Ausgabe 
8.7.1931
 
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Nie deutsche Auffassung.

Läßt sich eine Regierungskonferenz vermeiden?

Berlin. 7. Juli. (TA.) Die Regelung der nach den amerikanisch-französischen Dereinbarun» 'gen noch offen gebliebenen technischen Ein­zelheiten des Hoover-Moratoriums dürfte nach deutscher Auffassung auf verschiedenen We­gen erfolgen. Bezüglich der Sachliefemn- gen hält man an zuständiger Stelle eine Kon­ferenz von Sachverständigen der be­teiligten Länder für notwendig, zumal hier eine Reihe von schwierigen Wirtschafts- und Ver­tragsfragen zu lösen ist. Die Frage des Ga­rantiefonds sollte nach deutscher Auffassung zunächst zwischen Frankreich und dem Verwaltungsrat der BIZ. verhandelt werden, während man bezüglich der endgültigen Regelung der Z i n s f r a g e für die gestundeten Zahlungen hier noch nicht klar sieht. In den Vereinbarungen zwischen Amerika und Frankreich ist diese Frage nur grundsätzlich, nicht aber nach der Höhe der Zinsen geregelt wor­den. Hier würde cs also noch eines diplomatischen Gedankenaustausches bedürfen, gegebenenfalls un­ter Hinzuziehung der Sachverständigen der BIZ. Auch zur formellen Inkraftsetzung des Hoovermoratoriums genügt nach deutscher Auf­fassung eine offizielle diplomatische Mitteilung an alle in Betracht kommenden Mächte durchaus.

Das Feierjahr.

Konsolidierung der öffentlichen Finanzen ist die erste Aufgabe.

Berlin, 7. Iuli. (ERB.) In ihren Bespre­chungen der Auswirkungen des Weltmoratoriums weisen fast alle Berliner Blätter übereinstimmend darauf hin, daß der Beginn desFeierjahres" gleichseitig der Anfang einer neuen großen po- litiscAn Kampfperiode sei. DieDAZ." warnt, Wer einen ersten Erfolg Iubel- und Siegeshym­nen anzustimmen, denn von der Kapitalschuld sei bisher kein Pfenig nachgelassen, sondern die jetzige Regelung sei nur vorläufig und helfe uns lediglich für ein Iahr. Deshalb könne die öffentliche wie private Finanzwirtschaft gar nicht solide genug betrieben werden. Es sei jetzt endlich höchste Zeit, daß mit der Reichs­und Verwaltungsreform Ernst gemacht werde. Die Folgerung dagegen wäre falsch, daß Steuer­senkungen als unvereinbar mit dem Schuldenfeier­jahr zu betrachten seien. Sie könnten nicht von heute auf morgen erfolgen, weil jeder Lieberschuh und jede Ersparnis dazu verwandt werden müsse, den Geldmarkt anzureichern. Sei das aber ge­schehen und habe die Verwaltungsreform ihre ersten Früchte gezeitigt, /dann müsse ein Pro­gramm der Steuersenkung durchgeführt werden.

DieGermania" schreibt u. a.: Die Reichs- rcgierung hat sich in ihrem Aufruf bereits dar­über geäußert, wie sie die Erleichterungen des Feierjahres auszunuhen gedenkt, und sie verdient allen Dank dafür, daß sie dies mit schonungs­loser Offenheit getan hat. Eine andere Finanz­politik wäre, das muh laut gesagt werden, un» verantwortlich und würde alle gesunden Auf- stiegslräfte lähmen, die das Feierjahr in der Wirtschaft zu erwecken vermag. Wenn die Reichs­regierung mit eiserner Energie daran festhält, die Ersparnisse des Feierjahres restlos zur Konsolidierung der öffentlichen Fi­nanzen zu verwenden, dann leistet sie zugleich auch der Wirtschaft einen außerordentlich wert­vollen Dienst. Das Grundübel jener akuten imö lebensgefährlichen Krisen liegt zum großen Teil in der kurzfristigen Auslandver­schuldung der deutschen Wirtschaft. Es wird a!lles dafür getan werden müssen, daß sich ein solcher Run ausländischer Gläubiger auf ihre kurzfristigen Guthaben in Deutschland nicht mehr wiederholen kann.

