Der Mim
der das Lachen verlernt hat.
Roman von Gert Nothberg.
Copyright by Martin Fcuchtwangcr Halle (Saale) 27 Sortierung Nachdruck verboten
„Olein, mein Junge. Die Sache hat der Kammerdiener auf Reisen zu bestimmen, da wollen wir ihm lieber nicht dazwischenreden. Glaub' es dir schon, Prinzchen, daß du lieber allein sein möchtest. Aber es geht nicht."
„Mister Korsel, ich..."
„Ra. was denn eigentlich?"
Mister Korsel fing an, sich langsam auszu- kleiden. Annemarie lief zur Tür.
„Ich finde schon ein Plätzchen für mich."
„Tu's lieber nicht. Cs sieht nach Spionieren aus, und das könnte dir die Stelle kosten, Bürschchen", warnte der alte Herr.
„Mister Korsel — ich — bin — ein Mädchen!"
„Herrgott!"
Mister Korsel hiiig sich die Bettdecke um. Er zitterte am ganzen Körper.
Endlich fand er Worte.
„Ein — ein — ein — Mädchen?! 3a, waren Sie denn verrückt!? Wenn Mister Kent erfährt, lund er ptuf) es jetzt erfahren, dann sind Sie geliefert, verlassen Sie sich darauf. Der Eisen- bahnkönig versteht in solchen Sachen keinen Späh."
Mit blassem Gesicht stand Anneinarie da.
„3a, Kind, nun sagen Sie aber doch nur: wie kommen Sie zu diesem Betrug?"
Er setzte sich und bot dem Mädchen neben sich einen Stuhl an.
„Wollen Sie es mir nicht erklären, Kind? Eine Gaunerin sind Sie doch auf keinen Fall?! Kent täuscht sich nie im Werte eines Menschen! Aber Sie müssen doch einen Grund haben, sich in das Haus Kents, in seine direkte Bähe einzuschleichen?"
„Hören Sie mich an, Mister Korsel. Sie haben ein Recht auf die lautere Wahrheit. 3ch will 3hnen alles erzählen."
Hab dann sahen der alte Mann und Annemarie nebeneinander, und das Mädchen erzählte all die Rot, die in ihrer jüngsten OZergangenheit gewesen war.
Hnb Mister Korsels Gesicht wurde immer weicher, mitleidiger.
3n seinen Augen glitzerte es verdächtig.
Mit tief gesenktem Kopf sah das Mädchen da.
Der alte Korsel fragte:
„Hnb was meinen Sie denn, was nun geschehen soll?"
„3ch weih es ja nicht. Es hängt von 3hnen ab, Mister Korsel. 3ch weih nicht, was aus mir werden soll, wenn ich von hier fort muh."
„3ch kann mich aber doch nicht zum Mitschuldigen in dieser Sache machen, Miß Wendsbrück?"
„Olein, das dürfen Sie nicht, Mister Korsel. Aber wo soll ich denn nur einstweilen hin? Der Zug hält doch letzt eine ganze Zeit lang nicht?"
Der alte Herr schaute ganz ratlos drein.
„Sie müssen vorläufig in der Rolle bleiben. Kündigen Sie, wenn wir wieder zurück nach Qicu- york kommen", sagte er endlich. Dann setzte er hastig hinzu:
„Lind jetzt gehen Sie, bitte, ein Weilchen hinaus. 3ch will mich schnellt anziehen. 3ch gehe bann und weih schon, wie ich während der Fahrt sehr bequem schlafen werde."
„3a? Wie soll ich 3hnen danken, Mister Korsel!"
Annemarie drückte die Hände des alten Herrn.
Dessen Augen ruhten sinnend auf dem lichten Blondhaar: dann sagte er:
„3ch habe schon viele Male gedacht, dah das schöne, kleine Bürschchen ebensogut ein Mädel- chen sein könnte. Hm! Lind — mir fällt eben etwas ein: Mister Kent hat Sie doch selber hierher gebracht. Run bleiben Sie doch auch. Er wird's ja nie erfahren, und ich werde schweigen. Keine Seele erfährt was von mir."
