Ausgabe 
10.2.1931
 
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Flügel der Deutschnationalen stehende Abg. von Freytagh-Loringhoven habe in einer Schrift den Mißbrauch gegeißelt, der von den Qlb- geordneten mit der Immunität getrieben werde. Dieser auf der äußersten Rechten stehende 2lbge- vrdnete habe in seiner Schrift Forderungen auf­gestellt, die sich mit den vorliegenden Anträgen decken. (Hört! Hört!) Die deutschen Staatsbürger brauchen es sich nicht gefallen lassen, daß Abge­ordnete int Lande herumreisen und unter dem Schuh der Immunität ihre Gegner straflos verleumden. (Beifall bei der Mehrheit.)

Abg. Rupp (Rats.) führt aus, früher habe der Reichstag den notorischen Landesverrätern Haase und Dittmann den Schuh der Immunität gewährt. (Pfuirufe bei den Sozialdemokraten) Besonders verwerflich sei der Antrag Bell, denn er stelle die Abgeordneten auf eine Stufe mit Kindern, Geisteskranken und Ausländern, denen das Preßgeseh das verantwortliche Zeichnen ver­biete.

Abg. Dr. E v e r l i n g (Dnt.) bezeichnet die vor­liegenden Anträge als eine empörende Vergewalti­gung der Minderheit und erklärt, seine Partei ver­zichte auf eine Teilnahme an diesem Uebcrgang von der Jämmerlichkeit zur 'Widerlichkeit.

Abg. Dittmann (Soz.) lehnt es ab, den poli­tischen Kampf der Sozialdemokraten gegen das ab­solutistische System der Vorkriegszeit vergleichen zu lassen mit der heutigen nationalsozialistischen Agita­tion. Das Abgeordnetenmandat darf auch einem Nationalsozialisten nicht die Befugnis geben, seinen Mitmenschen als Spucknapf zu behandeln. (Beifall bei den Sozialdemokraten.)

Abg. Dr. Heuß (D. Stp.) weist auf ein Buch des nationalsozialistischen Abg. Feder hin, in dem erklärt wird, die Nationalsozialisten würden es als ihre Aufgabe betrachten, den Begriff der parlamen­tarischen Immunität grundsätzlich zu beseitigen. Der heutige Kampf der Nationalsozialisten gegen die vorliegenden Anträge richte sich also gegen die von den Nationalsozialisten s e l b st gepredigten Grundsätze. Die Nationalsozialisten hätten das Mandat zu einem Mittel zur Flucht aus der Ver­antwortung gemacht. Vom Standpunkt der Presse aus sei es unerträglich, daß durch den heute üb­lichen Mißbrauch der Immunität zweierlei Recht für die verantwortlichen Redakteure geschaf­fen wird.

Abg. Schwarz- Memmingen (Rats.) erklärt: Wir Nationalsozial.sten werden deshalb öfter ange­klagt, weil wir offen heraus sagen, was wir denken. Wir haben eben nicht den juristisch-jüdischen Dreh so heraus, wie die anderen. (Heiterkeit.) Wir haben kein Vertrauen zu einer Justiz, bei der die marxi­stischen Juden mitzureden haben. Wenn wir erst die Macht haben, dann werden wir als Ihre Ankläger auftreten.

Es ist inzwischen 2.30 Uhr g e w o r d en, und von den Nationalsozialisten wird gerufen?Wo bleibt der Achtstundentag? Schluß machen! Polizeistunde!" Der Antrag Rauch auf Bewill.gung aller vorliegenden Strasverfolgungsanträge wird hierauf in namentlicher Abstimmung mit 292 gegen 9 Stimmen bei einer Stimmenthaltung ange­nommen. Der vom Abg. Dr. Bell beantragte Aenderungsentwurf zum Preßgesetz wird dann in erster und zweiter Beratung angenommen.

Damit ist nach 2.30 Uhr die Sitzung beendet. Dienstag: Etat des Auswärtigen Amtes.

