Ausgabe 
9.7.1931
 
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(inet Mozart - Chor eine Serienreife; durch Hessen und ilnterfronfen. Am Sonn- tag- und Montagabend gab der Chor in der hie­sigen Turnhalle zweiKonzerte. die gut be­sucht waren und ganz außerordentlichen Beifall fanden. Die Liedervorträge, teils mit Sprech­chören abwechselnd, die Volkstänze und kurzen Vorträge, eine musikalische Hauskomödie verdien­ten in jeder Hinsicht die höchste Anerkennung so­wohl für die junge Sängerschar, als auch für den Chorleiter Steffen. Bei den Quartiergebern lassen die Kinder durch ihr freundliches Benehmen die besten Eindrücke zurück.

A 2lii>ba, 8. Juli. Schreinermeister Karl Keller kaufte von Landwirt Wilhelm U h l l. das Ecke Schiller st raße und Krötenburgweg gele­gene Wohnhaus nebst Garten. Der Käufer will in dem Garten eine größere Schreinerwerkst ätte erbauen lassen. 3n den letzten Tagen zeigte sich hier eine Belebung des Heuhandels. Am Bahnhof wurden täglich einige Wagenladungen versandt. Für altes Heu wurden per Zentner 2 Mark, für neues Heu 1,20 Mark bezahlt.

Kreis 'Alsfeld.

H Alsfeld, 8. Juli. Am vergangenen Sonn­tag hielt der Alsfelder Skiklub auf der Herchenhainer Höhe ein Bergfest anläßlich der Einweihung der Alsfelder Hütte ab Den Vormittag füllten sportliche Wettkämpfe aus, während am Rachmittag die Einweihung der von dem Alsfelder Stiklub errichteten Alsfelder Hütte mit einem Festakt stattfand. Bürgermeister Dr. V ö l s i n g (Alsfeld) hielt die Weiherede. Die ge­räumig und behaglich eingerichtete Hütte, die im Winter für die Ausübung des Skisportes und im Sommer für die Wanderer zur Verfügung ge­stellt wird, enthält einen Aufenthaltsraum, sowie zwei Schlafräume für 20 Personen. Anschließend an die Einweihung fand in Herchenhain ein Volks­fest mit Hans-Sachs-Spielen, humoristischen Vor­führungen und Tanz statt.

ch Bleichenrod, 8. Juli. Heute morgen er­eignete sich in unserem Dorfe ein schwerer Unglüdäfall. Als das Mobiliar einer noch auswärts verheirateten Landwirtstochter ver­laden werden sollte, scheuten die Pferde des Landwirts Lein, die vor den Wagen ge­kannt waren, und gingen durch. Der Besitzer der Pferde wurde dabei vom Wagen erfaßt, gegen eine Mauer gedrückt und erlitt Verletzungen an der Brust. Der sofort herbeigerufene Arzt Dr. Götz (Homberg) ordnete die ^leberführung des bedauernswerten Mannes nach der Chirurgischen Klinik in Gießen an. Aach den bisherigen -Unter- Buchungen hat der Verunglückte Rippenquet­schungen erlitten. Ob schwerere innere Ver­letzungen vorliegen, muh erst die Röntgenunter­suchung ergeben.

Oie Marburger Studenienwahleu.

WSA. Marburg, 8. 3ult Bei den heu­tigen Wahlen zur Studentenkammer wurden 3072 Stimmen abgegeben. Don den gül­tigen Stimmen entfielen aus den Rationalen Block 772 Stimmen (10 Sitze), Akademischen Ring 429 Stimmen (6 Sitze), Rationalsozialisten 1525 Stim­men (21 Sitze), Ueberparteiliche katholische Kor­porationen und Freistudenten 238 (3 Sitze) und den Ring Deutscher Studentinnen 74 Stimmen (1 Sih).

Kreis Wetzlar.

WSR. Wetzlar, 8. Juli. Gestern um 13.20 Uhr Übersicht ein Personenzug auf dem un­beschrankten Wegübergang der Strecke Ufingen Wetzlar zwischen Braunfels-Oberndorf und Albs- Hausen den Personenkraftwagen des Richard Güntherberg aus Berlin. Das Auto 'wurde zertrümmert. Die Ehefrau des Be­sitzers erlitt einen Beinbruch und wurde in das hiesige Krankenhaus gebracht.

