Ausgabe 
9.5.1931
 
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der Nationalversammlung in Bordeaux, mit welcher Gleichgültigkeit Frankreich damals dem Verlust der Landesteile an der Ostgrenze gegen- überstand. Auch der von Gambetta angeregte Protest" der im abzutretenden Gebiet gewähl­ten Abgeordneten fand nur bei einem kleinen Teil der Nationalversammlung lebhafteren Wider­hall, bei Männern wie Clemenceau, Victor Hugo u. a. Erst später hat sich die Revanche-Politik jenes beiseitegeschobenen Protestes bemächtigt, se­kundiert durch die nach dem Friedensfchluh nach Frankreich übergesiedelten Elsässer und Lothringer Emigranten.

Die Eingliederung des neugewonnenen Landes machte bei der bundesstaatlichen Struk­tur des neuen Reiches staatsrechtliche Schwierig­keiten: die Entscheidung, ob Angliederung an Preußen oder Aufteilung an Vaden, Bayern (Pfalz) und Preußen oder aber Organisation als gemeinsamesR e i ch s l a n d". fiel im Sinne der letzteren Lösung. Aus ihr entwickelte sich in mehreren Etappen schließlich die Autonomie- Derfalsuna von 1911, die Elsaß-Lothringen zum fast gleichberechtigten Bundesstaat machte. Schon lange zuvor aber war die Bevölkerung zu weitgehender Selbstverwaltung berufen worden, imLandesausschuß" und in den dreiBezirks­tagen", wo die Interessen des Landes wahr­genommen wurden, und wo der Wille der El­sässer in weit höherem Maße mitbestimmend war als in der französischen Zeit vor 1870 (und nach 1918!). Die Muttersprache der Elsässer und Deutschlothringer wurde aus ihrer Aschcn- brödelstellung herausgeholt, und auf der natür­lichen Grundlage des Deutschen entfalteten sich frei die geistigen und seelischen Kräfte des Volkes. Die reichsländische Schulverwaltung lieferte gleichzeitig das Musterbeispiel einer gerechten Behandlung einernationalen Minderheit", in­dem in den kleinen französischsprachigen Landes- teilen die französische Muttersprache Anierrichts- (und Amts-)Sprache blieb.

Weltfinanz und

Das Schicksal des

Don Otto

Der ausdrückliche Willen Elsaß-LothringenS, bei Frankreich zu verbleiben, war 1871 bewußt! mißachtet worden. Es ist aber ungeschichtlich ge­dacht, daraus nun nachträglich eine brutale Ver­letzung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker zu konstruieren. Wenn Frankreich dasUnrecht von 1871" wieder gutmachen wollte, so konnte und mutzte es 1919 unsElsässerundLothrin- ger darüber entscheiden lassen, wo­hin wir uns wenden wollten. Die deutsche Frie­densdelegation hat dieses Recht der Elsaß-Lo­thringer in Versailles nachdrücklich gefordert. Di« Antwort der alliierten und assoziierten Mächte hat es mit sophistischen Sprüchen verweigert. Für elsässisches Empfinden wiegt diese Verwei­gerung eines grundsätzlich verfochtenen Rechtes mindestens so schwer als die deutscheAnnektion" von 1871. Man hat in Frankreich in der Nach­kriegszeit sehr deutlich erkennen müssen, daß wir unter demdeutschen Ioch" freier und selbst­bewußter geworden sind, als wir es bei der Trennung von der französischen Ration gewesen waren. Wir haben vor allem zwei Dinge gelernt: daß wir anders geartet sind als die Innerfranzosen", und daß uns der französische bureaukratische Zentralismus, dieeineund unteilbare Republik", in unserem kulturellen Be­stand zu erdrücken droht. Aus beiden Grün­den erklärt sich die Stärke der autonv- mistischen Idee:Wir wollen mindestens so frei sein, wie wir in deutscher Zeit waren ... Diese Formel aus einem heimatrecht- lichen oberelsässischen Blatt ist vielleicht die b e st e Rechtfertigung der viel verketzerten Epoche des Reichslandes".

Die deutsche Nation hat keinerlei Grund, sich der Erinnerung an den 10. Mai 1871 zu schä­men, wie man es ihr von französischer (und manchmal gar von gewisser deutscher) Seite aus nahelegen möchte.

