Ausgabe 
8.8.1931
 
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Ur. 184 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 8. August (95t

Außenpolitische Umschau.

Don Dr. Otto Ooehsch, o. ö. Pros, der Geschichte an der Universität Verlin.

Immer »ach gehen die Ministerreifen hin und her. Zwar werden Laval und Driand erst nach dem 9. August nach Deutschland kommen, aber sie bereiten nicht nur diese Reise vor. son­dern auch eine nach Rom. Dorthin sind Brüning und TurtiuS gefahren, die Reise ist genau so eine Veste wie die nach Pari» es toar: zur Au», spräche mit der italienischen Politik gewiß nütz- lich, von irgendwelchem unmittelbaren und prak­tischen Ergebnis gan^ bestimmt nicht. Die Taten, bte diesen Vesten folgen sollen, müssen im Innern getan werden und lassen draußen recht lehr auf sich warten.

Was soeben al» Beschluß der DIZ. verkündet wurde, die Verlängerung de» 1 00»THi l» lionen-Dollar-Kredit», ist da» einzige, was bisher wirtlich geschah. Aber da» stand schon längst fest. Die Stillbalteverhandlun- gen stehen vor dem Abschluß. Die Schwierig­keit lag hier bei Frankreich, da» zwar nur 200 Millionen kurzfristige Kredit? in Deutschland hat. aber für später nicht entbehrt werden kann. Schwierigkeiten haben ferner gemacht die Schwei­zer und die Holländer Banken. Vehr hat sich be­währt die englische Hilfe, und die amerikanische Bereitschaft zum Stillhcckte^Vnsortium scheint auch scstzustehen Die DIZ. hat da» Komitee er­nannt au» zehn Mitgliedern (der deutsche ist Dr. Melchior von der Firma Warburg), von denen für uns der wichtigste der Amerikaner W i g g t n ist. Daneben ist die kleine Kommission tätig^ die die deutsche Regierung mehr allgemein in Finanzfragen beraten foll, bekannliich der Amerikaner S p r a g u e. der Schwede Wallen- berg, der Engländer Kinder»ley. Jene», von der DIZ. eingesetzte Komitee ist da» Wich­tigste. Man spricht schon von einer Parallele mit den Sachverständigenberotungen vor Ausarbei­tung de» DoungplanS. und so sehr verschieden ist diese Komiteearbeit nicht von der. die getan würde, wenn Deutschland den Morotorium»- antrag au» dem Boungplan gestellt hätte.

W i g g i n ist der Präsident de» DerwaltungS- rates der Thase Rational Dank os Rewhork, der größten amerikanischen Dank überhaupt. Er ist der Führer, der, wenn man so will, deutsch­freundlichen Gruppe der Wallstreet, seine Dank hat größere Interessen in Deutschland al» irgend­eine andere Reuyorler Dank. Die Dorbereitung seiner Reise noch Europa war sehr gründlich, an ihr nahmen teil die Dertreter de» Hause» Mor­gan. dessen Chef sich zur Zeit in Europa aufhält, der Untertekretär de» Schahamte». Mill», und Dertreter der Federal Reserve-Dank. Cs ist also ohne Zweifel eine Aktion, für die sich Herr Wiggin jeht nach Europa in Bewegung seht, Und klar sind sich alle diese Bankführer darüber, daß der Ltillhaltung kurzfristiger Kredite weiteres. Positive» folgen must, also ihre Lieberführung in langfristige Anleihen und die Dorbereitung zu weiteren Krediten. Sehr schnell wird aber die Arbeit dieses Komitees auf die nun einmal nicht au» der Welt zu schaffende Tatsache stoßen, hast schon eine Stillhaltu^gSaktion -ohne Frankreich nicht effektiv zu gestalten ist und dast ohne Frank­reich große Anleihen auf lange Frist nicht zu erhalten sind.