Erleichterung der Lage.

Oer neue pump.

Don unletci berliner Redaktion

Berlin, 10. Febr. Die Verhandlungen über die neue internationale Anleihe sind jetzt glücklich zum Abschluß gebracht. Anleihe ist freilich etwas viel gesagt. Tatsächlich handelt es sich eigentlich mehr darum, daß eine Banken­gruppe sich einschaltet in ein Geschäft, das zwi­schen dem Reich und der Reichsversicherungs- anstalt gemacht worden ist. Die Reichsversiche­rungsanstalt hat Reichsbahnvorzugs, a k t i e n gekauft, die sie im Lau e des nächsten Jahres in monatlichen Raten zahlen will. Das Reich aber braucht das Geld schon jetzt. Der Zweck dieses Geschäfts ist also der, daß die Bankengruppe dem Reichsfinanzminister den Ge­samtbetrag vorschiehen und dafür die monat­lichen Rrckzah'un en von ter Reich.vcrsiche.ungs- anstalt eintassiercn wird. Das Risiko ist daher wirklich für die Geldgeber nicht allzu groß, die entscheidende Bedeutung der Transaktion liegt deshalb auch nicht in der Hohe, sondern in der Tatsache dieses Kredits, weil damit der Be­weis erbracht ist, daß die Mißtrauenswelle, die nach dem 14. September im Auslande empor­gewachsen war, jetzt wieder geschwunden ist. D e Börsen in London, in Reuhork, Paris und Am.eriam haben gesehen, daß die Gespenster- fu.cht unberechtigt war, sie erkennen, daß die Regierung Brüning die Lage meistert und kehren deshalb zu dem deutschen Geschäft, das wegen der Zinsdifferenz sehr lohnend sein wird, wieder zurück. Wobei am interessantesten die Tatsache ist, daß auch eine französische Danken» gruppe mit Zustimmung der französischen Re­gierung mit im Konsortium ist, daß also auch Paris sich dazu entschlossen hat, einen Teil des immer drückender werdenden Geldüberflusses in Deutschland unterzubringen.

Wir dürfen also daher damit rechnen, daß aus­ländisches Geld auch in größeren Beträgen uns wieder angeboten wird, wodurch die Kapital­knappheit, die sich für unsere ganze Wirtschaft verhängnisvoll bemerkbar macht, behoben werden könnte. Rur kann unter Umständen diese neue Geldflüssigkeit zu einer schweren Gefahr wer- den. Wir haben in den Jahren seit Locarno ge­sehen, daß es keinen Sinn hat, Auslandsgeld zu pumpen, wenn wir es nur dazu benutzen müssen, unsere Kriegsentschädigung zu bezahlen. Wir haben vor allem gelernt, wie gefährlich der Druck einer kurzfristigen Verschul­dung werden kann. Die Franzosen haben zwei­mal damit gearbeitet, und vor allem während der Pariser Verhandlungen durch Kündigung kurz­fristiger Anlechen unsere Währung angegriffen, so daß die Regierung sich schließlich gezwungen glaubte, aus finanzpolitischen Gründen den Boung-Plan annehmen zu müssen, den sie sach­lich von vornherein für untragbar hielt. Wenn das Kabinett Brüning, wie der Kanzler das noch in der vorigen Woche im Reichstag erklärte, tat­sächlich darauf Hinarbeitei, möglichst rasch das Re- parationsproblem wieder in Angriff zu nehmen, dann muh es auch Vorsorge treffen, daß die Pa­riser Erfahrungen sich nicht noch einmal wiederholen können. Hand in Hand mit dem Ausgleich des Etats muß daher eine Llmschul - düng in der Richtung gehen, daß wir nicht aus­ländische Gelder in beliebigem Umfange anneh­men, sondern uns nur dann damit eindecken, wenn sie auf bestimmte Zeit gegeben werden, wenn also von vornherein eine lange Lauf­zeit vereinbart ist, die uns davor schützt, daß in politisch kritischen Momenten plötzlich durch Ab­zug von Milliardenbeträgen das ganze deutsche Wirtschaftsgebäude zum Einstürzen gebracht wer­den kann.

