Ausgabe 
8.8.1931
 
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Wesentlich für tie Beurteilung der volkswirt­schaftlichen Bedeutung der W o l l t u ch i n d u st r i e »st die Tatsache, daß die deutsche Wolltucherzeugung nur zirka 7 v. ch. unseres Bedarfes deckt, daß wir also fast ausschließlich unseren Bedarf an Rohstoffen ohnedies aus dem Ausland bei unserer Bekleidung eindecken. Die Wolleinfuhr be­lüftet unsere Schißenhandelsbilan^ sehr stark, und um das auszugleichen, sind wir auf die Ausfuhr unserer Fertigfabrikate, gewebter Tuche, angewiesen. Wie steht es aber damit? Umgekehrt hat sich die (Ein- fuhrvon Fertigfabrikaten, besonders von englischen Tuchen, g e st e i g e r t!

Der gedankenlose Einkauf ausländischer Tuche be­wirkt, daß der deutsche Abnehmer von der deutschen Wirtschaft unmöglich auskömmliche Verdienstmög­lichkeit erwarten kann, wenn er s e l b st durch u n - nötigen Einkauf ausländischer Ware der deut­schen Wirtschaft die notwendige Beschäftigungsmög­lichkeit beschneidet. Da die Hausfrauen auch bei der Auswahl der Herren st offe maßgeben­den Einfluß ausüben, müssen sie auf die unbedingte nationale Pflicht hingewiesen werden, deutsches Tuch dann zu bevorzugen, wenn es dem a"u s - ländischen gleichwertig ist:Jede für einen Anzug benötigte Stoffmenge, die aus dein Ausland bezogen wird, macht mindestens einen deutschen Ar­beiter für einen Tag brotlos!"

Der stärkste Feind des deutschen Tuches ist ein gewisser Snobismus, der allerdings nicht nur die Frau, sondern hier mindestens ebenso die Herren der Schöpfung betrifft. Ohne einen Schimmer von Be­rechtigung und Kenntnis des wirklichen Zusammen­hanges wird oft dem deutschen Tucherzeugnis die Qualität abgesprochen. Tatsächlich aber stellt die deutsche Tuchindustrie qualitativ dasselbe her, wie die ausländische und auch die vielgerühmte englische. Hat also solcher Snobismus, unbedingtecht eng­lische" Stoffe zu tragen, schon in wirtschaftlich nor­malen Zeiten keinen Sinn, so wird er bei unserer Wirtschaftslage zum nationalen Verbrechen, da seine Folgen, wie gesagt, zwangsläufig Erhöhung der Ar­beitslosigkeit bedeuten. Gegen 1926 ist die deutsche Einfuhr in wollenen Tuchen um 310 vH. g e stiegen! Diese Tuchmenge entspricht der jährlichen Normalproduktion von 30 deutschen Tuchfabriken mittleren Umfangs. Da jede drei Meter Tuch, die aus dem Auslande bezogen werden, eine deutsche Arbeiterfamilie für mindestens einen Tag brotlos machen, so bedeutet diese englische Einfuhr für die deutsche Textilindustrie einen Ausfall von rund 1 650 000 Arbeitstagen!

Es muß also heute von der deutschen Hausfrau als dem bedeutendsten deutschen Käufer verlangt werden, daß sie nicht ausländische Waren den deutschen vor­zieht, wenn diese in gleicher Güte und Preiswllrdig- keit zu haben sind."

Sparen, - aber kein sinnloser Käuferstreik.

Dan einer führenden Persönlichkeit des deutschen Einzelhandels.

Don der Einstellung der Frauenwelt hängt Wohl und Wehe des Handels und damit der gesamten Wirtschaft ab. Würde die Mehrzahl der Frauen so einsichtslos handeln, aud) bie nötigen unb Im RähmendesEinkornrnensberecht taten Einkäufe zu drosseln und noch dazu das Bar­geld im Strumpf aufzuheben, so konnte uns weder Selbsthilfe noch Auslandkredit vor der Kata­strophe retten! Man denke nur an die jetzigen großen Saison-Ausverkäufe, die unbedingt eine Räumung der Lager und einen größeren Bargeld­einlauf erzielen müssen. Wenn diese saisonmäßig bedingte Blutzufuhr, auf die der Handel nun einmal eingestellt ist, plötzlich ausfallen würde, dann könnte die Blutarmut der Wirtschaft tödlich wirken!

