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Isgarten
Nr. 81 Zweites Blatt
Große, nächtliche Kulisse...
Berliner Kilm-Neportagc.
Berlin. Anfang April.
AlS wir beim Einbruch der Rächt von der Kaiser-Wühelm-Gedächtniskirche loSfahren. toeiß eigentlich keiner. waS geschehen soll: man hat nur eine unklare Dorstellung: Dacht — Bahnstrecke — Filmisches, aber das nur ganz von ungefähr. Der Wagen saust geräuschlos über die geschwärzten Asphaltstraßen, und Berlin ist sehr groß, die Häuser gehen schon zur Duh. man erkennt durch die beschlagenen Scheiben den nächtlichen ..Groben Stern", Moabit, ein Stück Reinickendorf: dann hören die Häuser wieder einmal -auf und beginnen wieder. eS folgt «in Ende typische Dorstadt mit kleinen Gärten und Gartenlokalen, dann ist alleS auS. die Stadt liegt irgendwo dahinten, die Lichter sind verschwunden, die Scheinwerfer fliegen über einen «pflasterten Landweg: links und rechts Weite, Finsternis und Schweigsamkeit.
DaS kleine Ziegelgebäude, an dem wir aussteigen, "erweist sich alS der Bahnhof Rosenthal bei Berlin. Der Himmel weih, wie die düstere Einöde zu diesem poetischen Damen gekommen ist, einstweilen riecht es nach Rieselfeldern und Landwirtschaft. Das Bahnhofsgebäude ist verschlossen, der Bahnsteig leer, wir stolpern über verlassene Geleise, den Bahndamm entlang, an dessen Seite man Sumpsgelände wittert. Dor unS. dahinten, zerreiben Plötzlich, weihe, grelle Scheine die Dacht, eine dampfende Lokomotive erscheint, ein fauchende- Ungetüm, ein Riese sür V-Züge. Also Film. „V-Zug 13 hat Ver
spätung".
Man kann hier sehen, warum er sie haben wird: Derbrecher haben da die Schienen gesprengt, man ahnt die Attentäter bei der Arbeit: dort haben sie die Patrone unter den Samin gelegt und entzündet, darum sind die Schienen zerrissen und verbeult, die Dohle ist zerfetzt und herauSgehoben worden, es sieht entsetzlich natürlich aus, Dahnbeamte und Zug- beglciter laufen eben mit Laternen hinzu und sind ehrlich bestürzt ... aber man lasse sich nicht täuschen, es ist alle- nur 5tim, damit V-Zug 13 seine Verspätung habe.
Denn am Rande des Schienenstrangs sind die bekannten Gerätschaften des Tonfilms ausgestellt:
die hölzernen Podeste mit den Scheinwerfern, Kabelbünde. Widerstände und Schalttafeln, das Auto mit den akustischen Aufnahmeapparaten, die Abhörzelle für den Tonmeister, die Mikrophone an niedrigen Gestellen oder den bekannten „Galgen", die sich schräg über die Szene strecken. Endlich ist abseits ein kleines Zeltlager entstanden. und auf freiem Feld steht, von Schupoleuten bewacht, die Jugend von Rosenthal und weicht nicht: sie wollen sehen, wie nächtens ge
filmt wird.
ES ist gegen Mitternacht, und vom Himmel funkeln die eisigen Sterne, es beginnt zu frieren, di« Scheinwerfer schlafen: schwarz und endlos, von einigen Glühbirnen erhellt, dehnt sich am Bahndamm die unbekannte Dacht, die Lokomotive, das fauchende Ungeheuer. ist mit ihrem D-3ug in die Ferne gerückt. Hier ist, erklärt der Regisseur ZeiSler in dieser Aufnahmepause, eigentlich ein Abstellgleis, mit alten verrosteten Schienen, die blank geputzt wurden, um einer vielbefahrenen Strecke zu gleichen: der Bahndamm, der nur mit Sand gepolstert ist, wurde beschottert, um desto natürlicher zu wirken ... eine Pfeife schrillt, der faszinierende Ruf: ..Ruhe! Aufnahme!" ertönt, plötzlich flammen die Scheinwerfer auf und strahlen das Ge
lände weithin ab.
