Ausgabe 
8.1.1931
 
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Sklaverei in Liberia.

Eine Böikerbundsunteriuchung.

Die Bereinigten Staaten protestieren.

Genf. 7. Ian. (TU.) Der Bericht der vom Völkerbundsrat der Regierung der Ber­einigten Staaten und der Regierung von Liberia ernannten Dreierkommission zur Un­tersuchung der Sklaverei in Liberia liegt dem Dölkerbundssekretariat vor. Er wird am 9. Januar den Regierungen übersandt werden und umfaßt über 100 Seiten. Die Kommission hat festgestellt, daß in Liberia völligunhalt- bare Zu stände in der Sklaverei herrschen. Aus den Schlußfolgerungen des Berichtes, der noch streng geheim gehalten wird, geht hervor, daß die klassische Sklaverei in Form von Sklaven- markten nicht mehr besteht, jedoch die Haus- sklaverei in voller Blüte ist. Die Re­gierung tritt zwar der Sklaverei entgegen, indem sie Sklaven, die die Gerichte anrufen, befreit, wenn sie schlechte Behandlung durch ihren Brot- Herrn Nachweisen können. Das System der P f ä n - düng der Eingeborenen gehört zur wirtschaft­lichen und sozialen Struktur des Landes. Zurück­gewanderte Liberier, die inzwischen die amerika­nische Staatsangehörigkeit erworben haben, pfän­den den Eingeborenen Frauen. Für den Bau von Straßen, Häusern usw. werden Eingeborene zwangsweise Rekrutiert, und zwar oft unter Drohungeir. Diese zwangsweise ausgeho­benen Arbeiter, die offiziell für öffentliche Zwecke arbeiten sollen, werden jedoch später von dem hohen Beamten sowie von Privaten zu Arbeiten, verwendet, für die sie keinen Loh n erhalten. Die Kommission hat auch festgestellt, daß eine große Zahl von Eingeborenen nach Fernando Po geschafft worden find, und zwar unter Anwendung von Methoden, die dem Sklavenhan­del fehr ähnlich sind.

Der Bericht des Ausschusses wird dem Dölker- bundsrat auf der Ianuartagung vorliegen.

Dom amerikanischen Staatsdepartement ist an die Regierung von Liberia ein.Protest gegen die Sklaverei gerichtet, der heute infolge einer Indiskretion in einigen Blättern vorzeitig ver­öffentlicht wurde. Die amerikanisch« Protestnote sollte erst am kommenden Sonntag zusammen mit dem Bericht des Ausschusses der Oeffentlichkeit unterbreitet werden. Wie verlautet, beabsichtigt Die amerikanische Regierung zur Zeit nicht, weitere Schritte gegen Liberia zu unternehmen. Man hält es' jedoch für wahrschein­lich, dah der Präsident und der Vizepräsident von Liberia infolge des scharfen amerikanischen Protestes zurücktreten werden und daß die liberische Regierung nunmehr energische Maß­nahmen zur Unterdrückung der Sklaverei und der Zwangsarbeit unternehmen wird.

Wilder Streik in Oberschlesien

Auch hier die Arbeit der Revolutionären

Gewerks chaftsoppoütion.

Im deutschoberschlesischen Kohlenbergbaugebiet ist heute nachmittag ein wilder Streik überraschend ausgebrochen. Es streikten: Kömgin-Luise-Grube Ostfeld 67 Prozent, Königin-Luise-Grube Westfeld 31 Prozent, Guido Grube 20 Prozent, Castellengo 85 Prozent, Abwehr-Grube 90 Prozent, Concordia- Grube 96 Prozent, chedwigwunsch-Grube 80 Pro­zent, Ludwigsglück Grube 40 Prozent. Oehringen Bergbau 60 Prozent und Preußengrube 40 Pro­zent. Beuthen-Heinitz- und Karsten-Zentrumgrube sowie Gräfin Johanna-Schacht und Hohenzollem- orube arbeiten voll. Die Streikziffer hat sich im Laufe des Nachmittags innerhalb weniger Stunden fast verdoppelt. Der Streik ist von der kommunistischen Revolutionären Ge­werkschafts-Opposition ange^ettelt. Die Tarifgewerkschaften stehen ihm fern lieber die Entstehung des Streiks berichtet die Oberschle­sische Tageszeitung u. a.: Im Schacht der Hedwigs- wunfch-Grube im Borsig-Werk Biskupitz erschienen heute früh Kommuni st en, erklärten sich als Schachtdelegierte" und stellten an die Betriebs­leitung ein Ultimatum, in dem die siebenstün­dige Schicht, Lohnverbesserung und Einstellung der

Sie deisetziinMeier für Marschall loffre.

