Ausgabe 
9.10.1931
 
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Oie Pensionskürzung.

Berlin, 8. Okt. (CNB.) Sn verschiedenen Treffeerörterungen zu der neuen Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten befindet sich die Be­hauptung, durch die Pensionskürzungsvorschriften TeilIII Kapitel 5 würden die langgedien­ten Offiziere der alten Armee beson­ders scharf betroffen, die neuen Vor­schriften wirkten sich ihnen gegenüber in der Rich­tung einer Sonderbelastung aus. Diese Behauptung geht, wie amtlich mitgeteilt wird, fehl. GS ist festzustellen, daß die Notverordnung fiegenüber dem ursprünglichen Entwurf des Pen- ionskürzungsgesehes eine wesentliche Milde­rung enthält. Der § 1 des Abschnittes I der Bestimmungen bemißt die Kürzung des Ruhege­haltes nicht mehr lediglich nach der Dauer der Tätigkeit in der letzten Dienststelle, sondern berück­sichtigt daneben die Dauer der ruhege­haltsfähigen Gesamtdi^nstzeit. Diese Vorschrift wird im besonderen Maße gerade den altgedienten Offizieren <juguteioiii.acn. Auch die Vorschriften des Abschnittes II über die Dop­pelverdiener enthalten keinerlei Bestimmun­gen, durch die die alten Offiziere härter als die Beamten betroffen würden. Offiziere und Be­amte werden vielmehr gleichmäßig behan­delt. Durch die Festsetzung des kürzungsfreien Anrechnungseinkommens auf 6000 Mk. (zusam­men mit der Pension auf 9000 Mk.) sowie die Berücksichtigung der Kinder durch die Erhöhung dieser Summe um 600 Mk. für jedes Kind ist im übrigen ür die Sicherstellung eines ange­sichts der heutigen Erwerbsverhältnisse auskömm­lichen Arbeitse nkommenS Sorge getragen.

Der freiwillige Arbeitsdienst.

Sn Ostpreußen sind zwei Gruppen von Freiwilligen im Arbeitsdienst angesetzt, eine bei ilbertoangcn und eine bei Waldau. Träger des Dienstes ist in beiden Fällen die Technische N o t h i l s e. Bei Waldau handelt es sich um ein Gut von 400 Morgen, das besiedelt werden soll. Sn Sachsen hat jetzt außer der Ko- onne lungdeutscher A r d e i t s f r e i w i l - 11 g e r bei Bautzen auch das Reichsbanner unter denselben Bedingungen eine Kolonne von 50 Mann angesetzt, die im freiwilligen Arbeitsdienst beim Wegebau an der Lehnmühle bei Dippoldis-

~~T. '3m Kreise Stolzenau ! $cn) regulieren schon 15 Sungdeutsche

freiwillig einen Dach. Gin neues Projekt steht bei dem ein Einsatz von 50 Arbeitsfreiwilligen beabsichtigt ist.

Ein Moratorium für Aufwertungs- Obligationen?

«erUn 9 Ott (Hl.) DerBerliner Barsen. Courier meldet, daß von feiten der 3nbu- [t r i e dem Reichswirtschastsministerium der An- tragzugeleitet worden sei, den T e r m i n f ü r oje Rückzahlung der zum 1. Januar 1932 fäl- "gen Aufwertungsobligationen um fünf 3abre, also bis 1937 hinauszuschieben. Den! Antrag seien zugleich Entschädigungsoor-

Der chinesisch-japanische Konflikt.

Japan protestiert

gegen den wirtichafllichen Boykott

Osaka, 8. Oft. (Reuter.) Die Wirtschaftliche Vereinigung für chinesische Wirtschaftsfragen, die Vereinigung der japanischen Baumwollspinne­reien und 12 führende Sndustrieorganisationen haben den Völkerbund auf unerträgliche Seiten deS chinesischen Boykotts aufmerksam gemacht, die eine andere Form der antijapanischen Agi­tation Chinas darstelle. Es seien unter der Aegide der lokalen Koumintangs und der Handelskam­mern antijapanische Gesellschaften gegründet worden, die in zahlreichen chinesischen Städten die antijapanische BetGgung verbreiten. Diese Organisationen schickten aus Studenten be­stehende Kommissionen ins Land, die japa­nische Waren mit oder ohne Einwilligung der Kaufleute beschlagnahmten. Diese privaten Behörden erhöben Steuern von chinesischen Kaufleuten, die japanische Waren verkauften. Manchmal gingen sie sogar so weit, solche chine­sischen Kaufleute zu bestrafen, indem sie ihnen Brandzeichen auf d i e Stirn drückten oder sieoffentlichinKäfigenzurSchau stellten. Die Sicherheit deS japanischen Lebens und Eigentums sei ernsthaft bedroht.

