nicht anzuerkennen, dah es zwei Deutschland, mehrere Deutschlands gebe. Die Nationalisten bildeten nicht die Mehrheit. Sie seien nicht die Herren der Lage. Solange nicht bewiesen sei, daß es unmöglich fei. die Friedenspolitik mit Deutschland genau wie mit den anderen Ländern Europas sortzusetzen, glaube er, dah es in Frankreichs Interesse liege, bei dieser Politik zu bleiben.
Der Abgeordnete Lorin sei auch aus die Frage der Reparationen eingegangen, und zwar unter Anspielung auf den Besuch der deutschen Minister in London. Er habe besürchtet, dah Deutschland seine Verpflichtungen zur Zahlung der Reparationen verleugnen könnte. Es sei möglich, dah Deutschland bei den Londoner Besprechungen Gelegenheit genommen habe, seine schlechte Wirtschaftslage geltend zu machen. Das sei sein gutes Recht. Frankreichs Recht sei es, wenn man ihm irgendetwas vorschlage, was den Interessen des Landes zuwiderlaufe, Rein zu sagen. Es sei nicht möglich, eine Frage wie diese ohne Frankreichs Zustimmung zu regeln.
Es sei nicht möglich, das feierlich unterzeichnete Abkommen ohne Frankreichs Einwilligung um- zuftohen. Der Joungplan fei erst kürzlich in Kraft gesetzt worden. Es könne nicht die Rede davon sein, ihn zu revidieren, da er einen definitiven Charakter trage. Er enthalte in sich
Möglichkeiten für Deutschland. Deutschland werde davon vielleicht Gebrauch machen. Das sei sein Interesse, von dort aber bis zu dem Schritt, ihn völlig umzugestalten und von einer neuen internationalen Konferenz für die Schuldenfrage zu sprechen, sei ein weiter Weg. Bisher habe man sich an den französischen Außenminister noch nicht in diesem Sinne gewandt. Die Kammer könne sicher sein, dah er sich nicht hineinziehen lassen werde.
(Lebhafter Beifall.)
Rach Briand sprach nochmals der Abgeordnete Lorin, der behauptete, dah von einer allgemeinen Zusammenarbeit der Völker nicht die Rede sei. In Chequers habe es sich um eine zweiseitige Unterredung gehandelt. Die Regierung Brüning paktiere mit den Hitler- l e u t e n, deren Forderungen man kenne. Man dürfe einem Land wie Deutschland nicht mit den französischen Spargroschen wieder auf die Beine helfen. Als Treviranus vom Danziger Korridor gesprochen habe, hätten die Polen protestiert, aber Frankreich nicht.
Briand erwiderte: Ich habe doch den Dank der polnischen Regierung entgegengenommen.
Die Interpellation Lorin wurde hierauf auf unbestimmte Zeit vertagt.
Oer Kampf um die Notverordnung.
Oie Staatspartei fordert AenLerungen.
Berlin, 9. Juni. (VDZ.) Rach längerer, teilweise sehr lebhafter Aussprache faßte di« Reichstagsfraktion der Deutschen Staatspartei folgende Entschließung:
„Die Fraktion hält wesentliche Teile der Rot- verordnung für verfehlt und mit ihren grundsätzlichen Auffassungen nicht für vereinbar. Wegen der sozial und wirtschaftlich notwen, digsten Aenderungen und Ergänzungen wird die Frashidn mit dem Reichskanzler verhandeln. Von dem Ergebnis dieser Verhandlungen macht die
Fraktion ihre endgültige Stellung abhängig."
An der heutigen Sitzung nahmen auch Reichsfinanzminister Dr. Dietrich, der preußische Fi- nanzminister Höpker-Aschvff und der preußische Handelsminister Dr. Schreiber teil.
Oer Reichsfinanzminister erklärt.
Berlin, 10. Juni. (ERB.) Reichsfinanzminister Dr. Dietrich erklärte in der Fraktionssihung der Staatspartei bei der Besprechung der Rotver- vrdnung, dah durch die Arbeitsbeschaffung der Reichsbahn eine fühlbare Entlastung auf dem Arbeitsmarkt bewirkt werde. Mit den Vertretern des Bergbaues würde über eine Herabsetzung der Kohlen- Preise um eine Mark für die Tonne verhandelt.
Auch noch Erhöhung der Umsatzsteuer?
Aufgehoben als Reserve. — BrüningS Standpunkt.
