Ausgabe 
9.11.1931
 
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DerMkerbundsralnachpansemberusen.

Neue Beschwerdenote Chinas über die Vorgänge in der Mandschurei.

Genf. 7. Nov. (WTD.) Der Dölkerbundsrat tritt am 16. November in Pari- zusammen. Briand hat al- Präsident des VölkerbundSrats einen neuen dringenden Appell an die Regierungen von Tokio und Nanking gerichtet und sie ersucht, ihren Befehlshabern Weisungen zu er­teilen, um weitere blutige Zusammenstöße »wi­schen den beiderseittgen Streitkräften zu verhin­dern. Er erinnere daran, daß die Vertreter Chi­nas und 3apanS die Versicherung gegeben hätten, eine Verschärfung der Situation zu vermeiden.

3n einer Note der chinesischen Dele­gation wird darauf hingewiesen, dah die Äon* zentrierungjopanischerStreitkräste am Brückenkopf de- Nonniflusses ausgeführt wurde gemäh der vom japanischen Kommandanten eingeschlagenen Politik, die darin bestehe, die Vertreter der gesetzlichen chinesi­schen Regierung aus der ganzen Mandschu­rei zu vertreiben und an ihre Stelle Perso­nen zu setzen, die von den Japanern selbst unter­stützt würden. Die Ereignisse zeigten klar, dah die Wiederinstandsetzung der Brücke über den Nonni» sluh nur ein Vorwand sei. Es sei sonst nicht üblich, Drücken mit Unterstützung von Artillerie, Infan­terie und Bombenflugzeugen wieder instand zu setzen. Japan verfolge das Ziel unter dem Deck­mantel eines .Komitee» für die Aufrechterhal­tung des Friedens und der Ordnung" in Mukden, Kirin und anderen Orten im besetzten Gebiet die Autorität von solchen Gruppen au stützen, die nicht- anderes als Kreaturen des japani­schen Militärkommando - seien. Diese Politik stehe im Widerspruch au Artikel 10 des ÄölkerbundSpaktes und zu Artikel 1 des in Washington unterzeichneten Neun-Mächte-Dertra- ges. Diese Politik stelle auch eine flagrante Weige­rung dar, sich den Empfehlungen des Rates zu fügen und überdies einen Bruch des zu wiederhol­ten Malen feierlich abgegebenen Versprechens,

durch das sich Japan vor dem Rate verpflichtet habe, alle- zu unterlassen, waS den Konflikt ver­schlimmern oder zu seiner Ausdehnung beitragen könnte.

Japan erklärt -en Vormarsch für beendet.

Am Nonnifluß auch em russischer Lsfizicr gefallen?

Genf, 8. Noo. (WTB.) Der Vertreter Japans in Paris, Iofchifawa, hat den Generalsekretär des Völkerbundes telegraphisch gebe^n, den Mitgliedern des Rates mitzuteilen, daß nach einem Telegramm feiner Regierung die japanischen Truppen den Vormarsch in der nördlichen Man­dschurei nach der Besetzung Tahsings am 6. No­vember e i n g e st e l l t hätten. Die japanische Re­gierung betont erneut, dah der Vormarsch ihrer Truppen an den Ronnifluß lediglich erfolgt sei, um den Wiederaufbau der von Chinesen zerstörten Brücke zu sichern. Die Wiederherstellungsarbeiten würden ungefähr zwei Wochen dauern. Die Regierung sei fest entschlossen, die Truppen zu- rückzuziehen, sobald die Brücke wieder inftand- gesetzt sei.

Nach einer Reutermeldung aus Tokio, soll sich unter den bei den Kämpfen am Nonni-Fluh getöteten 200 Chinesen auch d i e Leiche eines sowjetrussifchen Offiziers befunden ha­ben. Die Zahl der in diesen Gefechten umgekom­menen Japaner wird mit 36, die der Verwundeten mit 140 angegeben. Das Gerücht von den Zusam­menziehungen von chinesischen Verstärkungen nach Anganki bat sich unterdessen zu einer japanischen Auslassung verdichtet, die davon spricht, daß die Truppen des Generals Matfchantschan konzentrisch gegen Anganki und Tahsing oorgehen.

