Ausgabe 
9.12.1931
 
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wie ein Chor, und ihr Pianissimo blieb dem Fern­sten deutlich vernehmlich bis zum Berklingen. Schade, daß sich zu den schönsten und höchsten Gaben zu wenig Empfänger einstellten. Daß sich darunter recht viel Auswärtige befanden, ist be­merkenswert. Das Quartett, das im Evangeli­schen Schwesternhaus Quartier genommen hatte, verabschiedete sich dort am Dienstagmorgen mit einigen den Kranken gelungenen Liedern. Aus L i ch und Echzell, wo das Quartett in den letz­ten Tagen ebenfalls in den Kirchen gesungen hatte, liegen uns Berichte vor, in denen die Darbietun­gen der Sänger gleichfalls mit hoher Anerkennung besprochen werden.

** Stenographen - Prüfungen. Die Prüfung für Geschäftsstenographen bei der In­dustrie. und Handelskammer Gießen haben mit Er­

folg bestanden: 15 0 Silben: Max Katz, Erna Reininger, Richard Strauch, Fritz Reh, Minna Ger- big. Käthe Demuth, sämtlich in Gießen: 120 Sil­ben: Lina Hucke, Heinz Becker. Ilse Biedenkopf, Gertrud Schäfer, Martha Seiferth, Gertrud Lapp, Heinrich Volk, Klara Wagner, Annemarie Stein­berger, sämtlich in Gießen.

**' Gedenktafel für Peter Fuchs. Der Vorstand des Vogelsberger Höben-Clubs (VHC.) hat beschlossen, an dem Geburtshause des vor einigen Monaten verstorbenen Vogelsberger Mundartdich- ters Peter Fuchs in Wohnfeld (KreisSchotten) eine Gedenktafel anbringen zu lassen. Fuchs mar lange Jahre als Postbeamter in Gießen tätig und wurde dann nach Offenbach a. M. versetzt wo er die letzten 20 Jahre seiner Dienstzeit als Ooer-Post- inspektor wirkte.

Wirtschaft.

OiSkontermäßigung der Reichsbank in Sicht.

Berlin, S.Dez. (TU.) Der Zenlralaus- fchuß der Reichsbank ist aus Rlittwochnach- mittag einberufen worden. Es ist damit zu rechnen, dah die Reichsbank in verfolg der Rotverordnung mit einer Diskontermähigung den weg für die Zinssenkung am kurzfristigen Geldmarkt bereiten will.

Ein günstiger Reichsbankausweis.

Berlin, 9. Dez. (WTB. Funkspruch.) Rach dem Ausweis der Reichsbank vom 7. Dezem­ber hat sich in der verflossenen Bankwoche die ge­samte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 116,6 Mil­lionen auf 4197,6 Millionen Reichsmark verrin­gert. Im einzelnen haben die Bestände an Han­delswechseln und -Schecks um 19,9 Millionen auf 3881,4 Millionen Reichsmark, die Lombarddeftände um 63,4 Millionen auf 190,9 Millionen Reichsmark und die Reichsschatzwechseln um 33,3 Millionen auf 22,4 Millionen Reichsmark abgenommen.

An Reichsbanknoten und Rentenbank­scheinen zusammen sind 55,1 Millionen Reichs­mark in die Kassen der Reichsbank zurückgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 49,0 Millionen auf 4591,6 Millionen Reichsmark, derjenige an Rentenbankscheinen um 6,1 Millionen auf 414,0 Millionen Reichsmark verringert. Dem­entsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 13,4 Millionen Reichs­mark erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 415,9 Millionen Reichsmark eine Abnahme um 90,1 Mil­lionen Reichsmark.

Die Bestände an Gold und deckungsfähi­gen Deoif e n haben sich um 0,4 Millionen auf 1175,6 Millionen Reichsmark erhöht. Im einzelnen haben die Goldbestände um 0,2 Millionen auf 1005,1 Millionen Reichsmark und die Bestände an deckungsjähigen Devisen um 0,2 Millionen auf 170,5 Millionen Reichsmark zugenommen.