Wie verlautet, wird die japanische Regierung morgen in Nanking einen scharfen Pro» t e st überreichen lassen. Sn diesem wird der chine­sischen Regierung vorgeworfen, dah sie nichts gegen die organisierte systematische antijapanische Bewegung unternommen habe. Die chinesische Regierung wird beschuldigt, die in Genf übernommene Verpflichtung, sich aller Maßnahmen zu enthalten, die die Lage erschweren könnten, nicht eingehalten zu haben.

Baldwins Wahlmanifest.

Die Konservativen fordern den Zolltarif.

L o n d o n, 8. Okt. (WTB.) Der Führer der K o n. servatioen Partei Baldwin, oeröffent» licht heute ein Wahlmanifest, in dem es u. a. heißt: Auf dem internationalen Gebiet ist es notwendig, daß wir die Fragen der Kriegsschulden, der R e > paratlonen, der Abrüstung, der ungleichen Verteilung des Goldes in der Welt und der finanziellen Verflechtung der Länder einer Prü­fung unterziehen. Unter den Fragen der Innen- Politik ist die wichtigste diejenige der passiven Handelsbilanz, deren Reaktivierung für die Stabilität unserer Finanzen wesentlich ist. Diese kann nur durch dieSenkungderEinfuhr ober die Steigerung der Ausfuhr ober burch beides zusammen bewerkstelligt werden. Ich bin bereit, olle Methoden zu prüfen, durch die das Notwendige er­reicht werden kann. Ich erkenne an, daß sich die Lage durch die Entwertung des Pfund Sterling ge- ändert hat, ich bin aber der Meinung, daß diese Entwertung keinenrichtigenErsatzsür sorg­fältig ausgearbeitete und der gegenwärtigen Lage angepahte Z o l l t a r i f e darstellen kann. Ich werde also fortfahren, den Wählern Zolltarife als die schnell st e und fidjerfte Waffe zu empseh. len, nicht nur zur Senkung der übermäßigen Ein- fuhr, sondern auch um uns zu gestatten, in wirk­samer Weise die anderen Länder dazu zu bewegen, die Höhe ihrer Zollmauern herabzusetzen. Das Pro- blem des Reiches ist, die wirtschaftliche Ein. Helt zu erzielen. Das Ideal der Reichswirt­schaftseinheit ist heute weit verbreitet, und ich bin überzeugt, daß die Grundlage einer solchen Einheit mit der allgemeinen Unterstützung unseres Volkes gelegt werden wird.

Readings Besuch in Paris.

Zufriedenstellendes Ergebnis der englich-französischen Fühlungnahme.

P a r i s, 8. Okt. (TU.) Der britische Außenminister Lord Reading ist heute abend wieder nach London abgereift. Lord Reading hat durchblicken lassen, daß die englische Regierung augenblicklich nicht an die Stabilisierung des Pfundes denkt. Sie wolle vielmehr die Festigung des Pfundkurses und den Ausgang der Neuwahlen in England abwarten. Französischerseits ist England die jederzeitige Hilfe Frankreichs zugesagt worden. Die bevorstehende Washingtoner Reise und die Abrüstungskonferenz waren int übrigen Haupt- gegenständ des Meinungsaustausches. In gut unter- richteten französischen Kreisen erklärt man, Laval habe zur Abrüstungsfrage erneut darauf hingewie­sen, daß Frankreich nur bereit fei, in dem Maße abzurüsten, wie die gegenseitige Unter­stützung im FollbewaffneterKonflikte konkrete Formen annehme, lieber die franzö- fisch-englischen Handelsbeziehungen, die durch 'den Psundkurs stark in Mitleidenschaft ge­zogen find, unterhielt sich Lord Reading mit dem französischen Handelsminifter. Beide versicherten, alles für eine möglichst reibungslose Abwicklung der Handelsbeziehungen zu tun. In der Repara - t i o n s f r a g e versicherte Ministerpräsident Laval, daß in Washington sehr wohl vorläufige Maß­nahmen ergriffen werden könnten. An eine end­