Der Reichskanzler an Mussolini.

Dank für die Zustimmung Italiens.

Rom, 7.Iuli. (TU.) Mussolini hat den italienischen Außenminister Gran di empfangen, der begleitet war von dem italienischen Botschaf­ter in Berlin, Orsino Baroni, der zur Be-

Lustspielrevue im Gtadttheater

.^Lustspielrevue" ist zweifellos etwas viel gesagt, wenn es sich, wie in der gestrigen 6. Sommerabon- nementsvorstellung in unserem Stadttheater, darum handelt, drei voneinander unabhängige Einakter auf­zuführen, die, nebenbei bemerkt, dem Sketch weitaus näher stehen als dem Lustspiel und von zwei routi­nierten Darstellern und einer ebenso büknengewand- ten Darstellerin sichtlich ohne viel Müye wiederge- geben werden. Es war richtiggehendes Sommer­theater, das in keinerlei geistige Unkosten stürzte, schon deshalb nicht, weil die Pointen, wenn auch nicht vorweggenommen, so doch stets latent ver­borgen und deutlich fühlbar waren. Der Zuhörer war jedenfalls vor Ueberraschungen sicher.

Dabei handelte es sich dem Inhalt der Stücke nach in zwei von drei Lustspielen um das hinlänglich be­kannte Hahnrei-Problem, dem grundsätzlich Neues nicht hinzuzufügen ist. Dominierend war die Tat­sache, daß das Thema an zwei ausgesucht dummen Exemplaren betrogener Ehemänner demonstriert wurde.

Im ersten Falle handelt es sich darum, daß es der jungen Frau eines schon etwas ergrauten schwer neurasthenischen Künstlers gelingt, ihren Mann da­von zu überzeugen, daß der leibhaftig anwesende Liebhaber der Frau nicht etwareahty ist, son­dern nur ein Trugbild seiner (des Ehemannes) über­reizten Nerven. Im zweiten Fall läßt sich ein eben­falls schon etwas ältlicher Ehemann einer jungen lebenslustigen Frau ad absurdum führen, er läßt sich außerdem mit eigenen Waffen schlagen und bittet schließlich, um seine Dummheit würdig zu krönen, noch um Verzeihung für seinen ungerecht­fertigten Verbäckst (der natürlich in Wirklichkeit durchaus gerechtfertigt war). Im dritten Sketch bringt ein Einbrecher in das Schlafzimmer einer Tänzerin ein, die Dame ruft um Hilfe, muß aber die Erfahrung machen, daß der helfende Zimmer­nachbar noch viel wenigergentleman ist, als der Einbrecher, so daß schließlich der Einbrecher als Retter auftreten muß. Jeweils am Ende herrscht holder Friede, süße Eintracht.

Die drei Einakter, deren Herkunft das Programm- heft nicht verriet, waren im großen und ganzen nicht ungeschickt und sehr bühnenwirksam gemacht. Durch witzige Dialoge wurde das Interesse wach gehalten, und die flüssige Darstellung tat ein Uebriges.

