Ausgabe 
7.12.1931
 
Einzelbild herunterladen

Aus Der Provinzialhauptfiodt.

Gießen, den 7.Dezember 1931.

Oie Fütterung der Böget im Winter.

Für gewöhnlich besteht das von mitleidigen und tierliebenden Menschen im Winter ausgcstreute Futter sür unsere notleidende Vogelwelt aus Speisc­abfällen und Brot. Dies genügt meist nur für die Sperlinge. Erfahrungsgemäß können aber Kiichen- rcste bei einer Reihe von Vögeln, sofern sie in ihrem großen Hunger überhaupt dieses Futter zu sich nehmen, unter Umständen den Tod herbeiführen. Deshalb ist die wichtigste Forderung, will man jeder einzelnen Vogelart in der Zusammensetzung des

"ers gerecht werden:DieFütterungmuß naturgemäß sei n", d. h. man muß versuchen, den körnerfressenden Vögeln größtenteils Sämereien, den insektenvertilgenden hauptsächlich Kerbtiere oder andere entsprechende Ersatzstoffe zu bieten. An- gefeuchtetes oder gar nasses Futter ist unter allen Umständen zu vermeiden, da es infolge der Kälte gefriert, von den hungrigen Vögeln etwa ausgenom­men ihnen den Tod bringen wird. Aus diesem Grunde ist zu empfehlen, Trockenfutter, sogenannte Futter st eine, herzustellen. Sehr bewährt haben sich neuerdings auch die F u t t e r r i n g e. Beide kann man unbedenklich in den verschiedenen Futter­häuschen, -apparaten und -Plätzen auslegen. Der be­deutende Ornithologe Freiherr von Berlepsch hat seinerzeit in derOrnithologischen Monatsschrift" eine Anleitung gegeben, wie man auf nicht kostspie­lige Weise solche Futtersteine selbst Herstellen kann. Sie sind überdies auch nach seinen Angaben von einer Reihe von Firmen hergestellt worden und dort für wenig Geld zu haben. Hier sei das Berlepsche Rezept wiedergegeben:

Getrocknetes, gemahlenes Weißbrot 150 Gramm

Getrocknetes, gemahlenes Fleisch 100

Hanf, ganz 200

Hanf, gemahlen 100

Mohn 100

Mohnmehl 50

Hirse 100

Hafer 50

Getrocknete Holunderbeeren 50

Sonnenblumenkerne 50

Ameiseneier 50

Trockenfutter 1000 Gramm

Dazu müssen noch etwa 1400 Gramm Fett, Rin­der- oder Hammeltalg vermischt werden.

Es ist natürlich nicht notwendig, wenn man selbst solches Trockenfutter herstellen will, sich strikte an diese Angaben zu holten. Vielmehr soll es nach Ludwig AnkenbrandsVogelschutz im Winter und Sommer" ebenso zweckdienlich sein, gerade den Meisenarten, die mit Vorliebe die Futtersteine auf­suchen, nicht übermäßig Fett und Fleisch zu reichen, da sie es draußen in der Natur auch nicht in Hülle und Fülle vorfinden. Ankenbrand hat mit Rücksicht darauf ebenfalls einen Futterstein zusam­mengestellt, der an Stelle des Fleisches im Bcr- lepschen Rezept mehr Samen, fetthaltige Nüsse und Weißwurm bringt.

Nicht jeder angelegte Futterplatz wird von allen Vogelarten besucht. Der aufmerksame Beobachter hat bald herausgefunden, daß diese oder jene Vögel in größerer Zahl vertreten sind. Danach ist es leicht, außer den Futtersteinen andere für die betreffenden Vogelarten passende F u t t e r m is ch u n g e n zu­sammenzustellen. So eignen sich für:

Meisen (Blau-, Kohl-, Schwanz-, Sumpf-, Tan­nenmeise usw.): Sonnenblumen-, Kürbis-, Gurken­kerne, Nüsse, Mohn, Hanf (ganz), Ameisenwürmer, Mehlwürmer, Speck, Weißwürmer.

Fi n k e n aller Art (Buch-, Blut-, Distelfink, Hänf­ling, Zeisig usw.): allerlei Sämereien, Hanf, Hafer, Mohn, Distel- und Fichtensamen, Hirse, Brot und Kartoffeln für Sperlinge und Haubenlerche.

