Ausgabe 
9.6.1931
 
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halten zu haben, den britischen Staatsmännern öffentlich zu danken.

Die Rede des Reichskanzlers rief laute Der- fallskundgebungen hervor.

Der Abschluß des Ministerbesuchs

Seinen gesellschaftlichen Höhepunkt und Ab- schluh erreichte der Besuch des deutschen Reichs­kanzlers und Reichsauhenministers hmrke abend mit dem Diner, das der deutsche Botichafter und Freifrau v. Reurath zu ihren Ehren rn der deutschen Botschaft in Carlton House Terrace gaben und an das sich ein großer EmP fan g onschloß, der in den Räumen der deutschen Bot­schaft das gesamte diplomatische Korps Londons, die Spitzen des politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens, prominente Mitglieder der deutschen Kolonie in London, sowie zahlreiche Vertreter der englischen und deutschen Presse versammelte. Der Empfang nahm einen herzlichen Verlauf und gab den deutschen Ministern Ge­legenheit, mit repräsentativen Mitgliedern der verschiedensten Schichten der öffentlichen Meinung Englands Fühlung zu nehmen.

Morgen früh erfolgt die Abreise nach New - h a m p t o n, wo sich die deutschen Minister zur Heimreise nach Deutschland an Bord derEu­ropa" begeben werden.

Auf der Heimreise.

London, 9. Juni. (WTD. Funkspruch^) Dr. Brüning und Reichsauhenminister Dr C u r- t i u s haben heute morgen die englische Haupt­stadt verlassen, um nach Deutschland zu- rückzukehren.

Abschiedstelegramm Brünings und Curtius'.

Southampton, 9. Juni. _ (WTD. Funk­spruch.) Reichskanzler Dr. Brüning hat an den britischen Premierminister Macdvnald folgendes Telegramm gesandt:

Mein lieber Premierminister! Deim Verlassen des englischen Dodens möchte ich Ihnen nochmals «auf richtig für die liebenswürdige Gastfreund­schaft danken, die Dr. Curtius und mir wäh­rend unseres Besuches in Chequers zuteil ge- worden ist. Sie dürfen versichert sein, daß ivir uns der angenehmen Tage, die wir in Ihrem schönen Lande zugebracht haben, und des warmen Empfanges, der uns von der britischen Regierung und dem britischen Volke bereitet wor­den ist, stets sehr dankbar erinnern werden. Seien Sie, mein lieber Premierminister, meiner aufrichtigen Ergebenheit versichert.

Dr. Brüning."

Reichsauhenminister Dr. Curtius hat an Staatssekretär Henderson nachstehendes Tele­gramm gesandt:

Mein lieber Staatssekretär! Wollen Sie bitte meinen aufrichtigen Dank entgegennehmen für die schöne Gastfreundschaft, die Sie mir während meines Besuches in England er­wiesen haben. Ich habe mich sehr gefreut. Ge­legenheit zu haben, mit Ihnen in Ihrem eigenen Lande zusammenzutreffen, und ich empfinde leb­hafte Dankbarkeit für die angenehmen Tage, die ich in England verbracht habe. Mit der Versiche­rung meiner ausdrücklichen Ergebenheit

Dr. Curtius."

Botschasterbesuch bei Henderson.

London, 9. Juni. (WTD. Funkspruch.) Staatssekretär Henderson empfing gestern, wieTimes" berichtet, den französischen und den italienischen Dotschafter, die er über den wesentlichen Inhalt der Drsprechun- gen von Chequers unterrichtete.

t OerMaiin" urteilt:

, Paris, 9. Juni. (WTD. Funkspruch.) Der ' Auhenpolitiker desM a t i n" , Jules Sauer- . wein, urteilt über die Desprechung von Che­quers folgendermaßen: Der Besuch der deut­schen Minister in England hat fürDeutsch- land zweierlei Vorteile gebracht. Der erste ist darin zu erblicken, daß eine Fühlung­nahme und eine gewisse g ü n st i g e Strö­mung hergestellt worden ist, die man zum größ­

ten Teil der hervorragenden Persönlichkeit D ru- n i n g s zuschreiben muh. Ferner hat Deutsch­land nunmehr die Idee verbreitet, daß es a n derGrenze seiner Leistungsfähig­keit angekommen sei.