Die Hausfrau hat in Krisenzeiten wie den jetzigen volkswirtschaftliche Pflichten! Die Handelsorganisationen arbeiten mit aller erdenk­lichen Mühe daran, ihrerseits dem Gebote der Stunde gerecht zu werden, indem sie nach wohlüberlegtem

Das bißchen Erde.

Vornan von Richard Slowronnel.

Copyright by I. Engelhorns Nachf., Stuttgart.

1 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Ta sprang er ab unb pirschte die letzten paar hundert Schritte sich kriechend heran, kam gerade noch zur Zeit, Gott sei Dank! Mit einem gewal­tigen Satze warf er sich dazwischen, wand seinem jungen Herrn die Waffe aus der Hand ... Einen Faustschlag mitten ins Gesicht bekam er zum Dank, daß ihm das helle Feuer aus den Augen spritzte, aber das gefährliche Schießeisen gab er nicht wieder her. Unb inzwischen hatte die Kra- kower Baroneß es Wohl mit der Angst bekommen. Laut aufweinend lief sie den Berg hinab, band ihr Reitpferd los und jagte von bannen, als «raute ihr plötzlich vor dem Tode, den sie doch noch eben gesucht hatte. Denn von ihr nämlich war der Vorschlag ausgegangen, allem Herze­leid ein rasches Ende zu bereiten ... Graf Malte aber sah ihr wie geistesabwesend nach, und plötzlich lachte cr laut auf, lachte und lachte, bis das Lachen in ein Schluchzen überging. Da­nach ließ er sich willig den Berg hinunter führen, unb schweigen!) ritten sie nebeneinanber nach Hause. Am Hoftor verhielten sie, denn Lentz muhte die beiden Pferde in den Stall bringen. Unb sein Herr sah ihn mit einem Verzeihung heischenben Blick an.

»Hass sehr weh getan, Alter?"

Vein, Herr Gras, ich hab's in der Aufregung gar nicht gespürt. Und viel wichtiger is es Wohl, daß S:e jetzt den Brief zerreißen werden, der wo im Schloß auf dem Schreibtisch liegt."

Da blickte der "junge Herr eine ganze Weile vor sich hin auf den Boden.

Lieber ist's mir schon, du bleibst noch ein paar Stunden bei mir. Aber, nicht wahr, du sprichst zu keinem Menschen darüber, was eben geschehen ist? Auch zu mir nicht." Und ein we­nig zögernd fügte er hinzu:Oder vielleicht ist es besser, du nimmst meinen Wotan, weil der noch frischer ist als deine abgetriebene Kraggc, unb reitest nach Alten-Krakow hinüber. Es könnte doch sein, bah dort vielleicht ein Unglück pass-.ert wäre, und ich gebe dir mein Wort, ich warte ... also ich warte bestimmt, bis du wieder zurück bist."

Da sagte Lenh nur:Zu Befehl" und schwang sich m den andern Sattel. An einem Worte feines jungen Herrn war nicht zu zweifeln, und er konnte ruhig reiten. Vach zwei Stunden be­richtete er wahrheitsgemäß, im Alten-Krakower Scylosse wäre alles ruhig, der Vachtwächter machte ferne Runde wie sonst, und kein Fenster

Sprechende Zahlen der Llnfallstaiistik.

Ein Menetekel für Motorradfahrer. Rückgang der Unfälle in der Industrie.

3n dem Organ der Ruhr-Handelskammern Duhr und Rhein" veröffentlicht F. Holter- mann, Essen, an Hand der soeben erschienenen amtlichen Unfallstatistik für bas Jahr 1929 einen beachtenswerten Artikel, bem wir folgenbes entnehmen:

