Ausgabe 
9.11.1931
 
Einzelbild herunterladen

-zufreundlichsteinladet I astwirt Horman

ch-und einen ien und t sehr Ihig

f

tz 10

1SM*

unfünbbare Tatleben i m yauslauf, im Hp ig, burai bie - maßen n.BMv°l'-?l?G.TiibWc lauitti U 200000-_ !uon tfamliurt a. M.-Lr 2tbroewTirt.9OI . weiten. - toi*. m 41. - W $«uban6er tfr »lotnt d. Interessen.der rttnuensro. Storbeiifr l'i orts gesucht.

LV"'"1"1»

ter"Tee-Knren--v/;j 'keine Arzneie^S] tadlS neue Wege til

_nn gesund werd®

seck

lntL*a9, den 8.Novemb.ir

«besetzte

fanzmusil

'N. Seflew«!« "S9s, »V'ge Ueblln & .Um 2öulbcr 4

°°-1

ln!'ttn»eg

Sl1® * «

«>

nr. 262 Erstes Blatt

Montag, y. November 1931

181. Jahrgang

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'fche Universitäts-Buch- und Zleindruckerei R. Lange in Sietzen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° , mehr.

Chefredakteur.

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THynot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Bietzen.

Erscheint täglich,auher Sonntags und Feiertags.

Beilagen:

Die Illustrierte Gießener Familienblätter

Heimat im Bild Die Scholle

Monats-Vezugsprets: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger­lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt.

Hernfvrechanschliiffe unter Sammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach­richten Anzeiger Stehen.

Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686.

(Landbund) betont, dah sie dem neuen Finanz­minister angesichts seiner bisherigen Betätigung mit recht starken Vorbehalten gegenübertrete. Der ,.B ö r s e n - C o u r i e r" (dem.) vertritt die Auffassung, dah seine unfentimentale, rein kauf­männische Art des Denkens und seine ent­schiedene Sparsamkeitspolitik ihn als geeigneten Nachfolger Höpler-Aschoffs erscheinen liehen, dessen Ausscheiden trotz allem bedauerlich sei. DasBerliner Tageblatt (dem.) schreibt. Kleppers Eintritt in das preußische Ka­binett sei in jedem Fall ein Vorteil, weil in ihm eine lebendige Kraft hinzukomme, die gerade in diesen Monaten wertvoll sein könne. Die D o s s i s ch e Zeitung" (Ullstein) hebt hervor, dah Ministerpräsident Braun mit der Wahl Kleppers sicher einen guten Griff getan habe. DerVorwärts" (soz.) sagt, der preuhische Ministerpräsident habe sich durch die Berufung Kleppers die Mitarbeit eines sehr energischen finanz» und bankpc-lttisch erfahrenen und vor allem von Interessenten unabhängigen Ministers gesichert. DerT a g" (Hugenberg) schreibt, man müsse bezweiseln, ob der Ver­trauensmann Brauns gerade der richtige Spar­finanzminister für, Preußen sein werde. Schon bei der Aufstellung des neuen Haushalts werde er zu zeigen haben, welche politische Linie er zu befolgen gedenke. DieDeutsche Zei­tung (deutschnatl.) sieht in der plötzlichen Er­nennung Kleppers in erster Linie einen Gegen­stoß gegen die Berufung Schlange- Schöningens zum Osthilfekommissar, da Klep­per schon in der Preuhenkasse aus seiner Gegner­schaft gegen den Großgrundbesitz des Ostens keinen Hehl gemacht habe.

Der Föderalismus im Südweflen

Interessantes Ergebnis e.ner Umfrage.

München, 7. Nov. (TU.) DieMünchener Zei­tung" hat ihren Hauptschriftleiter eine Reise durch die süddeutschen Länder machen lassen, um die Stärke der föderalistischen Ueberzeugung in Würt- temberg, Baden und Hessen zu erforschen. Nach dem Ergebnis dieser Studien hat zwar in Württem­berg das Wort Zentralismus einen bösen Klang, und jeder Versuch einer radikalen Vereinheitlichung würde auf starken Widerstand stoßen. Das Wort Föderalismus aber klingt den Württembergern zu sehr nach Widerspruch gegen das Reich. Zugegeben wird die Nützlichkeit der Bildung eines einheitlichen norddeutschen Vermal- tungsgebiets. Man hat aber dabei nicht die schwere bayerische Sorge, daß dieser gewaltige Block die übrigen Länder unterdrücken würde. In Würt­temberg ist man bereit, mit Bayern gemein­same P o l i t i k zu machen, wenn Bayern auf diese Gemeinsamkeit Wert legt, sich nicht ausschließlich ablehnend gegen alle Reichsreformpläne verhält, und wenn eine gemeinsame Linie keine Spitze gegen das Reich haben würde.