Q (Ebersgöns, 6. Juli. In der heutigen Sitzung des Gemeinderats wurde der bis­heriger Gemeindevorsteher-Stellvertreter Johan­nes Henrich mit vier Stimmen zum Ge­meindevorsteher gewählt. Eine Stimme entfiel auf den Landwirt Wilhelm Höchst, eine Stimme war ungültig.

Preußen.

Maingau.

WSR. Frankfurt a. M., 8. 3u(i. Die Manfardeneinbtüche haben in den letzten

Wochen sehr überhand genommen. Rund 25 bis 30 solcher Einbrüche gelangen pro Woche bei der Kriminalpolizei zur Anzeige. Cs handelt sich an­scheinend um Spezialistenbanden, die mit den tech­nischen Voraussetzungen für den Mansardenein­bruch genau vertraut sind. So werden in der

Hauptsache die Mansarden, die von den Haus­angestellten bewohnt sind, in den Tagen nach dem Ersten des Monats beraubt, weil die Dienstmäd­chen unvorsichtigerweise ihren Lohn in meist un­verschlossenen Schubladen in der Mansarde auf­bewahren.

Sängerfeste in Oberheffen.

An der Ohm.

.er. Hombetg, 8. Juli. Am 4., 5. und 6. Juli fand hier das 3 7. B u n d e s f e st des Lahn- talsängerbundes in Verbindung mit dem 7 5. Stiftungsfest des Gesangvereins 5 r a u en l o b" Homberg statt.

Den Auftakt des Festes bildete der am Sams­tagabend in der Stadthalle abgehaltene

Kommers.

Der 1. Vorsitzende des gastgebenden Vereins, Herr Fischer, begrüßte die zahlreichen Gäste, insbesondere den Vorsitzenden des Lahntalsänger­bundes, Lehrer Gengnagel, Grünberg. Be­sonders gedachte er auch des Ehrenmitgliedes Pfarrer Prätvrius, der die Festrede des Abends übernommen hatte. Fräulein Ilse S ch w c i t c r trug sodann einen von L. L ang­st r o f f verfaßten Prolog vor, und die beiden hie­sigen Gesangvereine sangen nach dem Sängergruß den Mozartschen ChorWeihe des Gesanges".

Sodann hielt Pfarrer P r ä t o r i u s die Fest­ansprache. Mas der Tau der Flur, so führte er u. a. aus, das sei der Gesang für die Seele des Menschen. Das deutsche Volkslied sei ein Quell sittlicher Kräfte. 75 Jahre stehe nun der festgebende Verein im Dienste des deutschen Lie­des und habe feine Aufgaben nach Kräften er­füllt Das fei in schweren Zeiten nicht immer leicht gewesen, abn der Verein habe sich be­hauptet. Hosfentlich sei es dem Verein vergönnt, fein 100. Stiftungsfest in besserer Zeit zu be­gehen. Seit vier Jahren gehöre der Gesangverein Frauenlob" dem Lahntalsängerbund an. Solche Zugehörigkeit, so führte der Redner weiter aus, verpflichte, denn dar Bundesvorstand wache dar­über, daß kein Verein dem anderen in der Lei­stung nachstebe. Man lerne innerhalb der Or­ganisation zugleich sich einzuordnen und zu fügen, und dieser Umstand trage dazu bei, dem Geist die Wege zu bahnen, den wir jetzt in unserem Vaterland so notwendig brauchen: dem Geiste der Einigkeit. Mit einem Hoch aus das Va­terland, in das die Versammlung lebhaft ein- stimmte, beschloß der Festredner seine Ausfüh­rungen.

Rach einem Chorvortrag des Gesangvereins Frauenlob" wünschte zunächst Bürgermeister S ch w e i f e r dem Feste einen frohen Verlaüf, und nach einigen musikalischen Darbietungen sprach der Vorsitzende des Lahntalsängerbundes, Lehrer Gengnagel, Grünberg. Er beglück­wünschte den Verein zu seinem Jubiläum und würdigte kurz die Bedeutung des deutschen Volks­liedes für unser Volkstum. Im weiteren Ver­lauf des Abends führten die Turnerinnen einige exakte Reigen vor, die sehr gut gefielen. Die Kör­perschule Der Turner bewies ebenfalls fleißige Uebung. Musik- und Gesangsvorträge unterhiel­ten die Festversommlung auf das beste. Die Lol- larer Fcuerwehrkapelle unter der Leitung von Kapellmeister Deines bot gute Musik.

