erste Tor unb kann bis zur Halbheit einen werteren Erfolg buchen. Nach Halbzeit erhöhte Ah- doch auf 3:0. Dorlar drängt sodann scharf zum Tor der Ahbacher und erzielte kurz hintereiro- ander zwei Treffer. Durch zwei weitere Tore konnte aber 2lhbach den Sieg sicherstellen.
Radsport.
Erfolgreiche Gießener Radfahrer.
Beim Sportfest des Radfahr-VereinsMainaschaff bei Aschchsenburg errang die Radball- Mannschaft Hauck-Wihner vom Gießener Radfahr-Derein von 18 8 5 unter starker Konkurrenz den 1. Preis. 3m Vorspiel siegte die Mannschaft über RE. Frankfurt-Ober- rad mit 8:1 Toren, während das Zwischenspiel gegen RTC. Aschaffenburg mit 9: 5 Toren endete. So gelangte die Mannschaft in das Entscheidungsspiel gegen die Mannschaft des RV. Offenbach und brachte mit 6:1 Toren den Sieg an sich.
Gießener jugendliche Leichtathleten siegen in Alsfeld.
Bei den leichtathletischen Wettkämpfen des Sportvereins 1906 Alsfeld schnitten 19 0 0 s 3u= gendliche hervorragend ab. Von 6 ausgeschriebenen Iugendwettbewerben gewannen sie 4, belegten außerdem 2 zweite und 4 dritte Plätze. Die 100- Meter-3ugend-A brachte Frz. K och in 12,1 Sek. vor? seinem Klubkameraden F e l s i n g (12,2 Sek.) an sich. Die Zeiten sind in Anbetracht der man
gelhaften Grasbahn und herrschenden Gegenwindes als recht gut zu bezeichnen. Ebenso ansprechend ist die in der 4xl00-Meter^Staffel, bk mit großen Vorsprung gewonnen wurde, erzielte Zeit von 48,7 Sekunden. Die 1900er bestritten dieses Rennen mit Gräf, Koch, Paul und Felsing. Eine ausgezeichnete Leistung bot S ch l a r p (1900) im Hochsprung 3gd. A, wo er mit 1,60 Meter überlegener Sieger wurde. Den zweiten Platz belegte Radon (VfV.) mit 1,50 Meter. Von der 6-3ugend trat von den 1900ern mir Herrmann in Wettbewerb. Er sicherte sich den Weitsprung 3gd. B mit 4,95 Meter. BaUmstieger startete im 1500- Meter-Lauf (Klasse II) und wurde Dritter in der Zeit von 4:35,6. *
Die VfB.- Jugend konnte in Alsfeld 2 erste, 3 zweite und 1 dritten Sieg erringen. 3m Kugelstoßen der Klasse A errang Luh einen eindrucksvollen Sieg mit 13,66 Meter. 3n der Klasse der Aktiven vermochte er ebenfalls im Kugelstoßen den ersten Sieg zu erringen mit 11,22 Meter. Beide Leistungen sind als ausgezeichnet zu bezeichnen, zumal Luh infolge Armverletzung behindert war. Der B-3ugendleiter Radon belegte im Hoch- sprung, Klasse A, den zweiten Platz mit 1,50 Meter, desgleichen wurde in der 4xl00-Meter-Staffel ein zweiter Sieg errungen. 3n der Klasse B wurde Wagner Zweiter über die 100 Meter in 12,5 Sek. Bei den Aktiven startete Treser über die 400; er wurde Dritter in 59 Sekunden.
8. Hanauer Verbands-Äuderregana.
Der Meldeschluß zur 8. Hanauer Ruderregatta am kommenden Sonntag hat mit der Beteiligung von 20 Vereinen mit 88 Booten und 480 Ruderern ein ausgezeichnetes Ergebnis gebracht. Bemerkenswert vor allem ist, daß sämtliche erstklassigen Rennen besetzt sind. Das ist dem Limstande zuzuschreiben, daß die Mannheimer Amicitta für ihre Aletter-Mannschaft im Vierer ohne Steuermann eine Begegnung mit der im Vorjahre in zahlreichen Kämpfen bewährten Hüllinghoff- Mannschaft der Frankfurter Germania sucht. Diesen beiden Mannschaften stellt sich im steuer- mannslvsen Boot der Vierer des Offenbacher RV. zur Seite. 3m Vierer „mit“ dagegen machen Amicitia und Germania das Rennen unter sich aus.