Amseln, Drosseln: Speiseabfälle, faule Aepfel, Beeren aller Art, Hagebutten usw.

Schlüpfer: wie Goldhähnchen, Zaunkönig, Braunellen: gemahlener Hanf, Mobn- und Wege­richsamen, Weiß- und Mehlwürmer, Ameisenpuppen.

Gerade' den letzteren Vogelarten ist die Anbrin­gung eines Futterhäuschens mit ausgelegter Futter­mischung in einer Hecke oder im dichten Unterholz sehr willkommen.

Ebenso notwendig wie die Fütterung der Vogcl- roelt ist auch die Versorgung mit Wasser. Der Durst dürfte manchmal den Vögeln die gleiche Qual bereiten, wie der Hunger. Man stelle deshalb einigemal am Tage in ein Gesäß (Blumentopfunter­satz u. ä.) lauwarmes Wasser bereit. Damit es nicht so' schnell gefriert, lege man einen heißgemachten Stein hinein.

Diese Darlegungen sollen nur Anregungen fein, unserer lieben Vogelwelt die harte Zeit des Winters leichter überstehen zu helfen. Im allge­meinen erfordert unsere Unterstützung nur geringe Mühe und Kosten. Die buntgefiederte Sängerschar wird die aufgewendete Arbeit im Laufe des Som­mers zu belohnen wissen. Bd.

Gefährdete Heimat im deutschen Osten.

Der Kaufmännische Verein und der Ortsgewerbe­verein hatten am Freitag zu einem Vortragsabend in die Neue Aula der Universität eingeladen. Dr. von P a p e n - Dresden sprach über das Thema Gefährdete Heimat im deutschen O st e n". Der Redner erörterte zunächst die Lage im Osten, wie sie sich durch die Schaffung des Kor­ridors und des Freistaates Danzig in ihren grund­sätzlichen Bedingtheiten durch den Versailler Ver­trag ergeben hat. Die Polen, so führte er u. a. aus, seien erfüllt von dem Bestreben, ganz Ost­preußen ihrem Lande einzuverleiben mit der^ Be­gründung, daß Ostpreußen, wie auch die Stadt Danzig ihrer Geschichte nach durchaus polnisch seien. Der Vortragende erbrachte in einem eingehenden Rückblick auf die Geschichte des Landes den Nach­weis, daß Ostpreußen nach seiner politischen und völkischen Struktur n-cmals als ursprünglich pol­nisch bezeichnet roerbi.i könne. Insbesondere erör­terte der Redner die Bedeutung der Deutschordens­ritter für das Land, deren politisches und kulturel­les Wirken untrennbar mit der Geschichte Ostvreu- ßcns verknüpft sei. In seinen weiteren Ausführun­gen machte er seine aufmerksamen Zuhörer mit der gegenwärtigen Situation in Ostpreußen vertraut, sprach von der ungerechten und unsinnigen Grenz­ziehung des Korridors, durch die Ostpreußen von der Weichsel abgetrennt, 83 Eisenbahnlinien, Stra­ßen und Nebenstraßen abgeschnitten und keinerlei Rücksichten auf Industrie und Landwirtschaft genom­men wurden. So habe sich als eines von vielen Beispielen der typische Fall ergeben, daß ein Land- wirt, um zu seinem über einem Bach liegenden Stallgebäude jenseits der polnischen Grenzlinie zu gelangen, eines Passierscheines bedarf, den er stän­dig bei sich tragen muß, wenn er sich nicht der Gefahr aussetzen will, verhaftet zu werden, sofern er ohne Paß auf dem polnischen Gebiet angetroffen

Hessische Vereinigung für Volkskunde.

Zahrestagung und 30. Jubiläum.

