der weiten Strecke von Moskau nach dem Don „verloren gegangen". Und fein Hahn kräht nach ihnen
Zur Erreichung einer höheren Arbeitsleistung und zur Erhöhung der Arbeitsqualität geht die Sowjetmacht mit Zuckerbrot und mit der Peitsche vor Den ausgemergelten, halb verhungerten Arbeitern wird eine bessere Versorgung mit Lebensmitteln und Kleidung, eine Förderung des Wohnungsbaues und die baldige Durchführung des Siebenstundentages versprochen, wenn sie sich zur Vergabe ihrer vollen Kraft verpflichten. Zugleich wird aber angedroht, daß solche Arbeiter die ganze Macht des Regimes zu spüren bekommen werden, die das etwa nicht tun sollten. Sie werden „a u s g e s i e d e l t", an „die Front der Waldarbeiter" verschickt, ja, gegen sie wird die Todesstrafe eingeführt
Zweierlei läßt die Regierung aber dabei außer Betracht. Es ist kein Zufall, daß im Russischen die Worte „Rabota" (Arbeit) und „Rad" (Sklave) d i e gleiche Wurzel haben. Im ganzen russischen Volk ist der Glaube an das Bibelwort fest verankert, daß Arbeit ein Fluch sei. Und das Wort Ordschonikidses, der den Maurern oorhielt, daß sie nur etwa 500 Ziegel vermauerten, während ihr deutscher Kollege es auf 1400 bringe, kann in der Tat als zuverlässiger Gradmesser für die Leistung des russischen Durchschnittsarbeiters angesehen werden. — Hinzu kommt aber noch, daß die Auffassungen des Arbeiters über die Möglichkeit, größere Leistungen bei der gegenwärtigen Ernährung her- zuaeben, und die der Regierung absolut entgegen geseht find Wer sich mit einer mageren Wassersuppe begnügen muß, wer Wurst und Fett und
gutes Brot nur noch vom Hörensagen kennt, bringt weder Lust noch Fähigkeit zu erhöhter Arbeitsleistung aus. Infolgedessen werden auch alle Sowjetpläne über die „Hebung der Qualität der Arbeit", über die Senkung der Eigenkosten durch Herab- setzung der Arbeiterlöhne und über Steigerung der Produktion vorläufig nur fromme Wünsche bleiben. Der Arbeitszwang ist zwar schon allgemein proklamiert worden (obwohl die Prawda mit Erbitterung feststellt, daß es noch überall eine „illegale Arbeitslosigkeit" gebe), und von h-er bis zur Zwangsarbeit tft sogar nur ein kleiner Schritt, eine verwischbare, kaum mehr sichtbare Grenze, die oft vielleicht auch bereits überschritten ist — aber trotz Zuckerbrot und trotz der Drohung mit der Peitsche: der Arbeiter kann nicht und er will nicht
Während in Moskau Massenverhaftungen wegen angeblicher Spekulation mit Brennstoffen und wegen unnützen Stromverbrauchs oorgenommen werden, während an der Beleuchtung allerwärts gespart wird, kündigt man einen neuen Riesen- Donezprozeß an. Da zu gleicher Zeit mit» geteilt wird (und zwar hochosfizielll), daß die Verurteilten im Ramsin-Prozeß nach Moskau übergeführt wurden, „um hier wissenschaftlich besser arbeiten zu können", — womit die Hintergründe dieses Prozesses zur Evidenz erwiesen sind — soll also in einem neuen Schauspiel dem russischen Volk vorgeführt werden, wo die eigentlichen Verbrecher zu suchen sind Man gewinnt nur den Eindruck daß die günstigere Prognose, die Stalin angesichts der Sicherstellung der Ketreideversorgiing gestellt wurde, schon heute revidiert werden muß.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
