Ausgabe 
9.9.1931
 
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Nr. 210 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Mittwoch, 9. September 1951

Die Liquidation der Diklalur in Südslawien Unter dem Druck der Finanzkrisis. Oie parlamentarische Fassade.

"Ganz so wie in Spanien."

Don unserem 1-. ^.-Korrespondenten.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Dieser Aufsah wurde geschrieben, bevor bekannt geworden war. daß König Alexan­der sich zum Erlast einer Dersas- f u n g entschlossen hatte, die allerdings, da das Diktaturkabinett de- Generals Ziw - t o w i t f ch unverändert in seinen Aemtern bestätigt wurde, nur die Bedeutung einer parlamentarischen Fassade hat. Der tol- gende Aussatz schildert die wirtschaftliche und politische Entwicklung in Südslawien, die zur Liquidation der Diktatur sührte.

Die Erkenntnis, dast eS so nicht weiter geht, ist in Südslawien zu einer Binsenweisheit geworden. 2rgendetwaS must geschehen, damit der Staat dem Strudel der Wirtschaftskrise entrissen wird, hinter der die schwersten politischen Gc- sahrend rohen. Man weist nut nicht recht, waS man unternehmen soll. Zeiten grober Not ver­langen meist die »Zusammenfassung aller Kräfte". Aber schon dieser Anfang ist in Südslatvien un­gewöhnlich schwer. Wie soll man denn »usammen- sasscn können, wa- seit jeher auseinanverstrebte?

Südslawien leidet an drei Krisen. Zuerst a n der politischen Krise, die durch die ser­bische Diktatur eine Zeitlang auSgeschaltet werden konnte. Sodann an einer latenten Wirt­schaftskrise und schliestlich an einer schweren und akuten F i n a n z k r i s e. DaS dringendste Problem ist augenblicklich die Beschassung von möglichst vielem Geld. Doch die Gläubigerstaa­ten schütteln den Kops. Wer soll denn die Ga­rantie für ihre Anleihen übernehmen? DaS Belgrader Regime wird mehr denn je als vor­übergehend betrachtet und was nach seinem Sturze kommt, weist niemand. Schon im Dor­jahre, als das Vertrauen deS Auslandes noch nicht so stark erschüttert war, bekundeten die west­lichen Kapitalsmärkte eine erstaunliche Derstei- sung gegenüber Südslawien. Wäre der Zufall der deutsch-österrcichifchen Zollunionspläne nicht eingetreten, faste Belgrad heute noch ohne An­leihe dar. So erhielt cs einen Tropfen auf einen heisten Stein. Frankreichs Finanzhilfe wäre schon unter normalen Umftäntan zu gering gewesen, durch die Ereignisse des Sommers aber wurde sie völlig wirkungslos.

Ein kurzer Uebcrblid über die finanzielle Lage zeigt ein düsteres Bild. Der Belgrader Staats­haushalt beträgt insgesamt 13 Milliarden Di­nar oder rund 900 Millionen Mark. Schon aus dieser verhältnismästig geringen Summe erkennt man die schwache Finanzkraft des Landes. Zur Deckung der Ausgaben bienen natürlich in erster Linie Zölle, Steuern, Monopole und Tribute. Aber so wie die Reparationen plötzlich versiegten, erfüllten auch die Zölle und die Steuern nicht die Erwartungen. Man kann den Rückgang der Zolleinnahmen und die Einbusten der Kauf- und etcucrlraft des Landes aus feiner Ha nkreis­st i l a n z erschliesten. 3n den ersten sechs Mo­naten dieses IahreS ging die Ausfuhr um 31 Prozent und die Eintuhc um 25 Prozent im Werte zurück. Dazu kommen jetzt die Verluste durch das Weizenhandelsmonopol, die auf eine Milliarde Dinar 75 Millionen Mark ge­schätzt werden müssen. Die Mehrausgaben für die Weizenkäufe, die Mindereinnahmen bei den Steuern, Zöllen und Staatsmonopolen sowie der Derlust der Reparationseinkünste haben das Belgrader Budget auster Rand und Band gebracht. Die Ausgaben dürften kaum zu 60 bis 70 v. H. gedeckt fein. Da die Erschliessung neuer Einnahmequellen bei der Verarmung der Bevölkerung unmöglich ist, bleibt nichts anderes als eine unbarmherzige Drosselung der Ausgaben und die dringende Hoffnung auf eine möglichst große und möglichst rasche An­leihe übrig.

