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10.1.1931
 
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Rr. 8 Zweites Blatt

Deutschland und die Weltpolitische Lage.

Außenpolitische Umschau.

Von Dr. Otto Hoetzsch, o. ö. Pros, der Geschichte an der Universität Berlin.

3m 19. Januar wird nun d i e 6 2. Tagung des Völkerbundsrates beginnen. Was steht auf ihrer Tagesordnung und welch« Ent­scheidungen kann fie bringen? Di« Tagesord­nung enthält die ..Fortsetzung" des Einberu- lungstcrmins für die endgültige Abrü­stungskonferenz, die dreifach« deutsche Mindcrheitenbeschwerde gegen Polen (lloten vom 27. Rovember. 9. Dezember. 18. Dezember), die Zusammensetzung der sog. Dreier-Ausschüsse in Minderheitenfragen, aus der Mandatspolittk die bekannte Fr g? über das ehemalige Deutsch- O st a f r i t a. 01«. en der Ratstagung, drei Tage vorher, am 16. Januar, tritt der Studienaus- schuß für die P a n e u r o p a - Anregung Dri- ands zusammen. Für die letztere Frage liegen Denkschriften des Völkerbundssekretariats. auch der deutschen Regierung, und von anderen Sei­ten. vor.

Rach dem Turnus käme diesmal derVorsitz dem deutschen Außenminister zu. Die­ser hat aber gebeten, daß der englische Außen­minister mit ihm tausche, so daß Dr. Eurtius erst bei der Sommertagung des Rates den Dor» sitz führen würde. Begründet wurde dieser Taulch- vorschlag damit, daß Deutschland gerade dies­mal als Hauptankläger (gegen Polen) aufträte, nicht nur einen Minderheitenprotest unterstütze, svnbern zum ersten Male selbst eine De. schwerde führe (aus dem Abkommen über Ober­schlesien von 1922). Der englische Außenminister ist nicht gern an diesen Tausch gegangen. Die deutsche Begründung überzeugt uns auch nicht recht. Man sieht nicht ein, warum es nicht mög­lich sein soll, als Präsident objektiv die Derhand- lungen zu leiten und zugleich in bestimmten Fra­gen als Kläger gegen «ine andere Dölkerbunds- partei aufzutreten. Man sieht darum auch nicht recht, warum die unzweifelhaft großen Vor­teile, die die Präsidentenstellung bietet, aus der Hand gegeben wurden. Und schließlich ist der Hinweis auch berechtigt, daß Deutschland dann überhaupt niemals eine Präsidentschaft führen könne, weil Deutschland nach Lag« der Dinge ja sehr oft mit derartigen Konflikts- notwendigkeiten zu rechnen hat. Es wird sich erst zeigen müssen, ob durch diesen Tausch tatsächlich dem deutschen Außenminister freiere Hand ver­schafft worden ist, und ob nicht Deutschland eine Position freiwillig auf gab, die immerhin von Wert gewesen wäre.

Zur Entscheidung stehen in Genf, um es genau zu präzisieren:

1. Die ..Festsetzung" jenes Termins, die un­bedingt erfolgen muß. Entscheidungen über die Abrüstungsfrage und darüber hinaus fallen jetzt in Genf unzweifelhaft nicht, so scharf der grundsätzlich« Standpunkt Deutschlands zur Ab­rüstungsfrage dort betont werden muh. Deshalb entfallen auch jetzt schon irgendwelche Konse­quenzen aus der Abrüstungsfrage selbst für Deutschlands Haltung.

2. Di« Durchsechtung unseres Konflikts mit Polen in aller Schärfe und Rücksichts­losigkeit, der selbstverständlich überall die Re- Visionsfrage. die Grenzfrage streift: aber zu einer Entscheidung nur eben auf dem Gebiete der Minderheitsfrage führen wird und muh.

3. Klarheit über die Anlage der, mit einem Wort gesagt: Paneuropa-Arbeit, unter dem Gesichtspunkte: kein« politische Reubildung und keine erneut« Festlegung auf d i e Pariser Friedensverträge, lediglich wirtschaftliche Arbeit und das ganze auf der be­stimmten Grundlage, dah nur völlig unab­hängig« und gleichberechtigte Staa­ten überhaupt diese gemeinsame Arbeit an» fassen können. Das letztere heiht, dah Deutsch-

Gießener Gtavttheater.

&. B. Lhaw:Der Hatter von Amerika".

