Das bißchen Erde.
Vornan von Richard Glowronnel.
Copyright by I. Engelhorns Nachf., Stuttgart.
27. gortlcRung. Nachdruck verboten
Die rundliche Förstersfrau machte eine wegwerfende Handbewegung. Der 2lerger siegte über den anerzogenen Respekt ...
„Ah was, Herr Graf! Weshalb schlug dem Deuwel seine Großmure ihren Enkelsohn? Weil er — entschuldigen Sie vielmals, Herr Graf — eine Dummheit begangen hatte! ... Und das mit der Ehrlichkeit, ach du mein lieber Gott? ... Eigentlich stak mir auch ein andrer im Kopf, als ich meinen Alten heiratete. Das legt sich! Jetzt heben mich schon immer die Aengste, wenn er abends mal 'ne Stunde länger als sonst im Wald bleibt"... Sie brach ab, eine flüchtige Röte huschte über ihre Wangen, als hätte sie schon zu viel von ihrem Allereigensten hergegeben ... Wenn es wenigstens noch was geholfen hätte! Aber der junge Herr stand schweigsam, nagte mit den weihen Zähnen an der Unterlippe. And seine Augen hingen an der Haustür, als könnte er's gar nicht mehr erwarten, das; sie sich endlich auftun würde----
Die schwarzhaarige Zofe trat auf die Schwelle: „Die jnäd'ge Frau lassen viAen" ...
OK alte klappte die sporenbewehrten Hacken zusammen und zog die Weste zurecht, als wäre es ihm eine besondere Ehre. Die Frau Försterin ballte hinter ihm die Faust: o über dieses wetterwendsche Mannsvolk! Wenn irgendwo ein paar blanke Augen lockten, da liefen sie hin, alles andre war vergessen. Aber daß es da drinnen nach dem ersten Anfang keine Fortsetzung gab, dafür wollte sie sorgen. Acht Tage, hatte der Herr Doktor gesagt, zum mindesten! Das war Ansinn ... Diese Berliner Dame hatte sich so rasch erholt, daß sie schon morgen wieder im Wagen sitzen konnte zur Rückfahrt nach Alten- Krakow. And sie ärgerte sich, das; sie dem Herrn Grafen nicht mitgeteilt hatte, was die Apotheker- Dörthe erzählte, die alte Dorfhexe, die im Mondschein heilkrästige Kräuter suchte. Zwei hatte die gestern abend reiten sehen auf dem Krakower Weg, eine Dame in langem Kleid und einen Herrn in Uniform ... Sie sprachen laut miteinander, als stritten sie sich, aber sie hatte nicht sonderlich darauf geachtet, und die beiden ritten weiter ...
Malte stand in der niedrigen Wohnstube seines Försterhauses. Die Zofe schloß hinter ihm die Tür, ein schwerer Dult wie von fremdartigen Blumen schlug ihm entgegen. Hinter dem run-
den Tische auf dem braunen Ripssofa sah ein blondes Persönchen in einem kleidsamen Morgengewand aus lichter Seide und Spitzen. 3n einem blassen Gesicht leuchteten ein paar ganz unwahrscheinlich große blaue Augen, eine schmale, von funkelnden Ringen bedeckte Hand streckte sich ihm entgegen. ,
„Haben Sie Dank, Herr Graf! Innigsten Dank! ... Ich weist alles, was Sie für mich getan haben. Der liebe Doktor hat's mir er- klärt ... wenn ich noch eine halbe Stunde länger auf dem kühlen Erdboden gelegen hätte ... Lungenentzündung aus ... erledigt. Liselottchen!"
Malte führte die kleine Hand an die Lippen.
„Das ist wohl eine Aebertreibung, gnädige Frau. Die Herren Aerzte übertreiben immer ein bistchen. Ich bin bescheidener. Cs war keine groste Heldentat, Sie das kurze Endchen nach Hause zu tragen ...“
Heber das schmale Gesicht huschte em Lächeln, unter roten Lippen blitzten zwei Reihen Weister Zähne.
„Soll das heisten: den Dank, Dame, begehre ich nicht?" ...