Wenn trotz ber günstigen Entwicklung der Un­fallziffern bei ben gewerblichen Berufsgenossen­schaften bie Gesamtzahl ber Unfälle gestiegen ist, so ist bies im wesentlichen auf die starke Zunahme ber Derkehrsunfälle zurückzuführen. In ben Jahren 1926 bis 1929 betrug bie Gesamtzahl der tödlich verunglückten Personen 23 475, 24 943, 26 403, 27 679; auf 100 000 Einwohner berechnet ist bie Verhältnisziffer in dem Zeitraum von 1926 bis 1929 von 37,2 auf 43,3 gestiegen. Die neuerliche starke Zunahme ber löblichen Ver­unglückungen ist zum weitaus größten Teil burch bie rasche Ausdehnung des Kraftverkehrs ver­ursacht. Im Jahre 1929 fielen dem Verkehr mit Kraftfahrzeugen im Deutschen Reich 5867 Personen zum Opfer, das sind 904 Personen mehr als im Vorjahr. In den letzten Jahren haben die Unfälle mit Kraf trädern in be­sonders starkem Maße zugenommen, ihre Zahl war im Jahre 1929 3*/< mal größer als im Jahre 1926, während die Zahl der mit oder durch Kraftwagen verunglückten Personen immerhin um 3/4 ber Zahl von 1926 gestiegen ist. Auf einen gleichen Bestand von 1000 Kraft­wagen kamen im Jahre 1929 nur noch 6,7 töd­lich Verunglückte gegenüber 7.6 und 7,9 auf 1000 in den Jahren 1928 unb 1927. Dagegen hat die Zahl der durch Krafträder herbeigesuhrlen tödlichen Verletzungen fast doppelt so stark zu­genommen wie dec Bestand an Krafträdern.

Während im Jahre 1926 auf 1000 Krafträder nur erst 1,9 tödliche Verunglückungen entfielen, ist diese Zahl neuerdings auf 3,5 auf 1000 an­gestiegen. Die Zahl ber sonstigen töblichen Der­kehrsunfälle ist im Gegensatz zu der starken Zu­nahme der Verunglückungen im Kraftverkehr

im Jahre 1929 etwas zurückgegangen, sie betrug 3737 gegenüber 3832 im Vorjahr. Besonders auf­fallend ist die starke Zunahme der Verun­glückungen jugendlicher Personen mit Krafträdern. So kamen durch den Verkehr unb den Sport mit Krafträdern im Jahre 1929 allein 299 15- bis 30jährige, dagegen immerhin nur 154 30* bis 60jährige Männer mehr zu Tode als im Jahre 1928. Auch unter den Kindern forderte die weitere Ausdehnung des Kraftverkehrs wieder 128 Opfer mehr als im Vorjahre. Bei den 5* bis 15jährigen Knaben ist außerdem die Zahl der Ertrunkenen um 77 an- gestiegen.

Erfreulicherweise ist im Gegensatz zu ber Zu­nahme ber Verkehrsunfälle

bei den gewerblichen Berufen eine weitere Abnahme der Unfälle zu verzeichnen.

Die amtlichen Feststellungen können zum Teil schon durch die von ben Derufsgenossenschaften mitgeteilten Zahlen für bas Jahr 1930 ergänzt werden. Bei der Hütten- und Walzwerk-Berufs- genossenschast (Sih Essen) betrug die Zahl der tödlichen Unfälle auf 1000 Versicherte berechnet in ben Jahren 1928 bis 1930: 0,920, 0,735, 0,690 unb bie Zahl der entschädigungspflichtigen Un­fälle 9,00, 7,92, 8,47 (1913: 13,89). Die Unfall­ziffer ist im Oberbergamtsbezirk Dortmund bei­den tödlichen Unfällen, auf 1000 Beschäftigte be­rechnet, im Vierteljahresdurchschnitt von 0,721 im Jahre 1925 (dieses Jahr war für den Ruhr­bergbau ein wahres Unglücksjahr) und 0,573 im Zeitraum von 1901 bis 1910 auf 0,507 im Viertel- jahresdurchschnitt 1923 und 0,469 im Viertel­jahresdurchschnitt 1930 zurückgegangen.

In Berlin verunglückten 1929 tödlich 1877 Per­sonen (43,4). Die Zahl der tödlichen Unfälle in der Reichshauptstadt ist hiernach nicht unwesent­lich größer als die Zahl der tödlichen Unfälle, die der ganze deutsche Bergbau im Jahre 1929 (1647) zu beklagen hatte.

Plan das niedrige Preisniveau halten und ttotz ge- wattig gestiegenem Reichsbankdiskont jede Steige­rung der Preise zu vermeiden suchen. Einen dauern­den Erfolg können sie aber nur dann haben, wenn ihnen die deutsche Hausfrau nicht in den Rücken fällt und durch einen sinnlosen Käuferstreik die Be­mühungen um einen ungestörten Verlauf der Wirt- schäft sabotiert. Frauen, helft der Wirtschaft nach euren Kräften, dann helft i h r euch s e l b st!"

