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nholzversteigeruMN M n den 19. Januar: choler,

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Nr. 6 Erstes Blatt

181 Jahrgang

Donnerstag, 8. Januar 1931

Eriche,n, lüyl'ch.emtz« Sonntags und Feiertag» Beilagen.

Ott Illustriert, Gießener FamttienbläN« tzermai im Bild Die Schalle

Dlonat$»Be$ng$Drets: 2.20 Reichsmark und 30 Rerchspsenntg für Träger» lohn, auch bet Richter» scheinen einzelnerRummern tnfolgr höherer Gewalt.

Hernsvrechanfchlüste enterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach­richten Anzeiger Sietzen. postfcherttonto: $ra*!furt am Main 11686.

SietzeimAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

VntS vnd Verlag: vrühl'sche Univerfitülr-Vuch' vnd Ztetndruckeret S. Lange in Siehrn. Zchristleitung und Seschaftrstelle: §chu!lttahe7.

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Dr Fnedr. Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wich. Lange; für Feuilleton Dr H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Mar Fister, sämtlich in Gießen.

Oer Fall Oustric.

Sie Hingt wie ein Roman und ist doch Wirk- lichieit, die Geschichte dieses Mannes, der aus dem Dunkel des Kleinbürgertums emportauchte, um ganz kurze Zeit in den geschäftigen Kreisen der Pariser Börsenwelt eine blendende Rolle zu spielen, und der dann, weil er die eigene Sucht, die dominierende Stellung des Geldallmächtigen immer weiter auszudehnen, nicht zu meistern ver­mochte, ein jämmerliches Fiasko erlitt und nun hinter den Gitterstäben des Gefängnisses nach­sinnen muh über die Vergänglichkeit irdischen Glanzes pnd irdischer Güter. Dreihunderttausend kleine französische Rentner fluchen ihm als dem, der sie an den Bettelstab brachte, sogar das Kabinett Tardieu ritz er mit hinab in seinen Sturz.

Albert O u st r i c schuf sich nach dem Kriege auf kleinen Anfängen in Paris ein Bankgeschäft, das ihm die Bekanntschaft des Italieners G u a - lino einbrachte, eines milliardenschweren Man­nes, der nach Paris gekommen war, um auch hier in Bank» und Börsenkreisen festen Fuß zu fassen. Gualino brauchte einen Agenten für Paris; Oustric wurde dieser Agent. So strömten ihm ganz plötzlich ungeheure Mittel zu, mit denen er arbeiten muhte. Er wurde e i n gesuchter Wann. Ce ne verdienten Millionen legte er überall an, wo er ein Geschäft witterte, kaufte Großhandels, innen, Bleichereien, Auto­geschäfte, Schuhfabriken, Schneiderateliers, Hotels, Grundstückskornplexe, Erzgruben in Bolivien. Er gründete Gesellschaften, Trusts, alles mögliche. Aber auch seine gewaltige Arbeitskraft genügte allmählich nicht mehr, alles das zu bewältigen, was er auf sich nahm. Die Fäden entglitten ihm, hier und da entstanden Schwierigkeiten.

