Ausgabe 
9.6.1931
 
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Schont unsere Waldungen!

Oie Zollverwaltung ist bemüht, Schönheit und Frieden der Natur zu erhalten. Llnterstüht sie alle darin!

Die Zahl derer, die an Sonn- und Feiertagen den Wald aussuchen, weil sie sich seines wohltätigen Ein­flusses auf Körper und Gemüt bewußt sind, wird immer größer. Nicht zuletzt ist dieser Umstand der Wanderbewegung zuzuschreiben, die in den letzten Jahren einen gewaltigen Aufschwung er­fahren hat.

Aus der Erkenntnis heraus, daß durch die wirt­schaftliche Not, in der sich heute weite Bevölkerungs­kreise befinden,

der Besuch unserer Waldungen für viele tatsäch­lich die einzige LrholungsmögUchkeit darstellt, ist die Forstoerwaltung bemüht, bei der Bewirt- schaftung der in der Nähe der Städte und Aus­flugsorte gelegenen Waldungen, den Interessen der Waldbesucher Rechnung zu tragen. Diese Rücksicht­nahme geht oft so weit, daß zur Erhaltung der Wal­desschönheit Aufwendungen gemacht werden, die nicht immer durch die Aussicht auf eine entsprechende höhere Rente gerechtertigt sind. Hier liegt ein Fall vor, wo bei der Bewirtschaftung des Waldes das ozialökonomische Prinzip dominiert. Bekanntlich er« olgt die Waldbewirtschaftung unter Beobachtung ireier Grundsätze: des naturgesetzlichen, des privat­wirtschaftlichen und des sozialökonomischen, wobei natürlich heute wegen der ungünstigen Lage der deutschen Forstwirtschaft es die Regel sein muß, dem privatwirtschaftlichen Prinzip eine Vorrang­stellung einzuräumen. Nur dort, wo die Wohlfahrts­wirkungen des Waldes besonders in Erscheinung treten, und das ist in der Nähe größerer Städte und Ausflugsorte, hat das privatwirtschaftliche Prinzip hinter das sozialökonomische zurückzutreten.

Bei den Maßnahmen, die von forstlicher Seite zur Erhaltung der Waldesschönheit ergriffen werden, handelt es sich, um nur die wichtigsten zu nennen, um die Erhaltung alter schöner Bäume, um die Ein­bringung von schattenspendendem Laubholz in Na­delholz, um den Anbau von solchen einheimischen und fremdländischen Holzarten, die sich auszeichnen durch besondere Blattfarbe oder durch ihre eigen­artigen Blüten und Früchte, und die dadurch das Auge des Wanderers erfreuen, u. a. mehr. Nicht vergessen soll auch werden- die Anlage von Fuß­pfaden und das Aufstellen von Ruhebänken an besonders schönen Plätzen. Wesentlich unterstützt wird hierin die Fprstverwaltung durch die Wan­dervereine, insbesondere den Odenwaldklubs und den Vogelsberger Höhen-Club.

Leider muß jedoch immer wieder feflgestellt werden, daß es bei den Bestrebungen der Jorff- behörde auf Erhaltung und Förderung der Waldesschönheil vielfach an der nötigen Unter­stützung durch das waldbesuchende Publikum fehlt.

Auf diese Unterstützung kann nicht verzichtet werden, wenn die ergriffenen Maßnahmen von Erfolg be­gleitet sein sollen. Die Klagen der Forstbeamten über das Abreißen von Blüten und Zweigen, über das Beschmutzen und Beschädigen von Bänken, Brunnen usw., über das Herumliegenlassen von

Papier und sonstigen Abfällen wollen nicht ver­stummen.

