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Nr. 286 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Montag, 7. Dezember

Washington

Rom - Berlin

Von unserem römischen ^-Korrespondenten.

lewonnenen fall werden

i, aus und

in erster Linie der Fullballsportverein und die bei­den Abstiegskandidaten Griesheim und Hanau 93 ziehen. Die übrigen Resultate des Sonntags waren zum Teil überraschend. So gewann Union Nieder­rad in Isenburg 4:0. Bei diesem Tressen wurden die Spieler Dies;, Waider I (Isenburg) und Tiesel (Niederrad) wegen Tätlichkeit vom Platz gestellt. Die Eintracht, der jetzt die Meisterschaft kaum noch zu nehmen ist, siegte in Bieber glatt 4:0. Germania

stärkstem Aufgebot mit 5:1 gegen die Marburger Kurhessen. Mit 1:6 mußte sich der VfB. Gießen auf eigenem Gelände von Kurhessen Kassel schlagen lassen. Die Fuldaer Borussen hielten sich durch einen 7:l=6ieg' in Horas weiterhin an der Ta- be'lenspihe der Südgruppe mit 18:4 Punkten, ge­folgt von Hessen 09 Kassel mit 15:5 und Germania Marburg mit 15:7 Punkten.

In der Aordgruppe sorgten die Hersfelder Hes­sen mit einem 5:2°Sieg über Sport Kassel für die Tleberraschung des Tages. Daß die Kasseler Her­manen mit 5:2 über Sp.-Vg. Göttingen erfolgreich bleiben würden, war eigentlich zu erwarten. Das Treffen Göttingen 05 gegen SuS. Aortheim fiel der üngun st der Witterung zum Opfer. Durch Sports Niederlage hat Göttingen 05 seine führende Posi­tion in der Nordgruppe wesentlich befestigen ken­nen, die Elf führt klar mit 20:2 Punkten vor Spv. .Kassel und Sport Kassel mit je 11:7 Punkten.

Punktkämpfe in der Gruppe Main.

Die Gruppe Main hatte als bedeutendstes Spiel das Treffen zwischen den Anwärtern auf den zwei­ten Platz, Fußbollsportverein und Rot-Weiß auf der Karte. Bor 10 000 Zuschauern trug der Fuß­ballsportverein einen verdienten 5:3-(3:l-)Sieg da­von. Der Kampf um den zweiten Platz ist also wie­der offen. Vielleicht wird er, ebenso wie die Ab­stiegsfrage auch noch durch einenneuen Fall" eine Wendung erfahren. Germania Bieber hat seit dem 27. September einen Spieler unter falschen

einmal aus.

Nun versuchte Mussolini die Linie nach Amerika abzubiegen. Rom - Berlin - Washington, das klang auch nicht schlecht. Ein Zufall kam ihm zu Hilfe: Curtius, eine der größten Hemmungen, fiel aus. Jetzt tonnte der Duce feinen rechten Arm nach Ber­lin schicken, in der Hoffnung, Brüning werde die abermals bargetoftne Hand entschlossen ergreifen. Die Regie klappte geradezu wundervoll: als Grandi bei Brüning war, brauchte er gar nicht so deutlich zu werden. Das besorgte in Rom oder vielmehr in Neapel Mussolini und in Washington Senator Bo- rah. Man muß diese beiden hochpolitischen Erklä­rungen einmal nebeneinander halten, um zu er­kennen, wie leicht es der deutschen Re­gierung gemacht wurde, einzuschlagen. So ist noch selten einem in Not befindlichen, zaudern­den Staatsmann der Boden geebnet worden. Mus­solini wie Borah unterstützten die deutsche These hundertprozentig, um im amerikanischen Stil zu sprechen. Revision der Verträge, Streichung der Kriegstribute, gleichmäßige Behandlung in der Rüstungsfrage, wirtschaftliche Hilfe alles sollte Deutschland haben, sofern es sich nur in die angel­sächsisch-italienische Abwehrfront gegen die Heben forderungen Frankreichs (in Rom als Hegemonie empfunden) eingliedere.