Mannheim Hal auch seine für Henley vorgesehene M«>n«ischafl im Achter gemeldet,
die vor dem Ausscheidungskampf in Berlin am 20. und 21. 3uni noch ein Rennen bestreiten sollen. Der Wettkampf im Ersten Achter wird sich zwischen dem Verteidiger des Wanderpreises, dem Frankfurter RV. 1865, dem vorherigen Sieger, Frankfurter RG. Germania, und dem Mannheimer Meisterachter abspielen. Als weiterer Vertreter der Amicitia tritt v. Düsterloh zum Ersten Einer an. Er trifft mit diesem auf Timpe, der im Vorjahre durch seine Siege als 3ung- mann und seinen Erfolg in Amsterdam bekannt gewordenen FRC.-Ruderer, der jetzt als Angehöriger der Reichswehr für die G i e tz e n e r R u° dergesellschaft 1 8 77 startet. Mit dem jungen 3 o e d t zusammen bildet Timpe ein Doppelzweier-Paar, dessen schärfster Gegner in Hanau die Frankfurter Germania-Mannschaft Knight-Lindemann sein dürfte, wenngleich man auch das 79er-Paar Hebert-Möl- l e r beachten muh.
Reben den fünf erstklassigen Rennen, die der Hanauer Regatta in diesem 3ahre besonderen sportlichen Reiz verleihen, sind auch die Rennen der zweiten und dritten Klasse und der 3unioren und 3ungmannen meist zahlreich und gut besetzt. Hier sind die Vereine von Groß-Frankfurt und Offenbach, Mainz, Gießen, Wetzlar, Würzburg, Groh-Auheim und Hanau Der treten. Trotz
JrandungdesLebens
Roman von Käte Lindner.
(Copyright 1931 by Verlag Alfred Bechthold in Braunschweig.)
8. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Sie gingen hinein und sahen am Herrentisch Lis- kow sitzen, der eifrig mit der Wirtin sich unterhielt. Er nahm keine Rotiz von den Eintretenden und stierte in sein Glas, als die Wirtin sich erhob, um nach dem Begehr der neuen Gäste zu fragen.
„Kommen Sie", sagte Petrowitsch, und xog den andern mit sich fort, „nicht an diesen Tisch. Wir gehen in die Weinlaube."
Eifrig kam Frau Colomba ihnen nach mit einem weihen Tuch über dem Arm. Sie bedeckte damit den runden Tisch, der abseits vom Kegelschub stand. Tat es mit der heiteren Anmut, lächelnd und mit der Freundlichkeit, die den Kindern des Südens eigen ist.
„Was befehlen die Herren?" fragte sie.
„Roten Sizilianer, Signora Serra", sagte Se- vigne und tätschelte ihren runden Arm. Er schien kein fremder Gast im Albergo „Zu den tausend Freuden" zu sein.
AlS Colomba eilig verschwand, den bestellten Wein zu holen, flüsterte Sevigne:
„Dieser Herr da drüben scheint täglicher Gast des schönen Täubchens zu sein. 3mmer, wenn ich Einkehr hier halte, sitzt dieser Liskow auch hier und feine Frau allein im Hotel. 3ch mag ihn nicht. Er hat solch einen brutalen Ausdruck in seinem Gesicht. Liebrigens tanzten Sie doch neulich auf Veranlassung der Lady Balymore mit Frau Liskow, Sascha, erinnern Sie sich? Frau Liskow ist eine vornehm aus sehende Dame, blond, groh."