Die Hessische Vereinigung für Volkskunde, die im Jahre 1901 in Gießen gegründet wurde, hielt am Samstag in Greßen unter dem Vorsitz von Oberstudiendirektor Dr. Faber in Verbindung mit der Feier des 30- jährigen Vestehens ihre diesjährige Jahrestagung ab. In der

Hauptversammlung, die nachmittags imHindenburg" stattfand, ge­dachte der Vorsitzende zunächst ehrend der im abgelaufenen Jahre verstorbenen Mitglieder. Der Jahresbericht des Vorsitzenden muhte leider einen weiteren Rückgang der Mitgliederzahl fest- tellen, die zur Zeit 538 beträgt.. Dankbare An­erkennung sand die finanzielle Unterstützung, die die Aotgemeinschast der Deutschen Wissenschaft, der Kreis Gießen, Dr. Müller-Flix (Spanien) und W. Rohrbach (St. Louis) wieder gewährt haben. Daß der Staatszuschuß in diesem Jahre ausgeblieben, wurde lebhaft bedauert, weil da­durch die Weiterherausgabe derHessischen Vlät- ter für Volkskunde" erschwert werde. Besonderer Dank galt Prof. Dr. Hepding (Gießen), dem Herausgeber derHessischen Vlätter für Volks­kunde", der durch seine verdienstvolle Arbeit den Rus der Vereinigung über die Grenzen der engeren Heimat hinaus mit begründen half. Das volkskundliche Archiv in Gießen hat weiteren wertvollen Zuwachs an volkskundlichem Material erhalten. Die von Oberstudiendirektor Dr. Faber chon vor Jahren besorgte hessische Volkslied-- ammlung wird nun ihre musikalische Bearbeitung durch Studienrat Delp (Athen) erfahren und dann herauskommen. Die hessische Flurnamen­sammlung erfreut sich großer Beliebtheit. Zur Zeit ist die umfangreiche Arbeit von Walter v. Hahn über die Flurnamen von Darmstadt im Druck,' folgen wird die fertige Sammlung von Pfarrer Schulte über Großen-Linden. Druckfertig ist auch die Arbeit von Lehrer 2m- m e i über Homberg a. d. O.

In der regen Aussprache wurde beschlossen, den nächsten Vand derHessischen Vlätter für Volks­kunde" als Doppelband 1931/32 im kommenden Frühjahr herauszubringen. Der Vorsitzende er­hielt den Auftrag, beim hessischen Kultusministe­rium alles zu versuchen, daß der Staatszuschuß auch weiterhin gewährt werde. Unter lebhaftem Veisall erfolgte die Ernennung von Pfarrer Schulte, Großen-Linden, zum Ehrenmit­glied, als nachträgliche Ehrung zum 70. Ge­burtstag des hochverdienten hessischen Volks­kundeforschers und langjährigen Vorsitzenden der Vereinigung.

Einstimmig erfolgte die Wiederwahl des seit­herigen Vorstandes auf drei Jahre. Prof. Dr. Maurer, der infolge seiner Derufung nach

Erlangen aus dem Vorstand ausgeschieden ist, wurde in den dreißigköpfigen Ausschuß gewählt, um seine schätzenswerte Mitarbeit der Vereini­gung zu erhalten.

Rach Schluß der Hauptversammlung überbrach­ten unter Würdigung der verdienstvollen Arbeit der Vereinigung herzliche Glückwünsche zum 30- jährigen Bestehen: Universitäts - Bibliotheks- Direktor Prof. Dr. Ebel im Ramen des Ober- hessischen Geschichtsvereins, aus dem die Vereini­gung hervorgegangen ist, und Archivrat Dr. Clemm im Auftrage des Historischen Vereins für Hessen und des Verbandes der Hessischen Ge- schichts- und Altertumsvereine.

Abends fand im Großen Hörsaal der Llniver- fität ein eindrucksvoller

Festakt

statt, bei dem der Vorsitzende überzeugend aus­führte, daß volkskundliche Arbeit in dieser Rot­zeit mehr denn je notwendig sei und Förderung verdiene.

Llniversitätsprofessor Dr. Helm, Marburg, berichtete in einer AnspracheV o r 3 0 2 a h - r e n von den Vorgängen, die 1901 zur Grün­dung der Vereinigung geführt haben, und ge­dachte dabei der Männer, die damals als trei­bende Kräfte die Organisation mustergültig durch­führten und daneben der wissenschaftlichen Volks­kundeforschung in Hessen die Wege ebneten.

