Nr. 83 (Erftes Blatt
M. Jahrgang
Hrcitag, 10. April 193(
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. DerantwoNlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Fillech sämtlich in Gießen.
Zollunion und Industrie.
Don Dr. Joses Winschuh, MdR.
Die Richtlinien au einem künftigen Zollunion- txrieag, die zwischen Deutschland und Oesterreich vereinbart worden sind, haben eine lebhafte politische Diskussion entfesselt. Ueber> ihr kommt die wirtschaftliche und besonders die privatwirtschaftliche Veite diese- Durchbruchs noch zu kurz. Rach dem Zoll- unionvertrag, an dessen Ausarbeitung man nun herangeht, werden zwischen Deutschland und Oesterreich ungefähr 90 v. H. der heute bestehenden Zollpvsittonen fallen. Sieht man von UebergangSreglungen ab, so bedeutet der Vertrag. daß Deutschland und Oesterreich sich zu einem Binnenmarkt, einem gemeinsamen Absahraum zusammenschliehen. Auch zu einem einheitlichen Produktionsraum? Das nicht. Der Zollunionvertrag vereinheitlicht durch den Wegfall der Zölle des Warenverkehrs zwischen Deutschland und Oesterreich nur die Absatzbedingungen. Das österreichische Erzeugnis auS Linz kann in Zukunft zu den gleichen Bedingungen in Köln oder Bremen konkurrieren wie das deutsche Erzeugnis aus München. Aber da die p o l i t i s ch e Selbständigkeit beider Länder bestehen bleibt und infolgedessen auch die Verschiedenheit der Steuern und der Wirtschaftsgeseh- gebung, der Sozialbelastung und Löhne, so bleiben die Produktionsbedingungen der Zollunionpartner verschieden. Bewährt sich die Zollunion handelspolitisch, so wird allerdings in ihrem Gefolge eine Angleichung der Produktionsbedingungen nicht zu vermeiden sein.
Fragt man nicht nach dem handelspolitischen Archennuhen, sondern nach dem unmittelbaren Vorteil, den beide Länder auS ihrem Zusammenschluß zu einem einheitlichen Binnenmarkt ziehen, so hat zweifellos auf den ersten Blick die österreichische Industrie den größeren Vorteil von der Zollunion. Sie verzehnfacht nämlich, an der Zahl der Devöllerung und damit der Verbraucher gemessen, ihren Binnenmarkt. Hingegen wird der Binnenmarkt der deutschen Wirtschaft nur um ein Zehntel vergrößert. Es besteht aber kein Zweifel, daß der Absatz deutscher Erzeugnisse in Oesterreich durch die Zollunion belebt wird. Der deutsche Antell an der Einfuhr nach Oesterreich betrug im Jahre 1930 25 v. H Deutschland steht in der österreichischen Handelsbilanz anderSpitze. Diese Stellung wird durch den Wegfall der Zollschranken zwischen Oesterreich und Deutschland nicht nur befestigt, sondern stärker ausgebaut. Die leistungsfähigen Industrien in Deutschland und in Oesterreich werden gegenseitig durch die Zollunion gewinnen. Aichtleistungssähige Industrien allerdings, denen durch den Wegfall des Zollschuhes im neuen vergrößerten Binnenmarkt ein schärferer Wettbewerber entsteht, werden durch die Zollunion benachtelligt.
Das gilt beispielsweise für einige österreichische Industriezweige, wie den Maschinenbau, Teile der chemischen Industrie sowie Gebiete der Metallwaren- und Kleineisenindustrie. Hier ist die deutsche Erzeugung vielfach der österreichischen überlegen und wird diese Ueberlegenheit erst recht nach dem Wegfall der Zollhürden, die bisher von ihr übersprungen werden mußten, zur Geltung bringen. Auch die österreichische Landwirtschaft sieht der Zollunion mit einigen Befürchtungen entgegen, die sich vor allem auf die deutsche Einfuhr von Zucker und Vieh erstrecken. Es scheint, daß diese Befürchtungen übertrieben sind. Wenn in Zukunft das osielbische Schwein in größeren Mengen auf dem Transitverkehr durch Mähren nach dem Groß- verbrauchsplah Wien kommt, an Stelle des polnischen Schweins, so ist das eine durchaus günstige Entwicklung. Andererseits haben Tirol, Steiermark und Salzburg Aussicht, ihr hochwertiges Zuchtvieh lohnender in Deutschland abzusetzen.
