nichts ist, zieht er sich resigniert in ein indische« Duddistenkloster zurück. Er will nach Tibet, aber die Engländer lassen nicht locker. Er muh nach China zurückkehren imb sieht am Ende seiner Aben- teurerlausbahn ein, bah England, das er sein Leben lang bekämpft hat, das einzige Bollwerk gegen die Weltrevolution, das einzige Bollwerk der Kultur gegen den Bolschewismus ist.
Aus der provinzialhaupistadt.
G i e h en. den 8. Sutt 1931.
Ernährungssorgen auf der Steife?
Ernährungssorgen auf der Reise — ist das nicht ein bihchen zuviel gesagt? Darüber sind wir uns doch wohl alle einig, dah wir uns für den Reisetag, sei er kurz, sei er lang — gehörig zu verproviantieren haben. Wie kann es da Sorgen geben?
Stimmt, aber in dieser Behauptung liegt schon der Fehler. Wenn wir uns rüsten, die Bahnfahrt in die Sommerfrische, in den Kuro-rt anzutreten, bekommen wir mit einem Wale Sorge darum, ob wir während der strapaziösen Stunden in der Eisenbahn auch genügend mit Rah- rungsmitteln versehen find. Da macht keiner einen Unterschied: einer ist so wie der andere, und am schlimmsten sind wohl die Hausfrauen, ihre Lieben bereits elendiglich verhungert im Ab- teil sehen.
Alm diese schrecklichen Folgen der Reise zu verhindern, wird gehöriges Mundvorrat mitge- nommen. Run kann es losgehen! Wie das dann aussieht, wissen wir alle. Kaum hat der Zug die Fahrt begonnen, kaum ist — nach lebhaftem Winken — die Bahnhofshalle außer Sicht, da bekommen es die Reisenden mit den Qualen des Hungers zu tun, und sogleich geht die Esserei los. Trotz drückender Hitze im Abteil wird in den Magen gestopft, was nur hineingeheht: am schlimmsten haben es dabei die Kinder, denen schon jetzt eine Ahnung davon beigebracht wird, dah wahre Reiseerholung nach einer weitverbreiteten Ansicht in einer gehörigen Gewichtszunahme besteht.
Die Aerzte haben an dieser Ehlust der Reisenden keine reine Freude. Es ist wahrhaftig nicht notwendig, daß man die Dahnstunden zu einer vorbereitenden Mastkur benutzt, und eher wirkt es schädlich, wenn man den Magen zu einer Zeit überlädt, da der Körper zwangsmähig unter Umständen viele Stunden lang sich in Ruhe befindet, keine Bewegungsmöglichkeit hat. Wer dann noch den Angeboten der Ausrufer folgt, die auf jedem Bahnhof ihre Waren an- preisen, wer dort ein Paar Würstchen, hier ein Stück Kuchen, eine Station weiter ein gebratenes Stück Fleisch verzehrt, kann ziemlich sicher sein, mit nahezu überladenem und daher ^verdorbenem" Magen in der Sommerfrische anzukommen.
Ein bihchen Mähigkeit wäre gutl Wir haben es in der heißen Sommerszeit nicht so dringend nötig, den Körper zu überfüttern: wir brechen noch nicht zusammen, wenn wir einmal eine Mahlzeit auslassen. Der beste Reiseproviant ist Obst, das wir ja in diesem Jahr in Hülle und Fülle haben: es wird nie den Magen überlasten, wenn es gut ausgereift ist. Und es hat dazu den besonderen Vorteil, dah es auch durstlöschend wirkt. Durch aber ist ein Gefühl, das viele Menschen noch viel schwerer ertragen als tunger, der auf der Reise vielfach nur in der inbildung besteht. We.
Talen für Mittwoch, 8. Juli.
Sonnenaufgang: 4.18 Uhr, Sonnenuntergang: 20.41 Uhr. — Mondaufgang: 0.01 Uhr, Monduntergang: 13.18 Uhr.
1621: der Fabeldichter Jean de Lafontaine in Chateau-Thierry geboren. — 1838: Ferdinand
Eine Gruppe deutscher Studenten unternahm eine Fahrt nach der heute estnischen Insel Oesel, wo während des Weltkrieges der deutsche Dichter Walter Flex fiel und begraben wurde. Am Grabe wurde ' ein Kranz von der deutschen Studentenschaft niedergelegt.
