Ausgabe 
9.12.1931
 
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Ein Gang durch einen modernen Mikereibeirieb

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dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der beschäftsstelle auf.

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auf genommen, tat Spiel der beiden Liebenden, toerm sie sich felbft überlassen sind, unglaublich verinnerlicht un6 kaum wieder erreichbar. Aber das sind wenige Höhepunkte deS sonst stark über­schätzten Film-, dessen zauberhaft musikalische Thöre mm auch allzu sehr einstudiert klingen.

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Führung der Kasse betraute 1. Brandmeister Lu­dolf Rödiger das Wort. 3n längeren Aus­führungen gab Kamerad Rödiger die von dem früheren Rechner R i e b e l begangenen Unter­schlagungen bekannt, die von den anwesenden Ka­meraden mit berechtigten Entrüstung-rusen zur Kenntnis genommen wurden. Rach der von Ka­merad R ö d i g e r vorgenommenen Rachprüfung der Kassenbücher besteht am 1. Oktober 1931 ein Defizit in Höhe von 1595,82 Riark, die auf Konto Riedel zu buchen sind. Durch Ehren­gericht wurde R i e b e l auS der Wehr aus­geschlossen. Die ©eneralpcrfammlung befürwortete diesen Beschluß deS Ehrengerichtes. Kamerad R 6 b i g e r wurde auf Vorschlag von der Ge­neralversammlung mit der Kasfenführung bis zur ordentlichen Generalversammlung im nächsten Jahre betraut. Drandinspektor Wenzel und Brandmeister R ö d i g e r wurden mit der Wah­rung der weiteren Interessen der Wehr beauf­tragt. Bei der Ersatzwahl eine- Beisitzers wurde Kamerad Heinrich W i n n e ck e r gewählt. Die Sterbeunterstützung wurde wieder auf 200 OH art festgesetzt. Brandinspektor Wenzel forderte die Kameraden auf, trotz des schweren Verlustes an dem WahlspruchEiner für alle alle für einen festzuhalten, dann werde auch dieser Ver­lust überwunden werden. RkitGut Wehr" schloß nach Erledigung einiger Anfragen Brandinfpek- lor Wenzel die Versammlung.

*e Das Leipziger Soloquartett für Kirchengesang bereitete am Montagabend in der Stadttirche einer andächtigen Gemeinde eine schöne Feierstunde. Das Quartett ist längst be­kannt dafür, baß es nicht nur ein technisch voll­kommenes Singen, sondern eine innerlich wahrhaf­tige Wiedergabe des religiösen und musikalischen Inhalts der alten Schätze unseres Kirchengesangs Pflegt. Das gelang wieder auf« beste. Es war eine reine Freude, diese vier Stimmen ineinander­klingen zu hören. Ihre Kräst füllte die Kirche

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naturgemäß einfach, immerhin stehen jetzt Blumen auf den Tischen, für die Besucher sind illustrierte Zeitungen und allerlei Gesellschaftsspiele vor­handen, damit sie sich die Zeit vertreiben können. Radio ist ebenfalls aufgestellt worden. Ein guter Ofen wird das Zimmer warmhalten und selbst für strenge Wintertage angenehmen Aufenthalt gewährleisten.