gültige Regelung dieser Frage sei jedoch nur auf der Grundlage einer strikten Trennung der Reparationen und der interalliierten Schulden zu den. ken.Daily Mail" berichtet, in Pariser politischen Kreisen fei oorgeschlagen worden, England zu den Besprechungen Lavals mit Hoover hinzuzu - Ziehen. Dieser Vorschlag sei aber bisher noch nicht offiziell vorgebracht worden, da naturgemäß der erste Schritt hierfür von Amerika ausgehen müsse. Times" bezeichnet den Verlaus der Verhandlun. gen Readings als sehr zufrieden stellend. Lord Reading sei besonders über die deutsch-franzö- fischen Beziehungen, den bevorstehenden Besuch Lavals in Washington und die Stabilisierung der Währung unterrichtet worden. Der Umfang und die Offenheit der von den französischen Stellen ge­gebenen Informationen fei bemerkenswert. Die Um- stände hätten Frankreich in eine Lage gebracht wo es einen entscheidenden Einfluß auf die Angelegenheiten der Welt ausübe. Die Initiative läge bei Frankreich. Nach Reuter hat Lord Reading Paris verständigt, daß die englische Regierung das Pfund sobald wie möglich nach den Wahlen stabi- lisieren wolle, und Aroar zum Wert von etwa 100 Franken für das Pfund ober etwa rund 16 Mark.

schlägesürdie Gläubiger beigefügt worden, u. a. sollen danach die Z i n s e n um 2,5 auf 7,5 o. H. also wie bet den Aufwertungshypothekem die über 1931 hinauslaufen erhöht werden. Man wolle erwirken, daß diejenigen Unternehmungen, die am 1. Januar 1932 zahlen müssen, dazu aber außer- stände seien, in einer Veröffentlichung erklären, daß sie von dem Moratorium Gebrauch machen. Einer befoaberen Zustimmung der Gläu­biger soll es nicht bedürfen. Der Moratoriumsantrag erstreckt sich auf die durch Auslosung fällig werden­den Beträge.

Das höhere Schulwesen in Hessen.

Der Hessische Philologen-Derein teilt der Presse u. a. folgendes mit: Entgegen dem verbreiteten Schlagwort von derI n f l a t i o n der höhe­ren Schule" ist festzustellen, daß die Schülerzahl der höheren Knabenschulen Hessens gegenüber der Vorkriegszeit nicht gestiegen ist. Sie betrug 1909: 13 268, 1917: 13 774 und beträgt 1931: 13 754. Dagegen ist bei der Schülerinnenzahl der höheren Mädchenschulen eine Zunahme zu verzeich­nen, deren leicht verständliche Ursachen in der Er­ringung der politischen Gleichberechtigung der Frau und in dem sich dauernd steigenden Zudrang der Frau zum Berufsleben zu suchen sind. Der Prozentsatz der von der Grundschule zur höheren Schule über­tretenden Kinder ist in ständigem Sinken be­griffen: 1929 15,3, 193012,9, 193111,77 Prozent. Richtig ist, daß aufberDberftufe der höheren Schulen ein Anwachsen ber Schüler- zahlen zu verzeichnen ist, bas auf der Schwierigkeit beruht, ein Unterkommen im Erwerbsleben zu fin­den. Soweit dem Zuwachs durch schulische Maß­nahmen zu steuern ist, geschieht es in Hessen durch eine beträchtliche Verschärfung der Auslesebestim­mungen. Das höhere Schulwesen in Hessen erfordert einen wesentlich geringeren Zuschuß wie das der meisten anderen Länder. Nach den Berechnunaen des Statistischen Reichsamtes betrug 1925 der Hu» fchußbedarf für das höhere Schulwesen auf den Kopf ber Bevölkerung:

im in

Reichsdurchschnitt Hessen für den Staat 4,58 Mk. 4,23 Mk.

für die Gemeinde 2,62 2,45

zusammen 7,20 Mk. 6,68 Mk.

Seit 1925 hat Hessen die Einnahmen aus seinem höheren Schulwesen durch eine empfindliche Er­höhung des Schulgeldes gesteigert, die Ausgaben durch fortgesetzten Stellenabbau gesenkt. Seit 1926 sind an den höheren Schulen Hessens 93 Stel­len g e st r i ch e n und 61 Stellen auf den Inhaber gesetzt worden. Auf 37 noch vorhandene Assessoren- stellen warten heute schon 345 Assessoren und Refe­rendare. lieber die Hälfte aller Oberstufenklassen und mehr als ein Viertel aller Klassen sind über­füllt. Primen mit 40 Schülern und Kombina­tionen, selbst von Oberklassen, in den Hauptfächern kennzeichnen einen Zustand, der sobald wie möglich revidiert werden muß.