Es darf daran erinnert werden, dah schon vor zehn Jahren jener metabiologische Pentateuch" erschien, den George Te mard Shaw unter dem Titel, «Zurück zu Methusalem" zusammenfaßte, und welcher nach einem achtzig'eitt ei Vor­wort In fünf Stationen vom Garten Eden (mit Adam, Eva und der Schlange)Q3i8 an die Grenze des Gedankens" reichte: die e Grenze war befchei- . deutlich in das Jahr 31 920 verlegt.

Einen ähnlichen Sprung ins Futurum der Menschheit unternimmt auch die dreiak.ige poli­tisch« KomödieSer Kaiser von Amerika", obwohl sie immerhin bereits am Halbwegs vorstellbaren Ende unseres gelobten zwanzigs'ei Jahrhunderts sich begeben soll. Abgesehen von diesem Vorstoh in eine mehr oder minder auszudenkende Zukunft hat das neue Stück mit dem früheren auch die poli­tische Satire gemein: wobei insbesondere etwa an den zweiten Teil desPentateuch" zu erinnern wäre, welcher sich unter der ÜberschriftDas Evangelium der CB rüber Varnabas' in einer von Lloyd George und Asquith miferabel regierten Gegenwart ereignet und ungefähr das Boshafteste enthält, was je über ein englisches Kabinett vor- gebracht worden ist.

Man tut im Verlaufe dieser drei Akte gut daran, sich gelegentlich ins Dein xu knei en. um sich dar­auf zu befinnen, dah das Ganze in England vor- geht und nicht bei uns. Und wenn man sich dar­auf besonnen hat. erinnert man sich des ferneren, dah Shaw nach allem, was man *»i*Ser darüber hören konnte. Sozialist ist. Diese ®rt t »c-ung er­scheint n. tig, damit man weih, wora.o man ist. Der wahre Held des Stückes ist nämlich ein Monarch. Soweit einHeld" für Shaws Vorstellungskraft überhaupt möglich ist. Schließlich besinnt man sich noch darauf und es wird einem gleich leichter dabei. daß dieses Stück in der Zukunft spielt, und dah solche Stücke immer phantastisch oder utopisch sind. Und zuallerletzt fällt einem womög­lich noch ein, dah Shaw (feit Wildes Tod» der anerkannte Meister des Parado es ist, und dah die Schlagkraft seiner Satire viel e cht vor allem daraus beruht, dah er um sich haut, ohne sehr besorgt zu sein, wen ober was er babei trifft.

Immerhin - mit Vorbehalten: ist er schon Kie völlig ernst zu nehmen, so ist er doch auch nie

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

So sah derWintersport vor2SZahren aus

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Luftige Szenen von Eisbahnen um 1905. Eisläufen und Tennis waren vor 25 Jahren die einzigen Sportarten, denen sich Frauen widmen durften. Aber die ehemaligen Moden, die uns heute ebenso komisch vorkommen wie unsere heutigen Moden in 25 Jahren erscheinen werden, verhinderten, dah aus dem Sport mehr wurde als ein gemächliches Gesellschaftsspiel.

land feine bekannten Zentralforderungen zur Völkcrbundspolitik auch hier gleich anmeldet und aus spricht als unerläßliche Voraussetzungen für eine Arbeit, die überhaupt zu Ergebnis und Dauerhaftigkeit führen soll.

Das scheint uns. ganz nüchtern und konkret betrachtet, der Aufgabenkreis in Genf zu fein. Er ist schon schwer genug für die deutsche Ver­tretung. Danach ist ohne weiteres zu bemessen, was in Genf jetzt an Enscheidungen fallen und was an Erfolgen auch int besten Falle von der Vertretung Deutschlands nach Hause gebracht werden kann.

Selbstverständlich aber liegt der große Schatten der R e v i s i o ns b e w e g u n g gegen Sie F r i e d« n s v e r t g e auch auf dieser Tagung, wenn sie auch darin keine Ent­scheidungen bringen wird. Er bestimmt das ganz« Jahr 1931 und darüber hinaus. Wirksam und würdig hat der Reichspräsident in seiner Reujahrsrede das ausgesprochen: ..Mit steigen­der Spannung erwartet das deutsche Volk, dah die internationale Zusammenarbeit sich im kom­menden Jahre als wirksam genug erweist, um das deutsche Volk vor weiteren schmerzlichen Ent­täuschungen zu bewahren." Mit Recht haben diese bestimmten programmatischen Worte grohen Ein­druck im Auslande gemacht. Der einfluhreiche Fühver der Zentrumspartei, Prälat K a a s , hat in einer Rede sodann den Vergleich mit dem Simson ge'raucht, der das Haus zertrüm­

