verbreitete Meinung, bah es gui,e und schlechte Stimmlagen für Tonfilm gäbe, — jede Stimme ist gut, wenn sie Len darstellerischen und szenischen Forderungen genügt, die in der betreffenden Rolle an sie gestellt werden müssen. And mit den Ge° rauschen ists dasselbe. Wenn Sie das Gegenteil gehört zu haben glauben, so liegt der Grund hierfür fast ausschließlich in der Wiedergabe — mit zunehmender Aebung in der Bedienung der «Tonapparatur im Theater wird dieser Mangel verschwinden.
Roch eins: Dem Ton, der aus dem Lautsprecher an der Leinwand klingt, fehlt jede Raumrichtung, d. h. man kann, wenn man sich nicht bom Bild führen läßt, nicht sogen, aus welchem Sektor des Bildes der Ton schallt. Die Herkunftsrichtung eines Schalles bestimmen wir aus der kleinen Verschiedenheit der Höreindrücke beider Ohren, ganz ähnlich, wie man nur mit beiden Augen räumlich sehen kann. Wie der Stereoskopie des Filmbildes, so stellen sich auch der Stereophonie des Klangeindrucks sehr große Schwierigkeiten in den Weg. Es gibt daher zur Zeit keine andere Möglichkeit als die, auf Klangwirkungen, welche die Aufmerksamkeit des Hörers in eine bestimmte Bildrichtung lenken sollen, zu verzichten. —
Es ist also mancherlei, was der Tonfilm nicht kann. Aber ich hoffe, ihm keinen schlechten Dienst erwiesen zu haben, wenn ich seine Grenzen auf" zeigte. Denn wirklich lieben kann man nur wo man auch Schwächen zu erkennen sich nicht scheut.
Aus der Provmzialhauptstadt.
Gießen, den 8. April 1931.
Wie bleibt mein Kind gesund?
Don Prof. Or. Lan stein-Äerlin.
Wollen wir die Krankheiten der Kinder verhüten und bekämpfen, so müssen wir davon ausgehen, daß sie stark altersbcdingt sind, so daß z. B. für einen Säugling andere Vorsichtsmaßregeln gewählt werden müssen, als für das Schulkind. 2m Säugliügsalter heißt es vor allem Wachstums- und Cnt'wicklungsstörungen, sowie die gefährliche): Durchfälle zu bekämpfen. Denn diese spielen eine Hauptrolle in dieser Lebenszeit. 2m Schulalter treten diese Krankheiten zurück, und es heißt nun in dieser Lebensperiode, Erkältungskrankheiten, katarrhalische Erkrankungen. Herzkrankheiten verhüten. Für alle Lebensperioden ist schließlich die Verhütung der Tuberkulose wichtig, wobei zu bedenken ist, daß die Tuberkulose um so wichtiger ist, je jünger das Kind ist. And eine im frühen Kindesalter erworbene Drüsentuberkulvsc kann später, nach der Schulentlassung, eine galoppierende Schwindsucht zur Folge haben.
2m Mittelpunkt der Schuhm.ßnahmen steht im frühen Kindesalter die c ..yrungsfragc. Richtige Ernährung verbürgt gutes Gedeihen und Wachstum, aber auch Schuh vor akuten 2nfek- tionskrankheiten. Sowohl kräftige Kost, bestehend aus viel Milch, Fleisch und Eiern, als auch die zu magere Kost, bestehend aus dünnen Sup- ven, Brot und schlecht gekochten Kartoffeln, sind für die Kinder gefährlich. Zur Ertüchtigung des Kindes gehört aber nicht nur die Ernährung, sondern auch die zweckmäßige Amwelt, der leider die wirtschaftliche Rot oft eine Grenze seht. Es muh versucht werden, für das Kind aus ungünstigen Wohnungen das Menschenmögliche herauszuholen. 2st die Amwelt kaum zu ändern, dann müssen die Kinder möglichst viel ins Freie gebracht werden, um Licht. Luft und Sonne zu genießen. Besonders gefährlich für das Kind sind die in seiner Umgebung sich aufhaltenden kranken Erwachsenen. Die große Mehrzahl der Erkrankungen der Atmungsorgane im Kindesalter, welche zur tödlichen Lungenentzündung führen können, ist durch kranke Erwachsene, durch Berühren und Anhusten, sowie Ansprechen durch solche Personen bedingt. Zur Ertüchtigung gehört Kreuzweg der Lebe.