Malte sah in einiger Verwirrung auf, das Blut schoß ihm unter die gebräunten Wangen. In dem leichten Flirt der Großstädter war er nicht genug bewandert, um eine gleiche kecke Antwort zu finden. And er erwiderte, ein wenig schwerfällig: „Sie haben sich doch schon bedankt, gnädige Frau! Biel zu überschwenglich. Wenn Sie so wollen, bedanken Sie sich bei dem Zufall, der mich den Weg entlang führte ... And Sie sind ja, Gott sei Dank, glimpflich davongekommen. Aber der arme Gaul ...
Sie fragte hastig: „Was ist's mit meinem Ali?" ... Da zögerte er erst ein wenig, aber sie hätte sich doch wohl nicht mit einer leeren Ausflucht begnügt .....Der ist koppheister ge
gangen. Der rechte Borderlauf gesplittert bis zum Knie — es war nichts mehr zu helfen. Wäre doch nur unnütze Quälerei gewesen ... ich hab' ifjx durch meinen Förster erschießen lassen!"
Cie griff mit der Hand nach dem Herzen und lehnte sich zurück mit geschlossenen Augen. Zwei dicke Tränen lösten sich unter den dunkeln Wimpern, rollten ihr langsam über die Wangen. Malte aber empfand eine Art von Freude dabei. Wer so aufrichtig fühlte, konnte doch innerlich nicht schlecht sein ...
Frau Liselotte zog ein spihenbesehtes Tüch- lein, tupfte sich die Augen.
„Verzeihen Sie, Herr Graf, es ist mir sehr nahegegangen. Man hat nicht allzu viel Freunde, und da tut's um jeden leid, der verloren geht" ...
„Ich kann's Ihnen nachfühlen", erwiderte er ernsthaft. „Man gewöhnt sich an so einen Kameraden!"
Danach schwiegen sie beide, es gab eine lange Pause. Ihm legte sich's unter dem schwülen
Dufte tn dem niedrigen Zimmer wie ein eiserner Reif um die Stirn, er wußte nicht, wie er die Unterhaltung weiterführen sollte. Die kleine Frau aber hatte in ihrem leichtbeweglichen Spahen- köpfchen ein Paar ungewohnte, nachdenkliche Augenblicke. Ob es nicht doch besser wäre, nach Berlin zurückzukehren? ... Ein leichtsinniger Flirt war gestern abend zu Ende gegangen ... fast bangte es ihr, einen neuen anzufangen. Der da drüben schien von einem andern Schlag. Einer, dem das Blut dick in den Adern floß, der's womöglich schwer nahm, was nur ein Zeitvertreib sein sollte, um die tödlich langweiligen Stunden zu kürzen ... Aber da war etwas, was sie unwiderstehlich lockte. Der Starke da drüben hing an einer andern. An einer, die mit dem ganzen kühlen Hochmut ihrer Kaste jeden Versuch einer Annäherung zurückgewiesen hatte ... And die wartete nur auf seine Rückkehr. Teilte einen Korb nach dem andern aus ... Der kleine Friedeberger Dragoner hatte sie ja über den ganzen Klatsch in der Amgegend unterrichtet. Eine Bewegung fiel ihr ein, die die andre an sich hatte, immer wenn sie mit ihr sprach. Immer hob sie ein wenig den Rocksaum an, wenn sie einander im Schlosse oder Parke begegneten ... Eine ganz kurze Bewegung war es nur, aber sie markierte deutlich den Abstand: ich bin eine makellose Frau, der niemand was nachsagen kann ... O wie sie sie haßte! ... And endlich bot sich ein günstiger Zufall, all die Demütigungen heimzuzahlen. Rur mußte man den jungen Riesen da auf eine besondere Art anfassen. Schon unter dem ersten leichtfertigen Wort war er scheu geworden ...
Frau Liselotte richtete sich aus der schmerzlichen Versunkenheit wieder auf, fuhr leicht mit der Hand über die Stirn.
„Was ist das Leben, mein lieber Herr Graf? Eine einzige Reihe von Verlusten! Schließlich steht man ganz allein ... fragt sich, was hat das alles für einen Zweck?"