Essen, 9. Juni. (CNB.) Bei einem Interview des Reichsarbeitsministers Dr. Stegerwald mit dem Chefredakteur des „Echo vom Niederrhein" Führte Dr. Stegerwald u. a. aus:
r Die „Kölnische Zeitung" versichert dem fierrn Reichskanzler ihres weiteren Vertrauens, wünscht aber an Stelle der jetzigen eine befere .Notverordnung, ehe es zu spät ist. Sie ist der Meinung, daß die jetzige Notverordnung durch eine andere zu ersetzen sei, in der einig« Anordnungen geändert wären. Sie mißbilligt in erster Linie die Seifen ft euer gegenüber dem Mittelstande und fordert die sofortige Durchführung einer durchgreifenden Reform in der Sozialversicherung , darunter insbesondere die Zusammenlegung der Krisenfürsorge und der Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge, ferner schn«llste Reichs- und Verwaltungsreform, an Stelle der jetzigen unsympathischen Steuern, trotz großer Bedenken die Erhöhung der Umsatzsteuer und schließlich weitere Abstriche an den Sachausgaben. Dazu möchte ich, ohne dem Herrn Reichskanzler vorzugreifen, folgendes bemerken:
Der Herr Reichskanzler hat in den letzten Wochen mehreren Stellen gegenüber erklärt, und zwar mit großer Eindeutigkeit, daß die Erhöhung der Umsatzsteuer in der gegenwärtigen Stunde seinen sofortigen Rücktritt zur Folge haben werde. Die Umsatzsteuer müsse reserviert bleiben für die beiden Fälle, daß entweder Komplikationen bei der Regelung des Reparationsproblems eintreten sollten oder aber, dah die houptsteuer der Länder, die Hauszinssteuer, weiterhin katastrophal zusammenschrumpfe.
In der Frage der Zusammenlegung der Krisenfürsorge und der Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge stehen sowohl die Dr. Braunssche Gutachterkommission, als auch ich persönlich seit langer Zeit auf dem gleichen Standpunkte wie die „Kölnische Zeitung". Bei den Sachausgaben ist beim Reich kaum mehr etwas zu st reichen, da in dem mehr als 10- Milliarden-Etat des Reiches — abgesehen von dem Reichswehr- und dem Reichsmarine-Etat — nur wenig mehr als 100 Millionen Mark Ausgaben für Sachlieferungen noch enthalten find. Mit der sofortigen Inangriffnahme der Reichs- und Verwaltungs- reform bin ich.für meinen Teil sehr einverstanden.
Protest der Beamtenschast.
Einberufung des Reichstags gefordert.
Berlin, 9. Juni. (VDZ.) Wie das Rach- richtenburecru des VDZ. hört, hat sich di« Qei- itung des Deutschen Beamtenbundes, der Organisation, die mehr als eine Million deutscher Beamten umfaßt, am Dienstag unter protestierendem Hinweis gegen die neue Rotverordnung für baldige Einberufung des Reichstags ausgesprochen.
Kundgebung der höheren preußischen Beamten.
Der Landesverband Preußen des Reichsbundes der höheren Beamten bat unter dem Eindruck der Notverordnung feine Vorstandsmitglieder aus ganz Preußen zu
einer außerordentlichen Tagung zusammenberufen. Hierbei wurde folgende Entschließung gefaßt:
„In tiefer Erreguna stellt die preußische höhere Beamtenschaft, deren Besoldungssätze ohnehin gegenüber denen des Reiches stark zurückstehen, fest, daß sie durch die letzte Notverordnung um das gesamte Ergebnis der Besoldungs- reform von 1927 gebracht werden soll. Die Oeffent- lichkeit ist durch übertriebene Darstellung des Ausmaßes dieser Reform irregeführt worden. Durch die neue Notverordnung sieht sich die höhere Beamtenschaft auf das Niveau von 19 2 4 zurückgeworfen, zahlreiche Beamte des We- stens, die Ruhestandsbeamten und die Anwärter sogar unter dieses Niveau, das von Regierung, Parteien und Wirtschaftsführern übereinstimmend als untragbar bezeichnet worden war.