Den Fe st vortrag hielt Hochschulprofessor Dr. Adols S p a m e r (Dresden), ein Sohn des Hessenlandes, überWesen und Ziele der Volkskunde". Der Redner führte in einstün­diger Rede, die stark den Gegenwartswert wirt­schaftlicher Volkskundeforschung herausstellte, etwa aus: In einer vor dem Krieg kaum vorauszu­schauenden Leidenschaftlichkeit haben sich heute die volkskundlichen Probleme entwickelt, die alle Wissenschaften zur Stellungnahme zwingen. Die Hinwendung der Philosophie vom Idealis­mus zum Realismus, die Ablösung der volks­wirtschaftlichen Blütezeit durch volkskundliche Problemstellungen zwingen heute zu einem Üeberblick über den Stand der volkskund­lichen Forschung. Es ist die Aufgabe der Volkskunde, ein Bild der geistigen Lage des Vol­kes zu gewinnen aus greifbaren menschlichen Aeu- ßerungen in Wort, Werk und Idee. Doch dürfen diese Realien keine Aeberschätzung erfahren, da sonst die Gefahr einer Vermischung mit der Alter­tumskunde, der gegenüber die Volkskunde Gegen­wartswissenschaft ist, besteht. Betrachtungen im Sinne einer nationalen und sozialen Volkskunde rühren nicht an dem Grundcharakter dieser Wissen­schaft, während eine romantische Einstellung die Probleme nicht klar herausarbeitet.

wird. Der Redner berührte weiter das Problem DanzigGdingen, sprach von dem Druck auf Dan­zig, das mit polnischem Militär durchsetzt sei, von dem wirtschaftlichen Niedergang einzelner Städte, und den in mannigfacher Form sich äußernden Ver­tragsbrüchen der Polen. In eindrucksvoller Dar­legung wies der Redner die Gefahren auf, die über dem Lande liegen, dessen Deutschtum auf das äußerste bedroht sei. An Hand einer großen Anzahl technisch sehr guter Bilder sah man noch das schöne Ostpreußen, die alten Städte (Danzig, Königsberg, Tilsit, Deutsch-Eilau, Osterode, Elbing, Allenstein, Neidenburg usw.), die Samländische Küste, die Nehrungen und die Dünen, die masuri­schen Seen und die sonstigen Naturschönheiten, die vielen Deutschen leider noch fremd sind. Gleichzeitig lernten die Zuhörer im Bild die prächtigen Ordens­burgen und eine Reihe anderer bedeutsamer Bau­werke kennen. Mit einer Mahnung, die Deutschen im Osten nicht zu vergessen, beschloß der Redner seinen mit anhaltendem Beifall aufgenommenen Vortrag.

Was, wie, wann.

Kluger Rat für Weib und Mann: Sorge ständig jedermann, daß er weiß, als Scbutz und Pflicht, was und wie und wann er spricht.

Worte fallen ins Gewicht.

Doch der Kluge, wenn er spricht, denkt dabei an Zweck und Ziel und sagt nie ein Wort zuviel.

Worte gibt's wie Sand am Meer. Sie zu brauchen fällt oft schwer. Jeder halt' mit sich Gericht, was und wie und wann er spricht.

Puck.

Bornoti,cn.

TageskalenderfürMontag. Arbeits­gemeinschaft der Militär- und Regimentsvereine: Gefallenengedenkfeiern, Astoria-Lichtfpielhaus, Sel­tersweg, 16, 18 und 20.30 Uhr. Stadtkirche: 20 Uhr. Konzert des Leipziger Soloquartetts für Kirchengesang. FGF.: 20.30 Uhr: Monatsver­sammlung, Schipkapaß. GFF.: Frankfurter Hof, außerordentliche Hauptversammlung. Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße:Er und sein Diener".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen gelangt als 10. Vorstellung im Dienstagabonnement das SchauspielWilhelm Tell" von Friedrich von Schiller in völlig neuer Inszenierung unter der Spielleitung von Peter Fas ott in dieser Spielzeit erstmalig zur Auf­führung. Beginn: 20 Uhr; Ende: 22.15 Uhr.

Kirchenkonzert. Es sei noch einmal auf das heute abend in der Stadtkirche ftatt- sindende Konzert des Leipziger Soloauartetts hingewiesen. (Räheres in der heutigen Anzeige.)