Die Deckung der Roten durch Gold und deckungsfähige Devisen beträgt 25,6 v., H. gegen 25,3 v. H. in der Vorwoche.

Börse und Notverordnung:

Ein Weg gezeigt, der für alle gangbar ist."

Berlin, 9. Dez. (WTB. Funkspruch.) Lebhafte Diskussionen waren heute in den Bankbureaus die Folge der Veröffentlichung der Notverordnung, ohne daß man sich zunächst darüber einig werden lonnle, wie sich diese Bestimmungen in der Praxis und dementsprechend auch tendenzmäßig an den Essekten- und Pfandbriefmärkten auswirken wer­den. Man war sich darüber klar, daß noch manche Hindernisse und Schwierig­keiten zu überwinden sein werden, bevor alle Punkte im Sinne der Regierung geregelt sind.

Im großen und ganzen wird aber doch wohl durch diese vielumstrittene Verordnung ein Weg ge­zeigt, der für alle gangbar i st und der der deutschen Wirtschaft die Möglichkeit einer Wie­derbelebung geben kann. Durch die Punkte der Pro­duktionsbestimmungen würde Deutschland im- stände sein, seinen Export zu erhöhen und auch die lebensnotwendigen Devisen sich zu beschossen, vor­ausgesetzt natürlich, daß die anderen Länder nicht zu starke zollpolitische Schutzmaßnahmen vorneh­men und damit die Preissenkung der deutschen Waren wieder illusorisch machen.

Bei großer Zurückhaltung schien für Aktien zunächst auf letzter Kursbasis eher etwas In­teresse zu bestehen, später überwog aber doch Abgabeneigung, so dah gegen gestern - Kursverluste von 1 b i s 2 Prozent eintraten. Pfandbriefe hatten ebenfalls sehr ru­higes Geschäft: doch war hier die Unsicherheit noch größer, weil man sich üb:r die Auswirku gm der Zwangskonvertierung noch nicht im Klaren ist. Auch eine Ermäßigung des Reichs- bankdiskontes wird notwendig, und natürlich müs­sen auch die Bankzinsen entsprechend gesenkt wer­den. Diesbezügliche Beratungen sollen bereits bei den Banken im Gange sein. Es würde dann leicht möglich sein, daß viele Mark-Guthaben, die bis­her als kurzfristige Gelder auf Bankkonto stan­den, nunmehr auf den Anlagemarkt zurückfließen, da die augenblicklichen Kurse der festverzins­lichen Werte trotz der nur 6prozentigen Berzin- sung doch noch den größeren Anreiz geben wür­den. Der Reichsbankausweis für die erste Dezemberwoche entsprach etwa den Erwartungen. Die Gold- und Devisenbestände haben sich nur unwesentlich verändert. Die Deckung hat sich um 0,3 Prozent gegen die Borwoche aus 25,6 Pro­zent gebessert.

Oie gestrigen Devisenmärkte.

Das englische Pfund, das vorgestern mit 3,2575 gegen den Dollar geschlossen hatte, eröff­nete gestern morgen mit 3,2550 und stand gegen mittag auf 3,2525. Gegen den Gulden stellte es sich auf 8,05, gegen Zürich auf 16,75 und in Paris auf 83,00. Der Dollar war eher etwas an- geboten und leichter: in Amsterdam ging er auf 247,95 zurück, in Zürich auf 514,39, in Paris lag er jedoch mit 25,5450 etwas höher. Die Reichs­mark war im allgemeinen gut gehalten. 3n Am­sterdam befestigte sie sich auf 56,90 (vorgestern Schluß 56,60), in Zürich auf 118, später ging sie aber wieder auf 117,50 zurück. 3n London stellte sie sich aus 14,20 und in Paris auf 585.

Am Rachmittag konnte sich die Reichsmark fräftig erholen. 3n Amsterdam zog sie auf 57,25 an, in Zürich auf 118,50, in London auf 14,05, während sie in Reuyork mit 23,00 unverändert blieb. Das englische Pfund war ebenfalls eine Kleinigkeit befestigt, gegen den Dollar zog es auf 3,2575 an, gegen den Gulden auf 8,08, gegen

Wessen Kind bin ich?

