eine ungestörte Regierunzsarbeit im Sommer sei jedoch, daß der Reichstag nicht vorzeitig zusammentrete.
Oie Kritik der deutschen presse
Die Notverordnung der ReichSrcaierung wird im größten Teil der deutschen Presse seyrab- fällig kritisiert. Don der Presse der Rechtsparteien wird hervorgehoben. daß auch dieser Sanierungsversuch des Kabinetts 'Brüning ebenso fehlschlaaen werde, wie die früheren Dersuche, wenn ntcht eine grundlegende Aenderung der gesamtpolitischen Linie erfolge. Der Reichsregierung wird zum Dorwurf gemacht, dah sie die Tributsrage viel zu spät angeschnitten habe. Weiter wird von der Rechtspresse die sofortige Einberufung deS Reichstages gefordert zur Aufhebung diese- nicht mehr tragbaren Tribut-ErfüllungSdiktats. Auch in der Prelle der Mittelparteien wird stark bezweifelt, bah von der neuen Rotverordnung eine Ankurbelung der Wirtschaft auSoehrn werde, ferner wird von diesem Teile der Presse besonders hervorgehoben, dah die neuen Lasten eine .^eitere st arke Schmälerung der wirtschaftlichen DasiS des Wittel- st a n d e s bedeuten und eine weit re ichende Proletarisierung wertvoller Mitte l st a n d s s ch i ch t e n zur Folge . haben werden. Weiter wird die Frage aufgeworfen, wo denn die Dereinfachung der Staatsverwaltung, die Verringerung des Dehörben- und Derwaltungsapparates, kurz gesagt die energische Inangriffnahme der Reichs- reform bleibe. Die Grenze der Leistungsfähigkeit des deutschen Volkes sei mit dieser Rotver- vrdnung nicht nur erreicht, sondern sogar schon erheblich überschritten. In der Presse der bürgerlichen Linken werden im großen und ganzen die gleichen Argumente vorgebracht und dabei auch betont, daß die neue Rotverordnung eine schwere Enttäuschung sei. Die sozialdemokratische Presse erklärt, die Notverordnung schlage in vielen Punkten den Forderungen sozialer Gerechtigkeit ins Gesicht, und es sei selbstverständlich, daß die Sozialdemokratie den antisozialen Inhalt dieser Rotverordnung bekämpfen und so rasch und so gründlich wie möglich beseitigen wolle. Darüber werde die sozialdemokratische Fraktion noch eingehend beraten. Im ganzen gesehen ist festzustellen, dah die Rotverordnung auf keiner Seite allzuviel Billigung und Befürwortung findet.
Das Echo in Frankreich.
Paris, 7. Juni. (WTB.) Das Manifest derReichsregierung an das deutsche Dolk, sowie die zu gleicher Zeit veröffentlichte Hot* Verordnung werden vom „Temps" und vom „Journal des D^bats" zum Gegenstand von Betrachtungen gemacht, die zeigen, dah bei ihnen keineswegs die Absicht besteht, sich über die wahre Lage in Deutschland klar zu werden.
Der „Temps" erklärt: „Gewih bemüht sich die Regierung Brüning, der erschreckenden Der- schwendung der letzten Jahre zu steuern, aber damit macht sie die notwendigen Anstrengungen, um den Dorwand auf Forderung der R e v i s i o n des Doungplanes zu erhalten. Die wichtigsten Posten des deutschen Budgets bleiben in mehr als verdächtiger Weise hoch. Wan darf sich über den Charakter und die Bedeutung des Manifestes nicht täuschen. Die deutsche Presse übernimmt es. ihre Leser aufzuklären, indem sie von einem „historischen Tag" und einem „ersten offiziellen Wort betreffend die Wiederaufnahme der Derhandlungen über Reparationen" spricht. Wer wird es wagen, die Initiative für Verhandlungen im Hinbuck auf eine neue Reparationskonferenz zu übernehmen, die gewisse ausländische Blätter bereits für Ende dieses Jahres voraussehen? Wenn wirklich gegen alle Vernunft und jede Logik man auf eine derartige Eventualität hinsteuern sollte, welches würden dann die politischen und wirtschaftlichen Garantien fein, die man aus einer elementaren Vorsicht heraus von Deutschland für die Zukunft fordern mühte?"
„Journal des Debats" macht die hämische Bemerkung, dah das Elend nur relativ zu nehmen sei. da man ja in Berlin über genügend Gelder verfüge, um Rumänien von der Kleinen Entente fortzulocken.