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Graf von Zeppelin in Konstanz geboren. — 1839: I der amerikanische Großindustrielle John Davison I Rockefeller geboren. — 1855: der Polarforscher Sir William Edward Parrh in Ems gestorben.
Bornotizen.
— Tageskalender für Mittwoch: Marine-Mirein Gießen: Konzert, 20.15 Uhr, Cafö Leib. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Zwei Menschen".
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•• Die Bootshaus st rahe zeitweilig f ü r den Durchgangsverkehr gesperrt. Anläßlich der am 11. und 12. Juli statt- findenden Jubiläumsregatta des Lahn-Regatta-, Verbandes ist die Bovtshausstraße von dem Bootshaus der Gießener Rudergesellschaft bis an den Durchgang nach der Ederstrahe (Bahnüberführung) am 11. und 12. Juli von 14 bis 19 Uhr für den Durchgangsverkehr polizeilich gesperrt.
•• Sechster oberhesfischer DC. - Tur - nerschaftertag. Zum sechsten oberhessischen VC.-Turnerschaftertage vereinigen sich am nächsten Samstag nach einem Festumzuge durch die Stadt die Turnerschasten von Darmstadt, Frankfurt o. M., Marburg und Gießen im S^ale des Gesellschaftsvereins zu einem Festkommers.
•• Lebensrettung auf der Eisenbahn. Am Sonntagabend rettete, wie man uns berichtet, der Student Fritz Willmes aus Marburg einem Landwirt aus der Gegend von Lollar durch entschlossenes Handeln das Leben. Beide befanden sich in dem um 22.43 Uhr von Gießen nach Marburg fahrenden Zuge, der von Reisenden überfüllt war. Die Fahrgäste standen sogar auf den Plattformen gedrängt. Als der Zug in voller Fahrt war, gab plötzlich die Absperrvorrichtung einer Plattform nach, ein Bauersmann verlor dadurch den Holt und wäre von dem Zuge abgestürzt, wenn ihn nicht der obengenannte Student im letzten Augenblick noch zurückgerissen hätte. Wie sich herausstellte, hatte das Söhnchen des Geretteten die Absperrkette an der Treppe der Plattform entfernt und dadurch die Gefahr heraufbeschworen. Der glück
licherweise noch gut abgelaufene Vorfall sollte den Eltern eine erneute Mahnung sein, während der Eisenbahnfahrt forgfältig auf das Tun ihrer Kinder zu achten, darüber hinaus sollte man auch beachten, daß der Aufenthatt auf der Plattform dev Eisenbahnwagen während der Fahrt verboten ist.
** Ueberfall am Kreuzplatz. Wie der Polizeibericht mitteilt, wurde in der letzten Rocht Fegen 22.30 ülhr am Kreuzplatz ein junger Mann, der sich auf dem Heimwege von der Jugendherberge nach der Dleichstrahe befand, hinterrücks von einem anderen jungen Burschen mit einem schweren Spazierstock gegen den Hinterkopf geschlagen und >o schwer getroffen, dah er bewußtlos zusammenbrach. Der Täter, der vorher in einer Gruppe von Leuten bemerkt worden war, die sämtlich starke Spazierstöcke trugen, ging sofort nach der Tat durch den Reuen Weg flüchtig. Auf Grund von Zeugenbekundun- gen hofft die Polizei den Rowdy bald ermitteln zu können. In der Rühe weilende Polizeibeamte kamen kurze Zeit nach dem Üleberfall an den Tatort und nahmen sich des Üleberfallenen an, den sie mit Unterstützung einiger Zivilisten nach seiner Wohnung verbrachten. Rach ärztlicher Feststellung sind die Verletzungen des jungen ManneS zum Glück nicht schwer.