Da zoa sich auch sein Geldgeber Gualino von ihm zurück. Und nun traten ernste Verlegenhei» t e n ein. Um ihrer Herr zu werden, griff Oustric zu verzweifelten Mitteln. Unter Vorspiegelung fal­scher Tatsachen und durch Bestechung maßgebender Persönlichkeiten schaffte er sich Kredit e. Auch die Staatsbank, die Bank von Frankreich, ver­anlaßte er so zur Hergabe von über dreihundert Millionen. Er begann, mit bedenklichen Pa­pieren zu arbeiten, die er künstlich in die Höhe trieb, um sie dann kleinen Sparern anzudrehen. Mit Hilfe von amtlichen Börsenmaklern ließ er Aktiennotierungen fälschen. Aber auch das so gewonnene Geld zerrann ihm unter en Fingern. Eines Tages war der Krach da. Alles Geld, das man ihm anvertraut hatte, war restlos verloren. Oustric selbst wurde verhaftet. Und nun sucht man nach Schuldigen, denen man einen Teil der Verantwortung aufbürden kann. Und man findet sie in Massen. Hohe Staatsbeamte, Mitglie- der des Senats und der Kammer, Direktoren der Bank von Frankreich, Staatssekretäre, ja selbst Minister sind überführt worden, Gelder von Oustric genommen und ihm dafür zu Staatskrediten ver- holfen zu haben; oder aber sie haben beide Augen gegenüber feinen bedenklichen Börsengeschäften zu­gedrückt. Ein parlamentarischer Untersuchungs­ausschuß ist eingesetzt worden. Vor ihm mußte Iustizminister P e r e t eingestehcn, daß er 137 000 Franken von Oustric erhielt. Unterstaatssekretär Vidal nahm von einem Zeitungsdirektor 20 000 Franken dafür, daß er diesen mit Oustric bekannt­machte. Senator B e s n a r b erhielt regelmäßige Monatszahlungen von Oustric, Remy, Unterdirek­tor der Bank von Frankreich, bezog von Oustric dauerndeDarlehen" und verhalf ihm dafür zur Diskontierung nicht ganz einwandfreier Wechsel. Und neben diesen und anderen Großen die unend­liche Zahl von Kleinen, die die Hand offen hielten, wenn Oustric die Brieftasche zückte. Das Kabinett Tardieu mußte zurücktreten, weil nicht weniger als sieben seiner Mitglieder unheilbar kompromittiert waren. Wer weiß, was das Verfahren vor dem Untersuchungsausschuß, was die Anklage gegen Oustric noch sonst an Enthüllungen bringen wird, bevor man einen Schlußstrich unter die ganze Affäre ziehen kann.

Oer Skandal greift weiter.

Paris, 7. Ian. (TU.) Am Dienstag hat wieder ein von dem Oustric-Konzern kontrolliertes Unter­nehmen feinen Betrieb schließen müssen, nachdem der Direktor sowie einer der Verwaltungs­beamten auf Anordnung des Untersuchungsrichters verhaftet worden waren. Das Unternehmen, dieGesellschaft für Elektrizität und öffentliche Ar­beiten Giraudon", hatte einen umfangreichen Auf­trag für d i e französische Kolonie Mar­tinique erhalten, nachdem sie zahlreiche verantwortliche Beamten bestochen hatte. Die Klagen wurden zunächst von anonymer Seite eingereicht und waren Gegenstand eines Er­mittlungsverfahrens, das jetzt zur Verhaftung der Leiter und zur Schließung der Gesellschaft führte. Man verschweigt im Augenblick noch die Namen derjenigen Beamten, die in die Angelegen­heit verwickelt sind, betont aber, daß gegen alle gerichtlich vorgegangen werden soll.

Der Unterausschuß, der sich mit den Zusammen­hängen zu befassen hatte, die zwischen Oustric und der Bank von Frankreich bestanden, beschäf­tigte sich am Dienstag insbesondere mit einer Mil­li o n e n a n l e i h e , die dem Oustric-Konzern von der Bank von Frankreich gewährt worden war. Die Mitglieder des Untersuchungsausschusses haben ver­geblich vom Gouverneur der Bank von Frankreich die Vorweisung der Garantie st ücke ge­fordert, auf welchen die Unterschriften derjenigen stehen müßten, die die Anleihe garantierten. Direk­tor Moret verbarg sich hierbei hinter das Berufs­geheimnis und betonte, daß einige der von Oustric kontrollierten Unternehmungen, die an der Anleihe

polen auf derSuche nach Enilastungsmaterial in <S>enf

Oer Aufständischenüberfall auf Golassowih vor Gericht.