Durch Choralblasen vom Schlosse aus leitete die Kapelle den Festsonntag, den

Hauptfesttag

ein. In zwei verschiedenen Räumen wurde das Wertungssingen durchgeführt, für das sich Musiklehrer Schwarzer von Aschaffenburg und Musikdirektor Werner von Frankfurt a. M. als Bewerter zur Verfügung gestellt hatten. Je­der Verein brachte als Pflichtchor das LiedDas Mägdlein und der Reuter", sowie ein selbst- gewähltes Lied zum Vortrag.

Gegen Mittag fanden sich die Sänger sämtlicher Bundesvereine zu einer großen Kundge­bung für das deutsche Lied auf dem Marktplatz ein. Rach dem Sängergruß begrüßte der Bundesvorsitzende, Lehrer Gengnagel, den Kreisdirektvr Dr. Stammler (Alsfeld) als den Vertreter der Regierung und den Vertreter des Heffischen Sängerbundes, Herrn Mohberger

(Offenbach a. M.). Dr. S t a m m l e r überbrachte die Grüße der hessischen Regierung und überreichte dem Festverein ein Bild des hessischen Staatsprä­sidenten. Danach beglückwünsche Herr Moh- borget als Vertreter des Hessischen Sängerbun­des den GesangvereinFrauenlob" zu seinem 75. Jubiläum. Anschließend dankte der 1. Vorsitzende Fischer dem Ehrenmitglieds Studienrat Leun für die von ihm gestiftete Ehrentafel. Rachdem noch Lehrer Gengnagel die Ehrung der Sän- gerDeleranen des Bundes vorgenommen hatte, schloß der Gesamtchor mit Orchesterbegleitung mit dem deutschen Seemannslied die eindrucksvolle Kundgebung.

Am Rachmittag bewegte sich ein überaus großer F e st z u g durch die geschmückten Straßen der Stadt. Aus dem Festplah begrüßte zunächst ein Chor die vielen Gäste, und der erste Vorsitzende Fischer hieß auch hier die Vertreter der Be­hörden und Vereine, außerdem die Gastvereine herzlich willkommen. Bürgermeister S ch w e i k e r begrüßte im Ramen der Stadt die zahlreich er­schienenen Sänger. Der Dundesvvrsitzende Lehrer Gengnagel hielt sodann eine kurze Ansprache über den hohen Wert des Gesanges und über die Bedeutung des Volksliedes für unser deutsches Volk. Herr Moßberger gab der Hoffnung Ausdruck, daß man, wie bisher, auch in der Zu­kunft an der Pflege des Gesanges Weiterarbeiten möge. Im Verlause des Rachmittags warteten die Gastvereine mit Chorvorträgen auf. Der Abend brachte schließlich ein prächtiges Feuer­werk.

Am Montagnachmittag herrschte auf dem Fest- plah wiederum reges Geben und Treiben. In einem Festzug, in dem vor allem'die geschmückten Schulkinder die Hauptteilnehmer waren, begab man sich nach dem Platze, und der Rachmittag verging beim Spiel der Kinder sehr schnell. Eine Schwßbeleuchtung bildete am Abend den schönen Abschluß der groß angelegten Veranstaltung.

Der Lahntalfängerbund und der Gesangverein Frauenlob" dürfen mit Befriedigung auf das in allen Teilen harmonisch verlaufene Fest zurück- blicken.

Zn der Wetterau.

s. Utphe, 7. Juli. Am Sonntag hielt der Wetterauer Sängerbund hier sein Bun­desfest in Verbindung mit dem 5 0. Jubi­läum s f e st des hiesigen Männergesang­vereinsLoreley" ab.

Am Samstagabend ging eine Vorfeier voraus, bei der die beiden früheren Dirigenten, Lehrer Biedenkopf-Gießen und Lehrer Hahn- Bleidenrod. zu Ehrendirigenten ernannt wurden. Der Vorsitzende des Vereins, Wilh. Tag, be­grüßte ferner den früher ernannten Ehren­dirigenten Rektor Keller- Lollar und gab einen Rückblick über die Geschichte des Vereins.

