Protestkundgebung der Angestellten
die
Nachdruck verboten
15 Fortsetzung
Ewigkeit.
11.
Innungs-Richtpreise ausgesprochen hatte, betonte er zum Schluß, daß der Gehalts- und Lohnabbau nur eine neue Minderung der Kaufkraft weitester Devölkerungskreise bedeute, die sich zum Schaden der Wirtschaft in der Form verstärkter Abfatzun- Möglichkeit äußern werde. Aus diesen Erwägung
„Was für ein schöner Garten! Und der gehört Ihnen?" fragte er Ricolekte.
„Freilich, das ist ihr Garten", sagte Kinna schmunzelnd. „Er geht hinunter bis an den Bach, der "sich hier um den Berg herumwindet, und wir befinden uns nun hinter dem alten Schloß- flügel, wie Sie sehen. Da hinten steht sogar eine Laube, die ich eigenhändig mit meinem getreuen Iacobus zusammen da hingebaut habe. Fein, was? Hier kann uns niemand sehen als der Wald da drüben, der so steil ansteigt. Dieser Garten, so meine ich immer, ist mehr wert als das ganze Schloß."
„Wirklich — es ist ganz Prächtig hier —" sagte Wördehoff.
Sie gingen in den Garten hinein. Erst hinten an dem Staketzoun. hinter dem gleich der Bach entlang lief, machten sie Halt.
„Hier kann man schon Lieder komponieren, Herr Professor. Sie hängen ja förmlich in der Luft."
Ricolette hatte sich etwas abseits zu schaffen gemacht. Run tauchte ihr weißes Kleid hinter einem Boskett auf, in der Hand hielt sie eine schon aufgeblühte Rose. Ihr Gesicht war voll rührender Innigkeit.
So kam sie näher und blieb vor Wördehoff stehen.
„Darf ich Ihnen eine Rose aus unserem Garten geben? Es ist eine der ersten, die hier blüht. Und ich glaube, Sie haben die Blumen auch lieb."
„Oh, Fräulein Rico —“
Unwillkürlich kam ihm diese Abkürzung über die Lippen.
„Tausend Dank —"
Er nahm die Rose, und dabei sah er einen kleinen Blutstropfen an ihrem Finger.
„Sie haben sich gestochen —"
„Rur ein Tropfen", lächelte sie, „der bedeutet Glück." Sie wischte mit dem Tuch darüber.
Wördehoff ritz sich zusammen.
„Ich werde oft an Sie und an das Schloß denken, wenn ich unterwegs bin. Herr Professor, darf ich auch Ihnen für Ihre Freundlichkeit danken. Ich glaube, meine -Zeit ist um. Ich muh weiter —"
Und dabei war ein Zittern in seinem Herzen.
Professor Kinna, der solange in den Wald hineingesehen hatte, wandte sich um und blickte Wördehoff an.
„Was? Sie wollen weiter —T
„Run ja, ich bin doch sozusagen auf Wanderschaft
„Aber das sind Sie doch schon seit Wochen. Da hätten Sie doch das Recht, sich einmal gründlich auszuruhen, wie?"
„Ach Gott, ja, ich bin vogelfrei."
„Sagen Sie mal, haben Sie's wirklich so eilig?
Oder gefällt's Ihnen hier bei uns nicht?" Jtinna lächelte gutmütig»
Städtische Nothilfe 1930.
Bon der Geschäftsstelle der Städt. Rot - Hilfe 1930, dem Städt. Wohlfahrtsamt, wird uns geschrieben:
Auf den Aufruf des Herrn Oberbürgermeisters und der Gießener Frauenvereinigungen zur Sin- terstützung des eingeleiteten Hilfswerks sind neben Kleider spenden bisher Geldspenden: in Höhevon rund 900Mark eingegangen. Diese Zuwendungen reichen jedoch ber weitem nicht aus, um die Rot der in Betracht kommenden Bevölkerungsschichten auch nur einigermaßen zu lindern. Die dem Städt. Wohlfahrtsamt zur Erfüllung seiner gesetzlichen Aufgaben zur Verfügung stehenden Etatmittel können nur die äußerste Rot abstellen. Es muß daher an alle leistungsfähigen Einwohner in Stadt und Land die allerdringendste und herzlichste Ditte gerichtet werden, weitere Zuwendungen für die Städt. Rothilfe 1930 zu machen, um die öffentliche Fürsorge zweckmäßig ergänzen zu können. In erster Linie besteht neben Bar-
„Aber ich bitte — es ist wundervoll bei Ihnen." Er drehte fast verlegen die Rose zwischen den Fingern, während Ricolette intensiv auf ihre Fußspitzen sah.