Stein Schauspiel kann sich eine großartigere Kulisse wünschen als diese, die die Dacht und die Landschast hcrgeben. Sumpf hinter der Bahnstrecke mit Schilfstreifen, trüben Wasserlachen und alten Wei den stumpfen, alles von dem grellen Licht unbarmherzig aus der Finsternis geschätt, Ueberbleibsel von verfallenen Zäunen und Buden ... dalvor saust der V-Zug heran, seine Laternen glühen aus der fernen Finsternis, er prustet und faucht, der Führer bemerkt das
Wen liebt, wie lebt, was macht der Star? Antworten, aus dem Brieftasten geschüttelt.
Don Frank Maraun.
Was den alten Griechen ihr Olymp, ist der heutigen Menschheit ihr Kino. Hier ihre Sehnsucht, hier ihr Traum. Entrückt ins Angreifbare, fditoeben hoch über Drang und Dunst des schoflen, feftgebundenen Masfenlebens die neuen Götter, die Stars. Sie machen zwar den Sterblichen kein Schicksal, aber sie machen ihnen welches vor, und das ist für eine Menschheit, die jetzt gc- wissermatzen in dem Kampf ums Dasein das Stadium ereignidlofen Stellungskrieges durchleidet, schon genug. Eingeka stell im Unterstand deS Berufs, rings umher vom Trommelfeuer der Sorgen um die nackte Existenz bedroht, mit Sonne oder Sturm im Herzen, je nachdem, denkt der einzelne bärbeißig und wehmütig an die Erde da oben mit ihren Himmeln und ihrer Weite voller Möglichkeiten, wo er feinen Trieb- regungen schon einen kräftigen Ablauf verschaffen wollte und sie nicht egalweg zu verdrängen brauchte wie hier, und er genießt das im voraus in dem großen Wachtraum heutiger Menschheit. im Film. Da ist grenzenloser Spielraum der Seele gegeben, da ist Bewegung, da geschieht etwas, da ist Leidenschaft und Abenteuer. Schicksal imb Tat. Da öffnet sich dem Blick die Mythe der Zeit, kleine Mythe. Jndividual-Mythe. nid)t mehr Traum eines Volkes, sondern Traum von kleinem Mann und kleiner Frau. Aber ihre Götter sind ebenso der ewigen Jugend teilhaftig, wie es die alten waren, wenn sie auch nicht unsterblich sind. Der Anfang ihres Lebens liegt im Zeitlosen, das Jahr ihres ersten Schrittes in die Welt bleibt dem Sterblichen verschwiegen, sie altern nie, sie haben nur einen Tag der Geburt und Lieblingsblumen.
.Ramon Dovarro ist am 6. Februar geboren. Gibt Autogramme. Orchideen. Henry Stuart hat am 1. Februar Geburtstag. Greta Garbo am
Mittwoch, 8. April 1951
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)
Aus der Welt des Films.
Attentat, schon fährt das Ungetüm langsamer, speit weiße Dämpfe, die Bremsen quietschen und knirschen, er hält. Reben ihm aber die Kamera und di« Mikrophon«, sie haben alleS aufgenommen, aber das genügt noch lange nicht. Immer wieder taucht der Zug in der Dunkelheit unter, immer wieder schnaubt er heran: die altbekannte Technik des Tonfilms, immer von neuem, immer von neuem, jede Einzelheit ist wichtig. Wie in den Ateliers mit den Darstellern wird hier mit der Lokomotive geübt, dem fauchenden, dampfspeienden Ungeheuer. Wie ein Schauspieler wird sie immer wieder zurückgeschickt und aus der Dacht gepfiffen, das treiben die Filmleute auf diesem abgelegenen Stück Reichsbahn jetzt schon drei oder vier Dächte.