Rybnik, 7. Jan. (WTB.) Dor dem Amts­gericht in Rybnik begann um 9,30 Uhr der Prozeh gegen acht Einwohner von Go- lass o w i tz, die angeflagt sind, am Abend des 22. November vorigen Jahres bei einer Schlägerei den Polizeiwachtmeister Sznapka er­schlagen zu haben. Bekanntlich hatten sich in jener Nacht die Einwohner von Golassowih vor dem evangelischen Dereinshaus gesammelt, um hier Terrorakte der Aufständischen abzuwehren, die am gleichen Nachmittag in einem Lastauto von Sohrau kommend, i n diedeutschePrivatschuleeingedrun- gen waren und die deutsch gesinnte Bevölkerung terrorisiert hatten, um sie zur Stimmab­gabe für die Regierungsliste zu zwingen.

Die acht Angeklagten, die fast ohne Ausnahme einen sehr bescheidenen Eindruck machten, wurden von fünf Polizisten aus Kattowitz hieri-ergebracht, was in dem [.einen Städtchen ein beträchtliches Aufsehen erregte. 3n dem kleinen Derhandlungs- saal drängten sich viele Neugierige und auch die Presse ist zahlreich vertreten. Gleich zu Beginn der Derhandlung stellte die Verteidigung zwei formale Einsprüche wegen zu früher Termin­ansehung, die aber beide ab gelehnt wurden. Nach Feststellung der Personalien der Angeklag­ten verlas der Vorsitzende die Anklage­schrift, die vor allem deshalb bemerkenswert ist, well

als Beweggründe des lleberfalls auf den Polizeibeamlen Sznapka der angeblicheh a ß der nationalen Minderheit gegen das polnische Staatswesen'" be­zeichnet

wird. Weiter versteigt sich die Begründung der Anklage zu der Behauptung, daß die seit einiger Zeit hervortretende agitatorische Tätig­keit der deutschen Minderheiten im oberschlesischen Gebiet die Dorgenarmten Beweg­gründe des Hebers alles »bestätige".

Der Vorsitzende schritt sodann zur Vernehmung des Hauptangeklag'.en K u b I a, einem 59 Jahre alten Häusler, der einen sehr uninteHigenben Eindruck macht. Er gibt zu, mit dem Messer ge­stochen zu haben, leugnet aber energisch, den Wachtmeister Sznapka erkannt zu haben. Be­merkenswert ist aus seiner weiteren Aussage, daß sich der erschlagene Sznapka vor der Tat aus Anruf nicht zu erkennen gegeben hat. Aus der unklaren Aeußerung Kublas ist zu entnehmen, daß er, mit Messer und Knüppel ausgerüstet, vor das Gemeindehaus gelaufen ist, als er horte, daß Aufständische im Dorfe seien.

Dec Angeklagte W a t u t erklärte ebenso wie Kubla, daß er den Polizeikommandanten Sznapla nicht erkannt habe. Er habe den im Halb­dunkel leuchtenden Adler auf der Kappe des vor ihm stehenden Mannes für den Adler einer Aufständischenkappe gehalten. Te- kannllich tragen ja die oberschlesischen Aufständi­schen Uniform.

Bemerkenswert ist noch der Umstand,, daß der Vorsitzende mit erstaunlicher Harlnäcligleit immer wieder die Frage stellte, ob die deutschgesinnten: Einwohner des Dorfes Golassowih Haß gegen d i e nationalpolnisch Denkenden emp­fänden. Der Angeklagte Watut verneinte dies energisch.

Er gab noch an, daß er auf dem Wege vom Polizelgefängnis zum Zivilgefängnis von Polizisten mit Fußtritten und 6 o l- benhieben bedacht worden fei.

Der zweite Hauptangeklagte, Swierze, gab

ebenfalls an, daß er ein Messer mitgenommen habe, um sich gegen d i e Aufständischen zu verteidigen. Er leugnet, bei der Schlä­gerei Sznapka gestochen zu haben.