Mit der Einrichtung dieser Wärmestube wollte die Sanitätskolonne nach Kräften ihr Teil zum Winterhilfswerk beitragen. Der Gedanke der Schaffung einer solchen Einrichtung darf als sehr glücklich bezeichnet werden, und der Sanitäts- tolonne gebührt alle Anerkennung für diese Ar­beit. Diese Wärmestube dürfte zweifellos das wird sich in den Tagen, da die Kälte den Aufent­halt im Freien unmöglich macht, erweisen einem Bedürfnis entsprechen, das bereits im vergange­nen Winter in Erscheinung trat. Allerdings wäre es der Sanitätskolonne nicht möglich gekvesen, allein und aus eigenen Kräften diese Einrichtung au schaffen, wenn nicht eine Anzahl hiesiger Ge­schäftsleute in dankenswerter Weise ihre Unter» stühung zugesagt hätten. So haben z. B. die Fir­men Fischer, Sauer, Lotz, Kahl, Glatt- Haar und Katz durch die Stiftung von Brenn­material der Sanitätskolonne die hauptsächlichste Sorge abgenommen. Einige andere Geschäftsleute stifteten Einrichtungsgegenstände, die Firma Brinkmann gab einen schönen Radioapparat, der nicht nur ein sehr praktisches Geschenk, son­dern auch ein Schmuckstück darstellt. Einige Bar­geldspenden kommen der Sanitätskolonne bei der Durchführung dieses Hilfswerkes außerdem zu­statten. Es ist erfreulich, daß auch die Geschäfts­welt trotz aller wirtschaftlichen Sorgen immer noch zu Opfern bereit ist und dies in diesem Falle wieder bewiesen hat.

** Veterinärmedizinische Fakultät. Von der Pressestelle der Landesuniversität Gießen wird mitgeteilt: Dr. med. vet. Jürgen Witte, der sich für das Fach der Veterinärhygiene und Seuchen- lehre zu habilitieren wünscht wird Freitag, 11. De­zember, 18 Uhr c. t., im Hörsaal des Veterinär- hygienischen und Tierseucheninstituts, Frankfurter

Straße 87, über das Thema:lieber bie non gauf­rieren auf den Menschen übertragbaren InsekrioN»- krankheiten" eine Probevorlesung halten.

Die Volkshochschule macht darauf auf­merksam, daß die beiden nächsten Kursabende de» Kurses «Lebensnahe Psychologie" im Psychologischen Institut, Friedrichstraße 24III (Eingang an der Schmalseite des Instituts), stattiinden, und zwar pünktlich um 20 Uhr. (Siebe heutige tintige.)

"DieGießener Freiwillige Feuer­wehr hielt am Montag imFrankfurter Hof eine außerordentliche Generalversammlung ab, die von 85 Kameraden besucht war. Brandinspek- tor Wenzel leitete die Versammlung und be­grüßte die Kameraden, sowie Herrn Brand­direktor Braubach. Zu Punkt 1 der Tages­ordnung erhielt wie man uns berichtet. nach­dem der frühere Rechner Riebel bereits am 19. Oktober seines Amtes als Rechner und sämt­licher Tätigkeit innerhalb der Wehr enthoben war, der bis zur Reuwahl eines Rechners mit der

Merkwilch

geht einen anderen Weg. Raturgemäß wird auch diese Milch zuerst gereinigt, in einer besonderen Maschine abgerahmt, der Rahm wird dann in der gleichen Weise wie die Frischmilch pasteuri- fiert Die Magermilch, sowie der Rahm fließen dann in besondere Behälter. Während die Ma­germilch der Käse- und Quartbercitung zugeführt wird, bleibt der Rahm einige Zeit in einem Bot­tich stehen, wird mit einem sog. .Säurewecker ver­setzt und so für die Butterherstellung vorbereitet. Das Buttern geschieht in einer großen Trommel, aus der das Endprodukt fertig entnommen wer­den kann Hat die Butter noch die Formmafchine passiert und ist sie außerdem durch eine einfache Vorrichtung in Stücke geschnitten, bann erfolgt sofort die Verpackung. BiS zum Verkauf wird die Butter ebenfalls in einem geräumigen Kühl- raum aufbewahrt.

Der ganze Dorgang der Milchbearbeitung. sei es als Frischmilch oder a's Baffer, spielt sich ab, ohne daß eine Hand mit dem Material oder mit dem Fertigprodukt direkt in Berührung zu kommen braucht.