Parallel damit geht eine Derhandlung über amerikanische Warenkredite in Deutschland, die wir offengestanden nicht völlig in ihrem Werte -begreifen. Weizen und Baumwolle werden Deutschland gegen gün­stige Kreditbedingungen aus den Dorräten ange­boten. die der Farmboard obstvsten möchte. Wei­zen kommt nun gor nicht in Frage bei unserer Ernte und unserem Weizenvorrat. Mit Baum­wolle ist e» etwa» anderes. Aber irgendwie eine Hilfe gegen die Krise im eigentlichen Sinne ist daS nun nicht. Die Absicht ist, dast den amerika­nischen Farnrern der Dorteil des Schuldenfeier­jahres zugute kommen soll. Das verstehen wir- vhne weiteres und an sich ist eine Zusammen­arbeit zwischen Deutschland und Amerika auch in

Verschollene Reiterei.

Don HanS Thyriot.

.Deines Pferdes Bild verfolge dich bei Tag und Rocht, im Wachen und im Schlaf, wie da» Bild deines Freundes dich ver­folgte ..

Dinding. .Rei»Vorschrift...

Rudolf G Dindings entzückende .Reitvorschrift für eine Geliebte" war damals^ mitten im Kriege, noch nicht erschienen. Man hätte auch in diesen Zeiten und Umständen nicht viel damit anzusan- gen gcwustt. Denn sie ist für sehr kultiviert« Menschen geschrieben und nicht für den primitiven Kommisbedarf eingerichtet: über die gebräuchlich­sten Miseren, die kleinen Unfälle und Abenteuer des täglichen Lebens ist wenig daraus zu ent» nehmen.

Als zum Deifpiel: dast es zwar durchaus ver­boten, aber trotzdem da» beste Mittel ist, eine Stallgaffe fchncll und gründlich von Heu unD Stroh zu säubern: wenn sie von zwei Mann Schritt für Schritt taktmästig mit einem Woilach ausgeschwenkt wird. (Ein Woilach ist das, waS ahnungslose Laien als Pferdedecke bczeichstcn.)

Wie wird aber hernach, kunstvoll in dreifacher Faltung, der Woilach wieder zusammengelegt? Wie wird er auf den Rücken deS Schinders ge­packt das offene Teil nach vorn oder nach hinten? Und vor allen Dingen so, dast es nicht das kleinste Fältchen gibt und die Remonte welche bekanntlich wie ein roheS Si zu behan­deln ist keine Druckstellen bekommt.

Probleme für ein achtzehnjähriges Gemüt, das noch drei 'Wochen zuvor nicht ohne Talent die Satiren des Horaz interpretiert hat und jeden­falls von der filbemen Latinität, von der Loga­rithmentafel und vom tragischen Äonflift im .Wallenstein" mehr verstand al» von der wahr­haft geheimnisvollen Kunst, eine Kinnkette blitz- blank zu putzen oder eine Mistgabel mit Ruhen zu gebrauchen...

Oder auf der Stallwache, so nachts zwischen zwei und vier, einen unternehmungslustigen Aus­reißer wieder einzufangen, der ohne Kopszeug, nackt wie ein Steppengaul, mit klappernden Hufen im dunstigen Laternenschein zwischen den Ständen wnhergeiftert. (Da kannst du von Glück sagen.

derlei Weise von großer Bedeutung. Aber wie atfagt, man soll nicht glauben, daß auf diele Art der DirtfchastSkrife wirklich zu ßeibe gegan­gen werden könnte.

