Ausgabe 
8.10.1931
 
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Am 27. Oktober Neuwahlen in England.,

Die Auslösung des ünterhauses.

London, 7.Okt. (TU.) Am Mittwochnachmittag wurde das Unterhaus durch eine Proklamation des Königs ausgelöst. In dieser Proklamation, die alter Tradition gemäß im Oberhaus, wohin sich die Unterhausmitglieder begeben hatten, verlesen wurde, wird erklärt: Während der letzten Wochen habe das englische Volk der Finanz- und Wirt- s ch a s t s k r i s e entgegentreten müssen, die auch weiterhin zu Befürchtungen Anlaß gebe. Die von den Ministern mit Unterstützung des Parlaments getroffenen Maßnahmen, den außergewöhnlichen Umständen zu begegnen, verlange von jedem einzelnen Opfer für die Gesamtheit. Der König vertraue darauf, daß, wie in früheren Fällen der englischen Geschichte, jeder Bürger feine Kräfte zur Zusammenarbeit zur Verfügung stellen werde, um die Prosperität des Landes wiederherzustellen. Schließlich wird ausdrück­lich erklärt, daß der König den in den letzten Tagen verabschiedeten Gesetzentwürfen, die zur Besserung der Lage bestimmt seien, z u st i m m e. Nach der Verlesung der Proklamation des Königs im Ober­haus versammelten sich die Abgeordneten wieder im Unterhaus, wo der Sprecher mitteilte, daß die Neu wählen zum Unterhause am 27.Oktober statt­finden werden.

Macdonalds Wahlmanifest.

London. 7. Okt. (WTD.) Das Wahl- manifest der nationalen Negierung, das vom Premierminister unterzeichnet ist, besagt u. a.: Die gegenwärtige nationale Regierung stellte das Borgen ein, stellte Sparmaßnahmen auf und balancierte daS Budget. Die

Weltlage und ihre finanzielle Schwäche machten es jedoch der Regierung unmöglich, ihr unmittel­bares Ziel au erreichen. Der Sterling wich vom Goldstandard ab. Eine Währungs­politik, die den Sterling in seinem Ver­trauen und Ansehen wiederher stellt, internationale A e b e r c i n k o mm e n, die einige der folgenreichsten Ursachen des wirtschaft­lichen Unheils, an dem die Welt so schwer lei­det, entfernen, wie Kriegsschulden und Reparationen, Pläne, um jede abträgliche Handelsbilanz in eine günstige zu verwandeln, werden ohne, Aufschub in die Wege geleitet ' werden müssen. Die Regierung muß frei sein, jeden Vorschlag, der helfen kann, zu erwägen. Solange die gegen­wärtigen Bindungen bestehen, können diese Dinge nicht durch politische Parteien getan werden, die im Parteikampf auf der öffentlichen Plattform oder im Parlament stehen. Die un­mittelbare Aufgabe ist eine bereitwillige Zu­sammenarbeit aller politischen Parteien, die durch ihr Zusammenwirken gemeinsam die Ver­antwortung tragen. Es ist notwendig, der ganzen Welt die Entschlossenheit des britischen Volkes vor Augen zu führen, in Zeiten nationaler Schwierig­keiten zusammenzuhalten und jede Maßnahme zu unterstützen, die erforderlich ist, um das Land und seinen Kredit unangreifbar zu machen. 3m August haben wir durch die sofortige Unterord­nung der Parteipolitik unter die nationalen Inter­essen die Bewunderung der Welt gewonnen. Laßt uns nun beweisen, daß wir entschlossen sind, d i e Sache zu Ende zu führen, bis wir unser Land aus diesen bewölkten Tagen in klarere und ruhigere Zeiten geführt haben.

Grneute BeWechlemng der Aeichssinanzen.

Dietrichs Optimismus wieder von der Entwicklung überholt.