Frankreich als Geldgeber.

Widerstände in der Kammer.

Paris, 9. Febr. (WTD.) 3m Finanzausschuß gab Finanzminister F l a n d i n Auskunft über die geplante Deleihung vonVorzugsaktien der Deutschen Reichsbahn. Flandin ver­wies darauf, daß die Genehmigung, diese Kredit- vperat o \ tut.' z .führen, einem französischen Ba k- inftitut erteilt worden sei, als das Kabinett Steeg noch am Ruder war. Die gegen- toärtigs Regierung habe diese Genehmigung be­tätig t. Diese rein banktechnische Operation werde unter allen wünschenswerten finanziellen Garantien vollzogen. Mehrere Mitglieder des Finanzausschusses sollen erklärt haben, sie seien wohl Anhänger einer Dnnäherungspolitik zwi­schen Deutschland und Frankreich und auch An­hänger einer Politik finanzieller Hilfe. Aber es erscheine ihnen doch Unerläßlich, daß für eine solche Vvrschuhoperation Garantien poli­tischer Art verlangt würden. Einige Mitglie­

der des Ausschusses sollen den Finanzminister gefragt haben, ob die französische Regierung ver­sucht habe, die Verpflichtung zu erlangen, daß Deutschland keinen Antrag auf Re­vision des Boungplanes stelle. Der Ab­geordnete de Lasteyrie bemerkte, das Defizit des deutschen Budgets rühre einerseits von dem be­trächtlichen Umfange des Reichs­weh re t a t s her und anderseits von dem Defizit der Reichsbahn, das hervorgerufen werde durch übertriebene Ausgaben für den Dau strate­gischer Eisenbahnlinien und Rhein- drücken.

Im auswärtigen Ausschuß erklärte Außen­minister B r i a n d kurz, daß die Finanztrans­aktion der Politik der europäischen Zusammen­arbeit entspräche und er in der Unterstützung nur Vorteile und keine Rachteile gesehen habe. Der Abgeordnete Franklin-Bouillon zählte darauf die Gründe auf, aus denen er gegen eine solche Politik sei. Reden, die von deutschen Ministern gehalten worden sind, stellen nach Ansicht des Abgeordneten Stützen für seine These dar, daß Deutschland sich seinen internatio­nalen Verpflichtungen zu entziehen suche. Der Sozialist Grumbach bemerkt dazu, daß verschiedene Stellen der verlesenen Reden eine ganz andere Bedeutung hätten als die, diis chnen Franllin-Bouillon zuertelle. Franklin- Bouillon stellte schllehlich den Antrag, daß der Außenminister ausführlicher über dieses Thema gehört werde.

Oie lleberwindung her Ver-rauensknsis.

Wie im Negterungslager die Situation beurteilt wird.

Berlin, 9. Febr. (CNB.) In Kreisen der Re­gierung bespricht man lebhaft den bemerkenswerten Stimmungsumschwung, der in den Aeuße- rungen der Sonntagsprcsse bei der Beurteilung der politischen und wirtichaftlichen Lage zum Ausdruck kommt. Der allgemeine Pessimismus hat darin viel­fach einer weit optimistischeren Auffassung Platz ge­macht. Rein äußerlich gesehen geht dieser Wechsel politisch auf die ft a r f e Mehryeit zurück, die sich im Reichstag hinter d i e Regierung Brüning gestellt hat, wirtschaftlich auf die B e - lebung der Börse. Dahinter aber steht noch ein anderes, außerordentlich wichtiges Ereignis, daß es nämlich in den letzten Tagen gelungen ist, d i e kurzfristigen Auslandkredite, die nur bis zum 15. Februar verlängert worden waren, für weitere 3 Monate zu sichern. Wie in unter­richteten Kreisen verlautet, handell es sich dabei um für die deutsche Wirtschaft recht erheblicye Beträge. Diese Verlängerung steht wieher in Zusammenhang mit der parlamentarischen Entwicklung der letzten Woche, die das Vertrauen des Auslandes in die deutschen Verhältnisse erheblich gestärkt hat. Noch am Samstag hat ein bedeutender schwedischer In­dustrie- und Finanzmann in Berlin erklärt, daß das kreditgebende Ausland den größten Wertauf eine weitere geordnete parlamenta­rische Entwicklung lege, da es fürchte, im Falle einer Diktatur finanzielle Verluste zu erleiden.