Die österreichischen Wirtschaftsgruppen, die von der Zollunion am meisten profitieren dürften. sind neben Holz und Papier die Konfektion. Leder - und Kurzwaren sowie die G e s ch m a ck s i n d u st r i e. Sie sind leistungsfähig und haben in Oesterreich einen guten Standorr, was Tradition und menschliche Leistung anlangt Auch haben österreichische Baumwollgarne Aussicht stärker in Deutschland abgesetzt zu werden, da sie ein besonders zoll- empfindlicher Artikel sind.
Jedenfalls hat die deutsche Industrie im großen und ganzen geringe Einzelnachteile und älebergangsschwierigkeiten von der Zollunion zu befürchten. Man mich hierbei in Rechnung stellen, daß bereits eine starke Kapitalverflechtung zwischen den deutschen und österreichischen Wirtschaftsgruppen besteht Zunächst einmal haben sich zahlreiche deutsche Industrie- und Handels Unternehmungen durch Einrichtung von Filialbetrieben in Oesterreich einen Absatz geschaffen, der bisher in den Außenhandels- zahlen nicht zum Ausdruck kam. Sv sind die österreichischen Großbetriebe der Elektrotechnik im Grunde deutsche Werke. Zahlreiche und vielfach enge Kapitalverflechtungen bestehen zwischen der deutschen und der österreichischen M o n- tanindustrie, ferner zwischen der Eisen- verarbeitung, der Maschinenindu- strie, der Chemie, dem Papiergewerbe und einzelnen Textilindustrien. Die Kapitalverflechtung bedient sich dabei der verschiedenen Formen, von der österreichischen Tochter-
Große politische Kundgebung des französischen Staatspräsidenten
Doumergues Amtszeit abgelaufen. — Ein „Vermächtnis an die Ration". — Gegen die Abrüstung. — Absage an Briand?
Oer Wechsel im Elysee.
Zahlreiche Kandidaten. — Unsicherheit bis zuletzt.
Don unserem p.-Korrespondenben.
Paris, 9. April.
Am 13. Mai treten in Versailles die Mitglieder der Deputiertenkammer und des Senats, insgesamt 850 Stimmberechtigte, zusammen, um den neuen Präsidenten der französischen Republik auf die Dauer von sieben Iahren zu wählen. Die Stellung des französischen Staatsoberhauptes ist in ihren verfassungsmäßigen Rechten sehr elastisch aus- gestallet. Sie kann rein repräsentativ auf gefaxt werden, sie bietet aber auch einer starken Persönlichkeit die Möglichkeit weitgehender politischer Einflußnahme, und der gegenwärtige Präsident Doumergue hat es durch sicheren Takt wie durch Geschicklichkeit wiederholt verstanden, in entscheidenden Fragen seine Meinung zur Geltung zu bringen; wenn er auch nicht so heftig in die Politik eingegriffen hat wie Pvincare unseligen Andenkens. Immerhin, die ganze Art Doumergues, seine Verbindung von Repräsentation und Politik, hat den Franzosen wohl gefallen, und wenn er wollte, würde er es voraussichtlich nicht schwer haben, noch einmal gewählt zu werden, zumal da ein eigentlicher „Kronprinz" bisher noch fehlt. Aber Doumergue scheint keine Reigung zu haben, er will sich zunächst wenigstens zurückziehen und macht dadurch den Weg für das große Heer der Ehrgeizigen frei.