Vornan von Paul Grabein
Urheberrechtsschuh: Romandienst „Digo", Berlin W 30.
19. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Arsula hatte mit steigender Erregung Drencks geschicktes Plaidoyer mit angehört. Wenn er die Sache so darstellte, mußte er ja den Schiedsrichter auf seine Seite ziehen. Da muhte sie als eine gefühllose Frau erscheinen, die ihm die Freiheit nicht gönnte. 2a, wenn sie reden wollte, aus dem tiefsten Grunde ihres Herzens! Doch sie vermochte es nicht, eine doppelte Scheu verschloß ihr den Mund: die Scheu, den eigenen Gatten in seiner Energielosigkeit vor einem dritten zu enthüllen und damit all die Seelen- qualen blohzulegcn, die ihr aus diesem Leid erwachsen waren — noch mehr aber die Scheu, gerade dem Manne, der ihr Leben zerstört, sie in all dies Anheil gedrängt hatte, zu zeigen, wie namenlos unglücklich sie geworden war. So blieben denn Arsnlas Lippen geschlossen.
Wigand, der äußerlich völlig unbeweglich Drencks Worte angehört hatte, ließ jetzt einen tief forschenden Blick auf Arsulas Zügen ruhen. 2bre starre Ruhe konnte ihn nicht täuschen; er ahnte, was da drinnen mühsam niedergekämpft lag. Sie hatte gelernt, tapfer zu sein.
„Che ich mir eine Entscheidung in der Meinungsverschiedenheit- zwischen 2hncn und 2hrer Frau Gemahlin erlaube, mühte doch auch sie Gele enheit haben, ihre Gegengründe zu äußern." Mit einer Wendung zu Arsula hin sprach es Wif ad.
„2 ) bitte, mir das zu erlassen." Gepreßt enttc g es sich ihren Lippen. „2ch sollte meinet:, daß Sie auch so schon — wie Sie selber als Arzt meinen Mann haben beurteilen lernen — werden sagen können, ob ihm ein Anstaltsaufenthalt nottut oder nicht."
Einen Moment zögerte Wigand noch; es galt, eine, Drenck nicht verletzende Form des Ausdrucks zu wählen. Dann wandte er sich diesem zu:
„Mein Arteil kann nicht zweifelhaft sein. Cs sprechen gewichtige objektive und subjektive Grmrde für 2hre Behandlung in einem Sanatorium." Drenck fuhr auf, aber Wigand fuhr mit ruhigem Ernst fort: „Objektive, denn der Befund 2hrer Lunge ist leider so, daß er eine regelrechte Kur erfordert. Subjektive, weil 2hre persönlichen Anlagen, 2hr ganzes Temperament Sie draußen, im gesellschaftlichen Leben nur zu leicht in Versuchung führen — und —"
..Danke danke! Die Litanei kenn' ich schon auswendig; die betet mir meine Frau ja tagtäglich
Die Jördemng berlieutmiitÄIeit im Ähre 1931 Oie hessischen Bestimmungen.
Der Hessische Minister für Arbeit und Wirtschaft hat unterm 24. März 1931 die Bestimmungen für die Förderung des Wohnungsbaues erlassen, nach denen die zur Verfügung stehenden öffentlichen Mittel aus dem Aufkommen der staatlichen Eondergebäudesteuer grundsätzlich nach Maßgabe der Reichsgrundsähe für den Kleinwohnungsbau vom 10.2anuar 1931 verwendet werden. Diese auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen vom 1. Dezember 1930 erlassenen Grundsätze bedingen eine erhebliche Beschränkung in der seither üblichen Verteilung der Mittel, die
nur noch zur Erstellung von klein- und Kleinstwohnungen
bis zu 45 Quadratmeter Gesamtwohnfläche, in Ausnahmefällen für Familien mit mehreren Kindern bis zu 60 Quadratmeter Wohnfläche bestimmt sind. Die bisher zulässige Förderung von Mittelwohnungen wird damit f ast v o l l st ä n d i g ausgeschaltet.