Zu dem wirtschaftsfeindlichen Moment einer allgemeinen Drosselung der Kaufkraft tritt damit die Gefahr einer Unterbewertung der qualifizierten Arbeit. Ohne die Zustimmung der dazu berufenen parlamentarischen Körperschaften werden auf einzelne Erwerbsschichten neue Lasten in unverständlicher Differenzierung gehäuft. In der festen Uebergeugung von der Wirkungslosigkeit auch dieses neuen Sanierungsversuches legt der Landesverband Preußen des Reichsbundes der höheren Beamten Einspruch hiergegen ein. Er kann die rechtliche Zulässigkeit des eingeschlagenen Verfahrens nicht anerkennen und wird alle gesetzlichen Mittel anwenden, um den Bestimmungen der Verfassung zum Schutze des Berufsbeamtentums wieder Geltung zu verschaffen."
Forderungen
der Behörden Angestellten.
Berlin, 9. Juni. (WTD.) In einer Besprechung mit dem Herrn Reichssinanzmini- st e r trugen »heute Vertreter der Organi» s ationen der Behörden<rnge st eilten ihre Bedenken gegen die Auswirkungen der zweiten Gehaltskürzungsverordnung auf die Angestellten vor. Sie forderten eine Abänderung der Rotverordnung dahin, dah auch die Behordenangestellten statt der Gehaltskürzung der Krisenlohnsteuer unterworfen werden sollten, falls eine neue Belastung dieser Angestellten auf keine Weise vermieden werden könne. Gleichzeitig wurde von den Organisationen die alsbaldige Herabsetzung der wöchentlichen Arbeitszeit bei den Reichsverwaltungen auf 48 Stunden als unumgänglich notwendig bezeichnet.
Macdonald an Brüning.
London, 9. Juni. (WTB.) Premierminister Macdonald hat auf das Abschiedstelegramm, das Reichskanzler Dr. Brüning an ihn gerichtet hat, mit folgendem Telegramm geantwortet: .Mein lieber Reichskanzler! Vielen Dank für Ihr freundliches Telegramm. Es war für meine Kollegen und mich eine sehr große Freude, Gelegenheit zu haben. Sie und Dr. Curtius in England persönlich kennenzulernen. Ihr ergebener Ramsey Macdonald."
Oie Leuna-Spionage vor dem Reichsgericht.
L e i p z i g , 9. Juni. (WTB.) Dor dem 4. Strafsenat des Reichsgerichts begann heute die Verhandlung wegen der Werkspionage bei den Leunawerken, die vor anderthalb Jahren aufgedeckt und durch die Begleitumstände großes Aufsehen erregt hat. Zu verantworten haben sich der Oekonomieverwalter Felix Amann, der Händler Wilh. D e ck e r, der Kaufmann Leonhard ©tat) und der Reichswehrobergefreite Alfred ©artet wegen fortgesetzten Verrats militärischer Geheimnisse, begangen teils einzeln, teils gemeinschaftlich in den Jahren 1927 bis 1930 in Saarbrücken, Mainz, Ludwigshafen, Weißenfels, Wolsenbuttel, Hannover und anderen Orten, Frau Becker ebenfalls wegen Verrats militärischer Geheimnisse, sowie wegen Diebstahls und Verrats von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen, der Reichswehrgefreite Paul Vollrath wegen Verrats militärischer Geheimnisse, der Bauingenieur Kühling (Weißenfels) wegen versuchten Landesverrats und schließlich der Bäckergeselle Georg Hauck und der Fleischer Franz A l t m a n n wiederum wegen Landesverrats. Die Angellagten A l t m a n n und Becker werden außerdem beschuldigt, der Frau Becker Beihilfe bei ihren Straftaten geleistet und auch Verrat von Geheimnissen vorgenommen zu haben, die sie durch Frau Decker kennenlernten. Als Sachverständiger des Reichswehrministeriums wohnt Oberstleutnant Hartmann der Derhanh- lung bei.
Der Angeklagte Becker, der zwölfmal hauptsächlich wegen Bettugs vorbestraft ist, macht geltend, daß er als Folge von verschiedenen Kriegsverletzungen und Derschüttungen seine Straftaten nicht in vollem Besitze seiner geistigen Gesundheit begangen habe.
Rach den üblichen prozessualen Formalitäten wurde auf Antrag des Vertreters der Reichsan-
9er Shuman-da« her Universität Heidelberg.
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Das neue Kolleggebäude in Heidelberg, das auf Anregung des früheren Botschafters Shurman von Amerikanern, die einst in Heidelberg studierten, gestiftet wurde.