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

ch Garbenteich, 7.Aug. An ber Licher Straße hat Dr. Rupp vor einigen Jahren ein Gehege angelegt und darin zwei junge Rehe aufgezogen. Während das weibliche Tier sich vollständig zähmen ließ, blieb der Rehbock stets scheu, um zuweilen recht bösartig, ja sogar gefährlich zu werden, so daß er im letzten Winter getötet werden mußte. Die Rehgeiß warf im Mai d. I. zwei Junge, die aber beide eingingen. Die Jugend unseres Dorfes und vorübergehende Fremde verweilen gern einige Augenblicke an dem Gehege.

ch Hausen, 6. Aua. Dem Beispiele anderer Ge­meinden folgend, beschloß der Gemeinderat in sei­ner Sitzung vom Dienstagabend den Erlaß einer Ortssatzung über V e r gn ü g ungs st eu- e r n für unsere Gemeinde. In bem in den Vach­kriegsjahren an der Straße nach Gießen zu ent­standenen neuen Dorfteil wird auch in diesem Jahr wieder ein neues Wohnhaus errichtet.

<värr hell. Woraus man also wohl auch schließen durfte, baß nichts Besonderes vorgefallen wäre... Graf Malte aber nickte nur, stand auf und ver­brannte den Brief Blatt für Blatt an der auf dem Schreibtisch stehenden Kerze ... Unb well sie nach der Aufregung doch nicht schlafen konnten, muhte der Alte erzählen. Von einem andern Ritte, den er vor Zeiten mit dem Vater seines jungen Herrn ausgeführt hatte. Er er­zählte die Geschichte nicht zum ersten Male, aber darauf kam es im Augenblicke ja nicht an, son­dern mehr auf den Zeitvertreib. Unb sie hatte zudem eine Vuhanwendung, die ein wenig auf den vorliegenden Fall paßte ...

Am 16. August war es gewesen, bei Rszon- ville, und ben Hinweg hatten sie mit brausenbem Hurra gemacht, an ber erschöpften eigenen In­fanterie vorbei, über die feindlichen Schühen- schwärme hinweg, bis der glorreiche Angriff an der feststehenden Mauer einer noch frischen Zuavenbrigade zerschellte. Da jagten die Trüm­mer der beiden Husarenregimenter über das mit Toten und Verwundeten besäte Schlachtfeld zurück, der Unteroffizier der Reserve, Lentz, neben seinem Rittmeister, Graf Römnitz. Und mit einem Male brach der Gaul des Unteroffiziers zusam­men, begrub feinen Reiter unter sich eine Chassepotkugel hatte ihm, von hinten her im Dogen einschlagend, das Rückgrat zerschmettert. Da parierte der Graf seine Grauschimmelstute auf der Stelle.

Hallo, Lenh, lebst du noch?" schrie er hinab, denn er duzte seinen Unteroffizier, weil er doch mit ihm zusammen in Hohenrömnih ausgewach­sen war.

Zu Befehl, Herr Graf", schrie der Unter­offizier zurück und arbeitete sich mit Schmerzen unter dem verendenden Gaule hervor.Aber ich kann nicht aufstehen, ich glaube, ich habe mir das rechte Bein gebrochen."

Va, dann muß es eben anders gehen!"

Graf Römnitz beugte sich hinab und hob mit einem Griff feiner eisernen Faust den Unter­offizier Lentz vor sich in den Sattel.Ein Hohen- römnitzer Kind soll nicht sagen dürfen, lerne Herrschaft hätte nicht zu ihm gehalten!"

