Ausgabe 
10.6.1931
 
Einzelbild herunterladen

Mittwoch, 10. Juni 1951

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Ur. 135 Zweites Blatt

Randnoten.

Die Frai^osen haben nun glücklich ihren Polni­schen Bundesgenossen abgeguckt, wie man bei Verletzungen der deutschen Grenze zu verfahren hat. Während das Lieberfliegen deutschen Gebietes durch polnische Militärflug­zeuge regelmäßig dem Wachtdünkel der Polen entsprang, darf man wohl bei den Franzosen doch die Frage stellen, warum sie plötzlich an unseren Grenzen eine so rege FliegeiMtigkeit entfalten, nachdem sie sich noch bis vor kurzem wenigstens in der Luft als einigermaßen an- genehme Nachbarn gezeigt hatten. Wir können uns nicht vorstellen, dah sie Luftspionage treiben wollen, da sie sich während der De­satzungszeit und der Militärkontrolle nicht nur ausgezeichnete Karten von den deutschen Gebieten im Westen angefertigt, sondern auch auf das beste über unsere Befestigungsanlagen, soweit sie uns durch den Versailler Vertrag erlaubt sind, orientiert haben. Es muh hinter den Flügen längs des Rheins und hinter dem neuesten Dor- ftvh nach den ostfriesifchen Inseln doch etwas mehr stecken. Vielleicht glaubt man in Paris, mancherlei außenpolitisch unangenehme Dinge am leichtesten aus der Welt schaffen zu können, wenn, es gelingen sollte, uns zu einigen un­besonnenen Handlungen, wie etwa das Abschießen von Fliegern, hinzureißen. Schon die Aufregung über den Breslauer Stahlhelmtag gibt zu denken. Der französische Außenminister hat mit unserem Botschafter über die Stahlhelmkund­gebung gesprochen, in der französischen Presse ist für die entsprechende Begleitmusik gesorgt worden, die aus den Ton abgestellt war, künstlich eine Erregung zu entfachen und den Eindruck zu erwecken, als ob Deutschland im Begriff wäre, den Frieden in Osteuropa zu stören. Die harte Wirklichkeit spricht aber eme andere Sprache. Länder, die bis an die Zähne bewaffnet find, haben sich die Rüstung gewiß nicht zugelegt, um ihre Rachbarn für alle Ewigkeit ungeschoren zu lassen. Ramentlich die Fliegerwaffe ist dazu bestimmt, den Weg der Angreifer zu bahnen, die nach Lage der Verhältnisse in Mitteleuropa nur Frankreich und seine Verbündeten fein können, da Deutschland bei feiner Entwaffnung nicht fähig ist, sich mit Aussicht auf Erfolg verteidigen zu können, und infolgedessen gezwungen ist, eine Politik zu treiben, die auch dort Rachgiebigkeft zeigen muß, wo sie nicht immer am Platze vft. Die Rührigkeit der französischen Flieger hat uns aber klar und eindringlich vor Augen geführt, daß der deutsche Westen bedroht ist und daß es eigentlich nut noch eines Zwischenfalls bedarf, um Entwicklungen heraufzubeschwören, die in schroffstem Gegensatz zu dem von Briand immer wieder in allen Tonarten gepriesenen Völker- srieden stehen müssen. Aus diesem Grunde sollte die Reichsregierung es sich einmal überlegen, ob es nicht doch das beste wäre, das Treiben der französischen, polnischen und tschechischen Flieger zum Anlaß zu nehmen, um eine außerordent­liche Ratstagung zu fordern und unter Be­zugnahme aus den Artikel 10 des Völkerbunds­statutes zu verlangen, dah sich der Völker­bunds rat mit der ganz offensichtlich be­drohten Sicherheit Deutschlands be­schäftigt. Es würde gewiß nicht schaden, wenn wir einmal den Spieß umdrehen und die Ver­sailler Dertragsmächte in die peinliche Rolle der angeklagten Friedensstörer hinein­manövrieren.