Die feierliche Aufbahrung Marschall Ioffres in der Kapelle der Militärschule von Parts.

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Paris, 7. Ian. (TU.) Die Deisetzungsfeierlich- ketten für Marschall Joffre begannen um 9 Uhr unter stärkster Beteiligung der Bevölkerung i n d e r Kathedrale Notre.Dame. Sofort nach Er­scheinen des Präsidenten der Republik und der Minister begann die Einsegnung der sterb­lichen Ueberreste des Marschalls. Das gesamte Diplomatische Korps sowie die militärischen Ver­treter fast aller früheren alliierten Länder nahmen an der Feier teil, die gegen 10 Uhr beendet war.

Unter Führung von französischen Truppenteilen aller Waffengattungen sowie der Truppenabord­nungen der früheren Alliierten und verschiedener Verbände ehemaliger Kriegsteilnehmer setzte sich dann derTrauerzua in Bewegung. Der Sarg des Marschalls war aus einer Artil­lerie-Lafette aufgebahrt. Unmittelbar dahinter folg­ten die Familienangehörigen des Marschalls, der Präsident der Republik, die Regierungsmitglieder und das Diplomatische Korps. Sodann kamen die Sondervertreter der ausländischen Mächte, die Mit­glieder des Senats und der Kammer sowie hohe französische Militärs und Zivilbeamte. Bei dem kalten, aber schönen Wetter waren die Straßen, die der Zug passierte, von einer großen Men­schenmenge umsäumt, die den auf einer Lafette vorbeifahrenden Sarg des Marschalls ehr­fürchtig grüßte. Die Straßenlaternen in der Rue de Rivoli brannten und waren mit schwarzem Krepp umflort.

Der ungeheuer große Trauerzug erlitt mehrfach Stockungen, so daß er er st nach zwei Stun­den vor dem Invalidendom ankam, wo der Sarg mit der Leiche des Marschalls auf einen Katafalk gehoben wurde. Dann ergriff Kriegsmtnister Bar- thou das Wort zu der einzigen Rede bei der Trauerfeier. Er führte an einer Stelle seiner Rede folgendes aus:Joffre fühlte, wie alle Franzosen, daß, wenn das Heer auch 1870/71 die Ehre des Landes gerettet hatte, der Friedensvertrag von Frankfurt die Sicherheit Frankreichs kompromittiert hatte. Die Grenzziehung habe auch nach seiner Auffassung nicht eine Erniedrigung, aber eine Gefahr bedeutet. Aber das Wort der Revanche habe nicht zu den von Joffre ge­brauchten Begriffen gehört Er habe die große Wiedergutmachung gewollt, an der auch Gambetta nicht verzweifelt habe Festgestellt wer- den muß, daß Barthou auch bei dieser Gelegenheit die falsche Behauptung von dem U e b e r f a l l Deutschlands auf Frankreich wiederholle.

Nach der Rede Barthous wurde der Sarg des Marschalls unter schlichter Trauerzeremonie in der St. Ambrosius-Kapelle nicht weit von der Grab­stätte Kaiser Napoleons aufgebahrt. Durch die Trauerfeier wurde der gesamte Verkehr auf den Straßen von Paris bis weit in die Vororte hinaus vollkommen lahmgelegt.

entlassenen Arbeiter gefordert wurden. Sie verlang, ten sofortige Antwort, andernfalls der Streik einsetzen würde. Do eine Antwort nicht ge­geben wurde, fuhren von der 1300 Mann starken Untertageschicht nur etwa 360 Monn ein. Die Ueber- tageschicht erschien vollzählig zur Arbeit. Unter Führung bekannter Kommunisten bewegte sich noch am Vormittag ein großer Demonstrations­zug durch das Borsigwerk Biskupitz.

Eine Stephan -Ged nkfeier in Berlin.