Reben den Anlagen für die Herstellung von Butter find auch Einrichtungen getroffen für die Bereitung von Poghurt. Käse, Quark, Sahne usw Es braucht kaum besonders be.ont zu toerben, baß für bie Reinigung der Kannen und der Flaschen ebenfalls Maschinen zur Verfügung stehen. Für den Wasserverbrauch ist ein eige­ner Brunnen vorhanden, eine EnteisenungS- anlage reinigt daS Wasser, Heißdampf und Heiß- wafserbereitungSkessel fehlen ebenfalls nicht und eine GiSanlage ist auch eingebaut. Alle technischen Hilfsmittel sind also in ausreichendem Maße vorhanden. Die Einrichtung deS gesamten Be­triebes entspricht in jeder Hinsicht modernen Er­fordernissen.

Wenn Ihre

Empfehlungsanzeige

in der Freitags- oder in der Samstaga­nummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung

Seit einiger Zeit hat die Molkerei ®cbr. Grieb ihren Betrieb in bad neu errichtete Gebäude am Pfarrgarten verlegt, ba die bisherigen Räume nicht mehr ben mobemen Anforberungen ent­sprachen. Die neuen Anlagen werben ben Vor­aussetzungen wirtschaftlicher Betriebsführung, wie auch allen hygienischen Erforbernifsen gerecht. Der mit mobernsten Maschinen eingerichtete Betrieb ermöglicht eine rasche Bearbeitung bet Milch auf dem Wege von den Erzeugern zum Konsumenten. Der Weg, ben die Milch in der Molkerei zu gehen hat, sei in kurzen Zügen bargelegt.

Täglich werden etwa 10 000 Elfer Milch verarbeitet.

Ein Drittel bet von Hofgütern unb Gemeinben angelieferten Milch wirb als Frischmilch be- banbelt, bie übrigen zwei Drittel bienen der Her­stellung von Butter, Käse, Quark, Voghurt, Sahne usw. Auf breiter Anfahrt wirb bie Milch an bie Rampe gebracht, sofort gewogen unb bann in bie Milchreinigungsanlage transportiert. Im weiteren Verlauf bes Arbeitsprozesses wirb sie auf einer Berieselungsanlage auf 35 Grad Celsius erwärmt, im Dauerheißhalter auf 65 Grad erhitzt, eine halbe Stunde lang auf dieser Tem­peratur belassen und dadurch pasteurisiert.

keimfrei verläßt die Milch den Dauerheißhaller.

Run wird sie über einen Vorkühler und dann über einen Tiefkühler geleitet, der ihre Tempera­tur auf 3 Grad Celsius herabdrückt. In großen glasemaillierten, isolierten Stahlbottichen (die mit je einem Rührwerk versehen sind) wird die Milch bann bis zur Abgabe an Hänbler unb Filialen aufbewahrt. Ein sinnreicher Mechanismus er­möglicht schnelle Abfüllung bet großen Kannen; für bic Flaschenabfüllung steht ein automatischer Füllapparat zur Verfügung. Für bic Flaschen­milch ist ein besonderer Kühlraum vorhanden. Don Zeit zu Zeit werden Stichproben über Reinheit, Fett- und Wassergehalt der angelieferten Milch durchgeführt. Die sog.

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Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 9.Dezember 1931.

Mehr Einsicht und helfen!

Es ist verständlich, daß man in Notzeiten, wenn einem das Messer an der Gurgel sitzt, Umschau hält und sich fraal:Wer ist schuld an dem Unglück? Leider vergißt man dann sehr oft, vor der eigenen Tür zu kehren. Es ist immer der andere.

Gar manches würde sich auch im öffentlichen Le­ben ändern, wenn man mehr Einsicht und Selbst- erkenntnis zeigte. Ist es denn eine Schande, einzu­gestehen, daß man sich irrte, oder einen Fehler be­ging? Jeder täuscht sich einmal, jeder tapot sicher ein- mal im Dunklen. Wie leicht läßt man sich von äuße­ren Einflüssen und Verhältnissen verleiten, große Pläne auszuarbeiten und munter mit der Aus­führung zu beginnen. Gibt es dann einen Rück­schlag, dann greift man sich nicht an den eignen Kops, sondern geht meist yin und sagt:Wenn die andern die Sache nicht verdorben hatten..."