Man sollte sich bewußt sein, daß mit diesen Hand­lungen den übrigen Besuchern des Waldes die Freude an der schönen Waldesnatur getrübt wird. Ein seiner Blüten und Zweige beraubter Strauch oder Baum ist gewiß kein erfreulicher Anblick. Durch das Herumliegenlassen von Papier und Abfällen und durch die Beschädigung und Beschmutzung von Bänken wird ein schöner Platz so verunziert, daß der mit dem Aufstellen der Bänke verbundene Zweck vollkommen vereitelt werden kann. Ein wahrer Na­turfreund meidet diese Orte. Um den vielen Ge­fahren, die dem Wald und seiner eigenartigen Schön­heit drohen, abzuwenden, muß jeder einzelne mit­helfen. In erster Linie gilt es natürlich, die S ch u l- fugend für diese Arbeit zu gewinnen, weil man sich davon mit Recht den nachhaltigen Erfolg ver­sprechen darf. Es ist daher außerordentlich zu be­grüßen und wird dankbar anerkannt, daß die hes­sischen Schulleitungen sich schon seit Jahren in den Dienst dieser Sache gestellt haben. Im Unterricht und gelegentlich von Spaziergängen wird jede sich bietende Gelegenheit durch die Lehrerschaft wahrge­nommen, die Schüler über die Bestrebungen zum Schutz der Waldesschönheit aufzuklären. Doch um einen vollen Erfolg sicherzustellen, darf die übrige Bevölkerung nicht beiseite stehen. An alle, die an der Schönheit des Waldes interessiert sind, ergeht des­halb die Bitte, die Bestrebungen zu ihrer Erhaltung und Förderung zu unterstützen. Dies kann schon da­durch geschehen, daß beim Waldesbesuch

folgende Regeln beachtet werden:

1. Laß den Gewächsen des Waldes ihre Zweige, Blätter, und Blüten; sie sind der Schmuck des Wal­des, sollen noch viele erfreuen und neues Leben bilden. Abgerissen welken sie rasch, dienen niemand mehr zur Freude, werden meist bald weggeworfen, das beschädigte Gewächs aber verkümmert.

2. Betritt keine jungen Anpflanzungen, locken dich auch die schönsten Beeren und Blumen, denn du siehst die jungen Pflanzen nicht, die zu Bäumen her­anwachsen sollen. Die Zerstörung, die dein Fuß dort anrichtet, ist noch nach Jahren kenntlich.

3. Laß Zeitungen, Frühstückspapier und sonstige Abfälle nicht auf Wegen und Ruheplätzen herum­liegen; balle sie zusammen und wirf sie in Dickungen oder vergrabe sie in Moos oder Laub; zerschlage auch keine ausgetrunkenen Flaschen, sondern lege sie beiseite in den Wald. Denn was ist häßlicher, als wenn einzelne Stellen im Walde aussehen wie Sammelplätze für Abfälle?

4. Gehe mit Feuer, Zigaretten und Zigarren recht vorsichtig um. Bei trockenem Wetter kann jede bren­nend weggeworfene Zigarette und jedes glimmende Streichholz einen Waldbrand verursachen.

5. Störe die Tiere des Waldes nicht; alle fürchten den Menschen als ihren größten Feind. Die Be­rührung durch Menschenhand kann die Mutter ver- anlassen, ihr Junges oder ihre Eier zu verlassen und so dem Verderben zu weihen. Nimm deshalb auch deinen Hund an die Leine, wenn du nicht ganz sicher bist, daß er keinerlei Jagdlust hat.

ö.jf.-ifpori

VfB. -19001:4.

Spannender Kampf der Lokalrivalen.

Das Spiel der beiden Lokalgegner war in man­cherlei Hinsicht beachtenswert. So zeigte es sich zum Beispiel, daß ein Fußballspiel, das guten Sport ver­spricht, oas eine spannende Kampfhandlung erwar­ten läßt, wohl geeignet ist, auch in Gießen ein zahl­reiches Publikum auf den Sportplatz zu locken. 1500 Menschen hatten sich eingefunden. Das Spiel hat weiter gezeigt, daß ein Lokaltreffen durchaus scharf und hart geführt werden kann, ohne unfair sein zu müssen. Und schließlich läßt sich behaupten, daß die Mannschaften nicht enttäuscht haben. Diese Feststellung erscheint wichtig. Allerdings: Ueberragen- des wurde nicht gezeigt. Einige Einzelleistungen ge­fielen gut.