An amllichen deutschen Stellen begrpht man den sich anbahnenden Stimmungswechsel, dessen Bedeu- tung sich schon daraus ergebe, daß der Kanzler immer wieder unterstrichen hat, welchen außer- ordenllichen Wert die Wiederherstellung des Ver­trauens für die Gesundung hat. Man warnt aber gleichzeitig vor einem rosenroten Opti­mismus, der die Gefahr von Rückschlägen in sich bergen würde. Nach Ansicht führender Kreise kann die Besserung sich nur allmählich vollziehen, und sie schließt vor allem die Notwendigkeit ein, daß eine Lösung des Arbeitslosenpro­blems gefunden wird. In diesem Zusammenhang verlautet übrigens, daß ähnlich wie bei der AEG. auch in anderen Betrieben die fünftägige Arbeitswoche eingeführt werden soll, durch die weitere Entlassungen vermieden und in absehbarer Zeit die Einstellung weiterer Arbeitskräfte ermög­licht werden dürfte. Auch für die Reichsbetriebe ist an ähnliche Maßnahmen gedacht. Der Reichsarbeits- minifter rechnet damit, daß der Brauns-Ausschuß ihm bereits in wenigen Wochen Vorschläge unter­breiten wird, die die Grundlage für die Eingliede­rung weiterer Kräfte in den Arbeitsprozeß bilden sollen, lieber dieses Problem haben in der letzten Zeit auch eine Reihe ernsthafter Besprechungen zwischen dem Kanzler, dem Reichsarbeitsminifter und führenden Männern der deutschen Wirtschaft stattgefunden, woraus sich ebenfalls schließen läßt, daß in der nächsten Zeit alle Anstrengungen unter­nommen werden sollen, um die Besserung auch auf diesem Gebiete vorwärts zu treiben.

Die AbrüstulWverpfUtung.

Ter britischeAutzenmmister fo.dert die Ab­rüstung als Schlüijcl für alle politischen Probleme.