merte, hat damit gemeint, dah bi« Delastungs- fähigkeit eines Volkes ihre Grenzen hätte, hat also, was bet diesem klugen und vorsichtigen Po­litiker doppelt bedeutsam ist, die Frage ganz richtig gestellt und wir stimmen ihm durchaus zu: RevisionoderKatastrophe? Mus­solini hat in einer Rundfunkanspräche an Amerika, in bet er sich bemerkenswert scharf auf eine friedliche Politik festlegte, abermals sein Dekenntnis zur Rotwendigkeit der Revision der Verträge an diese wichtige Stelle gerichtet, was in Frankreich einen starken Eindruck gemacht hat. Schliehlich hat die amerikanische Presse am 2. Januar eine Aeuherung des bekannten Bankiers I. Speyer veröffentlicht, der ganz im Sinn« Owen D. Poungs vorsichtig, aber erkenn­bar die Rotwendigkeit ausspricht, dah Amerika in Sachen der Schulden entgegenkommen­der sein müsse als bisher. Das hat der eben von einer ganz unbemerkten Europareise zu- rückgetehrte nächste Berater Hoovers, der Unter- staatssekretär im Handelsministerium, Julius Klein, mit dem Hinweis auf W.r'schaftskrise und Arbeitslosigkeit ergänzt, von der Deutschland am stärksten betroffen sei.

Das Revisions g e s p r ä ch ist also unaufhalt­sam im Gange. Von dem Punkt und Tage frei­lich, an dem nun die Revision wirklich an­gel a fj t werden kann, lind wir noch weit entfernt. Und wenn man nach solcher UÜber­sicht sich überlegt, wen Deutschland als Genossen

lediglich Charlatan. Wenn er schon um sich haut - König Magnus wird eigentlich von keinem Streich getroffen; und ist derKönig feinSctbireU Shaw keine Helden mag so ist er doch ein ganzer Kerl, ein wirklicher Mensch, ein Stück Genie, keine Marionet e auf dem Thron, sondern geistig so überlegen, dah er am @nu« fein ganzes, mehr oder minder unfähiges und oerrot« es Ka­binett in den Sack steckt. Die Stoßrichtung der Satire ist jedenfalls Rar: gegen die Scheindemo­kratie und ein untüchtiges parlamentarisches System. Das war einen Abend lang nicht gut zu überhören.

Immerhin ist das Stück auch wiederum nicht so. utopisch, dah nicht vom weltpolitischen Zustand gegen Ende dieses bedrohlichen Jahrhunderts einige verdammt deutlich formulierte Vorstellun­gen vermittelt würden. Etliche der (für uns jeden­falls) wichtigsten Dinge werden so ganz neben­her und unter der Hand serviert. Z. D. das hier kaum ernsllich angefahte. geschweige denn ge­loste Problem der Auseinandersetzung zwischen England und den Vereinigten Staaten. Und Deutschland? Darüber wird mit einem Achsel­zucken Auskunft gegeben als über einen geo- gr iphisch etwas weitläufigen, bolschewisierten Be- zirl zwilchen Moskau und Berlin.

Es ist schon bei früheren Bemerkungen über dieses Werk (anläßlich der Berliner und der Frankfurter Aufführung) an dieser Stell« daraus hingewiesen worden, dah «s erhebliche Mängel aufweist. Es ist zu lang. Es ist (mindestens dra­maturgisch) zu unbekümmert. Es ist zu theoretisch und zu politisch und nur sehr teilweise dramatisch Man kann ja noch kein Stück damit machen, dah man eine Thronrede oder einen Leitartikel ober eine Wahlrede deklamieren läßt: oder dah man eine Kabinettssihung mit verteilten Rollen auf die Bühne bringt. Der wichtigste Mann im Stück hat keinen Gegenspieler der ihm annähernd ge­wachsen wäre. Und der ganze zweite Akt der den Monarchen mit seiner Geliebten plaudern läßt ist an sich entzückend, witzig, graziös, amüsant ... höchst erquick.iche Episode und Atempause zwischen politischen S reitgesprächen und Staatsaktionen, gehör! aber im Grunde gar nicht zur Sache. Wesentlich ist indessen, dah man sich trotzdem drei Akte lang glänzend unterhält, dah man lachen muh. dah man nach­denklich werden darf, daß man. mit einem Wort, ausgezeichnet und auf eine geistig angeregte Weise in Alew, gehalten wird. Lrotzdeml Die

Spannung reicht eben aus, den stark abfallenden Schluhakt einigermahen unter Dach und Fach zu bringen.