Petrowitsch nickte zerstreut. 3a, er erinnere sich, er habe sich auch sehr angeregt unterhalten mit Frau Liskow, sehr sympathische Dame, ganz anders als die anderen tanzlustigen Dauergäste. Lieber Rußland habe er sich mit ihr unterhalten und sehr viel Kenntnis der dortigen Verhältnisse gefunden. Sie Hobe einmal ihren Gatten auf einer Geschäftsreise nach Moskau begleitet, hatte Frau Liskow erzählt.
„Er scheint sich ständig seine Unterhaltung anderweit zu suchen", bemerkte Sevigne trocken. „Liebrigens scheint es dem Herrn unangenehm, daß wir ebenfalls eingekehrt sind. Er wirst wütende Blicke zu uns herüber."
„Wehren Sie ihm dieses Vergnügen nicht, Marquis", sagte lächelnd Petrowitsch. „Wir beabsich- ttgen ja keineswegs, ihm ins Gehegr äu kommen. Liebrigens ist diese Wirtin eine auffallend schöne
der Mittelrhein-Regatta in Koblenz fehlen auch Rassovia, Höchst und Rüsselsheim nicht. Besondere Beachtung dürfte der mit acht Booten besetzte 3ungmann-Achter finden. .
Die Gießener Rudergesellschast 1877 entsendet zu dieser Regatta neben den bereits genannten Timpe und 3 o e d t noch einen 3ungmann-Achter und einen 3ungmainn-Vierer. Der 3ungmann°Achter startet in der Besetzung Dlumschein, Rübsamen, Weidig, Kuschte, Donner, Breun, Reuroth, Goetz, v. Bergen (St.) und sollte mit guten Aussichten das Rennen bestreiten. Ein ^schwerer Gegner wird den Gießenern allerdings in den Offenbachern erwachsen. Der 3ungmann- Vierer fährt mit folgender Mannschaft: Weidig, Kuschke, Reuroch, Goetz, v. Bergen (St.). Auch hier dürfte sich ein harter Kampf gegen die Offenbacher entwickeln. 3m 3ungmann°Einer startet 3oedt und wird als Sieger zurückerwartet, um so mehr, als er sich zur Zeit in glänzender Form befindet.
Ein weiterer Vierer geht in Kassel an den Start. Der Kaiser-Vierer wird das Rennen in der Besetzung Flimm, Decker, Köhler, Hartmann und Loh (St.) bestreiten. Man erhofft auch hier ein günstiges Abschneiden der Gießener Ruderer.
Am Sonntag darauf werden sich die drei Rudervereine GRG., Verein Rudersport und „Hassia" an einer Regatta in Dad Ems beteiligen. Wir kommen noch darauf zurück.
Rundfunkprogramm.
Samstag, 13. Juni.
7.30 bis 8.30 (Von Dad Hornburg v. d. H.): Frühkonzert des Kurorchesters. 10.20 bis 10.50: Schulfunk: „Die Sendung des Deutschen in der Welt", Vortrag von Armin T. Wegner. 11.50: Schallplattenkonzert. 12.25: Besuch in einer Dott- cherwerkstatt: Das Döttcherhandwerk in alter und neuer Zeit, zwei Hörszenen. 15.20 bis 16.20: Stunde der 3ugend. 16.30: Der Mensch in der Musik. 18.15: „3m Faltboot über den Geigensee“, Vortrag von Armin T. Wegner. 18.45: „Siedlungspolitik", Gespräch zwischen Direktor Bur-
Frau und kein Wunder, wenn sie ihm gefällt. Aber da... jetzt scheinen auch noch andere Verehrer der Signora angekommen zu' sein. Sehen Sie nur, mit welch haßerfüllten Augen der eine, der junge mit dem brutalen Mund, den Deutschen beobachtet. Es ist immer eine gefährliche Sache, sich im fremden Land Feinde zu schaffen. Dieser deutsche Kaufmann sollte vorsichttger sein."
Der alte Massimo und Mario waren eingetreten, und Mario forderte mit lauter Stimme Wein. Er schien bereits getrunten zu haben, sein Gesicht war stark gerötet. Liskow machte eine unwillige Bewegung und warf Geld auf den Tisch. Schickte sich an, zu gehen. Frau Serra gab ihm das Geleit bis zum Ausgang. Riemand von den Anwesenden horte die leise geflüsterten Worte: „Auf morgen denn, Signore."