Berlin, 7. Okt. ($11.) Reichsfinanzminister Dietrich gab am Mittwoch vor Pressevertretern ein nicht sehr rosiges Bild von der Lage der Reichsfinanzen. 3n der Zeit nach der 3 u l i k r i s e, so führte der Minister aus, sind so gut wie gar keine Steuern ein­gegangen. Erst im August ist es gelungen, mit Hilfe drastischer Maßnahmen den Schaden zum größten Teile wieder aufzuholen. 3m September hat sich dann das Bild er­neut sehr verschlechtert. Es sieht heute so aus, als ob der Zusammenbruch der Banken sich e r st jetzt auf wirtschaftlichem Gebiete aus­zuwirken beginnt. An die Erklärung des Hoover- feierjahres haben sich seinerzeit Erwartungen ge­knüpft, die nur zum Teil in Erfüllung ge­gangen sind. Von der Gesamtsumme in Höhe von 1200 Millionen Mark, die auf Grund des Hoover- feierjahres gespart wurden, entfällt ein großer Teil auf die Reichsbahn Die eigentliche Ersparnis für die Reichsfinanzen ist demnach nur auf etwa 700 Millionen Mark zu veranschlagen. Diese Summe wird zum großen Teile aber schon durch den Verlust an Steuern aufgefressen. 3mmer mehr zeigt sich, daß die Steuern des Reiches weniger be­ständig sind als die der Länder. Dazu kommt,

daß das Zollaufkommen noch labilen Charakter hat.

Eine weitere Schwierigkeit für die Reichsfinan­zen ergibt sich daraus, daß i m Etat die Ver- außerung von 150 Millionen Reichs- bahn . Vorzugsaktien vorgesehen und daß ihre Verwertung im Augenblick ganz un­möglich ist, weil einfach niemand das Geld zu solchen Transaktionen Hot. Daraus ergibt sich also zunächst ein Defizit von 150 Millionen. An ver- antwortlicher Stelle glaubt man ober, daß es ge­lingen wird, über diese Schwierigkeiten hinwegzu- kommen, obgleich auch die Schuldentilgung Anforderungen an die Reichsfinanzen stell!. Von den im Etat vorgesehenen 420 Millionen sind be­reits 300 Millionen getilgt worden. Im übrigen werden die Reichsfinanzen vor allen Dingen durch zwei wesentliche Momente beeinflußt das ist einmal die notwendige Hilfe für die Gemeinden, zum anderen die große Zunahme der Ar- beitslofen, die im Laufe des Winters bis auf 6,5 Millionen ansteigen dürste. All diesen Gesichts- punkten und den Gefahren, die sich für die Reichs- finanzen hieraus ergeben, tränt die neue Notver- orimung des Reichspräsidenten Rechnung, und unter dieser Perspektive muß sie vor allen Dingen gesehen werden.

Einzelpunkte der neuen Notverordnung.

Oie Pensionskürzungen.

Die Anrechnung von Ucbcreinkommen.

Berlin, 8. Oft. (TU.) Die neue Rotverord­nung sieht auch in einer Reihe von Punkten eine Acnderung des Bearntenbesoldungsgesehes vor. DaS Wartegeld der Reichsbeamten, die mit kür­zerer als zehnjähriger Dienstzeit aus einem Amte der Besoldungsgruppe B V oder einer höheren Be­soldungsgruppe mit Wartegeld ausscheiden, nach­dem sie in diesem Amte weniger als ein Jahr beschäftigt gewesen sind, beträgt 10 v. H. des der Berechnung des Ruhegeldes zugrunde zu legenden Diensteinkommens. Das R u h e g e l d der Reichs­beamten und der mit Ruhegeld abgefundenen Sol­daten beträgt in Zukunft höchstens 75 v. H. des ruhedeldfähigen Diensteinkommens. Ergibt sich bei der Berechnung eines Ruhegeldes ein Iahres- betrag von mehr als 12000 Mark, so wird der Mehrbetrag je nach der Deschäftigungs- dauer gekürzt. Das Witwengeld darf V *>. des ruhegeldfähigen Diensteinkommens

nicht übersteigen. Bezieht ein Ruhegeldcmpfänger n c b e n seinem Ruhegeld ein nicht unter die sonst geltenden RuhenSvorschriften fallendes A r - be11seinkommen. so wird sein Ruhegeld gekürzt. Dis zur Höhe von 6000 Mark jährlich bleibt das Anrechnungseinkommen für eine Äür- jung des Ruhegeldes außer Betracht. Das Ruhe­geld wird um die Hälfte des Betrages gekürzt, um den das Anrechnungseinkommen das kür- ^ingSsreie Anrechnungseinkommen übersteigt. Eine Kürzung tritt aber nur insoweit ein, als Ruhe-

Aarechnungseinkommen den Betrag von 9000 Mark im 3ahre übersteigen. 3cder Ruhegeld- empfangcr ist verpflichtet, innerhalb eines Monats feiner Behörde den Bezug eines solchen Reben- einkommens anzuzeigen.