Annemarie konnte nicht anders, sie schluchzte auf:
„3ch danke 3hnen, Mister Korsel. Oh, wie ich 3hnen danke!"
Dann lief sie schnell hinaus.
Mister Korsel aber zog sich an, schüttelte mit dem Kopfe und zergrübelte sich das Hirn. Aber er kam immer wieder zu dein Schluß, dah es das'beste sei, wenn man die kleine Dame nicht wieder in all das Elend zurückstiehe. Freilich, wenn Kent hinter die Sache kam, konnte die Kleine sich freuen. Denn es war doch Betrug!
* * *
Am Fenster des Ganges stand Charles Kent. Er rauchte und sah nachdenklich in die Rächt hinaus. Halb und halb bereute er sein Berspre- eben, das er der schönen Ellinor Shetland gegeben, sie in ihrem Lcmdhause aufzusuchen.
Doch dann legte sich ein finsterer Zug über fein Gesicht.
Ellinor Shetland würde in der Einsamkeit nicht mehr von ihm erreichen, als sie in ihrem reichen schönen Hause in Reuyork erreicht hatte.
Lind zudem hatte er Bill seinerzeit das Qkr- sprechen gegeben, sich immer ein wenig um Ellinor zu kümmern, vor allen Dingen einmal nach den Besitzungen in Roing-Kastel zu sehen, wenn sein Weg ihn in die Rähe derselben führte.
Run, das konnte er jetzt tun! Wer weih, ob er so schnell wieder hinkam.
Kent drehte sich um, ging mit raschem Schritt an der kleinen Gestalt vorüber, die ganz in die Ecke gepreßt stand, und verschwand in dem Raum, der ihm als Schlafzimmer diente.
Annemarie blickte ihm mit großen, traurigen Augen nach. Lind es war ihr, als rattere der Zug in gleichmäßigem Einerlei:
„Charles Kent! Charles Kent!"
Eines Morgens hielt dann der Zug auf einer größeren Station. Hier stiegen einige Herren in den Salonwagen, wo die ersten Verhandlungen geführt wurden. Mister Korsel und sein junger Gehilfe hatten genügend zu tun, denn alles war auf Tempo eingestellt.
Einmal trafen die Augen Kents voll in diejenigen Annemaries, und ein grübelnder Zug kam in die seinen. Das Mädchen aber erschauerte bis ins Herz Hinein vor dem Blick der machtvollen, großen, grauen Augen.
Die Herren nahmen später ein sehr ausgiebiges Frühstück ein, der Koch erhielt ein Extralvb dafür, und dann begaben sich die Herren in den kleinen Rauchsalon, um noch ein bißchen unter sich zu fein.
„Dah Sie meine Einladung nicht annehmen wollen, ist mir unverständlich, Kent. Meine Frau und meine zwei Töchter hätten sich doch sehr gefreut, und offen gestanden: meine Frau rechnet fest damit", sagte etwas ungehalten ein sehr langer und dünner Herr.
„3ch bcöaure es selbst am meisten — doch es geht nicht. 3ch verbinde diese Reise zugleich mit verschiedenen privaten 3nteressen, Mister Lo- king", sagte Kent gelassen und brannte sich eine neue Zigarre an, was Mister Loking mit schweigender Mihbilligung feststeAte.
Kent aber wußte ganz genau, daß Mister Geling ganz besondere Absichten mit dieser Einladung verband. Aber er wußte noch ganz gut, wie grundsätzlich Mrs. Loking und ihre Töchter waren, ganz davon abgesehen, dah er gar nicht an eine Heirat dachte.
Der OJertrag war unterzeichnet. Mister Loking bereute, cs so schnell getan zu haben: doch nun war cs zu spät. Lind es wäre so schön gewesen, wenn die 3nteressen der Lokings mit denjenigen des mächtigen Kent hätten verschmolzen werden können. Ganz und gar verschmolzen, was durch eine Heirat Kents mit einer seiner Töchter geschehen wäre.