M e h r Selb st Verantwortung! Nicht olles auf seine Nächsten abschieben! Es gilt immer noch der alle Soruch:Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Leider glaubt mancher, die Nächsten besser zu kennen, als sich selbst Die eige­nen Schwächen will man sich nicht eingestehen, bei den Mitmenschen aber ist man geneigt, sie zu ver­größern, ja zu verzerren. Das ist bequem, im Grunde genommen aber feige. Jeder müßte viel mehr auf seine Gedanken unb auf sein Tun achten, als immer nach dem Nachbar schauen und dort etwas aussetzen. Wenigstens über kleine Schwächen und Sonderlichkeiten der Mitmenschen sollte man binwegsehen; denn diese Kleinigkeiten und eine lieb- lose Kritik an ihnen bringen den meisten Merger in die Welt.

Wenn man versuchte, sich in andere hineinzu- denken, ihr Handeln zu begreifen, wäre schon vieles gewonnen. Aber man darf nicht sofort mit der scharfen Zunge einsetzen und alles verurteilen, das nicht der eigenen Ansicht entspricht.

Statt Kritik, statt Schimpfen, sollte man nach- denken und helfen, wenn man baju in der Lage ist. Die Unzufriebcnheit wirb durch «chimpfen nur vergrößert. Unb nichts wirkt anfterfenber, als das ewige Kritisieren an den bestehenden Zuständen. Es sollte jeder fein Teil dazu beitragen, daß es besser wird. Bor allem aber muß man an diejeni­gen denken, die noch schwerer zu tragen haben, als viele von denen, die heute noch wirken können. Wie viele stille Not ist in Deutschland! Sie ist nicht bei denen am größten, die von Haus zu Haus gehen unb das Mitleid ihrer Mitmenschen anrufen. Nie­mand kann in bie Wohnungen sehen unb ermessen, welches Leib, ja welche Verzweiflung oft herrscht

Aber « gibt Gelegenheit genug, zu helfen. Unb bavon Gebrauch zu machen, soweit es nur geht, sollte jebermanns Aufgabe sein, nicht aber einzig unb allein immer nur auf bie schlechten Zeiten schimpfen unb anbern bie Schuld geben. Z.

EineWärmestube der Sanitätskolonne.

D.e Gießener Freiwillige Sanitäts­kolonne vom Roten Kreuz hat in ihrem Depot. Sonnenstraße 2. eine Wärme st ube ein­gerichtet. die am heutigen Mittwoch ihrer Be­stimmung übergeben wurde. Die Wärmestube ist für jedermann gedacht, insbesondere soll sie alten, minderbemittelten Personen dienen, die nicht immer in der Lage sein dürften, sich ausreichend mit Brennmaterial zu versorgen. Die Stube wird in der Zeit von 10 bis 18 Uhr ständig geöffnet fein. Der Raum, der bisher der Abhaltung von Kursen diente, wurde mit sauberen Tischen und Stühlen versehen. Die gesamte Einrichtung ist

In Anwesenheit von Bürgermeister Dr. Hamm, des Vorsitzenden des Roten Kreuzes in Gießen Oberstudiendirektor Dr. Baur. Frau Professor Kramer vom Alice-Frauenverein und des Ko­lonnenarztes Dr. Kortüm wurde gestern vor­mittag bie Wärmestube ihrer Bestimmung über­geben. Kolonnenführer Kratz schilderte in kurzen Zügen den Zweck, dem die Wärmestube dienen soll.

Vornotizen.

Tageskalender für Mittwoch: Ltadttheater Gießen,Wilhelm Teil', 19.30 bis 22 Uhr. Oberhessischer Kunstverein, Künstler- Hilfe, TurmhauS am Brandplah, 15 bis 17 Uhr. Frauengruppe des VDA, 16 Uhr, Kath. Der- einshaus, Krippenspiel. Akadcnnische Orts­gruppe des VDA. 20 üfjr, Großer Hörsaal der llnioerfität, Vortrag überVolk. Staat und Kirche in Südamerika". Lichtspielhaus, Bahn­hofstraße,Er und fein Diener"'.