Aus Anlaß des 100. Geburtstages des Schöp­fers der Deutschen Reichspost und Gründers des Weltpostvereins, des ersten Staatssekretärs des Reichspostamts, Heinrich von Stephan, fand in der Singakademie eine Feier statt, zu der neben Vertretern der Reichs-, Staats- und

städtischen Behörden zahlreich« geladene Gäste er­schienen waren. In seiner Begrüßungsansprache wies Reichspostminister Dr. Schätze! auf die internationale Bedeutung hin, die das Werk Stephans erlangt hat. Der Weltpostverein, heute eine Selbstverständlichkeit, seinerzeit eine Tat von überwältigender Kühnheit, die auf dem Verkehrsgebicte nicht etwa nur die Idee von Paneurvpa verwirklichte, sondern alle Kultur­nationen der Erde zu einer Derkehrseinheit zu- sammenschloh, ist in seinen Grundzügen heute noch, wie ihn Stephan ins Leben gerufen hat. Staatsminister a. D. Exz. v. S y d o w schilderte ausführlich den Werdegang Heinrich von Ste­phans, würdigte dessen Reformtätigkeit auf posta­lischem Gebiet und erinnerte daran, dah Stephan «bereits vor 56 Iahren den Dau großer lenkba rer Luftschiffe erörtert habe, wie

er auch auf die Notwendigkeit des viel später gebauten Panama-Kanals und auf die drahtlose Telegraphie als Instrument der 3uhmft hingewiesen habe.

Der Finanzausschuß beginnt seine Arbeit.

Darmstadt, 7.Jan. (WHP.) Der Finanz­ausschuß des Hessischen Landtags tritt am Dienstag der kommenden Woche zu einer vor­aussichtlich dreitägigenBeratuna zusammen. Auf der Tagesordnung stehen zahlreiche Anträge zur Arbeitslosigkeit, zur finanziellen Notlage der Städte und Gemeinden in­folge der steigenden Wohlfahrtsunterstützungen und zur Abstellung der Doppelarbett. Auch die Wiedergewährung des Kindergel­des für Kinder vom 16. bis 21. Lebensjahr soll er­ledigt werden. Die übrigen Punkte befasien sich mit der Vorlage eines neuen Besoldungs­gesetzes, mit der F i l i a l st e u e r, dem Ried- gesetz und zahlreichen Eingaben.

Aus aller Wett.

Do X startet am 1. Februar zum Transozeanflug.

Kapitän Christiansen, der Kommandant des Flugschiffes Do X, der die Weihnachts- und Reujahrszeit in seiner schleswig-holsteinischen Heimat verlebte, hat die A u s-r s e nach Lissabon an getreten. Er sagte: Die Ausbes­serungsarbeiten an dem verbrannten Flügel des Do X machen gute Fortschritte. Schon am 14. oder 15. Ianuar hoffe ich mit den Probe- flügen beginnen zu können und sie solange fortzusetzen, bis die Belastungsproben ein ein* Wandf reies Funktionieren der gan­zen Anlage ergeben. Das Ziel der ersten Flug­strecke werden b le Kap-Derdeschen In­seln sein. Dort beginnt die eigentliche große Reis«, die über di« längste Strecke des ganzen Fluges führen und etwa 14 bis 15 Stunden in Anspruch nehmen wird. Der Flug wird bann von Ratal nach Pernambuco fortgesetzt. Im Interesse des Deutschtums werden wir bann auf dem Rückfluge nach Ratal mehrfach Station machen. Von Ratal bis zu den Westindischen Inseln ist di« Entfernung nicht mehr groß. Di« Hauptladung unseres Flugzeuges ist Brief- p o st. Ueberhaupt handelt es sich in erster Linie darum, SchneUverbindungen für die Post zu schaffen. Der Personen- und Schwerfrachtverkehr liegt meines Erachtens noch in weiter Ferne.

Graf Luckner in Jlengort

Graf Luckner traf in Neuyork ein und begab sich sofort an Bord seiner in Hudson verankerten Jacht Mopelia, auf der er bis zu seiner vollständigen Ge­nesung, die noch etwa zwei Wochen in Anspruch nehmen dürfte, verbleiben wird. Er hat die Eisen­bahnfahrt gut überstanden, obwohl er, wie jetzt bekannt wird, bei seinem Autounfall unweit Waukegan 13 Knochenbrüche erlitten hat.