England, bei kn Lage in vieler Beziehung der unseren ähnlich sieht, will uns helfen, hat aber auch um seinen Goldvorrat zu kämpfen. Erst nach mühseligen Derhandlungen kam am l. August der Kredit für die Dank von England zustande, auf 50 Millionen Pfund, zu einer Hälfte von der Dank von Frankreich und zur anderen von der Federal Reserve-Dank in Reuyork gegeben. Mit Stolz weift man in Frank­reich daraus bin, daß zum erstenmal in der mo­dernen Finanzgeschichte die Dank von Frankreich und die Federal Reserve-Bank in voller Gleich­heit an einer großen Operation zusammen wirken. Weder in Amerika, noch vor allem in England wird da» ein Gefühl des Stolzes auSlösen. man hat die Kraft und Bedeutung des französischen Goldes und Kredites sehr empfindlich gespürt. Dor allem England, das durch diele Transaktion nun sein Psund wieder sicherstellen konnte, so daß da» englische Finanzwesen wieder aktionS- fähig wird. DaS ist für uns angenehm, weil diese Zusammenarbeit uns erleichtert, insofern als Eng­land jeht freier ist, feinem deutschen Schuldner entgegenzukommen. Aber die Wichtigkeit Frank­reichs ist in jeder Beziehung doch wieder sehr deutlich geworden. Dabei ist von Bedeutung, ein­mal die Goldvorräte nebeneinanbenuftel- len: England 2.6 Milliarden Mark, Frankreich 9.2 Milliarden und die Bereinigten Staaten 20 Mil­liarden! Aber wie im Krieg ist eS auch hier, daß

nicht immer und schlechthin einfach da» mechanisch berechnete Vebergewicht enttcheidet.

Inzwischen gingen, in unterer Sorge weniger beachtet, die Haager Derhandlungen über die Zollunion vor sich und führten zu einem erstaunlichen Zwischenfall. insofern der eine italie­nische Dertreter. in Polittk und Dölkerrecht wohl befaimt. Scialoja, den Haager Hof mit dem Dölkerbundsrat verwechselte, die juristische Frage politisch nahm und bei dieser Drohung sich auch nicht scheute, »m Friedenspalaft da» Wort .Krieg" in den Mund zu nehmen. Schwerlich ist das al» Entgleisung zu bezeichnen. Wer mit italie­nischen Politikern im Auslande zu tun hat. weiß, wie scharf sie fort gelebt nach Rom blicken ilnb wer in Gens ich habe im vorigen September in der ersten Kommission de» Dölkrbundes unter ScialojaS Dorsi» gearbeitet -- diesen Politiker kennt, weiß, daß der reichlich alte, müde Mann, der das Wort aber sehr beherrscht, von sich aus einen solchen Angriff nicht machte. Da» heißt: er handelte a u f Anweisung seiner Re­gierung. Italien stellte sich ja immer sehr scharf gegen alles ein, waS nach Anschluß auch nur von Ferne au-sah Die deutschen Vertreter, die Professoren D r u n» und Erich Kauf­mann. die im Haag ausgezeichnet auftreten, haben den Italiener und seine Tendenz sehr scharf zurückgewiesen, bei der es sich geradezu darum handelt, dah der höchste Gerichtshof der Welt politischen Zwecken dienen und feine Entschei­dungen danach richten soll. Die deutschen Worte waren klar und wirksam, aber sie ändern nicht» daran, daß im Haag Italien, daS sonst doch eine

erhebliche außenpolitische Reserve bewahrt, außer* ordentlich scharf auf trat. Damit fällt natürlich ein Schatten auf das, was Brüning und Eurttu» mit Mussolini in Rom sprechen können.