Ganz anders beurteilt der linksstehende w6 o i r" die Lage. Wyhl oder übel werde man die Reparativnssrage und das Problem der interalliierten Schulden erörtern müssen. Die Weltwirtschaftskrise, für die wenigstens teilweise Klauseln der Verträge verantwortlich seien, fälle das Urteil über das. waS bisher geleistet worden sei. Das Blatt zeigt im Gegensatz zu den beiden rechtsstehenden Blättern vollesVerständnis für den Ernst der Lage, indem es darauf hinweist, dah mit der Aussprache über die W e l t w i r t s ch a f t s k r i s e die Aussprache über die Abrüstung zusammenfallen werde, fo dah, und zwar in weniger als 13 Jahren nach dem Waffenstillstand, die wirkliche kritische Phase beginne.
„Populaire" erkennt an, dah dieRotlage Deutschlands unbestreitbar sei, und erklärt, dah der Voungplan sämtliche Elemente für die Lösung der Schwierigkeiten enthalte. Weder ein Moratorium, noch eine Revision könne den Franzosen den geringsten materiellen Abbruch tun.
„L a R 6 public" schreibt, daß es schwierig sei, oorauszusagen, ob der durch das Manifest geschaffene Explosiv st off auch zur Explosion gelangen werde. Das deutsche Memorandum enthalte allerhand Vernünftiges. Niemand könne den Umfang und den Ernst der Krise, die Deutsch- land durchmache, bestreiten. Auch sei es richtig, daß sich die deutschen Finanzen in einem verhängnisvol- len Zustand befänden. Doch werde die Verkettung von Schulden, und Gläubigeranspruch nicht durch den Willen Frankreichs, sondern durch den der Vereinigten Staaten bestimmt.
Wegen der militärischen Ueberlegen- heit Frankreichs, so erklärt „£a Dictoir e", sei ein neuer Angriff auf französisches Gebiet nicht zu befürchten. Die Gefahr für Frankreich liege in einem wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenbruch Deutschlands und ferner darin, daß Deutschland nach gefährlichen sozialen Zuckungen in Anarchie gerate.
Oer päpstliche Nuntius aus Litauen ausgewiesen.
K o w n o, 6. Lkuni. (341.) Der päpstliche Runtius in Litauen, Erzbischof Barto l o n i, der. wie bekannt, von der litauischen Regierung wegen seiner angeblichen aktiven Be
teiligung am litauischen Kulturkampf auf Seiten der Katholischen Attion als persona ingrata erklärt und deswegen vom Staatspräsidenten nicht mehr empfangen wurde, ist auf Anweisung des litauischen Auhenministeriums aus L i - tau en ausgewiesen worden. Freitagabend erhielt Bartoloni den Bescheid, daß er Li-
• Darmstadt, 7. Juni. Im großen Saale des Restaurants „Zur Krone" sand.heute die gut besuchte Mitgliederversammlung des Landesverbandes des Hessischen Einzelhandel- statt.
Rach einleitenden Degrühungsworten des ersten Vorsitzenden wurde der Kassenbericht erstattet und die Iahresrechnung genehmigt. Zum ersten Vorsitzenden wählte die Versammlung einstimmig wiederum Kaufmann Wilh. K a l b f u h . Darmstadt. M. d. v. R. W. R.
Anschließend referierte der erste Syndikus. Dr. Moehner (Darmstadt) über die Tätigkeit des Landesverbandes im abgelaufenen Jahre.
DaS Jahr 1930 habe durchschnittlich einen Amsahrückgang von 10 bis 20 Prozent gebracht. Die Umsätze in 1931 werden voraussichtlich. angesichts der Arbeitslosigkeit und deS sinkenden Konsums, noch wesentlich geringer sein.
Reben Fragen des unlauteren Wettbewerbs, des Zugabewesens, der Rabatte und des Hausierhandels waren insbesondere die Filial- und Warenhaussteuer, ebeMo die Wandcrlagcrsteuer behandelt worden. Auf die verhängnisvollen Folgen der ständigen Erhöhungen der Realsteuern, der dadurch bedingten Entwertung des Grundbesitzes und der unerträglichen neuen Grund- und Son- dergebäudesteuerbelastung in Hessen wurde eingehend hingewiesen. Der Verband hatte sich in zunehmendem Maße mit sozial- und tarifpolitischen Angelegenheiten, §u beschäftigen. Lieber die seinerzeitigen Verhandlungen wegen der Preissenkungsaktion, sowie der damit zusammenhängenden Fragen wurde ausführlich berichtet. Der
lauen innerhalb 24 Stunden zu verlassen habe, widrigenfalls er zwangsweise abgeschoben werden würde. Den direkten Anlaß zu diesem Schritt des Außenministeriums gab die Tatsache, daß Bartoloni an dem am Samstag in Wilkowischki stattfindenden eucharistischen Kongreß teilnehmen wollte.