Oie Bekämpfung politischer Ausschreitungen. Scharfe Bestimmungen zur Sicherstellung von Ruße und Ordnung

L*? C n» Okt. (ERB.) Heber die politi- Bestimmungen der neuen Rotverordnung KJhS rSnoflCnt(®c- HLntzschel im Rundfunk. Bei Zersetzungsschriften, die anonym oder ohne Hrsprungsangaben er­scheinen, wird rn Zukunft auch der Versuch an

n ? V? r c 1 t u nfl witzuwir ken. mit f k r^rntd cmcm Acchre bestraft. Auch

fahrlässige Unkenntnis ist strafbar. Jeder der Vorhandensein solcher Schriften Kenntnis bekommt, ,st verpflichtet, der Polizei Vn-elge zu erstatten, bzw. solche ZersetzungS-

I bzu liefern. Die Unterlassung wird mit Gefängnis biS au einem 3abrc bedroht .Die zahlreichen Ueberfälle auf boll, tild) Andersdenkende wurden dadurch be­sonders begünstigt, daß radikale Partei­organisationen ihre Anhänger teils i n b e - stimmten V e r k e h r S l o k a l e n zu bestimm­

ten Zeiten versammelten, teils sogar in kasernen- mähig hergerichteten Räumen als geschlossene Trupps unterbrachten. Solche Stätten und Stütz­punkte für Gewalttätigkeiten gegen Andersden­kende können p o I i zeilich geschlossen wer­den, wenn dies für die Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung geboten erscheint. Die Möglichkeit der Schließung ist sowohl für Wohn- räume wie für Gaststätten gegeben, in letzterem Falle bis zu einer Dauer von drei Monaten. Gastwirte können für unzuverlässig im Sinne des Schankstättengesetzes erklärt werden, so daß sie keine Konzession mehr erhalten.

Die Strafen für H o ch o e r r a t s d e l i k t e werden verschärft, auch solche für literarischen Hoch­verrat. Auch das Gebiet des Films wird in den Äreis der Neuregelung einbezogen. Jetzt können auch solche Filme verboten werden, die ihrer Gesarntten- denz nach geeignet sind, einen gewaltsamen Umsturz geistig vorzubereiten. Weiter gibt die neue Notver- ordnung der Reichsregierung die Möglichkeit zur Einrichtung von Sondergerichten, um beson­ders staatsgefährliche Delikte, wie Terrorakte, Steuerdefraudationen, Wirtschaftsverbrechen, z. B. Bilanzverschleierung, Aur Aburteilung zu bringen. Ob und in welchem Umfange davon Gebrauch ge- macht werden wird, wird von der weiteren poli­tischen und wirtschaftlichen Entwicklung abhängen. Endlich können die in der Verfassunng festgelegten Grundrechte außer Kraft gesetzt werden: diese Bestimmung gilt aber nur für die in der Notver- ordnung zugelassenen Maßnahmen und soll im Gegenteil sicherstellen, daß bei ihrer Durchführung in die Grundrechte nicht weiter eingegriffen wird, als es im Einzelfall unbedingt notwen­dig ist.

Das neue Krastverkehrsrechi.

Der Wettbewerb mit der Eisenbahn soll ausgeschaltet werden.

, Berlin, 7. Oft. (TU.) Die neue Rotverord- nung bringt wichtige Reuerungen für das ge­samte Gebiet des öffentlichen 11 e b e 11 a n b - krastverkehrs. 3m Personenverkehr toitb der Kreis der genehmigungspflichtigen Limen erweitert. Don den regelmäßigen Ver­kehren bleiben genehmigungsfrei nur die Rund» führten zu Desichttgungs- und Vergnügungs­zwecken. Genehmigungsfrei sind ferner nach wie oor die eigentlichen Sonder- oder Gelegenheits­fahrten.