Diese Idee wird für Deutschland arbeiten, nicht nur in Europa, sondern schliehlich auch in Amerika,

und wenn eines Tages die deutsche Regierung! erklärt, dah sie wirklich nicht mehr zahlen könne, wird sie sich in der Stellung befinden, daß sie daran erinnern kann, sie habe die englische Re­gierung und dadurch auch alle Gläubigerstaaten im voraus darauf aufmerksam gemacht, indem im einzelnen die schwierige Lage Deutschlands be­kanntgegeben worden sei.

Was wird Amerika tun?

Schuldenermäßigung nur in Verbindung mit Abrüstung?

London, 9. Juni. (WTD. Funkspruch.) Der Washingtoner Korrespondent derTimes" mel­det: Staatssekretär Stimson hatte gestern vor­mittag eine lange Llnterredung mit dem Präsi­denten Hoover, aber weder über das Commu- niqu6 von Chequers, noch über den Erlaß derdeutschenRegierung ist ein Kommen-

Schatzsekretär Mellon (Amerika).

tot gegeben worden. Immerhin ist es aufgefallen, dah der Staatssekretär keine Gelegenheit nahm, auf die amerikanische Auffassung hinzuweisen, dah zwischen Reparationen und Kriegs­schulden kein Zusammenhang bestehe.

lichten Ersparnisse für vermehrte Rüstungen ver­geudet hätten.

Die amerikanischen Bauern und Arbeiter wollten nicht für die Vorbereitungen zu einem neuen euro­päischen Krieg ihr Geld opfern. Die Lösung sei daher: Verminderung der Schulden, der Reparationen und der R ü st u n g e n zu­sammen.

Einstellung der Tribut­zahlungen im Herbst?

Eine gemeinsame europäische Aktion?

London, 9. Juni. (ERB. Funkspruch. Eigene Meldung.) Ein Sonderkorrespondent derDaily Mail" schreibt, Dr. Brüning und Dr. Curtius hätten keine Vereinbarung mit England über die deutschen Finanzprobleme abgeschlossen, aber es sei deutlich genug gemacht worden, daß ein e r n st e s neues Wirtschaftsproblem im Entstehen sei. In britischen Kreisen gilt es jetzt nicht mehr als möglich, sondern als wahrscheinlich, daß

Deutschland im nächsten herbst die Reparations­zahlungen suspendieren

werde. Alle europäischen Nationen seien sich klar über die schwerwiegenden Folgen, die sich daraus ergeben. England würde im Falle einer Sus­pendierung der Reparationen 30 Millionen Pfund Sterling im Jahre e i n b ü ß e n. Großbritannien habe stets die Politik verfolgt, von seinen Schuldner nur so viel zu nehmen, wie zur Bezahlung seiner Gläubiger nötig sei, aber wenn die Schuldner Großbritanniens ihre Zahlungen ein­stellten, sei es die Frage, ob Großbritannien seine Zahlungen an die Bereinigten Staaten

fortsetzen solle. Die britischen Minister hofften ehr­lich, dies zu vermeiden, aber

auf dem Kontinent würde die Möglichkeit einer Einstellung der Schuldenzahlungen an die ver­einigten Staaten von den Staatsmännern allen Ernstes erwogen, falls die deutschen Zahlungen ausblieben.

Der Korrespondent schließt: Mit dieser Möglichkeit wird sich zweifellos der Völkerbundsaus­schuß zur Untersuchung der europäischen Finanz­lage befassen, und es wäre keine große lieber- raschung, wenn Anfang nächsten Herbstes, wo der Bericht des Ausschusses vorliegen wird, in dieser Frage eine überein st immende euro­päische Aktion zustande käme.