London, 9.Febr. (WTB.) Bei einer von der Internationalen Frauen-Liga veranstalteten Ab- rüstungskundgebung hielt Außenminister Henderson eine Ansprache, in der er mit energischen Worten für Abrüstung eintrat. In dem von der Vorberei­tenden Abrüsiungskommission ausgearbeiteten Ent­wurf habe man nun eine Grundlage, von der man ausgehen könne. Bei der Abrüstungskonferenz ebenso wie anderswo werden die Regierungen das tun, was die Völker wollen. Wenn die Völker Ab­rüstung wollen, können sie sie haben. Die Freunde des Friedens hätten 12 Monate Zeit, die öffentliche Meinung der Welt zugunsten dieser großen Gelegen­heit zu mobilisieren, die vielleicht niemals wieder­kehren werde, wenn sie nicht jetzt ergreife. Der näch ste Krieg würde, wenn er überhaupt kom­men sollte, von den Flugstreitkräften ausgefochten werden und zwar von Flug- ftreitträften, die Giftgas benutzen. Es ist über­flüssig zu sagen, daß eine derartige Kriegführung ein internationales Verbrechen märe. Wir hätten sicherlich bemerkt, daß es über unsere Macht gehe, die moderne Kriegsführung zu vermenschlichen. Wenn einmal 'ein Krieg beginne, dann könne kein Mensch und keine Regierung mehr ihn kontrollieren. Jedermann weiß, daß wir gleich jedem Mitglied des Völkerbundes durch Gesetz und Ehre zur Abrüstung verpflichtet sind, lieber« dies müssen wir daran denken, daß der Vertrag, der diese feierliche Verpflichtung enthält, derselbe Vertrag ist, durch den die wirksame Abrüstung anderer Nationen sichergestellt wurde. Wir alle wissen daher, daß die gegenwärtige Situation nicht definitiv fortbestehen tarnt. Das heutige Europa ist ebenso voll von schwierigen politischen Problemen, wie es fünf Jahre früher war, und ich sage als Außenminister einer großen europäischen Macht, daß es d i e A b r ü st u n g ist, worin der Schlüs­sel zu den friedlichen Lösungen dieser Probleme liegt. Wir müssen das internationale Chaos der Vergangenheit beenden; aber wir können unsere neue Weltordnung nicht zum Leben erwecken, ohne daß wir abrüsten. Für uns bedeutet der Pariser Pakt die Verzichtleiftung auf Gewalt in internatio­nalen Angelegenheiten, und wir glauben, daß dis Verzichtleiftung auf Gewalt die Verzichtleiftung auf die Mittel zum Kriege mit sich bringen sollte.

Eigenartiger Fiaggenwechsel.

Aus Ersparnisgrü den u-ter der Flagge von Panama.

Hamburg, 9. Febr. (ERB.) Mit einer inter­essanten Angelegenheit beschäftigen sich aug n= blicklich die deutschen Schiffahris.r.ift. Ti? Ham­burger Rederei V o g e rn a n n hat z ich ihren auf der Heimfahrt von Mittelamerika befind­lichen DampferVogtland" durch F.in!spruch angetoiefen, die deutsche Flagge nieder- zuh olen und dafür die Flagge von Pa - na ma zu setzen. Gleichzeitig wurde der ge- samtenBesatzunggekürck>igt. Das Schiff lief dann auch unter der Flagge von Panama im Hamburger Hafen ein, und hier wurde der Besatzung eröffnet, daß eine Verlängerung der Anstellungsverträge nur bei Einwilligung in eine Kürzung der Heuer um 25 Prozent möglicy sei. Der Dampfer stehe nicht mehr unter deutscher Flagge und Panama kenne keine Seemannsgesetze. Man nimmt an, daß die deutschen Behörden Gelegenheit bekommen haben, sich mit dieser eigenartigen Angelegenheit noch eingehend zu beschäftige. Bekannt ich haben nordamerikanische Schifsahrtsge ellschaf en oft das gleiche getan, wie jetzt die Reederei Vogemann, indem sie ihre Dampfer aus Ersparnis­gründen unter der Flagge von Panama ver­kehren ließen.

Wie dieT.-ll" erfährt, soll der Dampfer Vogtland" bereits am Dienstag wieder aus­laufen, doch ist noch keine vollständige Mannschaft angeheuert worden. Die ur­sprüngliche Besatzung, die mit dem Dampfer Vogtland" vor einigen Tagen zurückgekehrt ist, war auf die Kündigung durch die Reederei hin bis auf einen Ingenieur vollzählig von Bord gegangen. Eine daraufhin durch Heuerbaas vermittelte Mannschaft hat, sobald sie von dem wahren Sachverhalt Kenntnis erhielt, ebenfalls größtenteils auf die Anheuerung verzichtet. Die seemännischen Berufsveröände sind der An­sicht, daß die Reederei wohl einige unorgani­sierte Seeleute sowie auch Ausländer für ihre Schiffe erhalten werde, daß sie aber angesichts der sicher zu erwartenden schlechten Erfahrungen bald von selbst wieder zu dem deutschen Brauch zurückkehren werde.