Aber Brüning Cunctator wurde nochemmal über seine bessere Einsicht Herr, wie die einen fügen, er fand die Kraft, den Versucher abzuwehren, wie die

Voraussetzungen Mitwirken lassen und wird nun wahrscheinlich alle seit dieser Zeit gi Punkte verlieren. Vorteile aus diesem yi

Rom, Ende November.

Grandi blieb auffällig lange in Amerika, Brüning schweigt und Laval redet. Inzwischen arbeiten die Kabinette, schaukeln die Währungen und rattern die Maschinengewehre. Der ratlose Rat in Genf tagt in Permanenz und im Kinotanzt d e r K o n g r c ß". Es ist beinahe wie damals in Wien, nur daß es ein Totentanz ist, zu dem die Völker anzutreten scheinen. Das Heilmittel hat man in der berühmten europäischen Verständigung erblickt, es wird unendlich viel darüber geschrieben, aber wie weit sind wir gekommen? So weit wie vorher. Dabei wäre die Lösung so einfach man brauchte nur die guten Vorsätze, die nach Beendi­gung desletzten Krieges" aufgestellt wurden, zu verwirklichen. Statt dessen wird jetzt von einer Verschiebung der Abrüstungskonfe- r e n z gemunkelt. Offenbar gibt es zweierlei Staa­ten: solche, die warten können und solche, die nicht warten können. Zu den letzteren gehört Ita­lien.

zusammenbreche. Ungünstiger Augenblick für die Abrüstungskonferenz! Abwarten, bitte. Mal die französischen, mal die deutschen Wahlen. Es gibt keine Abrüstung ohne Sicherheit. Kein Gedanke an einen Verzicht auf Reparationen. Und so weiter. Kein Wunder, wenn man anfängt, die Nerven zu verlieren, wenn auch nicht in Berlin, so doch i n R o m. Und das ist durchaus begreiflich, denn Deutsch­land und Amerika haben immer noch weniger zu verlieren als Italien. Für Rom bedeutet das Fort- rourfteln eine allmähliche Zermürbung, das Scheitern der Abrüstungskonferenz würde den Sieg Frankreichs und damit seine Vorherrschaft auf eine Generation hinaus verbürgen. Don der Wirtschaftsnot der goldarmen Staaten ganz zu schweigen.

Eine Konferenz verschieben, tönt cs in fetten Lettern aus der faschistischen Presse, das könne man sich in normalen Zeiten wohl erlauben, aber die Zeiten seien ganz und gar abnormal. Was habe die Abrüstung mit Wahlen in Deutschland oder Frankreich zu tun? Für ein Hitlerpreußen sei das Problem dasselbe wie für ein Severing- preußen. Einfältig und gefährlich, mit solchen Aus­flüchten sich zu drücken! Heber den Ausgang der Konferenz brauche man sich keine Illusionen zu machen, aber sie werde auf jeden Fall gewisse Län­der zur Demaskierung zwingen und die nötige Klarheit für den schon im Gange befindlichen Weltprozeß über die Schuldigen schaffen.

Schade, daß die Konferenz nicht in Rom statt- findet. Hier würden vermutlich die Dinge, um die es geht, nicht mit schonen Kulissen verstellt, hier würde nicht getanzt werden wie auf dem Wiener Kongreß.

andern sagen. Das Ergebnis der Berliner Bespre­chungen, die Antwort an Mussolini und Borah läßt sich sinngemäß in die Formel zusammenfassen: Wir lassen uns gerne helfen, aber nur, wenn Frankreich dadurch nicht verstimmt wird. Das Rad der Welt­geschichte war einen Augenblick stehengeblieben, der Mann auf dem Stuhle Bismarcks hätte in die Speichen greifen können. Er tat es nicht.