Ergebnisreich in ihrem eigentlichen Sinn war auch M Saauna > c r 2. 3 n t e r n a 11 o n a l e in Wien nicht. Sie hat wieder bewiesen, daß einmal der Einfluß dieser internationalen Zu- sammenfaffung der Sozialdemokraten (da- ist die 2. Internationale, die 3. ist bekanntlich der Ko­mintern) nicht groß und daß sie auch durchaus nicht einpeitlich und geschloßen ist. Da» zeigte sich bei der Adrüstungslrage. bei der Wirtschafts­krise und im besonderen der deutschen Krise. Der Appell von Dr Dreitscheid m Dien an btt Kapitalisten, die allein Hilfe bringen könnten: .wir appellieren an die Geldmächte der Welt", sagte deutlicher al» alles andere, daß diese inter­nationale Zusammenfassung der sozialdemokra­tische» Arbeiter von sich au» und selber kein Pro­gramm und kein Mittel weih. Die Opposition höhnte deshalb auch dah die Mehrheit nicht» anderes ttnffe, al» den Rat, den Bankier za wechseln. Die Sntschllesiung im ganzen ging dann daraus hinau», dah an Stelle des gegenwärtigen Systems eine planmäßige Gestaltung der Welt­wirtschaft treten müsse. Da» ist auch unsere Mei­nung. wobei wir nur meinen, daß da- gegen­wärtige System des Kapitalismus in diesem Sinne umgestaltet und geordnet werden muh, ohne seine eigentliche Dasi» zu verlieren. Der Sozialismus aber der 2. Internationale hat dazu keinen eigenen Rat gewußtI

Frauen, an die Wirtschastöstont!

Oie Forderung der Stunde: Helft der Wirtschaft - dann helft ihr euch selbst!

Das mächtige englische Imperium hat eine große Bewegung ins Leben gerufen unter der Devise: Kauft englische Waren!", die namentlich beidenenglischenFrauen starken Widerhall uni) Wirkung sanden. Um wieviel mehr ist es heule für die deu t s ch en Frauen eine gebieterische Forderung der Stunde, das Ihrige an Pionierarbeit auf dem Wege der deutschen Wirtschaft aus der Not heraus zu leisten! Und hier müssen die Frauen in vorderster Front kämpfen zirka 50 Milliarden des deutschen Bolkseinkommens gehen jährlich durch ihre Hand! Die nachfolgenden Acußcrungen einiger Führerinnen der beui|d)cn Frauenbewegung sind deshalb von erhöhtem Interesse.

Die Frau ist der Jinanzminister.

Don Frau Prof. Gora Berliner.

Die Frage der Einkommens Verwendung ist überwiegend eine Angelegenheit der Frau: Geht man von dem statistisch erfaßten Volkseinkommen von 65 bis 70 Milliarden aus, einer Zahl, die allerdings in diesem Krisenjahr nicht erreicht werden wird so gehen von dieser riesigen Summe zirka 50 Milliarden durch die Hand der Hausfrau! Von dieser enormen Summe sind zwei Ausgabengruppen, über die die Hausfrau verfugt, die wesentlichsten: Etwa die Halste entfällt auf die Ausgaben für Le­be n s m i 11 c I. Ob man die Umfähe des Klein­handels oder des Handwerks betrachtet oder von der Statistik des Haushaltungsbudgets von Arbei­tern, Angestellten oder Beamtenfamilien ausgeht, immer zeigt sich, daß die Ernährungsausgaben an der Spitze stehen!

Die zweite große Ausgabengruppe ist die für Bekleidung! Zunächst erscheint es vielleicht übertrieben, wenn man die gesamten Bekleidungs- ausgaben unter die Haussrauen-Ausgaben rechnet. Es ist aber im wesentlichen doch so. Erfahrene Der- käuser vertreten durchweg die Auffassung, daß über- wiegend auch der Einkauf der Stoffe und sonstigen Bekleidungsstücke für die Manner von Frauen, zum mindesten unter ihrer entscheidenden Beratung, getätigt wird. Auf diese Bekleidungsausgaben dürfte etwa ein Viertel der Hausfrauen-Ausgaben zu rechnen sein!

Gin volkswittschastlich denkender HauSsrauenskand kann Serge versehen.

Don Frau Klara Schloßmann-LönnieS, der Organisatorin des deutschen Muttertages.