Eine noch nachhaltigere Einschränkung des Wohnungsbaues in Hessen wird durch die Tatsache bedingt, daß infolge der durch die Reichsnotverordnung vom 1. Dezember 1930 eingetrele- nen Kürzung des für den Wohnungsbau zu verwendende^ Anteils an der Hauszinssteuer (Sondergebäudesteuer) auf 50 v. H. der für 1930 vorgesehenen Mittel für das Land Hessen nür noch ein Betrag von 5 Millionen Mark verfügbar bleibt, der unter Aufrechnung aller Rückflüsse und nach Abzug der zur Verzinsung und Tilgung von Anleihemitteln für den Wohnungsbau in den Städten und Landgemeinden auf rund eine Million Reichsmark für die Gewährung der einfachen Baudarlehen ohne Zusahdarlehen gemindert wird.
Aus den neuen Bestimmungen, die gegenüber den in früheren 2ahren maßgebenden Vorschriften in einzelnen Punkten
wesenklichc 'Zlbänbcrungen erfahren haben, sei deshalb folgendes hervorgehoben:
Die verfügbaren Mittel werden nur für Bau- darlehen verwendet. Die nach den Reichs- grundsähen zulässige Gewährung von 3 i u 8 d u - schüssen hieraus bleibt vorerst ausgesetzt.
Die Mieten der geplanten Kleinwohnungen sollen zwischen 20 und 40 Mark im Monat liegen.
Die Anlage von zentralen Gemeinschaftseinrichtungen (Heizung, Warmwasserbereitung, Bad usw.) ist nur zulässig, wenn die Lasten der Mieter dadurch nicht höher werden. Die Kosten für den Bauplatz, die Aufschließung und die Anliegerleistungen sollen 10 bis 12 v. H. der Gesamtherstellungskosten nicht überschreiten. Bei der Ausschreibung und Vergebung der Bauarbeiten dürfen auswärtige •Unternehmer und Lieferanten nicht ausgeschlossen werden.
Der Bauherr hat nachzuweisen, daß er m i n- destens ein Viertel der Baukosten aus eigenen oder sonst langfristigen, geringverzinslichen Mitteln bestreiten kann und daß außerdem das erforderliche erste Hypothekdarlehen, sowie das sonstige Leihgeld sichergestellt ist.
Die vaudarlehen
werden als wertbeständige Hypothekdarlehen vom hessischen Staat bewilligt und durch die Hessische Landesbank ausgezahlt und verwaltet. Für den Schuldner läuft das Darlehen bis zu in 1. April 19 3 2 zinslos. Von diesem Tage ab wird zunächst der Z i n s s a tz auf 2 v. H. und der Tilgungssatz auf 1 v. H. festgesetzt. Das Darlehen kann bis zu 45 v. H. der Gesamtherstellungskosten einschließlich des Bodenwertes, jedoch nur durchschnittlich bis zu 3000 RM. je Wohnung gewährt werden. In besonderen Fällen kann ein Zusatzdarlehen bis zu 1000 RM. hinzukommen. Zur Sicherung des Baudarlehens und der Rückzahlungspflicht ist an dem Baugrundstück eine Hypothek aus den Namen der Hessischen Landesbank zu bestellen. Diese Hypothek muß in der Regel innerhalb 75 v. H. und bei Einfamilienhäusern für kinderreiche Familien, Schwerkriegs- bescyädigte, Schwertuberkulosekranke, sowie bei den von gemeinnützigen Wohnungsunternehmen errichteten Wohnungsbauten und bei gemeindeeigenen Bauten innerhalb 80 v. H. der Gesamtherstellungs- kosten zu liegen kommen. Der Baudarlehenshypothek dürfen in der Regel Hypotheken nur bis 35 v. H. der Gesamtherstellungskosten vorgehen. Wird diese Grenze überschritten, so ist das Baudarlehen durch die Gemeinde zu gewährleisten.