Parteiführer im hessischen Wahlkampf.

Oie Front von Harzburg.

Hugenbcrg über die Geipräche mit dem Zentrum.

D a r m st a d t, 8. Noo. (WEN.) In einer deutsch­nationalen Wahlkundgebung in Darmstadt setzte sich der Parteiführer Dr. Hugenberg mit der Frage auseinander:Was bedeutet Harzburg?". Er führte u. a. aus: Nicht umsonst heißt es in der gemein- famen Entschließung der vereinigten Parteien und Bünde:Geächtet ist jeder, der unsere Front zer­setzen will." Wir sind doch sämtlich keine Kinder, die so etwas heute machen und morgen wieder ausein- onderlaufen. Es ist völlig richtig, was irgendwo von nationalsozialistischer Seite gesagt wurde: Es handelt sich um ein Zweckbündnis zum Sturz eines verderblichen Sy st em s. Da aber in der Politik ein System nur dann gestürzt werden und gestürzt bleiben kann, wenn ein neues Sy­stem und Programm und eine neue Macht a n d i e Stelle des alten tritt, so bedeutet die gemeinsame Negation des Bestehenden selbstverständ­lich auch die gemeinsame Bejahung eines Künftigen. Die Harzburger Kundgebung läßt darüber keinen Zweifel. Daß es dem Zentrum und den Gewerkschaften erwünscht sein würde, mit den Nationalsozialisten in ähnlicher Weise ihren Sonderpalt zu machen, wie früher mit den damaligen Dcutschnationalen, ist selbstverständlich. Es wäre aber töricht, anzunehmen, daß Zentrum und Gewerkschaften immer wieder in gleicher Weise ihren Dummen finden mühten. An dem Bestände und der Zukunft des Zentrum- haben ja nicht alle Deutschen ein unbedingtes Inter­esse auch diejenigen nicht, die immer wieder

Oberhessischer Kunstverein.

Drei Frauen der Gegenwart.

Die Leitung des Oberhessischen Kunst- vereins, die sehr sichtbar sowohl um Viel­seitigkeit wie um Qualität ihrer Ausstellungen bemüht ist, bringt diesmal eine Liebersicht über das Werk von drei modernen Künstlerinnen, welche durch die Gegensätzlichkeit der Tempera­mente und Ausdruckswerte sehr reizvoll gekenn­zeichnet ist. Cs stellen aus: Lotte Droese (Danzig): Milly Marle-Fries (Würzburg): Sulamith Wülfing (Elberfeld).

Lotte Droese ist eine Schülerin vcn Pros. 5 A. Pfuhle in Danzig und von Christian RohlfS, dem greisen Maler der Türme und der Blumen. Das legitimiert sie und bricht in den besten Stücken ihrer Malerei oft ganz über­raschend durch. (Es gibt da ein Schwefelgelb, ein Kobaltblau z. B., das sehr entschieden auf die großartig reiche Palette von Rohlfs zurück- weist.) Dabei ist die Künstlerin, wie man bald gewahr wird, eine durchaus selbständige und ganz impulsive Persönlichkeit. Eie kommt vom Zeichnerischen, von der Echwarz-Weiß-Bildnerei der, und cs ist interessant beobachten, wie sie sich stilistisch grundlegend gewandelt hat ... von den etwas morbiden und blassen Bleistift- zeichnungcn (..Die Gisersüchtige",Nähende Frau") zu den starken und gefüllten, von Be­wegung und seelischem Ausdruck gespannten Fi­guren und Köpfen der späteren Zeit: wir nennen etwa:Sic klugen Jungfrauen", ..Die Bauern­frauen", ..Die singenden Kinder" und den aus­gezeichnetenWeiblichen Kopf". Diese Kreide­blätter wirken viel herzhafter in Strich und Zu­griff, trotzdem weicher und malerischer im im­pressionistischen Gesamteindruck: von ihnen au» findet man am ehesten den Anschluß an die Ma- Ictd, die übrigen- merkwürdig energisch und männlich in Haltung und Handschrift wirkt. (Von den drei Frauen dieser Ausstellung ist Lotte Droese die einzige, die nicht- typisch Weibliches in Thema oder Technik verrät.) Die Gemälde wie auch schon die graphischen Blätter sind durch da- leidenschaftliche Bestreben bestimmt. Ausdruck im eigentlichen Sinn«, Bewegung und Beseelung zu vermitteln. So etwa derFrüh­ling , ein Bild, da- man geradezu allegorisch auflösen könnte, oder derRusende Dauer", der wohl am entschiedensten von Rohlf- her beein­flußt ist. Del derSchlafenden" ist vor allem die Hingegebenheit und die entspannte Gelöstheit