Altem Herkommen nach gibt es offizielle Kandidaturen bis zum Tage der Wahl überhaupt nicht. Erst bei der Eröffnung der Rationalversammlung teilt der Vorsitzende, das ist der Präsident des Senats, mit, wer für das Amt kandidieren will. Dadurch ist eine gewisse Unsicher- heit bis zum letzten Äugenbllck geschaffen, die oft genug zu Ueberraschungen geführt hat und merkwürdige Koalitionen zusammenbrachte, die Außenseiter durchs Ziel führte, nur um bestimmte unbequeme Bewerber auszuschalten. Cs gibt in Frankreich ebenso wie in den übrigen Ländern eine Reihe von Ramen, die eigenllich bei jeder Gelegenheit in den Vordergrund geschoben werden. Dazu gehört auch der Senats- Präsident D o u m e r, der schon vor einem Viertel- jahrhundert gegen Fallieres vergeblich kandidierte. Er genießt als Präsident des Senats große Sympathien. Immerhin, eristschonvierund- siebzig Iahre alt, und das ist in Paris nicht unbedingt eine Empfehlung. In heißestem Wettbewerb mit ihm steht voöäufig P a i n - leve, der vor sieben Iahren gegen Doumergue mit 309:515 Stimmen durchfiel und diesmal das Rennen zu machen hofft. Daneben läßt sich noch der Kriegsminister Magi not nennen, der auf die Unterstützung der Rechten rechnet. Poin - c a r e, dessen Gesundheitszustand seine neue Wahl unmöglich macht, hält eine Sonderkandidatur mit dem Senator Lebrun in Reserve; im Hintergründe lauert das große Rätsel B r i a n d, der zwar vorläufig eine Kandidatur ablehnt, aber sich vielleicht doch zuletzt bitten läßt. Das einzig Gewisse ist also zur Zeit noch das ilngetoiffe, und wenn die Franzosen etwas mehr angelsächsischen
Sportgeist hätten, dann wären für einen Totalisatorbetrieb mit Wetten auf Sieg und Platz unbegrenzte Möglichkeiten gegeben.
Doumergues politisches Testament. Frankreich mutz selber für seine Sicherheit sorgen.
Paris, 9.April. (TU.) Der Präsident bet Republik Doumergue traf auf feiner Helfe nach Tunis am Donnerstagvormittag in Jl i j } a ein. Gelegentlich eines ihm zu Ehren gegebenen Festessens hielt er dort eine große Hebe, beten politische Be- bculung nicht unterschätzt werben bars. Der französische Staatspräsident fleht bekanntlich am Enbe seiner siebenjährigen Amtszeit unb hinterläßt mit biefer Hebe sozusagen sein politis ch e s T e st a in e n t. Die Worte aus bem Dlunbe des höchsten Beamten Frankreichs finb jeboch ein neuer Beweis dafür, wie weit noch immer die französische Ration insgesamt oon dem Geiste des gerechten Friedens entfernt ist.
Doumergue erinnert an d i e Ereignisse ö o n 1 9 1 4, roo Frankreich trotz der großen Gefahr seine Truppen zehn Kilometer hinter die Grenze zurückgezogen habe. Ebenso habe in der Nachkriegszeit die französische Regierung darauf verzichtet, gewisse Hechte in Anwendung zu bringen, die ihr die Berträge zugesprochen hätten. Auch habe Frankreich st arte Hüstungseinschränkungen seit einigen Iahren durchgesührt, die um so mehr anerkannt werden mühten, als Frankreich sehr stark unter dem Kriege gelitten habe. Dieser Krieg, der den wert des Friedens erst in ein rechtes Licht stelle, habe Frankreich aber auch die Erfahrungen eingebracht, dah es keinen dauerhaften Frieden gebe ohne die S ichetheit der
Grenzen. Die französische Regierung sei daher Ira Recht, solange diese Sicherl>eit selbst zu oer- roalten, wie der Völkerbund nicht über eine Militär» macht oetsüge, die es ihm erlaube, seine Entschlüsse denjenigen aufzuzwingen, die sich ihnen nicht freiwillig beugten.
Doumergue fuhr wörtlich fori: „wir haben um so mehr bas Recht, so zu denken, als wir uns plötzlich vor einem Ereignis sehen, dessen gegenwärtige Bedeutung und dessen Folgen wir um so weniger unterschätzen dürfen als die Geschichte des Landes, in dem es sich zuträgt, bereits einen bezeichnenden Präzedenzfall aufweist, den zu oergeffen für uns gefährlich fein könnte." Mit diesem gewundenen Sah spielte Doumergue auf die deutsch - österreichische Zollunion und auf die Geschichte des Deutschen Zollvereins an. Doumergue schloß: Frankreich brauche nur sich vom gesunden Menschenverstand leiten zu lassen, und dieser gesunde Menschenverstand rate ihm zweierlei an: 1. über den guten Z u st a n d der Sinan- zen zu wachen; 2. sich oon dem Gedanken leiten zu lassen, dah ein Land, solange es keine starke internationale Streitmacht gebe, nicht zulassen dürse. dah man seine eigene materielle Streitkraft unter das Hioeau herabsehe, das die Sicherheit und Unantastbarkeit des Landes erhalle. Die jetzt lebenden Generationen trügen vor den künftigen Generationen die Verantwortung hierfür.