Aus dem Gebiete des Güterverkehrs schafft die Rotverordnung vollkommen neues Recht. Die Rotverordnung unterwirft jeden Last- Kraftwaaenverkehr, der gegen Entgelt für andere auf Entfernungen von mehr als 50 Kilometer ausgeführt wird, der Genehm igungs- pflicht. Genehmigungsfrei ist lediglich der W e r k v e r k e h r, d. h. der Güterverkehr von industriellen, landwirtschaftlichen und Handels- unternehmunaen für eigene Zwecke sowie Der endgeltlich auch für andere ausgesührte R a h- kraf tverkehr innerhalb einer Entfernungs- 8Dnc von 50 Kilometer. Die Unternehmer sind

verpflichtet, bet jedem Ferntransport bestimmte, vom Reichsverkehrsminister festgesetzte D e f ö r - derungspreise als Mindestsätze cinzuhalten. Die vom Reichsverkehrsminister festgesetzten De- förderungspreise sind, wie Paragraph 22 der Rotverordnung sich ausdrückt, .so zu bemessen, daß der Preiswettbewerb zwischen Eisenbahnen und Kraftfahrzeugen auf gleiche Grundlage gestellt und bergemein- wirtschaftliche Ausbau bes deutschen Eisenbahngütertarifs nicht gefähr- d e t" werden. Für den Kraftwagentarif haben sich Reichsbahn und Kraftverkehr auf Sähe ge­einigt, die für Gütermengen bis etwa 350 Kilo ben Fracht st ückgutsätzen bet Reichs­bahn unb für bie größeren Gewichte den Frach­ten der neuen Klasse A bis B des Wagenladungs­verkehrs einschließlich des bei der Beförderung im gedeckten Wagen zu zahlenden fünfprozentigen Dedeckungszuschlages entsprechen. Der Tarif tritt gleichzeitig mit dem Gesetz in Kraft.

Das Landvolk verlangt Einschränkung des Imports.

Derli n, 7. Oft. (BDZ.) Die Landvolkfraftion hat im Reichstag folgenden Antrag eingebracht: .Der Reichstag wolle beschließen, die Reichs­regierung zu ersuchen, zur Vermeidung einer Wiederkehr der verhängnis­vollen Ereignisse vom 3 u I i d. 3. alle geeigneten Maßnahmen zur Verminderung der finanziellen Abhängigkeit Deutschlands vom Auslande zu treffen, insbe­sondere in Uebereinstimmung mit der im Lahton- Dericht ausgesprochenen grundsätzlichen Auffas­sung, eine angemessene Einschränkung der nicht lebensnotwendigen Ein­fuhr Deutschlands durch eine straffe De­visenbewirtschaftung sicherzustellen. Die Einschränkung der Einfuhr hat nach Maßgabe des Dedürfnisses zu erfolgen und sich insbe­sondere auf nichtlebensnotwendige landwirtschaftliche Erzeugnisse zu erstrecken."

Hoovers Stützungsaktion für die amerikanischen danken.

Zustimmung der Vesfentlichkeit.

Washington, 7. Oft. (TU.) Hoovers innerer Hilfsplan findet, soweit man bisher übersehen kann, bie ungeteilte Zustimmung der ameri- konischen Wirtfchaftskreife. Insbesondere verspricht man sich von der Schaffung des giganti- schen 50 0 - Dollar-Millionen - Kredits- Pools ein rasches Ende der Pleitenepidemie, eine sprunghafte Erholung der Anleiheaktien und Waren- preise sowie auch eine Gesundung des notleidenden Grundstücksmarktes. Allerdings wird der rosige Optimismus in Bankkreisen etwas durch die S o r g e um d i e ernste Lage in Europa gedämpft. Man hotte vielfach erwartet, daß Hoover dem Drängen der Hochfinanz folgen und eine zweite befreiende Initiative in 6er Schuldenfrage ergreifen werde. Diese Hoff- nung hat enttäuscht, doch tröstet man sich da­mit, daß der ganze Fragenkomplex mit Laval erörtert werden wird. Einige Bankleute glauben Grund zur Annahme zu haben, daß die bisherigen Vorbesprechungen über eine Ausdehnung des Mo­ratoriums ein zufriedenstellendes Ergebnis voraus- sehen lassen.