erklärt haben, daß sie bereit seien, auf ehrlicher Grundlage mit dem Zentrum zusammenzuarbeiten. Auch die Nationalsozialisten haben dieses Inter­esse nicht. Daß im übrigen über manche Fragen die Auffassungen der Deutschnationalen und der Nationalsozialisten auseinandergehen, ist oft betont. Sonst würden es ja auch nicht zwei verschiedene Parteien sein. Ich habe z. D. gestern in Gießen und heute hier deutlich betont, daß wir Deutschnationalen nicht Sozialisten, sondern ausgesprochene Anhänger der Privatwirtschaft sind. Wir haben auch nicht die Absicht, wie es irgendwo einmal von nationalsozialistischer Seite liebenswürdig an» gedeutet ist, uns als Mischmasch zu fühlen, uns als Vorspann benutzen und dann dabei wurde als Muster Mussolini genannt einen Fußtritt geben zu lassen. Fassen Sie das bitte als jugenlichen Heber» schwang auf, entfalten Eie ruhig denselben jugendlichen Lieberschwang. Sollten in dieser oder in anderer Beziehung Meinungsverschiedenheiten und Schwierigkeiten entstehen, so wird das ge­meinsame Interesse zur Sache und zum Vater­lande den Ausweg weisen.

Iraktionssihung -es Christlich- sozialen Volks-ienstes.

Mainz, 7. Nov. (WEN.) Die Reichs­tagsfraktion des Christlich-sozialen Volksdie.lstes tagte in Mainz und besprach die politische Lage und die hessischen Landtags» Wahlen. Die Politik der Reichstagsfraktion hat im ganzen Reich und in den hessischen Volks­dienst-Kreisen Zustimmung gefunden. Die

im Gesichtsausdruck, bei derMutter mit Kin­dern" der delikate malerische Dreiklang von Rosa, Grün und Gelb zu beachten. Neben diesen vier stärksten Stücken wären noch die viel weicher und lockerer gemaltenTanzenden" und die dieStraße,mit Frauen" zu beachten.

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Die Bilder von Milly Marle-Fries er­scheinen hierneben sowohl im Sujet wie in der Technik begrenzter und minder kompliziert: sie zeigt Dlumenstücke und Landschaften: das ist eine noble, klare und Helle Malerei, formal sehr sauber, rein dekorativ In der Haltung. Man wird so­gleich die Temperamentsunterschiede bemerken, wenn man diese Dlumenstücke und Freilichtaus- schnitte mit den Arbeiten der beiden anderen Frauen vergleicht. (Gerade in solcher Gegenüber­stellung liegt ja ein besonderer Reiz der neuen Kollektion.) 3m einzelnen wollen wir die ..Roten und gelben Tulpen" am Fenster, die »Blumen aus dem Süden" bot dem Würzburger Marien­berg, die sehr apart vorgetragenen .Rosen" und den .Ausblick im Winter" hervorheben, der durch eine auch anderwärts au beobachtend« Austeilung des Dildcs gewissermaßen in Vorder- und Hinter­bühne charakterisiert wird. Dann die Landschaf­ten: klar und ruhig gemalt, mit hohem Himmel und betonten Vordergründen: einzelne Mo­tiv« sind übrigens mehrfach wiederholt.