Aus dem Gesehgebungsauöschuß.

WHP. Darmstadt. 8. Okt. Der Gesetz- gebungsausschuß des Hessischen Landtags führte die Beratung des Naturschutzgesetzes zu Ende. Die Regierung hat die Artikel 21 und 22 sowie zu den früher genehmigten Artikeln radi­kale Aenderungen vorgeschlagen, denen der Aus­schuß zustimmte. Ein Antrag des Zentrums­abgeordneten Keller- Gießen auf verstärk- ten Schuldnerschuh wurde der Regierung einstimmig als Material Überwiesen. Ein vom Ministerium für Arbeit und Wirtschaft vor­gelegter Gesetzentwurf zur Aenderung des Ge­setzes über die landwirtschaftliche U n - fallversicherung vom 21.Dezember 1912 wurde einstimmig genehmigt. Bisher wurden die Beiträge zu der Unfallversicherung von den Gemeinden cingezogcn. Eine Anzahl von Ge­meinden hatte aber, da es an flüssigen Mitteln fehlte, die Beiträge zunächst zurückgehalten und für Wohlfahrtsunterstützungen verausgabt. Da dies zu Llnzuträglichkciten führte, wird nunmehr der Genossenschaft das Recht gesetzlich zugcsprochen, die Beiträge unmittel­bar von den Beitragspflichtigen einzuziehen.

Oie Kandidaten des Christlich-Sozialen Vottsdienstes.

WSR. Darmstadt, 8.Okt. Der Christ, l l ch - Soziale Dolksdienst (evangelische Bewegung, hat für die hessischen Land­tagswahlen am 15. November folgende Kan­didaten an erster Stelle der Liste nominiert: 1. Lehrer Gred, Mainz-Weisenau. Landesvor­sitzender des Christlich-Sozialen Volksdienstes; 2. Geschäftsführer Schmitz, Gießen; 3. Arbeiter^ sekretär Läufer, Darmstadt; 4. 3ugcndpfarrer zur Rieden, Offenbach; 5. Studienassessor Schneider. Grünberg. Auf der Liste stehen u-,av 81 Heßler. Oberrangiermeister.

Vad-Rauheim; 9. Müller» Ahlheim. Shc- frflu.®runberg; 11. Wahl. Strafanstaltspfarrer, Butzbach; 13. V e e s e m e y e r. Apotheker, Gedern; 16. Koch, Professor Dr., Gießen.

Aus aller Wett.

Das Jüterboger Eisenbahnattentat.

3n der Nacht wurde der knecht kurt Bartels in hohenfeefeld wegen Verdachts der 7Nit- t a t e r s ch a f t an dem Jüterboger Eisenbahnattentat fe st genommen und dem Kriminalkommissar Dr. Wächter, der der Untersuchungskommission für das Elsenbahnattentat angehört, vorgeführt. Der Kommissar veranlaßte die sofortige Ueberführung Bartels nach Berlin. Bartel» soll auch an dem Sprengstoffdiebstahl in Peterrhaln (Niederlan- sih) beteiligt gewesen sein, wo vor einiger Zeit etwa 50 Pfund Sprengstoff entwendet wurde.

Schweres Lxplosionsunglück in Gdingen.

3n ® b i n g e n stürzte durch die Explosion eines größeren Gasbehälters im Wohnhäuserblock des Verbandes für Geistesarbeiter ein Teil des 200WohnungenumfassendenGebäu- deblocks ein. Vierzehn Wohnungen sind gänz­lich zerstört. Die ganze Nacht wurde gearbeitet, um die V e r s ch ü 11 e t e n zu retten. Bisher konnten neunToteundsiebenVerlehte. darunter ein Schwerverletzter, geborgen werden. Unter den Trümmern befinden sich vermutlich noch siebenPersonen. Die Katastrophe er­folgte während einer probeweisen Zuleitung des Leuchtgases. Anscheinend isteinRohrundicht geworden und das ausströmende Gas mit einer offenen Flamwe in Berührung gekommen. Es handelt sich hier um Erdgas, das bekanntlich fast geruchlos ist, so daß ein Entweichen auS undich­ten Rohren schwer festzustellen ist. Die Rettungs­mannschaften der Feuerwehr, der Polizei und eine Kompanie der polnischen Kriegsmarine sind bei der Bergung tätig. Etwa 11 Wohnungen sind völlig zerstört.