„Ra also! Dann — bleiben Sie doch einfach hier! Muh ich Sie erst in aller Form einladen? Sie werden uns ein lieber Gast sein, Herr Wördehoff. And — ich hab' so das Gefühl — wir verstehen uns gut. Sie versäumen doch nichts?"
„Rein, nein", sagte Wördehoff erfreut, und eine starke Fröhlichkeit lieh sein Herz schneller schlagen. „Ich versäume nichts. Sie sind zu gütig, Herr Professor —"
„Rur keine Komplimente. Also abgemacht: Sie bleiben! So lange Sie wollen. Richt wahr?"
„Herzlich gern!"
„Handschlag drauf! Ich denke, Sie werden aus diesem kleinen Paradies hier schon Ihren Ruhen ziehen."
Ricolette blickte endlich auf.
„Oh, nun haben wir ja einen richtigen Sommergast, Papa", rief sie lachend aus. „Herr Wördehoff, es wird Ihnen sicher gefallen —“
„Ganz sicher", sagte er herzlich.
So hatte Frau Marthe weiterhin Gelegenheit, sich Gedanken zu machen. Mit Feuereifer ging sie daran, eines der besten Fremdenzimmer herzu- richtcn. And als sie fertig war, tauchte Ricolette auf, bewaffnet mit einem Riesenstrauß frischgepflückter Dluinen, die sie in die Base mitten auf den Tisch stellte. Sehr wichttg überblickte sie dann das Zimmer, ob auch alles in Ordnung wäre, so daß sich Frau Marthe nicht enthalten konnte, ein bißchen schelmisch zu fragen:
„Ra — ist es auch gut so, Fräulein Ricolette? Oder fehlt noch was?"
„Rein - alles gut, Warthe. Hier wird er sich schon wohlfühlen, nicht wahr?"
„Ra — sicher, Fräuleinchen. Passen Sie mal auf, der will nachher gar nicht wieder weg —“
Ricolette wurde rot. Frau Marche hatte so eine besondere Art, das rechte Auge zuzukneifen.
Schnell rannte sie wieder hinaus.
„Ru je — die Iugend —" brummte die Haushälterin vor sich hin — „is doch war schönes um die Iugend. Immer das Herz in den Augen. Dumme, kleine Ricolette — die alte Marthe sieht's ja doch, wenn du's auch nicht verraten willst."
Als die Sonne hinter die Berge gesunken war und ihr Widerschein mattrosa über den Himmel hauchte — schon dämmerte der Abend herauf und verbreitete würzige Kühle — sah Kinna mit seiner Tochter und Wördehoff hinten im Garten. Sre hatten chr Abendessen beendet, daS Geschirr war abgeräumt, und Iacobus, ein Mann mit langem, \ wallendem Bart, der ihm von Ricolette den | Beinamen .Schloßbär" eingetragen hatte, hatte l Zigarren auf den Lisch gestellt.
gestaltetes, geformtes, kn Bewegung gesetztes Element gewesen. Dies ist der Argrund deS Zweifels, den man, abgesehen von allen Fragen wirtschaftlicher Möglichkeit und Vernunft, an der Lebensfähigkeit der Sowjetmacht haben muh. Der Sowjetismus oder Bolschewismus ist gewissermaßen eine Wiederholung der Petrinischen Europäisie- rungspolitik, nur mit einem ganz anderen Vor- zeichen. So wie Peter der Große in den Straßen von Moskau Soldaten mit großen Scheren aufstellte, die alle langen asiattschen Kaftane bis auf die Kürze eines europäischen Rockes abschneiden muhten, so dekrettert Stalin die Kollek- ttvierung und Traktorisierung des russischen Dor- fes. Eine ungeheure Energie steckt 'n Peters wie in Stalins Versuch, aber der Idee, so groharttg oder so wahnwitzig sie sein mag. kommt aus dem russischen Geist kein m11- schwingender Appell entgegen. Dre russischen Magnaten des 18. Iahrhunderts kleideten ihre leibeigenen Bauernmädchen uni) Bauernjungen in Rokokokostüme mit Schnürleib, Puder und Perücke und ließen sie zwischen importierten französischen Kulissen galante Schäferspiele aufführen, und wer nicht zur Zufriedenheit des Herrn gespielt hatte, bekam nachher fünfzig mit der Knute. Heute befehlen die Sowjetmachthaber, Gottlosenklubs zu gründen und Amzüge zur Verhöhnung der christlichen Feste zu veranstalten. Es ist eins wie das andere; es wird befohlen, die Szenen werden gestellt, aber es ist kein schöpferischer Funke darin. Deshalb ist es nicht klug, seine Karte auf den Bolschewismus zu sehen — zumal seine Kerzen schneller zu Ende brennen werden, als die Peters.