Praktisch haben uns die Siegerstaaten, in erster Linie die Engländer, durch das Versailler Diktat unseren Kolonialbesitz abgenommen, im Diktat selbst ist aber vorgesehen, dah diejenigen Staaten, die nach dem Lieberfall von 1914 auf Deutsch­land sich unseres Kolonialbesitzes be­mächtigten, zunächst als Beauftragte des Völ­kerbundes den deutschen Besitz verwalten sollen. Diese Verwaltung ist in der Weise gehandhabt worden, dah alles, was deutsch war, vernichtet wurde. Dafür wurden Engländer, Franzosen, Del- Sier und andere Angehörige der Siegerstaaten an ie Stelle der deutschen Kolonisten gesetzt. In­zwischen ist aber von Deutschland aus ein ener­gischer Kampf für die Zurückgewinn ung unseres Kolonialbesitzes eingeleitettoor-

Wohin niemand fährt...

Don Dr. Gustav W. Eberlein, Rom.

Iunge Frauen haben zuweilen, wie man weih, seltsame Wünsche. Eie möchten dorthin fahren, wohin niemand fährt, oder einen Räuberhaupt­mann sehen, einen richtigen, samt seiner Bande, ober einmal beide Arme voll Rarzissen nehmen, nein, einen Wagen voll, baden muf) man darin können. Ober grüne Schuhe müßte man haben, grasgrüne. Jawohl, bie müsse sie haben.

Deine weihen Schuhe, sage ich, sind der Som­mer. Du gehst darin, wie feine weihen Wolken gehen durch das Blau. Du schreitest auf dieser Lage wirren Wegen, schreitest durch kleiner Men­schen grobe Städte, als ob ihr Riederschlog nie­mals berührt dich hätte. 2a, das habe ich ihr gesagt, oder wollte es sagen, sicherlich, wer möchte so etwas nicht sagen im Mai?

Laut, aber muß ich hinzugeseht haben: Es ist jetzt Iuni und die Rarzissen sind längst dahin. Allerdings steigt der Frühling spät auf die Berge, vielleicht blühen sie dort noch. Ich weih es nicht. Wir wollen heute einmal dorthin fahren, wohin niemanb fährt.

Sie erwiderte nichts, sie lenkte nur mit ihren himmelösfnenden Augen. Da fuhr der Wagen dem Bergfrühling geradewegs in die ausgebreite- ten Arme.

Das ist ein Tal dort oben, dort hinten in den Castelli Romani, wo bie Fremden nicht hin­kommen, weil dort kein Frascatt mehr wächst, das Reisehanbbuch nichts davon zu berichten weih und die Sache überhaupt einen abenteuerlichen Eindruck macht. Statt des blauen Himmels zwi­schen Zypressen. Schlössern und flachen Dächern gibt es hier noch Wälder, dunkle Forste, Wild­schweine und unheimliche Fuhrwege. Zuweilen begegnet man einem Reiter, der aus einer jener Schenken zu kommen scheint, um die sich die Rahmenerzählungen des vergangenen Iahrhun- derts schlingen, mit denen sich die Reisenden wachhielten. Cf in Kohlenmeiler schwelt, und oer- toitterie Weiber suchen Kastanien.

Zur Linken verschwand der Hügel von Tusku* tum mit seinen anromantische Felspartien der fränkischen Schweiz" erinnernden Resten anttker

den, auf den wiederum die Engländer in der Weise geantwortet haben, dah sie ganz offen eine Ein­beziehung des MandatslandÄ Deutsch - O ft - a f r ika in die Verwaltung der angrenzenden eng­lischen Kolonien propagierten. In diesen Tagen wird die Mandatskommission des Völker­bundes zusammentreten, um wie üblich die nichtssagenden Rechenschaftsberichte der Derwal- tungsstaaten entgegenzunehmen. In dieser Kom- misfionssitzung wird man sich aber auch über die' englischen Pläne zu unterhalten haben. .Wir glau­ben. dah die Reichsregierung gut daran tun würde, diesmal der Tagung der Mandatskommis­sion ihre besondere Aufmerksamkeit zu schenken, weil es keineswegs ausgeschlossen ist. dah Be­schlüsse gefaßt werden, die auf eine Aufhebung des englischen Mandats und eine Einverlei» bungDeutsch-Ostafrikasin den eng - lischen Kolonialbesitz hinauslaufen. Kommt es zu einer derartigen Entwicklung, dann werden wir erleben, dah auch die übrigen Man­date im Handumdrehen von der Bildfläche ver­schwinden und dah uns damit auch die letzte Aus­sicht auf eine etwaige Zurückgewinnung wenig­stens eines Teils unserer Kolonien genommen ift

