemarkungen, Ortsbürgernutzen, Allmende — ließe man draußen. Weiter würden Vorschriften für Städte auch auf Landgemeinden ausgedehnt, was _ zu schweren Schäden führen müsse. Die Vorlage stärke die Bürokratie der diktaturbedürftigen Aufsichtsbehörde. Der Landbund vermöge der Vorlage ihrer jetzigen Gestalt nicht zuzustimmen.
Abg. Schul (Z.) zollt den beiden Referenten Min.-^Rat Schwamb und Min-Rat Dr. Weber Anerkennung. Auch die berufenen Organisationen — S!adt- und Landgemeindetag — hätten die Vorlage begrüßt. Auch das Zentrum könne der Vorlage freudig zusttmmen.
Abg. Sturmfels (S.) erklärte: Wo Reformen notwendig waren, seien diese bereits erfolgt oder in Arbeit. Der jetzige Landtag, der bereits Spezialgebiete geregelt habe, müsse auch zur Reform des gesamten Land- und Städterechts schreiten. Die Einwände gegen die Vorlage würden sich in der Praxis als rmbegründet erweisen.
Abg. Dr. Werner (RS.) lehnt die Vorlage ab. Der Freiherr v. Stein würde sich im Grabe berumdrehen, wenn er die Vorlage sähe und beobachten müsse, wie die Staatskommissare als „Königsboten" von Gemeinde zu Gemeinde ziehen, um nach dem Rechten zu sehen.
Damit ist die Aussprache abgeschlossen. Die Abstimmung folgt am Freitag. Der Filmzen* furantrag des Zentrums wird mit 33 Sttmmen der Rechten, des Zentrums, des Abg. Donat (Dem.) gegen 32 Stimmen der Linken angenommen. Der Protest gegen die B r o t p r e i s- erhohung wird durch die bekannte Ausschuß- Entschließung für erledigt erklärt und die Regierung aufgefordert, ihre Bemühungen auf Herabsetzung des Brotpreises energisch fortzusetzen.
Aus aller Welt.
Norwegischer Flotleubesuch in fileL
Donnerstagnachmittag liefen die norwegischen LI - Bo o t e „B 1, B 5 und B 6" in K iel - Ho l» tenau ein. Das norwegische Panzerschiff „Tor* densköld" wird erst im Laufe des Rachmit- tags eintreffen. Das norwegische Geschwader wird dann gemeinsam in den Kieler Hafen eintaufen. Trotz schlechten Wetters hatte sich außer Marineoffizieren und Presseverttetern eine große Menschenmenge zur Begrüßung eingefunden.
Großfeuer im rumänischen Petroleumgebiel.
In dem Petroleumgebiet von P l o e st i geriet ein Bohrturm in Brand, von dem das Feuer auf zwei weitere Bohrtürme Übergriff. Der Brand ging unter mächtigen Explosionen vor sich. Don fliegenden Trümmern wurden ein Arbeiterwohnhaus und drei Petroleumbehälter in Brand gesetzt, die unter gewaltigem Getöse in die Luft flogen. Brennende Petroleumströme nahmen ihren Weg talabwärts. In der benachbarten Ortschaft Scorteni wurden zur Warnung der Einwohner die Kirchenglocken geläutet. Mit großer Mühe gelang es, die Ortschaft vor einer Katastrophe zu bewahren. Der Llmfang des Schadens wird auf 10 Millionen Lei beziffert.