und betonte dabei, daß die Hälfte aller Gießener Kaufmannsgehilfen im Durchschnitt ein Gehalt von 140 Mark pro Monat beziehe, das etwa 90 Mark Vorkriegsgehalt entspreche, mit dem aber heutzutage kein junger Kaufmann auch nur einigermaßen den Erfordernissen entsprechend leben könne; das Durchschnittsgehalt der anderen Hälfte der Gießener Kaufmannsgehilfen beziffere sich apf rund 233 Mark, ein ebenfalls nicht zu hoher Betrag. Von diesen Gehaltssätzen könne nichts mehr abgebaut werden. Er wies weiter darauf hin, daß zur Zeit in Gießen 513 männliche und 157 weibliche Angestellte stellenlos seien, durch deren Entlassung die Betriebe ihr Lohnkonto gesenkt hätten, und erwähnte die Senkung der Angestellten-Einkommen durch die Erhöhung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge, Mietsteigerungen, Erhöhung der Elektrizitäts-, Gas- und Wassertarife usw. Auch gegenüber den Beamten stehe der Angestellte weit schlechter da; vergleiche man die Höhe des heuttgen Durchschnitts-Angestelltengehaltes mit dem Beamtengehalt, auch nach Vornahme der sechsprozentigen Kürzung der Deamtengehälter, so ergebe sich, daß die Angestellten eine 20- bis 30prozentige Gehaltserhöhung erhalten mühten, um überhaupt nur auf den Stand des jetzt gekürzten Deamten- gehalts zu kommen. Weiter sprach sich der Redner für die Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Sozialfürsorge aus, verlangte entschiedene Bekämpfung der Kapitalflucht und der Steuersabotage, forderte von der Unter» nehmerschaft Revidierung der Kapital-Fehlin- vestierungen und verfehlter Rationalifierungs- mahnahmen, damit auf diesem Wege die Wirtschaft entlastet werde. Rachdem er sich noch entschieden gegen die Preispolitik der Trusts, Kartelle und der Markenarttkelfirmen, sowie gegen
Welchesllrteil g'It über Rußland?
Äon Or. Paul Rohrbach.
Auf dcr Pariser Weltausstellung von 1878 hatte Turgenjew, der berühmte russige „Westler", ein Gespräch mit zwei Freunden. Sie standen in der russischen Abteilung, und Turgenjew faßte feine Meinung in die Worte zusammen: „Was gibt es nun eigentlich Originales in Rutzland? Die Lindenbastschuhe unserer Dauern, die Knute und den Samowar, und im Grunde haben wir auch die beiden letzteren noch von den Tataren entlehnt!"
Man kann dies Urteil über Rußland leicht noch vervollständigen. Alle bedeutenden Völker: Aegypter, Dabhlonier, Israeliten, Griechen. Römer, Deutsche, Engländer, Franzosen, Italiener, haben für den Gesamtbau der menschlichen Kultur 'Beiträge geleistet, von denen man sich keinen hinwegdenkeir kann, ohne daß das Ganze cinsinkt, gleich einem Gewölbebogen, aus rem ein Stein herausfällt. Fragt man aber, welches der russische Deitrag solcher Art sei so findet sich keiner. Man denke sich das Russen» tum seit der Entstehung des russischen Staates 862 n. Chr. (dies ist das überlieferte Iahr für die Berufung des Rormannen Rjurik zu den Slawen am Ilmensee) bis auf Lenin aus der Geschichte fort, und nichts entfiele damit Jur die Menschheitskultur, dessen Hinwegnahme eine Katastrophe bedeuten würde.