Bei herrlichstem Winterlvetter fanden sich am Sonntagnachmittag aus Dem Sportplatz an der Liebigshöhe viele Zuschauer ein, um einem Spiel beizuwohnen, das in seiner Art der Durchführung originell zu nennen war und der Zeit, der Faschingszeit nämlich, entsprach Die erste Handballmannschaft der Spielvereinigung alias „21. C. älruri" als Negermannschast bunt, aber wenig haltbar ausstaffiert, lieferte der ersten Ligamann- schast einen Kampf, in Dem beide Mannschaften zu ihrem Rechte kamen. Die erste Halbzeit mit einer regulären Spielzeit von 30 Minuten mutzte mit Rücksicht aus die exotischen Gäste als Handballspiel durchgeführt werden, während die zweite Halbzeit dem Fußballspiel gewidmet war. Der Spielverlauf brachte einige Üeber- raschungen. Die Futzballer erwiesen sich als sehr gute Handballspieler und erzwangen ein Halbzeitergebnis von 4:3 für „QL 6. Ururi". Rach dem Wechsel glaubte man allgemein annehmen 3U müssen, datz die Futzballer ihren Gegner mit allem Clan überrennen und dabei mit einem zweistelligen Ergebnis besiegen würden. Dem War aber wiederum nicht so und mit einem Unentschieden von 8:8 trennten sich die beiden Mannschaften. Wenn es auch reichlich schwerfällt, an dieses Ergebnis als an ein reguläres zu glauben, so wurden die Zuschauer doch nicht enttäuscht, denn schöne Einzelleistungen fesselten die Aufmerksamkeit. Einen großen Teil des Interesses beanspruchte auch der Manager der „Afrikaner", der nach der Art eines Conferenciers den Spielverlauf glossierte und durch seine unermüdliche Beweglichkeit und durch seinen Humor die Zuschauer oft genug zum Lachen brachte. Der Schiedsrichter, „ein grotzer, garantiert echt mexikanischer Pferdedieb", waltete sicher seines Amtes.
Iugendspiele.
^ie Schüler waren Den Wetzlarer Schülern in Schnelligkeit und Spielaufbau überlegen, und f( mußte sich der Gast 4:0 geschlagen bekennen.
Die 1. Jugend kehrte von Lich mit einem 6:1-
©ivg heim und behauptet dadurch die Führung in ihrer Klasse. 'Wenn das Resultat auch durchaus dem Spielverlauf entspricht, so war doch in der ersten Viertelstunde nicht vorauszusehen, wer der Sieger sein würde. Mit wuchtigen Angriffen eröffnete Lich das Treffen und wurde von Den zahlreich erschienenen Zuschauern mächtig an- gefeuert. 1900 konnte sich anfangs mit Dem schlecht beschaf enen Platz nicht befreunden und überstand mit Glück die Drangperiode. Allmählich kam jedoch Svstem in den Spielaufbau und nach dem ersten Tor war der Dann gebrochen. In vorzüglicher Kombination wurde der Gegner zurückgedrängt und innerhalb 15 Minuten stand das Spiel 4:0. Lich versuchte nochmals mit großem Energieeinsatz zum Erfolg zu kommen und konnte bis Halbzeit ein Tor aufholen. Die zweite Spielhälfte gehörie fast ausschließlich den 1900em. Don den sich jetzt bietenden vielen Torchancen wurden aber nur noch zwei aus genutzt, so daß das Spiel 6:1 endete. Der Tabellenstand der AI-3ugenö nach Den Spielen am letzten Sonntag sieht wie folgt aus:
Handball im Gau Hessen (O T.)
Gew.
Verl.
Tore
Pkte.
1900 Gießen
6
0
21:3
12:0
'VfB Gießen
4
2
7:4
8:4
Lollar
3
2
18:14
6:4
Heuchelheim
2
3
7:2
4 6
Lich
1
5
4:16
2:10
Großen-Buseck
1
5
6:24
2:10
Die Meisterschaft Der A-Klasse im 1. Spielbezirk wurde trotz ersatzgeschwächtem Sturm vom Tv Heuchelheim verdient gewonnen. Die Großen- Lindener haben an Spielstärke ziemlich verloren: das zeigte sich besonders in der notwendigen Verlängerung. Rach regulärer Spielzeit stand der Kampf 3:3. Hatten bis dahin die Großen-Lin- dener das Spiel ziemlich offengehalten, so wurde es in den noch folgenden 20 Minuten anders Heuchelheim drehte mächtig auf und verließ mit einem 6 3°Siege das Spielfeld
Von kr DkvWkN Lk'niki'ffMaslen.
Links: G u st 1 Müller (Bayrisch-Zell), Der zum Drittenmal Deutscher Skimeister wurde. Rechts: Müller bei seinem Sprung über 53 Meter.
Oer Abschluß in Lauscha-Et nstihal.