Der tatsächlich greifbare Inhalt der drei Akte ist schwer aus dem Gefprudel von Rede und Gegenrede, von Witz, Bosheit. Seitenhieben und Rebensächlichkeiten hcrauszufischen: er wurde ebenfalls früher schön angebeutet; da es sich um eine Utopie unb um eine Zukunftsmusik hanbelt, genügt es. die Stichworte zu wiederholen, zumal der Dialog selbst wichtiger erscheint als die ganze Fabel.

Also: die Demokratie hat eine Schlacht ver­loren. König Magnus, der konstitutionelle Monarch (Shaw kann selbst als Utopist nicht aus seiner englisch-irischen Haut heraus» siegt auf brr ganzen Linie: er schlägt dem Kabinett, bas ihn zum D.rzicht auf sein Vetorecht und seine offenherzigen Reden zwingen toill, das zu diesem Zweck formulierte Ultimatum aus der Hand mit der freundlichen Verheißung, sich allen Königtums fveiwillig zu begehen und sich ganz schlicht, ein Mann des Volkes, in das neue Parlament wählen zu lassen, auf dah man sich dort endlich die Wahrheit sagen könne. Hinter chm aber steht schon das allerdings phantastische Angebot des amerikanischen Botschafters, drüben, in den Staaten. Kaiser zu werden. In dieser knappen Unterhaltung umgürtet sich Shaw mit dem ganzen Stolz seines Englands zuletzt ist er aber wieder der Alte, wenn er den König Magnus von seiner Frau Mathilde mit wahr­haft bürgerlichen Gesten zum Abendbrot führen läßt. -

Wir kennen weder die Berliner noch die Frank­furter Auckührung dieses Stückes, haben also keinerlei Vergleichsmöglichkeiten. Die hiesige, von Bäuerle geleitet, war jedenfalls eine sehr erfreuliche und amüsante Angelegenheit. Es kann darüber gestritten werden, ob noch mehr hätte gestrichen werden sollen, ob die Besetzung in allen Einzelheiten den Intentionen Shaws entsprach, ob die drei Akte so englisch wirkten, wie sie nun, trotz aller Utopie, ihrem Wesen nach einmal sind. Das Ganze, darauf kommt es an, war darstelle­risch gelockert, dialektisch belebt, treffsicher poin­tiert, witzig unb nicht ohne Spannung. Weitaus am stärksten der erste Akt; auch der zweite hatte Riveau unb Farbe: der letzte glitt immerhin nicht mehr ab, als es im Text schon geschehen ist.

Samstag, 10. Zamiar 195(

an seiner Seite hätte, wenn «s eine ahtoe Reviftons Politik einleitete, so ergibt sich frei­lich. dah es darin heute so gut wie allein steht. Dem gegenüber fängt eine höchst be­merkenswerte Entwicklung an, bi« hier nur kurz gestreift sei, inbem Verhandlungen zwi­schen England unb Frankreich vor sich gehen zur Stützung des LondonerGelb- Marktes, d. h. zu einer anderen Verteilung der Golbvorräte. und das heiht wieder zu einet Bereitwilligkeit Frankreichs, seinen Riesengolb» Vorrat in langfristigen Anlechen zur Verfügung zu ftelleiL Cs ist ein Weisterzug der ver­bündeten französischen Diplomatie und Finanz, gerade in ö i p f e m Augenblick und an dieser Stelle so anzufangen. Man kommt dem eng­lischen Finanzinteresse entgegen. Man will die eigene Goldmasse in Bewegung setzen. Man schafft so eine «Solidarität der Gläubiger" die dementsprechend bereits von derTimes (6. Januar) (ufccr.omir.c.i und ausge'prochen wirb. Man sucht England noch stärker an sich heran­zuziehen und so das zu erreiche»», was 1919 scheiterte: wenn schon nicht gleich das Bündnis mit den Angelsachse»» im ganzen, so doch das Bündnis mit England allein! In der Verbindung damit wird bann weiter ausge­sprochen: Frankreich ist bereit, feine Golbpolitik neu zu orientieren, langfristige Anleihen zur Verfügung zu stellen, bamit die Länder, die Kapi­tal brauchen (lies: Italien unb Deutschlanb), zu sanieren, das ganze aber unter der Voraus­setzung und Bedingung: über Revisiondarf nicht gesprochen werden!

Eine Entwicklung tut sich damit auf. bedeutsam für uns, bedeutsam aber auch für d i e Ver­einigten Staaten von Amerika. Uirb wir wüßten nicht, was, richttg verstanden, bic Interessen Deutschlands und der 'Vereinigte»» Staaten stärker aneinander führen, ja drängen könnte, als solche englisch-französischen Verhand­lungen, die sich rein f i n a n z mäßig gegen bic Vereinigten Staaten richten. C?fbcr wo hört bic Finanz auf und fängt bic Politik an? Das ift ja alles nur ein großer Zusammenhang!