Warum? Es ist bereits nur noch von geschicht­licher Bedeutung, denn das Rad dreht sich schon wieder. Grandi gewann immerhin einen tiefen Einblick in die furchtbaren wirtschaftlichen Verhält­nisse des Reiches, er hastete nach Rom, Mussolini zu berichten, schiffte sich ein paar Tage später nach 'Amerika ein. Uni) verkündete auch dort mit Nach­druck: E s i st 5 'Minuten vor 12. Es muß abgerüftet werden, oder in Europa kommt es wie im fernen Osten. Die Kriegsschulden müssen gestrichen werden. Es kann nicht bei all den unnatürlichen Grenzen bleiben. Es darf nicht heißen: zuerst Sicherheit, dann Ent­waffnung. Nein, das Waffenniederlegen muß vorausgehen, der Friede und die Sicherheit sind erst die Folgen der Abrüstung. Heber den vielen Festen und Banketten und Reden sollte man nicht vergessen, daß sich der junge Botschafter Mussolinis sichtlich aufreibt in diesem zähen Kampf um den Wiederaufstieg Europas.

Und die Antwort Frankreichs? Es könne nur von Vorteil fein, wenn Deutschland vollends

Mu s s o l i n i glaubte in seiner impulsiven Art die Sache nur in die Hai cd nehmen zu müssen, um Europa auf das richtige Geleise zu schieben. Er ging dabei von folgender Uebcrlegung aus: Die Theorie des Heilmittels tut cs nicht, so lange sie nur von den Kathedern gepredigt wird. Man muß praktisch zugreifen. Also gebe man der nun einmal vielenorts herrschenden Meinung nach, die euro­päische Gesundung brauche als Vorbedingung eine deutsch-französische Verständigung. Wie erreicht man sie? Offenbar nicht damit, daß man zu jeder französischen Forderung Ja und Amen sagt. Diese Methode hat sich nach zwölfjäh­riger Anwendung als unfruchtbar erwiesen. Ganz natürlich, denn das heeresmächtige Frankreich und das ohnmächtige Deutschland sind zu unnatür­liche Partner, um sich einigen zu können. Folglich muß man dem Schwächeren unter die Arme greifen, er muß einen englisch-italieni­schen Rückhalt haben, damit das, was er sagt, auch auf den Stärkeren Eindruck machen kann.

Rom leitete eine entsprechende Politik ein. Mit welchem Mißerfolg, ist jetzt vekannt: von Ita­lien wollte sich Deutschland nicht stützen lassen, innenpolitischen und frankophilen Gründen, England wurde plötzlich währungskrank. Es kriegte das indische Fieber, die Flotte machte Beschwerden, die Diät mußte nach dem 'Ausgang der Wahlen völlig umgestellt werden. England schied zunächst

Zußball der Gießener Mannschaften.

Die ursprünglich für den gestrigen Sonntag an» gesetzten Spiele gelangten nicht alle zum Austrag. Schlechte Bodenverhältnisse herrschten allenthalben und drückten das Niveau der Spiele. Trotzdem auch auf dem VfD.-Plah die Bodenverhältnisse sehr zu wünschen übrig ließen, kam dort doch ein interessanter Kampf zwischen DfB. Gießen und Kurhessen Kassel zustande. Die Kasseler waren während der ganzen Spielzeit die besseren, sanden sich besser mit dem Platze ab, als die Platzbesitzer selbst und führten ein sehr schönes Spiel vor, das sie mit 6:1 gewinnen konnten. Zur Halbzeit stand das Spiel 2:1 für Kassel. Die 1. Jugend des BfD. gewann das Spiel gegen die 1. Jugend des Sportvereins Wetzlar mit 2:0, während die 2. Jugend gegen die gleiche Jugend von Wetzlar 0:2 verlor.

Die Liga der Spielvereinigung 1900 war spiel­frei. Die Ligareserve verlor gegen die 1. Mann­schaft von Oberbiel überraschend hoch mit 0:5. Die 4. Mannschaft mußte sich in Lollar auch geschla­gen bekennen. Das Ergebnis lautete 2:4 für Lol­lar. Die 5. Mannschaft trat gegen Muschenheim an und siegte über die Mannschaft des Ver- bandsneulings mit 3:1. Die 1. Jugend weilte in Butzbach und vermochte lediglich ein Unentschie­den zu erringen. Die übrigen Iugendspiele fielen zum Teil den schlechten Platzverhältnissen zum Opfer. Die Gegner der Schüler blieben aus.