In Baden ist im Gegensatz zu Württemberg und Bayern eine ftarfe Staatsidee im Lande nicht lebendig geworden. Schon die demokratische Grundeinstellung läßt den Gedanken an eine Vereinheitlichung der gesamten deutschen Verwaltung dem Lande nicht als etwas Bedenkliches erscheinen. An Aufregung über die Möglichkeit einer Reichsreform mit der Folge des Verschwindens vieler badischer Einrichtungen wird gar nicht gedacht, dagegen K die Vorstellung eine wichtige Rolle, es könnte eine Zentralverwaltung doch vielleicht man­ches gespart werden. .

Demgegenüber ist in Hessen eine erstaunliche Anteilnahme an allen Reichsreform­plänen vorhanden. Man hat dieselben Anschau­ungen von den staatlichen Notwendigkeiten des Lan­des wie in Bayern und Württemberg, ist aber doch weniger geneigt, solche Gedankengänge föderalistisch zu nennen. Man will keineswegs willen­lose Sache einer Zentrale sein, legt aber doch nicht den Wert wie Bayern auf die formelle Staatlichkeit. Man könne ein gesundes eige­nes Leben führen, auch wenn man die Landes- rechte nicht aus eigener Machtvollkom­menheit, sondern i m Auftrage des Rei­ches ausübe. Was man für möglich halte, fei die Zusammenfassung des deutschen Nor- d e n s und die Selb st Verwaltung der süd­deutschen Länder im Auftrage des Reiches. Als unerträglich und verhängnisvoll empfände man die Zusammenfassung des gesamten Reichsgebietes, wenn auch mit dezentralisierter Verwaltung, und ein daneben im loseren Reichsverband selbständig ge­lassenes Bayern.

Oie vorstädtische Siedlung.

Berlin, 7. Nov. (VDZ.) Reichssiedlungskommis­sar Dr. S a a ß e n hatte am Samstag eine längere Besprechung mit den kommunalen Spitzen­verbänden über die Durchführung der auf Anregung des Reichsfinanzministers Dietrich be­absichtigten Siedlung von Erwerbslosen in Vorstädten der Großstädte Es ist noch nicht möglich gewesen, über alle Punkte eine Einigung mit den Gemeinden herbeizuführen. Vor allen Dingen haben die Gemeinden Bedenken gegen finanzielle Belastungen, die mit dem Siedlungsplan immerhin auch für die Kommu- nen verbunden sind und die bei der gegenwärtigen Finanzlage der Gemeinden als untragbar be­zeichnet werden. Immerhin besteht die Hoffung, daß auch diese Bedenken in späteren Verhandlungen noch ausgeräumt werden können. Einstweilen wartet man die Ergebnisse der Beratungen des Sied- l u n gs a u s s ch u sses des Reichstags ab, der sich am Montag mit demselben Problem beschäftigen wird.

Das Reparationsgespräch in Paris.

Eine zweite Unterredung zwischen Hoesch und Laval. Botschafter Francois Poncet in Paris.

Paris, 7. Nov. (TU.) Der zweite Besuch des Botschafters von Hoefch bei Laval war nur von recht kurzer Dauer. Der deutsche Botschafter hat im Auftrag seiner Regierung um ergänzende Auskünfte gebeten. In der Pariser Presse wird heroorgehoben, daß die Auslegung des Artikels 119 des Poungplans den Hauptgegenftand der Unter­redung gebildet habe. Deutscherseits sei man sich darüber klar geworden, daß eine Einberufung des Prüfungsausschusses nicht mehr zu umgehen sei. Man versuche daher die Befug­nisse dieses Ausschusses dahin auszudehnen, daß er die gesamte Zahlungsfähigkeit Deutschlands unter Einschluß der kurzfristigen Kredite prüft. Französischer­seits stehe man dagegen auf dem Standpunkt, daß die Reparationen auf keinen Fall mit den Privatschulden verbunden oder auch nur in Zusammenhang gebracht werden dürften. Im übrigen verharre Frankreich auf dem Standpunkt, daß sich die Untersuchung der deutschen Zahlungs­fähigkeit in den vom Poungplan vor­gesehenen Rahmen bewegen müsse und daß die Vollmachten des Ausschusses nicht auf die ungeschützten Tributzahlungen und die deutschen Privatschulden gegenüber dem Ausland ausge­dehnt werden könnten. Im Gegensatz dazu wird von deutscher Seite nach wie vor betont, daß die Prüfung der deutschen Zahlungsfähigkeit nur dann zweckentsprechend verlaufen könne, wenn sie sich uneingeschränkt auf die gesamten mit der deutschen Finanzlage in Zusammenhang stehenden Fragen bezieht.