Dor der Mittagspause entipann sich dann noch ein Wortwechsel zwi chen dem Verteidiger der An­geklagten, dem aus den beiden Ulitz-Prozessen be­kannten Rechtsanwalt Dr. D a j und dem Staats­anwalt Dr. D a a b. Der Verteidiger stellte näm­lich an den Angeklagten Swierze die F.'age, wie er bei der polizeilichen Untersuchung behandelt worden sei. Der Staatsanwalt erhob gegen die Zulassung dieser Frage Einspruch, da er ihr einen demonstrativen S.jaraf.er »uschrieb. Nach längerer Wechselrede, bei der der Verteidiger be.onte, daß die Feststellung notwendig sei, um die Aus­sagen in der Dorunterluchug richtig be­werten zu können, richtete der Vorsitzende an Swierze einige diesbezügliche, sorgfältig formu­lierte Fragen, die aber von dem minderbegabten Angeklagten Swierze offenbar nicht verstan­den wurden.

3n der Nachmittagsverhandlung beschwerte sich der Angeklagte Äordel darüber, daß bei den Aussagen vor dem Untersuchungsrichter durch Androhung einer fünfjährigen Ker­ker st rase auf ihn ein Druck ausgeübt wurde. Nur deshalb habe er sich dazu bekannt, an der Schlägerei teilgenommen zu haben.

Der Angeklagte W a c I a w i k erklärte mit großer Bestimmtheit, daß bei den evangelischen Dereinsveranstaltungen in Golassowih niemals von Poltt ik die Rede gewesen fei. Eine ähnliche Erklärung hatten auch schon andere An­geklagte abgegeben.

Ls Ist dies besonders bedeutsam, wett schon in der ersten Meldung der polnischen amtlichen Telegraphenagentur Über die Vorfälle in Go­lassowih folgender Sah enthalten war:

In Golassowih ist in der Nacht vom 22. auf den 23.November von einem deutschen Stoßtrupp unter Führung de» Pastors Harifinger in bestialischer Meise der Polizeikommandant Johann Sznapka e r - mordet worden." Für diese Behauptung hat die Untersuchung nicht den gering st en Anhalt bieten können. So konnte auch die Anklage auf Pastor Harlsinger nicht ausgedehnt werden.

Der Angeklagte Oskar S z y m i k erklärt, daß er ebenfalls vor dem Kattowitzer Untersuchungs- richter nur deshalb außgefaßt habe, daß er auf Sznapka mit eingetragen habe, weil ihm der Untersuchungsrichter mit einer zehn­jährigen Gefängnisstrafe drohte. Auch Kurt Szy m ik sagt aus, daß er nur aus QI n g ft davor statt fünf zehn Jahre Ge­fängnis absitzen zu müssen, behauptet habe, bei der Schlägerei beteiligt gewesen zu fein.

Zum Schluß gibt der Angeklagte Waclawik unter lebhafter Bewegung im Zuhörerraum be­kannt, daß er im Golassowiher Haftlokal von der Polizei gezwungen worden fei, auf Kohlen zu knien. Aehnliche Angaben hatten am Vor­mittag auch die Angeklagten Kubla und Wa- t u t gemacht. Morgen vormittag wird mit der Vernehmung der geladenen 18 Zeugen begonnen werden.

DielrHs Vorschlag zum ArdeilslosenNwblem.

Oer Reichsfinanzminister antwortet seinen Kritikern. Keine SubventionS- polit.k. Oie Absahsrage.