Politische Anleihen können jedoch nicht inS Un­endliche gewährt werden. Die französischen Ban­

kier- tragen schliestlich ihren Kunden gegenüber die Verantwortung für die auSgeborgten Gelder. Der französische Sparer hat ohnehin schon mit politischen Geschäften sehr betrübende Erfahrun­gen gemacht. Die vielen Milliarden, die in den russischen Aufmarschbahnen stecken, bleiben ihm unvcrgehlich. Andererseits kann Belgrad den Karren nicht laufen lassen, wie er laufen möchte.

2S besteht die Gefahr, dast die Regierung die Werienaktion nicht länger durchführen kann. Die Preise mühten zusammcnbrechen und infolgedessen Enttäuschung und Erbitterung aufflapimen. DaS Ansehen deS Regimes würde einen vernichtenden Schlag erhalten und die Erregung sich vielleicht in handgreiflichen Formen Lustern. Zweifellos wären solche Meutereien aussichtslos, aber die Regierung könnte nicht verhindern, dast ihr Kre­dit noch weiter sinkt. Auch die Offiziere und Be­amten müssen regelmäßig bezahlt werden. 3n an­deren Dalkanländern kann man ihnen in Zeiten der Verlegenheit die .Selbstbezahlung" anheim­stellen, in Südslawien aber ist daS unmöglich. Hier wurde ja die Verfassung zertrümmert, um restlose Ordnung zu schassen und die Korruption auszurotten. Wo anders hat daS Volk auch immer noch eine wenn auch trügerische Hoffnung. Wenn es sich getäuscht sieht, bringt eS seinen Unwillen durch Stimmzettel zum Ausdruck. Wird die Wahlschlacht gewonnen und die verhaßte Re­gierung gestürzt, geht ein Aufatmen durchs Land. Es dauert immer Monate, biS es sich erweist, daß die neue Regierung auch nichts taugt. Aber in Südslawien fehlt selbst dieses Ventil. Der Umstand, dast jede ernstliche Kritik verboten ist, trägt bestimmt nicht zur Hebung der Stimmung bei, die sich immer entschiedener gegen daS Re­gime richtet.

Die Regierung ist nun In einer wenig be­neidenswerten Lage. Sie gleicht einem Schwer- kcankcn, der ängstlich verschweigen muß, dast er krank ist. 3hre 3nnenpolitik war ganz auf die Philosophie Couös eingestellt. Sie erklärte täglich. 3etzt geht es gut, nun ist es besser, bald geht es ausgezeichnet, wunderbar... Sie kann auf Linen Fall gestehen, daß sie versagt und durch ihre frankophile Außenpolitik auch die Handelspolitik so total verbaut hat, dast Süd- slawiens Ernte unverkäuflich ist. Sie kann nicht gestehen, daß darin die Hauptrrrsache ihrer finan­ziellen Zerrüttung liegt. Trotzdem müssen schon in der nächsten Zeit am Staatshaushalte die schmerzlichsten Abstriche vorgenommen werden, wenn nicht alles zusammcnLachrn soll. Es be­steht die Gefahr, daß sich Belgrad dann durch einen kühnen Dreh Hilst, indem es die Schuld auf Deutschland wirft. Der Verlust der Reparationseinkünfte könnte für die ganze Misere verantwortlich gemacht werden. ®ie serbische Diktatur würde ihre Hände in Unschuld waschen. Eie muß die Gehälter herab­sehen und die Getreidepreise zusammenbrechen lassen, nur weil Deutschland die heiligsten Ver­träge zerrissen hat. Geht es dem Volke nun noch schlechter, so möge es sich in Berlin bedanken...