Und so auch in dieser. Die neugierige Jugend von Rosenthal ist längst entwichen, denn die Dacht ist kalt und der Boden feucht, die Schupos sind gegangen, mit geschulterten Karabinern rückt der Dahnschutz an. (Ich weiß nicht einmal, ob er echt war ober zum Film gehörte.) Die Sterne
werden matter, der Himmel ergraut, ein kalter Wind geht über den Sumpf, der langsam erkennbar wird. Schluß, einpacken! Für heute ist Ruhe. Aber morgen, vielleicht auch noch übermorgen werden die Scheinwerfer wieder durch die kalte Dacht kreisen, und aus dem Zeltlager werden sich fünfzig Leute au^machen. wieder wird «in geisterhaftes Treiben bis zum Morgengrauen an- peben.
Was werden wir hernach davon sehen? Vielleicht «inhundertfünszig Meter Film, die in fünf Minuten voricihuschen. Und darum dieser Aufwand an Zeit, Geld, durchwachten und durchfrorenen Dächten? Dur deshalb. Denn das M.kro» Phon und das Objektiv sind gefährliche Instrumente, die niemals die Phantasie aufbringen, mit der der Zuschauer im Theater den Dingen auf der Bühne entgeaenkommt. Dem Auge der Kamera und dem Ohr des Mikrophons muß man Wirklichkeit bieten, sonst werden sie sich rächen und alle Unterlassungssünden erbarmungslos auf der Leinwand markieren.
Technische Grenzen des Tonfilms.
Das Märchen vom Mikrophon. — ^Störspiegel^, Lautstärke und Filmstimme.
Von Dr. Erich Leistner.
Ter Verfasser dieses Aufsatzes hat als Lonfilmtechniker eine weit über die Grenzen Deutschlands re.chende Berühmtheit erlangt. Seine Ausführungen, die aufzeigen, auf welche technischen Ursachen die oft kritisierten Mängel deS Tonfilms zurückzuführen find, dürsten daher besonderes In» tevesse beanspruchen.
Das Thema klingt recht langweilig, weil sichs hier um sehr spezielle technische Dinge handelt *unb erschreckende Ausdrücke, wie „Frequenz", „Amplitude", „Störspiegel" und „nicht-lineare Verzerrung" im Hintergrund lauern, bereit, sich in bte Affäre zu stürzen. Aber es gibt im Publikum umlaufende Irrtümer, die berichtigt, Unklarheiten, die bereinigt werden müssen.
Da ist zum Beispiel das Märchen vom Mikrophon. Im Tonfilm-Atelier hängt es starr und stumm in der Szene, erregt anfänglich im Schauspieler leichtes Unbehagen, Mikrophonfieber genannt, und wird von den ©d)lad)tcnbummlern des Ateliers ehrfürchtig bestaunt, wenn sie vor Beginn der Aufnahme durch den Rus „Aeußerste Ruhe!" so erschreckt werden, daß sie kaum zu atmen wagen. Daraus ist der Aberglaube von der „ungeheuren Empfindlichkeit" des Mikrophons entsprossen, gegenüber welcher das Trommelfell des Ohrs die reine Stiefelsohle fei. Der Ton- tcchniker lächelt wehmütig, wenn er so Aehnliches immer wieder lieft und hört, weil diese Meinung feinen geheimen Wünschen vorauseilt. Denn in Wirklichkeit ists gerade umgekehrt: Das Ohr ist um ein Vielfaches empfindlicher als das beste Mikrophon bei höchstzulässiger Verstärkung.
„Bei höchstzulässiger Verstärkung" muß man hinzufügen, sonst hat ein Vergleich der Empfindlichkeit von Ohr und Mikrophon gar keinen Sinn. Denn das Ohr verwandelt den Schalleindruck in einen physiologischen Effekt, einen Rei^ des Hörzentrums im Gehirn, das Mikrophon dagegen in einen elektrischen, nämlich einen Wechselstrom. Von diesen beiden unvergleichbaren Größen muß man die eine erst in die Gattung der anderen umwandeln, und das kann in diesem Falle doch nur mit dem vom Mjkrophon gelieferten, winzigen Wechselstrom geschehen. Er muß zu diesem Zweck durch einen Röhrenverstärker — vom selben Prinzip wie die Rundfunkgeräte — verstärkt und im Kopfhörer ober Lautsprecher wieder in Schall umgewandelt werden. Und diese Verstärkung kann eben nicht beliebig Hochgetrieben werden, weil jeder Verstärker ein Cigengeräusch produziert, das bekannte Derstärkerrauschen, welches mit dem Derstärkungsgrad wächst und nur so laut werden darf, daß es den eigentlichen Klangeindruck nicht stört.