Am 5. Iuli wird in Mainz das Stre se­in ann - Denkmal eingeweiht. Der Denkmals­ausschuh hat auch an den Völkerbund Ein­ladungen ergehen lassen. Was aber geschieht in Gens? Die Einladung wird zwar nicht in den Papierkorb geworfen, wie man das wohl am lieb­sten getan hätte. Daftir ist schleunigst der derzeitige Ratspräsident und das ist der Reichsaußen­minister Dr. C u r t i u s aufgefordert worden, mit dem deutschen Llntergeneralsekretär Du­four - Feronce den Völkerbund bei der Denk­malseinweihung zu vertreten.. Wir werden also ganz unter uns fein, obwohl es nichts ge­schadet hätte, wenn wenigstens der Generalsekre­tär selbst, ein Engländer, in Mainz in Er­scheinung getreten wäre. In Genf wird zwar ver­sichert. daß es nicht gut möglich war, einen an­deren als Herrn Dr. Curtius zu beauftragen. Diese A u s r e d e ist aber an den Haaren herbeigezogen, da alle Welt weih, dah Curttus als Freund Stresemanns ohnehin zur Denkmalseinweihung gefahren wäre. Das Verhalten der Genfer Herr­schaften ist wieder einmal charakteristisch für den Völkerbund selbst, der immer wieder durchblicken läßt, dah er nur eine Rück­versicherung der Sieger st aat en ist und, wo es nur geht, sich von Deutschland distanziert.

Der polnische Auhenminister hatte auf der letzten Ratstagung in Genf versucht, den ober« schlesischen Konflikt mit einer Handbewe- gung aus der Welt zu schaffen, er hatte sich aber in seinem Gegner Curtius getäuscht, der es ablehnte, sich mit dem vorgelegten Bericht zu- frieben zu geben, einmal weil dieser Bericht viel zu spät eingereicht worben war, und zum andern, weil schon seine flüchtige Durchsicht ergab, dah fein Inhalt von deutscher Seite nicht unwider­sprochen bleiben kann. Es ist nicht nötig, noch einmal auf bie verschiedenen Verfahren vor den polnischen Gerichten zurückzugreifen, bie fast regel­mäßig damit ihren Abschluß fanden, daß entweder die Klagen zurückgewiesen, oder aber die Schul­digen zu ganz geringfügigen Geldstrafen verur­teilt wurden. Reuerdings hat sogar ein Ver­fahren Platz gegriffen, wonach verurteilte Deutsche noch gezwungen werden, an die Denkmalsfonds ber Aufständischen erhebliche Summen zu zahlen. In diesen Rahmen polnischer Rechtsprechung paßt auch dieSühne" für Golass owih hinein. Golassowih war be­kanntlich unmittelbar vor den Sejmwahlen der Schauplatz wüstester Ausschreitungen gegen die deutsche Bevölkerung. Diese Ausschreitungen gaben denn auch den Anstoß zu der Beschwerde beim Dölkerbundsrat. Obwohl die Polen ange­halten würben, der deutschen Minderheit Genug­tuung zu geben, haben sie erst jetzt den Golasso- witzer Fall gerichtlich behandelt. Das Ergebnis des einstündigen Verfahrens bildete die Ver­urteilung der beiden Hauptangeklagten zu je zwanzig Zloty Gelb strafe. Die Reichs­regierung wirb nicht verfehlen dürfen, auf der nächsten Ratstagung sich namentlich des Golasso- wiher LIrteilL anzunehmen, um dem Rat zu zei-

Villen. zur Rechten warf der Monte Cavo seine Lavahänge herab, die sich gerade belaubten. Ein abgerackerter Esel an der Tränke drehte uns erstaunt seine märchengroßen und fagentiefen Augen zu, streicheln hätte man ihn mögen. Dann kam noch ein vermooster Bildstock und bann war es aus mit der Zivilisation. Die Räder mahlten im Sand.