Der Festsonntag wurde durch Gottesdienst ein­geleitet, in dem Pfarrer Kuhlmann - Berstadt auch der im Weltkrieg Gefallenen gedachte. Frk. Melita Bornmann sprach einen Prolog. Am Rachmittag bewegte sich ein stattlicher Fest zug , an dem 27 Vereine teilnahmen, durch die Orts- straßcn zum Festplatz, den in dankenswerter Weise Gutsbesitzer Rinn zur Verfügung gestellt hatte. Rach einem Begrüßungschor des Fest­vereins unter Leitung seines Dirigenten Göbel, hielt Lehrer Arnold die Festrede. Cr pries das deutsche Lied als die Quelle innerer Erhe­bung über den Alltag und als einigendes Band unseres Volkes. Anschließend trugen die Bundes­vereine unter der Leitung des Bundeschormeisters Lehrer Hagenberger - Dorheim mehrere Chöre vor. Der BundesvArsihende, Lehrer Schenk- Melbach, dankte für die Aufnahme und beglückwünschte den festgebenden Verein, dem er einen Fahnennagel vom Wetterauer Bund, sowie die Staatsehrung, eine Lieder­sammlung von Silcher, übergab. Weiterhin konnte er die silberne Radel des Hessischen Sänger­

bundes dem Sänger Karl Bocher für 40- jähriges aktives Singen überreichen. Ehren­urkunden erhielten für 35jährige Mitgliedschaft Friedrich D ö ch e r , für 30jährige Mitgliedschaft Beigeordneter Heinrich Raab, Friedr. D o r n - mann I. und II.. Wilhelm Sack und Heinrich Born mann, für 25jähriges Singen Friedrich Schwarz und Karl S ch ä f e r. Alsdann über­reichte mit einem Prolog Fräulein 2da Born- m a n n im Ramen der Frauen und Jungfrauen dem Verein eine Fahnenschleife. Der Verein sang hierauf mit Orchesterbegleitung den ChorO Schuhgeist". Bei den folgenden Vorträgen der Gastvereine konnte man feststellen, daß in unserer Gegend das deutsche Lied ernsthaft gepflegt wird.

Am Montag war allgemeines Volksfest. Der GesangvereinLoreley" kann mit Befriedigung auf das wohlgelungene Fest zurückblicken.

Große Strafkammer Gießen.

* Gießen, 7. Juli. Ein wegen Sittlich­keitsverbrechens, begangen an Kindern, bereits fünfmal, zuletzt mit drei Jahren Zucht­haus, bestrafter Kqufmann aus Bad-Rauheim, verfolgte Berufung gegen ein Urteil des Be­zirksschöffengerichts Gießen, durch-daL-er wegen eines Sittlichkeitsverbr^chens gleicher Art zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt wor­den war. Die Staatsanwaltschaft hatte ebenfalls Berufung eingelegt, weil ihr die Strafe zu ge­ring erschien. Die Verhandlung fand unter Aus­schluß der Oeffentlichkeit statt: das Urteil wurde öffentlich verkündet. Da der Angeklagte, wie auch in den früheren Fällen, seine Schuld leug­nete, war wieder eine umfangreiche Beweis­aufnahme nötig. Seine Berufung wurde als un­begründet zurückgewiesen: auf die Berufung der Staatsanwaltschaft wurde die Strafe auf vier Jahre Zuchthaus erhöht. Ferner wurden dem Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt.

Im Wiederaufnahmeverfahren wurde gegen einen Maurer aus Heegheim ver­handelt, der vom Schöffengericht Gießen von der Anklage eines Diebstahls freige­sprochen worden war. Die Wiederaufnahme des Verfahrens war angeordnet worden, weil der Angeklagte als Strafgefangener in der Zellenstrafanstalt zwei Mitgefangenen gegenüber ein Geständnis abgelegt haben sollte. Cs er­folgte wieder Freisprechung, da das Ge­richt sich nicht von der Glaubwürdigkeit der Zeugen, mit denen der Angeklagte verfeindet war, überzeugen konnte.

Kirchliche Nachrichten.

Katholische Gemeinden.

Freitag, den 10. Juli.

Gießen. 6 Uhr: Segensamt. Lich. 6.15: Segens, messe.

Israelitische Gemeinden.

Israelitische Religionsgrsellschast. Sabbatfeier ' den 11. Juli. Freitag abend 7.45 Uhr: Samstag vormittag 8.00 Uhr, nachmittag 4.00 Uhr, Sabbatausgang 9.35 Uhr. Wochengottesdienst' morgens 6.30 Uhr, abends 7.15 Uhr.

(Schluß des redaktionellen Teils.)

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