Hat nun ein solches Argument einen positiven Wert für die deutsche, die europäische und Die Deltpolittk, oder ist es eine bloße kulturgeschichtliche Paradoxie? Von der Antwort hieraus hängt mehr ab, als mancher politische Spießbürger glaubt. „
Rußland wurde Iahrhunderte lang von Rormannen beherrscht, deren Dlut sich langsam slawisierte. Rjuriks letzte Rachkommen in Der regierenden Linie waren jener kleine Zarewitsch Demetrius, den Doris Godunow töten ließ, und fein Bruder Feodor, der kinderlos starb. Schon lange vorher war aber das Zarentum innerlich tatarif ie rt. Tatarischer, asiatischer Geist war es, der noch weit über die äußere Abweisung des Tatarenjoches hinaus in Rußland regierte.
Ein Jahrhundert später tritt die barbarisch- geniale, in ihrem mächtigen Aktivismus vollkommen unrussische Gestalt Peters des Großen auf. Von Peter an ist überhaupt kein rusfisches Dlut mehr in das Herrscherhaus gelangt (wenigstens nicht auf legitimem Wege), sondern nur deutsches und, ein einzigesmal, dänisches. Die letzten Romanows waren ihrem Blute nach deutscher, als z.D. die letzten Habsburger.
Rußland ist überhaupt nur selten von Russen regiert worden. Katharina II., die größte Mehrerin des Reiches, war eine Deutsche. Die russischen Staatslenler hießen im 18. Icchr- hundert Münnich, Ostermann, Biron. Sievers; im 19. Iahrhunderi hießen sie Resselrode, Cancrin, Giers, Reutern, Witte — und wenn sie russische Ramen trugen, so war das nicht immer zum Vorteil Rußlands. Auch die bolschewisttsche Revolution ist nicht von Russen gemacht wordeir, Lenin, mit seinem eigentlichen Ramen Aljanow, war tatarischer Herkunft, wie sein Aeuheres auf den ersten Blick zeigte. Der jetzige Diktator Stalin ist Georgier. Die meisten ursprünglichen Führer des Bolschewismus waren nicht Rattonalrussen, sondern jüdischer, kaukasischer, polnischer und sonst nichtrussischer Herkunft. In dem russischen Geist — wir sprechen hier vom mosko- witischen Rußland, nicht von der Akraine, vom Kaukasus und von den Westländern — steckt eine starke Begabung für das Gefühlsmäßig-Grenzenlose, Zersetzende, Theoretische, aber nicht für das Konstruktive, Intuitiv- Auf bauende. Wenn man ein Motto über die russische Geschichte schreiben will, so kann man kein besseres finden, als jene Worte des alten Chronisten Restor über die 'Berufung der Rormannen im 9. Iahrhunderi
Auf Veranlassung der Ortsgruppe Gießen des I Deutschnationalen Handlungsgri ilfen-Verbandes fand gestern abend im Saale des Caf6 Leib eine sehr gut besuchte P ro te stkundgebu ng der Kaufmannsgehilfen und Behorden- ange st eilten statt, die sich gegen Tarifkundi- gung, Gehaltsabbau und Einschränkung der Sozialfürsorge richtete.
Geschäftsführer Schröder
der DHB.-Ortsgruppe Gietzen
wies einleitend auf den Emst der Lage für die Angestelltenschaft hin und krittsierte u. a. scharf das Vorgehen ber Stadtverwaltung, die den Angestellten der Stadt das Arbeitsvertragsverhältnis gekündigt und die Unterzeichnung eines Reverses über daS Einverständnis mit einer sechs- prozentigen - Gehaltskürzung verlangt habe, andernfalls das Dienstverhältnis als gekündigt gelte. Weiter wandte er sich dagegen, daß in Privatbetrieben auf einzelne Angestellte ein Druck ausgeübt werde.
Gauvorsteher Auerbach
von der DHB -Gauverwaltung in Frankfurt am Main
Die kleine Aicolelle
Roman von paul Hain
nach Chr.: „ilnfer Land ist groß und reich, aber es ist keine Ordnung darin; so kommt und seid Fürsten bei uns!"
