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Haber des Ladens wollte den einen Angeklagten al- einen Käufer wledererkennen, der fechS Mo­nate vorher bei ihm Packpapier gekauft habe. Am folgenden Tage rlchtete Simon an den Zeugen die Frage, ob er in einer im Verichtssaal behnb- lichen Person einen Kaufet von gestern abend toie- dererkenne Der Ladenlnhaber sah sich um und sagten .Dein." ,6te erinnern sich also nicht," meinte Simon, .dah ich gestern abend in ihrem Geschäft für 5 Pence Rage! getauft habe? Wie können Sie dann einen Kunden wiedererkennen, der vor einem halben Jahr bei Ihnen gewesen ist?" Diese Art der Verteidigung machte den jun­gen Anwalt bald volkstümlich. 1906 zog er in da- Hinterhaus ein, 1913 machte ihn sein Parteifreund ASauith zum GeneralstaatSanwalt. Bei Kriegs­ausbruch rechnete man mit seinem Rücktritt, aoer er blieb im Amt. 1915 gi. i\ er in das Innen­ministerium, war dann mit Dem Gesetz über die Wehrpflicht nicht einverstanden, dankte ab und lieh sich als Major an die französische Front ver­sehen. Dann wurde er wieder Rechtsanwalt, der berühmteste und am besten bezahlte Advokat in ganz England. Später setzte er sich für den Völ- ferbunh ein und nahm gegen die franzosenfreund­liche Politik der Konservativen Stellung. Im 3a- nuar 1928 tourb^ er der Vorsitzende jener nach ihm benannten Kommission, die nach Indien ging und die den berühmten Simon-Report über die künftige Entwicklung Indiens verfaßte.

RevilleEhamberlain, der Schahkanzler, trat ursprüngi.ch hinter feinem Bruder Austen Chamberlain, dem früheren Außenminister, sehr zurück, obwohl er wohl der begabtere Sohn des berühmten Ioseph Chamberlain ist. üebrigen« find die beiden Chamberlains nur Halbbruoer, denn Reville stammt aus zweiter Ehe. Früh schickte ihn sein Bater hinaus in die Welt, auf die Bahama-Inseln, um dort ein Gut zu ver­walten. Dann betätigte er sich in der Heimat erfolgreich als Fabrikant. Ietzt ist er 62 Iahre alt.

Einen bertNmtenRamen trägt auch der neue ßuft- fahrtminister, Maraues of Londonderry, desien Geichlechi in der engl.schen Geschichte eine grobe Rolle gespielt hat Seine Familie stellte be.üjmte Soid t.n. s,in B-t.t, der Im Iahre 1915 gestorben ist, war oft Minister und war auch Dizekönig von Irland. Lord Londonderry wurde trn Iahre 1878 in ßonöort geboten, zog 1906 als Konservativer in das Parlament ein, war wäh­rend des ganzen Krieges Soldat und wurde zweimal im englischen Heeresbericht rühmend er­wähnt, übernahm bann das Amt eines Unter- staatvsekretärS für ßustfahrt, war Llnterrichts- minifter für Rordirland aus dieser Gegend stammt ja sein Geschlecht; er gehört aber doch zur zweiten Garnitur der Politiker.

In feiner Jugend hat sich auch der neue Kriegsminister, ßord Hails Ham, als Soldat hervorgetan, nämlich im Durenkrieg. Dieser Mann stammt aus einem reichen Hause, fein Batet wat bet (Stünber des ßonboner Poly­technikums und schickte den Sohn als jungen Mann für acht Iahte nach Westindien. Dann wurde er Rechtsanwalt, ein Meister des Kreuz­verhörs. ein Mann von leichter Auffassungsgabe, ein glänzender Redner, der auch den Gegner mitreibt und bei den Debatten Im Gericht und im Parlament sehr gesürchtet wat. In konser­vativen Kabinetten wat er zweimal General- staatsanwalt, und 1928 wat er ßotdkanzlet. Als er im Ianuar 1929 heiratete, lieb er die Ein­gänge der Westminster-Abtei abspetten, weil er die kirchlichen Zeremonien unter Ausschluß der Oessentlichkeit vollzogen wissen wollte- Er ist nicht der einzige Sonderling im neuen Kabinett, das auS vielen Querköpfen besteht, und bei dessen Sitzungen die Gegensätze zuweilen heftig auselnandetptallen dürften.

Oer Brotpreis.

Aussprache im Rcichotagoaudschutz.