Einzureichen sind Vaudarlehensanlräge
mit den dafür vorgeschriebenen Fragebogen bei den Oberbürgermeistern bzw. Bürgermeistern der Städte unmittelbar und, soweit es sich um Bauten in den Landgemeinden handelt, bei dem zuständigen Strei samt durch Vermittlung der Bürgermeisterei. Im Gegensatz zu dem seitherigen Verfahren Haden die Oberbürgermeister bzw. Bürgermeister der Städte die bei ihnen eingehenden Anträge nach vorausgegangener Prüfung dem Minister für Arbeit und Wirtschaft zur endgültigen Genehmigung vorzulegen, wie dies für die Kreisämter hinsichtlich der dort eingegangenen Baudarlehensanträge aus den Landgemeinden bisher vorgeschrieben 'war und auch weiter gilt. __
Die Auszahlung der Baudarlehen
erfolgt dem Baufortschritt entsprechend in Teilbeträgen. Die letzte Rate wird erst ausgezahlt, wenn der Neubau innen und außen ordnungsmäßig her- gestellt und die behördlich geprüfte Baukostenabrechnung vorgeleat ist. Falls der Bauherr nicht binnen zwei Jahren seit Auszahlung der ersten Teilzahlung auf das Baudarlehen sämtliche Bauarbeiten einschließlich der Behandlung der Schauseiten ordnungsmäßig durchgeführt hat, verfällt der Rest des'Baudarlehens, und der Minister für Arbeit und Wirtschaft ist berechtigt, das Baudarlehen mit dreimonatiger Kündigungsfrist zu kündigen. In beschränktem Umfange können in dringlichen Fällen Darlehen für I n st a n d s e tz u n g unbrauchbar gewordener A l t w o h n u n g e n bis zum Höchst- betrage von 1500 RM. gegeben werden.
Bei der Knappheit der im Jahre 1931 verfügbaren Mittel können nur d i e d r i n g e n d st e n B a u d a r l e h e n s a n t r ü g e berücksichtigt werden. Für Wohnungsbauten, die im Jahre 1930 oder früher begonnen wurden, werden keine Baudarlehen bewilligt.
ferner die zweckmäßige Pflege, unter deren Maßnahmen als wichtigste die Sauberkeit zu nennen ist, dann die richtige Bekleidung und die Kräftigung der Muskulatur, um Haltungsfehler hintanzuhalten.
Besondere Bedeutung gebührt der Zahnpflege, denn kariöse Zähne erleichtern den Zugang von krankmachenden Erregern und erlauben nicht die zweckmäßige Durcharbeitung der Rahrung. Zur
Gesundheit des Kindes trägt es auch bei, wenn dem Kinde genügend Ruhe gelassen wird. Dazu gehört vor allem ausreichender Schlaf. Auch das Schulkind soll mindestens zwölf Stunden Rachtruhe haben. Alle diese Maßnahmen dienen zur Ertüchtigung des kindlichen Körpers und zur Abwehr gegen Erkrankungen, denn es ist nattirlich ausgeschlossen, daß man von den Kindern um jeden Preis die Bakterien fernhalten kann, die
vor! Man könnte geradezu glauben, sie habe Sie erst informiert."
Ein stechender Blick schoß zu Arsula hin. Wieder zuckte diese zusammen, und diesmal versagte sich Wigand die Antwort nicht.
„Cs versteht sich von selbst", erklärte er sehr bestimmt, „baß mein Arteil auf eigenen Wahrnehmungen beruht. 2m übrigen erweist 2hnen 2hre Frau Gemahlin tatsächlich den allerbesten Dienst, wenn sie die wenig dankbare Rolle des Warners spielt. Falls Sie aber meinem Arteil nicht glauben* wollen — so gehen Sie zu einem andern Arzt. 2ch bin sicher, daß jeder gewissenhafte Kollege 2hnen nichts anderes sagen wird, als ich. — Doch damit hätte ich ja nun wohl meine Mission erfüllt?"