** Der Kupferne Sonntag brachte ge­stern den Geschäftsstraßen unserer Stadt einen außerordentlich starken Verkehr. Der Zustrom von auswärts war sehr groß. Die Reichsbahn mußte mittags und auch bei der Rückkehr der Besucher am Abend alle Züge verstärkt fahren, damit den Befprderungsansprüchen in vollem Umfange ge­nügt werden konnte. Das Publikum beschränkte sich zum Teil auf eine Besichtigung der Schau­fensterauslagen, es wurde aber auch schon ziem­lich erheb ich gekauft, zumal von der auswärtigen Bevölkerung, von der die meisten Leute mit Pa­keten beladen die Heimfahrt antraten. Im großen und ganzen wird man also sagen können, daß der gestrige Sonntag ein erfreulicher Auftakt für das Weihnachtsgeschäft gewesen ist und die große Mühewaltung unserer Geschäftswelt bei der Aus­stattung der Warenläger und der Schaufenster in der gebotenen Weise gelohnt hat.

** Veränderung beim Oberlandes­gericht. Aus Grund des Altersgrenzegesetzes tritt am 1. Januar 1932 der Senatspräsident beim Ober­landesgericht zu Darmstadt Richard Härtner in den Ruhestand.

** Reuer Denkmalpfleger für die Bodenaltertümer in Oberhessen. Das Ministerium für Kultus und Dildungswesen gibt bekannt: An Stelle des auf fein Rachsuchen von dem Amt des Denkmalspflegers für die Boden­altertümer in der Provinz Oberhessen entbundenen Professors Helmke zu Gießen wurde mit Wir­kung vom 1. Dezember d. 2. bis auf weiteres der Pr vatdozent an der La '.desuniversität Gi ßen Dr. Heinrich Richter zu Gießen zum Denkmalpfleger für die Bodenaltertümer in der Provinz Ober- Hessen bestellt.

* Ehrung von Hausangestellten. Man berichtet uns: Dieser Tage sand im Saale des Cafe Leib die diesjährige Ehrung von solchen Hausangestellten statt, die eine längere Reihe von 2ahren bei hiesigen Familien in Stellung sind. Zu der Feier waren 41 Hausangestellte in Begleitung ihrer Dienstherrschaften erschienen. Don diesen 41 Angestellten sind 11 bereits seit 45, 40, 26, 25, 19, 18 und 15 2ahren je in einer Familie tätig; diesen 2ubilaren der Arbeit wur­den als äußere Zeichen der Anerkennung Sessel gestiftet und Diplome überreicht. 8 Angestellte wurden für 10jährige treue Dienstzeit mit je einem Schmuckstück ausgezeichnet, 22 Hausange­stellte erhielten für 5jährige Arbeitszeit je einen silbernen Kaffeelöffel und Diplom. 2n Vertretung der erkrankten 1. Vorsitzenden leitete Frau Sani- tätsrat Dr. Schliephake die Feier. Mit warmen und tief empfundenen Worten der An­erkennung und des Dankes brachte sie den Zubi­laren die Wertschätzung ihrer Dienstherrschaften für die langjährigen treuen Dienste zum Aus­druck. Musikalische Vorträge von jungen Künstle­rinnen der Meyerschen Musikschule trugen wesent­lich zur Verschönerung der Feierstunden bei. Die Veranstaltung war auch in diesem 2ahre wieder eine eindrucksvolle Bekundung der ver­ständnisvollen Würdigung langjähriger treuer Arbeit und des guten Verhältnisses zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