Vor neuen

Reichsfinanzminister Dietrich über bas

Berlin. 7. Iuli. (TA.) Das Reichskabi- >net t hat sich am Dienstagvormittag eingehend mit der Pariser Einigung befaßt. Reichsfinanz­minister Dietrich gab später vor Pressever- tretenn einige Erläuterungen über die gegen­wärtige Lage. Die zwei Wochen Verhandlungen in Paris hätten uns in einen gefähr­lichen Zustand hineingeführt, wie sie für das deutsche Volk eine ungeheuere Rervenprobe bedeutet und die Vertrauenskrise verschärft hät­ten. Für die gesunde Grundlage der deutschen Volkswirtschaft spreche, daß sie ebne solche un­geheuerliche Abzapfung der Minister bezifferte die Verluste der deutschen Volks- wirtschast in den letzten neun Mo­naten a u f 34 Milliarden Mark so lange Zeit ertragen habe. Das Grundübel er­blickte der Reichsfinanzminister in den kurz­fristigen Krediten. Dieser Fehler dürfe sich nicht wiederholen. Die Reichsregierung sei entschlos­sen, die sparsam st e Wirtschaft in dem öffentlichen Gemeinwese n zu erzwin­gen. Die Landesregierungen hätten sich zum gro­ßen Teil bereits einverstanden erklärt, mitzuwir­ken. Ebenso sei die Reichsregierung entschlossen, Mißbräuchen, die in der privaten Wirtschaft auf getreten seien, entgegenzutreten. Sie habe auch hierüber 'bereits Fühlung mit den Führern der Wirtschaft genommen. Die Ergebnisse dieser Füh­lungnahme würden in den nächsten Wochen in Erscheinung treten. Weiter erklärte der Mi­nister,

die Reichsregierung werde dafür sorgen, daß die aus dem Feierjahr sich ergebenden Erspar­nisse restlos der Konsolidierung der össenllichen haushalte, der Sicherung bet Kassenführung

richterstattung nach Rom berufen war. Orsino Baroni übergab Mussolini einen Brief des Reichskanzlers Dr. Brüning. In dem Brief stellt der Reichskanzler, nachdem er die Dankbarkeit Deutschlands für die Initiative Hoo­vers zum Ausdruck gebracht hat, fest, daß sich die Aktion des Präsidenten der Vereinigten Staaten voll und garra in der Linie der weit­sichtigen und energischen Politik befindet, die schon seit längerer Zeit Don Stalien unter der Führung Mussolinis be­folgt wird. Die Botschaft des Reichskanzlers bestätigt ferner den tief eit Widerhall, den in Deutschland die sofortige Zustimmung ItalienszumVorschlagHoovers her- vorgerufen hat und die Befriedigung des deut­schen Volkes, die um so größer ist, als es die Opfer kennt, die Italien in seiner Zustimmung zum Hooverplan bringen mußte. Mussolini hat den italienischen Botschafter in Berlin beauftragt, dem Reichskanzler eine herzliche Antwortbotschaft zu übermitteln.

Hindenburgs Dank an Präsident Hoover.

Berlin,?. Iuli. Der Herr Reichspräsi­dent hat nachstehendes Telegramm an den Präsidenten der Vereinigten Staa­ten gerichtet:

Neudeck, den 7. Iuli 1931.

Nachdem die Pariser Verhandlungen nun­mehr zum Abschluß gelangt sind und dasvon Ihnen v o r geschl a g e n e Feierjahr begonnen hat, möchte ich Ihnen und dem amerikanischen Volke den Dankdes deut - schen Volkes zum Ausdruck bringen. Dank Ihrer Initiative möge die ganze Welt einer neuen Aera friedlicher und ver­trauensvoller Zusammenarbeit entgegengeführt werden. Dies ist mein auf­richtigster Wunsch.

(gej.:) v. Hindenburg.

Das Ensemble Berliner Bühnenkünstler (das mit dem gestrigen Auftreten das zweite Gastspiel in Gießen absolvierte) entledigte sich mit Geschick seiner Aufgabe. Lottina Baart, zweimal als Ehe­frau auf Abwegen und dann als mondäne Tänzerin, natürlich in der Darstellung, liebenswürdig und be­weglich, mit viel Charme begabt, gefiel gut. E. L. Franken als betrogener Ehemann, wie auch als Einbrecher zeigte eine überraschend gute schauspiele­rische Leistung, während Kurt Unser als Haus­freund Bela, und dann als Zimmernachbar etwas unfrei blieb. Das Publikum nahm lebhaften Anteil, unterhielt sich zweifellos gu! und brachte dies durch herzlichen Beifall zum Ausdruck. n.