*♦ Don den Technischen Lehranstalten Offenbach a. M. wird uns mitgeteilt: Rachdem die deutschen Länder unter sich eine Vereinbarung über die Erteilung und gegenseitige Anerkennung des Zeugnisses über die mittlere Reife durch gehobene Volksschulen, Mittelschulen und Fachschulen getroffen haben, hat das Hessische Ministerium für Kultus und Dildungswesen den Technischen Lehranstalten in Offenbach a. M. für ihre drei Schulen, nämlich Kunstgewerbrschule, Höhere Bauschule und Maschinenbauschule, das Recht zuerkannt, den Absolventen das Zeugnis der mittleren Reife auszustellen. Das Schlußzeugnis dieser drei Schallen der Technischen Lehranstalten in Offenbach a. M. vermittelt also die mittlere Reise für diejenigen Schüler, die ohne ein Zeugnis der mittleren Reife in diese Schulen ausgenommen sind.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
$ Alten-Duseck, 7. Juli. Sonntagnachmittag hatte die hiesige Kleinkinder bewahr- anstalt die Einwohnerschaft zu einer W v h l - tä tigkeitsveranstaltung zugunsten eines Anbaues an das Hauptgebäude der Anstalt ein- geladen. Die - Festlichkeit im Einhäuscr'chen Saale war stark besucht. Rach dem Gedicht-Dortrag durch die Kleinen und einer Ansprache unlsereS Ortspfarrers Rau mann kamen mehrere wohl- gelungene Kinder-Theaterstücke zur Aufführung. In einer darauffolgenden Ansprache drückte Pfarrer Sattler (Wieseck) den Wunsch aus, dah es gelingen möge, den Anbau zu verwirklichen. Unseren beiden Ortsschwestern gebührt für die mühevollen und anstrengenden Vorbereitungen zu dieser Feier volle Anerkennung.
§ 5>au bringen, 7. Juli. In der vergangenen Rächt wurde bei einem hiesigen Einwohner ein Einbruchsdieb st ahl verübt. Während in dem Hause drei Familien schliefen, drang der Dieb durch die Waschküche und den Keller in die Speisekammer und stahl daraus eine Anzahl Würste. Der Einbrecher muh nach den vorgefundenen Spuren mit den Oertlichkeiten vertraut fein. — _
r. Lang-Göns, 7. Juli. Vorn"11. bis 13. Juli feiert die hiesige F reiw illige Feuerwehr das Fest ihres 50jährigen Bestehens. Mit dieser Feier ist die 11. Herbst- Vepbandstagung der Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Gießen verbunden. Etwa 40 Wehren haben ihr Erscheinen zugesagt. Rach einem Festkommers am Samstag svlgt Sonntagmorgen eine .Hebung im Beisein des Vorsitzenden des Verbandes. An das Jubiläum schlicht sich am Montag die Lang-Gönser Kirmes an.
< Eberstadt, 7.Juli. Der hiesige Radfahrerverein „W a n d e r l u st" feierte fein 10. Stiftungsfest in Verbindung mit dem Bundesfest des Oberhessischen Radfahrerbundes. Viele Radfahrer, darunter mancher Rennfahrer, hatten sich hierzu eingefunden. Das Fest wurde eingeleitet durch das übliche Rennen, das am Festtage morgens um 5 Uhr begann. Um 8 Uhr wurde ein Reigen auf dem Festplatz gezeigt, der starken Beifall sand. Am Rachmittag bewegte sich nachdem etwa 30 auswärtige Radfahrervereine erschienen waren, ein stattlicher Festzug durch unsere geschmückten Ortsstraßen nach dem Festplatz im fürstlichen ©arten an der Butzbacher Straße, wo nach der Begrüßungsansprache des Dundesvorsitzenden und der Festrede von Lehrer R e u h l durch Frl. Marie L ö b r i ch dem Radfahrerverein „Wanderlust" eine von den Frauen und Jungfrauen gestiftete Bannerschleife überreicht wurde, die der 2. Vorsitzende August G ö r l a ch mit Worten des Dankes in Empfang nahm. Der Gesangverein „Liederkranz" stiftete einen Fahnennagel. Hieraus entwickelte sich reges Treiben auf dem Festplatz. Gegen Abend fand dann die Preisverteilung für das Rennen und das Korsofahren statt.
Kreis Friedberg.