Vornan von Fr. Lehne.

(Urheberschutz durch C. Ackermann, Romanzentrale Stuttgart.)

24. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Inga lachte: doch es war nicht ganz ihr helles, fröhliches MädchenlachenSie sprechen schon von einem späten Alter, Herr Pfarrer, und sind doch noch so- jung soll ich nachrechnen ?

Dennoch werde ich einsam sein!"

Wie traurig seine Worte doch klangen. Inga fühlte sich ganz eigen davon berührt.

Aber, Herr Pfarrer, so weltschmerzlich?" meinte sie in einem etwas gezwungenen leichten Tone,Sie haben doch alles: Ihre Eltern Ebba, die ganz bestimmt wiederkommen^ wird, die Ge­meinde, die sie verehrt und Sie werden ein­mal heiraten: denn ohne eine Frau Pfarrer kann doch ein richtiges Pfarrhaus nicht sein."

Weshalb sie das eigentlich gesagt, wußte sie selbst nicht: etwas in ihr hatte sie dazu gedrängt, und nun wartete sie begierig auf seine Antwort.

Ich werde nicht heiraten, Komtesse!" fagt$ er einfach und bestimmt.

Warum nicht, Herr Pfarrer?"

Ein gequälter Ausdruck glitt über sein Gesicht. Sollte er ihr Jagendu bist daran schuld, weil ich dich so über alles liebe? Du trägst die Schuld, dah mein Leben einsam bleiben wird!"

Sie würde ihn auslachen, würde ihn einen Phantasten, einen Rarren schelten, der aus einer Kindersreundschast solche Folgerungen zog und seine Wünsche zu ihr, der Grafentochter, erhob!

Ditte, fragen Sie nicht, Komtesse!" wehrte er ab.

Sie tat verletzt.

Verzeihen Sie, Herr Psarrer, dah meine tfrage zudringlich war! Ich will mich wirklich nicht m Ihre Geheimnisse drängen." c rin

Hatte Inga seine Antwort so aufgefaht? Ec war todunglücklich, dah das geliebte Mädchen dadurch gekränkt war.

Kvintesse, ich bitte, so habe ich es nicht ge­meint! Und Geheimnisse habe ich nicht bis auf eins das ich hüten muh bis an mein Lebens­ende!" fetzte er ganz leise hinzu.

Gar zu gern hätte Inga nun gewußt, was das für ein Geheimnis war wenn sie es auch mit ihrem Fraueninstinkt schon erraten hatte doch sie wollte es direkt aus seinem Munde hören!

Wann hatte sie wieder einmal Gelegenheit, allein mit dem Iugendgespielen zusammen zu fein! Und sie hatte ihn doch so gern!

Was für einen durchgeistigten, edlen, gereiften Ausdruck hatte fein ebenmäßiges Gesicht wie

gut und klug blickten die braunen Augen unter der hohen, auffallend gebildeten Stirn, auf der immer eine so eigenwillige, braune, stets ver­gebens zurückgestrichene Haarlocke lag.

Du mein lieber, geliebter Christel!" dachte sie zärtlich, indem sie ihn verstohlen von der Seite ansah. Sein Blick ging geradeaus: fest lagen die Lippen aufeinander, daß sie das Geheimnis streng hüteten, lind sie setzte alles daran, es zu er­fahren, ehe sie im Dorfe waren. Ungeduld fieberte in ihr wie war er doch schwerfällig! Wenn er doch nur ein Wort sagen wollte. Sie muhte ihm wirklich zu Hilfe kommen.

Wie feierlich das klingt, ein Geheimnis bis an sein Lebensende zu hüten wie in einem KriminalromanI And wenn jemand nun nach­spürt, es zu erfahren" sagte Inga leise.

Es würde niemanden gelingen; denn die Furcht, sich lächerlich zu machen, verschlieht jedem den Mund."

Diese Furcht, Herr Psarrer, brauchen Sie am allerwenigsten zu haben"

In diesem einen Falle doch, Komtesse, sprechen wir doch, bitte, darum nicht mehr davon."