Wir stiegen aus, wanderten, kehrten um, stie­gen toieber ein. Zuerst mußte man auf irgendeine Hohe, um sich zu orientieren. Warum sollen w i r klettern, der erste Gang kann das viel besser. Rach einer Weile öffnet der Bergfrühling aber­mals bie Arme, es schimmert grün und weiß. Das müssen Walbwiesen fein, ba wollen wir einfallen wie Spatzen in ben Hanf. Den boppel- henkeligen Kupferkessel auf bem Haupte, stand auf einmal bie Königin der Albaner berge ba, ich zog ben Hut unb grüßte tief: Du bist die Elfenkönigin, bu bist von dieser Erde nicht.

Sie lachte still und versonnen, wie nur diese Bergkinber lachen können. Warum sollten wir uns nicht in die Wiese legen können, wenn es uns Spaß mache? Andate, andate pure! Wie, ob das Weiße dort Wiesenschaumkraut fei? Aber nein, Madonna mia, bas finb doch lauter Rarzissen.

Lauter Rarzissen! Mir wurde zuerst ganz an- bächtig unb bann ganz bubenhaft zumute. Wir stürzten hinunter, wir fielen ein wie hungrige Raben, die Rarzissen schlugen über uns zu­sammen. Wie kühle weihe Wellen. Der starke Duft nahm uns schier ben Atem. Wir dehnten bie Arme unb rafften unb ruderten, wir schwam­men in Rarzissen. Babeten im süßesten Schaum bes Bergfrühlings. Cs war zum Tollwerden.

Ach, meine weißen Schuhe!

Tja, die waren nun allerdings grün, grasgrün.

Du bist ein Glückskind, das ist der dritte Wunsch, der dir im Laufe einer Stunde in Erfüllung geht!

Run aber ben Wagen ausgeputzt, ausgesüllt, vollgestopft mit Rarzissen ... her bamit, was bie Arme halten ... einmal wenigstens versinken in Rausch und Ruch ...

Wie wir verschnaufend aufsehen, stehen ver­wegne Kerle am Weg mit Schießprügeln über der Schulter, mit Stoppelfeldern um weiße Zähne. Am Gürtel baumeln ihnen Haumesser und dünne

gen, wie die p olnische Wiedergutma­chung aussieht und wie notwendig es ist, die Polen unter allerstärksten Druck zu setzen.

Es ist längst kein Geheimnis mehr, daß sich die Polen die wirtschaftliche Rotlage Deutschlands zunutze machen, um diesseits der Grenzen immer fester Fuß zu fassen. Sie kaufen durch ihre Ban­ken zahlreiche Bauernhöfe auf, auf die zum Teil schon Rationalpolen gesetzt wor­den sind, ober die erst dann ganz öffentlich

als polnisches Eigentum ausgegeben werden sollen, wenn bie Einwanderung nach Deutschland wieder gestattet ist. Ietzt liegen Anzeichen dafür vor. daß namentlich in O st Preußen in ähn­licher Weise vorgegangen werden soll, um durch Ausdehnung des wirtschaftlichen Nnflusses Po- lens die Voraussetzungen für eine allmähliche Polonisierung Ostpreußens zu schaf­fen. Gerade hier sollte die O st h i I f e mit aller Macht einsetzen, um die polnische Gefahr zu bannen.

9.J4.-3POlt

Gießener Tennisklub 1922 Marburger Tennisklub 11:7.