Womit wir zwangsläufig beim „Störspiegel" angelangt wären. Aber dieses Wort verliert sofort sein fremdes Gesicht, wenn Sie — merkwürdig! — das Fremdwort „Riveau" an Stelle von „Spiegel" sehen. Die Diveauhöhe der Störgeräuschflut, welch« auS den Lautfprechern des Tonfilmtheaters quillt, bildet die untere Grenze des tonfilmisch Möglichem Was bei der Aufnahme leiser war als diese Störlautstärke, versinkt wirkungslos im Störspiegel.
Es ist nicht möglich, die Höh« des Storspiegels bis auf Dull anzusenken, denn von den Zuflüssen, die das Meer der Störgeräusche speisen, ist nur einer so gut wie völlig zu verstopfen: die Fremd- gcräusche vor dem Mikrophon im Aufnahmeatelier. Dor Außenlärm durch schallisolierende Bauart gesichert, bei Beherrschung der großen Räumen eigenen Dachhallverhältnisse, welche die Praxis zu bestimmen gelehrt hat, verbleibt als einzige ötörquelle nur noch die Bildkamera in gefährlicher Dähe des Mikrophons. Ihr Rasseln läßt sich zwar durch schalldämpfende Umhüllungen vermindern, aber alle konstruktiven Abarten solcher Hüllen haben dle ärgerliche Eigenschaft, im selben Maße, wie fhe als Kamerageräusch dampfen, auch die Beweglichkeit und Freizügigkeit der Kamera zu behindern. Die f"htoenfenbe und fahrende Bjldkamera hat aber die reichen Ausdrucksmittel belebter Dilderfpra^e des stummen Films geschaffen und darf hierin auch im Tonfilm nicht ohne Dach'eil zurückgedrängt werden, dies geschieht zum Teil schon durch die Dotwendigkeit der Anbringung von Mikrophonen außerhalb des Dildausschnittes. Also muß man, solange es noch keine geräuschlos laufende Bildkamera gibt, mit einem Kompromiß zufrieden sein und einiges Kamerageräusch zulassen.
Einen weiteren Anteil am unumgänglichen Störgeräusch liefert, außer dem Eigenrauschen des Aufnahme- und Wiedergabeverstärkers, das Konservierungsmittel des Tones, also beim Lichttonverfahren der Tonstreifen des Films, beim Dabeitonverfahren die Grammophonplatte. Man hört eben bei beiden bas Material, in bas der körperlose Urklang gebannt ist. ganz ähnlich wie man auf der Leinwand das Silberkorn der lichtempfindlichen Filmschicht flimmern sieht.
So wird selbst bei weiterer Vervollkommnung des Verfahrens ein Störspiegel von gewisser Höhe unvermeidbar bleiben, der die Ausdrucksmöglichkeit des Tonfilms nach der Seite der leisen Klänge «infchränkt. Tonfilmautoren sollten es demnach möglichst vermeiden, gerade auf diesem Diveau dramatische Deschleunigungs- ober Spannungsmomente zu starten. Schleichende Schritte eines Unsichtbaren in einem totenstillen Raum, oder das Brummen eines am Horizont auftauchenden
17. April, Jenny Jugo am 14. Juni, Cilly Feinbt am 8. April, Felicitas Malten am 2. Dezember, Lya Mara am 1. August, Elizza la Porta am 1. März, Fred Döderlein am 24. April." So bekommt es die Ramon-Dovarro-Schwärmerin G. M., offenbar eine manisch-ekstatische Geburtstagsgratulantin, auf ihre Anfrage zu wissen.