Fußball in Hessen Hannover.

(Ein lag der Ucberrafchungen.

Am zweiten Sonntagnach Halbzeit" wartete die Bezirksliga in Hessen, Hannover mit großen Lieberraschungen aus. Die größte Sensation des Tages leisteten sich die Marburger Germanen, die sich nach ausfallend schwachen, Spiel von Hessen 09 in Kassel mit nicht weniger als 6:0 schlagen ließen und dadurch auf den dritten Tabellenplatz zurück- fielen. Der Bezirksmeister SH. 03 mußte eine neuerliche Aiederlage hinnehmen, er verlor trotz

Gießener Gtadttheater.

Paul Branns Marionetten'Theater Münchener Künstler.

Das zweitägige Gastspiel der Münchener Ma- rionettenbühiie Paul Brann, der uns schon früher einmal mit seinemFaust" besucht Hot. wurde diesmal mit einem weihnachtlichen Auf­takt eingelcitei: man sah dasM ysterium von der Geburt des Heilandes .ein Krippenspiel in fünf Bildern und einem Bor­spiel mit Benutzung alter Weihnachtsspiele und Lieder von Paul Brann, der das Ganze auch in Szene gesetzt hat. Figuren und Dekorationen sind von Prof. Jos. Wackerle entwor,en. Die begleitende und umrahmende Musik stamnck von Bach und Händel und aus alten deutschen Bolks- weihnachtsliedern.

So entsteht unter der künstlerischen Leitung von Brann ein Marionettenspiel als selbständiges Kunstwerk im Zusammenklang von Musik und Figurenrhythmus, von farbigem Bild und ge­sprochenem und gesungenen Wort. Ein Spiel, volkstümlich-schlicht (mit dialektischen Anklan­gen) und ganz naiv erzählend, an den Höhe­punkten aber melodramatisch und fast opernhast gesteigert. Die uralte Weihnachtsgeschichte ist hier, vomSternfinger" eingeleitet, in fünf einfache Szenen aufgelöst, welche die wesentlichsten, auch von der bildenden Kunst oft aufgegriffenen Mo­tive behandeln: die Verkündigung Mariae, eine der schönsten Szene' des ganzen Spiels, m ü)rer zarten Stilreinheit an die frommen altdeutschen Madonnenbilder erinnernd: dann das Herberg­suchen, volkstümlich ausgemalt; die Hirten auf dem Felde: als dramatischer Höhepunkt: die Szene des Königs Herodes mit den Teufeln: und als weihevoller Ausklang die Anbetung vor der Krippe zu Bethlehem. .

Die Figuren, vor allem die Maria, der Enget und der Herodes, sind mit feinem künstlerischen Geschmack charakterisiert und bekleidet. Die Sprech- und Singstimmen hinter der Szene verbinden sich harmonisch und wohllautend mit der alten Weih-- nachtsmusik. Leider war die erste Ausführung nicht so stark besucht, wie man es hätte erwarten müssen zumal von Erwachsenen, für die dieses Krippenspiel 'A^ntlich besser geeignet erscheint als für die Kinder, die am ersten Tag den Hauptteil des Publikums ausmachten.

Ein heiteres Intermezzo bildet die zweiteilige GroteskeGoethe im Examen", die der