Die Drosselung der Ausgaben muß, unter wel- ch:m Vorwand immer, auf jeden Fall eintreten. Aber das wäre nur der erste Schritt zur Sa­nierung. Dann muß die Anleihe kommen und zwar auf kommerzieller, nicht auf politischer Grundlage. Zu diesem Zwecke ist es nötig, daß die Diktatur sich unsichtbar macht. Es hat heute Linen Sinn, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, ob das Regime in zehn oder in zwanzig 3ahren die südslawische 3dee unter den widerstrebenden Dolksteilen so tief ver- ariLm könnte, daß sie vor separatistischen An­griffen gesichert ist und ohne Gewalt über ihre (Segnet zu triumphieren vermag. Für theoretische üebcrlcgungen ist heute keine Zeit mehr vor­handen. Die Erkenntnis von der Notwendigkeit eines Systemwechfels scheint auch in die

Das werdende Wettmufeum der Druckkunst in Mainz.

Anläßlich der großen Mainzer Feier des 520- jährigen Geburtstages 3ohann Gutenbergs wurde in einer Sitzung von den Vertretern der Fachwelt, der Wissenschaft und der Kunst das Gutenberg-Museum gegründet mit dem Ziel, in erreichbarer Vollständigkeit alles zu sammeln und im wesentlichen zur Schau zu stellen, was sich auf die Person und das Werk des großen Erfinders, seine Mitarbeiter und auf die Ent­wicklung der Buchdruckerkunst in allen Ländern der Erde erstreckt. Neben reichen Geldmitteln, die für den Bau eines eigenen Heimes auf ZinseSzins gelegt wurden und die später die 3n- flation verschlang, wurde dem neuen Museum reiches Ausstellungsmaterial älterer Zeit aus den Beständen der Mainzer Stadtbibliothek und der früheren Universitätsbibliothek von der Stadt Mainz überwiesen. Als Grundstock für die Aus­stellung zeitgenössischer Druckkunst ging der größte Teil der großen Fachausstellung des 3ahres 1920 in den Besitz des Museums über. Gleichzeitig wurde der Grund gelegt zu einer Guten- bergbibliothek. die alle erreichbare Lite­ratur über das Druckwcsen und das Buchgewerbe der Allgemeinheit zugänglich machen sollte. Das Gutenberg-Museum wurde im 3ahre 1901 eröff­net und gleichzeitig die internationale ®utcn- berg-Gesellfchaft ins Leben gerufen zu dem dop­pelten Zwecke, den Gutenberg-Gedanken in die Welt hinauszutragen und durch die Veröffent­lichungen der Eutenberg^Sesellschaft, die von An­fang an international waren, die Mittel für des Ausbau des Museums zu vergrößern. Wäh­rend die Gutenberg-Gesellschaft in stiller Ar­beit in ihren Veröffentlichungen das Wert­vollste herausbrachte. waS während der letzten 3ahrzehnte an Arbeiten über die Geschichte des Frühdruckes erschienen ist, wurden die Samm­lungen des Gutenberg-Museums selbst nach jeder Richtung erweitert. Es wurde soviel Ausstel­lungsgut. dank der vielseitigen Förderung durch die deutsche und die ausländische Fachwelt, auf- gefammelt, daß nur ein Bruchteil davon über­haupt gezeigt werden konnte. Der Raum­mangel war bisher das größte Hindernis für die öffentliche Wirksamkeit des Museums.

Erst jetzt, nach dem Abzug der Besatzung, ist es möglich geworden, dem 3nftitut die Räume zur Verfügung zu stellen, die es für die Ver­wirklichung seiner Aufgabe braucht. Und das foll zugleich nach zwei Seiten hin geschehen. Das palastähnliche Heim eines reichen Mainzer Groß­kaufmanns aus der Mitte des 17. 3ahrhunderts ist dem Museum von der Stadt zur Verfügung gestellt worden. Dieses Haus umfaßt den soge­nanntenRömischen Kaiser" am Liebfrauenplatz und den ..König von England". Das Anwesen liegt in nächster Nähe des Domes, des immer neuen Zieles von Tausenden von Fremden jähr­lich. 3ft die begonnene Restauration desRö­mischen Kaisers" beendet, so wird an dieser Stelle eine, lagen wir Propaganda-Ausstellung des Museums stärkste Beachtung finden müffen und alle diejenigen, die dem Buche nahestehen, zum Besuche deS eigentlichen Museums veran­lassen.