Berlin, 8. 3an. (TU.) 3n einer großen demotrcttischen Versammlung in Heilbronn fetzte sich Reichsfinanzminister Dietrich am Mitt­wochabend mit den Einwänden auseinander, die seine Vorschläge zur Arbeitslosen­frage in den Blättern des Zn- und Aus­landes gefunden haben. Er wandte sich haupt­sächlich gegen Len Vorwurf der Subven- tionspolitik. Darunter verstehe man eine Begünstigung einzelner Unterneh­men zu Lasten anderer. Eine solche Po- litik, die schlechte Unternehmungen auf Kosten der guten unterstütze, sei ein Wahnsinn, den man ihm nicht zutrauen dürfe. Es fei aber eine ganz andere Frage, ob man nicht gleich­mäßig bei einzelnen lebensw ich Li­gen Berufsgruppen, wie et in Stutt­gart ausgeführt habe, aus der ganzen Li­nie einletze. Es sei allerdings richf.g, daß er die Schwierigkeiten des selbständigen Unterneh­mers anerkannt habe. Darin sei selbstverständlich feine Stütze gegen die Leiter der Konzerne oder gegen die Konzerne selbst enthalten, wie er über­haupt um die Sache kämpfe und sich jeder Angriffe sowohl auf Arbeitgeber wie auf Arbeit­nehmer enthalte. Er verkenne keineswegs, daß die Beschäftigung der Arbeitslosen weniger eine Frage der Produktion als des Absatzes sei. Aus diesem Grunde sei von ihm darauf hin- getoieren worden, daß d ie Gestaltung der Preise im Zusammenhang mit dem, was er im Auge habe, gebracht werden müsse. 3n seinen wci ere i Ausführungen wies Reichsfinanzminister Dietrich noch darauf hin, daß er nach wie vor

noch aus dem Standpunkt stehe, das privat­wirtschaftliche System könne sich nur dann weiter behaupten, wenn es an Stelle der Ver­sicherung die Möglichkeit dcr Ve- s ch ä f t i g u n g sehe. Als Mitglied der Regierung könne er seinen Plan im einzelnen jetzt nicht entwickeln, aber er habe natürlich ganz kon­krete Vorschläge, die bald befanntgegeben. würden. Die Auslandpresse sei falsch informiert, wenn sie behaupte, er wolle die Arbeitslosen­versicherung abschafsen. Er beabsichtige auch keine Sudventionspolitik zu treiben, vielmehr denke er daran, daß man mit einzelnen leicht über­sehbaren Produktionszweigen, die die wich­tigsten Produkte unserer Wirtschaft lie­fern, ein Abkommen über Hereinnahme von Arbeitslosen trifft mit der gleich­zeitigen Verpflichtung der Senkung der Preise und damit der Förderung des Absatzes. Er habe aber offen gelassen, ob bei dcr Urproduktion oder bei der einzel- verarbeitenden Industrie mit diesem' Plan eingesetzt werden soll, da er auf dem Standpunkt stehe, daß man dort anfassen soll, wo man es mit Erfolg tun könne. Die Meinung einiger Blätter, daß die Regierung die Ruhe verliere, sei fo aus der Luft gegriffen, daß sie einer Widerlegung kaum bedürfe. Daß die Finanzwirtschaft erschüttert werden könne, sei ebenfalls eine durch nichts bewiesene Behaup­tung. Wenn Geld für die Arbeitslosen zu deren Beschäftigung verwendet werde, so bedeute das höchstens eine Entlastung, aber nicht eine Belastung der Finanzen.

beteiligt feien, ihre Anleihestücke zu 100 v. H. be­zahlen würden, während andere wahrscheinlich nur 60 o. H. zurückerstatten könnten.

Oie Reichsgründungsfeier am 18. Januar.

Das Programm der Ncichsregierung.

Berlin, 7. 3an. (TU.) Das Programm der Feier der 60. Wiederkehr des Reichs grün dungs- tages am 18. Januar liegt nunmehr vor. Der Festakt, der um 11 Uhr vormittags im Reichs­tagsgebäude beginnt, wird einen den Zeitver­haltnissen entsprechend einfachen aber wür­digen Rahmen erhalten. Vor der Feier im Reichstag nimmt der Reichspräsident am Gottesdienst im Dom teil. 3.n Reichs­tag wird das Berliner Funkorchester konzer- tieren. Die Festrede wird von Geheimrat Prof. Dr. Kahl gehalten, der bereits im Jahre 1871 in Versailles an der Reichsgründungsfeier teilgenommen hat. Rach einigen musikalischen Darbietungen wird Reichskanzler Brüning eine Ansprache halten. Der Festakt wird be­schlossen mit dem Gesang des Deutschlandliedes. 3m Anschluß an die Reichstagsfeier wird der Reichspräsident die Front der Ehrenkom­panie der Reichswehr, die vor dem Reichs» tag Aufstellung genommen hat, abschreiten. Der Reichspräsident begibt sich hierauf in den Sportpalast, wo um 12 Uhr die Feier des Kysshäuserbundes beginnt

Oer Reichskanzler besucht Masuren.