Wettwirtschast.

Norman-Projekts.

Corbach.

Die Macht des Geldes ist groß, heute größer als je. aber sie ist doch nicht so groß, daß die Verfügungsgewalt über riesige Geldmengen den Fürsten im Reiche des Finanzkapitals jene wundertätige Kraft verliehe, die der Mann auf der Straße ihnen zuzuschreiben Pflegt. Geld regiert" dieWelt" nicht allein und jedes Gemeinwesen, das vor allem durch Geld Geltung zu erlangen sucht, ist dem sicheren Untergänge ge­weiht. Rur der weitverbreitete Aberglaube an eine Art Allgewalt des Geldes im Wirt­schaftsleben konnte dazu verführen, den Gouver­neur der Bank von England, Montague Nor­man für einen Zauberer zu halten, der durch die Gründung eines neuen großen internatio­nalen Kreditinstituts die kranke Welt­wirtschaft im Handumdrehen wieder gesund finan­zieren könne. Die ersten Andeutungen über einen solchen Plan gab Herr Montague Norman schon auf der vorletzten Sitzung des Derwaltungsrats der Dank für internationale Zahlungen zum besten. Auf französischer Seite fand er wenig Gegenliebe und eine plastische Vorstellung von seinem gewaltigen Vorhaben konnte man aus seinen knappen Aeußerungen noch nicht gewinnen. Im März reiste er nach den Vereinigten Staaten, um in Wallstreet Bundesgenossen zu werben. Auf der letzten Sitzung des Verwaltungsrats der Dank für internationale Zahlungen am 20. April erwartete man ihn, um von ihm näheres über die Ergebnisse seiner amerikanischen Reise zu erfahren. Er erschien nicht. Nebel, gio hieß es. habe sein Schiff aufgehalten.

Dafür sickerte nunmehr in der englischen Presse näheres über sein Projekt durch. Danach soll das zu gründende Institut mit einem Kapital von zunächst 100, später 400 Millionen Mark ousgestattet werden, das teils von den inter- ntaionalen großen Danken, teils von den größten Industrieunternehmungen aufzubringen wäre. Auf diese Weise sollen in großem Stile Geldmittel für kreditbedürftige Länder auf dem Wege der Ausgabe langfristiger Obliga­tionen, angeblich bis zum Detrage von zwei Milliarden Mark, beschafft werden. Es handelt sich im ganzen um nichts geringeres als die V o r- bereitung einer W e l t - P l a n w i ri­sch a s t. die iurch Belebung des Wirtschaftslebens in kapitalschwachen Ländern und durch Erschlie­ßung der natürlichen Hilfsquellen von Gegenden mit wenig entfalteten ökonomischen Kräften den umfangreichen Leerlauf der Weltwirtschaft rasch überwinden könnte.

Zwischen dem Auftreten des Herrn Montague Norman auf der vorletzten Sitzung des Ver- waltungsrals der Dank für internationale Zah­lungen im Februar und feiner Rückkehr aus Amerika lagen die vergeblichen Anstrengungen der Londoner Regierung, den Anschluß Frank­reichs und Italiens an den Seemächtepakt zu sichern, sowie die deutsch-österreichische Initiative für eine regionale Zollverständigung in Mittel­europa. Die Ausführung der genialsten Projekte der mächtigsten Vertreter der Weltfinanz sind nach wie vor abhängig von politischen Voraussetzungen, die sich durch finanzielle Operationen allein nicht aus dem Doden stampfen lassen. Zweifellos ist das Normansche Projekt an und für sich viel großzügiger und gesünder als alles, was die Träger des französischen Finanzkapitals bisher an internationaler Kredit­beschaffung ausgeheckt haben. Die französische Finanz ist die Magd eines Machtshstems, das alle vorwärtsdrängenden Kräfte des kontinental­europäischen Wirtschaftslebens zu sprengen droht. Man darf annehmen, daß Nllmiague Norman an einigen Stellen in Wallstreet Anterstühung für sein Projekt gefunden hat. Aber die ent­scheidende Stelle, Morgan, hat zweifellos ihre Zustimmung von der Flottenverständi­gung und der Herstellung einer Einheitsfront der großen Seemächte für die allgemeine Ab­rüstungskonferenz abhängig gemacht. Gewiß ent­spricht der Plan des Gouverneurs der Darck von England der Mentalität Morgans wie oller maßgebenden Dollar-Fürsten viel mehr als der­jenigen französischer Banlleiter. die von dem Sicherheitskomplex engstirniger französischer Spa­rer abhängen, aber für die SicherhÄt amerikani­scher Kapitalanlagen in Europa ist vorläufig noch mehr die Gewogenheit französischer Machthaber als das Genie englischer Finanzstrategen maß­gebend.