Dom Konzertverein wird uns getrie­ben: Es sei nochmals auf das am Sonntag, 13. De- zember, 17 Uhr, in der Universitätsaula ftattfinbenbe Konzert der jungen Pianistin Lubka Kolessa hin- aewiesen. Das Programm, das sie sich gewählt hat, lautet folgendermaßen: 1. Vivaldi: Orgelkonzert D°Moll. 2. Chopin: Sonate B-Moll. 3. Liszt: Pa- Sanini Etüde E-Dur unb Valse Impromptu, 4. De- ussa: Suite pour le piano. Der Klavierabend ver­spricht allen Musikfreunden einen erlesenen Genuß. Näheres in ben Anzeigen.

Gießener Estadttheater.

Schiller:Wilhelm Teil".

Wir haben ben .Teil" hier seit Jahren nicht mehr auf ber Bühne gesehen, unb es ist sicher gut unb richtig, bem Sturm unb Drang berLuise Millerin" und der romantischen .Jungfrau" den freiheitlich-nationalen .Teil" folgen zu lassen, das letzte große Dramcntoerf, das vollendet aus Schillers Hand hervorging, und von dem der Dichter nach der ersten Ausführung (17. März 1804) selbst gesagt hat.Ich fühle, daß ich nach und nach des Theatralischen mächtig werbe". In diesen Worten ein Jahr vor seinem Tode ist wohl schon alle Tragik eines schmerzlich frühen Aus­klangs und einer in der Fülle und Reise schöpfe- rischcr Kraft jäh abbrechenden Lebenslinie be­schlossen.

Was ist nun heute noch über dieses Schauspiel vorzubringen, das nicht längst gesagt, gelehrt, ge­lernt und Allgemeingut geworden wäre? Es ist vielleicht das populärste Stück des volkstümlichsten unter den deutschen Klassikern; es wird ausführ, lich in den Schulen gelesen, eS ist eigentlich d a S gegebene Objekt für Volks- und Schülervorstellun- gen. cS ist das Drama, daS neben demFaust" und demTasfo" die meisten geflügelten Worte aufweist, die berühmtesten Szenen Rütli, Apfelfchuß, hohle Gasse und Verse, die der Besucher, zumal ber jugenbliche, im Stillen und Dunklen, geläufig mitdeklamiert.

Es ist wohl auch hinreichenb bekannt, daß der Stoff eigentlich Goethe zuerst gehört hat, bet ernstlich an eine epische Gestaltung dessen dachte, wozu ihn die Schweizerreise vom Herbst 1797 an­geregt hatte; daß er den Plan hegen ließ und uicht wieder darauf zurückkam; baß Gerüchte und Anfragen von ben Bühnen auftauchten, wonach Schiller an bem Stoff arbeite; zu einem Zeit­punkt schon, als weder Schiller ernstlich an eine Ausführung dachte, noch Goethe bem Freunde den Stoffgern und förmlich" überlassen hatte. l.Tag- und Iahreshefte 1804.)

Schließlich hat doch der schweizerische Stoff in Schillers Plänen bic ursprünglichere Beschäftigung mit bem als Szenarium und Fragment erhaltenen ..Warbeck" verdrängt und sich trotz vielen Schwie- rigkeiten und Bedenken behauptet. 2In Körner schrieb der Dichter 1802:Du hast vielleicht schon im vorigen Jahre davon reden hören, baß ich einen B>ilbeim Teil bearbeite Es war mir niemals in ben Sinn gekommen. Weil aber bie Rachfrage immer wiederholt wurde, so wurde ich aufmerksam

daraus und fing an, Tschudis schweizerische Ge­schichte zu studieren. Run ging mir ein Licht auf, denn dieser Schriftsteller hat einen so treuherzigen herodotischen, ja fast homerischen Geist, daß er einen poetisch zu stimmen im stand ist".