Der Mensch will mit seinen Göttern in Beziehung treten, heute wie vor Jahrtausenden. Aber es genügt auch schon die Aufspürung irgendeiner Lebensübung, die man mit ihm gemeinsam hat, einen Sport/Schwimmen, Golfspiel oder Fußball, eine besondere Vorliebe für Seelöwen, Musik ober Kopfsalat, die Marke feines Autos, oder seine Kragennummer, es genügt auch schon, etwas aus seinem Privatleben zu toifkn, ob er auch im Leben so ein netter Mensch lei, ob er bei seinen Eltern wohne und warum nicht, mit wem er verheiratet sei und ob überhaupt und so. Es gehört au den Wünschen der Menschheit, an allem teilzuhaben und ganz besonders dort, wo sie ausgeschlossen ist, dabei zu sein, dazu zu gehören, wo etwas los ist.
Besonders stark gefragt ist das Liebes leben der Stars. Mit wem verheiratet, geschieden, verlobt und dergleichen? Auf „dergleichen" lautet die Antwort: „Darauf können wir Ihnen mit dem besten Willen keine Antwort geben", oder strenger: „Derarttge Anfragen beantworten wir prinzipiell nicht." Aber auch schon das Der- lobungsleben unserer Stars ist eine aufregende Sache. Es erfreut durch regen Wechsel. Einmal: „Gustav Fröhlich ist mit Elizza la Porta verlobt", dann wieder: „Gustav Fröhlich ist nicht mehr mit Elizza la Porta verlobt. Die näheren Gründe dafür hat uns Gustav Fröhlich nicht verraten." Wie? Dicht verraten?: Geheimniskrämerei geradezu! Einmal: „Greta Garbo ist mit John Gilbert verheiratet", bann: .Wir nehmen an, daß das Gerücht von der Ehe Garbo-Gilbert auf Wahrheit beruht", und bann: „Greta Garbo ist wirklich nicht mit John Gilbert verheiratet, das waren nur Gerüchte", und zehn Millionen Männer atmen erleichtert auf. Einmal: „Willy Fritsch war bis jetzt nodj nicht verheiratet, wird es aber bald sein", dann: „Die Verlobung von
Fritsch ist ein Gerücht, das sich nicht zu bewahrheiten scheint", und atemberaubende Spannung zerreißt die Mädchenherzen aller Länder. Angesichts solcher Verwirrung kann man nur dem monumentalen Axiom zustimmen: „Die Verlobung ist nur ein Gerücht." Mit gleicher Ewigkeitsgel tung steht fest: „ Jawohl, die Film- darsteller wechseln sehr häufig ihre Wohnungen. Auch Widmungen geben sie nach Wunsch." Und: „Alle Filmstars geben Autogramme." — „Greta Garbo lieft alle ihre Briefe selbst." Die Arme —!
Ist in das Liebesleben keine Klarheit zu bringen, so wird bei Frauen die Anrede ein Problem. In solchem Falle wird entschieden: ..Man wähle zweckmäßig die Anrede .Frau'." Ober: „Greta Garbo redet man am besten mit .gnädige Frau' an.“ Da kann einem nichts bei passieren. Ebenso Christa Tordy, denn: „Christa Tordy begnügt sich weiter damit, die glüMiche Gattin Liedtkes zu fein“, und: ..Daß Harry Liedtke sich von Christa Tordy scheiden lassen soll, beruht ganz und gar nicht auf Wahrheit."
Leichter ?n beantworten sind Fragen, die sich auf eine Charakterisierung des Stars beziehen und die bann wunderliche Steckbriefe im Gefolge haben, wie z. B. über Gunnar To Ina es: „Unverheiratet. Maiglöckchen. In Oslo geboren." Ober: „Trevor ist ein großer Sportslreunb, gibt Autogramme, hat zwei Kinder und ist auch im Geben sehr sympathisch." Auch Iwan Petrovich ist im Leben sympathisch und außerdem „Sport treibt er auch, er reitet, rudert, schwimmt, segelt, boxt, spielt Golf und Tennis, kurz, alles, was Sie von ihm verlangen." Da wundert man sich nur, daß er auch noch Zeit zum Filmen findet. Mady Christians macht ihm Konkurrenz: „Jawohl, auch Tanzen, Schach spielen und Photographieren kann Mady Christians, alles, was Eie wünschen. Und ein sympathisches, liebes Wesen hat sie auch."