Und weiter ging's im Schritt, bis bie zer­sprengten Schwabronen hinter ber zum letzten Angriffe vorgehenben preußischen Infanterie sich wieber sammeln konnten. Die brave Grauschim­melstute Arabella ihr in Silber gefaßter rechter Vorberfuh ftanb als ein Erinnerungs­zeichen da drüben auf bem kleinen Rauchtische hatte willig die doppelte Last getragen. Und als Graf Römnitz seinen Unteroffizier einem Lazarettgehllfen übergab, sagte er bloß:Va schön, das hätten wir bis so weit glücklich ge­schafft. Run mach, daß du wieder gerade Berne kriegst, und wenn du mich mal ebenso in Dreck unb Speck liegen siehst, reit auch nicht vorbei."

ch L i ch, 6. Aug. Auf Grund des Feldstrafgesetzes wird nach Anhörung des Gemeinderats unb Ge­nehmigung des Kreisamts Gießen für bie Feld» gemarfung Sich angeordnet, daß sämtlichebe - pflanzte offene unb eingefriedigte ® r u n b ft ü cf e in ber Zeit vom 1. Juli bis 1. No­vember währenb ber Vachtzeit geschlossen sinb unb deren Betreten allen Personen, auch ben Ei­gentümern, verboten ist. Ausgenommen von der Derorbnung sind Flächen, bie als Hausgärten dienen. Die Sperrzeit dauert für August von 21 bis 5 Uhr, für September und Oktober von 20 bis 6 Uhr. Infolge der schlechten Wirtschafts­lage liegt bie Dautät igkeit in unserer Stadt fast völlig darnieder. In der Iahnstraße ersteht zur Zeit ein kleineres Zweifamilienhaus, und ein großes Mehrfamilienhaus zweier hiesiger Aerzte.

ch L i ch, 7. Aug. Unserer Einwohnerschaft lieb» gewordene Jahrhunderte alte Wahrzeichen im Licher Schloßgarten gehen nach und nach ein. Die dicke Eiche, die vielleicht tausend Jahre alt sein mag, und noch vor zwanzig Jahren als stattlicher Daum eine Zierde des Schlotzgartens bildete, sieht ihr Ende nahen. Man kann sich ein Bild von der Stärke des Baumes vorstellen, wenn man bedenkt, daß die den Baum umgebenbe Dank für zehn Erwachsene Sitzplätze bot. Wäh­rend ber Kriegszeit verlor ber Baum seine ge­samte Krone, als Kuriosum blieb an dem mehrere Meter hohen uralten Rumpf nur ein mächtiger 21 ft, weit dicker als mancher hundertjähriger Waldbaum. Er wird gestützt durch einen Träger, den man ihm als Stühe gab. In der Rächt vorn

Zu Befehl", hatte er erwidert, dabei aber in feinem Innern einen heftigen Schwur getan. Vur bot sich keine Gelegenheit, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, denn er mußte bis zum Ende des Feldzugs an feinem zersplitterten Bein im 2a- Sarett liegen, und der . Herr Rittmeister kam heil zurück. Bloß die brave Arabella war unter ihrem Reiter im Dezember vor Orleans bei einem Rekognoszierungsgefecht gefallen. Unb als ber Unteroffizier Lenh wieder leidlich zu Wege war, trat er vor feinen ehemaligen Eskadron- chef hin.

Halten zu Gnaden, Herr Graf, ich hätt' eine (Bitte. Eigentlich nämlich bin ich ja gelernter Tischler und hab' soweit in Moltzahn bei mei­nem Meister das Auskommen. Aber wenn der Herr Graf mich als Diener annehmen wollten, möchte' ich's vielleicht noch ein büschen besser haben."

Va schön", sagten der Herr Graf,wird ge­macht, und man hat doch eins um sich, wo man mal ab und zu von Kriegsgeschichten Höhnen kann und so ..."

Der Alte machte eine kleine Pause, denn jetzt kam die (Nutzanwendung seiner Geschichte, nur fand er nicht gleich die rechten Worte dafür ...

Che, da bin ich denn 1872 hier eingetreten, aber es war nich so sehr wegen dem guten Le­ben als wegen dem 16. August. Und immer hab' ich drauf gelauert, daß mein Herr mal so recht in Gefahr kommen sollt', weil ich mich doch wegen Rezonvitte bei ihm revanchieren wollte. Aber es is leider Gottes nie nich dazu gekom­men, denn sie finb ja einen soweit ganz schönen Tod im Haus gestorben. Erst heute hab' ich mich ein büschen revanchieren können, unb es war sehr gut für mich, denn stellen Sie sich mal vor, Herr Graf, was mir da oben wohl passieren würd', wenn ich zu der großen Armee einrück'. .Zur Stelle^, sag' ich, und mein sel'ger Rittmeister darauf: ,Va schön, Lentz, da bist du ja endlich, unb wenn es bir paßt, kannst bu wieber bei mir eintreten. Aber, schwere Rot nochmal, weshalb hast du nicht aufgepaht, als mein einziger Junge drauf unb bran war, unter ben Schlitten zu ge­raten?" Da müßt' ich benn doch wohl die Augen unter mich schlagen nich? und als ein Schubbjack dastehen, ber sich wegen Pflicht- Vergessenheit genieren muh? ..."