Explosion eine» Tankwagen» in England.

In Tottenham (Grafschaft Middlefex) prallten ein Güterzug und eine Lokomotive aufeinander. Der Zusammenstoß war so heftig, daß ein Tank-, wagen des Güterzuges explodierte und sein Inhalt in Flammen aufging. Der Lokomotiv­führer, der Heizer und ein Schaffner des ZugeS verbrannten.

Wahnfimmlragödle in Spandau.

In Spandau hat der Katasterobersekretär Schätzte nachts seinem Söhnchen die Kehle durchschnitten. Er hat, wie sich herausstellle, in religiösem Wahn gehandelt. Er erklärte den Polueibeamten:Rehmen Sie mich in Schutz- Haft. Ich bin Isaak, und mein Vater Abraham hat mich vor 7000 Iahren dem Herrn zum Opfer gebracht. In meinem Sohn habe ich die Wieder­geburt Abrahams erkannt und ihn nun aus Rache getötet, weil er mich damals geschlachtet hat." Die Polizei hat ermittelt, daß er seit langem der Weißenberg-Sekte angebörte, deren Versammlungen in Spandau er zu besuchen pflegte. Cr erzählte seiner Frau, di« den Zu­stand ihres Mannes leider nicht rechtzeitig er-

Winiermorgen.

Von Hans B. Wagen eil.

Am Morgen war Schnee gefallen. Ich freute mich darüber als ich zuerst chinausschaute aus meinem Schlafzimmerienster und den weihen Garten sah. JSaiu ein altväterlicher Winter­morgen", mußte id) unwillkürlich denken. Ich schaute hinaus auf das vertraute Bild. Zwei Gärtner fegten schon den Schnee vom Weg. Eft. fst, machten die schwarzen Besen, und die Männer gingen hinter ihnen drein, ein Bein vor das andere stellend, eine Karikatur von des Schnit­ters prachtvollem Rhythmus. Der Schnee war pulvrig, und er flog willfährig unter dem Ruten­streich des Besens, sich auf beiden Seiten zu einer niederen wellenförmigen Erhebung häufend, rein und glitzernd; der gelbe Kies des Weges kam durch, gestreift von dünnen Halbkreisen Schnees zwischen den Desenstrichen. Krähen stol­zierten über den Rasen, scharf abgehoben vom Schnee. Wich hielt es nicht im Hause an einem solchen Morgen; ich streifte ein paar derbe Hosen und einen Sweater über; rief meine beiden Hunde, Henry und Sarah, die noch im Begriff waren, sich m ihrem jeweiligen Körbchen zu strecken unb zu gähnen Sarah vor allem war immer ein zaghafter Aulsteher, sie liebte es, auf mein Bett zu springen, für ein paar Minuten Zärtelei, bevor sie offiziell wach war und ging hinunter und versuchte hinauszukommen in den Garten, stieß aber überall auf zu- gehakte Läden und verschlossene Türen. Zu­guterletzt gelangte ich aber doch hinaus, nachdem ich über die Läden im Bibliotheks^rmmer trium­phiert hatte; Henry wischte voran in den Schnee, ihn hochwersend mit der Rase; Sarah folgte vorsichtiger, schnüffelnd, mich mit einem Rückblick befragend, was dieses ungewohnte Weiße Gras | zu bedeuten habe; sie rannten beide, kleine, braune Striche, schnuppernd, hierhin und dorthin, und ich kam hinterdrein, anfänglich zaudernd, den dicken weißen Teppich zu zertreten, bann aber ihn mit Lust auffiöbemö, daß der weihe Schnee blusterie vor meinen stampfenden Dchuhspitzen; und so legte ich das Stück Wegs zwischen mir und den fegenden Gärtnern zurück, nahm einem der Männer den Besen aus der Hand unb schickte ihn an andere Arbeit.