Plötzlich wandte sich Frau Colomba mit einem Ruck dem Fenster zu und sah hinaus. Draußen lief eben 3ulietta, angetan mit Fransentuch und roten Pantöffelchen, vorüber, man sah, sie hatte Eile. Als sie der Mutter Gesicht am Fenster gewahrte, huschte ein flüchttges Rot über ihre Wangen. Sie warf der Mutter eine Kußhand zu und verschwand in der Richtung nach der Kapelle, die unweit, halb versteckt hinter grünen Bäumen, stand.
Frau Colombos Brust hob ein befreiender Atemzug. Gewiß wollte sie zur Abendmesse gehen, das gute Kind, und beten auch für die Mutter, die doch vor lauter Geschäftigkeit so selten Zeit fand, die heilige Messe zu besuchen. Gut so, daß es 3ulietta nun tat, das liebe Kind. Beinah hätte sie doch vorhin sie aufgehalten im eiligen Gang, ehe ihr dieser Gedanke kam. 3a, ja, 3ulietfca war kein Kind mehr, das sah ja ein Blinder. Lind man muhte wohl bald anfangen, ein wachsames Auge auf die Kleine zu haben. Da, wahrhaftig... die Fremden, die soeben die Calle de Fabrice herabkamen, drehten den Kopf nach der hübschen Kleinen. Frau Colomba lächelte vor sich hin in Mutterzärtlichkeit. Würde gar nicht mehr lange dauern und auch die jungen Burschen würden sich die Hälse verdrehen nach 3utietta Serra... Aber da würde sie auf der Hut sein. Finger weg... würde sie jedem sagen, der ihre stolzen Pläne durchkreuzen wollte! 3st nichts für euch, Signores ... sucht euch einen anderen Schatz.
„Heda... was schaust du so lange hinter dem Tedesco drein und siehst ihn doch nicht mehr, er ist auf der anderen Seite hinuntergegangen, der feine Tedesco", sagte soeben Marios brutale Stimme in ihre Gedankengänge hinein.
Sie wandte sich mit einem zornigen Blick ihrer schwarzen Augen zum Tisch.
„Was fällt dir ein, Mario, wahre deine Zunge, es sind auch noch andere Gäste hier im Zimmer. Madonna, was hat der Bursch doch für eine Art, hkr aufzutreten, als hätte er der Wirtin von
mann und H. Fürth. 19.15: Spanischer Sprachunterricht. 19.45: Abend in Ahmannshausen, Wochenend-Hörbericht. 20.30: Pat und Patachon machen Musik, Hörspielscherz. 21.15 (Von Wien, Heldenplatz): Promenaden-Konzert der Vereinigten Wiener Heeresmusiken. 22.35 bis 24: Tanzmusik.
Oberheffen.
Bürgermeister Hensel-Hirzenhain f.
* Hirzenhain, 10. Juni. Gestern verstarb nach längerer Krankheit Bürgermeister und Lehrer a. D. Hensel von hier, der seine Kraft und sein reiches Wissen sowohl als Schulmann, wie als Orts» oberhaupt viele Jahre lang in vorbildlicher Weise in den Dienst unserer Einwohnerschaft stellte. Darüber hinaus war er auch in einer Reihe von Ehrenämtern für die Allgemeinheit tätig. U. a. wirkte er längere Zeit im Büdinger Kreisausschuß mit, ferner hat ihm die Bienenzucht in Oberhessen und im ganzen Reiche sehr viel zu danken.
Das Münzenberger Salzmoor.