Hamburger Reederkreise äußern sich dahin, daß dieser Vorgang als ein Beweis dafür anzusehen sei, in welch schwieriger Lage die deut­sche Schiffahrt sich befinde. Wenn auch größere deutsche Passagier- und Frachtreedereien diesem Beispiel wohl kaum folgen würden, so fei es im­merhin nicht ganz unmöglich, daß die eine oder andere kleine deutsche Frachtreederei ebenfalls die Flagge wechsle, falls eine andere Mög­lichkeit, den Betrieb aufrecht zu erhalten, nicht mehr vorhanden fei. Bei der Reederei Vogemann handelt es sich um eine kleine Frachtdampferreede­rei mit nrrr zwei Schiffen von inges. etwa 8000 Brutto-Registertonnen Raumgehalt.

Aus aller Welt.

Dr. Lulz Oberbürgermeister von Dresden.

In Dresden wurde die Wahl des neuen Dresde­ner Oberbürgermeisters vorgenommen. Für Reichs- Minister a. D. Dr. Külz (Demokrat) wurden 36 Stimmen abgegeben. Der Kandidat der Rechten, Dr. Most, erhielt 28 Stimmen und Stadtrat a. D. Stolt, Berlin (KPD.) 6 Stimmen. Dr. Külz ist damit zum Dresdener Oberbürgermeister gewählt.

Die Kältewelle in der Schweiz.

In der ganzen Schweiz ist es in den letzten Ta­gen erheblich kälter geworden. In den Bergen des Reuenburger Jura wurden bis 33 Grad Kälte gemessen. In Bern sank die Temperatur auf 15 Grad. Viele kleinere und größere Seen, wie z. 2. der Bieler See, sind zugefroren

Lin Kesselhaus in die Lust geflogen.

Auf der Zeche Baldur in Holsterhausen bei Dins- laten ereignete sich im Kesselhaus eine schwere Ex­plosion, über deren Ursache noch nichts bekannt ist. In der letzten Nacht wurden die Bewohner des Ortes durch eine h"ftige Detonation aus dem Schlafe geschreckt. Di» Tagesarbeiter stürzten aut ihren

, Werkstätten auf den Zechenplatz, »ß sich ihnen ein Bild völliger Zerstörung bot Das Kesselhaus war fast vollkommen wegge­rissen. Die Wucht der Explosion war so stark, daß Maschinenteile und Eisenstücke von mehreren Zent­ner Gew.cht weit fortgeschleudert wurden und andere Gebäude beschädigten. Die Straße, in der das Kesselhaus stand, war mitSteinen und schweren Eisenteilen bedeckt. Die schwe­ren Stücke hatten sich bis zu einem halben Meter in den gefrorenen Boden gegraben. Es ist geradezu ein Wunder zu nennen, daß diese schwere Expwfion kein Menschenleben ge­fordert hat. Die Heizer kamen ohne Verletzun­gen davon.

Die Einbrecher mit dem Diplomatenauto verhaftet.

Die Diebeskolonne, die in Berlin in der Nacht vom Sonntag den Kraftwagen eines Attaches der spanischen Botschaft stahl und später einen Einbruch in ein Radiogeschäft in Berlin-Wilmersdorf ver­übte, ist von der Polizei festgenommen worden. Der 20 Jahre alte Walter Koschatzky war bei dem Einbruch von dem Ladeninhaber ange­schossen und ernstlich verletzt worden und mußte von seinen Komplicen in das Krankenhaus am Friedrichshain geschafft werden, wo er von der Polizei ermittelt wurde. Zwei Mittäter konnten in einem Lokal in der Frankfurter Allee^nd der vierte in seiner elterlichen Wohnung feftgenommen werden. Es handelt sich bei allen vier um junge Burschen von wenig mehr als 20 Jahren.

Don Stiefsohn und Schwiegersohn erschlagen.