Alpb wenn Schiller ferner von einer Gestaltung dieser dramatischen Fabel als von einerverteu- feiten Aufgabe" sprach, so erinnert man sich wohl vor allem der oft besprochenen unb betounberten Tatsache, baß gerade dieses in seinem Lokalkolorit und seiner Raturschilderung so ursprünglich und bodenständig anmutenbe Werk von einem Wanne geschaffen wurde, ber selbst die Schweiz nie ge­sehen hatte.

Trotz vielen Schwierigkeiten also, trotz manchen Einwenbungen auch gegen tat Vollenbete Werk unb trotz feiner keinesweas einheitlichen HanblungS- führung ist der .Teil" unter den Schillerschen Stücken vielleicht gerade deswegen so beliebt ge­worden, weil in ihm das Historische sich mit dem Zeitlichen und Gegenwärtigen am ehesten in ®in- klang bringen ließ, weil der mächtige Appell an das nationale Bewußtsein nie ohne Widerhall blieb; und immer ist ja auch derTeil" ähnlich wie dieHermannsschlacht" von Kleist, mit Recht oder Unrecht, als die poetische Verkündigung der bald danach anhebcnben, weltgeschichtlichen Ereignisse empfunden worden.

Die Bühnenform des Stückes ist schon früh gewissen Eingriffen ausgesetzt gewesen. Isflanb mente bereits für bic Berliner Aufführung über­ängstlich die berühmten Verse von der Tyrannen­macht aus, während man in Weimar bie von Schiller sehr geflissentlich eingeführte Parricida- Szene beS fünften Aktes tilgte. Später bilbetc sich bann eine Theater-Tradition aus, die erst nach dem Kriege durch Iefsners vielumstrittene In­szenierung (.auf der Treppe") empfindlich unb grundsätzlich durchbrochen wurde.

Die Reueinrichtung unter der Regie von Peter Fas sott bot eine sehr felbftänbigc und un­konventionelle Fassung, bic sich rem äußerlich durch energische, aber recht geschickte Kürzungen auSzeichnete. ES sind ba unter anberem der ly­rische Ratureingang bes ersten Aktes, bie Zwing- Uri-Szenen, die Szenen der Bertha. Teile des großen Monologs und wie üblich die Parricida-Szene Im gekürzten Schlußakt ver­schwunden.

Doch auch wem mancher vertraut gewordene Vers und gewohnte 2£uftritt im Gefüge des Ganzen fehlte, wird zugestehen, daß bie Kürzun­gen einer nicht nur äußeren Konzentration des Stückes merklich zugute kamen Sie verschie­denen Handlungsphascn wurden so näher anein-

andergerückt zu einheitlicher Wirkung. Ton und Stil des Dramas waren nach Möglichkeit aller Pathetik und lauten Geste entrückt, ohne daß damit dem echten unb großen Schwung ber Dich­tung Gewalt angetan worden wäre.

Durchaus im Zentrum bet Aufführung stand nicht nur äußerlich die Apfelschuß-^zene, die theatralisch geschickt gestellt, dramatisch vor­trefflich gestuft, die Volkshandlung (im doppelten Ansturm der empörten Menge) mit der Einzel- Handlung (Teil Geßler) in Einklang brachte und von unmittelbar lebendiger Wirkung war. Gut gegliedert auch, bei schöner Bildwirkung, der nächtliche Rütli-Schwur, die stürmische Melch- thal-Szene und Allinghausens feierlicher Tod mit den berühmten Versen.

Die Telorationen von Löffler erschienen bei aller Einfachheit nicht ohne Phantasie, auf große strenge Linienführung und richtige Raumvertei­lung bedacht; die Beleuchtung (Keim) war den wechselnden Raturstimmungen sorgfältig angepaßt.

Den Teil spielt Hauer nicht als den ge­wichtigen, bartumtoalten Biedermann, den man meistens sieht, sondern jugendlicher, dem Stil der Ausführung entsprechend ganz unpathetisch, ganz natürlich und einfach; auch im Tonfall unb Fluß der Verse angenehm gelöst und ungezwun­gen; die männliche Gestalt schlicht unb nur vom Menschlichen her geformt. waS vor allem der Apfelschuß-Szcne sehr zugute kam. ES war eine schöne und sehenswerte Leistung.