Viel wichtiger als die vorläufig noch geringe Wahrscheinlichkeit einer Durchführung des Rvr- manschen Projekts ist indes ihre politisch-sympto­matische Bedeutung. Daß an derjenigen Stelle, die vor dem großen Kriege den finanziellen Mittelpunkt der Welt bedeutete, und wo noch immer der reichste Erfahrungsschatz für inter­nationale Anternehmungen angehäuft ist, ein so großzügiger und weitherziger weltwirtschaftlicher Finanzierungsplan wie das Normansche Projekt ausgearbeitet werden konnte, beweist, in welchem Matze der Bestand des britischen Im­periums bereits durch die Entartung des Finanzwesens der Nachkriegszeit bedroht ist. Natürlich kann sich eine Kapazität wie Montague Norman keinen Illusionen darüber hingeben, daß für die Durchführung seines Projekts eine Lö­sung der Weltverschuldung die wich­tigste Voraussetzung bildet. Die Weltwirtschafts­krise hat neue Schuldenlawinen ausgelöst, die bereits größere Verheerungen anzurichten ver­mochten als die Reparationen und Kriegsschulden, diesmal aber weniger in den Ländern der Be­siegten, sondern in denen der Sieger, vor allem den britischen Dominions und den latein­amerikanischen Ländern. Nicht Deutschland, son­dern Australien droht am ehesten unter der Last seiner Verschuldung zusammenzubrechen, ob­wohl seine während des Krieges aufgenommenen Anleihen gegenüber den Gewinnen, die es als ßiefcrant daraus ziehen konnte, gar keine Rolle spielten. Nichts als der mangelhafte Automatis­mus der Weltfinanz hat es mit sich gebracht, daß sich das Gewicht jedes Pfundes, das es dem Mutterlande schuldete, binnen weniger Iahre mehr als verdoppelte. Gold, der Maßstab für geschuldete 'Summen, wird immer knapper, Wolle und Weizen und andere Rohstoffe, womit Länder wie Australien ihre auswärtigen Gläubiger nur befriedigen können, werden in immer gewaltigeren Massen über die wirksame Nachfrage hinaus er­zeugt. Das beschwört nachgerade den Ruin der britischen Dominions herauf und zerrüttet die besten Absatzmärkte sowohl Eng­lands als der Vereinigten Staaten. Dazu kommt noch eine Erscheinung wie der Sturz des Silbers, der die Kauftraft aller Länder, deren Zahlungskraft vorwiegend von ihren Silberschähen abhängt, vor allem diejenige Chinas, binnen Iahresfrist halbiert hat. Auf diese Weise ist das Reparationsproblem zu einem Ausschnitt eines Weltproblems geworden, dessen Gesamt­lösung maßgebenden Kreisen in England ebenso sehr auf den Nägeln zu brennen beginnt als solchen Deutschlands. In diesem Zusammenhänge will auch das Projekt des Gouverneurs ^der Dank von England beurteilt sein: es zielt weniger auf eine rasche praktische Verwirklichung, als auf eine Mobilmachung der Weltmeinung zugunsten einer Hinwegräumung der Hindernisse, die einer finanziellen Sanierung der Weltwirtschaft im Wege stehen, und eines der stärksten dieses Hindernisse, wenn nicht das stärkste, bildet der Ma chtwahn französischer Staats­männer, der die in den Gewölben der Dank von Frankreich aufgespeicherten Goldmengen wie einen Nibelungenschah hütet und jeder wirklich schöpferischen wirtschaftlichen Betätigung vor­enthält.