Da die Damen bei fünf Spielen vier Plus­punkte buchen konnten, verdienen sie in erster Linie genannt zu werden. Frau Dumur, nicht disponiert, wurde leider durch die spielstarke bekannte Turnierspielerin Frau W e ck e s s e r. Marburg, 6:2, 6:1 ausgeschaltet. Dagegen hatte Frl. Berg einen Glanztag. ihre Doryandbälle waren in Härte und Schnelligkeit mustergültig. Sie gab Frl. Euler leicht mit 6:2, 6:3 t)as Rachsehen. Frl. S t ü ck r a t h schlug Frau Schä­fer 6:0. 6:3, ebenso hefteten Frl. Re y her unb Frl. Kuhlmann den Sieg an GießenS Fahnen.

In der Herrenklafse hatte das Wettfpiel gegen Marburg stets eine besondere Rote durch immer wieder neuauftauchende gute Spieler, bie sich aus der zahlreichen Marburger Studentenschaft refrutieren. So spielte an erster Stelle bet Berliner Hallwachs, ein junger Sportstudent, der Dr. Fischer (trotz gewonnenem 1. Satz und 4: 2»Führung) im 2. Satz 4:6, 6:4, 6:2 schlagen konnte. Der Sieg ist lediglich der größeren Ausdauer des Berliners zuzuschreiben, der im dritten Satz durch kurze geschnittene Bälle seinen Gegner ermüdete. Bei dem geplanten Rückspiel dürfte ein Sieg Dr. Fischer nicht zu nehmen fein. Dr. Schvpper mußte gegen Prof. Mommsen eine Rieberlage 6:2, 4:6, 1:6 einstecken. Einen schönen Erfolg hatte v. Gtolman, ber Dr. Weckesser mit 6:2, 6:3 überlegen war. Et bestätigte damit seinen Sieg vom vergangenen Iahr über ben Marburger Klubmeister. Dr. Dönges verlor 3:6, 2:6 gegen Scholz, einen talentierten jungen Spieler. Al tkemper, ein neues Mitglieb des GTE., gab feinen Einstand mit einem Sieg von 6:3, 6:4 über Schwarz. K. Fischer siegte in drei Sähen über Schnelle. B ö h n k e erzielte 6:3, 8:6 über Ruete. Einen fast ausgeglichenen Kampf gab es zwischen Prof. Hildebrandt und Günther, den Marburg erst nach drei Sähen für sich entscheiden konnte. Glücklicher war H. Bock, der Mr. Sachse 6:3, 5:7, 6:2 aus dem Rennen warf.

Einen programmäßigen Verlauf gab es im ersten Herrendoppel, das Dr. Schopper- K. Fischer 6:1, 6:4 verdient gegen Dr. Weck- effer-Prof. Mommsen gewannen. Die drei anderen Doppel konnten des Regens wegen nicht ausgetragen toerben. Ebenso fielen das erste unb fünfte gemischte Doppel dem Regen zum Opfer. Frau Dumur-Altkemper und Frl.' Stückrath -v. Grvlman (letztere knapp in drei Sähen) muhten die Punkte Marburg über­lassen, während Frl. Rehher-Dohnke im 3. Sah über Frau Schäfer-Hallwachs die Oberhand behielten.

Am kommenden Sonntag empfängt Gießen den Tennisklub Rot-Weiß Mainz auf den Plätzen hinter dem Schützenhaus.

VfB-Gießen.

Jugenbfpiele.

Das Spiel der 1. Iugend gegen die gleiche von Leihgestern kam nicht zum Austrag. da die Gäste auf dem Walbfportplatz nur mit sieben Mann er­schienen. Die 2. Iugend hatte infolge Absage des ursprünglichen Gegners ein Spiel mit der 1. Iugend von Heuchelheim vereinbart. Sie hatte sich etwas zu viel vorgenommen, dem reiferen und

Sicheln, riesige Halbkreise aus blankem Stahl, Sie riechen nach verbranntem Holz und schlechtem Tabak. So sich abzuplagen mit den Händen, sagt einer, das sei doch nichts für eine Dame, und da! da! da! sirrt es in die Rarzissen hinein, daß sie rauschen und fallen wie reifes Korn. Wir sicheln die Rarzissen jetzt, ba ich's schreibe, kommt es mir schon übertrieben, sinnlos und phantastisch vor. Aber ist es nicht die Ratur selber, bie übertreibt, in ben Heringszügen, in den Heufchreckenschwärmen, in diesem überschäu- mendcn Lenz erloschener Vulkane?