Welche Mannschaft gewinnt das Derby? Diese Frage beherrschte das Publikum und die Spieler. Die engere Sportgemeinde tippte schon seit zwei Wochen. Ohne jedoch zu einer klaren Meinung zu kommen. Auch die Kenntnis der Mannschaftsaufstel­lungen war noch keine Gewähr. Anders lag aller­dings die Situation, als man auf dem Sportplatz hörte, Haupt wird nicht spielen, der talentierte Mit­telstürmer der VfBer, der Sturmführer, der nun einmal der wichtigste Mann ist. Rein stimmungs- tzemäß sanken dadurch die Aktien des VfB. Äm übrigen waren die in der Vorschau genannten Spie­ler zur Stelle. Die Spieloereinigung 1900 trat in der angekündigten Aufstellung an.

Das Spiel ist vorbei! Die Ligamannschaft des Vereins für Bewegungsspiele 08 Gießen hat mit 1:4 Toren verloren. An dieser Tatsache ist nicht zu rütteln. Gerade das Torverhältnis erscheint etwas hart. 3:1 wäre dem Eifer der Grünweißen gerechter gewesen. Ader 1900 war besser. Daran ist auch nicht zu rütteln.

Der Spielverlauf.

Beide Mannschaften spielten in den ersten 10 Mi­nuten reichlich zerfahren. VfB. druckvoller, die 1900er konnten sich nicht gleich finden. Das verschaffte den Grünweihen zunächst ein Uebergewicht, das sich aber mehr und mehr ausglich. In der 1. Minute schoß Kreß über das Tor, in der 6. Minute ging von Rit­ter ein Ball hoch über den Kasten. Im nächsten Augenblick setzt Schäfer einen Ball neben das Tor. Lehrmund wehrt in der 15. Minute aus kritischer Situation glänzend zu einer Ecke ab, die den 1900em aber nichts einbrachte. 1900 rückte um diese Zeit merklich auf. In der 16. Minute Torschüsse von Glitsch und Schäfer, eine Minute später ließen die VfBer eine glänzende Chance aus. In der 20. Mi­nute fiel das erste Tor. Im Strafraum sprang dem Verteidiger Zeller der Ball an die Hand (zweifel­

los ohne fein Verschulden), der Schiedsrichter gab einen Elfmeterball, Ritter verwandelte geschickt. Der Ball war für den Tormann unhaltbar. 1:0 für VfB.

Kurz darauf bot sich eine Gelegenheit zum Ausgleich, aber Wilhelmi lenkte mit den Händen aus nächster Aähe den Ball in das Tor. Warum nicht mit dem Kopf? Jäckel hätte sich bald unmit­telbar danach ein Selbsttor geleistet, zeigte aber bald darauf eine glänzende Parade. Schmidt (VfB.- schoß aus aussichtsreicher Stellung auf das Tor. Aber der Ball wurde eine Deute des Tormannes. Die 1900er schossen in kur­zem Zeitraum viermal auf das Tor, vorläufig aber ohne sichtbaren Erfolg. Erst zwei Minuten vor Halbzeit schoß Schäfer durch einen fabelhaften Schuß den Ausgleichstreffer. Mit 1:1 ging es in die Pause.

Aach dem Wechsel wurde das Spiel etwas schärfer Sn der 8. Minute erzielte Wilhelmi durch einen schönen Kopfball ein zweites Tor für seine Farben. Die BfBer wurden etwas unruhig. Zeiler hielt in der 10. Minute vor dem Tor einen Ball, der sehr gefährlich werden konnte. (1900 stellte nun Schäfer auf Linksaußen, Heilmann Halb­links.) Das Spiel ging in lebhaftem Hin und Her weiter. 1900 drängte einige Zeit mächtig. In der 26. Minute schoß Feuster einen Strafstoß über die Latte. Kreß setzte einen scharfen Schuß auf des Gegners Tor. Der Tormann war aber auf dem Posten. Bald darauf ließ sich Böckler im Tor der BfBer einen schweren Stellungsfehler zuschulden kommen. Schäfer setzte mehr ungewollt einen Ball von der linken Außenlinie in die rechte Ecke des Tores. 3:1 für 1900. Aun stellten auch die BfBer um, Bingel ging in den Sturm. Die Spielzeit näherte sich dem Ende. Die BfBer kämpften mit aller Macht um eine Verbesserung des Ergebnisses. Vergeblich! Zwei Minuten vor Schluß fiel durch Wilhelmi ein viertes und zu­gleich das schönste Tor des Tages für die 1900er. Der Ball ging knapp unter die Latte.

Kritik der Mannschaften.