Kritiker Alfred Polgar und der Kulturhisto­riker Egon F r i e d e l l gemeinsain geschrieben haben, während der hervorragende Zeichner und Karikaturist Olaf Gulbransfon die Figuren und die Ausstattung dazu entworfen hat: in Szene gesetzt von Paul Brann. Das Ganze ist ein Kulisfenscherz, der auf dem mit allerlei Frechheiten und Anzüglichkeiten gespickten Einfall beruht, den seligen Geheimrat von Goethe aus den himmlichen Gefilden auf die Erde hernieder und für einen ängstlichen und schlechten Schüler ins Literatur-Examen steigen zu lassen. Das Motto hierfür ist zu einer traurigen und lächer­lichen Berühmtheit gelangt, es stammt vom Pro­fessor Düntzer »nd lautet knapp und kernig: Hier irrt Goethe." Man sieht es schon kommen, wie die alte Exzellenz mit ihrem gemütlichen Frankfurter Dialekt elend durchrasselt, weil sie über die elementarsten Ereignisse in Goethes Leben und Werk nicht so Bescheid weiß, wie, der verbohrte Examinator und der streberischeMufter- schülcr ihn überlegen belehren: Satire auf das akademische Banausentum: beherzigenswerte Mah- nung zu Beginn des Iubiläumsjahres 1932.

Den 2lbschluß bildeten zwei kleine Spielopern für Marionetten: zunächst die komische OperLa serva padrona von Pergolese: Ausstattung von Prof Jos. Wackerle. Wir sahen am zwei­ten Abend das SingspielD a st ie n und Ba­stienne", ein Jugendwerk von Mozart, das auch auf der großen Bühne immer wieder gerne gegeben wird: in Szene gesetzt von Paul Brann: die neuen Puppen und Dekorationen schuf Pro­fessor Leo P a f e 11 i. Es war ein reizender Abschluß und, für unser Gefühl, der künstlerisch stärkste Eindruck des ganzen Gastspiels. Hier deckt sich der Marionettenspiel-Stil mit dem Stil des empfindsamen Schäferspiels aus dem gra­ziösen und amourösen Aokoko und der unendlich zarten, beschwingten und spielerischen Melodie- führung Mozarts in der vollkommensten Form. Auch schienen uns die Figuren vor der pastell- farbenen, idyllischen Landschaftsszenerie gerade hier von einer so natürlichen Anmut bewegt, daß man sich unwillkürlich an Heinrich von Kleists tiefsinnige Betrachtungen über das Marionetten­theater erinnert fühlte. Zugleich war diese Aufführung wie eine feine und liebenswürdige Huldigung an den Genius des großen Salzburger Musizierers, der vor 140 Jahren, am 5. Dezem­ber 1791, in Wien gestorben ist.

Paul Brann dankte zuin Schluß persönlich für den Beifall des Auditoriums. hth.

Um den höchsten Berg der Welt.

Einer Expedition junger englischer Bergsteiger unter Führung von S. S. Smythe ist es gelungen, zweimal den Berg Kämet, einen der hohen Gipfel des Himalaja, zu ersteigen. Bei dieser Besteigung sind Erfahrungen von großer Bedeutung gemacht worden, die eine günstige Aussicht für die Erreichung des höchsten Zieles des Bergsteigersports eröffnen, für die bisher stets vergebens versuchte Eroberung des höchsten Berges der Welt, des Everest. In einer längeren Schilderung der Besteigung des Kämet, die Smythe in derTimes" veröffentlicht, gibt er wert­volle Lehren für eine Expedition nach dem Everest, die von ihm unternommen werden soll, wenn die politischen Hindernisse überwunden sein werden, die gegenwärtig dem Einmarsch nach Tibet entgegen- stehen. Die Technik der Besteigung der höchsten Berge, die bei früheren Angriffen aus die Spitzen des Himalaja ausgebildet wurde, bestand in einer ArtHeberfallstaktik". Man war der Ansicht, daß solche Gipfel nur erobert werden könnten, wenn man die letzte und entscheidende Besteigung der Gipfel­höhe möglichst rasch ausführe, um auf diese Weise die Gefahren der allzu dünnen Höhenluft nicht lange wirken zu lassen. Aber dann erkannte man, daß diese Eroberung im Sturm" sich bei den höchsten Höhen nicht durchführen ließ, und ging nun zu einerBc- lagerungstattif" über. Ein allmähliches Vordringen von einem Lager zum andern gibt nämlich dem Körper die Möglichkeit, sich in den großen Höhen zu akklimatisieren.Wenn die Everest-Expeditionen von 1922 und 1924 imstande gewesen wären, sich längere Zeit zu akklimatisieren", schreibt Smythe,so würden sic wahrscheinlich den Sieg errungen haben. So aber paßten einige der kräftigsten Bergsteiger sich den neuen Verhältnissen erst völlig an, als es zu spät war. Die nächste Everest-Expedition wird in den verschiedenen Höhenlagen bequeme Lager ein- richten müssen und so ganz allmählich vordringen. Mit dieser Fähigkeit zur Anpassung des Körpers an große Höhen geht aber eine Verschlechterung des Körperzustandes Hand in Hand, die sich in mangeln­dem 'Appetit, Schlaflosigkeit und teilweise geistiger Unempfindlichkeit äußert. Eine solche Verschlechte­rung des Befindens ist bei Hohen über 7000 Meter unvermeidlich. Die Aufgabe für den Bergsteiger im Himalaja besteht nun darin, das beste Mittel zwi­schen Akklimatisierung und Verschlechterung des Be­findens festzustellen. Das ist keine leichte Ausgabe, da jedes Mitglied einer Expedition verschieden reagiert, während die Wetterbedingungen und andere unvorhergesehene Schwierigkeiten die sorg­fältigste Vorbereitung erfordern. Seim Angriff