Aber Inga beharrtewer sollte über Sie lachen, Herr Pfarrer! Sagen Sie es mir doch! Ich sehe es Ihnen ja an, daß Sie einen be­stimmten Verdacht haben! Sollte gar ich es fein? scherzte sie.

Er tat einen tiefen Atemzug.

Ja, Komtesse!" sagte er dann säst schrofs.

Ich? Wie kommen Sie zu dieser sonder­baren Annahme, zu der nicht der geringste Grund vorliegt?"

Ditte, Komtesse, quälen Sie mich nicht!

Da lachte sie leise und nannte ihn, wie so oft in ihren Kinderjahren ach, der dumme Christel" (

''.Wer quält Sie denn, Christel? Sie selber quälen sich mit Ihren Grübeleien und verlieren dabei den Blick für die Wirklichkeit"

Wenn er sie nun nicht verstand, dann war ihm nicht zu helfen: mehr konnte sie ihm wahrlich nicht entgegenkommen!

Aber er hatte sie verstanden sie sah es an dem Ausleuchten seiner Augen, sah es an dem Freudenschein auf seinem Gesicht. Sie nickte ihm zu mit einem übermütigen, fröhlichen Lächeln.

Da wagte er ganz zaghaft nach ihrer Hand zu greifen, wie er sie in der Kinderzeit bei der Hand gefaßt und geführt, und wie in der Kinder­zeit sagte er;Inga, kleine Inga!"

Fest hatte sich ihre Hand in die seine ge­schmiegt, und Hand in Hand gingen sie weiter in beglückendem Schweigen.

In der Kälte verdichtete sich ihr warmer Ate.n zu leichten, weißen Wölkchen, die lustig vor ihrem Munde schwebten.

Mit frohen Augen sahen sie sich an.

Paris auf 83,18, gegen Brüssel auf 23,46, gegen Zürich auf 16,72 und gegen Madrid auf 39,65.

Schweinemarkt in Gießen.

Auf dem heutigen Schweinemarkt standen 139 Ferkel zum Berkaus. Es kosteten: Ferkel bis sechs Wochen alt 11 bis 13 Mk.. sechs bis acht Wochen alt 13 bis 15 Mk., acht bis dreizehn Wochen alt 15 bis 17 Mk.; stärkere Tiere 20 bis 25 Mk. Tendenz: Gut.

Frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a. M., 9. Dez. Es wurden notiert: Weizen, 222,50, Roggen 221,50, Sommergerste für Brauzwecke 175 bis 180, Hafer, inländischer, 155 bis 160 Mark pro Tonne. Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 mit Austauschweizen 35,25 bis 36,25, Sondermahlung 33,50 bis 34,50, Roggenmehl 30,75 bis 32, Weizenkleie 8,50 bis 8,40, Roggenkleie 9 bis 9,25 Mark pro Doppelzentner. Tendenz: matt.

Devisenmarkt Berlin Frankfurt a. 2IL

8.Dezember

9 Dez mber

Amiliche Dotierung

Amiliche Notierung

onh

3rtef

Geld

»rlei

Helsingsor» .

6,993

7,007

6,893

6,907

Wien....

58,94

59,06

57,94

58,06

Prag . . .

12,47

12,49

12,47

12,49

Budapek . .

73,28

73,42

73.28

73,42

Sofia . . .

3,057

3,063

3,057

3,063

Holland . .

169,93

170,27

169,93

170,27

Oälo ...

74,68

74,82

75,02

75,18

Kopenhagen.

75,17

75,33

75,92

76,08

Stockholm

75,17

75,33

75,67

75,83

London. . .

13,66

13,70

13,74

13,78

Buenos Aires

1,008

1,012

1,008

1,012

9?eunod . .

4,209

4,217

4,209

4,217

Brüssel. . .

58,49

58,61

58,49

58,61

Italien. . .

21,28

21,32

21,58

21,62

Paris . . .

16,48

16,52

16,50

16,54

Schweiz . .

81,77

81,93

81, 3

81,99

Svonien . .