Die BfB.er spielten eifrig, wuchtiger als der Gegner, ließen aber in der Spielanlage die nötige Exaktheit vermissen. Die Verteidigung arbeitete zuverlässig. Die Läuferreihe bediente den Sturm nicht restlos befriedigend. Der Sturm selbst lieh den Torschuß vermissen. Haupts Fehlen machte sich deutlich bemerkbar. Sn der 1. Halbzeit lie­ferte die Mannschaft ein besseres Spiel. Der Sieger hatte seine stärkste Waffe Im Sturm. Das

Kombinationsspiel war weitaus besser. Es dauerte allerdings reichlich lange, bis sich die Mannschaft fand. Die Verteidigung arbeitete aufopfernd, der Kontakt zwischen Läuferreihe und Sturm war enger als beim Gegner.

11 nb die einzelnen Spieler? Schmidt im Tor der 1900er war der beste Mann im Spielfeld. Seine Sicherheit, sein ausgezeichnetes Stellungsspiel war der Mannschaft wichtiger moralischer Rückhalt. Sehr gut Henrich (rechter Läufer), Zeiler, Heil­mann, Glitsch; Adelberger enttäuschte etwas. Gut Langsdorf, Wilhelmi, Schäfer, Luft, Säckel.

Bei den BfB.ern war während der ersten Halb­zeit unbestritten Dingel der beste und zuverläs­sigste Mann. Aach dem Wechsel fiel er aller­dings merklich ab. Böckler im Tor ließ zu wün­schen übrig. Kreß war in der 1. Halbzeit über­raschend gut, ließ aber ebenfalls in der zweiten Hälfte nach. Henrichs manchmal etwas zu hart, K. Schmidt sehr gut, Sauer, Leutheuser, Lehrmund entsprachen den Erwartungen, Feuster teils, teils. Fehling als Sturmführer zeigte nicht genügend Snitiative, die den Sturm hätte nach vorne bringen können. Ritter auf Linksaußen sehr zuverlässig, konnte sich jedoch nicht immer durchsetzen.

Uni) nun ein Wort dem Schiedsrichter: Engelter, Marburg, war dem Spiel ein Leiter, wie man ihn nicht besser wünschen konnte. Er hielt das Spiel stets in Grenzen, entschied durch­aus korrekt, ließ kein Foul hingehen und war darin von unbestechlicher Gerechtigkeit. Shm ist es zuzuschreiben, daß das Spiel stets in Grenzen blieb. Allerdings übersah auch er einiges. _

Das Publikum folgte dem Kampf mit größter Spannung und verhielt sich sehr diszipliniert (abgesehen von einigen, die der Meinung sind, alles besser machen zu können und deshalb pfei­fen). Es kam zu keinerlei Zwischenfällen.

Die Meinung der beiden Dereinsvorsihenden.

Gerichtsreferendar G u y o t (Vorsitzender der Spielvereinigung 1900) sagt:Ein von Anfang bis Ende spannendes Spiel. VfB. spielte eifri­ger, wuchtiger, aber nicht durchdacht genug. Die Blauweihen spielten fair, flach und tattisch klüger. Besonders in der zweiten Halbzeit. Der Sieg erscheint mir verdient. Vielleicht um ein Top zu hoch."

Kassenleiter Geißler (Vorsitzender des VfB.): Sch bin sehr befriedigt. Leider war unsere Mannschaft durch Absagen von vornherein ge­handicapt. Trotzdem hat sich die Mannschaft, tapfer geschlagen. Das Torverhältnis ist zu hoch. Ein Unentschieden hätte dem Spielverlauf ent­sprochen."

*

Oie Leichtathletischen Ganmeisterschasten in Wetzlar.

Im Wetzlarer Stadion wurden am Sonntag die Gaumeisterschaften des Gaues Gießen-Wetzlar aus­getragen. Aus den Wettkämpfen gingen die Leicht­athleten der Spielvereinigung 1900 Gießen mit 12 ersten, 16 zweiten und 10 dritten Siegen hervor. Die Teilnehmer des VfB. erränge«-7,yfte, 10 zweite und 10 dritte Siege. Die höchste Zahl der ersten Siege errang der VfL. Wetzlar, 15 erste, 7 zweite und 7 dritte Siege blieben in Wetzlar. In der Ge­samtwertung ergaben sich für Spielvereinigung 1900 90 Punkte, für VfL. Wetzlar 75 Punkte und für VfB. Gießen 62 Punkte. Das Sportfest nahm bei wenig günstigem Wetter und geringer Beteiligung von feiten des Publikums einen guten Verlauf. Die Ab­wicklung der Wettkämpfe ließ stark zu wünschen übrig.