K Münzenberg, 9. 3uni. Am Sonntag statteten Frankfurter Raturwissenschaftler in größerer Zahl unserem Orte einen Besuch ab. Die Führung hatte Lehrer Oswald (Bad-Rauheim) übernommen. Die Exkursion führte zunächst nach den interessanten geologischen Aufschlüssen am Steinberg, galt dann aber in der Hauptsache dem eingehenden Studium der im Wettertal in unmittelbarer Rähe des Bahnhofs gelegenen Salz- wiesen. Don den etwa 20 in Hessen und Hessen- Rassau durch ihre seltene Pflanzen- und Tierwelt bekannten Salzstellen ist die Münzenberger die ausgedehnteste und artenreichste. Obwohl unter dem Einfluß der Kultur einige der ausgespro- chendsten Salzpflanzen auch hier bereits ausge- storben sind, können immerhin noch etwa 20 Salzpflanzen und falzliebende Arten festgestellt werden, die auf weite Strecken hin bestandbildend sind und mitten im Dinnenlande ein Vegetationsbild zeigen, wie es sonst nur an den Küsten unserer Meere anzutteffen ist. Die Frankfurter Dotaniker waren überrascht von der Fülle der Raturseltenheiten, die die ihnen bisher noch unbekannten hiesige Salzstellen bieten, und sie wollen dafür ein- tteten, daß die durch neuerliche Kulturarbeiten stark gefährdeten Destände möglichst unter Raturschutz gestellt und in ihrem jetzigen Zustand der Rachwelt erhalten werden, zumal eine Stelle des Gebietes ein ausgesprochenes Salzmvor und als solches eine deutsche Seltenheit ist.
Landkreis Gießen.
--Göbelnrod, 10. 3uni. Gestern gegen 18 Lihr zog ein Gewitter, begleitet von einem Wirbelwind, das Tal von Saasen herauf und richtete schweren Schaden an. Der Wirbelwind faßte das Dach des Dahnhofsgebäudes, richtete im Wavtesaal Unheil an, riß eine über hundertjährige Pappel mitsamt der Wurzel aus und beschädigte eine Reihe von Dächern teilweise schwer. Außerdem fiel dem Wind noch die Maschinenhalle eines Landwirtes und viele Obstbäume zum Opfer.
T Oppenrod, 9 3uni. Am kommenden Sonntag feiert der hiesige Männergesangverein „Sängerin st" sein 50jähriges Beste hen. Mehr als 20 benachbarte und befreundete Vereine haben ihre Teilnahme an dem Fest zugesagt. Als Festplatz werden die Pfingstwiesen südlich des Dorfes hergerichtet.
Kreis Büdingen.
△ Ridda, 9. 3unt Auf dem hiesigen Sportplatz ereignete sich am Sonntagnachmittag bei dem Gesellschaftsspiel des Sportklubs Viktoria Ridda mit Germania 3nheiden ein schwerer Unfall. Dem 22 3ahre alten Sohn des Glaser- meisters Ludwig Ewald dahier wurde von einem der Mitspielenden ein s o h e f t i g e r Fußtritt versetzt, daß der bedauernswerte junge
Deutschlands Vertreter der Haager Zollunions-Verhandlungs
Dr. Viktor Bruns, der Direktor des Berliner Instituts für ausländisches Recht, wurde zum Vertreter für die Verhandlungen über die Zollunionsfrage vor dem Haager Schiedsgericht bestellt.
Menfch einen doppelten Lin t er schenkel- bruch erlitt. Das Spiel wurde sofort abgebrochen.
Kreis Schotten.
d. Schotten, 9. 3uni. Die erste Grasver- fteigerung fand gestern hier statt. Durchschnittlich wurden pro Morgen etwa 20 bis 25 Mk. erzielt.
l. Rudingshain, 9. 3uni. Schmiedemeister Heinrich Döring beging in diesen Tagen seinen 80. Geburtstag. Der 3ubilar erfreut sich großer körperlicher Frische und vermag seinen Lebens- unterhalt noch durch die Ausübung seines Handwerks zu verdienen.