Sulamith Wülfing, welche man .Dürers kleine Tochter" genannt hat, ist eine Zeichnerin und Miniaturma.erin von ausgeprägter Eigenart und entschiedenem Äi nnen. 3hre winzigen Bildet er­scheinen romantisch, phantastisch, illustrativ, nicht ohne gedankliche Belastung. aber auch gelegentlich nicht ohne Humor. Sicherlich ist die filigranhafte Zartheit der Strichführung an altmeisterlichcn Vorbildern geschult, aber man könnte vor ande­ren Einzelheiten ebensogut auch an Fidus oder an die Präraffaeliten denken. Mancher dieser an alte Medaillons und E fenbeinmalercien gemahnenden Zierlichkeiten, di« übrigens teilweise in einem allzu anspruchsvollen Rahmen vorgestellt wer­den, wirken wie 3llustrationen zu den zarten und innigen Gedichten der Ruth Schaumann. Auch bei Sulamith Wülfing gibt «S gewisse besondere Vor­lieben und Leitmotive, die immer wieder ange­schlagen und variiert werden: wie etwa ein Fi­gurentypus deS zwischen Kind und Mutter stehen- den, unendlich zartgliedrigen und großäugigen Frauenwesen-, dessen Körperhaltung und Arm­beugung an die typische Gest« frühgottscher Ma- donnen erinnert. Blumen und Schmetterlinge, Fabeltiere und Zwerge, Kinder und Frauen, Ma-

Fraktion nahm sodann einen Bericht des hessi­schen Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten G r e b, Mainz, entgegen, der der Auffassung Ausdruck gab, daß die bevorstehenden hessischen Landtagswahlen die Ausgabe haben, d i e Machtstellung der bisherigen Regie­rung s k o a l i t i o n, die sich als dem evan­gelischen Volksteil, seinen Forderungen und 3dealen nachteilig erwiesen habe, zu brechen. Der Volksdienst fordere all« bewußt Evangelischen auf, da- ihrige zu tun. um dieses Ziel, zu dem sich der Volksdienst bekennt, zu erreichen. Die Reichstagssraktion hat von dieser Stellungnahme des hessischen Landesverbandes Kenntnis genommen und sie einstimmig ge­billigt.

Gin Protest der WirtschastSpartei

Darmstadt, 8. Noo. (WSN.) Der Vorsitzende der hessischen Wirtschaftspartei, Rechtsanwalt Lud- tu i g (Ingelheim), protestiert in einer längeren Er­klärung gegen d i e Nichtzulassung des wirtschaftsparteilichenWahlvorschla- g e s in Hessen. Zu dem Abstimmungsergebnis des Wahlausschusses wird dabei u. a. gesagt: Nach der hessischen Landeswahlordnung muh jeder Wahloor- schlag von mindestens 500 Wahlberech- tigten unterschrieben sein. An Stelle von 500 Wahlberechtigten genügen aber 20, wenn diese glaubhaft machen, daß mindestens 500 wähl- .berechtigte Anhänger des eingereichten Wahl­vorschlags sind. Weder die Staalspartei noch die Radikaldemokratische Partei noch die Nationalsozia­listen haben bisher zu dem Landtag selbständige Listen eingereicht. Trotzdem waren diesmal die Wahlvorschläge dieser Parteien nur von 20 Wahlberechtigten unterzeichnet. Von der Wirtschaftspartei verlangte man 500 Unterschrif­ten. Es wäre ein leichtes gewesen außer den 514 zum Teil beanstandeten Unterschriften noch wei­tere 500 Unterschriften beizubringen. Der Wahl­ausschuß lehnte jedoch eine nachträgliche Mängelbe- scitigung ab und sah es auch nicht als ausreichende Glaubhaftmachung an, daß am 14. September 1930 die Wirtschaftspartei in Hessen über 17 000 Stimmen hatte.

Oer Weg aus -er Krisis.