Borahs Meinung über Deutschland.

London, 9. Juni. (WTD. Funkspruch.) Der Reuyorker Korrespondent desDaily Telegraph" gibt eine Aeuherung des Senators B o r a h wie-

Senator B o r a h, einer der einflußreichsten Parlamentarier Amerikas.

der, wonach dieser gesagt haben soll, die Zu­stände i n Deutschland seienso schlimm, wie sie überhaupt nur sein können". Dorah begründet diese Mitteilung damit, dah er in letzter Zeit vieledirekte Mitteilungen auS Deutschland erhalten habe.

Preußen und die Evangelische Kirche.

Der Vertragsentwurf im preußischen Landtag.

Die Möglichkeit, daß die Vereinigten Staaten von Europa gewissermaßen eingeladen werden könnten, der Wiederaufrollung der ganzen Kriegsschuldenfrage näherzutreten, wird von ver­schiedenen Mitgliedern des Kabinetts mit Unruhe betrachtet.

Staatssekretär Stimson soll allerdings weniger beunruhigt sein, als der Präsident selbst. Die sich hier allmählich bemerkbar machende Auffas­sung, Schuldenverminderung und A b - rüstung als zusammenhängende Frage zu behandeln, betrachtet man gegen- wärttg nicht als eine Aufforderung an Europa, die Schulden- und Abrüstungsfrage zusammen aufzurollen. Vielmehr ist darin eine Andeu­tung zu erblicken, daß die Vereinigten Staaten, wenn sie aufgefordert werden sollten, die Schul­denfrage neu zu erwägen, dies

nur im Zusammenhang mit der Abrüstungsfrage

tun würden. Der Korrespondent weist dazu auf den gestrigen Leitartikel der WashingtonerDailn News" hin, der seiner Meinung nach in diesem Zusammen­hang Gedankengänge enthalte, die in weiten Kreisen Aufnahme fänden. In dem Artikel heißt es, die Fiktion der Washingtoner Regierung, daß Reparationen und Schulden nichts miteinander zu schaffen hätten, bräche zusam­men, aber die Verminderung oder gar Streichung der Schulden sei eine zu einfache Lösung. Es müsse doch im Auge behalten werden, daß

Amerika bereits 25 bis 75 Lents pro Dollar an Kriegsschulden gestrichen habe und daß die alli­ierten Regierungen die ihnen dadurch ermög-

Berlin, 8. Juni. (WSR.) Der Preußische Landtag, der heute nach der Pfingstpause wie­der zusammentrat, erledigte die erste Lesung des Vertrages mit den evangelischen Landeskirchen und das Pfarrbesol­dungsgesetz.

Kultusminister Grimme

leitete die Beratung mit einer längeren Rede ein, in der er u. a. sagte:

Zwei Motive hätten die preußische Staats­regierung zur Vorlegung des Vertrages bestimmt, einmal nach dem Abschluß des katholischen Kir­chenvertrages die Rücksicht auf die anderen, so­dann die Tatsache, daß das Jahr 1918 auch in dem Verhältnis zwischen Staat und Kirche eine grundlegende Veränderung mit sich gebracht habe. Die Aufgabe des Landtages sei es, zu prüfen, ob der Vertrag die staatlichen Interessen unzweideutig sichere, insbesondere ob er den staatlichen Hoheitsrechten ausreichend gerecht werde.

Die vertragliche Sicherung der ' Staatshoheit, die politische Klausel, sei am stärksten umstritten gewesen. Diese Klausel sehe der Freiheit der Kirchen eine Grenze, die jedoch nicht von der angeblichen staatlichen Macht gezogen sei. Sie sei nichts als die Grenze, die zwischen der Frei­

heit der Kirche und der Freiheit des Staates zu beachten sei.