In sichtlichem Bestreben, Beruhigung zu ver­breiten, bringen die Morgenblätter die' Ergebnisse der Konferenz mit Hoover, die Kursbesserung am Effektenmarkt und die fortgesetzten Besprechungen führender Wallstreet-Banken in großer Aufmachung. Die Erklärung Hoovers traf erst früh morgens ein, so daß sie zu spät für bie Presse oder für sonstige Kommentare kam. Den Plan einer Kreditorganisa­tion von einer halben Milliarde Dollar bezeichnet Times" als ben Versuch zur Wiederherstellung des geschäftlichen Vertrauens, währendHerold Tri- bune" aus Washington meldet, daß man im Weißen Hause Vorschläge ausarbeite, die den russischen Fünf- jahresplan noch überträfen.

Kleine politische Nachrichten.

Der Präsident desHessischenLanbiages hat die Einladung zur 122. Sitzung des Landtags- penurns auf D i e n s t a g, 1 3. O 11 o b c r hinaus- gehen lassen. Auf der Tagesordnung stehen zu­nächst nur Anträge und kleinere Vorlagen.

Für die hessischen Landtagswahlen hat die V o l k s- recht Partei als Kandidaten Professor Axt (Darmstadt), Bürgermeister i. R. P o r t h (Offenbach) und Bankbeamten 'Lorenz (Gießen) aufgestellt. Die Deutschnationale Volkspartei wird als Spitzenkandidaten präsentieren den seitherigen Ab­geordneten Böhm, den Führer des Mainzer Stahlhelms Dr. Wolf und Frau Heraeus aus Offenbach

Zum Vizepräsidenten des Obcrprä- sidiums in Kassel wurde der Landrat des Kreises Westerburg, Dr. S ch u n k, ernannt. Dr. Schunk, der der Z e n t r u m s p a r t e i angehört, ist 1890 in Dann geboren. 1921 kam er an die Regierung in Marienwerder, 1922 als Kommu- nalreferent an das Oberpräsidium der Rhein- Provinz und 1926 als Landrat nach Westerburg.

Der aus der Sozialdemokratischen Partei unb aus ber sozialbemokratischen Fraktion des Preu- bischen Landtags ausgeschiebene frühere preußische 3nnenminifter Professor Dr. W a e n - tig hat das Lanbtagspräsidium ersucht, ihm einen Abgeordnetensitz zwischen dem Zen­trum unb der Deutschen Volkspartei anzuweisen.

Die Goldsendungen für die Bank von Frankreich und andere große französische Bank- institute, die seit dem Sturz des englischen Pfundes wieder in großem Umfange eingesetzt haben, nehmen ihren Fortgang. Nachdem erst am Montag die Europa" über 250 Fässer Gold in Cherbourg ab- lieferte, trafen am Dienstag, von Amsterdam kam- mend, 4658 Kilogramm auf dem Pariser Flughafen Le Bouraet ein. Der AmerikadampferAquitania" hat ebenfalls 267 Fässer Gold für die Bank von Frankreich und eine Schweizer Bank an Bord.

Der Verfassungsausschuh des österreichischen Rationalrats hat den großdeutschen Antrag an­genommen, daß bie Wahl des Bundes­präsidenten noch im Oktober, und zwar durch die Bundesversammlung anstatt durch allgemeine Volksabstimmung für die vier­

jährige Amtsbauer zu erfolgen hat. Wie ver­lautet, soll die Wahl bereits am kommenden Freitag stattfinden.

Aus aller Welt.

Da» wrack de, Satopultslugzeug» derBremen- gefunden.

Da» Katapultflugzeug ber .Bremen", das in ber Eobequid-Dai abstürzte, würbe voll- ftänbig zertrümmert in ber Rähe beS Ufers aufgefunben. Die Postsäcke trieben in ber Olähe auf bem Wasser. Die Leichen ber Flieger konnten bisher noch nicht gefunben werden.

Eine ganze Familie an Kohlenoxydga» erstickt.