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Doumergue wird in Nizza den 'Kriegsminister Dumont treffen. In seiner Begleitung befinden sich die Mitglieder des Militär- und Zivillabmetts, sowie anstelle von Briand der 3uftUminifter B 6 - r a r d. Am Donnerstag wird der Staatspräsident dem Fürsten oon Monaco seinen Besuch ab- statten und sich am Nachmittag an Bord des Kreuzers „Colbert nach Tunis einschiffen.
Lebhafter Berfall der presse.
Zrankreich muß stark bleiben. — Gegen die „Umtriebe* Berlins und Wiens'
Paris, 9. April. (TU.) Die ganz unerwartete polittsche Rede Doumergues findet hier um so stärkere Beachtung, als man darin tatsächlich eine Art ,Vermächtnis an die Ration" erblickt. In polittschen Kreisen wird hinzugefügt, daß diese Kundgebung von höchster Stelle zweifellos nicht spontan erfolgte, sondern das Ergebnis eingehender Besprechungen im Schoße der Regierung gewesen sei. Man habe diese Gelegenheit wahrgenommen, um die Haltung der französischen Außenpolitik in Gegenwart und Zukunft -noch einmal autoritativ fest zulegen. In diesem Lichte gewinnen die Aeußerungen Doumergues zur Abrüstungsfrage höchste Bedeutung. In die nüchterne Sprache des Alltags überseht, bedeuten seine Ausführungen über die Rolle der Militärmacht Frankreichs ein unumwundenes Bekenntnis zur bisherigen französischen Sicherheitspolittk und gegen dieAb- r ü st u n g.
Die Rede des Präsidenten der Republik in Rizza wird von den meisten Blättern groß aufgemacht und von ihnen, soweit sie Stellung nehmen, vollauf gebilligt. — .Iournee Industrielle" schreibt, die sehr deutliche Anspielung des Präsidenten der Republik auf das deutsch - österreichische Abkommen, verdiene besondere Erwähnung.
.Avenir" erklärt, man werde Doumergue zweifellos das Recht zuerkennen, in voller Kenntnis der Sachlage zu sprechen, da er ja seit sieben Iahren die Geschicke des Landes lenke und Zeit und Gelegenheit gehabt habe, die ernstesten Probleme der französischen Rachkriegspolitik kennenzulernen. Man müsse stark bleiben, da einerseits der Völkerbund sich nur an den guten Willen seiner Mitglieder wenden könne und andererseits man einige Mitglieder den Völkerbundsgeist völlig vernachlässigen sehe, um, wenn es ihnen gut dünke, zur individualistischen Formel
gesellschaft einer deutschen Firma bis zur Repräsentanz, Beteiligung oder Arbeitsgemeinschaft. Aehnliche Kapitalve^lechtungen bestehen auch zwischen deutschen Großbanken und österreichischen Kredittnstttuten.
Diese Kapitalverflechrungen sind einmal privatwirtschaftliche Pioniere einer volkswirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Oesterreich und damit auch der Zollunion. Sie erleichtern aber auch die Ueberwin- dung der Tlebergangsschwierigkciten. die es natürlich geben wird. Es ist wahrscheinlich, dah auch die Kartellbewegung durch die. Zollunion belebt und erweitert wird und sich in den Dienst der Durchführung des Univnvertrages stellt. Wenn man die Einzelheiten der deutsch- österreichischen Kapitalverflechtung studiert, ist man erstaunt über das Maß gegenseitiger wirt- schafllicher Durchdringung, das bereits zwischen beiden Volkswirtschaften besteht und sieht in dem Zollunionsvertrag nur eine logische Fortsetzung dieser Polittk der wirtschaftlichen An- ^eichung.