Mit einer Verbeugung verabschiedete sich Wigand erst von Drenck, der noch immer finster abseits stand, und dann von Arsula. 2encr erwiderte nichts, in düstere Gedanken verloren, starrte er zum Fenster hinaus; Arsula aber schlug jetzt ihre Augen zu Wigand auf. Tränenfeucht schimmerte es darin; all der aufgerührte Schmerz, der sich dort in langen 2ahren angehäuft hatte, spiegelte sich darin, und zugleich leuchtete ein stummer Dank heraus. Day er da eben für sie, die todmatt Gehetzte, ein Wort der Verteidigung gegen den gefühllosen Angriff des eigenen Gatten gerichtet hatte, das hatte ihr wohl getan. Mit einer unwillkürlichen Bewegung streckte sie Wigand ihre Rechte entgegen. Wollte er sie nicht aufs Schwerste kränken, so konnte er ihr seine Hand nicht verweigern. Aber im selben Augenblick, in dem die er so oft geliebkost berührte, zuckte seine Hand zurück. Ganz blaß ward fein Gesicht, und zog sich wie in einem heftigen Schmerz zusammen, schnell ging er aus dem Zimmer.
Arsula stand wie erstarrt. Was hatte das zu bedeuten? Warum fuhr Wigand bei ihrer Berührung so zurück. Doch da drehte sich ihr Mann zu ihr hin, er hatte nur gewartet, bis sich die Tür hinter Wigand geschlossen hatte, und mit bitterem Hohn sagte er nun:
..Da hast du ja erreicht, was du wolltest. Einen besseren Helfershelfer hättest du dir nicht wünschen können. — Aber nein!" Sein Ton schlug plötzlich in Trotz um. „And wenn ihr euch allesamt auf den Kops stellt — ich tue euch den Gefallen nicht! 2ch hab es satt! Wer weiß, wie lange mein lumpiges Leben noch dauert, ich will wenigstens noch was davon haben!"
Mit aufgeregten Schritten durchmaß er das Zimmer; in seinen Mienen prägte sich die finstere Entschlossenheit eines Menschen aus, der nichts mehr zu verlieren hat. 2n höchster Angst krampfte sich Arsulas Herz zusammen, sie sah, die Stunde der Entscheidung war da. Flehend drang sie auf ihn ein.
Fred, nicht so! Das heißt ja, mit dem Leben spielen!"
„And wenn! — 2ch habe lange genug euch zu Gefallen gelebt, nun will ich nach meiner Fasson selig werden!"
„And wenn dir wirklich an deinem Leben nichts mehr gelegen wäre — denk' an mich! 2ch habe doch wahrhaftig schon genug um dich getragen — soll es noch schlimmer werden? Stimm doch ein wenig Rücksicht auf mich, Fred — was hab' ich denn noch von meinem jammervolllen Leben?"
„And was hab' ich davon?" Erregt trat'Drenck vor sie hin. ..Hast du danach schon mal gefragt? Was hab' ich von meinem verpfuschten Leben — und warum ist es verpfuscht? Bitte, denke gefälligst auch mal daran und nicht bloß immer an dich! — 2ch hab' es, weih Gott, lange genug, mit mir rumgetragen, aber nun muß es einmal heraus! Du zwingst mich ja dazu!"
„Fred!" Kreidebleich starrte Arsula ihren Mann an. Hörte sie denn recht? 2eht warf er ihr, die ihm ihr ganzes Leben geopfert hatte, noch Egoismus vor — jetzt schleuderte er ihr für all das, das brutale Wort ins Gesicht: ..Du bist schuld darän, daß ich ein siecher, dem Tod verfallener Mann bin!" Rein, nein — das konnte nicht, das durfte ja nicht sein! And beschwörend streckte sie die Hände nach ihm aus: ..Fred!"
..Run ia — es ist doch so!" Mit sühlloser Offenheit stieß er es trotzig heraus; ihr entsetztes Gesicht reizte ihn, noch mehr zu sagen. „Warum die Wahrheit bemänteln? Am dich ist doch die ganze unselige Geschichte gekommen. Wenn du damals nicht —“
Ein Aufschrei Arsulas ließ ihn abbrechen. Er sah, wie sie sich mit der Hand zum Herzen fuhr und zurücktaumelte. Helfend tat er einen Schritt auf sie zu, aber in furchtbarer Erregung stieß sie seine Hand zurück.