Auf einem berühmten Globus aus dem 17. Jahrhundert fleht das Wort „Europa' so geschrieben, daß daS „E" in Spanien liegt, bei Madrid, und das „21" in Polen, bei Minsk. Vielleicht lassen es die jüngsten Vorgänge in Galizien, in Brest-Litowsk, in Oberschlesi^i und Pommerellen doch etwas zweifelhaft erscheinen, ob das moderne Polen noch ein „21“ von Europa verdient. Rach den Begriffen des 17. Iahrhiin- derts, als König Iohann Sobiesky vor Wien erschien, um die Stadt vor den Türken zu rotten, tat es das. Peter ber Große versuchte, ganz Ruß- land zu einem Stück von Europa zu machen, aber bies zweihunbertjährige Experiment Spuckte, äußerlich betrachtet, doch nur, solange europäische unb europäisch geschulte Kräfte die Rkafchine lenkten. Erst in der letzten Zeit des Zarismus tvurbe allem westlichen Wesen der Kampf angesagt — mit dem Ergebnis, daß die westlichen Verbündeten Rußlands, England und Frankreich, es waren, die die Revolution von 1917 zum Ausbruch brachten, um einen russischen Separatfrieden mit Deutschland zu verhindern.
Aus alledem folgt, daß im russischen Wesen keine politisch schöpferische Kraft steckt. Roch nie ist aus der russischen Masse, ja nicht einmal aus der russischen Intelligenz, ein wirklicher Staatsmann, ein politischer Genius, eine Ordnung und Leben schaffende Persönlichkeit hervorgegangen. Das wirkliche Russentum ist immer nur Objekt, ist nie ein gestaltendes, sondern immer nur ein durch fremde, nichtmfsifche Kräfte
Man plauderte von diesem und jenem. Dis Zeit verrann. Der Abendstern leuchtete schon hell, und es war ganz dunkel geworden.
Es war Wördehoff, als hätte er schon brnne* hier gelebt und als kenne er Ricolette von Iugend auf.
tHre Augen trafen sich oft in ber Dunkelheit» und daS blasse Gesicht Ricolettes sah wie ein ver« schattetes Madonnenbildnis aus.
„Du liebes Mädchen", dachte er still — „Tnfl liebes, liebes Mädchen —"
Als es kühler zu werden begann, erhob man sich, um ins Haus zu gehen. In der Vorhall« wartete schon Iacobus, um den Gast auf fein Zimmer zu führen.
„Schlafen Sie gut, Wördehoff". sagte Kinna, „und tun Sie ganz, als wären Sie hier zu Hause. Bloh keine Rücksichten! Das Schloß ist groß genug. Hn& die Wälder draußen noch größer. — Also gute Rächt."
And dann fühlte Wördehoff Ricolettes flehte, schmale Hand, und sie ruhte so still und fest zwi^ sehen seinen Fingern. And obwohl es nur De- künden waren, dünkte es ihm doch eine glücklich«
So war es also eine abgemachte Sache: Wördehoff blieb auf dem Schloß, und er fühlte sich ungemein wohl dabei.
Gleich in den ersten Tagen hatte er nach Haus« geschrieben, an die Wirtschafterin, die die Wohnung betreute. Daß Rorma verreist war, konnte er sich denken. Er bat, ihm einige Sachen zu schicken, die er nun nötiger brauchte als während seiner Wanderung. Das Verlangte traf denn auch bald ein und dazu einige Zeilen der Wirt< schafterin, die ihm Rormas Aufenthalt mitteilte.
Er laS darüber hin. Was . interessierte es ihn? -
Fast jeden Tag machte er werte Spaziergänge in die Umgegend, denen sich ab und zu Kinna und seine Tochter oder auch nur Ricolette allein an(3rlernte Kinna in seinem künstlerischen Schaffen genauer kennen. Wirklich, dieser alte Musikant von besonderen Gaben hatte noch immer den Kopf voller Melodien.
Dann plagte ihn die Anruhe, er war tagelang nicht zu leichter Unterhaltung zu gebrauchen^ war nervös, schloß sich in seinem Zimmer ein, und selbst die zärtliche Fürsorge Ricolettes schien ihm dann zuwider zu sein.