2Iuf bem Gutshof Kochanieh bei Kosel (Ober­schlesien) wurde ber Dampfpflugführer Karl Ze- mella vermißt. Als er nach längerer Zeit immer noch nicht erschienen war, stieg man burch bas Fenster in seine Wohnung ein. Die aus fünf Köpfen bestehende Familie wurde bewußtlos inihrenDetten vorgefunden. Ein Arzt stellte eine Kohlenoxydgasvergistung fest. Die drei Kin­der deS Ehepaares im Alter von fünf biS acht 3ahren waren bereits tot. 3hre Eltern wur­den sofort in das Koseler Krankenhaus gebracht, wo Wiederbelebungsversuche angeftellt wurden, die aber bi« 12 Ahr mittag« ohne Erfolg blieben. . .

Zwei Todesopfer

eine» Segelboofunglürf» im Kieler Hasen.

Bei starkem Sturm kenterte in der Stranderbucht ein mit drei Personen besetzte» Segelboot. Ein zehn­jähriger Knabe konnte sich durch Schwimmen an ßanb retten, während der Besitzer des Doo- tes und ein anderer zehnjähriger Knabe trotz unter­nommener Rettungsversuche ertranken.

Erfolgreicher

werbeseldzug de» Görliher Stadlthealer».

DaS Ctabttbcater Görlitz (Intendant Walter O. Stahl) eröffnete Ende September die Spielzeit besonders verheißungsvoll. Durch neu­artige Werbemaßnahmen wurden mehr al« 600 neue Abonnenten getoonnen, so daß mit den in den Verbänden organisierten Theaterbesuchern ein fester Stamm von über 6500 Besuchern geschaffen ist. Als außerordentlich er­folgreich erwies sich die Einrichtung von Frei- kartenpramien für die Abonnenten, die statt in Monatsraten sofort bar bezahlen: da­durch wurden über 22 000 Mark (im Vorjahr nur rund 700 Mk.) vorauSbezahlt! Die Eröffnungs­vorstellungen (Sgmont, Fidelio, Mikado) hatten einen starken künstlerischen Erfolg, daS finanzielle Ergebnis überraschte durch die bedeutende Zu­nahme auch der sogenannten freien Besucher.

Ein Lastkahn auf dem Rhein in Flammen.

3n Koblenz geriet ein bochbeladener An­hänger eines in Mannheim beheimateten Laft- schiffes in Brand. DaS Feuer war durch Selbstentzündung im Mittelschiff auSgebrochen. Der Lastkahn wurde abgehängt und am Hafenkai festgemacht, wo ihn die Feuer­wehr sofort unter Wasser setzte.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Sehr rasch ist das gestern über Frankreich gelegene Riederschlagsgebiet ostwärts gewandert und hat auch unserem Bezirk leichten Regen ge­bracht. Da das Kemgebiet der nördlichen Stö­rung von Island nach Skandinavien weiterge- zogen ist, so ist der Rückseiteneinfluh mit seiner Kaltluftzufuhr bereits zur Geltung gekommen. Dabei ist der Luftdruck über dem Festlande wieder kräftig angestiegen, was zu einem geschlossenen Hochdruckgebiet über Frankreich führte. Entspre­chend dem Lauf der Isobaren hat bei unS be­reits eine Westwetterlage eingesetzt, d. h. bei kühlen, zum Teil böigen Westwinden gestaltet sich das Wetter stark veränderlich. Bald ist rasch wechselnde Bewölkung vorherrschend, wobei auch ab und zu Schauer auftreten, bald heitert sich der Himmel auf. Dieser unbeständige Witterungs­charakter wird zunächst noch anbatten, jedoch dürfte der Hochdruck über Frankreich mit der Zeit eine Beruhigung herbei führen.

Aussichten für Freitag: Noch unbestän­dig, bewölkt und aufheiternd, kühl, vereinzelte Regenschauer, westliche Winde.

Aussichten für Samstag. Abflauen der Luftbewegung, wieder etwas ruhigeres, aber noch kein beständiges Wetter.

Lufttemperaturen am 7. Oktober: mittags 16,7 örab Celsius, abends 9,2 Grad: am 8. Oktober: mor­gen« 10,7 Grad. Maximum 17,7 Grad, Minimum 7,7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 7. Oktober: abends 13 Grad: am 8. Oktober: morgens 9-8 Grad Celsius. Niederschläge 2,4 mm. Son­nenscheindauer 1% Stunden.