Warum der Mann bloß nicht heiratete? Man konnte doch nebenbei so schöne Seitensprünge machen — Hauptsache blieb, daß man es so einrichtete, daß nie jemand davon etwas erfuhr, dann blieb man in den Augen seiner Angehörigen und der lieben Mitwelt der Mustergatte und treusorgende Familienvater.
Lind in diesem Sinne sprach der wackere Mister Loking später noch mit Kent. Der hörte ihm mit größter Ruhe zu, tat wenigstens so, nebenbei las er die neueste Zeitung, die in den Salonwagen gereicht worden war, und wußte nicht, was Mister Loking gesprochen.
Die anderen Herren machten in ihren Klubsesseln ein kleines Rickerchen.
Später nickte auch Mister Loking ein, und Kent saß schweigend am geöffneten Fenster, schaute in die vorüberfliegende Landschaft und grübelte. Es machte ihn jetzt nicht einmal stolz, daß er wieder durch seine seltene Rednergabe äußerst kluge, ja geriebene Menschen sich untertan gemacht, daß es wieder sein alleiniger Wille war, der triumphierte. Die Herren hatten es gar nicht einmal gemerkt, wie nach und nach ihn eigener Wille weichen muhte, wie zuletzt nur das unterzeichnet wurde, was er allein von Anfang an gewollt. Daß die ganze stundenlange Besprechung überflüssig gewesen war, daß jeder ebenso gut hätte daheim bleiben, können. Es war ja doch alles so geworden, wie er es ausgezeichnet und ausgearbeitet hatte.
Sonst hatte Kent sich über diese Erkenntnis gefreut — jetzt ließ es ihn kalt. Er fühlte sich seltsam unzufrieden in letzter Zeit und war auf sich selbst wütend.
Der Zug durchraste die Steppe. Dann löste die Steppe endloser, dichter, geheimnisvoller Wald ab. Lind hinter diesem wieder breiteten sich Farmen aus. Rinder und Schafe weideten. Kent dachte plötzlich:
„Sind die Menschen, die hier in dieser Ein-« famfeit wohnen, nicht viel glücklich««-als ich?"
Wieder breitete sich eine Farm vor ihm aus. Bor der Tür des großen Hauses, das aus Baumriesen gezimmert war, spielten Kinder. Ein großer Mann in Hemdärmeln trat heraus und nahm das kleinste der Kinder auf den Arm^ es zärtlich streichelnd. Da stand Kent brüsk auf.
Wie kam er dazu, Familienbilder schon zu finden? Mas gingen Charles Kent solche Bilder an? Er besaß keine 3deale mehr! Die tagen zertreten drüben in Europa, wo der mächtige Eisenbahnkönig einst Johann Karl Graf Kentner hieß und ein froher, junger Mensch war, den die schöne Maria Worthy mit leidenschaftlicher Glut geliebt hatte.
Hcbriggeblicben war nur ein einsamer, harter, fast menschenfeindlicher Mann, dem keine Frau mehr etwas geben konnte. «
Gegen Abend hielt der Zug in einer großen Stadt, und die Herren verließen den Zug. Mister Loking tat sehr beleidigt, sprach sogar von: „Das hätte man eher wissen sollen!" — und sein Händedruck mit Kent fiel sehr kühl aus.
Die anderen Herren waren bester Laune, denn sie waren froh, daß dieser geniale Mensch die ganze Sache unter einen Hut bekommen hatte und sie nun in beschaulicher Ruhe nur die Gelder einzukassieren brauchten, die mit pünktlicher Genauigkeit vierteljährlich eintreffen würden: denn Kent war ja in jeder Beziehung ein Ehrenmann.
(Fortsetzung folgt.)
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Unsere ganzen eben darauf aufgt gewicht schassen Abhängigkeit geg Dapallv-Lertrag ständigen deutsche von uns verfolgt das des öfteren! nen diese Linie n das Doppels her mit ihrer am Internationale g uns nicht mehr diplomatischen J begrenzte Geldmi dern wollen. Sie geben, daß diesem dann sind wir a wirtschaftlich weite
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