Heidelberg, 9. Juni. (WSR.) Der Neubau der Heidelberger Carolus Ru- pertus - Universität wurde heute vormittag feierlich eingeweiht. Unter den Anwesenden befanden sich der ehemalige amerikanische Botschafter Dr. Shurman, Reichsinnenminister Dr.
Jacob Shurman, der frühere amerikanische Botschafter in Berlin, dessen Namen das neue Uniocrfitätsgebäube trägt.
Wirth, der badische Staatspräsident Wi tfern ann , Kultusminister Dr. Remmel«, FinanK- minister Dr. Schmitt, und zahlreiche Vertreter der Behörden und der Wissenschaft.
Bei der Schlüsselübergabe sprach Professor Dr. Gruber über die architektonische Linienführung des neuen Gebäudes. Der Rektor der Universität, Professor Dr. Meister, übernahm die Schlüssel in die Obhut des Staates und in das Haus recht der Universitätsbchörde mit Worten des Dankes. Der Rektor verkündete, daß der Senat beschlossen habe, dem Erbauer der Universität, Professor Dr. Gruber, die Würde eines Ghrensenators zu verleihen.
Dann ergriff der badische Staatspräsident und Innenminister W i t t« m a n n das Wort zu einer Ansprache, in deren Verlauf er Dr. Shurman die badische Goldene Staatsplakette verlieh. Der badische Staatspräsident sprach mit Stolz davon, daß das Land Baden die älteste deutsche Hochschule beherberge. Heidelberg sei seit Jahrzehnten ein Sorgenkind gewesen, besonders da die Baulichkeiten den heutigen Bedürfnissen
nicht mehr entsprächen. Da sei unerwartete Hilfe, aus den Vereinigten Staaten unter Führung von Dr. Shurman, den er aufs herz- li:che begrüße, gekommen. Dadurch sei es möglich geworden, nach kurzer Bauzeit den Neubau der Universität feierlich einzuweihen. Der Staatspräsident sprach dem Prof. Dr. Gruber, Danzig, und dem bauleitenden Architekten Gutmann, Karlsruhe, seinen besonderen Dank aus. Alsdann dankte der Staatspräsident im Namen der badischen Regierung dem ehemaligen Botschafter Dr. Shurman und allen Spendern. Stets werde die neue Universität als Shurman- Dau erkenntlich sein. Als Dankeszeichen verleihe er Dr. Shurman die bisher nur zweimal verliehene Goldene Staatsplakette für besonders große Verdienste.
Botschafter a. D. Dr.Shurman ging in seiner Dankrede auf die Schaffung der neuen Universität ein. Die letzten 100000 Dollar der eine halbe Million Dollar betragenden StistungS- summe seien von drei hochherzigen amerikanischen Bürgern gegeben worden, die bis jetzt die Otennung ihrer Romen verboten batten. Heute könne er bekanntgeben, daß es sich um drei Amerikaner deutscher Herkunft, nämlich um Ferdinand Thun, Henry Janssen und Gustav Oberländer handele. Herr Oberländer, der der heuttgen Feier beiwohne, habe zudem noch einen Fonds von einer Million Dollar gestiftet, um führende Amerikaner aus allen Kreisen instand zu sehen, ein Jahr oder länger nach Deutschland zu kommen. Es müsse erwähnt werden, dah der Stifter bestimmt habe, dah diese Summe innerhalb einer einzigen Generation ausgegeben werden solle. Oberländer sei der Ansicht, daß die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Rationen nach Ablauf dieser Frist auf einer natürlichen Basis beruhen werden und dah dann keine künstliche Hilse mehr erforderlich sei. Zum Schluß betonte Dr. Shurman, daß auch er und feine Entwicklung der Universität Heidelberg eine große Dankesschuld zolle, die er mit dem vollendeten Werk abzuttagen sich bemüht habe.
Fackelzug zu Ehren ShurmanS.
Heute abend veranstalteten die Heidelberger Verbindungen In Stärke von etwa 600 Mann einen Fackelzug aus Anlaß der Einweihung der Reuen Universität. Der Zug ging vom Karls- tor durch die Hauptstraße und in der Anlage auch am Hotel Shurmans vorbei, der sich den Zug mit Interesse vom Balkon aus ansah und dem die Bevölkerung zum Schluß Ovationen! darbrachte. Shurman dantte mit einigen freundlichen Worten.
Waltschaft die O e f s« n t l i ch k e i t für die ganze Dauer der Verhandlung ausgeschlossen, da bei einer öffentlichen Verhandlung eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung, insbesondere der Staatssicherheit des Deutschen Reiches, zu befürchten sei.