Das ist jedes Iahr so, sagen die Männer ge­lassen. das war schon immer so, daher ist ja das Rarzissenfest ausgekommen. Am Sonntag werde es gefeiert droben in Rocca Priora, in Monte Compatri, in Monte Porzio. Ein paar Lire verdiene man immer noch mit den Blumen, aller­dings müße man einen vollbeladenen Wagen dreingeben.

Schwere Zeiten, sage ich. Schwere Zeiten, geben sie einsilbig zurück. Was sie denn früher gemacht hätten, ob denn auch ihre Väter schon von bem bißchen Berggras und vom Kohlenbrennen leben mußten? Da stupsen sie sich an und grinsen und meinen, wir täten bloß so, als ob wir knicht wüßten

Vor dreißig, vierzig Iahren, nein, da arbeiteten sie nicht, da regierten sie, da waren sie die Herrscher. Das sei doch bie Gegend der Bande Scirocchi, das alles weite Armbewegung sei fein gewesen, fein Reich. Vittorio Emanuele habe ja bann die Sache unbegreiflicherweife ver­boten.

II secondo, wissen Sie rrritsch! Lind er macht eine streifende Geste an seiner Äordfront. Das heißt auf deutsch: jener König, der die Zündhölzer an seiner Hose anzustreichen pflegte.

Die junge Frau strahlt ben Räuberhauptmann an. Wundervoll plastisch, wie der zu erzählen Wille. Lind dann schenkte sie ihm,damit die Geschichte einen Schluß bekomme, wie sich's ge­hört", ihre Börse, das heißt, ich mußte ihm fünf Lire geben, weil sie ihr Geldtäschchen zu Hause liegen lallen hatte.

Cs ist mir ein Rätsel, wieso ich heil vom Steuer weggekommen bin. denn der Wagen war mit weißen Sternen überladen wie ein Heu-

technisch besseren Spiel des Gastgebers waren die DfBer nicht gewachsen. Sie verloren 0:5.

Die 1. Schülermannschaft unterlag auf eigenem Platz der gleichen Mannschaft von Leihgestern mit 1:2. Den Gästen ist somit Revanche für die im Vorspiel erlittene 0:3-Riederlage gelungen. Das Spiel nahm einen interessanten Verlauf. Die 2. Schülermannschaft hatte ebenfalls auf dem Waldspvrtplatz die 2. Schülermannschaft von Wie- seck zu Gast. Das Spiel der Kleinsten war noch ziemlich verworren, es endete zur allgemeinen Zu­friedenheit 0:0.

Spielvereinigung 1900 Gießen.

Iugendsplele.

Die I.Jugend war spielfrei. Die 2.Jugend weilte in Dutenhofen und kehrte mit einem 5:1-Sieg heim. Die neuaufgestellte Jugend des Gastgebers gab sich alle Mühe, hatte aber noch nicht die nötige Spielerfahrung und Routine, um den Blauweihen gefährlich werden zu können. Die 3. I u g e n d hatte in Griedel schwer zu kämpfen, um das Rückspiel 1:0 für sich entscheiden zu können. Technisch war 1900 besser. Die Schüler bestritten ein Rückspiel in Lollar, das 2:2 endete. Die kleinen Lollarer legten mit Elan los, drängten die körperlich stärkeren 1900er zurück und führten bis zur Pause 1:0. Rach derselben kam 1900 mehr auf, konnte aber bis zum Schluß nur ein Unentschieden erreichen.

Spielvereinigung 1926 Leihgestern.

Leihgestern I 1900 Gießen III 7:1.