Aus derSeldeuzeitderSergsührer

Die Reisenden, die in diesem Sommer das Hoch­gebirge aus suchen und sich in der Bezwingung der hohen Schneegipfel noch nicht sicher fühlen, ver­trauen sich einem Bergführer an, der sie geleitet. Dieser Beruf ist heute weit verbreitet, die Führer sind organisiert, durch Ordnungen und Tarife ge­bunden, werden sachgemäß ausgebildet und be­aufsichtigt. Aber ihre Glanzzeit ist vorbei. Die früher so unzugängliche und schwer zu erobernde Gebirgswelt ist durch die Taten eines Iährhun» derts erschlossen: kaum gibt es noch unbegangene Pfade, und unter der jungen Bergsteigergenercv- tion wird das führerlose Gehen immer mehr üb­lich Ist so das Führerwesen heut im allgemeinen seiner Romantik entkleidet, so darf man doch nicht vergessen, daß es eine Heldenzeit gab, in der diese Söhne des Hochgebirges als bewunderte und ge­feierte Meister dem Alpinismus und der Alpen- kunde den Weg bahnten. Im zweiten Bande des bei Brockhaus in Leipzig erscheinendenAlpinen Handbuches" behandelt Dr. Heinrich Menger das Bergsührerwesen und hebt dabei die große Be­deutung hervor, die diese kühnen Pioniere für die Erschließung der Gebirge besitzen. Schon in früh­sten Zeiten haben einheimische Bergbewohner, Sä­ger, Hirten oder Bergleute die Gebietsunkundigen auf ihren Gängen durch die »schroffen Felsen­wüsten" geleitet, hauptsächlich Händler, Pilger oder Heere, die die Gebirgswälle überwinden muhten. Daß schon Hannibal solche Führer bei seinem Alpenübergang benutzte, berichtet Poly- bius , und aus dem 4. nachchristlichen Iahrhundert

Aufgaben.

nächste Programm der Reichsregierung.

und der Rückzahlung der schwebenden Schuld zugute kommen. Die Wirtschaft habe davon den unschätzbaren Vorteil, daß der Geldmarkt ihr wieder freier als bisher zur Verfügung stehen werde. Rur so werde es gelingen, einem An­steigen der Arbeitslosigkeit zu begegnen und neue Arbeitsmöglichkeifen zu beschaffen. Eine Verwendung der Gelder zu neuen Aufgaben oder zur Rückgängigmachung angeordneter Sparmaßnahmen Halle die Reichsregierung für unmöglich.

Es werde aber auch notwendig sein, daß die gro­ßen ausländischen Geldmärkte der deutschin Wirt­schaft wiederum zum mindesten einen Teil der Be­träge zuführen, die ihr im Laufe der letzten Iahre entzogen worden seien, sei es in neuen Mitteln, sei es in Rücksicherung gegen weitere Abzüge. Nachdem der Grund des politischen Mißtrauens weggefallen sei, werde binnen kurzem auch die Tat­sache in Erscheinung treten, daß ein Grund für ein wirtschaftliches Mißtrauen nicht mehr vo.liege. Die Pariser Einigung lasse noch einige Punkte größtenteils technischer Natur offen. Deutscher­seits werde es als Aufgabe angesehen, an der Erörterung der Fragen im Geiste freundschaftlicher Zusammenarbeit mitzuwirken. Deutschland erhoffe davon eine Wiedergeburt des Vertrauens und eine Annäherung Frankreichs an Deutschland. Dafür, daß von allen Seiten diese Verhandlungen nicht im Sinne kleinlicher Rechthaberei in Cinzelfragen, sondern zur Erreichung eines großen Gemeinsamen durchgeführt würden, biete der Geist des Hooverplanes, mit dem die Ergebnisse in Ein­klang stehen mühten, Gewähr.

Der freiwillige Arbeitsdienst.

Besprechung beim Präsidenten Syrup.