Oer preußische evangelische Kirchenvertrag.
Berlin, 9. Juni. (TU.) Der evangelische Kirchenvertrag wurde vorn Hauptausschuß des Preußischen Landtags heute bei Stimmenthaltung der Sozialdemokraten gegen die Kommunisten angenommen. Annahme fand auch das Pfarrerbesoldungsgesetz.
Grubenunglück in Schlesien.
Breslau, 10. Juni. (WTB.) Wie die Polizeiverwaltung in Reurode mitteilt, ereignete sich gestern gegen 22.30 Uhr in den Kohlen- und Tonwerken in Kohlendorf bei Reurode zum Schichtwechsel ein Kohlensäure- ausbruch. Das Unglück forderte sieben Tote, von denen bereits sechs geborgen sind. Außerdem sind noch vier Verletzte zu beklagen. Zur Zeit besteht keine weitere Gefahr mehr. Die Rettungsmannschaften sind eifrig an der Arbeit, um weitere Unglücksfälle zu verhüten. Es ist nicht anzunehmen, daß noch weitere Verunglückte in der Grube sind.
Der Kohlensäureausbruch hat auf der Grube Rubens stattgefunden. Der Ausbruchsherd liegt etwa 500 Meter unter der Erdoberfläche in einem im Abläufen begriffenen Gesenk. Der Ausbruch erfolgte nach dem planmäßigen Erschütterungsschieben, und zwar gleich, nachdem man nach Ablaus der vorgeschriebenen Wartezeit die Schießtüren wieder geöffnet hatte. Die ums Leben gekommenen Leute sind die Arbeiter gewesen, die den Auftrag hatten, die Baue auf durch das Schießen etwa ausgebreitete Kohlensäure zu untersuchen. Das Rettungswerk hat sofort eingesetzt, so daß es noch möglich war, zwei von ihnen zku retten. Di« Untersuchung ist im Gange.
An der Unfallstelle traf in der Nacht auch der neue Derghauptmann Schlattmann ein. Er erklärte, es sei eine große Seltenheit, daß ein
Kohlensäureausbruch erst längere Zeit nach dem Schießen hervortritt.
Untergang eines englischen Unterseebootes.
London, 9. Juni. (WTB.) Wie die Abrnlrali- töt mitteilt, ist bas Unterseeboot „Posei« bon" in ber Nähe von Weihaiwei (China) nach einem Zusammenstoß mit einem Hanbelsschiff gesunken. Drei an ber Unfallstelle eingetroffene Kriegsschiffe haben fünf Offiziere unb 26 Matrosen gerettet. 18 Matrosen werben noch vermißt. Das gesunkene Unterseeboot war im Jahre 1929 erbaut; es war 85 Meter lang unb mit einem 10- Zentimeter-Geschütz unb mit acht Torpeborohren ausgerüstet.
Wettervoraussage.
Im Südwesten hat der eingesetzte Darometer- anftieg weiter standgehalten und die neue Atlan- ttkstörung dehnt sich weiter ostwärts aus. Die jeuchtwarme Luft chrer Vorderseite hat unfern Bezirk erreicht und in den heuttgen Morgenstunden Niederschläge gebracht. Auch die Temperaturen sind allenthalben angesttegen und liegen 3 bis 4 Grad höher als am Vortage. Unter dem Zufluß weiterer ozeanischer Luft, welche die Atlantikstörung bei ihrem Dorüberzug nach dem Festlande bringt, traten stellenweise Niederschläge auf, weiterhin bleibt es warm und neben Bewölkung setzt Aufheiterung ein.
Aussichten sürDonnerstag: Dunstiges und wolkiges Weiter mit stellenweiser Aufheiterung, zeitweise etwas Regen, warm.
Aussichten für Freitag: Leichter Temperaturrückgang, teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter mit Neigung zu einzelnen Gewitterstörungen.
Lufttemperaturen am 9. Juni: mittags 21 Grab Celsius, abends 15,6 Grab; am 10. Juni: morgens 16,3 Grab. Maximum 21,2 Grab, Minimum 12,7 Grab. — Erbtemperaturen in 10 cm Tiefe am 9. Juni: abenbs 18,8 Grob; am 10. Juni: morgens 15,8 Grab Celsius. — Nieberschläge 3,7 mm. — Sonnenscheinbauer 4K Stunben.