Dieses eigentliche Museum wird erstehen am Goetheplatz auf dem Gebiet der jetzigen Aliccn- kaserne. deren zahlreiche Gebäude dem Guten­berg-Museum zugesichert worden sind. Es soll, bevor der Neubau, den wirtschaftliche Gründe zur Zeit verhindern, in Angriff genommen wird, hier alles Material untergebracht werden, das bisher in Speichern und Kellern magaziniert war. Dazu gehören z. 2. eine Druckerei-Einrich­tung aus der Zeit von etwa 1740, 1840 und aus dem 3ahre 1920. Ferner alles Material, das die sogen. Sutenberg.Ehrenräume enthielten und das seit 3ahren wegen Platzmangels auch nicht mehr gezeigt werden konnte. Geplant ist in dem neuen Weltmuseum der Druckkunst die Entwick­lung der Typographie und alles dessen, womit der Drucker der Gegenwart sein Brot verdient, zu zeigen neben der Entwicklung der Schrift und Zeichnung, der Entwicklung der graphischen Ver­fahren. den Werdegang der Typen so gut wie die Entstehung des Buchbindematerials, von der Lederbearbeitung bis zum modernen Buntpapier, von der Filete bis zum Rollenstempel. Ein beson­derer Bau soll die Herstellung des Papiers vor Augen führen und eine Lieberficht über die bunte Fülle der Wasserzeichen der verschiedenen Zeiten und ßänber geben. Es ist zu hoffen, daß die mo­derne 3ndustrie: die Schriftgießereien, Maschinen, Setzmaschinen und Papierfabriken hier Neuerschei­nungen ausstellen werden und daß die verschie­denen Kulturvölker hier in Mainz, der Geburts-

Kreise der maßgebenden Männer gedrungen zu sein. Zugleich ist man mit vollem Rechte über­zeugt. daß ein völliges Nachlassen katastrophale Wirkungen haben müßte. Die Beruhigung der Geister konnte eben nicht durchgeführt werden. Völlige Freiheit in Südslawien würde jetzt nur Freiheit zum verschärften Kamps betauten.

Man zerbrach sich den Kopf über tan besten AuSwcg. Stehen bleiben kann man nicht, vor- wart-schreiten kann man auch nicht und zurück lärm man am wenigsten. ES bleibt nur ein Umtocg übrig. Daher strebte man eine langsame und vorsichtige Lockerung der Diktatur an. Man will vorerst die Grundlage der Regie­rung verbreitern, die biS heute nichts als eine allseits abgelehnte 3tac und daS gut bezahlte Militär hinter sich hatte. Man zog jetzt einen alten Plan wieder hervor. Eine einheitliche Staatspartei" aus ernannten Mitgliedern sollte gegründet werden. Neben sie wollte man eventuell auch eine ernannte Opposition stel­len. Der König ging in tan letzten Wachen an die Derwirk.ichung dieses Gedankens. Die Partei sollte am 16. August, tarn 10. 3ahrestag feiner Thronbesteigung, feierlich proklamiert werden. Später wollte man auS ihren Reihen eine Kammer und einen Senat jufammen- flclfen, um tarn Staate eine parlamenta­rische Fassade zu geben. So hoffte man die ersehnte Anleihe zu erhalten.