Die politische Klausel bezwecke die Beseitigung eines Zustandes der letzten sieben Jahre, dem­zufolge eine einseitige Verpflichtung des Staates gegenüber den Kirchen vorlag, ohne daß die Kir­chen zugleich auch von sich genötigt waren, auf die Lebensinteressen des Staates Rücksicht zu neh­men. Darum die Verpflichtung der Kir­chen, dah sie m ihre leitenden Aem ter niemand berufen, von dem nicht bei der preußischen Staatsregierung festgestellt sei, daß Bedenken politischer Art gegen ihn nicht bestehen. Die Anerkenntnis der politi­schen Klausel durch die Kirchen stelle ein Politikum ersten Ranges dar. Sie sei zu werten als Aus­druck des kirchlichen Verantwvrtungs- bewuhtseins gegenüber der in der Verfas­sung bestimmten staatlichen Lebensform.

3n dieser Anerkenntnis komme auch bet Wille bet kirchenbehörben zu einem positiven Ver­hältnis zum Staat zum Ausdruck,

so daß es geeignet sein dürfe, die Ueberwindung des Mißtrauens der republikanischen Kreise ge­genüber der politischen Einstellung der evange­lischen Kirchen anbahnen zu helfen. Es wäre ein nationaler Gewinn, wenn fortan gewisse kirchlich gebundene Kreise aus der Tatsache, dah sich der

Die deutschen Romantiker.

Zum Brande des Münchener Glaspalastes.

Von Karl Hochstetler.

Was in der Rächt zum Samstag im Münchener Glaspalast vernichtet wurde, ist nicht zu ersehen. Die deutsche Kunst hat einen Verlust erlitten, der nie wieder gut gemacht werden kann. Es ist nicht so, dah man an diesem Grabe von einem toten Freunde Abschied nehmen könnte. Hier hat das Messer eines unbarmherzigen Chirurgen sinnlos ein Glied aus dem Kunstkörper einer Ration herausgeschnitten, das gesund war, wie nur ir­gendeines nein, das gerade in diesen Jahren wieder zu einem neuen, in viele Richtungen hin anregenden Leben erwacht war.

Es ist noch nicht sehr lange her, dah man die Schule der Romantiker als veraltetes, in unserer realen Zeit unnützes Heb erbte ib fei eines ver­gangenen Jahrhunderts zum Gerümpel warf, ein Objekt billigen Spottes in der Zeit der Wolken­kratzer und der Sachlichkeit. In den Galerien stiefmütterlich behandelt, auf den Auktionen kaum gefragt, spielten die Meisterwerke dieser Epoche nur noch eine klägliche Rolle als Vorbilder für eine stets florierende Postkarten-Kitsch-Jndustrie. Wenn man von ihnen sprach, so geschah es kaum anders, als um einen Maßstab zu finden, an dem man dieGröhe" der neuen Kunst beweisen könne.

Dann kam der älmschwung. Richt überraschend wie so viele glauben machen wollen. Er war begründet in einer Massensehnsucht, die aus den steinern starren Formen des Alltags sich hin- überretten wollte in das Reich eines tieferen Gefühls. Gefühl ein Begriff aus Schullese­büchern, ein Erinnern an längstvergessene Klas­siker-Aufführungen für die Jugend, in den Schau» spiel-Eleoen mit rollenden Augen erschütternde Gemütsbewegungen markierten. Gefühl was hatte es zu suchen inmitten einer von Dag zu Tag phantastischeren Technik, unter Aeroplanen und drahtlosen Telegraphen, in einer Zeit der gewaltigsten sozialen und politischen älmwälzun- gen, die daS Gesicht unseres Erdballs neu zu formen begannen.

Aber in irgendeiner Ecke dieser technisierten Epoche verborgen, ängstlich gehütet, sah etwas und wartete, etwas, das sich nicht so einfach aus- rotten lieh: das Jndividium. ilnb eines Tages brach es hervor und verlangte sein Recht. Es stellte keine hohen Ansprüche es wollte nichts, als dah man seine Existenz erkenne.