Brand in einer Geflügelfarm.

3n Glansee (Kreis Greifenberg) in Pom­mern wurden durch ein Großfeuer die Ge­flügelfarm von Wesenberg und vier Bau­ernhöfe vernichtet. Lediglich die Wohn­häuser der vier Besitzer der Bauernhöfe konnten von den am Brandort erschienenen 24 Feuer­wehren vom Feuer freigehalten werden. Da auch die eine Seite des Dorfes schwer bedroht war, wurde der Motorlöschzug aus Kol­be r g zu Hilfe gerufen, dem es im Verein mit den übrigen Wehren gelang, des Feuers Herr zu werden. Mitverbrannt sind etwa 900Hüh- ner und d i e gesamten Ernten der vier Besitzer.

Pfeilerbruch auf einer schlesischen Grube.

3n Beuthen (Oberschlesien) wurden infolge des Zusammenbruches eines Pfeiler- auf der 724 Meter tiefen Sole der Karsten-Zentrum- Grube 5 Bergleute verschüttet. Durch die unter Leitung der Bergbehörde sofort auf» genommenen Bergungsarbeiten gelang es, einen der Verschütteten, der nur unerheblich verletzt ist. zu bergen. Die Rettungsarbeiten wurden mit allen Kräften weitergeführt. 3m Laufe einer zwölfstündigen Rettungsarbelt wurden vier als Leichen geborgen.

Schnelle Justiz.

3n Nürnberg fand sich in einem in einer Wirtschaft abgehaltenen Sprechabend der NSDAP, ein ehemaliger Fremdenlegionär ein und nahm auf einem'Stuhl vor dem Rednertisch Platz. Nach kurzer Zeit stand er auf, begab sich in eine Ecke des Saales, zog eine geladene Pistole aus der Tasche und legte diese gegen den Redner an. Die Pistole wurde ihm sofort entrissen. Der Täter wurde bereits am folgenden Tage vom Schnellrichter zu einer Gefängnisstrafe von a ch t Monaten verurteilt. Er wurde sofort in Haft ge­nommen.

Ein Führer de» Deutschtums in Brasilien gestorben.

In Blumenau (Staat Catharina, Brasi - l i e n) starb Ioss D e e t e, früher Direktor der Hanseatischen Kolonisattonsgesellschaft in Hammonia, im Alter von 56 Jahren. Der Verstorbene gehörte einer der ältesten Familien Blumenaus an; sein Vater zählte zu den Mitarbeitern Hermann Blu- menaus, des Gründers der Kolonie. Jost Deeke hat sich um die Entwicklung der Blumenauer Hansa große Verdienste erworben und sich auf dem Ge- biete der Landmessung und des Kartenzeichnens so­wie als Schriftsteller einen Namen gemacht. Er hot zahlreiche treffliche Arbeiten über die Geschichte sei- ner Heimat und seines Heimatstaates geschrieben. Decke ist stets für die Pflege von Kirche und Schule und alle gemeinnützigen Bestrebungen eingetreten.

3n 41 Stunden über den Pazifik.

Die beiden Tokio-Flieger Pangborn und Hern» don sind in Wenarchee im Staate Washington gelandet. Sie haben den ersten ununterbroche­nen Flug über den Pazifischen Ozean in 41 Stun­den durchgeführt. Die Flugstrecke beträgt rund

8400 Kilometer. Kurz nach dem Aufstieg tn Samushiro in 3apan hatten die Flieger die Lan­dungsvorrichtung des Flugzeuges abgewor­fen. um bai Gewicht zu vermindern. Sie muh­ten daher die Landung ohne Räder vorneh-- men. Um eine Explosion zu vermeiden, hatten sie zuvor den Rest ihres Gasolins abgetoorfen. DaS Flugzeug überschlug sich beinahe beim Aus­sehen auf den Boden, drehte sich dann nach links und kam schließlich !n einer riesigen Staubwolke zum Stehen. Die Flieger blieben dabei un­verletzt.

Aus Der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 9. Oktober 1931.

Wieviel Schlaf braucht der Mensch?