Die deutschen Mütter und Hausfrauen müssen, was die Ernährung der Famille onbelangt, endlich einmal verstehen lernen, volkswirtschaftlich und i m Sinne des deutschen Nähr stände» zu denken und zu handeln. Die deutsche Hausfrauen- schasl ist das weitaus größte deutsche Unternehmen: In 15 Millionen Küchen von 15 Millionen Haus­haltungen verbrauchen die deutschen Hausfrauen 70 vH. verdeutschen Kohlenförderung! Solche Zahlen muß man sich vor Augen halten, um die ungeheure Bedeutung man kann sagen, die Schlüsselstellung der Frau für die Volkswirtschaft gerade in der heutigen Krife zu erkennen: Ein volks­wirtschaftlich denkender deutscher Hausfrauenstand kann Berge versetzen ein plan- und sinnloses, gewohnheitsmäßiges Weiterschludern muß uns noch weiter ins Unglück treiben.

Um ein besonders markantes Beispiel herauszu- greifen: Diese Tage der Not braditcn uns durch Notverordnung eine Erhöhung der Zucker- (teuer. Nichts wäre verkehrter für die Volksgesund­heit und zweckmäßige Ernährung, als wenn hier­durch, grade in der augenblicklichen Währungskrise, der Konsum dieses weißen Goldes der deutschen Landwirtschaft eingeschränkt würde. Der Deutsche lernt ja so gern vom Ausland: Bekanntlich ist aber der Verbrauch dieses Nahrungsmittels in anderen Kulturländern oielstärkeralsbeiuns, trotz- dem der Zuckerpreis in diesen Ländern zum Teil höher ist.

So notwendig die immer wiederkebrende Ermah­nungEßt Roggenbrot!"Kauft deutsche Nahrungs- mittel!" im allgemeinen ist, so wenig waren sie grade beim Zucker notig. Die Umstellung unserer Ernäh- rungssitten erhellt sehr schnell für alle denkenden Frauen aus folgenden erschütternden Zahlen:

Im Jahre 1930 haben wir für den Verbrauch

wenn er sich nicht über die Haferkiste hergemacht oder sich plump vertraulich in einen falschen Stand hineingequetfcht hat, mit dessen rechtmäßigem Bewohner denn auch alsbald unter aufreizendem Quieken eine gediegene Keilerei in Gang kommt.)

DeS Dizewachtmeisters kühl-ironischer Leitspruch hieß allewege: .Das Pferd ist ein wildes Tier, welches dem Menschen nach dem Leben trachtet. Jeder Galoppfprung ein Blick in» offene Grab!" Zu dieser Sorte von wilden Tieren gehörten zum Beispiel die Remonten .Moritz" und.Man- teussel", zwei bildschöne Goldsüchse mit weißen Abzeichen, die nebeneinander standen und aus Reid bei jedem Futterschütten innig bemüht toarcK, sich auskeilend gegenseitig die Knochen zu zerschlagen...

Auch jener schlanke Dunkelbraune mit dem ver­wegenen und wildweftlichen Rufnamen .Lasso" noch heute ist eine kleine Rarbe an meiner Hand zu sehen, zur Erinnerung an den bitterkal­ten Ianuarmvrgen, al» ich da» Pech hatte, die­ses unberechenbare Maultiertemperament in die Schmiede zu bringen, wo ihm vier neue Eisen verpaßt wurden. Das Abenteuer dauerte den ge­schlagenen Vormittag, und der Fahnenschmied ver­brauchte seinen ganzen ansehnlichen Vorrat an häßlichen Redensarten.

Der Gefreite Greiff aus Riederursel im Tau­nus. ein Dauer von einmeterneunzig Höhe und entsprechender Breite, dabei unendlich gutmütig von Ratur, pflegte sich viel volkstümlicher aus­zulassen als der ironische Vize ober gar der stets wütige Suttermcifter. Greiff wandelte morgens beim Pferdeputzen sporenklirrend von Stand zu Stand und bedachte Mensch und Vieh mit Zu­spruch und gutem Rat: .Drufsdricke. ihr junge Derschjer, drufsdricke! Die Gäul tonne en Puff vertrage .. Liewer Gott, wann ich an mei eige Rekrutezeit denk, euch wär'n die Aage iwwer- geganqc ... Als drufsdricke! Dah der ganze Dreck erauskirnrnt! äln schöne Strich kloppe!" So sprach der Gefreite Greiff.