94 Frankfurt kam gegen Griesheim zu einem wert dienten 4:2-Sieg und einwandfrei war auch der 2:0- Sieg von Hanau 93 gegen Heusenstamm.

Oie Punktkämpfe in Hessen.

In der Gruppe Hessen haben sich bekanntlich Mainz 05 und Wormatia Worms bereits für die Endspiele um die süddeutsche Meisterschast quali­fiziert, aber im Spiel dieser beiden Mannschaften sollte am Sonntag in Worms auch die Entscheidung in der Frage nach dem neuen Meister fallen. Die Frage kann noch nicht beantwortet werden, denn das Treffen wurde nach 42 Minuten Dauer beim Stande von 0:0 durch den Offenbacher Schiedsrichter Klimm abgebrochen, da der Platz mit Pfützen über­sät war und ein einwandfreies Spiel nicht mehr zuließ. Von den übrigen Ergebnissen interessiert die 2:3-Niederlage von Darmstadt 98 gegen SV. Wiesbaden. Das'Schicksal von Darmstadt 98 ist da­mit besiegelt, die Mannschaft wird zusammen mit Walldorf den Weg in die zweite Klasse antreten müssen. Kastel landete einen überraschend hohen 8:1-Sieg gegen Lorsch. Stoffels Sturm war endlich erwacht, aber das hohe Resultat ist auch darauf zurückzuführen, daß der Lorscher Tormann beim Stande von 4:1 verletzt wurde.

Neuer deutscher Schwimmrekord.

Im Rahmen des Düsseldorfer Wasserballturniers im dortigen Stadtbad unternahm Fräulein Elfriede Sasserath vom SD. Rheydt 03 unter offizieller Kontrolle einen Angriff auf ihren eigenen Rekord im 2 0 0 - Metcr - R iickenschwimmen, der auch vollauf glückte. Frl. Sasserath benötigte für die Strecke 3:09,8 und blieb damit um 4,7 Sekunden unter ihrer eigenen Bestleistung vom 21. Mai d. I.

Oie profivereine bauen ab.

Die Berufs - Fußballvereinc der Mittelstaaten haben größere Abbaumaßnahmen angekündigt. Nachdem bereits vor einiger Zeit der österreichische AltmeistervereinRapid" Wien eine ganze Reihe von guten Spielern entlassen hat, beginnt jetzt auch der bekannte Prager Vorortverein Bohemians ab= zubaucn. Bemerkenswert daran ist, daß es sich bei Bohemians um -«inen der bestfundierten Vereine der Tschechoslowakei handelt.

Kurze Sportuotizen.

Eilly Äußern wurde beim Endspiel um die Meisterschaft von Chile im Einzel von ihrer Landsmännin Bost 8:6, 6:2 geschlagen. FrLRost holte sich außerdem mit Eilly Äußern die Meister­schaft im Damendoppel und mit Egon Schönherr zusammen auch den Titel im Gemischten Doppel.