Francois Poncet erhält Instruktionen.

Werden die Verstand Hingen nach Berlin verlegt?

Berlin, 7. Nov. (END.) Der französische Botschafter Francois Poncet ist heute abend nach Paris abgereist. Der Botschafter, der während der letzten Tage mit der Reichs- regierung zur Klärung des Neparations- problems in ständiger Fühlung stand, wird zwei oder drei Tage in Paris bleiben und dort mit dem Ministerpräsidenten und dem Mi­nister des Aeußern Unterredungen haben. Wie derMatin" hervorhebt, ist die Reise des Bot­schafters nicht dadurch veranlaßt worden, daß über neue deutsche Vorschläge diskutiert werde. Botschafter Francois Poncet sei von Laval nach Paris berufen worden, weil der fran­zösische Ministerpräsident sich über die Unter­redung unterrichten wollte, die Francois Poncet in Berlin hatte, und weil er ihn über seine Verhandlungen mit Botschafter von Hoefch orien­tieren wollte. Botschafter Francois Poncet habe von Laval alle etwa notwendigen Di­rektiven erhalten und werde heute von Außenminister B r i a n d empfangen, der sich gestern nicht in Paris aufhielt.

Oie Gtillbaltung der amerikanischen Kredite.

Die amerikanischen Banken erwarten 20-prozentige Tcilrückzastlnng der kurz­fristigen Kredite.

N e u h o r k, 7. Nov. (TL.) Die Besprechungen der amerikanischen Großbanken über die Wei­terführung des Stillhalteabkom­mens sind bereits in vollem Gange. Man will versuchen, möglichst noch vor dem 1. De­zember eine Einigung zu erzielen, da die Neu- Yorker Finanzinstitute Bedenken tragen, den deut­schen Banken vor einer Verständigung über die zu­künftige Behandlung der alten Kredite weitere Akzeptkredite zu gewähren, die erst nach Ablauf der Stillhaltefrist fällig würden. Die Verhand­lungen dürften sicherlich geraume Zeit bean­spruchen, um so mehr, als von deutscher Seite noch keine Vorschläge gemacht worden sind. Indessen kann man schon jetzt erkennen, dah die amerikanischen Banken auf die Rückzahlung wenigstens eines Teiles der kurzen Kredite drängen werden. Bei allem Ver­ständnis für Deutschlands Notlage scheint man hier zu glauben, daß die deutschen Schuldner Ende Februar mindestens 20 bis 25 v. H. der Stillhaltekredite zurückzahlen können. Die Um­wandlung oer kurzfristigen Kredite in langfristige Anleihen stößt hier auf entschiedenen W iderspruch, da sich die Banken nicht der Möglichkeit berauben wollen, die kurzfristigen Akzepte auf dem offenen Markt oder bei der Bundesreservebank zu diskontieren, während es andererseits unmöglich erscheint, lang­fristige Anleihen beim Publikum unterzubringen.

Herriot fordert Respekt vor den Verträgen.

Der außenpolitische Kurs der Radlkaliozialisten.