Dun wir wissen, daß Mady Christtans photographieren kann, können wir uns darüber trösten, daß wir nicht wissen, „in wessen Begleitung sich Lilian Harvey damals befand, als sie aus dem betreffenden Ufa-Theater ging. Möglich, daß es ein Bekannter von ihr war." Auch ist cs
Flugzeuge- müssen entweder im Störspiegel versacken oder unwahr betont werden. Auch in der Instrumentation und Dynamik von Tonfilmmusik ist hieraus Rücklicht zu nehmen: und vor allem der sprechende Darsteller kann nur in Ausnahme- fällen pianissimo gebrauchen, — e- soll aber hierbei nicht an Flüsterfprache gedacht werden, denn flüstern kann man sehr laut.
Der Tonfilm ist überhaupt in betreff der Lautstärken ein Feind der Extreme Denn auch nach der anderen Seite ist vorläufig — die Grenze weit «her erreicht, als meist angenommen wirb. Diernand bezweifelt, daß man leibst mit dem größten Lautsprecher einen .Kanonenschuß eben nur unvollkommen toiebergeben kann, aber baß z. B ein in da- Gespräch zweier Reisenden bin- einschlagendes Zuwerfen der Abteiltür bereit- die obere Lautstäriengrenze der Tonfilmausnahme überschreitet, dürste kaum hinreichend bekannt fein.
Es klafft hier ein von ben Männern der Ton- filmtcchnik zur Zeit noch schmerzlich empfundeneS Mißverhältnis zwischen dem Lautstärkenbereich, den unser Ohr beherrscht, und dem, welchen wir durch Auf zeichnen auf Filmstreifen ober Platte zu konservieren und reproduzieren imstande sind, während unser Ohr im normalen TageSverlauf Schallcindrücke im Lautstärken- (fachmännisch: Amplituden») Verhältnis eins zu tausend spielend zu verarbeiten gewohnt ist und als Spitzenleistungen ein Vielfaches nach beiden Seiten dieses Verhältnisses hin bewältigt, ist die Tonaufnahme auf ein Lautstärken Verhältnis von ungefähr «ins zu zehn beschränkt. Die Gründe dieser Einengung, auf deren Besprechung hier verzichtet toerben muß, liegen teils beim elektrischen Verstärker, mehr aber noch in Maßen und Eigenheiten ber Tonaufzeichnungsträger, also Film ober Platte, deren Abänderung teils physikalisch-technisch, teils wirtschastlich auf größte Schwierigkeiten floßt.
Dieses aufzeichenbare Lautstärkenverhältnis cins zu zehn will nun nicht etwa besagen, daß die aus- zunehmende Szene keine größeren Lautstärke- unterschiede aufweisen dürfe. In diesem Falle würde ein Tonfilm unserem an reichere dynamische Gliederung gewöhnten Ohr sehr monoton erscheinen. Di« auseinanderf olgendenZcit- abschnitte der gedrehten Szene können lautstärkenmäßig viel bewegter fein, — nur muß der mithörende Tonmeister fo steuern, b. h. gewissermaßen die Tonventile mehr ober weniger offnen, baß nicht mehr als bie maximal erlaubte Lautstärke zur Aufnahme gelangt. ein Mehr ergibt häßliche, sogenannte „nichtlineare" Verzerrungen. Aus diese Weise wird wenigstens die sich mit der Lautstärke auch ändernde .Klangfarbe gerettet, und die fehlend« Lautstärkendisfereilzierung kann bei ber Wiebergabe durch Steuerung wieder zugefügt werden.