— Bad-Rauheim, 6. Juli. Die Angehörigen des ehern. Landsturm-Infanterie- Bataillons Friedberg (XVIII/10), die besonders den yberhessischen Kreisen Friedberg und Büdingen entstammen, veranstalteten gestern hier einen Landstürmer-Tag, zu dem fast 400 ehemalige Bataillonsangehörige erschienen waren. Vormittags wurden die Einrichtungen des Bades eingehend besichttgt: nachmittags fand die Wiedersehensfeier in der Turnhalle unter dem Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor i.R. Dr. Fuhr statt, der den Willkommensgruß entbot und ehrend der seit der letzten Zusammenkunft verstorbenen Kameraden gedachte. Die Festrede hielt Studienrat Thierolf, Friedberg, der unter lebhaftem Beifall Beilegung des inneren Zwistes in unserem Volke als das Gebot der Stunde bezeichnete. Den
Eva am Strand
Vornan von Hermann Weick.
2. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Das war ja ein verrückter Plärr, den seine Frau da ausgeheckt hatte! Ausgerechnet diesen faden, vertrockneten Bürokraten, der aussah, als habe er in feinem ganzen Leben noch nicht ein einziges- mal ein weibliches Wesen richtig im Arm gehabt, sollte seine Lotte heiraten? Die arme Lotte! Sie hatte bis jetzt noch nicht viel von ihrem Leben gehabt: und nun die Aussicht, Frau Dr. Kröger zu werden ...
Was war aber dagegen zu machen? Wenn Elsbeth sich etwas in den Kops gesetzt hatte, führte sie es auch durch. Der Plan, für Lotte -einen besonders hochgestellten Gatten aufzutreiben, hatte von jeher in ihren Gedanken und Gesprächen gespukt. Deshalb war ihr auch keiner ihrer Gutsnachbarn für Lotte gut genug; sie waren in ihren Augen „Dauern", Bauern wie er selbst, Fritz Jason, Besitzer des immerhin respektablen Ritterguts Groh-Kaldein in Pommern.
Jasons sonst stets vergnügtes Gesicht wurde ernst.
Er dachte an feine Ehe, die nicht immer ein reines Vergnügen gewesen war. Daß Elsbeth einer adeligen, wenn auch völlig verarmten Familie entstammte, hatte et bald nach der Hochzeit zu spüren bekommen. Immer wieder ließ fte es Jason merken, daß ihre Heirat mit ihm im Grunde genommen eine Mesallianee für sie gewesen war. Ihr hochmütiges, herrschsüchtiges Wesen gewann mehr und mehr die Oberhand über ihn, der zu nachgiebig und zu bequem war, sich ihr zu widersehen. So führte Elsbeth Jason auf Groh-Kade in das Regiment...
„Papa!"
Jason fuhr aus seinen Gedanken auf. Unter der Balkontüre stand Lotte.
„Willst du mir Gesellschaft leisten, Lotte?"
Sie setzte sich ihm gegenüber.
„Wo ist Mama?" fragte er.
„Sie hat sich niedergelegt, sie will eine halbe Stunde schlafen."
Ein kurzes Schweigen entstand. Lotte Jason hatte den Kops gesenkt. Sie war von mittelgroßer Gestalt und besah viel Aehnlichkeit mit ihrem Vater. Sie hatte ein hübsches Gesicht mit klaren, offenen Zügen: die fonftige gesunde Farbe war jetzt aus ihren Wangen gewichen.
„Du siehst bläh aus, Lotte!" sagte Jason, der sie forschend bettachtet hatte.
Sie blickte auf, sagte aber nichts: um ihre Lippen huschte ein Zucken wie von mühsam verhaltener Erregung.
„Hat Mama mit dir gesprochen?" fragte Jason tastend.
''.Was meinst du zu ihrem Vorschlag, Lotte?" Sie gab keine Antwort.
„Wie gefällt dir eigentlich Herr Dr. Kröger?" „Was kann man da sagen? ... Gut..
„Könntest du ihn dir als Gatten vorstellen?"
Ein Zittern ging durch Lottes Gestalt; Jason, dem es nicht entgangen war, sagte rasch, begüti- gend:
„Du brauchst ihn ja nicht zu nehmen, wenn du nicht willst, Lotte!"
„Wenn Mama es aber wünscht?"