Von einer solchen Position aus. in der also Deutschland aus englische Unterstützung in keiner Weife rechnen kann, ist der Times"-Artikel vom 2. Januar:Europa am Scheidewege" für uns doppelt interessant. Das Blatt vergleicht die Lage heute mit der 1830. als in der Juli-Revolution bic Bewegung gegen das System Metternichs begann. Der historische Vergleich, den dieTimes" damit zieht, hinkt ziemlich. Die Situationen passen nicht zuein­ander. Aber die Hauptsache ist ja das Aktuelle, der Hinweis auf den Kampf Brünings unb d i c labile Lage in Deutschland zwischen Rationalsozialismus und Komniu» n i s m u s, eines Deutschlands, das ein getreues QCbbilb des heutigen Europas ist. Und es kann sein, dah es, ähnlich wie Frankreich vor hundert: Jahren, anderen Rattonen das Beispiel gäbe, kah die weiteren Entwicklungen in Deutschland Wirkungen Hervorrufen, die weit über seine Gren­zen hinausgehen. Es kommt uns nicht auf baS an, was hier sachlich gesagt wird, bedeutsamer: der Ton, die große, ganz kühle Distanz, bic England von dem Schicksale Deutschlands bamit nimmt Wan schreibt, als wenn die weitere Ent­wicklung Deutschlands England gar nichts an­ginge. Diese Haltung kommt aus einem Gefühle der Sicherheit: von Amerika hat man nichts zu fürchten, mit Frankreich hat man sich abgefunden, zusammengefundeir.

Hinweise allerersten Ranges an die deutsche Auhenpolittk! Es kann nach unserer Meinung gar kein Zweifel fein, wohin, nach welchem S aat und auf welches Zentralproblem der Weiter für unsere Auhenpolittk hinzeigt. Was von der Auhenpolittk an Uebersicht und Entschluhfähig- keit heute erfordert wird, das gebt weit über bic Fragen hinaus, bic zunächst jetzt in Genf zur Erörterung stehen!

Wir haben Werner Kraus; als König MagnuS nicht ge'ehen, aber wir gestehen, dah uns Walter Bäuerle in dieser Rolle auherordentlich geficL Es ist die dankbarste, aber auch die schwerste Auf­gabe. Eine unheimliche Menge Text ist zu be­wältigen, wobei jedes Wort unb jebe Betonung fitzen muh: das war hier der Fall. Man sah eine ganz überlegen gefaßte, geistig bestimmte Gestatt, deren leidenschaftslose Sachlichkett durch­aus englischer Herkunft sein konnte, deren mensch­liches Format unb deren dialektische Eleganz sehr wohl dem Jdealbllde angemessen waren, in das der paradoxe Phantasierer Shaw sich hier einmal verliebt hat.

Die anmutige Episode des zweiten Altes er­füllte Beatrice Do e r i n g, in ein apartes Kostüm von gelber Seide gehüllt, mit dem intellektuell mühsam gedämpften Temperament einer wahr­haft königlichen Geliebten, welche auf Den Märchennamen Orirth a hören darf. Au^ der Gegenseite, im Kabinett, machten Hilde S ch w end und Lony Leu h o l f als Ministe­rinnen eine nicht üble Figur, vertraten ihre Sache auch in parlamentarischer Rede, doch schie­nen beide in der dünnen und schillernden Atml>- sphäre ter Diskussionskomödie nicht recht warm zu werden. Die Königin repräsentierte mit wenigen würdigen Worten Maria Koch.

Von den Kabinettsrnitgliebern schien uns der hitzig polemisierende und aufgeregt beleidigte Premier von Karl V o l ck am sichersten getroffen. Linkmann, obwohl stellenweise sehr drollig, betonte in seinem Handelsminister doch zu sehr und gelegentlich mit ju primitiven Mitteln Öen proletarischen Parvenü. Von den übrigen hatten Bruck und F a f f o 11 den besten Text erwischt. Um den amerikanischen Botschafter bemühte sich Hauer: Schelcher (Privat­sekretär) hat im ersten Akt einige hübsche Sätze zu sagen.

Das Publikum schien sich gut zu unterhalten, unb blieb bis zuletzt angeregt bei der Sache.

hth.

öod)fcbutnad)rid)ten.

Professor Dr. Hans Greller in Münster hat einen Ruf nach Tübingen als Nachfolger von Staatsrat Prof Lr. Max o. Rümelin auf .Öen Lehr­stuhl für römisches unb bürgerliches Recht erhalte».