Don Or. med. Hans Voltenborn.

Die Frage, wieviel Schlaf der Mensch braucht, dürste jeden interessieren, denn es ist wohl nie­mand von den unangenehmen Folgen dauernden Nichtausschlafens frei. Gs ist ja nicht zu leugnen, dah Schlaf und Leistungsfähigkeit des Menschen voneinander abhängen. Trotzdem toirb cs uns auffallen, daß gerade manche Menschen, die den Tag über besonders viel arbeiten, abends noch lange ausgehen können und am anderen Morgen tpieber früh vollkommen krisch zu ihrer gewöhn­lichen Beschäftigung erscheinen. 3m Gegensatz oaju gibt es Patienten, die dem Arzt schildern, daß sie beinahe regelmäßig zehn Stunden schla­fen und trotzdem immer über Müdigkeitsgefühl au klagen haben. Wodurch begründen sich nun drese rätselhaften Unterschiede? Man kann wohl mit Sicherheit behaupten, dah unbedingt ein Unterschied zwischen geistiger und körperlicher Arbeit zu machen ist. Diejenigen Leute, die ihrem Beruf nur mit starker Anspannung ihrer gesamten Muskelkräfte nachgehen können, werden bedeutend gröberes Schlafbedürfnis haben als die geistigen Arbeiter. Bei diesen sind sogar besonders die Kopfnerven nach Spätarbeit so angestrengt und angespannt, dah es ihnen meistens besser bekommt, wenn sie nicht direkt nach Be­endigung ihre« Tageswerkes sich zur Nachtruhe begeben, sondern erst irgendwelche Ablenkung vorher versuchen, um eine allgemeine Entspan­nung des Nervensystems hcrbeizusühren. Eine grabe Rolle übt bei diesen Leuten auch oft das Iinotin aus, welches durch seine anfängliche Nervenanspannnung längeres Wachsein ermöglicht.

Bisher hat man in den weitesten Kreisen sich die einfache Formel zu eigen gemacht, dah die 3ugend bedeutend mtzhr Schlaf brauche als da- und aus seinem Bekanntenkreise Immer nn Menschen gedacht, die deshalb angeblich so früh aufstehen, weil sie wegen ihres fortgeschrit­tenen Lebensalters doch nicht mehr lange schlafen 3",Amerika ist jedoch vor kurzem eine Statistik veröffentlicht worden, die eine Umfrage bet über 500 Prominenten über deren Schlaf­gewohnheiten berücksichtigt.

Die Ergebnisse waren ganz anders, al- man eigentlich vermutet hatte Es hat sich nämlich herausgestellt, daß gerade das höhere Alter und außerdem die Befragten zwischen 35 und 40 3ahren besonders viel Schlaf brauchen.

Die Dauer eines genügenden Schlafes kann man im Durchschnitt wohl auf acht Stunden annehmen. ES steht fest, daß sich durch Gewöhn-

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Der hohe Druck über Frankreich hat sich mehr nach ^ntraleuropa verschoben und nimmt auch un­seren Bezirk in seinen Bereich. Dabei ist die starke Wcststramung sehr schnell abgeflaut. Die abfintenbe Luftbewegung hat bereits die Bewölkung aufgelost und heiteres Wetter eintreten lassen. Die Tempera­turen, die nunmehr durch Ein und Ausstrahlung bestimmt werden, erfahren zwischen Tag und Nacht stärkere Gegensätze. Obwohl über Island bereits eine neue kräftige Störung erschienen ist, dürfte bei uns die Hochdruckwetterlage zunächst erhalten blei­ben. Doch wird die in höheren Schichten vordrin­gende Warmluft in der Frühe zu verbreiteter Nebel- bildung führen.

Dorhersage für Sam «tag: Morgens dunstig, tagsüber aufheiternd und warm, nacht- stärkere Abkühlung, trocken.

-Vorhersage für Sonntag: Weiterhin jrupncbcl, im ganzen noch etwas wärmer, tags­über ausheiterno. aber auch leicht bewölkt.

Lusttemperaturen am 8. Oktober: mittag» 13,7 Grad Celsius, abends 11 Grad; am 9. Oktober: mor­gen» 9,7 Grad. Maximum 14,2 Grad, Minimum 7,6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 8 Oktober: abends 11,4 Grad; am 9. Oktober: mor­gens 10 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 5% stunden. Niederschläge 0,1 mm.