Berlin,?. Iuli. (WTD.) Heute fand bei der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Ar­beitslosenversicherung eine Besprechung mit den beteiligten Spihenverbänden über den freiwilligen Arbeitsdienst statt. Präsident Dr. S y r u p gab einen ileberblid über die Grundgedanken des vorliegenden Entwurfs seiner Verordnung. Die Verwirklichung hängt von der Zusammenarbeit dreier Faktoren ab, nämlich der Träger des Dienstes (Iugend- und Wohlfahrtsverbände), der Träger der Arbeit (Gemeinden und Meliorations­genossenschaften u. dgl.) und der Dienststellen der Reichsanstalt. Die fördernde Tätigkeit der Reichs­anstalt, die sich nur auf ausführungs- reifeProjekte erstrecken kann, besteht wesent­lich in der Fortzahlung der ilnter- ftütjung an d ie Arbeitslosen während der Durchführung der Arbeiten. Voraussetzung dafür ist, vah die vorgeschlagenen Arbeiten als gemeinnützig und zusätzlich im Sinne des Gesetzgebers anerkannt werden. Daher müssen Arbeiten, die das bereits schwer darniederliegende Baugewerbe beeinträchtigen oder- von öffent­lichen Körperschaften ohnehin planmäßig ausgeführt würden, ausscheiden. Als Teilnehmer sind in erster Linie unterstützte Ar­beitslose, vor allem Iugendliche, in Aussicht genommen, deren Llnterstühung unter Umständen im Betrag bis zu 2 Mk. täglich und im Zeitraum bis zu 20 Wochen pauschaliert werden kann. An dem Grundgedanken ber, Freiwilligkeit soll unter allen Umftänben festgehalten werden. Die Aussprache ergab zu einzelnen Punkten der prak- ttschen Durchführung zahlreiche Anregungen.

Aus aller Well.

Das Urteil im Jonas-Prozeh.

In Güstrow wurde unter ungeheuerer Spannung nach über dreistündiger Beratung das Urteil gegen den Malchower Wasserstoffgasschwindler Jonas und seine Helfer wegen Totschlags an dem Justiz­oberwachtmeister Glaesel gefällt. Jonas wurde we­gen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang und wegen gemeinschaftlicher Freiheitsberaubung mit

erzählt der römische Historiker Ammianus Mar- cellinus, daß für den ilebergang über den Mont Genevre Holzstangen zur Orientierung aufgestellt waren:Wenn die Stangen aber vom Schnee ver­deckt oder durch Wildwasser weggerissen wurden, traten einheimische Führer in Tätigkeit, die die Wanderer, wenn auch unter Gefahren, hinüber- geleiteten. An den Alpenpässen entstand eine be­sondere Führergilde, deren MitgliederMarro­nes" genannt wurden und die besonders tm Winter in Anspruch genommen wurden. Auch sonst waren die Mönche und Klosterjäger der Hospize den Fremden bei der Liebersteigung der Berge behilf­lich, aber ein eigentliches Bergführerwesen ent­wickelte sich erst, als is der zweiten Hälfte des Iahrhunderts mit dem Erwachen des Gefühls für die Schönheit der Hochgebirgswelt auch die Be­steigung der Gipfel systemattsch in Angriff genom­men wurde. In den Schweizer Alpen, sowie in Steiermark und Kärnten, sind Einheimische bei den meisten der ersten größeren Bergunternehmen beteiligt, und die ersten Reisehandbücher nennen bereits die Namen von Führers die freilich, wie heute auch noch dieses Amt nur im Nebenberuf übernahmen.

Gleich am Anfang der Alpenbezwingung steht in leuchtendem Glanze der Name eines Führers, jenes Sague2 Dalmat, der zusammen mit Dr. Paccard im Sahre 1786 die Erstersteigung des Mont Blanc durchführte. Dieser, der später vom König von Sardinien den Adelsttteldu Mont Blanc" erhielt, war ein einfacher Kristallsucher aus Charnanix, den Ehrgeiz und Gewinnsucht an­trieben. Saussure hatte einen hohen Preis für den ersten Bezwinger des höchsten Berges der Alpen ausgesetzt, und es war in einer Zeit, da man noch über keine Erfahrungen verfügte, ein ungeheuer kühnes Wagnis, das Balrnat unternahm: er ist als 72jähriger im Mont Blanc-Gebiet auf der Schuhsuche zugrunde gegangen. Mit ihm waren die Stammväter der Führerschaft in den West- alpen, die Brüder Klotz und der sog.Passeirer Iosele", Iosef Pichler, der den Ortler er­oberte. 1822 wurde der erste Führerverein begrün­det. *9en Titel einesKönigs der Führer" erwarb sich Melchior Anderegg, der eine Schule der Oberländer Bergführer begründete und die be­rühmt gewordenen englischen Alpinisten von Sieg zu Sieg führte. Er soll durch seinen fabelhaften Orientierungssinn und seine ausgezeichnete Eis-