Hatte er aber endlich die Melodie, die ibn so plagte, in die richtige Form gebracht, bann schlug seine • gereizte Stimmung in laute, behagliche Freude um, und er veranstaltete im Musikzimmev ein förmliches Konzertprogramm, dessen Mittelpunkt das neue Lred bildete.
^Fortsetzung folgt)
Gedunkelte Trink- und Iagdbilder längst vergessener Maler hingen dort. Auf den Fensterbänken lag viel Staub, aber der muhte hier wohl fein. Der gehörte einfach hierher.
Dann tarn man wieder in kleinere Gemächer, über knarrende Stiegen hinweg, die unwillig die Last der Schritte unter sich fühlten.^ Viel altes Gewaffen hing da, Rüstungen, Trinkhorner, allerlei Iagdgerät.
Man sprach nicht viel, während man so durch das Schloß wanderte.
Ricolette aber stand immer dicht neben Wördehoff mit großen, tränenvollen Augen und schien überall ein lebendiggewordener Atemzug der Vergangenheit zu sein. Sie strich mit vorsichtigen Fingern über die Dinge hin, klopfte an die Zinnkrüge und die Teller und lauschte bann verhalten auf ben feinen Ton, der wie ein ewigkeitsferner Widerhall aus verrauchten Vergangenheiten durch den Raum summte.
Dann vergaß Wördehoff wirklich für Augenblicke die Gegenwart all der Dinge um sich und spürte nur ein beklemmend-heißes Gefühl in sich, das jene verträumten Augen in ihm weckten, die ihn streiften, und ec atmete den feinen Duft, der aus Ricolettes Kleid wehte und ihn an die Rosen und Relken unb ben Sommertag da draußen erinnerte.
„So — nun geht's noch einmal über eine ein bißchen halsbrecherische Treppe nach unten", sagte Professor Kinna, „und Sie werden was Reues erleben, Herr Wördehoff —"
„Da bin ich aber neugierig —“
„Rico — halt' dich fest", ermahnte sie Kinna. „Das Geländer hier ist verteufelt wurmstichig."
Wördehoff bot ihr den Arm.
„Bitte, stützen Sie sich nur —"
Kinna ging wieder voran.
Sie klomm eine schmale, enge Wendeltreppe, ganz in Dämmernis gehüllt, hinunter ins Erdgeschoß.
Dori öffnete Kinna eine Tür und nun standen sie mit einemmal im Freien, in einem nach unten abfallenden Garten, vom strahlenden Sonnenlicht umflutet unb von ben flimmernden Farben der Blumen erfüllt, die in Fülle hier in wohlgeordneten Beeten blühten. Goldlack undSttef- inütterchen, Violen und Hyazinthen, und Rosenstöcke mit weißen und roten und gelben halberblühten Knospen. Ein wahres Wunder war das!
Wördehoff war wie betäubt von dieser Aebrr- raschunK.
wandte sich entschieden gegen Bestrebungen. Auswirkungen der allgemeinen Wirtschaftskrise auf die Angestellten abzuwälzen und forderte einmütiges Zusammenstehen aller Dolkskreise zur gemeinsamen Aeberwindung der Rot. Er polemisierte sodann gegen den hiesigen Arbeitgeberverband, dem er u. a. zum Vorwurf machte, daß er trotz zweimaliger Ablehnung durch die beteiligten Arbeitgeber schließlich doch die Kündigung des Tarifvertrages erzwungen habe; gegen dieses Verfahren müsse.schärfste Verwahrung eingelegt werden, da daraus fein gutes Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern erstehen könne. Hieraus besprach der Redner die Gehaltsverhältnisse der Kaufmannsgehilfen in Gießen auf Grund von statistischen Erhebungen
gen heraus sei, gerade auch im Onferefle Jtefl Wirtschaftsbelebung. der Gehaltsabbau entschieden abzulehnen. ,
Rachdem Geschäftsführer Schröder noch zir festem Zufammenfchluh der Angestellten int Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbano aufgefordert hatte, erfolgte die einfttmmige Annahme der nachstehenden
Entschließung:
Die am 9.1.31 anläßlich einer vom Deutschnatto« nalen Handlungsgehilfen-Verband, Ortsgruppe Gießen, einberufenen PrStestkundgebung versammelten Angestellten aus Gießen und Oberhessen legen schärfste Verwahrung ein gegen die Art und Weise, wie vom Arbeitgeberverband für Lahngau und Oberhessen die Kündigung des Angeftelltentarifoer- träges herbeigeführt worden ist. Ein solches, den Arbeits- und Wlrtschaftsfrieden störendes Vorgehen muß in der gegenwärtigen Zeit höchster lozialer und politischer Spannungen besonders scharf verurteilt werden.