Diese Partei brauchte natürlich ehemalige Par­lamentarier, die schon durch ihren Namen die Konsolidierung der Verhältnisse antauten soll­ten. Der König verhandelte lange auf seinem 3agdschlos> in Bosnien mit ehemaligen gemäßig­ten Politikern. Mit Matschek und Pribitfchewitsch, den maßgebenden Führern der Opposition, nahm er natürlich keine Fühlung. Es wurden lediglich Männer konsultiert, von denen man hoffen konnte, daß sie mit sich reden ließen. Allein man hatte sich in dieser Hofsnung sehr getäuscht. ES ist unbclaimt, an welchen Einzelheiten die Ver­handlungen scheiterten. Sicher ist nur, daß die Mehrzahl der gelaßenen Personen es ab­lehnte, an den Absichten der Regierung mit­zuarbeiten. Die Lieberzeugung, daß mit halben

Maßnahmen wenig gedient fei, mag dafür aus­schlaggebend gewesen fein. 3n der Ablehnung waren die serbischen Parlamentarier ebenso einig, wie die Kroaten und die Slowenen. Die Teil­nahme an der Verantwortung in einem so kri­tischen Augenblick ist zweifellos eine sehr undank­bare Aufgabe. Die .StaatSpartei" hätte ja nut als Dekorum dienen, im übrigen aber vorge- schriebene Politik machen sollen. Der 16. August verlief infolgedessen in gedrückter Stimmung Die Enttäuschung war in Belgrad ebenso bemerkens­wert wie in anderen Städten taS Landes.

Die Frage, waS geschehen muß, ist also nicht gelöst. Wenn ein allmählicher Abbau taS Re­gimes nicht möglich ist, müssen bald die Umstände stäiker werden, al» alle taktischen Erwägungen. Dte Kroaten nehmen nach wie vor einen völlig starren Standpunkt im Sinne ihrer ertremen separatistischen JJortarungen ein. Au» Furcht, vom Volke einst zur Rechenschast gezogen zu werden, können sich auch die gemäßigten Ele­mente nicht entschließen, in Me Bresche zu sprin­gen. Immer häufiger Höri man flüstern: ES kommt ganz so, wie in Spanien. Pban- tastische Gerüchte über die republikanische Strö­mung sind im Umlauf. Der König wird einer anachronistischen Herrschsucht geziehen und s ü r alles verantwortlich gemacht. Seins Lage ist überaus schwierig. Sr gleicht tarn Manne, der ein Hornißnest in tat Faust umklammert hält. Er weiß, daß er die Hand nicht ewig zudrücken kann, er weiß aber auch, daß er furchtbar zuge­richtet würde, wenn er einmal loSlasfen muß.

Der Versuch, ein älebergangSregime zu schas­sen, denn al» solches wird die Staatspartei gewertet ist vorläufig gescheitert, aber man Darf nicht annehmen, daß damit die Würfel schon gefallen find. ES stehen zu große Dinge auf dem Spiel, alS daß man die Hände in den Schoß legen könnte. Es geht um nichts weniger, als um Thron und Staat. Daher muß man annehmen, daß die Versuche in kurzer Zeit er­neuert werden. Die Frage, wie die serbische Diktatur unter möglichst geringen Erschütterungen liquidiert werden farm, wird nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden.

SJ.-fporl

D.f.B. Leichtathletik.

Luh gewinnt in Köln Kugelstoßen und Diskuswerfen.

Die Nationalen Öugendwettkämpfe des Kölner Ballspielklubs halten eine erstklassige Besetzung auszuweisen. 3ugendliche auS Koblenz, Aachen, Rheydt, Krefeld, Duisburg, Dortmund usw. waren am Start. 3nfolge des überaus schlechten Wetter» wurden insbesondere in den Wurfkonkurrenzen die Leistungen stark beeinträchtigt. Luh vermochte jedoch trotz stärk­ster Konkurrenz zwei erste Siege zu erringen. Er gewann das Kugelstoßen und das Diskus­werfen, blieb jedoch hinter feinen seitherigen Leistungen zurück.

Kugelstoßen: 1. Luh, VfB. 08 Gießen, 13,69; 2. 3anfen, SD. Rheydt. 13,61; 3. Fleschen­berg, KDE. Köln. 13,52 Meter. Diskus­werfen: 1. Luh, VfB. 08 Gießen, 37,03; 2. 3an|en, SD. Rheydt, 36,71; 3. Häuser, KBE. Köln, 36,45 Meter.