Todeserfolg in Tateinheit zu einer Zuchthaus­strafe von acht Jahren verurteilt. Sein Hel­fer Kasclitz wurde wegen gemeinschaftlicher Frei­heitsberaubung mit tödlichem Ausgang zu fünf Jahren Gefängnis und Jürß zu drei Jahren Ge fängnis verurteilt. Frau Ionas kam mit einer Strafe von drei Monaten Gefängnis wegen Bei­hilfe zur Befreiung eines Gefangenen davon.

Todesurfeil im Prozeß kuenne.

Sn dem mehrtägigen Prozeß gegen den des Mordes an der siebenjährigen Schülerin Snge- borg Bopp angeklagten 47jährigen Hermann Kuenne erkannte das in Wese r münde ta­gende Derdener Schwurgericht nach SVoftünbi- ger Beratung auf Todesstrafe und dauernde Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte.

Line sensationelle Verhaftung.

Am 28. Iuni wurde der Kunstmaler Franz H e ck e n d o r f, als des gemeinsamen schweren Diebstahls verdächtigt, festgenommen. Sn diesen Tagen erfolgte auch die F e st n a h m e seines D ru» ders Walter. Beide sind geständig, im Sa» nuar d. S. aus dem Garten der Billa eines Ber­liner Bankdirektors eine von Pros. Kolbe geschaffene Dronzefigur gestohlen zu haben, die von dem Maler Heckendvrf an einen Berliner Kunstfreund verkauft wurde. Als dieser erfuhr, auf welche Weise er in der^Belih der Figur gelangt war, gab er sie dem rechtmäßigen Eigen­tümer wieder zurück und wurde dadurch um den Kaufpreis von2500Mark geschädigt. Bei einem kürzlichen Einbruch in Geltow in der Mark, bei dem Hauptsächlich Teppiche und Bilder gestohlen wurden, kam die Kriminal­polizei auf die Spur Heckendorfs. Es gelang, den Bruder Walter des Einbruches zu überführen. Die erbeuteten Gegenstände waren von Franz Hecken­dorf verkauft worden, jedoch konnten die wert­vollsten Stücke wieder herbeigeschafft werden. Die Brüder Heckendorf sind g e st ä n d i g. F. Hecken­dorf hat bekanntlich kürzlich ein Rheinlandgemälde für den Reichstag geschaffen.

Der Akademische Gesangverein der Universität Heidelberg in Kopenhagen.

Der akademische Gesangverein der Llniverfität Heidelberg, der auf Einladung der Gesellschaft für deutsch-dänischen Kultursaustausch in Kopen­hagen unter der Leitung des Musikdirektors Prof. Poppen unter großer Begeisterung des Pu­blikums mehrere Konzerte gegeben hatte, veran­staltete im Konzertsaal des Tivoli ein Abschieds­konzert, zu dem sich etwa 1500 Personen einge­funden hatten, darunter Prinz und Prinzessin Harald von Dänemark und die deutsche Gesandt­schaft. Nach nicht endenwollendem Beifall mußte der Chor das Deutschland-Lied fingen. Der.Chor wurde während seines Aufenthalts in Kopenha­gen von allen Seiten in ungewöhnlicher Weise gefeiert. Am Dienstagnachmittag trat der Chor die Heimreise an.

Deichbruch in Belgien.

Dor Scheldedeich oberhalb der Schleuse von O h e r s ist an drei verschiedenen Stellen an der Straße von Eckern nach Austruweel gebrochen. Das Llnglück wurde durch drei mit Sand gefüllte Versenkkästen herbeigeführt, die durch die Strömung losgerissen und gegen den Damm getrieben wurden. Die durch Öen1 Dammbruch ber» vorgerufene ileberfchwemmung erreichte an verschiedenen Orten eine Hohe von einem Meter.