Dieilmtoertung aller Werte" auf allen Ge­bieten. geistig, technisch, soziologisch ging auch an dieser Sphäre nicht spurlos vorüber. Aber das Erwachen des Gefühls, diese Reaktion auf die Mechanisierung des einzelnen, brachte die Werte wieder ins Bewußtsein zurück, die unter tem Schutt des Reubaues begraben worden waren. Die Romantiker wurden ans Tageslicht gezogen, man begann ihre Bedeutung im geschichtlichen Verlauf zu erkennen, ihren Einfluh nicht nur auf die Entwicklung der deutschen Kunst, sondern auf das gesamte geistige Leben Europas.

Anersehliche Meisterwerke, mit vielen Mühen und großer Sorgfalt zusammengetragen, sind dem Brande zum Opfer gefallen, die Spitzenleistungen einer ganzen Generation. Drei Hauptwerke von Karl Blechen, der als einer der ersten die Geheimnisse der modernen Malerei erkannte, acht von Caspar David Friedrich, dessen Kunst man sich gerade jetzt mit Immer größerer Liebe und Aufmerksamkeit zu widmen begann, das schönste Bild von Philipp Otto Runge,Wir Drei", ein nie zu verschmerzender Verlust, sechs Bilder von Moritz von Schwind die Reihe konnte ins Unendliche verlängert werden. Vierzig deutsche Galerien hatten ihre Schätze nach Mün­chen zu dieser Kollektivausstellung geschickt. Sie müssen jetzt einen Verlust von 30 Millio­nen Mark beklagen.

Es Hai keinen Sinn, viel Worte zu verlieren. Dieser Brand ist eine Tragödie, er raubt dem kulturellen Geben Deutschlands Werte, die immer von neuem hätten befruchtend wirken können.

Oer unvollkommene Trmmph.

Von Max Gidow.

Marquise de S6vigne, die nachmals durch ihre Briefe berühmt wurde, galt unter den vielen schonen Frauen, die am Hofe Ludwigs XIV. glänzten, für eine der schönsten. Roch in reiferen Jahren hatte sie sich soviel von dem Liebreiz ihrer Jugend zu wahren gewußt, dah man nicht leicht das wirkliche Alter der geistvollen Frau erraten konnte, zumal sie auch eitel genug war, das Jahr ihrer Geburt zu verschweigen oder es, so oft sie das für nötig hielt, zu korrigieren. Run wußte man jedoch in der Hofgesellschaft, daß sie und die Fürstin d'Harcourt am selben Tage geboren waren, und darum schien es der Marquise eines Tages geraten zu fein, mit ihrer Altersgenosfin ein Abkommen zu treffen.

Sie fand die Fürstin, die neben der noch immer scharmanten Ssvigne allzu ältlich und matronen­haft wirkte, vor einem Spiegel des Schlosses zu Versailles, begrüßte sie heiter und rief leb­haft:Madame, wir muffen uns einigen. Bitte, bestimmen Sie, welches Alter wir angeben sollen!"

Gewiß", erwiderte die Fürstin spitz,ich sehe die Notwendigkeit einer Verständigung Wohl ein. Aber warum fragen Sie mich und nicht besser Ihre Eitelkeit?"

Frau von Sövigns schien die Bosheit der Ant­wort zu überhören. Mit all dem Zauber ihrer natürlichen Anmut trat sie neben die Fürstin, legte den Arm um sie und wies mit beinahe aHichtsloser Gebärde zum Spiegel.

Wäre das nicht ein wenig gefährlich?", fragte sie zurück.Meine Eitelkeit ist so jung, daß man ihr nur allzu leicht glauben würde. Jedoch, Ma­dame, welches Argument hätte dairn Ihre Be­scheidenheit vorzubringen?"

Die 5ütjtin wandte sich brüsk ab. Frau von Ssvigne aber blieb vor dem Spiegel stehen, froh ihres Sieges, aber zugleich bedauernd, dah dieser Triumph unvollkommen bleiben muhte: beim sie konnte ihn nicht kolportieren.