* * Aufgeklärte Diebstähle. Der heutige Polizeibericht meldet: In der Nacht zum 29. Novem­ber wurden einem Fuhrunternehmer aus seinem Anwesen in der Neustadt 7 Zentner Hafer gestoh­len. Als Täter wurde der 29 Jahre alte Schlosser F. H. von hier, der vor einiger Zeit bei dem Ge­schädigten bedienstet war, ermittelt und festgenom­men. Der Hafer konnte bei einem hiesigen Wirt sichergestellt und dem Geschädigten ausgehändigt werden. Es war dies bereits der dritte Unterstell­platz, den der Täter der größeren Sicherheit wegen gewählt hatte. Bei den Ermittelungen stellte sich heraus, daß der Täter bereits einige Zeit vor dem letzten Diebstahl dem Geschädigten einen nächtlichen Besuch abgestattet hatte und dabei 4 Zentner Hafer mitgehen ließ. Dieser Hafer ist verkauft worden und konnte bis jetzt nicht herbeigeschafft werden. Eine Anzahl Personen wird sich wegen Hehlerei zu verantworten haben. H. wurde dem Amtsgericht zugeführt. In den letzten Wachen sind in unserer Stadt in sechs Fällen Stallhasen und in einem wei­teren Falle ein kompletter Hasenstall entwendet worden. Es ist nun gelungen, der Täter habhaft zu werden. Es handelt Jia) um drei Jungen im Alter von 14 und 11 Jahren. Zwei davon haben sich demnächst vor dem Jugendrichter zu verant­worten.

** Preußisch- Süddeutsche Klassen- lotterte. Die Erneuerung der Lose zur 3. Klasse hat planmäßig spätestens bis zum 9. Dezember, 18 Ahr bei Verlust des Anrechts in der zuständigen Lotterie-Einnahme zu geschehen.

Dberljeffen.

Gemeinderat in Schlitz.

0 Schlitz, 6. Dez. 2n der jüngsten Sitzung des Gemeinderats teilte Bürgermeister Dr. Riepoth über Rötst andsarbeiten mit, daß die Anträge der Feldbereinigungsgesellschaft auf Bewilligung einer Grundförderung für die Verschleifung der Oberwegerhohl vom Landes­arbeitsamt bewilligt und die Arbeiten seit eini­ger Zeit flott im Gange seien. Etwa 70 Rot­standsarbeiter würden gegenwärtig bei dieser Arbeit beschäftigt. Weiter gab der Bürgermeister bekannt, daß auch die Voranschläge sür die Der- schleifung der Landwehrhohl, den Ausbau eines Feldwegs und die Regulierung der Bach fertig- gestellt seien, so daß voraussichtlich auch mit diesen Arbeiten im kommenden Monat begonnen werden könnte. Da infolge der wirtschaftlichen Lage eine große Zahl junger Leute, die in der Mehrzahl eine Handwerkerlehrzeit hinter sich hätten, ohne Beschäftigung sei und diese jungen Menschen auf Grund der gesetzlichen Bestimmun­gen in die Erwerbslosenfürsorge nicht ausgenom­men würden, gelte es, auch diesen irgendwie Arbeit zu verschaffen. Bürgermeister Dr. R i e - poth schlug deshalb vor, dem Gedanken des freiwilligen Arbeitsdienstes näher­zutreten. Für den freiwilligen Arbeitsdienst kä­men nur gemeinnützige und zusätzliche Arbeiten, die volkswirtschaftlich wertvoll seien und die als Rolstandsarbftten nicht durchgeführt werden konn­ten, in Betracht. Solche Arbeiten ließen sich auch in Schlitz unschwer finden, und mit deren In­angriffnahme hätten die jungen Leute Gelegen­heit, ihre brachliegenden Arbeitskräfte nutzbrin­gend zu verwerten. Der Gemeinderat erklärte sich mit den Plänen des Bürgermeisters grundsätzlich einverstanden und beauftragte ihn, alle weiteren Schritte in die Wege zu leiten.

Bezüglich der Hundesteuer soll es bei den seitherigen Sähen verbleiben. Zur Erhebung kom­men für den ersten Hund 12 Mark, für den zweiten 24 Mark und für den dritten 36 Mark.