Schweres Unwetter in Tirol.

Lieber der Stadt R e u 11 e ging ein schweres Lhnwetter mit Hagelschlag nieder. Der ungewöhn­lich starke Hagelschlag, der nur wenige Minuten andauerte, schlug an der Westfront der Häuser alle Fenster ein. An der großen Westfront der Volksschule blieb kein F e n st e r ganz. In viele Fenster schlug der Hagel fast kreisrunde Löcher von 10 bis 20 Zentimeter Durchmesser. Obst- und Gartenanlagen erlitten empfindliche Schäden- Mehrere Personen haben Verletzungen davongetragen.

Wolkenbrüche über Hamburg und der Unterelbe.

Wolkenbruchartige Regenfälle haben in Ham­burg im Laufe von 36 Stunden nicht weniger als 67 Millimeter Regen gebracht. Die gewal­tigen Wassermassen haben vielfach verhee­rend gewirkt. Im Hamburg allein wurde die Feuerwehr 240mal alarmiert, um das in die Keller eingedrungene Wasser wieder herauszu- pumpen. Verschiedentlich mußten die Wehren em»

technik, besonders seine Stufenarbeit, ein uner­reichter Meister gewesen sein, und als er sich 1897 von seinem Beruf zurückzog, da wurde er wahrhaft wie ein König geehrt. Mit 87 Iahren ist er 1914 gestorben. Neben ihm steht Christian Almer, dem eine noch größere Leistungsfähigkeit und Ent­schlossenheit nachgerühmt wird. Er führte seine Frau 1896 zur Feier seiner goldenen Hochzeit auf das Wetterhorn und legte damit ein tief ergrei­fendes Bekenntnis seiner Liebe zu der Bergwelt ab. Der bedeutendste italienische Führer dieser Frühzeit, Sean Antoine Carrel , betrachtete als feine Lebensaufgabe die Eroberung des Matter­horns, dessen Opfer bereits sein Vorgänger C r o z geworden war: auch er ist 1890 nach einer glück­lich durchgeführten Besteigung am Fuße des Mat­terhorn gestorben. Die erste Ersteigung der Monte Rosa-Ostwand gelang dem Führer Sm f en g , der im Banne jenes Berges, den er beatoungen, sein Ende sand. Die glänzendste alpine Laufbahn war wohl Alexander Durgener beschieden,dessen Name mit goldenen Lettern in der Geschichte des Alpinismus geschrieben steht".Mir passiert nie nix", war sein Hauptwort, und doch fiel auch er den Bergen zum Opfer: er hat in den alpinen Großtaten in der Mont Dlanc-Gruppe und am Matterhorn die Hauptrolle gespielt. Auch in den Ostalpen gab eS berühmte Führer, wie Franz P ö l l und Hans P i n g e r a ; der bedeutendste i und berühmteste von ihnen war Sohann Grill, I genannt Kederbacher, dessen Ausspruch ,,D' Haupt- fach is, daß man nur weih, wo der Berg steht", | zum geflügelten Wort geworden ist. Die große ; Lieberlieferung dieser Bergführer hat sich in be- ; stimmten Familien fort geerbt, die noch heute den ' größten Teil der Führer stellen. Wenn in jenen Zeiten kein Alpinist den Führern ersten Ranges an Erfahrung ebenbürtig war, wenn sich die besten Bergsteiger als ihre Schüler bekannten, so ist das ein Beweis dafür, welchen großen Anteil sie an der Erforschung und Erschließung der Alpen batten. Sie sind in den meisten Fällen nicht nur Helfer, sondern die eigentlichen Vollbringer dessen gewesen, durch das dieHerren" berühmt tourben. Sie wußten auch stets, was sie den Reisenden zu­muten durften, und schon Melchior Anderegg hat den klassischen Ausspruch getan:Wenn ich alle- das unternommen hätte, was meine Herren un­ternehmen wollten, so wäre ich längst tot."