Die Darstellung deS Geßler, anfänglich starr festgelegt, ist im Laufe der Zeit ein wenig von ber einen ober anderen Eharakterseite her inbi- vidualisiert worden; viele Möglichkeiten gibt eS freilich nicht, dazu ist die Gestalt im Tert zu eindeutig abgegrciut. Herr Heyser verzichtete auf den tobenden Wüterich mit Schaum vor dem Munde: er gab den Landvogt überwiegend ocr- halten, bleich, höhnisch, in der Apfelschuß-Szene mit einer abgemessenen, rachsüchtig auskoftenben Grausamkeit; erst zuletzt mit ber unverschleiert ausbrechenden Brutalität, mit der andere seinen Austritt beginnen.

Für den Welch thal war S che l ch e r der ge­gebene Mann: sein stürmisches, heftig losbrechen- des Temperament war der berühmten Szene (I 4) im Hause des Walter Fürst recht angemessen; doch behielt er stimmlich und darstellerisch stets den Ueberbüd über die Möglichkeiten seiner Rolle.

Sehr nobel und eindringlich sprach Wolfgang Kühns dis bedeutenden Worte des Alling-

hausen. Fassott selbst gab kernig und mit starkem Ausdruck die männliche Gestalt des Staus­facher. V o l ck. vortrefflicher Schiller-Sprecher, spielte mit würdiger Haltung den greifen Walter Fürst. Janscheck stellte, als Ulrich von Rubenz, einen ritterlichen jungen Kavalier von knappem Umriß (und freilich ohne alle roman­tischen Zugeständnisse: die LiebeSszene war ge­strichen).

Die Frauen kommen meist in diesem Männer­stück ein wenig zu kurz; doch sah man schön« und abgerundete Leistungen: Maria Koch «Ger­trud); Edith Berger (Hedwig); Beatrice Doe- r in g (Armgard-; Grifft) Eaftein (WalterTeil). Walter MichelS stürmifcher Baumgckrten, Geigers maßvoll bedächtiger Röffeunann, Hub und Bruck (die beiden Söldner) rundeten das Ensemble angenehm ab.

DaS Publikum dankte mit kräftigem Beifall, den der Spielleiter zum Schluß inmitten der Darsteller entgegennehmen konnte. hth.

Lochschulnachnchten.

Professor Dr. jur. Friedrich Klausi ng in Frankfurt a. M. hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl für deutsches bürgerliche» Recht in Marburg angenommen Der au» M - Gladbach stammende Rechtslehrer wirkte früher al» hauptamtlicher Dozent bzw als Direktor der Han­delshochschule München. 1921 kam er al» Orbinariu» unb Nachfolger von H. Planitz nach Frankfurt. Eine Berufung an bie Prager beutfche Universität hat er abgelehnt.

Professor Dr. Rich. Harder in Stuttgart hat den an ihn ergangenen Rus auf den Lehrstuhl der Botanik an der Universität Göttingen als Rachfolger von Professor Fritz von Wettstein an- genommen.

Zur Wiederbesetzung des durch die Emeritierung von Professor A. Ungnad an der Universität B r e » l a u erledigten Lehrstuhls der Assyriologie ist ein Rus an Professor Dr. Theo B a u e r in R o st o ck er­gangen.

Der außerordentlichc Proseflor Dr. Hermann Iahrrei » in Leipzig hat einen Ruf auf den Lehrstuhl für öffentliches Recht an der Universität Greifswald als Nachfolger von G. Leidhofz er- halten.

Professor Dr. rcr. pol., Dr. jur. Walter Wed­digen von der Universität München hat einen Rus aus den durch das Ableben von Pros Schul­lern an ber Universität Innsbruck erledigten Lehrstuhl ber politischen Oekonomie unb Statistik angenommen.

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