2n Papenburg tourte uev Bäckermeister und Landwirt Vah.e von seinem Stiefsohn und seinem Schwiegersohn erschlagen. In Vahles Be­trieb waren cnle Familienmitglieder beschäftigt, unter denen ein schlechtes Einvernehmen herrschte. Rachdem die Familie reichlich dem Alkohol zugesprochen hatte, stürz.en sich dcr Stiefsohn und der Schwiegersohn au, Vahle und erschlugen ihn mit einem Drill Cr war sofort tot. Unter dem Verdacht der Mit­täterschaft steht auch die Ehefrau des Ge­töteten. Sie und die beiden Mörder wurden ver­haftet.

Lrandkalastrophe in einer kalifornischen Pserdeschau.

In Oakland (Kalifornien) brach in einer Pferde­schau ein Brand aus, der die Auestellungsgebäude einäscherte. Drei Mann und etwa zwanzig Pferd,e kamen in den Flammen um. Die verängstigten Tiere sch'ugen in den Ställen wie rasend um sich. Einige Pferde vermochten brennend auszubrechen. Sie wurden von der Polizei erschossen. Todesurieil gegen eine ungarische Gallenmörderin.

Der Gerichtshof in Zalaegerszeg verurteilte die Frau des Saskaer Landwirts Michael Rabenhofer wegen Aufreizung 311 r Ermordung ihres Mannes zum Tode durch den Strang und einen gewissen Gabriel Kalmar wegen Aus­führung des Mordes zu lebenslänglichem Zuchthaus. Die Frau hatte Kalmar, ihren Geliebten, aufgereizt, ihren taubstummen 'und etwas schwachsinnigen Mann aus dem Wege zu räumen. Kalmar hatte Rabenhofer auf der Jagd erschossen.

Diebstahl eines Barren Goldes.

Der Kriminalpolizei in Basel wurde mitgeteilt, daß aus einer aus Aegypten kommenden und für Deutschland bestimmten Goldsendung ein Barren Gold im Werte von 23 000 Schweizer Franken g e - stöhlen worden sei. Die Untersuchung ergab, daß der Diebstahl in Basel erfolgt sein müsse. Es gelang, den Dieb zu verhaften. Es handelt sich um einen 20jährigen Baseler Postangestellten, der das Gold bereits auf die Seite gebracht hatte. Es konnte jedoch beschlagnahmt werden.

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Wettervoraussage.

Entsprechend dem Vorgreifen der nördlichen Stö­rung nach dem Festlande hin macht der Witterungs­umschlag weitere Fortschritte. Die Frostgrenze, die gestern über Holland lag, ist westwärts nach Deutsch­land vorgedrungen, so daß im westlichen Teil des Reiches die heutigen Morgentemperaturen schon bis 5 Grad über Null tagen. Dagegen herrscht im übrigen Deutschland durch die östliche Kaltluft noch Frost- wetter mit Temperaturen mit 10 und 15 Grad unter Null. Die Temperaturumkehr wird sich weiter durch­setzen, so daß mit dem Vorschub maritimer Warm­luft auch bei uns die Temperaturen über Null zu liegen kommen. Das Wetter bleibt dabei trüb und wolkig, ferner treten Regenfälle auf.

Aussichten sürMi11w 0 ch : Weiterer Tem­peraturanstieg bis über Null, meist dunstig und be­wölkt, zeitweise Niederschläge, südwestliche Winde.

Aussichten für Donnerstag: Wechsel­haftes Wetter mit Temperaturen über Null und vereinzelte Niederschläge wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 9. Februar: mittags2,8 Grad, abends3,7 Grad: am 10. Februar: morgens 2,9 Grad. Maximum 2,2 Grad, Minimum 4,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 9. Februar: abends0.4 Grad: am 10. Februar: morgens 0,4 Grad Celsius. Sonnenscheindauer eine halbe Stunde.

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