34,61

34,69

34, 2

34,78

Danzig. . .

81,97

82,13

81, 7

82,13

Japan . .

2,058

2,062

2,0 8

2,062

Ntv de Ian..

0,244

0,246

0,2

0,246

Jugoslawien.

7,393

7,407

7, S3

7,407

Lisiadoo . .

12,49

12,51

12,74

12,76

Rund 5 Millionen Arbeitslose.

Berlin, 8. Dez. (WTB.) Die erwartete jahres­zeitliche Verschlechterung des Arbeitsmarktes ist in der Berichtszeit eingetreten. Die Zahl der Arbeitslosen nahm um rund 214000 zu und betrug am 30. November nach den vorläufigen Mel­dungen der Arbeitsämter r u n d 5 057 000. Die Zu­nahme liegt im Rahmen der Schätzungen der Reichs­anftalt. Sie beläuft sich gegenüber dem Stande Mitte des Monats auf 4,4 v. H Der überwiegend jahreszeitliche Charakter der Bewegung kommt in der Tatsache zum Ausdruck, daß die Zahl der Ar­beitslosen in den Saisonaußenberufen um 7,7 v. H., in den übrigen Berufsgruppen nur um 2,4 v. H. gegenüber dem Stande vom 15 November zugenom­men hat.

Seit dem sommerlichen Tiefstand war in diesem, wie im vorigen Jahre eine Zunahme der Arbeits­losenzahl um etwa 1,1 Millionen zu verzeichnen. Der Stand der Arbeitslosigkeit ist jetzt, ähnlich wie im Sommer, um etwas über 1,3 Millionen höher als zu den Vergleichszeiten des Vorjahres.

Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger be­lief sich am 30. November auf insgesamt rund 2 772000. Im einzelnen betrug sie in der Arbeits­losenversicherung rund 1 366 000 und hat seit Mitte des Monats eine Steigerung um rund 118 000 er­fahren. Hauptunterstützungsempfänger in der Kri­senfürsorge wurden, nach einer Zunahme um rund 24 000, Ende des Monats rund 1 406 000 gezählt.

Melchior berichtet in Bafel.

Im letzten Halbjahr eine Milliarde Kredite zurückgezahlt

Bafel, 8. Dez. (WTB.) Der Beratende Son­derausschuß hat nach Erledigung einiger tech­nischer und organisatorischer Fragen, die ihm durch die Bestimmungen des Voung-Plans und den deutschen Antrag vom 19. Rovember zuge­wiesene Ausgabe in Angriff genommen. Der deutsche Vertreter Dr. Melchior erstat­tete ein Expo ss über die allgemeine W i r t s ch a f t s- und Finanzlage Deutsch­lands unter Berücksichtigung der neuesten Zah­lungsbilanz. In seinen Darlegungen hat Dr. Melchior sich hauptsächlich mit der kurzfristig gen -Verschuldung Deutschlands befaßt. Dr. Melchior hat darauf hingewiesen, dah der Aktivsaldo der deutschen Handelsbilanz im letz­ten halben Jahr durchschnittlich 350 Millionen Mark betragen habe. Trotz dieses günstigen Sal­dos habe sich die Deckung der Reichs­bank weiterhin verschlechtert. Die Reichsbank schätze, dah Deutschland in den letzten sechs Monaten ungefähr eine Milliarde kurzfristige Kredite zurückgezahlt habe.

Die Ausführungen Dr. Melchiors waren außer­ordentlich ausführlich gehalten und mit genauen zahlenmäßigen Angaben belegt. So führte er z. B. bei seinem Hinweis darauf, daß der Betrag der kurzfristigen Kredite erheblich höher sei als i ni Wiggin-Bericht angeführt wird, aus, daß es sich hierbei um den Unterschied von vier Milliarden handele, in dem sich diese kurzfristigen Kredite auf ungefähr 12 Milliarden anstatt 8 beliefen. Bei feinen Erklärungen über die Deckung der Reichsbank führte Dr. Melchior an. daß diese von ungefähr 30 v.H. auf etwa 12 v. H., wobei die Verpflichtungen in

Riemand begegnete ihnen; weiß lagen die Fel­der um sie her: vom blauen Himmel strahlte hell die Sonne, und Sonne war auch in beider Herzen.