„Mama hat manchmal solche Einfälle. Hier handelt es sich aber um dich! Du sollst Dr. Kröger heiraten, nicht Mama!"
Etwas Hilfloses, Verschüchtertes war in Lottes Worten, als sie stockend sagte:
„Mama ist Feuer und Flamme für diesen Plan; sie ist von Dr. Kröger sehr begeistert..
„Das scheint bei dir nicht der Fall zu sein, unterbrach sie Jason, mit einem schwachen Versuch, zu scherzen.
„Er ist doch schon reichlich alt; aber Mama meint, daran werde ich mich gewöhnen..."
„Schöne Gewohnheit!" knurrte Jason vor sich hin.
Ein längeres Schweigen entstand.
Plötzlich ergriff Jason die Hand seiner Tochter. Ueberquellenbe Zärtlichkeit war in seinen Blicken, mit denen er das blasse Gesicht Lottes umfing.
„Ich will dir etwas sagen, Lotte: nimm die Sache nicht allzu tragisch! Du brauchst Dr. Kröger ja heute nicht zu heiraten, und morgen auch noch nicht! Sieh dir den Herrn in aller Ruhe an; vielleicht gewinnt er bei näherem Betrachten, das soll ja Vorkommen, auch wenn es sich um ältere Herren handelt. Wenn er dir aber nicht gefällt, dann sagst du einfach: nein, ich mag ihn nicht!"
„Und wenn Mama trotzdem darauf besteht?"
„Dann bin ich auch noch da! Ich habe schließlich auch noch ein Wörtchen mitzureden, wenn es sich um dein Glück handelt!"
Lotte zuckte mit den Schultern; ein mitleidiges Lächeln huschte über ihr Gesicht. Fritz Jason glaubte, zu verstehen, was dieses Lächeln besagte: Gar nichts hast du mitzureden, wenn Mama sich etwas Dorgenommen hat! Dann bist du ihr gegenüber genau so machtlos wie ich...
IV.
Im Kurhaus fand der übliche Abendtairz statt. Die Säle waren von einer eleganten Gesellschaft dicht bevölkert.
An einem der Tische herrschte besonders lebhaftes Treiben: da sah Eva Willer, umgeben von zahlreichen Kavalleren, und immer neue drängten sich hinzu. Sie war mit raffinierter Eleganz
dah Sie mich mit den übrigen Herren auf ein und dieselbe Stufe stellen würden!"
Er war fortan die verkörperte Reserviertheit. Er blieb zwar, um unnötiges Aussehen zu ver- meiben, an Eva Witters Tisch sitzen, aber er sprach und tanzte nicht mehr mit ihr.
Mit äußerster Willensanstrengung brachte er es fertig, äußerlich ruhig zu erscheinen; aber in ihm kochte es. Er war auf Eva Witters erbost, weil sie ihn so schlecht behandelt hatte. Heute hatte er sich zum letzten Male mit ihr abgegeben, nahm er sich vor; mochte sie tünftig andere mit ihrem launenhaften Wesen zum Besten halten.
Er rauchte eine Zigarette nach der anderen, um feine Erregung zu meistern. Er wollte sich zwingen, nicht mehr nach Eva Witter zu blicken: aber immer wieder irrten seine Augen zu ihr hin.
Sie tanzte unablässig, ging von einem Arm in den anderen, lächelnd, als ob nichts geschehen sei.
Eifersucht fraß an Bertram. Plötzlich sprang er auf, eilte auf die nächstbeste Dame zu und engagierte sie zum Tanz.
Es war Lotte Jason, die er vom Hotel her .flüchtig kannte.
Bettoffen sah sie ihn an, als er vor ihr erschien. Sie warf einen fragenden Blick auf ihre Mutter, die kurz, abweisend den Kops schüttelte. Trotzdem stand Lotte auf und legte ihren Arm in den Dertrams.
Sie tanzten schweigend. Bertram hatte keine Cuft, zu reden. Er wußte kaum, mit wem er sich durch den Saal bewegte. Er tanzte nur, um Eva Witter zu zeigen, dah er sich auch ohne sie amüsieren konnte.