Verband war weiter bestrebt, seine Selbsthifle- cinrichtungen: GlaSversicherung. Wahn- und Inkasso-Abteilung. Steuer- und Buchstelle auszu- bauert, um somit auch jedem einzelnen Mitglied direkte praktische Vorteile zu bieten. Der Redner schloß mit einem warmen Appell zum Zusammenschluß und zur Mitarbeit in der Einzelhandels- Organisation.
Anschließend hielt der erste Vorsitzende, Wilhelm K a l b s u ß, einen Vortrag über
„Rot und Hvsfnung im Einzelhandel".
Ausgehend von der neuen Rotverordnung der Reichsoegicrung, deren Inhalt der Redner in großen Zügen wiedergab, schilderte er die katastrophale Entwicklung der Verhältnisse in Reich, Ländern nind Gemeinden, und wies besonders auf die hessischen Steuererhöhungen und ihre überaus bedenklichen Folgen hin. Die Frage »iner Arbeitszeitkürzung sei für den Handel außerordentlich schwierig. Eingehend schilderte der Redner dann die derzeitige Lage der einzelnen Zweige der Sozialversicherung. Sehr interessant war das vorgelegte Zahlenmaterial des Anteils der Warenhäuser und der Alialgeschafte zum Gesamtumsatz des deutschen Einzelhandels. Die Warenhausfrage und die damit zusammenhängenden Steuers ragen wurden eingehend gewürdigt. Herr Kalbfuß unterstrich insbesondere die Bedeutung des Arbeitslosenproblems und der Reparationsfrage für den Einzelhandel. Sehr bedenklich sei für den Handel die derzeitige Hand- habung des Eigentumsvorbehalts in Verbindung mit dem großen Kapitalmangel im Handel. Eine Gesundung müsse in erster Linie durch eigene, d. h. inländische Kapitalbildung, nicht 1 durch Auslandkredite erstrebt werden. Die wirt
schaftliche Lage gebe auch in Zukunft zuernsten Besorgnissen Anlaß.
Der Vorstand legte dann die nachstehend« Entschließung
vor. die einstimmig angenommen wurde:
„Entgegen wiederholten Versprechungen sind insbesondere durch die gestern erschienene Rotverordnung wiederum Steuererhöhun- gcn in erschreckendem Ausmaß beschlossen worben.
Der Hesiische Einzelhandel erhebt gegen die ständig wachsende Erhöhung der Steuern und sozialen Lasten schärfsten Einspruch, und weift in ernster Sorge auf die unheilvollen Folgen, zunehmenden Verfall der Wirtschaft und sichtkmrcs Sinken der Konsumkraft der Bevölkerung, hin.
Die Regierung wird dringend aufgeforbert. nunmehr auf raschestem Wege energische und umfassendeMaßnahmenzu ergreifen, um den auf der Wirtschaft ruhenden unerträglichen Druck wesentlich zu mildem und Steuern und soziale La st en endlich fühlbar zu senken. Insbesondere muß dies von der hessischen Regierung erwartet werden, da die zur Milderung der Härten der Grund- und Sondergebäudesteuererhöhung erlasienen Bestimmungen in jeder Weise ungenügend sind. ES wird erneut die Wiederaushebung der am 5. Dezember 1930 beschlossenen Steuererhöhungen verlangt."
Wettervoraussage.
Durch den Vorüberzug der Tiefdruckstörungen behalt die Wetterlage ihren unbeständigen Charakter bei, die dauernde Zufuhr ozeanischer Luftmassen verursacht weiterhin wechselnd bewölktes Wetter und läßt öfters noch Schauer auftreten.
Vorhersage für Dienstag: Noch oer- äußerlich, wechselnd bewölkt mit vorübergehender Aufheiterung, vereinzelte Schauer, Temperaturen schwankend.
Lufttemperaturen am 7. Juni: mittags 20,8 Grad Celsius, abends 13,5 Grad: am 8. Juni: morgens 16,1 Grad. Maximum 21,3 Grad. Minimum 12,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 7. Juni: abends 18,7 Grad: am 8. Juni: morgens 15,8 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 6X Stunden. — Niederschläge 4,7 mm.
Verantwortlich für Politik: i. V. Ernst Blumschein.
Wir werben für eine Ide
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Graphische Darstellung des beispiellosen Aufschwungs der Atlkah ohne Hundstück
Tagung des Hessischen Einzelhandels.
Protest gegen die neuen Steuerlasten.