Die von Arbeitgeberseite geforderte Gehaltssen» kung und die sonstigen Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen sind für die Angestellten untragbar angesichts der großen Opfer, die seither von ihnen gebracht wurden und die ihnen neuerlich die Notverordnungen der Reichsregieruna auferlegt haben. Der hohe Prozentsatz, den die Angestellten unter den Arbeitslosen ausmachen, zeigt, daß sie von der Wirtschaftskrise besonders hart betroffen werden, zumal auch die Arbeitslosigkeit erfahrungsgemäß bei den Angestellten von längerer Dauer, als bei den gewerblichen Arbeitern ist. Eine Emkommens-> Minderung ist bei vielen in Beschäftigung stehenden Angestellten schon durch einen Abbau der Leistungs» zulagen, ber Gratifikationen, oder, gar des Tarifgehalts erfolgt. Eine neuerliche Gehaltsfenkungi muß deshalb abgelehnt werden, auch um deswillen, weil sie eine weitere Verschärfung ber Wirtschaftskrise bebeuten würbe. Der von ber Reichsregierung angeftrebte Preisabbau hat zudem nenenswerte Erfolge nicht gezeitigt. Die Erhöhung ber Miete, Tarifs für Straßenbahn, Elektrizität, Gas usw. machen auch bis bescheidenen Ansätze eines Preisabbaues zunichte. Durch die Erhöhung ber Arbeitslosenversicherungsbeiträge haben bte Angestellten ebenfalls eine starke Einkommensminderung erfahren. Befon« bers wird barauf hingewiesen, daß ber für Gießet unb Oberhessen für Industrie unb Großhandel geb tenbe Tarifvertrag im Jahre 1929 eine Erhöhung nicht erfahren hat, während die Gehälter in ben anberen Tarifen unseres Gebiets eine Steigerung um 4 bis 6 v. H. erfuhren.
Ein Abbau ber Gießener Angestelltengehäkter ift baher weder volkswirtschaftlich, noch für ben ringele nen Angestellten zu rechtfertigen.
Die Versammlung erwartet von ben Arbeitgebern die Zurücknahme ber Künbigungen unb somit ei« Ablassen von ber Forderung auf Gehaltssenkung.
Atz! LW
WZ ÄS-
I *4
ZLS eÄeint S- I N,cn Ser <nn ' M. w L put i ersültt in Mch! ! KjJw . Speisung
-ürsni^ uni
MS#
können -
i llS'f«
ÄS iQtffl, tot* ^irgendeiner Sabe zu fit sich und leder | Slandesorgamsaüo ’ Bedürfnisses nach daß es aus feine s ’ verk seine Aufgab
Hunger
Aufende Un
toeit am ^uter f liegen. 0 ydl) die
SessenW Der Ars
I. 3n ber B Rechnungsjahr von allen benjei die am 10. Dffot alt gewesen sind Bezirk der Ger loder mangels ei f'öes ihren gewöl hobt haben. . H. Die Bürger Digen unter I fa sir das Kalenders, rechneten Gemein Hellt worden is ^gefordert Bon vmanzomt für & ben letzt, 1930 liegenden 3 kmmensteuer vei Ä Ärgers! i^dangesordei l . Für alle übi beträgt
S« Wrennt'i Sm6n nur bas Drages, tnittjin' K.L's; N°rz 1931 m 'Postscheckkonto fy Wer
Ä« » äSF nch.. ncr des Stichtag lischt QU ,7r'°nen, 2 ff9 ruht'
O
Schwer« » hvmberg, eignete sich in § krhrSunfall. Destrvtzy ari seinem IRotonab auf die Lüche der Gießener 1 Straße passierü wurde schwer ve der eine Gehst einen Echlüsselb bruch erlitt, d wuhtsein und K tätskolonne Gie scheu Klinik geb der bei feiner Bewußtsein erl nungslos.
üt
Bg. Groh« gestrigen Hol