Anwillkürlich gingen sie langsamer, um das Glück dieses Beieinanderseins auszudehnen.

Inga blieb jetzt stehen: man war dem Dorfe nahe. Gar putzig mit den weihen Schneehauben lagen die Häuser da, aus deren Schornsteinen Rauchwolken kerzengerade in die klare Lust stiegen.

Ihr Geheimnis, Christel, habe ich es erraten? fragte sie leise.

Er prehte ihre Hand, dah es ihr wehe tat.

Ach, Inga, kleine Inga, gibt es denn so viel Glück?"

3a, Christel, es gibt so viel Glück! Rur Mut muh man dazu haben, und Selbstvertrauen! Man darf sich selbst nicht zu gering einschähen. Ein jeder hat das Richt, nach den Sternen zu greifen!

Ihre Worte liehen nur eine Deutung zu.

Aus seinen Augen brach ein Leuchten, wie sie es noch nie in eines Menschen Auge gesehen! Er nahm ihre Hand und legte beinahe andachtsvoll seine Lippen darauf.

Sobald die Sache mit Ebba geklärt ist, werde ich mir das Recht nehmen und nach meinem Stern greifen!

3a, Christel, wenn es auch Kämpfe kosten wird! Aber der Stern ist ein Fixstern: er ist nicht wandelbar, er leuchtet nur dem einen! sagte 3nga einfach und schlicht.

Ich habe Geduld und Mut, nun ich weih, daß ich hoffen darf! Ich werde um dich kämpfen und werde um dich dienen, 3nga! Denn du bist der Stern meiner Kindheit mnd der Stern meiner Iünglingsjahre gewesen. Deinetwegen nur wäre ich einsam und allein geblieben, weil ich dich über alles liebe! And wenn ich sieben Jahre, wie Jakob um Rahel, um dich dienen soll

so werde ich mit dir warten! Denn einem anderen als dir, Christel, werde ich nie ange­hören!"

Inga verhehlte sich nicht, daß es schwere Kämpfe in der Familie geben würde, bis sie ihren Willen durchgeseht; aber ihr Lebensglück war Christel Lenz!

Sie sahen sich beide tief in die Augen.

Sehnsüchtig blühten ihre Lippen ihm entgegen. Da wagte er, seinen Mund auf den jungen un­berührten Mädchenmund in einem innigen Kuh zu legen; und scheu und innig gab sie ihm den Kuh zurück.

Ach, Christel!" flüsterte sie, blutübergossen.

Wie Feuer sloh es durch ihre Adern; am lieb­sten hätte sie ihre Arme um seinen Hals ge­schlungen und sich an ihn geschmiegt. Sie war ihm so über alle Mähen gut! And sie schämte sich auch nicht, dah sie es ihm zu verstehen gegeben; denn längst hatte sie es gesuhlt, als halbes Kind noch, wie der Lenz' Christel sie verehrte. Aber in seiner Bescheidenheit würde er nie gewagt

fremder Währung abgezogen worden seien, ge­sunken sei.

DieRationalzeitung meldet, dah die Erklä­rungen Dr. Melchiors über die Aufrecht- erhaltung des Goldstandards in Deutschland in den Kreisen der englischen Dele­gation des Beratenden Sonderausschusses beson­dere Aufmerksamkeit gefunden hätten. Die in dem Kommunique enthaltene Feststellung, dah die deutsche Währung heute nur noch bis zu 12 Prozent gedeckt sei, erklärt sich daraus, daß der von den Rotenbanken Frankreichs, Eng­lands und der Bereinigten Staaten vor einigen Monaten der Reichsbank gewährte Goldkredit von 60 Millionen Mark, der heute noch in der Währungsdeckung einbegriffen ist, als kurz- fristige Schuld in Abrechnung ge­bracht worden ist.