Während die Hauptvortelle, die Oesterreich aus der Zollunion hat, im Gewinn des großen deutschen Binnenmarktes liegen, reifen die deutschen Früchte nur zum Teil auf dem österreichischen Markt. Man darf aber hier keine Krämerrechnung aufmachen, sondern muß die Fluchtlinien auch der geschäftlichen Entwicklung weiterziehen. Für die deutsche Industrie besteht der Vorteil der Zollunion in einer stärkeren Durchdringung der österreichischen Wirtschaft und in einer deutschen Ergänzung der nicht leistungsfähigen österreichischen Industrien. Er besteht zum zweiten darin, daß Oesterreich zum Schrittmacher für die grohdeutsche Erschließung des südosteurvpäischen Geschäfts wird. Ein dritter Dortell kann die Tatsache werden, daß die deutsch-österreichische
Handelspvlittk in Zukunft gemeinsam vorgeht und ein größeres Gewicht in die Dertragswaag- schale werfen kann. Die Ergebnisse eines solchen Vorgehens kommen dabei insbesondere der d e u t- schen Aussuhrindust rie zugute.
Das Volksbegehren in Preußen.
Lcldtc und Tüstcrberg sprechen auf einer Stahlhelmkundgcbung.
Berlin, 9. April. (TU) Im bis auf den letzten Platz gefüllten Berliner Sportpalast sprachen Donnerstagabend die Dundesführer des Stahlhelms, S e l d t e und Düsterberg, zum Volksbegehren. Seldte führte u. a. aus: Wir brauchen das Volksbegehren, weil der Preußische Landtag dem Willen des Volles nicht mehr entspricht, weil wir den Bürgerkrieg verhindern wollen, den eine sozialistische Diktatur vorbereiten will, weil die Wahl des Reichspräsidenten und eines neuen Reichstages nicht mit der Wahl zum Preußischen Landtag zusammenfallen darf, well auch die Preußenwahl geklärt sein muh. bevor im Frühjahr auf der neuen großen Abrüstungskonferenz in Genf über Europas und Deutschlands Schicksal neu bestimmt wird. Wenn Deutschland. in sich einig, wieder zu alter Kraft unZ> Größe, sich zäh langsam und sparsam ernt?erarbeitet, so wird auch der Kreis der Mächte, die noch heute unsere Gegner sind, uns doch zum Schluß so schachten müssen, wie sie innerlich tief die Revolution und die internationalen entwur- zelten Sozialisten bei uns verachten.
Düsterberg betonte: Wir kennen im Stahlhelm nur eine Partei und die heißt Deutschland. Wir betreiben keine Parteipolitik, sondern
im Geiste der Front bewußte Staatspolitik. Die Wiedergewinnung der deutschen Wehrhoheit ist Deutschlands Schicksal._Um diese geht es im Februar 1932 in Genf zu kämpfen. Hierzu brauchen wir nicht nur eine starke nationale Regierung im Reich, sondern auch in Preußen, um die schwächenden marxistischen Einflüsse auszuschalten. Die einseitige deutsche Abrüstung ist die größte Kriegsgefahr. Die deutsche Wehrlosigkeit, der waffenleere deutsche Raum ist nur die Fortsehurrg des Krieges mit anderen Mitteln. Wer verhindern will, daß Deutschland Kriegsschauplatz wird, muß für eine Rüstung eintreten, die uns Befähigt, aus eigener Kraft wenigstens unsere Reutralität zu wahren. Der nächste Grund für das Volksbegehren ist die Rotwendigkeit, in absehbarer Zeit dieRevisivns- frage von Reichswegen anzuschneiden. Deutschland kann und braucht die Tribute nicht länger zu bezahlen. Deutschlands Unschuld am Weltkrieg ift erwiesen. Die Erfüllungspolitik ist am Ende. Richt nur von Deutschlands Pflichten, sondern von Deutschlands Rechten muß gesprochen werden. Zu diesem schweren Kampf brauchen wir enttchlossene nationale Regierungen. Außen- und innenpolitisch haben die Lehren deS Marxismus vollständig Schiffbruch erlitten.
Zum Schluß wandte sich der Landesführer deS Stahlhelms, Major a. D. v. Stephani, in einer Ansprache besonders an das Beamtentum. Die Beamtenschaft solle sich bewußt sein, daß das heuttge System nicht bestehen werde. Es werde für den Stahl Helm in- t e r e f f a n t sein, festzustellen, wer sich im Volksbegehren für ihn entschieden habe. Im neuen Deutschland forme man nu r Männer gebrauchen. auf die man sich verlassen könne. Der Stahlhelm werde nach dem Grundsatz handeln: Auge um Auge, Zahn um Zahn.