W. Schäfer, der jetzt In Köln wohnhaft ist. startete für die Farben deS VfB. im 100- Meter-Lauf der Klaffe A. Er konnte sich bis in die Entscheidung durchkämpfen, kam jedoch im Endlauf durch Sturz um den Sieg.

U f. B

DfB. III Io. Heuchelheim I 5:1 (1:1).

Auch das zweite Derbandsspiel konnten die VfB.er siegreich beenden. Mit nur 10 Mann hatten sie Mühe, bis zur Pause ein Llnentschieden herauszuholen. 3n der zweiten Halbzeit setzte sich jedoch das größere Können und die bessere Technik durch und Gießen konnte 4 weitere Tref­fer buchen, denen der Gegner nichts mehr ent­gegensetzen konnte.

Dugenbfplcle.

vsv.l. Jugend VsR. Buhbach 1. Jugend 1:5.

Die 1. 3ugcnb konnte sich gegen die körperlich stark überlegenen Butzbacher nie durchsetzen. Kurz nach Beginn deS Spiels mußte der talentierte Halbrechte wegen Verletzung ausscheiden, so daß die Mannschaft von vornherein gehandicapt war. DaS Spiel war jedoch nie einseitig. Die 1. Schülcr- mannschaft mußte sich auf eigenem Platz eine hohe Niederlage von der 1. Schülermannschaft des Sp.-V. Wetzlar gefallen lassen. DaS Kräfte­verhältnis war hier mehr alS ungleich. Die Hei­nen VfB.er tarnen gegen Wetzlar nicht auf, fo daß sich daS Spiel meist vor dem Tore GießenS abspielte.

(Spidötreinigung 1900 Gießen.

Zugcndspitlk.

Der erste Sonntag der Pflichtspiele war für die Fußball-3ugendabtellung ein voller Erfolg, da die vier inS Feld geschickten Mannschaften ihre Spiele sämtlich gewannen.

Die 1. 3 ugend spielte gegen Lollar- 1. 3u- aend 2:0 (0:0). Die Gäste stellten eine körperlich stärkere Mannschaft, während 1900 durch feine Schnelligkeit und belfere Technik im Vorteil war. Die erste Halbzeit spielten die 1900er gegen den Wind, konnten trotzdem überlegen sein, ohne jedoch den Torwart des (Segnet» überwinden zu können. Die zweite Halbheit mußte Lollar zahl­reich verteidigen. Ein schöner Fernschuß des Mittelläufers schaffte das erste Tor und bald darauf fiel aus einem Gedränge heraus daS zweite.

Die 2. 3 u g e n b gewann gegen SV. Wetzlar (2. 3ugenb) 2:0 (2:0). Auch hier war der Gast

stadt des Erfinders der Typographie, die Ent­wicklung der Druckkunst ihrer Gebiete stolz in eigenen Räumen oder Heimen zur Schau stellen werden. Vielleicht gelingt es auch, die unge­heuere Bedeutung der Druckkunst für die Zivili­sation und Kultur der Neuzeit in deren Nieder­schlag im Buche überwältigend darzutun.

Als Krönung des Ganzen ist der Tempel der Letter gedacht, der, alles überragend, als erhabenes Denkmal der Völker das Wall­fahrtsziel einer künftigen Menschheit sein soll, die sich in der Pflege geistiger Güter eins weiß. Da der Ausgang der gegenwärtigen wirtschaft­lichen Weltkrise nicht vorauszusehen ist, wird statt der Eröffnung des neuen Weltmuseums der Druckkunst wahrscheinlich erst dessen Grundstein­legung mit der 520-3ahrfeier der Erfindung der Duchdruckerkunst im 3ahre 1940 zusammenfallen. 3nzwischen wird der innere Ausbau des Mu­seums und seiner Sammlungen weiter fortgesetzt, und es ist auf das stärkste zu wünschen, daß bei der Rationalisierung der Betriebe alles ent­behrliche Material an Pressen wie an Druckerei­gerät dem Gutenberg-Museum für seinen Aus­bau zum Weltmuseum der Druckkunst zur Ver­fügung gestellt wird.