h Stornfels, 8. 3uni. Am Sonntag feierte der Krieger verein Dtornf els das Fest der Fahnenweihe, verbunden mit einem Dezirkskriegerfest des Bezirkes Vogelsberg der Hassia. Das Fest gelang in allen Teilen trotz der Hngunft der Witterung. Eingeleitet wurde es am Vormittag durch einen Feld- gvttesdienst auf dem Festplatz, bei dem der Ortsgeistliche die Predigt hielt, während der Musikverein von Rudingshain die Begleitung der Lieder übernommen hatte. Dabei wurde besonders der Gefallenen gedacht. Lim 14 Lihr bewegte sich ein impo anter Festzug, in dem nicht weniger als vier Mu ikkapellen mitwirkten, durch unser Dorf, das ein olches Schauspiel wohl noch nie gesehen hat. Wieder auf dem Festplatz angelangt, folgte der eigentliche Festakt. Rach einer Lieddarbietung des Gesangvereins LIlfa begrüßte der Vorsitzende des Stomfelser Vereins die Festgäste. Regierungsrat Schwan von Schotten überbrachte die Grüße und Glückwünsche des Kreisamtes, Apotheker S c r i b a als Vorsitzender des Bezirkes die Glückwünsche des Präsidiums der Hassia und die des Bezirkes. Rach einem Prolog folgte die Fahnenweihe durch den Ortsgeistlichen, an 6te sich etliche Ansprachen anschlossen. Durch den Schottener Verein wurde ein schöner Fahnennagel überreicht. Auch wurde bei dieser Gelegenheit die Auszeichnung etlicher Mitglieder des Bezirkes vorgenommen. Es waren die Herren 3o- Hannes Stein und Heinrich 3 L ck e l aus Breungeshain, Karl Lang aus Betzenrod, Heinrich Link I. aus Eichelsdorf, Karl Strauch aus Einartshausen und Wilhelm Beppler, Wilhelm Mettenheimer und Eduard Haas aus Eichelsachsen, die im Ramen des Präsidiums durch den Bezirksvorsihenden das Ehrenkreuz der Hassia erhielten. 3nzwischen hatte sich auf dem
einem anständigen Haus etwas zu sagen. Massimo, habe ich nicht recht? Sage du es ihm doch auch einmal, daß er sich anständig zu betragen hat, auf dich hört er doch immer.“ Des Täubchens Stimme schwankte im Zorn, und mit bösen Blicken musterte sie den klobigen Burschen. „Er wird mir noch die Gäste aus dem Haüse jagen, der Grobian", rief sie. „Wenn Philippe noch lebte, er würde Ihm längst das Haus verboten haben."
Da haschte Mario mit einer täppischen Gebärde nach der Hand der Zornigen und drückte seine Lippen darauf. „3st altes nicht bös gemeint, Colomba, Täubchen... 3ch hab' eben nicht so die feinen Manieren wie die Herren aus der Stadt, die hier Einkehr halten. Gib Ruh'... und schenk uns einen neuen Wein, schau, der Massimo hat längst sein Glas ausgetrunken.“
Sevigite und Petrowitsch hatten die Weinlaube verlassen.
„Das ist einer von denen, die das Messer schon bei dem geringsten Streit als Waffe brauchen", sagte Sevigne, „es ist nicht gut Kirschen essen mit solchen Burschen... Run sind es nur noch zwei Tage, Sascha, daß ich 3hnen hier in diesem gesegneten Erdenwinkel Gesellschaft leisten darf. Dann trete ich von Genua aus meine Weltreise an und werde Sie schmerzlich vermissen. Aber nach meiner Rückkehr nach Paris, die wahrscheinlich Mitte des nächsten 3ahres in Aussicht steht, hoffe ich Sie bestimmt dort wiederzusehen, vorausgesetzt, daß Sie sich nicht bis dahin doch anders besonnen und Miß Galvestones Liebeswerben, denn anders kann man doch ihre Verehrung für Sie nicht nennen, als Stufenleiter zu einem neuen Leben sich nützlich gemacht haben. 3edenfalls ist diese Chance sehr zu überlegen.“
Ein Achselzucken war die Antwort. Dann kam nach einigen Augenblicken die Entgegnung.