Lotte Jason ahnte nichts von den Empfindungen ihres Tänzers, Unflate Freude wogte in ihr. Sie hatte den Abend bisher in sehr gedrückter Stimmung zugebracht. Einige Male hatte sie mit Dr. Kröger getanzt, der ihre Ettern bewogen hatte, diese Veranstaltung zu besuchen, wohl, um ihr, Lotte, zu beweisen, dah er zum Tanzen noch nicht zu alt sei. Aber er tanzte sehr schlecht und machte mit seiner Hagerkeit, seinem farblosen, ledernen Gesicht keine sonderlich imponierende Figur. >
Run war dieser junge Schauspieler gekommen und hatte sie engagierti Leicht, sicher führte er sie durch die Scharen der Tanzenden, es war, als schwebte sie in seinen Armen durch den Saal.
Ein zartes Staunen, ein leises Sehnen sproß in diesen Minuten in der Seele Lotte Jasons empor. Sie hätte so weiter tanzen mögen, immer weiter, endlos...
Wie erwachend sah sie auf, als die Musik ab- brach.
„Sie tanzen ausgezeichnet, gnädiges Fräulein! sprach Derlram, nur um etwas zu sagen, und führte Lotte Jason an ihren Tisch zurück.
Sie dankte ihm mit einem warmen Blick ihrer großen, tiefblauen Augen. (Fortsetzung folgt.)
gekleidet, die die Schönheit ihrer schlanken, knabenhaften Gestalt ins hellste Licht rückte.
(Stoa befand sich in strahlender Laune. So war es ganz nach ihrem Sinn: Mittelpunkt zu fein, bewundert zu werden von den Herren, beneidet von den Damen, die mißgünstig zu ihr herüber- sahen.
„Den nächsten Tanz möchte ich haben!" sagte der Schauspieler Berttam, der an Eva Witters Seite faß, leise zu ihr.
„Eigentlich käme Herr von Grabow jetzt an die Reihe", antwortete sie und blickte zu dem hoch- gewachsenen blonden Herrn am entgegengesetzten Ende des Tisches hin, dem man den ehemaligen Offizier von weitem ansah.
„Er soll warten!"
„Tyrann!" sprach Eva Witter daraus, folgte aber dann Bertram, als die Kapelle einen neuen Tanz zu spielen begann.
Sie war eine leidenschaftliche Tänzerin. Ihr biegsamer, sporttrainierter Körper gehorchte jeder Phase der Musik, er schien sich den Tönen anzuschmiegen, ihren bizarren, aufpeitschenden Rhythmus wiederzustrahlen.
„S i e sind ein Tyrann, Eva!" flüsterte Berttam während des Tanzens zu ihr. „Eine Teufelin find Sie!"
„Warum, wenn ich fragen darf?"
„Weil Sie mich peinigen, weil Sie mich zur Verzweiflung treiben!“
„Ich bin mir keiner Schuld bewußt!" erwiderte sie leichthin.
In der Erregung preßte er sie an sich.
„Ich will nicht, daß Sie sich immer wieder von anderen Herren den Hof machen lassen! Es macht mich rasend, wenn ich mit ansehen muß, wie diese faden Burschen auf Sie einschwatzen, Sie mit ihren Blicken verschlingen! Ich will nicht, ich ertrage das einfach nicht!" .
Ein triumphierendes Lächeln kräuselte Evas schmale Lippen.
„Ich kann doch den Herren nicht verwehren, Mich anzuschauen!"
Berttam hielt im Tanze inne; feine Augen funkelten sie an.
„Sie spielen mit mir, Eva!"
Er gefiel ihr in seiner zornigen Aufwallung: aber es bereitete ihr Vergnügen, feige Eifersucht noch mehr aufzustacheln.
„Tanzen Sie weiter! Sie halten ja den ganzen Betrieb auf I“ sagte sie befehlend. Dann spöttisch: „Wenn jeder der Herren mir eine derartige Szene machen wollte, sobald ich mich mit einem anderen abgebe, käme ich aus den Aufregungen nicht mehr heraus!"
Bertram zuckte zusammen. Dann wurde er ganz förmlich. *
„Verzeihen Sie meine vorherigen Worte, gnädiges Fräulein, die einem bedauerlichen Irrtum meinerseits entsprangen; ich hatte nicht gedacht,