Oer Rügendamm.

Seit Iahr und Tag schon wird zwischen allen nur irgendwie zuständigen Stellen über den Dau des Rügendamms verhandelt, der Landverbin- dung, die durch den Strelasund aus der Gegend von Stralsund nach Altfähr auf Rügen gelegt werden soll, um den Fährbetrieb hier we­nigstens auszuschalten. Technisch bedeutet das heute kein Problem mehr. Wir haben ja reichlich Erfahrungen bei dem Hindenburgdamm nach Westerland gesammelt, wenn auch hier der Dau -etwas komplizierter wird durch die Notwendig­keit, mindestens zwei Durchfahrten für den Schiffs­verkehr offen zu halten, so daß also auf der Strecke zwei Klappbrücken eingebaut werden müs­sen. Der Kostenaufwand wird auf etwa 28 bis 30 Millionen geschätzt, ein Betrag, der bei der Großzügigkeit unserer öffentlichen Hand vor Iahren noch keine Rolle spielte, der aber heute doch vor überellten Entschlüssen schreckt. Allerdings ist dagegen zu hallen, daß der Fähr­betrieb ziemlich kostspielig ist, auch im Vergleich

zur Anierhaltung des DammS. Es sind also auS laufenden Ausgaben erhebliche Ersparungen möglich, die einen großen Teil der Verzinsung des festgelegten Kapitals einbringen dürften, und der Rest sollte sich durch die Zuschläge, di« von der Bahn bei Benutzung künstlicher Bauten erhoben werden, decken lassen. Immerhin, das Geld muh beschafft werden, und es ist ver­ständlich, wenn eine Instanz die Verantwortung dafür auf die andere zu schieben suchte, so daß die Verhandlungen zwischen Reich, Reichsbahn. Preußen und Pommern nicht recht vom Fleck kamen. -

Die Reichsbahn hat jetzt den gordischen Knoten durchhauen mit der Erklärung, daß sie unter allen Umständen mit dem Dau des Dahki- damms bald beginnen und die ganz« Arbeit in zwei Iahren zu Ende führen würde. Der Stein ist damit ins Rollen gekommen, allerdings besteht durch dieses einseitige Vorgehen nun di« Gefahr, datz der Damm jetzt ein Torso wird, weil die Dahn natürlich nur ihre beiden Geleis- stränge über das Wasser treiben wird, aber kein Interesse daran hat, den Fahrdamm zu bauen, der mindestens ebenso notwendig ist und der, wenn man einmal den Dahndamm baut, mit vergleichsweise geringen Kosten herzustellen wäre. Es würde in der Tat ein Meisterstück bureankra- tischer Engherzigkeit sein, wenn auch jetzt noch eine Verständigung nicht möglich wäre, obwohl über die Notwendigkeit des Damms eigentlich kein Streit mehr besteht. Wir denken dabei nicht so sehr an den Wunsch der Hommerschen Däder, wir denken daran, daß durch den Dau d i e V e r - bindung mit Schweden wesentlich ver­bessert und um mindestens eine Stunde verkürzt würde. Dieses nationalpolitisch« Moment sollte eigentlich allen genügen, gerade in einem Augen­blick. wo Polen verzweifelte Anstrengungen macht, auch den Verkehr nach Schweden über Gdingen zu ziehen, um uns auch von Norden her zu umgehen.

Lehrt die Kinder alles Lebendige achten!

Der Gießener Tierschutzverein. Weser­straße 4, schreibt uns:

Freude am Lebendigen, Jagdeifer und Sammellust treiben jedes Frühjahr eine Schar von Kindern ins Freie, um allem, was da krabbelt, fliegt und schwimmt, Käfern, Schmetterlingen, Molchen, Frö­schen, Eidechsen und Fischen aufzulauern und es in Schachteln, Gläsern, Eimern und Hosentaschen nach Hauke zu tragen. Was wird aus diesen sonderlichen Geschöpfen mit den zarten Organen, die sich draußen in heller Sonne, im luftigen Blätterdach, im moori­gen Teich oder im klaren Bach ihres kurzen Daseins freuten? Ihren Lebensbedingungen entrissen, ein­geengt, verängstigt, falsch gefüttert, zu kalt oder zu warm, zu trocken oder zu naß gehalten, vom Weib­chen oder vom Männchen in der Liebeszeit grausam getrennt, siechen sie meist nach wenigen Tagen dahin. Manche, öeifen es gelang, aus Drang nach ihrer natürlichen Heimat zu entkommen, sterben auf der Suche nach ihr. Es ist eine ernste Aufgabe für die Eltern, bei den Kindern die Einsicht zu erwecken, daß keinMenschberechtigtist.ohnewei- t e r e s Tiere aus ihrem Lebenskreis und dem großen Lebenszusammenhang in der Natur herauszuholen, auch nicht ausTierliebe". Das Verständnis dafür ist bei den meisten Kindern vorhanden und bedarf nur der Unterstützung. Müßen die Kinder aus dem ihnen eigenen Forschertrieb lauern und jagen und ein­fangen, wenn sie sich nur damit begnügen, das Er­beutete einmal aus der Nähe gründlich zu betrachten, ohne ihm Schaden anzutun: mögen sie es dann wieder in Freiheit setzen. Bei solchem Umgang mit der Natur, die nur im Beobachten und Schonen, nicht aber im Zerstören und Erbeuten besteht, wird die Natur selbst ein Helfer für die Eltern und erzieht die jungen Menschen zu Rücksicht und Ehrfurcht.

Oie Ersparnisse im Gießener Etat für 1931.

II*.

Die Betriebsverwaltung.

Beim Etat des Städtischen Elektrizi­tätswerks ist bemerkenswert, daß der Betriebs- Überschuß, der an die Stadtkasse abzuliefern ist, sich im Haushaltsjahr 1931 auf 357 722 Mark, gegen 338 000 Mark im Vorjahre, belaufen soll. Dazu kommt noch der Finanzzuschlag zu den Strom- und Zählerpreisen, der ebenfalls zugunsten der Stadtkasse erhoben wird, in Höhe von 61400 Mark gegen 60 000 Mark im Jahre vorher. Auf der Ausgaben­seite des neuen Elektrizitätswerkshaushalts sind in der Betriebsrechnung die Aufwendungen für Kapitalzinsen und Schuldentilgung erheblich geringer als im Vorjahre, nämlich 52 155 Mark, gegen 146 717 Mark. Diese starke Senkung ist damit zu erklären, daß im vorigen Jahre die Zins- und Tilgungs­beträge für die Aufwertungsschulden der Jahre 1926/30 auf einmal zu zahlen waren, während im neuen Haushalt nur die Zinsen und Tilgung des Jahres 1931 erscheinen. Än den Erneuerungsstock sollen im neuen Haushaltsjahre 217 178 Mark, gegen 190 000 Mark im Vorjahre, abgefiftjrtTOerben. Dazu kommen noch 10 308 Mark Zinseinnahmen von dem Kapital des Erneuerungsstocks. An den Brenn­materialien für Stromerzeugung und Selbstver­brauch sind 5000 Mark abgestrichen worden, nämlich 55 000 Mark für 1931 gegen 60 000 Mark im Vor­jahr, an den Werbemittel- und Versammlungskosten hat man 1400 Mark gekürzt (14 600 Mark für 1931, gegen 16 000 Mark im Vorjahre), weitere Kür- zungen im Ausmaß von rund 25 000 Mark treten auf dem Gehalt- und Lohnkonto sowie bei den Ge­bäuden und Grundstücken zutage. In der Ver­mögensrechnung sind 230 000 Mark weniger eingesetzt, die im vorigen Jahre für Netzerweiterun­gen, Ergänzung der Akkumulatorenbatterie und für. Unvorhergesehenes veranschlagt waren. Dagegen sind eine Anzahl Posten für (Erneuerungen der verschie­densten Art neu in Erscheinung getreten, so daß die Vermögensrechnung in den Neuanschaffungen mit insgesamt 451000 Mark für 1931. gegen 343000 Mark im Vorjahre, abschließt. Die Ausgaben für diese Zwecke werden durch Entnahmen aus dem Erneue­rungsstock bestritten.