„3hre Anwesenheit wird mir Paris gewiß liebenswerter machen, Marquis, aber Sie vergessen, daß mich meine Wünsche nach Rußland zurückziehen. 3n absehbarer Zeit freilich wird es nicht möglich fein, das sehe ich wohl ein, und so wollen wir also bestimmt auf ein neues Zusammensein in Paris hoffen. — Dort, sehen Sie, welch ein hübsches Paar. Beide echte Kinder dieses Landes und recht verliebt ineinander, wie mir scheint. Das Mädchen ist schön gewachsen, unstreitig 3talienerin ttoh des blondes Haares, was ja hier eine Seltenheit ist. Lind der Bursche ein prachtvoller Kerl, Tiroler Einschlag seinem Aeußeren nach zu schließen, vielleicht war der Vater Oesterreicher und die Mutter eine Welsche. Sehen Sie, wie kokett die Kleine ihre schwarzen Augen zu brauchen weiß. Lind er Ist sichtlich recht verliebt in seine kleine Signora."
Lachend schlugen sie den Weg nach dem See hinunter ein, während das Liebespaar den einsamen Weg nach der Höhe wetterging. Es war
3ulietta Serra, die keineswegs sich hatte angelegen sein lassen, für das Seelenheil ihrer Mutter die Messe aufzusuchen, sondern sich hinter der Kapelle ein Stelldichein mit ihrem Russo gegeben hatte. Der hatte schon lange sie dort erwartet, schalt sie eine kleine Saumselige, die wohl erst Vokabeln habe fernen müssen für den Maestro und dafür ihn hier stehen ließe.
Aber dann nahm er die sich nicht sträubende 3ulietta in seine Arme und küßte sie lange und anhaltend, nannte sie sein Goldkäferchen, seinen Himmelsstem und was der schönen Schmeichelnamen mehr waren.
Dann wandelten sie langsam bergauf, und 3ulietta hatte alle guten Lehren ihrer Mutter samt ihren stolzen Plänen vergessen. Sie hörte nur immer auf die schönen Worte Russos, ebenso auf die guten Lehren, die er ihr gab. Richt mehr zu dem Maestro in die Stunden zu gehen, er, der Russo, brauche keine gelehrte Frau. Widersetzen sollte sie sich der Mutter und ihr zeigen, daß sie keine Bambina mehr sei. 3a, er verlangte sogar von ihr, daß sie der (Signora Colomba zu wissen tue, daß nur der Russo Domenico iyr Mann würde und dies bald, recht bald... kein anderer.
Da aber schüttelte 3ulietta mit Tränen in den Augen den Kopf.
„Du kennst sie nicht, die Mamina, wenn sie in Zorn gerät, Russo", stammelte sie und kuschelte sich fester in seinen Arm. „Wie formt’ ich ihr sagen, daß wir uns einig sind? Daß wir uns heiraten wollen und ich keinen anderen mag? Die Madonna soll mir bei stehen, furchtbar ist die Mutter in ihrem Zorn. Du selbst mußt es ihr sagen, Russo, muht ihr schöne Worte machen und Augen drehen, mußt zeigen, daß du kein Bauer bist, wie sie immer sagt. Lind außerdem, Russo, wir können doch warten. Vielleicht, wenn sie einen anderen Patrone in das Albergo bringt, der ihr gefällt und den sie heiratet, wird sie nicht mehr so darauf aus sein, eine feine Dame aus der dummen 3ulietta zu machen und ihr einen Prinzen auszusuchen. Dann wird sie vielleicht froh sein, wenn der Russo Domenioc kommt und ihr das Mädchen davonführt. Zeit lassen, Russo, heimliche Liebe ist doch so schön, und wir sind jung und können warten.“
Lind sie fegte den kindlichen Arm um seine breiten Schultern und reckte sich auf die Zehen, um ihr Gesicht an das seine schmiegen zu können. Da war der Russo ganz still und sagte nichts mehr von Maestro und von einem neuen Vater, den seine 3ulietta bald bekommen würde.
Lieber dem Monte Daldo hing der Mond wie ein silbernes Schifflein, und die Sterne zogen herauf. Kühl wehte es vom See, und 3ulietta zog das Tuch fester um die Schultern.
(Fortsetzung folgt) . ,