Am Sonntag weilte die dritte Mannschaft der Spielvereinigung 1900 Gießen zu einem Freund­schaftsspiel in Leihgestern. Bon Anfang an konnte man einen sehr flotten Kampf sehen und gaben beide Mannschaften alles her, um Erfolge zu erzielen. Gießen konnte nach etwa 20 Minuten durch den Halbrechten die Führung übernehmen, jedoch gleicht Leihgestern bald aus und kann bis zur Halbzeit noch weitere zwei Tore erzielen, so daß das Spiel bei Halbzeit 3:1 für Leihgestern lautete. Rach der Pause schoß Leihgestern in regelmäßigen Abständen noch 4 Tore.

Blitzturnier in Großen-Buseck.

Das Blitzturnier, das der Fußballllub 1926 Großen-Buseck aus Anlaß seines fünfjährigen Bestehens am vergangenen (Sonntag auf berrt Sportplatz an der Gießener Landstraße veran­staltete, nahm einen sehr guten Verlaus. Die teilnehmenden Vereine boten gute Leistungen, bie Spiele wurden in anständiger Form durch­geführt. Sieger in Klasse A wurde SC. 1920 Drei- Hausen (Kreis Marburg), der den Sportverein Rieder-Weisel mit 2:1 besiegte. In Klasse B wurde bei namhafter Beteiligung die junge Sport - Abteilung des Turnvereins Wieseck Pokalsieger. Die beteiligten Mannschaften der Vereine Rieder- Weisel, Dillingen, Flensungen, Queckborn, Drei- Hausen und Wieseck boten gute Leistungen.

Der unterhaltende Teil am Rachmittag wurde eingeleitet durch einen Festmarsch durch die Ge- meindestraßen, an dem sich fast sämtliche Orts- vereine beteiligten. ,

Handball im Lahn -DünSberg- Gau.

To. Ahbach I To. Dorlar I 5:2 (2:0).

Anläßlich der Austragung der Hindenburg- Pokalspiele sand obiges Spiel in Ahbach statt. Das Spiel endigte mit einem Siege Ahbachs. Ahbach erzielt durch seinen Halbrechten das

wagen und der Geruch streifte an Rarkose. In vier Zimmer muhte die Fracht verstaut werden und hätte doch für vierhundert gereicht.

Aber wenn wir schon verrückt waren, es war eine selige Verrücktheit. Wir haben uns endlich einmal sattgetrunken.

Gesegnet seien die seltsamen Wünsche einer jungen Frau.

Zeitschriften.

,Lob des Papiers" betitelt Hans Dethge eine kleine Skizze in der neuesten Rümmer der I 11 u ft r i r t e n Zeitung (I. I. Weber, Leipzig). Er spricht von dem Papier als unserem Lebensbegleiter, vom Geburtsschein bis zum Totenschein, als unserem Freund und Tröster in Gestalt von Büchern, Driesen und Kunstwerken. Lind ist auch sein Herkommen gering: Lumpen und Hadern, so ist es doch für uns moderne Menschen unentbehrlich und von unermeßlicher Bedeutung. Auch die Graphologie ist ohne Papier nicht zu benfen; muß doch die Handschrift erst zu Papier gebracht werden, ehe sie gedeutet werden kann. Alfred Gemat veröffentlicht in der vorliegenden Rümmer einen aufschlußreichen Artikel über Schriftdeutung, dessen Ausführungen durch bei­gegebene Schriftproben veranschaulicht werden. Künstlerischer Bildschmuck, Illustrattonen aus dem Gebiete des Sports, der Mode und der Tages­geschichte beleben die reichhaltige Rümmer.

Hochschulnachnchien.

Professor Dr. Otto Weinreich in Tübin­gen hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der klallllchen Philologie an der ilni- öerfität Halle als Rachfolger von Geheimrat O. Kern abgelehnt.

Professor Dr. Kurt Latte in Basel hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der klassischen Philologie an der Llniversität Göt­tingen als Rachfolger von Prof. E. Fraenkel angenommen. Dr. Latte, der aus Königsberg (Preußen) gebürtige Philologe, lehrte früher in Münster und Greifswald. 1926 übernahm er den Lehrstuhl der lateinischen Sprache und Literatur an der LIniversität Basel. v