Der Helle Morgen brang schon durch bie Ritzen der Fensterläben, unb draußen in den dichten Efeuranken und hohen Linden lärmten die Spatzen, als Lenh mit seiner Geschichte zu Ende war. Graf Malte stand auf, öffnete Die Tür unb trat auf den kleinen Ecker hinaus, von dem man einen weiten Ausblick hatte über ben Vellahner See unb die grünenden Saaten bis zu dem Hohenrömnitzer Walde, der wie ein dunkler Saum am fernen Horizont stand. llnö mitten aus diesem dunklen Saum ragte ein

Samstag zum Sonntag fiel bem Sturm eföt weiterer Zeuge vergangener Zeiten $um Opfer. Der erste Kastanienbaum am Verbindungsweg BahnhofstraßeUntermühleSchlohgarten, in sich völlig morsch geworden, brach einen Meter über ber Erde ab. Don ber ehemals fast geschlossenen Kastanienallee zum Schloßgarten stehen heute nur noch sieben alte Bäume; auch bie durch ben Schloßgarten ziehenbe Allee zeigt schon Spuren allmähligen Dergehens.

Kreis Schotten.

§ Ulrichstein, 7. Aug. Der hiesige Zweig- verein des Vogelsberger Höhen­klubs hielt unter starker (Beteiligung von Mit­gliedern unb Gästen seine Monatsversamm­lung ab. Der vom Vorsitzenden, Tierarzt M e i s k i, geleitete offizielle Teil des Abends hatte hauptsächlich bie für den 23. August ge­plante 50-Iahrfeier des Zweigvereins Ul- richstein zum Gegenstand, die in ihren Einzel­heiten beraten und festgelegt wurde. Es sind für diesen Tag gemeinsamer Kirchgang, Gedächt­nisfeier für die Verstorbenen auf dem Friedhof, ein Festzug durch die Straßen unseres Städt­chens zu dem altehrwürdigen Schloßberg. Festakt und Festspiel vorgesehen.

Preußen.

Kreis Biedenkopf.

T Äaldgirmes, 7. August. Der Korn- drusch ist soweit beendet. Der Ertrag an Körnern bleibt fast um die Hälfte gegen frühere Jahre zurück. Beim letzten Gewitter zerstörte der Blitz einen Radioapparat, trotzdem die An­tenne geerdet war. Ein zweiter Schlag zer­splitterte einen leerstehendmr Pflug auf dem Felde.

Maingau.

WSV. Frankfurt a. M., 7. Aug. Die Seis­mographen der v. Reinachschen Erdbebenwarte auf dem Kleinen Feldberg (Taunus) verzeichneten heute früh ein starkes Erdbeben. Die Dodenbewegungen setzten um 2 Uhr 30 Min. 34 Sek. MEZ. ein. Das Maximum lag um 4.19 Uhr. Die Aufzeichnungen erreichten ihr Ende gegen 7 Uhr. Die Herdentfernung beträgt 7300 Kilometer.

WSV. Frankfurt a.M., 7. Aug. Der erste Assistent des Instituts für gerichtliche Medizin an der Universität Leipzig. Privatdozent Dr. med. Gottfried Rästrup, hat, wie uns gemeldet wird, den Ruf als ordentlicher Professor ber gerichtlichen Medizin an der Universität Frank­furt als Vachfolger Prof. D o r ka stner s ange­nommen.