L y ck, 7. Jan. (WTB.) Der Reichskanzler be­suchte am Mittwoch mit den Herren seiner Beglei­tung, zu denen auch der Reichsbantpräsident Dr. Luther gestoßen ist, die Städte Lyck, Allenstein und Deutsch-Enlau. Die Besprechungen der ostpreu­ßischen Wirtscyastsvertreter mit dem Reichskanzler im Lycker Rathaus schlossen mit der Bitte ab, der Rot im Grenzgebiet durch Arbeitsbeschaf­fung abzuhelfen. Der Kanzler meinte, in einer Zeit allgemeiner wirtschaftlicher Depression sei es bei allem guten Willen der berueienen Stellen natürlich immer schwer, finanziell hilfreich einzugrei­fen. Aber auch mit beschränkten Mitteln lasse sich noch manches erreichen, was bisher unter­blieben sei. Besonders müsse etwas geschehen, daß nicht Gelder, die vom Reich an die Zen­tralen in den Provinzen mit einem Zinssatz von 5 Prozent gegeben wurden, von diesen zu einem Satz bis zu 14 Pro­zent weitergegeben würden. Der Reichs­kanzler betonte, daß Reichs- und Staatsregierung nie den Dank an die treue deutsche Bevölkerung Masurens vergessen würden. Bei allen Maßnahmen würden Reichspräsident, Reichs- und Staatsregie­rung an das schwergeprüfte Ostpreußen denken.

Unter den Gästen, die den Reichskanzler auf sei­ner Reise von Lyck nach Allenstein begleiteten, be­fanden sich auch einige deutsche Siedler, die bis Zohannisburg mitfuhren. Der Reichskanzler und der Reichsminister Treoiranus nahmen Gelegenheit, sich ihre Nöte darlegen zu lassen und Abhilfemög­

lichkeiten zu erörtern. Die Sorge der Siedler, daß einzelne Teile Ostpreußens von Deutschland a n Polen aufgegeben werden könnten und so das Deutschtum der Siedler preisgegeben würde, zerstreute der Kanzler durch die eindeutige Erklä­rung, daß niemand daran dächte, auch nur einen Fußbreit deutschen Bodens an Polen abzutreten.

Staatssekretär Kempkeer gestorben.

Der langjährige Leiter der Gesamtorganisation der Deutschen Volkspartei, Staatssekretär z. D. K e m p k e s. ist am Dienstagabend einem Herzschlag erlegen. Adolf Kemples hat ein Alter von fast 60 3ahren erreicht. 3n Essen geboren, war er dort lange 3ahre als Rechtsanwalt tätig. Von 1919 bis 1928 vertrat er als Abgeordneter der Deutschen Vollspartei Düsseldorf-Ost im Reichstage. Von da an bis 1930 war er auf der Reichsliste ge­wählt. Bei den letzten Wahlen verzichtete er auf eine Wiederausstellung. Dr. Stresemann. dessen besonderes Vertrauen der Verstorbene be­sah, berief ihn 1921 als Vorsitzenden des Geschäftsführenden Ausschusses der Partei an die Spitze der Organisation. 1923 war er unter Stresemanns Kanzlerschaft Staats­sekretär der Reichskanzlei. Oluf Wunsch von Dr. Scholz behielt er nach Stresemanns Tode seine Aemter in der Partei vorläufig bei. Ende 1930 trat er dann von den Parteiämiern zurück. Die Deutsche Vollspartei hat mit Kemples eine Persönlichkeit verloren, die ihr lange 3ahre hindurch nicht nur treu gedient, sondern auch sehr viel zum Auf- und Ausbau der Portes beigetragen hat.