Paris, 7 Nov. (TU.) Der neu gewählte Präsi­dent der Radikalsozialistischen Partei, Her not, hielt eine große außenpolitische Rede. Herriot ver­teidigte den Standpunkt der Radikalsozialisten in der Entwaffnungsfrage. Sie feien für einen Rü­st u n g s st i l l st a n d , um den Staatshaushalt zu

entlasten, aber gerade weil die Partei für diese For­derungen eintrete, müsse sie bie aufmert« s c> m st e und treue ft e Verteidigerin der nationalen Rüstung sein. Solange ein Krieg möglich sei, werde er, Herriot, einer besonderen und vorweggenommenen Abrüstung Frank­reichs nicht zustimmen.Solange es noch gefährliche Narren gibt, ziehe ich es vor, die Schützengräben mit toten Betonmassen zu füllen, als mit den Lei­bern unserer Kinder!" Herriot fordert eine inter­nationale Polizei und einen internationalen Vertrag, durch den die Entscheidungen des Völkerbundes wirksam und unverletzlich gemacht würden, getreu dem Protokoll von 1926, durch das Sicherheit, Schiedsgericht und Entwaffnung miteinander ver­bunden seien. Zur Frage der Revision der Verträge erklärte Herriot:Es gibt keine internationale Mo-

Belgrad, 9. Nov. (CNB. Funkspruch.) Die Er­gebnisse der gestern in Jugoslawien durchgeführten Wahlen zum Abgeordnetenhaus liegen heute früh nahezu vollständig vor. Da sich die in einem oppo­sitionellen Block vereinigten ehemaligen Parteiführer an den Wahlen nicht beteiligt hatten, stand es von vornherein außer Zweifel, daß d i e Regierungsliste alle Mandate b e - kommen werde. Die Frage war, angesichts der von der Opposition ausgegebenen Wahlenthaltungs­parole nur, wie groß die Wahlbeteili­gung sein würde. Diese soll nach amtlichen Angaben im ganzen Staate immerhin 70 Pro­zent betragen haben, doch fehlen nähere Angaben über die Wahlbeteiligung, besonders in den kroa­tischen Gebieten. Die Wahl der aktiven Minister war, da sie in ihren Wahlbezirken keine Gegen­kandidaten hatten, von vornherein gesichert.

Großes Erstaunen muß die Tatsache Hervorrufen, daß die deutsche Minderheit, der von der Regierung ohnehin nur sechs Bezirkskandidaturen zugestanden waren, nach den jetzt vorliegenden Er­gebnissen nur ein einziges Abgeordne­te n m a n d a t erhält. Gewählt ist nur der Führer der deutschen Minderheit, Dr. Kraft, während die in überwiegend deutschen Bezirken aufgcfteUten übrigen deutschen Kandidaten ihren serbischen Gegenkandidaten unterlegen erscheinen.

Berlin,?. Roo. (WTB. Amtlich.) Der preu- ßische Ministerpräsident Dr. Braun hat auf Grund des Artikels 45 der preußischen Verfassung den Präsidenten der preußischen Zentral-Genossenschafts- kasse (preuhenkasse) Otto Klepper zum Finanz­minister ernannt Roch vor dem Bekanntwerden der Ernennung Kleppers zum preuhischen Finanzmini­ster meldet dasBerliner Tageblatt", dah der in Berlin eingetroffene frühere preuhische Finanz­

minister Höpker-Aschoff mit dem Minister­präsidenten Braun eine längere Aussprache gehabt habe, in der die Voraussetzungen für diewiederberufungdes Ministers auf seinen alten Posten geklärt werden sollten. Gegen den Wie­dereintritt Höpker-Aschoffs in die preuhische Regie­rung und vor allem gegen eine etwaige Erteilung besonderer über bie früheren Grenzen hinausgehender Vollmachten an den Finanzminister feien bei einem Teil der preuhischen Regierungsparteien, vor altem beim Zen­trum, auch noch in letzter Stunde Bedenken erhoben worden. Der allgemeinen Tendenz, die Be­fugnisse der Regierungen und besonders die der Finanzminister gegenüber den Parlamenten zu er­

rat ohne Zuverlässigkeit und Respekt vor den Verträgen." Der Artikel 19 des Versailler Ver­trages sehe die Nachprüfung unanwendbar ge­wordener Verträge vor. Er widersetze sich nicht der Untersuchung der Möglichkeit von Ergänzungen, aber man dürfe nicht diese oder jene Nation als Richter über Aenderungen anerkennen, die sie selbst betreffen. Der Respekt vor dem gegebenen Wort und den unterzeichneten Verträgen sei unent­behrlich für die Erhaltung der internationalen Mo­ral und infolgedessen des Friedens.Revision der Verträge? Nein! Aenderungen im Rah­men der Verträge? Ja!" Herriot schloß mit einem Appell an den guten Willen der Arbeit und zur Geduld. Wenn das Land Goethes und das Land Voltaires sich nicht verstehen könnten, so müsse man am Frieden verzweifeln.