Am Montag wurde als letzte Konkurrenz der deutschen Skimeisterschaften in Lauscha-Emstthal Der 50-Kilometer-Dauerlauf Durchgeführt Don 46 gemelDeten Teilnehmerinnen erschienen nur 26 am Start. Sieger wurDe Der Thüringer E. Marx FrieDrichsroDa, in 4:34,22 StunDen vor O. Wahl, Zella-Mehlis, unD Löffelmann, München. Tie Ergebnisse 1. C. Marx, FrieDrichsroDa, 4:34,22 StunDen, 2. O. Wahl, Zella-Mehlis, 4:38,13 ©tD.; 3. Löffelmann, München, 4:41,08 StunDen: 4. Darchinger, Rosenheim: 5. G. Lehel, Reinerz; 6. W. Sporer, Zella-Mehlis.
*
Der Sportausschuß des Deutschen Skiverbandes hat nach den Ergebnissen Der Deutschen Skimeisterschaften feine Vertreter für Die am Freitag in Oberhof beginnen Den Internationalen Ski Meisterschaften ausgewählt. Es finD Dies: Gustl Müller, Dayrisch-Zell; M. Wömdle, Partenkirchen; W. Dogener, Traunstein, Ponn, BerchtesgaDen; L. Kratzer, Rottach, Fritz Reiser, Partenkirchen: Erich Recknagel, Oberschönau, O. Wahl, Zella- Mehlis; M Kröckel, Reuhaus, M. Glaß, Klingenthal; und W. Herberger, Johanngeorgenstadt.
Großer Erfolg des GießenerEisvereinS
bei Den SüdwestDeulschen Eisfchießmeisterschaflen in Frankfurt a. 271.
Die Meisterschaften, die anfänglich in Gießen stattfinden sollten, mußten infolge Der hiesigen schlechten Eisverhältnisse nach Frankfurt verlegt werden, wo Der Sportklub Forsthausftraße die Durchführung übernahm. Acht Herren- und zwei Damenmoarschaften kämpften um den Titel eines füDwestdeutschen Eisschießmeisters Erstmalig nahm eine Moarschaft des Gießener Eisvereins, bestehend aus Den Schützen Schoneboh m,D eneL Klärt und Mohr teil. Im Verlauf Der Veranstaltung zeigte es sich. Daß sie ihren Gegnern völlig gewachsen war, sowohl in Taktik wie auch in Der Technik. Von sieben Spielen würben vier gewonnen und Drei gingen nur knapp verloren. Hinter TCV. Kronberg und Sportklub Forsthausstraße belegten die Gießener den 3. P I a h; gewiß ein glänzender Erfolg, wenn man bedenkt, Daß die Gießener zum erstenmal an einem Wettkampf teilnahmen und im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern Den Kampf ohne Vortraining bestritten.
Auch im Weitschießen, das 20 Teilnehmer am Start sah, zeigten Die Gießener gutes Können» Mohr unD Klar! belegten hierbei Den 4. bzw. 6. Platz.
Ergebnisse:
Mannschafts-Cisschießen: 1. TSB, Cronberg 155:84 Punkte, Rote 1.845; 2. Forst- Hausstraße Frankfurt 128 8u Punkte, Rote 1.488$ 3. CD. Gießen 132:100 Punkte, Rote 1320.
Cisweitschießen: 1. Wächtenberger-ESh. Cronberg 90,85 Meter; 2. Büttel- Forsth^sstraß» 78,50 Meter.
Geräie-Wetturnen
im Turngau Lahn-OünSberg.
Am Sonntag fand auf Der romantischen Burg gu Staufenberg als Auftakt für 1931 das Gauge- rätemet turnen des Turngaues Lahn-Duns- berg statt Es war von feiten dcs lurnoereins Staufenberg gut vorbereitet und nahm unter Die Leitung des Gauturnwarts Keller (Rodhenn) einen schönen Verlauf. Geturnt wurde ein Sie- .b e n f a m p f, bestehend aus je einer Pflicht, und Kürübung an Reck, Barren, Pferd und einer Pflicht» freiübung. Die Turnerinnen und Die aktiven Turner waren in je zwei Stufen eingeteilt. Dazu kam noch die Jugendturnerstufe. Es traten etwa 90 Turner und Turnerinnen zu friedlichem Wettkampfe an. Man sah altbekannte Gesichter unter den Turnern. Wenn auch Die Beteiligung nicht ganz Den Erwartungen entsprach, so kann man Doch mit Den gezeigten Leistungen zufrieDen fein. Schön waren Die Kürübungen an Barren unD Reck der Oberstufe Der Turnerinnen. Auch die Turneroberstufe zeigte an diesen Geräten schöne und gute Hebungen, am Reck wurden sogar ganz hervorragende Hebungen vor- gcführt. Auch konnte man feststellen. Daß in Der Turnerjugend gute Kräfte schlummern, die unter funDiger Führung unD gewissenhafter Anleitung schöne Früchte zeitigen können.