Unmöglich ist diese Aushilfe bagegen beim gleichzeitigen Auftreten zweier ober mehrerer verschiedener Lautstärken, deren Maßver- hältnis das von der Ausnahmernethode beherrschte übersteigt. Ein leises Zwiegespräch bei knallig- lauter Tanzmusik, das rußige Einreden eines Besonnenen auf einen "üllcnben Ekstatiker, ein Trompetensolo mit Streicherbegleitung, — nicht zu machen! Leider!
Allerdings, mit einigen Kunstgriffen kann man es Vortäuschen, lautstärkenmäßig abgeslacht, flang- farbig richtig. Aber das Wahre ist es eben doch nicht. Es ist auch hier besser, die Beschränkung zu erkennen und innerhalb dieser Grenzen Meister zu sein. So wird in dieser neuen Kunstart, die der Tonfilm ist, ober sein wirb. Moberato in der Dynamik, die kluge Verwendung der Halbtöne von feilen der Musiker, Autoren und Darsteller notwendiger Richtungspunkt fein müssen.
Die besprochenen Begrenzungen der tonfUmi- schen Möglichkeiten waren rein quantitativ, lautstärkenmäßig. Die Tonstärke ist aber nur die eine Eigenschaft eines Klanges, die andere ist qualitativer Datur, nämlich die Tonhöhe. Aber hier ist die Tonaufzeichnung dem Ohr nicht unterlegen, sondern fast ebenbürtig und teilweise sogar überlegen. Mängel, die uns in diesem Gebiet beute noch unbefriedigt lassen, werden morgen behoben Tein, weil sie nicht prinzipieller, sondern nur konstruktiver Art sind. Damit fällt auch die viel-
uns von Willy Fritsch nicht mehr wichtig, „ob er seine Sommerrcise nach Binz machen wird".
Reben einer einzigen wertvollen Anfrage, deren Antwort lautet: „Warum die Briefe in den firnen nicht von den Künstlern selbst geschrieben toerben, können wir Ihnen leiber auch nicht sagen. Aber Eie haben mit Ihrer Ansicht durchaus recht: manchmal sind die Handschriften so unindividuell, daß sie unmöglich zu ber ganzen Persönlichkeit des betreffenben Stars in der Rolle passen", finden sich Beispiele einer Reugier, deren Originalität vergebens nach einer Deutung sucht: „Ob Wilhelm Dicterle gerade Katzen liebt, wissen wir nicht. Da er aber Tierfreund ist, nehmen wir es an." — „Wenn Sie erst im Jahre 1937 zum Film gehen wollen, dann haben Sie ja noch reichlich Zeit, sich die Sache genau zu überlegen." Hoffentlich befinden Sie sich zu dieser Zeit noch am Leben! - „Harry Piel hat nie die Pocken gehabt. Wie kommen Sie nur daraus?" „Elisabeth Bergner ist nicht mit Brigitte Helm verwandt." — „Bei der Wichtigkeit Ihrer Frage haben wir natürlich fofert sämtliche Filmsterne untersucht und festgestellt, daß ihre Zähne genau so echt oder so künstlich sind, wie das bei anderen Menschen der Fall ist." _.2'c Ministern« .reden sich untereinander' genau so an. wie dies andere Menschen tun.“ Richt zu glauben! Und sic sagen nicht „Göttlicher Willy!" od.r „O Königin!" —?
Wie kommen Sie nur darauf? Wie kowmen Sie nur darauf?
Wilsen wir iwch: „Willy Fritschs Schnurrbart in ber Ungarischen Rhapsodie ist nicht echt", „nehmen aber an. baß er (Wilhelm Dieter!«) 1,85 Meter groß ist“, so können wir verstehen: „Alle Filmstars haben Telephonnummern. Sie stehen deshalb nicht im Telephonbuch, weil es meist Geheimnummern sind. Stellen Sie sich vor, wie oft würben sonst Henny Porten ober Harry Liebtke angerufen werden!"
Und tocim die Stars solche Fragen Horen müßten, wie sie hier aus den Antworten gelesen werden mußten, würbe ihnen am Enbe gar vor ihrer Gottähnlichkeit bange. Auch mit dem Olym- vos verband ja die Sterblichen kein Telephon...