Bei der Städtischen Straßenbahn tritt eine ansehnliche Senkung der Stromkosten dadurch zutage, daß der Preis für den Betriebsstrom im neuen Jahre mit 12 Pf. je Kilowattstunde, gegen 17 Pf. im Vorjahre, angesetzt ist. Dadurch verringert sich diese Ausgabe von 68 000 Mark im Vorjahre auf 45 360 Mark für das neue Jahr. Weiterhin find die Aufwendungen für Gehälter und Löhne gesenkt worden wodurch sich eine Minderausgabe von rund 26 000 Mark ergibt. Aus der Einnahmeseite tritt aber auch ein. erheblicher Abstrich bei der Fahrgeldein­nahme zutage, nämlich von 313 000 Mark im Vor­jahre auf 218 000 Mark im neuen Wirtschaftsjahr. An den Erneuerungsstock sollen 22 069 Mark, ein­schließlich 3154 Mark Zinsen, gegen 20 541 Mark, einschließlich 2957 Mark Zinsen, im Vorjahre ab- geführt werden. Für Kapitalzinsen und Schulden­tilgung sind im neuen Wirtschaftsjahre 44 592 Mark, gegen 6 0593 Mark im Vorjahre, erforderlich: das Minus erklärt sich dadurch, daß im vorigen Jahre die Tilgung für die aufgewertete Kapitalschuld der Jahre 1926/30 ebenfalls in einem Zuge zu zahlen war, während in diesem Jahre nur diese Verpflich­tung für 1931 zu erfüllen ist. Weiter ist in der vor­genannten Summe erstmalig ein Betrag von 10 000 Mark als Tilgung des Darlehns zur Befestigung der Straßenbahngleise (1. Rate) enthalten. Der aus der Stadtkasse zu leistende Betriebszuschuß konnte

* Teil I imGießener Anzeiger" Nr. 102 vom 2. Mai.

Rundfunkprogramm.

Sonntag, 10.2Hai.

7 Uhr: Von Hamburg: Hafenkonzert. 8.15: Morgenfeier, veranstaltet von der Daptist«n-Ge- meinb« 9.15: Stunde des Chorgesangs. 10: Wies­baden: Internationales Tennisturnier. 10.30: Die junge Generation." Zweites Gespräch, ge­führt von Emst Schoen. 11.10: Wiesbaden: Auto­turnier: Schönheitskonkurrenz. 11.40:Gestalt und Ausdruck als Schicksal", Vortrag von Dr. Ernst Varthel, Köln. 12: Schallplattenkonzert. 14: Stunde des Landes. 15: Stunde der Iugend. 16: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 17.45: Anekdoten. 18.25:Eindrücke einer England- reife", Vortrag von Dr. Alfons Paquet. 19.30: Die weiße Dame, Romantische Oper von Doiel- dieu. 20.50: Zum Muttertag, Müttexbrief«. 21.10: Lebensweisheit in der Nuß, von Dr. Franz Wall- ner. 21.30: Konzert des Rundfunkorchesters. 22.50 bis 24: Tanzmusik.

Montag, 11. Mai.

7.30 bis 9: Dad Wildungen: Konzert des Kur- orchesters. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20:Wie möchte ich meine Erholungsstunde gestalten?", Ge­spräch zwischen einer Mutter und einem berufs­tätigen jungen Mädchen. 16.30: Konzert. 18.10: Ein Gang durch die AusstellungBühnenbildner". 18.30:Otto (Braun", Vortrag von Professor Erik Noelting, M. d. L. 19: Englischer Sprachunter­richt. 19.25: Hörspiele. Studienaufführung. 21.55: Reisebuch aus den Oesterreichischen Alpen. Ein Lieder-Zyklus von Ernst Krenek. 23 bis 24: Tanz­musik.

Dienstag, 12. Mai.

7.30 bis 9 Ahr: Vad Wildungen: Konzert des Kurorchesters. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20: Hausfrauen-Nachmittag. 16.30: Marschmusik. 17: Wiener Meisterschrammeln. 18.15:Die moderne Kulturkrise in Iapan", Vortrag von Iunju Kita- homa. 18.45:Kolonisierende Gründungen der Evangelisch-Lutherischen Kirch« in Aebersee", Vortrag von Manfred Griesebach. 19.15:Geistige Grundlagen unserer Wirtschaft", Vortrag von Hermann Hagen. 19.15: Eine Führung durch die betriebstechnischen Ausstellungen in Stuttgart. 19.45: Eine halbe Stunde Iack Hilton (Schallplat­tenkonzert). 20.15: Freiburg: Di« Italienerin in Algier. Kom. Oper in zwei Akten von G. Rossini. 22.15: Der Schrei aus der Tief«. Eine Erzählung von Dörries v. Münchhausen.