Zum Schluß gab der Bürgermeister einen ileberblid über die finanzielle Lage der Stadt. Danach entspricht das im Entwurf vor­liegende Ergebnis des Rechnungsjahres 1930 den Erwartungen insofern, als ein Fehlbetrag in die­sem 2ahre nicht zu verzeichnen ist. Viel ungünstiger sind die Aussichten für das Rechnungsjahr 1931. Bekanntlich hat die Stadt die Grund- und Ge­werbesteuer um 6 b't'x 12 Prozent gesenkt. Der Ausfall von etwa 2500 Mark sollte ihr aus Mitteln der Sondergebäudesteuer erseht werden, eingegangen ist bis heute aber noch nichts. Auch die Reichssteueranteile gehen überaus schleppend ein, nach einer neuerlichen Mitteilung ist mit einem weiteren Ausfall von 5000 Mark zu rech­nen. Da der Vorsitzende in ilebereinftimmung mit dem Gemeinderat davon absieht, das entstehende Defizit durch neue Steuern zu decken, muß der voraussichtliche Fehlbetrag durch Einsparun­gen an anderen Stellen ausgeglichen werden, allerdings haben auch diese Ersparnismöglich­keiten ihre Grenzen. Sollten den Gemeinden vom Reich oder Staat neue Lasten auferlegt werden, stehe man auch in Schlitz vor den schwerwiegend­sten Entscheidungen.

Landkreis Gietzen.

3) Lich, 6. Dez. Der gesamte örtliche Be­darf an Christ bäumen kann in diesem Jahre, im Gegensatz zu den Vorjahren, aus dem Anfall im hiesigen Stadtwalde befriedigt werden. Darüber hinaus sind noch mehrere hundert Christ­bäume nach auswärts verkauft worden.

Kreis Spotten.

4 Glashütten, 6. Dez. Nachdem als letzte Feldbereinigungsarbeit die Drainage des Lachenseides durchgeführt ist, fand hier eine Versammlung der maßgebenden Körperschaften statt. Oberlandmesser Nies- Büdingen erläuterte an Hand der Starte das Ortsnetz, das von den An­wesenden begutachtet wurde und einstimmig An­nahme sand.

Q Wohnfeid, 6. Dez. Die Kulturfilm- st e l l e des Kreisschulamtes Schotten zeigte unter der Leitung von Schulrat H a s e n z a h l - Schotten in den Gemeinden Wohnfeld, Bobenhausen, Stöckers­dorf und Kölzenhain den NordlandfilmIm Lande der Mitternachtssonne". Der Film wurde mit großem Interesse dankbar ausgenommen. In diesen Tagen fand hier eine Versammlung von Interessenten des Ob st- und Garten­baues statt. Obstbauinspektvr E n k l e r - Gießen führte einige Obstbestimmungen durch und gab dann in einem Vortrag wertvolle Hinweise für rationellen Obstbau Er betonte, daß weniger Sor­ten, dagegen bessere Qualitäten im Obstbau ange­strebt werden müßten. In weiteren Ausführungen nannte der Redner Birnen- und Apfelsorten, die sich für den Anbau in der hiesigen Gegend beson­ders eignen. Der Vortragende sprach außerdem noch über Düngung, Veredelung und Schädlingsbekämp- sung und fand dankbaren Beifall.

Letzte Nachrichten.

Dor Erscheinen der Notverordnung.

B e r li n , 7. Dez. (LNV. Funkspruch.) wie wir erfahren, hat heute vormittag die letzte redak­tionelle Ueberarbeitung der Notverord­nung begonnen. 3n unterrichteten Kreisen rechnet man damit, daß sie Im Lause des Tages ab­geschlossen werden kann, so daß der Reichs­präsident am späten Abend seine Unter­schrift geben und die Notverordnung dann übet Nacht in Druck gehen würde. Die Veröffent­lichung dürste erst in den Mittwoch-Früh­blättern erfolgen, da der Reichskanzler die Absicht hat, nach der Ucbergabe der Verordnung an die Presse selbst das Wort im Rundfunk zu nehmen. Er will offenbar die ungewöhnliche Bedeu­tung, die dieser Notverordnung zukommt, klarstellen: außerdem liegt es nahe, daß der Kanzler sich unter Umständen auch zu der Verschärfung der politischen Situation äußert, die in den letzten Tagen ganz zweifellos eingelrelen ist.

Der erste Eindruck ist der beste Schöne weiße, mit Chlorodont-Zahnpaste behandelte Zähne verleihen i jedem Gesicht einen eigenen Reiz. Tube 50 Pf. Versuch überzeugt. Hüten Sie sich vor minderwertigen, billigen Nachahmungen, denn für das Wertvollste was Sie besitzen, die Zähne, ist das Beste gerade gut genug.