Im Anschluß an Das Wetturnen begrüßte Der Vorsitzende des Tv. Staufenberg die Anwesenden, besonders den Gauvorstand und die Turner. Sein „Gut Heil" galt Der edlen Turnerei. Vor Der Siegerehrung ergriff der Gauvorsitzende Karl Souper! (Wieseck) Das Wort. Er betonte. Daß Das Geräteturnen Die schwerste, aber auch Die schönste Der Leibesübungen sei, und dies darauf hin, Daß gerade in der jetzigen Notzeit nur Leibesübungen die Volkskraft erhalten und stärken können. Zum
Der Mann der das Lachen verlernt Hal. Vornan von Gert Gothberg.
Copyright bv Martin Feuchtwa-ger Halle (Saale>
3. Fortsetzung.
Nachdruck verboten
„Jetzt tovr^en Sie es Ihrem Barer erzählen?" Scheu, leise kamen Die Worte von ihren Lippen. „Nein! Er wird nicht erfahren, was ich hier beim Lesen mit offenen Augen für Dummes Zeug geträumt hab'", sagte Graf Kentner fest.
Er wußte ja, Daß es Der Tod des Vaters wäre, denn er liebte diese grau!
Er ging an ihr vorüber. An Der Tür verbeugte er sich.
„Ich Dars mich gleich verabschieden, mein Zug führ: schon sehr früh."
„Sie weisen mich zurück? Sie wollen mir nicht helfen?"
»Rein! Ich kann Ihnen nicht helfen. Cs handelt sich um meinen Vater."
»Er ist ein Rarrl Er hatte schon immer wissen müssen, daß ich ihn nur nahm, weil ich das Zirtusleben satt hatte und daß mein Herz eines Tages erwachen müsse. Jetzt ist es soweit. Ich liebe nur dich."
„Sehr verbunden, Doch ich weiß nichts mit Dieser Liebe anzufangen. Ich würde Sie auch nicht lieben, wenn ich Sie an einem anderen ?-rtc „ ciner völlig anderen Position getroffen hätte.
„Ahl Das wagen Sie mir zu sagen? Wissen Sie, Daß es genug Männer gibt, Die nut Darauf warten, mir zu Füßen knien zu Dürfen?“
„Möglich! Ich werde bestimmt nie dazu geboren. UnD ich bitte Sie, gütigst bedenken zu wollen, welchen Ramen Sie tragen.“
»Der Rame bedeutet mir nichts mehr, gar nichts. Ich hasse Sie! Ich hasse Sie jetzt' Hüten Sie sich, Daß Sie nicht eines Tages enterbt hafteten. Mein Einfluß auf Ihren Vater ist unbegrenzt."
„Das weiß ich längst, Denn sonst wären Sie bestimmt heute nicht Gräfin Kentner! Enterbt? Kaum! Soweit geht selbst Ihr Einfluß nicht. And es kann eines Tages ebenfogut umgebreht sein - ich wäre an Ihrer Stelle nicht übermütig.“
„Wir wollen sehen."
Ohne ein weiteres Wort zu reden, ging er aus Dem Zimmer.
Die schöne Frau ballte Die Hände.
„Das sollst du mir büßen, du! Du schöner, stolzer Mensch du!" -
Der Abschied vom Vater war kurz. Dcr junqe Graf sand nie wieder so herzliche Worte für
Den alten Herrn, wie er sie ihm früher stets gesagt hatte. UnD Der alte Gras Kentner las in Den dunkelgrauen großen Augen des Sohnes immer wieder den Vorwurf, daß er, der Vater, der vergötterten Mutter eine Nachfolgerin gegeben hatte.
„Ich komme, wenn du mich brauchst."