Werischeinhest und Halbkarte.

Zur Tarifgestaltung der Reichsbahn.

Von Neg.-Nat a. O. Or.Noefener, Erster Syndikus derIndustrie- und Handelskammer Darmstadt.

Die Erkenntnis, daß auch im Personen­verkehr der Reichsbahn dem ständig zu­nehmenden Wettbewerb des Kraft­wagens mit großzügigen Maßnahmen begegnet werden muß, hat die Reichsbahn veranlaßt, in eine Prüfung der Frage einzutreten, in welcher Weise durch tarifarisch es Entgegen­kommen die Wettbewerbslage der Schiene gegenüber dem Kraftwagen verbessert werden kann. Wie zuverlässig verlautet, haben die in­ternen Beratungen der Reichsbahn zu dem Er­gebnis geführt, daß man eine Ausdehrnmg der bisher von Ausnahmefällen abgesehen lediglich auf bestimmte Strecken beschränkten Zeit­karte auf größere oder kleinere Bezirke vornehmen will. Es sollen sogenannte'Dezirkszeitkar­ten eingeführt werden, die den Snhabern die Berechtigung geben, innerhalb eines bestimmten, genau abgegrenzten Beziickes die Eisenbahn zu benützen.

Es muß mit allem Aachdruck ausgesprochen werden, daß eine Personentarifreform, die sich auf die Einführung von Dezirkszeitkarten be­schränkt, den Forderungen der Zeit nicht ent­sprechen würde. Es kommt vielmehr entscheidend darauf an, bei der durch die Sachlage dringend gebotenen Auflockerung der Reichsbahntarife die Freizügigkeit der Tarifermäßigun­gen sicherzu st eilen. Es ist schlechterdings nicht einzusehen, warum ein Reisender, dessen Eisenbahnfahrten vielleicht nur auf sehr kurze Strecken, oder einen sehr eng begrenzten Gebiets­teil beschränkt sind, sehr große Fahrpreisermäßi­gungen gegenüber dem Aormaltarif genießen soll, während solche Reisenden, die ^Tausende von Kilo­metern auf der Bahn auf den verschiedensten Strecken zurücklegen, ohne jede Ermäßigung des durch die Tributlasten überteuerten Aormaltarifs bleiben sollen. Dem Gesichtspunkt des Wettbe­werbs des Kraftwagens können solche bezirklich beschränkte Ermäßigungen, wie sie die Bezirks­karte darstellen würde, nicht genügen. Will man dem Kraf twagen toirffam begegnen, der in Raum und Zeit über eine Freizügigkeit verfügt, wie jie der Schienenweg nie wird er­reichen können, so muh bei der Tarifgebahrung der Eisenbahn diesem Gesichtspunkt der Frei­zügigkeit soweit wie nurirgend mög­lich entsprochen werden.

Dieser Forderung trägt die von maßgebenden Organisationen immer wieder gegebene Anregung auf Einführung eines Kilometer Heftes vom Standpunkt des reisenden Publikums aus gesehen in geradezu idealer Weise Rechnung. Das Kilometerheft, das gerade im Westen als eine besonders beliebte Einrichtung der ehemali­gen Badischen Staatseisenbahn noch in bester Erinnerung ist, gewährt die Möglichkeit, auf be­liebigen Strecken jede beliebige Entfernung zu einem ermäßigten Preise zu fahren. Die Reichs­bahn steht den Anreguirgen auf Wiedereinführung des Kiolmeterheftes allerdings ablehnend gegen­über, und zwar aus abfertigungstechnischen Be­denken. Diese Bedenken wird man nicht ohne weiteres als unbegründet bezeichnen können. Sn der Tat ist es wesentlich schwieriger, in einem so weitverzweigten Verkehrsgebiet, wie demjenigen der Deutschen Reichsbahn, eine Einrichtung zu treffen, die im beschränkten Gebiet der ehemaligen badischen Staatsbahnen möglich war.