Als roter Ball stieg die Sonne hinter den Bäumen hoch; jetzt war schon ein gutes Stück Weg reingefegt; ich fegte mit solchem Feuer, bah ich ständig meinen Mitmann hinter mit

zurückließ. Die kalte Luft und die Anstrengung prickelten in mir; meine Lebenskräfte schäumten übet; ich verspottete den anderen Mann ob seines langsamen, steten Rachrückens.Schau, ob ich nicht mein Teil in der halben Zeit reinfriege, Peter."Alles recht schön, Herr, aber Sie müssen nicht den Rest des Tages durcharbeiten. Lang­sam und stet das laßt einen durchhalten vom Frühstück bis zum Abendbrot." Dennoch wußte ich, daß Peter gutgelaunt unb belustigt war; belustigt, wie jeder Fachmann belustigt ist von der hitzigen Begeisterung des Amateurs. Ich schaute hoch an dem grauen Haus; alle Läden waren geschlossen, und sofort verachtete ich die andern darob, daß sie noch schliefen, in einem Anfall jenes Ueberlegenheitsgefuhls, das alle diejenigen befällt, die früher auf sind als die andern.

Ich liebte das Gefühl des Besenstiels in mei­ner Hand, das Holz, das vom Gebrauch poliert war, bis es glatt unb glänzend wat wie Perga­ment. Sogar die Aeste im Holz waren abgerun­det. Ich hatte innegehalten, um meinen Rücken zu strecken, und ließ meine Finger den Griff auf unb ab streichen, das angenehme Material genießend. Peter hielt auch inne, und beobachtete mich mit einem Lächeln.Kommen Blasen, Herr?" Es kraucht schon mehr als das, um mir Bla­sen zu machen", sagte ich, beleidigt ob der An­nahme, daß meine Hände weich sein könnten, unb ich machte mich wieder an meine Fegerei, wenn ich auch gerne für einen Augenblick gerastet hätte, unb tat einen Rundblick auf den glitzern­den Schnee, der durchsetzt war mit Diamanten, auf die niedrige rote Sonne gerade über den Baumspitzen, und auf Sarah und Henry, die toll vor Lust rundum und um einer hinter dem an­dern herjagten.

Der Morgen war wirklich herrlich. Ich schlug den Weg quer durch den Park ein, Stöckchen wer­fend für Henry zum Apportieren Sarah machte sich nichts aus Stöckchen und dann und wann drehte ich mich um, um zurückzublicken nach dem Haus, das breit balag mit seinen vier­eckigen Söllern, seinen grauen Mauern, und seinen Kaminen, die blau« Rauchfahnen zum Hiimnel sandten. Sarah machte vorsichtige Schrille, und von Zeit zu Zeit legte sie sich hin, um die Eisballen zu lecken, die sich zwi­schen chre Pfoten ansetzten; Henry, der aus grö­berem Stoffe gemacht war, rannte wie verrückt rundum und um in Kreisen, galoppierend wie ein kleines Pferd, indem er wegsetzte über kleine I Büsche, mit fliegenden Ohren und flatternder

Mähne. Ich feuerte ihn an. Ich wünscht«, ich hätte herumtollen können wie Henry. Wir kamen an den Rand der Wiese; ich bog ein in ein Gefälle den Abhang hinunter; jetzt waren wir im Tal; weiter stürmten wir und scheuchten die Rehe auf, die herumschnupperten zwischen ein paar Armvoll Heu, die man für sie hingestreut hatte. Sie stoben davon, die Spaniels hinter ihnen her; sie rannten den Abhang hoch, hin­durch zwischen dem toten Brachland, und spran­gen, als hätten sie Federn in den Deinen, ihre weißen Stummel leuchteten zwischen den Bäu­men. Ich blieb stehen um zu schauen; ich fühlte mich glücklich, daß ich glaubte, mein Herz müsse bersten. Henry und Sarah kamen zurück, krochen auf ihren Bäuchen zu mir hin unb waren er­staunt, daß sie nicht geschlagen wurden.

TonfilmDas Land des Lächelns^.