Diese Worte wärest ehrlich, und Der Sohn wiederholte sie beim Abschied noch einmal.
Auf dem Wege zum Bahnhof ließ Graf Kentner den Wagen halten und ging noch einmal zum Erbbegräbnis hinüber. Dort legte er die weißen, langstieligen, herb duftenden Rosen auf das Grab Der Mutter. Heiß stieg es in ihm auf, brannte es in seinen Augen.
„Mutter!, warum gingst du so früh! Du wurdest so notwendig in Kentnerhos gebraucht. Run ist eine Kluft zwischen mir und Dem Vater, die nie mehr zu überbrücken ist. Schlaf gut. Mutterl!"
2lls er festen Schrittes zum Wagen zurückkam, hatte Der alte Janasch ein dick verquollenes Gesicht, dqs er zu verstecken suchte, indem er dieses Gesicht ganz tief auf die Brust herabsenkte.
„Ianasch, du hast meine Mutter auch noch nicht vergessen?"
„Rein, Herr Gras! Die Frau Gräfin selig lebt in unserem Andenken fort. Sie war eine edle Frau."
,3a, Janasch, das war fiel Doch nun fahre zu, damit wir Den Zug noch rechtzeitig erreichen."
And Janasch reDcte auf Die Füchse ein, die vor den Jagdwagen gespannt waren.
„Nu lafts ihr aber amal a bisserl fix, ihr, wo ihr do wißt, um was sich's handelt. Ich spül' eich halt yeimerzu eins auf der Mundharmonika."
Ruf der Statton stand er dann noch ein Weilchen und blickte Dem Zuge nach. Dabei rollten ihm wieder dicke Tränen über das rote Gesicht.
Der Vorsteher klopfte ihm auf die Schulter. „Ra, Janasch, mit Deiner Frau is Doch nix?" „Ra, das nid). Aber es is bei uns halt jetzt gar so viel traurig."
„Ja, diese alberne Heirat deines Herrn. Der junge Gras tut mir leid."
„Mir auch! Ja, ja, mir doch auch."
Janasch kletterte wieder auf den Kutfcherbock.
„B'hüat Gott. Herr Vorsteher."
„Adjes, alter Janasch."
Der alte Janasch spielte Den Füchsen keines vor. aber sie liefen auch so. Vielleicht wußten sie, daß Janasch nicht in Stimmung war. Der Alte aber knurrte:
,DöS Weibsbild, dös elendige, 's bringt halt noch Unglück' 3 ahns doch und die Karten meiner Alten prophezeiens a.“ -
Zwei Jahre vergingen Der junge Offizier war nicht nach Hause gerufen worden. Er lebte sein Leben für sich üi Wien im Kreise froher
Kameraden und Freunde. Und er war froh, Daß Der Vater ihn nicht rief. Er führte das Leben Des reichen, sorglosen Wiener Offiziers.
Die Zinsen seines mütterlichen Erbes gestatteten ihm, zu leben, tote es ihm beliebte, soweit cs sich mit seinem Dienst vereinbarte. Er war der bevorzugte Frauenliebling, und der schöne Kentner durfte auf keiner festlichen Veranstaltung fehlen. Auch im Prater kannten ihn die kleinen Mädel.
„Der Kentner iS heut' Da! Ob er tanzen wird?"
UnD blaue, braune, schwarze Augen schauten nach ihm, sehnsüchtig, verlangend, ein bißchen traurig Man wußte ja, daß alle Freude nur für einen kurzen Abend war, daß der schöne, große Offizier bestimmt nicht an einem dieser kleinen Mädel hier im Prater hängen bleiben würde. Aber schön war es doch, wenn er da war und Dann womöglich noch mit vielen tanzte.
Aber eines Tages hörte dieses Leben auf. Kentner schien irgendwie anderweitig gefesselt.
Die Kameraden lächelten.
Natürlich, Der KentnerI Wo würde er Denn nicht eine solide Liebesgeschichte bei der Hand haben. Hatte er doch immer! Für kurze Zeit natürlich nur Was würde es Denn schon fein? Eine Dame der Gesellschaft selbstverständlich. Kentner hätte sich ja eher Die Zunge heraus- reißen lassen, als daß er den Namen dieser Dame preisgab.
Eine pikante Sache, Die er für sich behielt! Ihm stand ja jede Tür offen, das wußte man bereits.