Dom Standpunkt der Verkehrsinteresienten aus ist es daher geboten, bei der weiteren Behand­lung der Frage mit allem Aachdruck die Forde­rung der Freizügigkeit für die neu zu schaffenden Tarif ermäßigungen zu erheben und hierbei nach Möglichkeit der Reichsbahn Lösungen vorzuschla­gen, die in gleicher Weise dem Sntereffe dieses unseres führenden Verkehrsunternehmens, wie den berechtigten Belangen des reisenden Publikums entsprechen. Sn diesem Sinne wird der Vorschlag der Einführung einesWertscheinheftes" zur Erörterung gestellt, der unter Aufrechterhal­tung des dem Kilometerheft wesenseigenen Grund­gedankens eine Berechnung der Leistungen der Dahn statt nach Kilometern nach der gesetz­lichen 'Währung der Reichsmark unter Zu­grundelegung des Aormaltarifs vorsieht. Das Wertscheinheft ist so gedacht, daß die Reichs­bahn Ausweise in Heftform herausbringt, die

auf einen bestimmten Aennwert lauten und mit gewissen Preisnachlässen herausgegeben werden. So könnte man dazu gelangen, drei Arten von Wertscheinheften herauszubringen, bei denen so­wohl der Wert, wie auch die Geltungsdauer und der Rabattsah entsprechend zu staffeln wären, nämlich einkleines" Wertscheinheft, gültig zwei Monate mit einem Wert von 100 Mark und einem Aachlah von 10 Prozent zum Preise von 90 Mark, einmittleres" Wertscheinheft mit einer Gültigkitsdauer von sechs Monaten, einem Wert von 300 Mark, einem Aachlaß von 15 Pro­zent und einem Preise von 255 Mark, ein großes" Wertscheinheft mit einer Gültigkeits­dauer von einem Saljr, einem Wert von 1000 Mark, einem Aachlaß von 20 Prozent und einem Preise von 800 Mark. Das Wertscheinheft hätte in kleinen Scheinen auf perforierten Dogen die entsprechende Anzahl von Wertscheinen auf je 1 Mark au enthalten. Die Entnahme der Fahr­karten würde unter Vorlage des Wertscheinheftes am Schalter erfolgen, wobei der Schalterbeamte die Wertscheine herauszunehmen und sie statt baren Geldes zu vereinnahmen hätte. Spihen- beträgen von Pfennigen wären in jedem Falle in bar zu entrichten. Die Wertscheinhefte wären auf Hamen auszustellen, wobei aber engere Fa­milienangehörige an der Vergünstigung müßten teilnehmen dürfen.

Um Zweifel auszuschließ en, sei ausdrücklich betont, daß der Einführung der De zirkszeit - karte nicht etwa widersprochen werden soll; diese folgerichtige Ausgestaltung des ©eöantenJ der Monatskarte erscheint vielmehr durchaus zweckmäßig. Aachdrücklich muß aber betont werden, daß die Bezirkszeitkarte allein unter keinen Umständen geeignet ist, die Wettbewerbsstellung der Schiene gegenüber dem freizügigen Kraftwagen grundlegend zu stärken. Aach Lage der Dinge kann es sich nicht darum handeln, dem Wettbewerb des freizügigen Kraftwagens durch eine einzelne Tarif­maßnahme zu begegnen, die nach ihrer Ge­staltung und ihren Auswirkungen nur einem be­schränkten Teil von Reisenden zugute kommen kann. Die Schiene wird den Wettstreit mit der Landstraße vielmehr nur dann erfolgreich be­stehen können, wenn sie durch ein großzügig aufgebautes System sich gegenseitig ergänzender Tarifvergünstigungen den von den Vcrkehrstreibenden im Zeitalter deS Kraftwagens zu stellenden vielfältigen und um­fangreichen Anforderungen in möglichst lücken­loser Weise entspricht.

Kirche und Schule.

Kreis Wetzlar.

(D Krofdorf, 7. Juni. Pfarrer Wiebel aus Barmen, der bereits über ein Jahr die hiesige Pfarrstelle verwaltet, ist nunmehr endgültig zum Seelsorger der Gemeinden Krofdorf, Gleiberg und Kinzenbach ernannt worden.

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