Ganz unerklärlich ist dabei, daß die serbischen Ge­genkandidaten der Deutschen in Bezirken mit großer deutscher Bevölkerungsmehrheit das doppelte und dreifache an Stimmen erhalten haben sollen wie die deutschen Kandidaten. So wird die deutsche Minderheit Jugoslawiens im neuen Parla­ment nur durch einen Abgeordneten vertreten fein, während sie früher, als sie noch als selbständige Partei auftreten konnte, acht Abgeordnete durch­brachte.

Der Wahlkampf scheint im übrigen ruhig verlau­fen zu fein. In Belgrad kam es zu Demon - ftrationen der Studentenschaft. Die Studenten hatten in ihrem Heim in der Alexandsr- straße große Plakate mit der Aufschrift:Es lebe die Freiheit!",Nieder mit Pera Ziwkowitsch!" an­gebracht. Von der Terrasse und den Fenstern aus hielten zahlreiche Redner an die Menschenmenge, die sich rasch angesammelt hatte, Ansprachen, in denen die Beseitigung der Diktatur gefor- dert wurde. Polizeiagenten, die die Ansammlungen verhindern wollten, wurden mit Steinen beworfen. Da die Menge immer neuen Zuzug erhielt, schritt gegen Mittag ein großes Polizeiaufgebot mit schuß­bereiten Gewehren ein und drängte die Massen in die Seitenstraßen ab. Nachmittags rückte Feuerwehr aus und zerstreute durch Wasserstrahlen die Demon­stranten.

weitern, stehe im preußischen Fall die Erwägung gegenüber, dah die Lebensdauer des Land­tags und der Regierung begrenzt fei.

*

Der neue preußische Finanzminister ist am 17 August 1888 in Brotterode (Kreis Schmalkalden) geboren steht also im 43. Lebensjahr. Nach Ab­legung der großen juristischen Staatsprüfung wurde er 1921 Syndikus des Reformbundes der Gutshöfe in Bad-Nauheim. Mitte 1923 übernahm er das Amt eines geschäftsführenden Vorstandsmitgliedes des Domanenpächter- verbandes, um später nach Gründung der Deutschen Domänenbank (Deutsche Pächter- Kreditbank), an der er an maßgebender Stelle mit­gewirkt hatte, im Oktober 1924 Vorsitzender des Vorstandes dieses Instituts zu werden. Anfangs 1928 wurde Klepper zum Präsidenten der Preußischen Z e n t r a l - Genossen­schaftskasse ernannt.

Oer neue Mann im Echo der preffe.

Schärfstes Mißtrauen auf der Rechten.

Berlin, 8. Nov. ($11.) Zur Ernennung Kleppers zum preußischen Finanzminister meint dieGermania", man hätte sich sehr gewundert, wenn Höpker-Aschoff wieder beauf­tragt worden wäre, da Höpker-Aschoff durch feine höchsteigene Initiative aus dem preußischen Finanzministerium ausgeschieden sei, und weist daraus hin, dah Klepper schon bisher als Präsi- dent der Preuhenkasse einen guten Ruf gehabt habe. DieD A Z." (Volkspartei) weist darauf hin, dah die Preuhenkassenpolitik Kleppers hef­tig u m k ä m p f t und von der Rechten, besonders von der Landwirts cha ft, immer wieder aufs schärf st e angegriffen worden fei. Durch seinen Eintritt in das Kabinett habe sich dessen Kampfcharakter zweifellos verschärft. DieB ö r s e n z e i t u n g" (kons.) schreibt, Klep­per habe bereits als Leiter der Preuhenkasse sein Möglichstes getan, um über feine ein­deutig l i n k s o r i e n t i e r t e Gesinnung keinen Zweifel aufkommen zu lassen. Er gelte als erklärter Feind des Grohgrund- besihes. DieDeutsche Tageszeitung"

Oie südslawischen

ahlen.

Oie Wahlenthaltung der Opposition. Oie Regierungsliste bekommt alle Mandate. Nur ein deutscher Abgeordneter im neuen Parlament.

Oie Studenten demonstrieren gegen die Diktatur.

Der neue preußische Jinanzminisler.

Präsident Klepper von der preußenkaffe wird Nachfolger Höpker-Aschoffs.