EineRededcsReichtzfinanzminiftersrictrich

Darmstadt, 8.Noo. (TU.) In einer Dersamm- hing der Deutschen Staatspartei erklärte Reichs- finanzminister Dr. Dietrich u.a.: Das Miß- trauen habe das ganze Kreditgebäude der Welt zerstört, den Sturm auf Deutsch­land beroorgerufen, der zur Einstellung der beut- chen Äußenzahlungen geführt, den Abzug der kurz- riftigen Gelder aus England gebracht und in des- en Verfolg das Pfund erfaßt habe. In der Wirt- chaft der einzelnen Völker aber habe die Sorge um den Verlust von Geld und Kapital dazu geführt, daß die einzelnen Bürger Gold und, wo das nicht ging, Noten gehamstert hätten, die dadurch ihrer eigentlichen Aufgabe entzogen worden seien. Um das Vertrauen wieder her- »ustellen, seien zwei Dinge nötig: eine Regelung der kurzfristigen Schulden und ein« Ordnung der Reparationen. Zu dem Streit, was oorgehe, die Prioatschulden ober bie politischen Schulben, wolle er sich nicht äußern, aber bas eine sagen, baß bie Voraussetzungen bafür, baß Deutschland überhaupt zahlen könne, die Wiedereinschaltung in das K r e d i t g e b ä u d e der Weltwirt­schaft sei.

Wenn man die deutsche Krise für sich betrachte, seien zwei Gebiete zu unterscheiden: Zunächst der Außenhandel und dann die Binnenroirt- schäft. Für die Binnenwirtschast sei es an sich gleichgültia, auf welchem Preisniveau sie sich ent- wickele, sofern nur d i e Verteilung des wirtschaftlichen Ertrages auf die ver­schiedenen Berufspruppen in Drbnuna sei. Entschei- bend seien hier bie Ko st en b e r öffentlichen Hand, ber Sozialversicherung unb des Kapitals, d. h. der Zinsen. Die Kosten der So­zialversicherung fanden wir heute hauptsächlich in dem Aufwand für die Arbeitslosen. Wir müßten daran denken, eine Entwicklung hervorzurufen, bei ber ein krisenfester Arbeiter geschaffen

werbe, das heißt, ein Arbeiter mit eigenem Häus­chen und Land, den der Verlust der Ardeilsstelle nicht sofort besitz- und mittellos mache. Bei den Kosten des Kapitals, d. h. der Höhe der Zin­sen, seien gewaltfame (Eingriffe sehr zu überlegen. Man mülie vor allen Dingen sehen, daß man die Zinsspanne herunterdrücke und dafür sorge, daß das vorhandene Kapital richtig ver­teilt werbe. Der Minister setzte sich dann mit aller Entschiedenheit für eine mittelständijche Politik ein, bie in erster Linie in der Entlastung des Hausbesitzer bestehen müsse. Die Staat-partei habe gelernt an den Vorgängen de» Jahres 1918 und 1919, daß es nicht bester werde dadurch, daß man dem Radikalismus nachrenn«. Eine gewaltige Gefahr für uns fei die ungeheuere Zerf plitte- r u n g und Ziellosigkeit des deutschen Bür­gertums. Der Hauptfeind sei der Kleinmut, der in Deutschland umgehe und auf den ein erheb­licher Teil unserer Schwierigkeiten zurückzuführen sei. Gerade darin in einer solchen schweren Zeit nicht zu verzagen, liege die Aufgabe aller wirklich natio­nalgesinnten Menschen.

Stadlvei-ordneienwahlen in Bremer-Haven.

Bremerhaven, 9. Noo. (WTB. Funkspruch.) Bei den gestrigen Stadtverordnetenwahlen in Bremer- Haven erhielten: Sozialdemokraten 3799 Stimmen, 11 Sitze (bisher 15 Sitze): Staats- Partei 509 Stimmen, 1 Sitz (4); Zentrum 327 Stimmen, 1 Sitz (1); Wirtschaftspartei 649 Stimmen, 3 Sitze (6): Nationalsozialisten 3068 Stimmen, 9 Sitze (0): Deutsch nationale 1275 Stimmen, 4 Sitze (1928 in der Bürgerlichen Bereinigung); Kommuni st en 1847 Stimmen, 5 Sitze (2); Bürgerliche Bereinigung 549 Stimmen, 2 Sitze (8). Die Wahl ist ruhig verlausen.

Eine Frankfurter Rektorrede. scharfe Kritik Zifcher-Wafeio an der preußischen Kulturpolitik.