Und doch war es anders, als die Kameraden mutmaßten!
Eine große, heilige Liebe brannje in seinem Herzen und löschte jeden Leichtsinn aus.
Die Liebe zu Maria von Worthy, der einzigen Tochter des Feldmarschalls.
Bei Der Fürstin Cntschüh lernte er sie kennen. Ihr blasses, schönes Gesicht mit Den großen, Dunklen Augen gefiel ihm auf den ersten Blick. Ihre lässigen, fast ein wenig müden Bewegungen fesselten ihn, und als er das letztemal mit ihr sprach, wußte er, daß sie Die Frau war, die mit ihrer Liebe sein ganzes ferneres Leben ausfüllen konnte.
UnD von nun an ließ er alles andere beifeite Hegen. Er tobte nicht mehr mit den Kameraden im Prater, er faß Daheim unD dachte an Maria Er malte sich aus. wie es sein würde, wenn sie seine Frau war. mußte lachen, wenn er Daran dachte, Daß alles Doch noch in weite Ferne-gerückt -war Vorerst hatte er sich Maria noch nicht einmal erklärt ünD hoffte doch auf ihre Liebe.
Auf dem Basar Der Erzherzogin Marie Sophie .traf es sich, Daß er sich Maria von Worthy widmen Durfte.
Dabei fand er endlich den Mut, ihr seine Liebe
zu gestehen. Sie lächelte ihr sonderbares Lächeln. Ihr weißes Gesicht blieb trotz dieses Lächelns undurchdringlich. Doch ihre Worte klangen ihm wie Musik.
„Lassen Sie mir Zeit, Graf Kentner."
Das war keine Zusage, kein Iawort, aber es war doch eine Hoffnung!
Er tüßte die schönen, schlanken Hände.
„Ich-warte,'Maria! Meine Liebe kann warten." Er wartete geduldig viele Wochen.
Darm überkam ihn Zorn. Spielte sie mit ihm?
Er wollte Gewißheit haben. Gewaltsam wollte er diese Gewißheit herbeizwingen.
Und auf dem Fest im Hause ihrer ®ltern verlor er die Fassung, als er sie in Dem zarten, purpurroten Gewände sah, mit Dem großen Diadem über der weißen, schöngewölbten Stirn.
„Ich liebe dich, Maria! Sei nicht grausam!
Gib mir das Recht, dich meine Braut zu nennen." Ihre Augen sahen ihn verloren an, wanderten von ihm fort, suchten und fanden.
Trafen sich mit denjenigen des Grafen Do- nenbirchner.
Nebel wallten vor Graf Kentners Blicken.
Graf Bonenbirchner? Der Spieler? Der Frauenjäger? Sein Todfeind?
Was war zwischen ihm und Maria von Worthy?
Mit einem Triumphlächeln strich Bonenbirchner soeben sein Schnurrbärtchen. B'ickte Dann mit einem hohnvollen Blick zu Kentner herüber.
UnD in Kentners Ohren klang es immerzu:
„Was besteht denn nur zwischen Maria und Bonenbirchner? Oder bin ich verrückt?"
Maria wandte sich ihm zu. Das schmale Gesicht noch durchsichtiger, wächserner.
„Ich liebe Sie! Bitte, kommen Sie am Donnerstag zu meinen Ettern."
„Dank, Maria, heißen Dank."
In hellen Flammen schlug Die Leidenschaft über ihm zusammen.
„Maria, ich muß dich küssen! Nur ein einziges Mal, Maria!"
Sie nickte wortlos, von seinem Blick bezwungen. Unauffällig lenkte sie ihre Schritte in Den Wintergarten. Kentner folgte ihr.
Und Dann hielt er sie in feinen Armen. Küßte Die weichen Lippen, küßte das braune Haar.
„Maria! Maria! Wie lange hast Du mich warten lassen? Weißt du, daß Du sehr grausam warst, Maria?"
Sie sah ihn an Etwas Rätselhaftes, Unruhiges war in ihrem Blick.
UnD leise sagte sie:
„Quäle mich nicht, Karl. Ich — es wird sich ändern. Ich habe Dich lieb, nur dich! Glaube es nur doch!"
Da riß er sie an sich, küßte sie heiß und leidenschaftlich.
(Fortsetzung folgt)