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf bem heutigen Wochenmarkt: Butter Pfund 1,40 bis 1,50; Matte 30 bis 35; Wirsing 10 bis 12; Weißkraut 10 bis 12; Rot­kraut! 12 bis 15; gelbe Rüben 10 bis 15; tote Rüben 10 bis 15; Spinat 20 bis 25; Römisch- kohl 8 bis 10; Dohnen 10 bis 15; Dicke Dohnen 10 bis 15; Unter-Kohlrabi 5 bis 6; Erbsen 10 bis 15; Tomaten 20 bis 25; Zwiebeln 10 bis 15; Kürbis 5 bis 6; Pilze 20 bis 25; Kartoffeln 31/? bis 4; Frühäpfel 15 bis 20; Falläpfel 4 bis 5; Aepfel (ausl.) 50 bis 60; Dirnen 10 bis 25; Dörrobst 30 bis 35; Heidelbeeren 20 bis 25; Stachelbeeren 20 bis 25; Johannisbeeren 20 bis 25; Preißelbeeren 40 bis 60; Pflaumen 15 bis 20; Zwetschen 30 bis 35; Mirabellen 35 bis 40; Reineclauden 30 bis 35; Pfirsiche 40 bis 60; Honig 40 bis 50; junge Hähne 90 bis 1,10; Suppenhühner 90 bis 1,00; Käse (10 Stück) 60 bis 1,40; Tauben Stück 50 bis 70; Eier 9 bis 10; (Blumenkohl 30 bis 70; Salat 5 bis 10; Salat­gurken 10 bis 25; Einmachgurken 2 bis 5; (Su­bito i en 10 bis 15; Ober-Kohlrahi 8 bis 10; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 15; Radieschen Bund 10 bis 15; Kartoffeln Zent­ner 3,00 Mk.

trutziges Bauwerk in die Höhe, ein aus Find­lingssteinen festgefügter runder Turm, über dem ein bunter Farben fleck im hellen Sonnenlicht schwamm, die Wappenfahne der Römnitze, die hoch über dem Schlosse im Morgenwind flat­terte ... Da stand er eine ganze Weile schwei­gend, und als er sich endlich zurückwandte, hob sich seine Brust unter einem tiefen Atemzuge.

Ist gut, Alter, und ich danke dir. Wenn's aber ans Schämen ginge, müßte ich wohl zuerst damit anfangen die Flinte ins Kvm zu wer­fen und sich feige zu drücken, ehe es überhaupt! zum Kampf gekommen ist! Der Alten-Krakower wird sein einziges Kind doch nicht so unglücklich machen, nicht wahr? Unb schließlich bin ich immer noch ber Erbe von Hohenromnitz, da sollte chm wohl bie Wahl nicht schwer fallen zwischen mir unb dem alten (Nußknacker in Hein- richshagen? Unb bie Streitigkeiten aus längst vergangenen Zeiten, noch von meinem seligen Papa her. bie sind doch mit einem guten Wort aus ber Welt zu schaffen? Ich brauche ja nur bas Wildgatter an ber Grenze wieder abreißen zu lassen, und alles ist in Ordnung?" ...

So sprach er noch eine Weile fort mit leuch­tenden Augen, und der Alte nickte dazu, redete eifrig zum Guten. Wer noch an einer Hoffnung hing, tat sich so leicht nicht ein Leid an. Die eigentliche Gefahr kam erst wieder, wenn es mit dieser Hoffnung vorbei war, unb dann galt es, die Augen offen zu halten ...

Am selben Dormittage noch fuhr Graf Malte zur Werbung nach Alten-Krakow, und zwei Stunden später kam er heim. Das Gesicht bleich wie ein Leintuch und die blauen Augen wie er­loschen vor Schimpf und Gram.

Um Gottes willen, Herr Graf, ivas ist bloß geschehen?" fragte Lentz, als er ihm den Wagen­schlag öffnete; der junge Herr aber wehrte nur mit einer müden Handbewegung ab, unb Fuh* bel, der Leibkutscher, jagte mit den vier Rappen wieder die Dammallee entlang, daß der leichte Wagen in den Geleisen schleuderte. Eine Stunde später kehrte er mit dem Herrn von Lenewih aus Tüschow zurück, der mit dem Grafen Malte als Reserveoffizier in demselben Regiment stand, bei den Friedeberger Dragonern. Die beiden jungen Herren, schlossen sich im Schreibzimmer ein, besprachen sich eine ganze Welle lang, und da wußte Lentz, daß es sich um eine Ehren­angelegenheit handelte. Dor jenen langen Jah­ren, als sein seliger Herr Rittmeister sich mit dem Moltzahner Amtshauptmann schoß, hatte es ähnliche Vorbereitungen gegeben. Was aber zwischen dem (Baron von Köhnemann auf Alten- Krakow und dem Grafen Malte eigentlich ge­schehen war, war nicht in Erfahrung zu bringen.

(Fortsetzung folgt.)