Frankfurt a. M., 7. Nov. (XU.) Am Sams­tag fand im Beisein der staatlichen und städti­schen Behörden, der Ehrenbürger und der Stu» dentenschast, aber in Abwesenheit der Korpo­rationen die feierliche Rektoratsübergabe des Rettors Prof. Dr. Fifcher-WaselS, Direk­tor des Eenckenbergischen Pathologischen 3nsti» tuts, an Prof. Dr. Madelung statt. Die Feier erhielt durch eine sehr scharfe Rede des scheiden­den Rektors ein« besondere Note. Prof. Dr. Fischer-Wasels bezeichnete das vergangene 3ahr als ein solches der u^ersüllten Hofsnun- gen. Die Zahl der Eludierenden habe trotz aller Warnungen das fünfte Tausend überschritten. Damit sei eine staatlich geförderte Entwicklung im Anwachsen, die man als die der negativen Auslese bezeichnen müsse. Eo sei eS z. D. un­sinnig, bei aller Anerkennung der Bedeutung des Eports körperliche Leistungen der geistigen Befähigung gleichzuschen. Di« Folg« deS jetzigen Zustande- sei eine staatlich geförderte Proletari- tierung der Studentenschaft, die sich bitter rächen werde. Sine verständnis­lose Ministerialbureaukrati« sei am Werk, di« Grundlagen der akademischen Frei­heit zu Aerstören. 3m 3ahre 1934 würden wir 134 000 stellungslose Akade­miker haben, die unter sinnloser Vergeudung öffentlicher und privater Mittel studierten.

Di« Notlage, In der wir durch den Vertrag von Versailles gelangt seien, entschuldige nicht unsere eigenen Fehler. WaS un­heute durch di« Notverordnungen zugemutet werde, sei «in schwerer Verstoß gegen Treu und Glauben unb gegen die Verfassung. Man könne bie besten Absichten der Staatsleitung unterstel­len, aber selbst der große Zweck der Rettung des Vaterlandes heilige nicht alle Mittel. Die Not der Gegenwart gebe einer verständnislosen Bureaukrati« einen Freibrief für jeden Rechts­bruch. Professor Fischer-Wasels siebt di« liefe Ursache der Weltkrise in der sittlichen Min - derwertigkeitderMensch heit, die das

donnen, Priiuefsinnen und Engel bevölkern die ganz märchenhafte und völlig illusionistische Welt dieser Kleinmalerei. Der$raum auf der Mond­sichel" und daS .Knabenträumchen" mögen als in­teressante Abwandlungen deS gleichen, unerschöpf­lichen Motivs einander gegenübergestellt werden, das,Tor", das.Zwiegespräch" und der.Kristall" als Beispiele für die symbolistischen und phantasie- gebundenen Vorstellungen dieser sehr leisen und zerbrechlichen Dildnerei gelten.

Die Ausstellung wurde gestern. Eonntagvormit- tag, eröffnet. Ei« dauert bis zum 23. November und ist außer an den Sonntagen von Dienstag bis Freitag, 15 bis 17 älhr, zugänglich. -y-

Efziehe deine Hand!

Die Natur ist eine streng« Rechnerin, bie dem Menschen, wenn er ihr ihre geheimen Kräfte ab- listet, dafür andere wichtig« Ding« entzieht. So müficn wir bie ungeheure Entwicklung der Tech­nik, die uns zu Herren über so viele Naturkräfte gemacht hat, mit ber Verkümmerung von Eigen­schaften büßen, mit denen wir ursprünglich aus­gestattet waren. 3mmer wieder wird geklagt, daß wir nicht mehr die Schärfe der Sinne be­sitzen, die den Naturmenschen auSzeichneten, und ebenso geht eS mit den natürlichen Werkzeugen, mit denen wir ausgestattet sind. Der Urmensch hat Ungeheures geleistet, nachdem er gelernt hatte, sich seiner Hände zu bedienen. Heute, da die Handarbeit in vielen Fällen durch die Ma­schine ersetzt ist, haben wir diese Handfertigkeit Aum größten Teil verloren. Darauf weist der hervorragende englische Chirurg Sir Herb. Bar­ker in einem Aussatz hin, in dem er bie Wichtig­keit der Erziehung der Hand betont. .Es muß immer wieder daran erinnert werden", so schreibt er, .daß eine enge Beziehung zwischen Hand und Hirn besteht. DaS Handwerk ist nicht nur die Mutter der Künste, sondern über­haupt der geistigen Entwicklung d«S Menschen. Be­vor der erste Mensch schrieb, mußten erst andere daS Werkzeug ersinnen, mit dem er seine Ge­danken feftbatten konnte. Zuerst war bie Hand, bann bas Hirn. DiS zu einem gewissen Punkt war bie Entwicklung bes Menschen als eines bert- kenden Wesen- bebingt burch die Geschicklichkeit seiner Hand. Der Prei-. den wir für unsere Herr­schaft über bie Maschinen zahlen, ist ein unver» meiblicher Rückfall in die Epoche der geringen Handausbildung, die einst bei unfern primitiven Vorfahren herrschte. Unsere Händ« vermögen nicht mehr, jene hohe Fertigkeiten zu entwickeln, die