Die neue Lehär-Ope'retteDas Land des Lächelns", die wir vor kurzem rm Theater kennenlernten, und die noch immer auf dem Spielplan steht, erscheint seit gestern als Tonfilm im neuen Programm des Lichtspielhauses. Die Handlung ist in der Bildfassung ein nfenig verändert, aber noch immer io, daß das Stück mit dem fast eigensinniaen Verzicht auf das in seiner Gattung obligatorische happy end besser2)as Land der Tränen" hieße. Die Musik entspricht dagegen in den Grundzüaen durchaus der Dühnenoartitur; allerdings hat man im Film die nicht alltägliche Gelegenheit, L e h ä r persönlich dirigieren zu sehen und lau- b e r singen zu hören, womit man wenigstens einen ungefähren Eindruck der Originalaufführung er­hält, deren starker und nachhaltiger Erfolg ja nicht zum mindesten in der hervorragenden stimmlichen Mitwirkung dieses zur Zeit volkstümlichsten Te­nors begründet war. Was die hiesige Wiedergabe angeht, so ist sie ziemlich ungleich; besonders im ersten Akt unterlag die Ton-Reproduktion erheb­lichen Schwankungen, die vielleicht in der Appara­tur einigermaßen ausaugleichen sind; in den späte» ren Teilen war die Uebertragung gleichmäßiger (ob­wohl nicht frei von Nebengeräuschen) und am reinsten jedenfalls in den Mittellagen und Im Sprech­ton. Der Film von Max R e i ch m a n n insze­niert wirkt im Vorspiel (Rahmenhandlung) trotz häufigem Bildwechsel und Ueberblenben etwas um­ständlich und langwierig; er kommt erst mit dem Einsetzen der Hauptfabel einigermaßen in Schwung, wie auch die Musik erst allmählich auf ihre großen und wirkungsvollen Einsätze hin gesteigert ist. In der Besetzung wirkt die von Margit Suchy ge­

gebene Liesa darstellerisch etwas blaß, wie übrigens auch Tauber selbst nur gesanglich interessiert, schau­spielerisch aber mit durchaus konventionellen Mitteln arbeitet. Sehr hübsch gesungen und mimisch be­lebt: die kleine Chinesin Mi (Hella Kürthy); sonst: Max Schreck, Willi Stettner .. unb ein ganz flüchtiges Wiedersehen mit Bruno Kast­ner.r

Zeitschriften.

Im Januarheft der ,L e i t w e n d e* (C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung, München) wirkt der Aufsatz: Politische Gedanken eines Deutschen wie ein Programm. Ein Mediziner, Professor Dr. Wolfg. H. Veil, ergreift hier zu den großen Fra­gen Der deutschen Politik das Wort, weil et der Ueberzeugung ist, daß sich der deutsche Bürger heute ohne Unterschied des Standes unb Berufes vor eine politische Ausgabe gestellt sieht unb daß uns gerade die sogenanntenFachpolitiker- ins Verderben ge­führt haben: Vertreter von Interessengruppen,Ver­eins- und Parteimeier", die in der dem Deutschen angeborenen Eigenbrötelei und Rechthaberei zu keiner wirklich nachhaltigen Vertretung der allge­meindeutschen Interessen gelangen konnten. Auf dieses Allgemeindeutsche sich mit allem Nachdruck zu besinnen, ist der deutsche Bürger durch die heutige Katastrophe von Staat unb Wirtschaft aufgerufen. Veils Appell hierzu warm und besonnen zu­gleich, frei von der Gehässigkeit des Parteigezänks wird vielen aus dem Herzen gesprochen sein.

Ein Beitrag von Professor Dr. Ferdinand G r o u t o f f in Nr. 4477 der l l u st r i r t e n Zeitung" (I. I. Weber Leipzig) läßt das ver­gangene Jahr noch einmal Revue passieren. Professor Fr Heubners zeichnerische Randbemerkungen geben dieser Rückschau eine humoristische Note. Ein reich- bebilderter Beitrag gibt allerhand Anregung für den kommenden Fasching. Hans Natpnek veröffentlicht einen Artikel:Das Gesicht des Publikums", dessen Leitmotiv lautet: Das Spiel beginnt, wenn der Theatervorhang fällt. Die beigegebenen Zeichnungen von Erwin Freytag bilden eine vortreffllche Ergän­zung. Das Schaffen des Malers Willy Münch-Khe wird durch einzelne rotebergegebene Werke und er­läuternden Tert treffend charakterisiert. Auch illu­strativ ist die Nummer sehr reichhaltig. Künstlerische Photostudien wechseln mit Zeichnungen und Gemäl­den. Die Tageschronik ist in einer Anzahl inter­essanter Abbildungen zusammengefaßt.

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