Es war oft wirklich nicht leicht, die sechs vor­geschriebenen dicken und langen .Striche" weiß­lichen Pferdeftaubs aus dem Striegel auf die sorg­fältig angefeuchtete Stallgasse zu zaubern Don manchem Gaul (von dem fteinalten ramSnafigen .Meister" zum Beispiel) war einfach nicht genug

herunterxubringen. Mehr als einer hat sich heim­licherweise von einem Kameraden mit ertragrei­cherem GesechtSesel einen Striegel voll gepumpt: eS gab aber auch welche, die verstohlen den Kalk von der Stallwand kratzten und .Striche" daraus machten. Wer erwischt wurde, war erschossen

Rach dem Putzen kam die Reitttunde. Ohne Mantel natürlich - im strengen Winter 16 17; aber kalt war eS krinem. SS ist mir nur heute noch ein kleines Wunder, daß von den vielen die .im Karacho" au» dem Dattel flogen, fich niemand auf der meist hartgefrorenen Reitbahn waS gebrochen hat.

DaS Sattelpferd war klein und kugelrund, hatte eine Löwenmähne und hieß .Mohr; ein braveS und zuverlässiges Geschöpf. DaS Hondpferd, weib­lichen Geschlechts, mager und hartmäulig, hörte auf den harmlosen und gutbürgerlichen Ramen .Minna", war aber nichtsdestoweniger von aus­gesprochen schlechtem Charakter. .Mohr" tat alles. «nxiS man billigerweise von ihm verlangen konnte. .Minna" war faul und lieft grundsätzlich den Dicken ziehen wenn sie nicht dauetrnd beauf­sichtigt wurde Außerdem verfügte sie über die manchen Pserden eigentümliche, mephistophelifche Gabe, sich abwechselnd dick und dünn zu machen. Wenn- sie sah, baft sie gesattelt werden sollte, blies lie unmerklich, aber auS Leibeskräften den Bauch auf. Wenn sie fertig geschirrt war und der .Mohr" an die Reihe kam, wurde sie ebenso unmerklich wieder dünn So dünn, baft man zwei Finger zwischen Bauch und Sattelgurt legen konnte.

Zum Glück habe ich daS hinterhältige Manöver gleich beim erstenmal entdeckt. Sie nahm eS mir feftr übel, versuchte eS aber jeden Morgen ausS neue. Ich habe sie, so lange ich sie hatte, nach­satteln müssen; ich schnallte ihr immer erst im Augenblick vor dem Abrücken den Sattelgurt in» letzte Loch, woraus sie regelmäßig mit bösartig beigeegten Ohren und gelb gefletschten Zähnen herumfuhr, nach meinem Arm schnappte und mit einer Maulschelle bedroht werden muftte. Hätte man den Trick einmal übersehen würde daS an­schließende Gespannererzieren vermutlich der preu­ßischen Feldartillerie tm allgemeinen und dem Re­giment im besonderen kaum zur Ehre gereicht ha­ben. Sv war.Minna". Ich weiß nicht, was auS ihr geworden ist.