Abenteuerliche Ozeanfahrt Anno Tobak

Wenn Ozeanreisende vor einem halben 3ahr- hundert endlich wieder festen Boden unter den Füßen fühlten, so teilten sie ihren Freunden gewöhnlich nicht mit, daß der Kaviar etwas zu salzig gewesen sei und daß der Oberkellner an Bord kein argmeßmeö Gesicht gehabt hätte, son­dern erleichterten sich in einem Stoßseufzer:Gott sei Dank, daß ich endlich heil angelangt bin!" älnb zum Zeichen ihrer Dankbarkeit veranstalteten sie gewöhnlich eine Sammlung für den Kapitän, weil er das Schiff fo glücklich in den Hafen gebracht hatte! Der Kapitän war übrigens da­mals ein absoluter König seines Schiffes. Nichts geschah ohne seine Billigung und Erlaubnis. Zum Ausgleich für alle gemeinsam getragenen Leiden und Strapazen der Seereisen herrschte eine seltene Kameradschaftlichkeit unter den Passa­gieren. Ein Freudenruf an alle Mitfahrer, baß einer einen Walfisch, einen Eisberg ober ein Schiff gesichtet habe, wäre damals wohl kaum beleidigter kühler Abwehr begegnet wie heute. 'Ein bezeichnendes Erlebnis von heute für den

Grad von Llnnahbarkeit Srster-Klasse-Passagiere: zwei Engländer sitzen Tag für Tag schweigend nebeneinander an Deck. Dem einen fliegt eine« Tages die Mühe ab, der andere fängt sie auf. Es entspinnt sich eine Unterhaltung:Danke viel­mals, fahren Sie nach Europa rüber?"3a, Eie auch?"3a, entgegnete der erste Reisende und damit waren für jetzt und weiterhin genug der Worte gewechselt. Die Unterbringung und die hygienischen Einrichtungen waren primitivster Art. Das allgemeine Bad durfte nicht länger als 10 Minuten von jedem einzelnen benutzt werden. Cicherheitsketten machten cs Ungeduldigen un­möglich, sich mit hineinzudrängeln, wenn der Ste­ward Seife und Badetuch hineinreichte. Ein köst­liches Erlebnis aus jener Zeit, das die ganzen Zustände an Bord beleuchtet, erzählt der Mit­arbeiter eines Neuyorker Blattes. Eine kleine Schlange Wartender stand wieder auf dem Gang vor dem Badezimmer zigarettenrauchend an, als ein Steward gelaufen kam, der vor Schrecken und Angst kaum die Worte hervorbringen konnte: Der bengalische Tiger ist aus seinem Käsig ent­sprungen!" Einige Augenblicke später kam der Tierwärter mit einer Eisenstange und einer Peitsche vorübergerannt. Die Passagiere klopften wie rasend an die Badezimmertüren und be­gehrten schleunigst Einlaß:Laßt uns schnell rein, der bengalische Tiger ist los!" Die Badenden lachten schallend; auf diesen plumpen Schwindel fielen sie nicht herein, sie wollten ihre 10 Minuten ungestört zu Ende genießen. Kurz danach hörten die entsetzten Passagiere schon ein Fauchen, und der Tiger selbst starrte vom Ende des Ganges her auf sie hin. Cie zogen sich alle verzweifelt an einer Holzstange ein paar Fuß hoch, während nun der Tiger zu näherer Besichtigung schritt. Gerade als die verirrte Bestie unter den vor Angst benommenen, laut keuchenden Leuten dahin- schlich, gab die Stange unter dem vereinten Ge­wicht so vieler nach, und ein dicker Mann au« Boston fiel dem Tiger auf die Nase. Anstatt aber den Mann sofort zu verspeisen, machte der Tiger seinerseits entsetzt mit eingezogenem Schwanz kehrt, wanderte weiter und stattete der Küche noch einen Besuch ab, während alle Köche wie ein Mann zur anderen Seite hinausschossen. Später legte er sich im Musiksalon friedlich schla­fen, wo fein Wärter ihn einfing und in den Käsig zurückbrachte.