Er widersprach. Im Innersten erleichtert, daß das bedrückende Schweigen ein Ende hatte.
„Run, gnädige Frau, Sie haben doch Ihren Gatten ... ihre Eltern" ...
Sie schlug die langbewimperten Augen auf, sah ihn voll an.
„Ich meine die innerliche Einsamkeit. Tausend Menschen können um einen fein, man ist doch allein. And da empfindet man eines Tages einen Ekel vor dem Getriebe ringsum. Man geht fort, sucht etwas andres. Etwas Arsprüngliches, wo nicht geheuchelt wird, nicht gelogen noch betrogen ... Meine Bekannten in Berlin wundern sich, daß ich als geborene Großstädterin mir keine andre Zerstreuung weiß, als hier durch die weiten Wälder zu streifen und mit -mir allein zu fein. Auf die Frage weiß ich keine Antwort, zucke mit den Achseln. Was soll ich ihnen erklären? Daß
ich hier ganz still und zufrieden bin? ... Durch einen Zufall habe ich diesen gesegneten Fleck Erde hier kennen gelernt. Ich gedenke nicht, mich so bald von ihm zu trennen" ...
Malte wollte irgend etwas antworten, aber alles, was sich ihm In Gedanken formte, war banal. Da schwieg er lieber. Aber ein heiliger Zorn stieg ihm auf gegen alle, die dieser reinen Frau Schlechtes nachsagten. And weshalb? Rur, weil sie sich absonderte und anders war als die übrigen ... Geradezu frevelhaft jedoch erschien es ihm, sie mit dem Panschenhagener Zweitgeborenen in Verbindung zu bringen. Einem widerwärtigen verlebten Burschen, der wie ein Halbaffe aussah, in eine bunte Jacke gesteckt ... And der hätte sich weiden dürfen an all den Herrlichkeiten da drüben, an dieser holdseligen Verkörperung aller Keuschheit und Reinheit? Ein Verbrechen war es, so etwas nur zu denken! ...
Frau Liselotte fing wieder an zu sprechen. Fast als hätte sie erraten, was ihn in seinem Innersten bewegte ... in ihrem feinen Sümmchen war ein bitterer Klang.
„Natürlich sucht man hinter dieser Flucht in die Einsamkeit etwas andres. Aber ich lasse mich nicht anfechten. Wenn die Menschen lange genug geredet haben, hören sie von selbst auf. Anfer- elns hat dafür die Genugtuung, fte recht von Herzensgrund $u verachten!" ...
Malte verneigte sich zustimmend. Er entfann sich, daß er ähnliches gedacht hatte, vor jenen langen zwei Jahren, ehe ihn das Urteil der andern in die Fremde trieb ... Aber zu dieser Verachtung mußte man stark fein und ohne Makel. Richt im Innersten immer von dem quälenden Bewußtsein geschlagen, die andern haben ja recht ...
Es klopfte an der Tür, die Frau Förster steckte den Kopf herein.
„Entschuldigung, Herr Graf, wenn ich störe. Mein Mann ist eben zurückgekommen. And denn — möchte ich gehorsamst bemerken — der Herr Doktor hat mir eingeschärft, die gnädige Frau soll sich ganz ruhig verhalten. Wenn er heute nachmittag wiederkommt und findet sie schlechter ... Wer kriegt die Vorwürfe? ... Ich!"
Malte war aufgestanden. Sein Besuch hatte nicht lange gedauert, aber es war ihm recht so. Seiner Höflichkeitspflicht hatte er genügt, es war Zeit, daß er die Flucht ergriff. Don der zierlichen kleinen Frau ging ein ganz unsagbarer Zauber aus ... er fühlte es deutlich: wenn er noch länger in ihrer Nähe blieb, war er ihr ohne Rettung verfallen... And was frommte es, sich das Herz mit einer hoffnungslosen Leidenschaft zu beschweren? ...
Frau Liselotte legte, ein wenig schmollend, den mit dicken blonden Flechten beschwerten Kopf auf die Schulter. Die Bewegung stand ihr reizend.
lFortsetzung folgt.)
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