ausländischer Lebensrnittel tägfi (?) an das Ausland bezahlt für

Butter Südfrüchte Obst Gemüse Käse Eier

Fleisch und Speck

1000 000 Mark

698 000

556 000

315 000

244 000

625 000

364 000

Seit längerer Zeit braucht sich der Statistiker bei der Diagnose der deutschen Wirtschaftskrise a u s d e n Zucker nicht mehr zu beziehen, da so gut wie kein Auslandzucker in Deutschland mehr ver­braucht wird: Und: jetzt steht die Haussrau in der Zeit des Einmachens. Die obige Statistik zeigt, welche Unsummen für die Einfuhr von frem­dem Obst und Südfrüchten ausgegeben werden. Schließlich wird ja niemand daran zweifeln, daß dos deutsche Ob st ebenso nahrhaft und bekömmlich ist wie z. B. amerikanische Aepsel oder sonstige Auslandfrüchte. Je mehr die deutsche Hausfrau dazu übergeht, deutsche» Obst dann, wenn es am Markte ist, einzumachen um so stärker wird sie der heimischen Landwirtschaft in zweisacher Hinsicht durch Verbrauch deutscher Früchte und de» kraftspendenden Zuckers dienen. Die große englische BewegungKauft britische Waren!" erhält au» Staatsmitteln jährlich 20 Millionen Mark! Um wie- viel mehr haben wir die Pflicht, gerade in diesen Tagen, wo e» auf jeden Cent ausländischen Geldes ankommt, deutschen Erzeugnissen den Vorzug zu geben!"

Zum Kapitel Vekleidung.

Don Frau Dr. Maral», vom Reichsverband deutscher Hausfrauen-Dereine.

.Zuerst ein paar Zahlen, die d i e Bedeutung der deutschen Textilwirtschaft für die deutsche Gesamtwirtschaft dartun: Sie beschäftigt zirka 2,5 Millionen Menschen und überragt damit fast jeden anderen Wirtschaftszweig. Ihr Gcsamt- vroduktionswert betrug im Jahre 1928 8 Milliarden Mark, wovon zirka 2 Milliarden allein auf die Woll­industrie entfallen.

Da» ade» liegt nun fünfzehn Jahre zurück... verschollene Reiterei. Ilnb wenig später, an bet Front, war eS ohnehin vorbei. In der Feuerstel­lung. am Telephon, auf der Beobachtung wurde nicht geritten. ES gab nicht mehr viel Pferbe. Sie würben immer weniger, immer mageret, immer hungriger. Und sie haben dennoch immer wieder, bi» zu ihrer letzten Stunde unermüdlich, ihre schwere Pflicht getan al» stumme Kame­raden Sie haben ebenso gelitten wie die Men­schen, aber sie haben stumm leiden müssen, und meisten» konnte man ihnen nicht helfen und bei- stehen... wenn nicht mit einem gutgezielten Schuft, der sie erlöste und eingehen lieft in den Himmel der Pferde. Die große Odyssee der kämp­fenden und leidenden, der hungernden und zer­schossenen Ziere im Krieg ist noch nicht ge­schrieben ...

Diele» wäre zu berichten. Don der Haubitze, die mit sechsen auSzog, mit vieren in Stellung ging und von den zwei letzten zurückgeschleppt wurde durch heiße Tage und kalte Rächte im August 18, al» da» Ende kam... von dem Ge­spannpferd, da» von der Wucht einer Granate auf einen Baum geschleudert wurde und in den, Aesten hängen blieb... von den vier anderen, welche, vom gleichen Einschlag getötet, wochenlang im heißen Sommer am Wege lagen mit aufge­triebenen Bäuchen, mit zahllosen Fliegen be­deckt ... und von dem winzigen, struppigen Fohlen auch, mit dem Glöckchen am HalS: seine Mutter gehörte zur V-Wagen-Despannung. eS war unser Stolz und unsere Heine Freude, und e» lief getreulich klingelnd auf endlosen Märschen mit un» über die verrotteten und zer­schossenen Straßen in Frankreich

Hochschulnachnchien.

Professor Dr. A. Gelb in Frankfurt a.M. hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Psychologie an der Universität Halle als Nach- folger von Professor Th. Ziehen angenommen.

Professor Dr Hans Lewold in Frankfurt am Main hat den Rus an die Universität Berlin abgelehnt. Er sollte hier den neuerrichteten Lehrstuhl für römische- und bürgerliche» Recht übernehmen.