die Menschen früherer Zeiten auszeichneten. Nur einzelne Berufe und Handwerke haben noch eine solche Geschicklichkeit bewahrt. 3m allgemeinen verlieren wir durch bie Vernachlässigung ber Handarbeit bie körperliche Crbscha t vergangener Zeiten, und es ist eine wichtige Aufgabe künf­tiger Erziehung, diese verlorene Kunst wieder» zugewinnen. Da» erste, waS jede- Kinb lernen müßte, ist bie Bedeutung seiner beiden Hände. 3ed«S Kind zeigt unbewußt das Verlangen nach HanbauSbilbung. aber diese wird ihm nicht mehr gewährt. Gewisse Methoden. wie die der Frau Montessori, suchen diesen F.hlet wieder gut zu machen. In Wien erstrebt Prof. Franz Ti- zeck, der ein besonderer Vorkämpfer dieser Be­wegung ist, bie Benutzung diese- natürlichen Werkzeuges bei feinen kleinen Schülern. Da- Le­ben wird bereichert durch den Gebrauch der Hände: es erhält einen neuen und wichtigen Inhalt durch die Steiaerung der Handfertigkeit. 3e geschickter die Hände de» Kindes werden, desto belfer wird auf geheimnisvolle Weife das Gehirn ausgebildet, denn bie Beziehung zwischen biefen beiden Or­ganen ist ein grundlegender Faktor. 3edes Kind sollte, welches auch später sein Berus wird, ein Handwerk erlernen. Die außerordentlichen Mög­lichkeiten, die der Gebrauch der Hand bietet, sind uns nicht mehr gegenwärtig. 3n diesem seinsten Werkzeug sind mehr Geheimnisse, al- wir ahnen. Man nehme z. B den Fall ber taut>blinbcn Miß Keller, bie mit ihren Hänben bie verschiede» nen Farben zu untersckieiben weiß unb so die Far­ben mit den Nerven ihrer Hände wahrnimmt."

3eiffd)riffen.

Mutter unb Kinb. Zeitschrift für Er­nährung. Pflege unb Erziehung beS Kinde». Ver­lag Elwin Staude. Osterwieck a. H. Vierteljährlich (3 Hefte) 1,65 Mk. einschl. Porto. Diese Zeit­schrift behandelt in au-gezeichneten Artikeln alle» für Mutterschaft, Säuglings» unb Kinderpflege Bedeutsame, ohne in langweilige Belehrungen zu verfallen. In Heft 11 schreibt u. a. Frau Ruth Vollmer über .Betrachtungen zur Säugling»- unb Kleinkindergymnastik". Schwester Laura Möhrina erzählt ihre .Erlebnisse mit er en alischen Kindern* und 3ohs. Harlig behandelt da» Thema .Sollen Kinder die Zeitung lesen?". Beiträge wie .Da» Kind im Spiegel seiner Schrift", .Eine Bibliothek für Kinder". .Können Kinder philosophieren?" unb nicht zuletzt .Zur Geschichte der Kochkunst* dürften erweisen, baß bie Zeitschrift auch für Mütter, beten Kinder au» bem Säuglingsalter heraus sind, wertvoll und anregend ist.