Kunstausstellung Darmstadt 1931.

Am Sonntagvorinittag wurde in Darmstadt die Kunstausstellung der Reuen Hessischen Ar­beitsgemeinschaft für bildende KunstDarmstadt 1931" mit einer schlichten Feier eröffnet. Ober­bürgermeister Mueller begrüßte insbesondere die Vertreter des Reichsverbandes bildender Künstler, der in diesem Jahre hier seine Mit­gliederversammlung abhält. Die Beteiligung an der Ausstellung ist erfreulich stark und weist über 300 Rummern auf. Reben den Gemälden ist reich­lich Graphik und plastisches Schaffen von auf­fallend guter Qualität vertreten. An der Aus­stellung sind beteiligt die Freie Vereinigung Darmstädter Künstler, die Darmstädter Gruppe, die Darmstädter Sezession, der Drei-Städte-Bund, die Allgemeine Deutsche Kunstgenossenschaft, die Vereinig, bildender Künstler, die Mainzer Gruppe, der Bund Offenbacher Künstler und die Künstler­gruppe Worms. Ein Gang durch die Ausstellung zeigte, dah trotz der schweren materiellen Rot der Künstler ihr Schaffen ungebrochen ist.

Gustav Hartung, Generalintendant des Hessischen Landestheaters.

Die Hessische Amtliche Pressestelle in Darm­stadt teilt mit:

Die Derwaltungskommission des Hessischen Lan­destheaters hat heute Gustav Hartung als Rachfolger des nach Berlin berufenen General­intendanten Carl Ebert mit Mehrheit gewählt. Wenn sich die Derwaltungskommission nach sorg­fältigster und gewissenhafter Prüfung aller Be­denken und Llmstände zu dieser Wahl entschlossen hat, so waren ausschließlich der Wunsch und der Wille maßgebend, der durch eine immer schwie­rigere wirtschaftliche Lage bedrängten Bühne eine Leitung zu sichern, die einem Höchstmaß künst­lerischer Anforderungen und wirtschaftlichen Er­fahrungen genügt. Sie erkennt hierin den ein­zigen Weg, den hohen Stand der hessischen Lan- desbühne sicherzustellen, der allein das in dey deutschen Theaterwelt einzigartige Interesse der Bevölkerung zu erhalten und den Aufwand öffent­licher Mittel zu rechtfertigen vermag. Die Der­waltungskommission gibt der Hoffnung Aus­druck, dah ein so bewährtes Publikum wie das des Hessischen Landestheaters, in wohlbegründe­tem Vertrauen auf die zu erwartende künstlerische Arbeit seiner Bühne die Treue hält und sich vor allen Dingen von politischen und theaterfremden Erwägungen nicht beeinflussen läßt, die weder aus der Persönlichkeit des neuen Intendanten noch aus den Motiven der getroffenen Entscheidung hergeleitet werden können.

Der Nachfolger des Generalmusikdirektors Dr. Karl Böhm wird in Kürze bestimmt werden.

Wie ein WSN.-Bericht aus Darmstadt ergän­zend mitteilt, entschied sich die Wahlkommission, die sich aus Vertretern von Staat und Stadt zu- sammensetzt, nach ernsten Auseinandersetzungen für den Berliner stellungslosen Intendanten Gustav Hartung, der schon einmal an der Spitze des Hessischen Landestheaters stand, als den Nachfolger Carl Eberts, der bekanntlich nach Berlin geht. Für Hartung setzten sich die Kom­missionsmitglieder Staatspräsident Adelung, Innenminister Leuschner, Ministerialdirek­tor H r ft a d t und Stadtrat Ziegs wärmstens ein, während Finanzminister Kirnberger, Oberbürgermeister Mueller und Justizrat Bender Hartungs Wahl aufs schärfste be­kämpften. -