Mittwoch, 13. Mai.

7.30 bis 8.15 Ahr: Vad Soden: Konzert des Kurorchesters. 10.20 bis 10.50:Kampf der Kunst­flieger". Hörblld von Paul Laven, 11.50: Schall­plattenkonzert. 15.20: In der Werkstatt der Loko- motiven. 15.50: Stunde der Iugeick». 16.30: Nach- mittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.1&

Wünsche an das Rhein-Maingebiet", Vortrag von Stadtrat Vruno Asch. 18.45: Esperantokurs. 19.15: Virtuose Flötenmusik. 19.45: Die Co median Harmonists fingern 21.15: Dichter hören Musik. Don Dr. Franz Wallner. 23 bis 24: Zigeuner- musik.

Donnerstag, 14. Mai.

8.15 Ahr: Katholische Morgenfeier. 10.45:Vom! deutschen Iugendherbergswerk", Vortrag von Adam Piesenecker. 11:Kulturprobleme nordische Völker", Vortrag von Studienrättn Aenne Schmücker. 11.30: Der heimliche Bräutigam, von Güntber Birkenfeld. 12: Schallplattenkonzert. 14: Stunde der Iugend. 15: Friedenskirche Frankfurt am Main: Orgelkonzert. 15.30: Die Wilhelms- Höher Wasserspiele. 16: Konzert des Rundfunk- Orchesters. 18.30: Maiandacht. 19.30:Ansere Dichtersleut beim« gucte Viertele". Ein heiterer Südfunk-Abend, geleitet von Carl Struve. 20.45: Klavierkonzert. 21.15: Anterhaltungskonzert des Philharmonischen Orchesters. 22.50: Tanzmusik.

Freitag. 15. Mai.

7.30 bis 8.30 Ahr: Dad Homburg: Konzert des Kurorchesters. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20: Eindrücke aus englischen Erziehungs- und Besse­rungsanstalten", Vortrag von Landeserziehungs- rat Dr. Stöffler. 16.30: Nachmittagskonzert des Symphonie-Orchesters Pforzheim. 18.05: Stunde des Buches. 18.25:Was bringt der neue Som- merfahrplan?", Vortrag von Syndikus Flach. 18/40:Das Milieu als Krankheitsursache." 18.45: Wann kann der Vermieter und wann der Mieter kündigen?" Iuristtsche Hinweise von Amtsrichter Dr. Eggensperger. 19.10:Deutsche Opernmusi­ker." 19.15: Aerztevortrag. 19.45: Richard-Wag- ner-Konzert. 20: Festakt der Jahresversammlung des Deutschen Aüslandsinstituts. 21.30: Die große Hebammenkunst. Komödie in drei Akten von Ro­bert Walter. 22.50 bis 24: Tanzmusik.

Samstag, 16. Mai.

7.30 bis 8.30 Ahr: Bad Homburg: Konzert des Kurorchesters. 10.20 bis 10.50:Was ein Schwei­zer im Siebenjährigen Kriege erlebte. 12.10: Schallplattenkonzert. 15: Stunde der Iugend. 16.30: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.10:Der polnische Meereszugang und die Kon­kurrenz des neuerstandenen polnischen Korridor­hafens Gdingen gegen Danzig", Vortrag von Dr. Th. Rudolf, Danzig. 18.35: Eine Viertelstunde Deutsch. 18.50:Die Dank von Frankreich und die Goldbewegung Probleme der französi­schen Volks- und Staatswirtfchaft", Vortrag von Professor Dr. Perroux. 19.20: Spanischer Sprach­unterricht. 19.45: Hans Reimann und seine Schallplatten. 20.30: Iabuka (Das Apfelfest^ Operette in drei Auszügen. 22.40 bis Tanz­musik.