„So sprich es doch aus: Wenn ich. damals nicht alles angestiftet, dich nicht an mich gelockt hätte, so wäre es nicht zum Konflikt mit Wigand, nicht zum Duell gekommen — so wärest du heute noch ein kerngesunder Mann!"
Einen Moment zauderte Drenck, dann sagte er mit finster zusammengezogenen Brauen -1 zum Teufel! — Warum sollte er nicht einmal seinem innersten Herzen Luft machen? Es war ja doch die reine Wahrheit:
„2a, — so ist es allerdings! Wenn auch freilich nicht ganz so kraß, wie du es eben machst, aber —"
„Das tut ja nichts! Auf Kleinigkeiten kommt's hier nicht an!“ Mit furchtbarer Bitterkeit entrang es sich Arsula; fast tonlos war ihre Stimme geworden. „Die Hauptsache ist und bleibt: ich bin schuld — ich allein! And nichts hab' ich
es krank machen. Das Kind muß in den Stand gesetzt werden, sich richtig zu wehren.
Don speziellen wichtigen Erkrankungen seien genannt die englische Krankheit, die Erkältungskrankheiten, die Tuberkulose. Die englische Krankheit wird vor allem dadurch verhütet, daß man auf das Kind die Altraviolettstrahlen der Sonne einwirken läßt. Leider haben wir in Deutschland im Winter wenig Altraviolett, so daß wir nicht in der Lage sind, die verhütenden Sonnenbäder dem Kinhe zu verabfolgen. An deren Stelle kommt dann die künstliche Höhensonne in Frage, aber auch eine Reihe von Medikamenten, welche einen chemischen Stoff enthalten, der sowohl der englischen Krankheit vorbeugt, als sie auch sehr schnell heilt. Diese Substanz ist vor allem im Lebertran enthalten, der schon vom dritten bis vierten Monat an teelöffelweise gegeben werden kann, dann aber auch in anderen, von der Apotheke zu beziehenden Präparaten, wie dem Vigantol.
Auch vor Tuberkulose lassen sich die Kinder bis zu einem gewissen Grade schützen, wenn sie im Säuglingsalter nur abgekochte Milch zu trinken bekommen und wenn sie nicht in Berührung mit Tuberkelbazillen aushustenden Menschen gelangen. Wer mit dem Kinde spielt, es küßt usw., muß sich der Verantwortung bewußt Jein, die mit jeder Berührung mit dem Kinde 'Detfrunben ist. Die Eltern haben die Aufgabe, ihr Kind nicht mit Verwandten oder Hausgenossen zusammenzubringen, die Verdacht auf Tuberkulose erwecken.
Was .für die Tuberkulose gilt, gilt auch für die anderen Infektionskrankheiten. .So wird die Lungenentzündung beim Kinde gewöhnlich dadurch hervorgerufen, daß ein katarrhalisch erkrankter Erwachsener das Kind ansteckt. 2nwie- toeit den Schuhimpsungsmahnahmen gegen Scharlach und Diphtherie ein grundlegender Erfolg beschieden sein wird, ist heute noch nicht abzusehen. Der Pockenimpfung ist es ja bekanntlich gelungen, die Blattern beim Kinde zu verhüten.
Ansere Schutzmaßnahmen dürfen sich aber nicht nur darin erschöpfen, Krankheiten überhaupt zu verhüten, was nattirlich ein nicht erreichbares 2deal darstellt, sondern sofort bei Beginn einer Erkrankung Maßnahmen zu treffen, um schwere Grade der Erkrankungen und Komplikationen auszuschalten. Am das zu bewirken, muh die Beobachtung der Mutter und Pflegenden geschärft werden, damit sie sofort erkennen, daß sich ein Kind nicht wohl fühlt, und daß sie dann die Ausgabe haben, das Kind möglichst zu isolieren, die Temperatur zu messen und den Arzt zu rufen. Bei einem derartigen Vorgehen wird eine viel größere Anzahl von Kinderkrankheiten leichter und ohne Komplikationen verlaufen, als bisher.
Oer Verkehrsunfall bei Lich.