Schon der bisherige Verlauf der Beratungen hat ergeben, daß gegenüber dem Layton-Bericht in den für die Zahlungsfähigkeit Deutschlands maßgebenden Faktoren wert gehende Verschlechterun­gen eingetreten sind, und daß die damaligen Fest­stellungen des Wiggin-Ausschusfes, der bekanntlich eine Reihe Delegierter ebenfalls angehörte, durch die Entwicklung der Krise bestätigt und un­terstrichen worden sind. Die neuen Maß­nahmen der Reichsregierung und die Erklärung des Reichskanzlers haben hier einen starken Eindruck gemacht, besonders in amerikanischen Kreisen. Man'sieht darin einen weiteren Beweis für die Entschlossenheit der Regierung, die Dinge zu meistern, soweit es in ihren Kräften steht. Franzö­sische Kreise sehen jedoch in der Notverordnung in erster Linie ein Mittel, um dem Sonderausschuß gegenüber eine G e st e zu machen. Es ist bezeich­nend, daß die Franzosen sich vorläufig mehr für den Teil der Maßnahmen interessieren, die sich auf die Aufrechterhaltung der inneren Ordnung beziehen, man erklärt, es müsse sich erst zeigen, ob diese Maßnahmen wirksam und erfolgreich sein werden.

haben, es ihr zu sagen; darum hatte sie ihm diese Drücke bauen müssen, damit auch sie zu ihrem Glück kam.

And man war noch jung und konnte warten!

15.

3ft der Brief fertig?

3a, gnädige Frau! Wie bin ich Ihnen doch dankbar, dah Sie mir die Briefe an meine Eltern vermitteln! Zu Mutteru-ens Geburtstag, am fünf­zehnten Februar, darf mein Glückwunsch doch nicht fehlen! Ich habe geschrieben, wie gütig gnädige Frau sind!"

Die wollen wirklich dem Geburtstag fern- bleiben? zögernd beinahe fragte es Frau Angela, als ob sie eine enttäuschende Antwort fürchtete.

Ebba nickte. In ihren Augen blinkten Tränen. Doch mit aller Kraft unterdrückte sie die schmerz­liche Anwandlung und fragte dann ablenkend:

Darf ich jetzt den Tee bereiten?

Ja, mein Kind, tun Sie es!"

Sinnend folgten Frau Angelas Augen den anmutsvollen Bewegungen des jungen Mädchens, das sich in der kurzen Zeit, in der sie bei ihr war, staunenswert entwickelt hatte in Grazie und ge­wandtem Benehmen. Eine starke, ihr unerklärliche Sympathie zog sie zu ihrem Schützling. Aengstlich sah sie jeden, Morgen entgegen, an dem das Mädchen vielleicht sagen würdeich möchte doch wieder heim!" Denn nimmer hätte Angela sie missen mögen!

Wärme lag in dem mit feinstem Geschmack ein­gerichteten Raum, dessen Wände mit einem mat­ten Taubenblau bespannt waren. Einige sehr farbig gehaltene kleine Landschaftsbilder in Eben­holzrahmen gaben im Verein mit den in allen Farben blühenden Hyazinthen vor dem großen Fenster dem Raume Stimmung und Leben.

Frau Angela sah in einem tiefen Sessel, neben sich den mit allerhand guten Sachen bestandenen Teetisch.

Sie war ein wenig müde; es war jene Müdig­keit nach einer großen Anstrengung, die man im wohlverdienten Ausruhen beinahe angenehm emp­findet, wenn man dem Körper und dem Geist für eine Weile völlige Entspannung gönnen darf.

Wohltuend empfand sie die Stille um sich her. Ihre junge Gesellschafterin sprach nur, wenn sie gefragt wurde, und dann mit einer so weichen, klingenden Stimme, dah ihr verwöhntes Ohr nur angenehm davon berührt wurde.

Die schlanken Finger des Mädcheirs mühten sich mit einer wunderfeinen Strickdecke.

Hören Sie auf, Kind, es fängt an zu däm­mern!

Gehorsam legte Ebba ihre Arbeit beiseite, nach­dem sie sie sorglich eingewickelt.

(Fortsetzung folgt.)