Der Turnausschuß der DT. hat be­schlossen, trotz aller Not der Zeit an dem Plan, das Deutsche Tumsest 1933 in Stuttgart durch­zuführen, festzuhalten.

Leipzig und München erheben Anspruch auf das am 6. März stattfindende Fußball-Län­derspiel zwischen Deutschland und der Schweiz.

Der Fuhball-Länderkampf Belgien gegen Schweiz in Brüssel endete mit einem nur knappen 2:1- (Halbzeit 1:0-) Sieg der Belgier.

Als erster süddeutscher Gruppen­meister wurde nach seinem 6:0-Sieg über Äheinfelden der Karlsruher FV. in der Gruppe Baden ermittelt.

Der Berliner Schlittschuh-Club schlug in Kattowitz im Eishockeytreffen die pol­nische Nationalmannschaft vor 9000 Zuschauern mit 2:1. e

4 5 8 Stundenkilometer erreichte der amerikanische Flieger Bayles und stellte damit einen Weltrekord für Landflugzeuge auf.

Taten für Montag, 7. Dezember.

1835: Eröffnung der ersten deutschen Eisenbahn Nürnberg-Fürth.

auf die größten Gipfel des Himalaja wird eine Truppe notwendig sein, die groß genug ist, daß zwei oder mehrere gesonderte Angriffe unternommen werden können und den einzelnen Mitgliedern ge­nügend Zeit zur Akklimatisierung bleibt. Während für den Kämet sechs Bergsteiger genügten, würde es falsch sein, die Bezwingung des Everest mit weniger als acht Alpinisten zu versuchen." Nach der Ansicht des Verfassers ist das schlechte Befinden in der Hauptsache dem Fehlen des Vitamins C in der Nahrung zuzufchrciben. Er und feine Gefährten aßen so viel wie möglich frische Gemüse und Früchte und tränten, wenn dies nicht zu erlangen war, ßimo- nenfaft als besten Ersatz. Infolgedessen war die Ge­sundheit der Expedition vortrefflich. Sauerstoffappa­rate wurden nicht verwendet: wenn sie aber benutzt worden wären, so würde man wohl die Frostschäden vermieden haben, da die Sauerstoffzufuhr in großen Hohen den Blutkreislauf belebt. Smythe empfiehlt daher für die Everest-Besteigung die Verwendung des Sauerstoffs in bescheidenem Umfange, indem leichte Apparate während der Bezwingung der weni­gen letzten hundert Meter benutzt werden sollen. Von größter Bedeutung sind sodann die Fragen des Transports, indem die besten eingeborenen Träger gewonnen werden müssen. Auch genügt nicht eine große Erfahrung im Bergsteigen, sondern es kommt auf außerordentliche Charakterstärke und Willens- traft an. Wenn man bei der nächsten Everest-Expedi- tion dieBelagerungstaktik" anwendet und möglichst viele Lager in verschiedenen Höhen einrichtet, in denen sich die Bergsteiger langsam akklimatisieren, dann glaubt Smythe, daß bei durchschnittlich gutem Wetter während der günstigen Witterungsverhält­nisse am Ende des Monsuns die Bezwingung des höchsten Berges der Welt gelingen wird.

Hochschulnachnchlen.

Rektor und Senat der Technischen Hochschule zu D a r m st a d t haben auf einstimmigen Antrag der Abteilung für Bauingenieurwe'en dem Reichs- bahndirektionspräsidenten Max Leibbrand in Essen in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um die Entwicklung des deutschen Eisenbahnwesens, besonders um die Vervollkomm­nung der Güterzugbildung und des Güterzug- fahrplans die Würde eines Doktor-Inge­nieurs ehrenhalber verliehen.

Der Wiener Staats- und Verwaltungsrechts­lehrer Professor Dr. Rudolf M c r k 1 hat den Ruf nach Marburg abgelehnt.