Heber den tragischen Anglücksfall am Öfter* Montagabend auf der Landstraße Lich—Rieder- Bessingen erfahren wir in Ergänzung unseres gestrigen Berichts noch folgendes: Die alsbald nach dem Anglücksfall eingeleiteten Feststellungen der Landeskriminalpolizeistelle Gießen haben ergeben, daß bei dem folgenschweren Zusammenstoß zwischen dem Viehauto und dem Motorrad tödlich verunglückte 22 2ahre alte Maurer Karl Stengler aus Lich noch am Abend, nachdem er vorher mehrere Wirtschaften in Lich besucht hatte, mit seinem Motorrad nach Rieder-Bessingen fahren wollte. Auf dieser Fahrt traf er in Lich den Arbeiter Heinrich Ludwig von dort, den er zum Mitfahren einlud. Rach den Bekundungen eines zwischen Lich und Rieder-Bessingen hinter dem Motorrad fahrenden Autoführers aus Lich fuhr Stengler mit seiner unbeleuchteten Maschine im Zickzack die Landstraße entlang, so daß dieser Autofahrer sich wiederholt zu Warnungssignalen veranlaßt sah, die Stengler dann auch bewogen, nach der Seite auszuweichen und diesem Auto den Weg freizugeben. 2n der Kurve unmittelbar vor Rieder-Bessingen kam den Motorradlern
getan, diese Schuld wieder gutzumachen — nichts, nichts! O du barmherziger Gott!"
2m Aebermaß ihres Schmerzes versagte ihr die Stimme, ihr ganzer Körper- flog in einem unterdrückten Schluchzen, und, die Hände vors Gesicht schlagend, stürzte sie ins Rebenzimmer.
Einen Augenblick blieb Drenck mit gefurchter Stirn auf seinem Platze stehen. Dann entschloß er sich, ihr nachzugehen. Aber als er auf die Klinge der Tür drückte, die sie hinter sich zugeworfen hatte, merkte er, sie hatte sich ein* geschloffen.
Run, auch gut! So war ihr eben nicht zu helfen. Sich immer mehr in seinen brutalen Trotz hi nein steigernd, zog Drenck gelassen seinen Aeber- zieher an, nahm Hut und Stock und verließ das Zimmer. Wenn er wiederkam, würde sich ihre Aufregung wohl wieder gelegt haben.
15. Kapitel.
Zum erstenmal, seitdem Wigand das Sana* torium „Au Chatelard" leitete, war es heute vorgekommen, daß er die Aachmittagssprechstunds und Behandlung nicht persönlich wahrnahm, sondern seinen Assistenten damit betraute. Er fei doch reichlich abgespannt, hatte er dem jungen Kollegen gesagt, und müsse sich mal wieder die Lungen frisch aufpumpen. Er wolle daher heute nachmittag ein paar Stunden in den Bergen Herumlaufen.
Das hatte Wigand denn auch getan, und langsamen Schrittes kam er jetzt in der Dämmerung zurück. Bald würde er wieder daheim sein, aber den wirklichen Zweck seines Herumstreifens hatte er nicht erreicht. Richt die körperliche Abspannung war es ja gewesen, die ihn aus dem Hause getrieben hatte, nein — seine Ruhe wollte er wiedergewinnen, die er verloren hatte heute morgen bei jener Begegnung mit Drencks — Ruhe und Gewißheit! Wenn das beides freilich sich vereinen ließ!
2n jenem Augenblick des Abschieds, wo Arsulas Hand ihn berührt hatte — wieder berührt zum ersten Male seit langen 2ahren, seit jenen Tagen des Anheils und der Trennung! Die plötzliche Erkenntnis, daß all der Haß, die Verachtung, die er gegen Arsula zu empfinden glaubte, nur Selbsttäuschung gewesen war, daß er im tiefsten Grunde seiner Seele Arsula noch immer liebte — trotz allem, ja nun, wo sie ihm verloren war, nur noch leidenschaftlicher, noch inniger. Trat sie ihm doch jetzt in einer ganz neuen Eigenschaft entgegen: als die leidende Frau, die mit rührender Geduld die Launen eines kranken Mannes ertrug, der den Schah nicht zu würdigen wußte, den er an ihr besaß, der den Reiz ihrer leidverklärten Anmut längst nicht mehr empfand.
^Fortsetzung folgt.)