Berlin, 6. Rov. (DDZ.) Im Bolkswirt- schastlichen Ausschub des Reichstags entspann sich eine Aussprache über die Drotpreis- frage. Ministerialdirigent Dr. Dofe vom ReichSemährungsministerium erinnerte an die Verpflichtung des ZollgesetzeS vom März, wonach die Reichsregierung eine Erhöhung des Drotpreises über den Durchschnitts­preis der letzten sechs Monate vor In­krafttreten des Gesetzes verhindern, ferner das Mißverhältnis zwischen dem In­der bet lanbwitlschaftlichen unb anbetet Erzeug­nisse beseitigen unb schliehlich burch geeig­nete Maßnahmen einschließlich bet Herabsetzung von Zollsätzen aus ble Preisgestaltung e i n to l r t e n sollte, wenn die Indexziffer für Er­nährung über 133 steigen würde. Der durch­schnittliche Drotpreis fei von 37,94 Pf. im Durchschnitt der Monate Oktober 1930 bis März 1931 auf 38,70 Ds. im Oktober 1931 ge­stiegen. Der Großhandelsindex für Agrar st offe betrug ün Oktober 99,6, während d.r Index für den Betriebsaufwand der Landw.r.schäft 144 unb der G r o h h a n d e 1S- inbej für anbere Konsumgüter 135,8 betrug. Daraus ergebe sich, daß bet Index für Agtatstoife noch weit unter dem In­dex der anderen Erzeugnisse liege und das Miß­verhältnis infolgedessen noch läng st nichtbe­seitigt sei. Damit sei ein wesentliches Srsor- detnlS des Zollgesetzes vom März noch keineswegs erfüllt. Eine Roggenpreissenkung lediglich durch Herabsetzung des Roggenzolles würde eine weitere Verschlechterung deS Index für Agrarstosse und damit eine Vergrößerung des Mißverhältnisses bedeuten. Da der Preisindex für Ernährung im Oktober 123,4 betrug, sei die im Gesetz vorge­sehene Begrenzung von 133 somit noch weit unterschritten. Die Reichsregierung werde alle Bemühungen daraus richten, daß der im Ge­setz vorgesehene Brotdurchschnittspreis erreicht werde. Die bereits eingeleiteten Maßnahmen ver­sprächen baldigen Erfolg. DaS gelte besonders von der Verbilligung deSBrotpreiseS für Erwerb-lose, sowie von der Einwirkung auf die Bruttoverdienstspanne der Bäcker. Auch eine teilweise Lockerung des Rachtback- verbots für Großbetriebe werde erwo­gen. Sollten diese Einwirkungen nicht den erhoff­ten Erfolg hadeir, dann seien weitere Maßnahmen in Vorbereitung, über deren Charakter zurzeit noch nicht- gesagt werben könne. Beschlüsse würben nicht gefaßt. Der Au-schuh tritt erst am S. De­zember wieder zusammen.

Oer Wirtschafisbeirai setzt zwei neue Ausschüsse ein. Produktionskosten und Preise, Kredit und Zins sollen zur Beratung gestellt werden.

B e r l i n , 6. Tloo (7DIB. Amtlich.) Unter dem Vorsitz de» Reichskanzler» vr. B t ü n i n g und unter Beteiligung de» Reichsbankpräsidenten vr. £ n l h e r befaßte sich gestern da» Reichskabinett m.t der Vorbereitung der weiteren Beratungen de» Hhrt- schast»beirate», nachdem die Arbeiten de» zunächst allein eingesetzten Ausschusses für die Still- halteprobteme inzwischen bereit» z u Ende geführt werden konnten. E» wurde beschlossen, zwei weitere Ausschüsse zu bilden. Dem Ausschuß I für Produktionskosten und Preise wird Reichskanzler Dr. Brüning ober Reichsarbeitsminister Dr. h. c. Stegetroalö, dem Ausschuß für Kredit und Zin » der Stellver­treter des Reichskanzler» und Reichsminister der Finanzen Dietrich oder Reichswirtschaftsminister Professor Dr. warmbold Vorsitzen. Sämtliche Mitglieder de» wirtschastsbcirate» sind gleichmäßig auf diese beiden Ausschüsse verteilt worden. Die Aus­schüsse werden Dienstag. 10. November, In der Reichskanzlei zum Beginn ihrer Beratungen zusam- mentreten. Es ist in Aussicht genommen, für Be­ratungen wichtiger Linzelfragen Sachoer st än- d I g e ; u ; u ; iehen. Die ersten Sitzungen werden der Feststellung des genauen Arbeitsprogramme» dienen, dem £eitfähe der Reichsregierung zugrunde­liegen werden.

0er neue Ostkommiffar.

Schlanflc»2chön ingen tritt alsRcichsmtnister oßn« Portefeuille in das Kabinett ein.

Berlin, 6.Roo. (IDIB. Amtlich.) Der Herr Reichspräsident Hal den Reichsminister Tre­vi r a n u » und den preußischen Staalsmlnifter Dr. h. c. hirtsieser ihrem Anträge entsprechend von den Aemtern als Reichskommissar für die Ost­stelle entbunden.

Auf Vorschlag de» Herrn Reichskanzler» hat der Herr Reichspräsident da» Mitglied des Reichstag»,

Rittergutsbesitzer Schlange, zum R e l ch » k o m - m i f f a r für bie Ofthilfe und zugleich zum Reichsminister ohne Gefchäft»bereich ernannt.

Der neue Reichsminister Han» Schlange- Schö­ningen wurde 1886 auf dem Gut Schöningen in

Pommern geboren, von 1921 bl» 1928 gehörte er dem Preußischen Landtag al» Abgeordneter derveutschnationalen üolfepartel an. wurde 1924 von feiner Partei auch in den Reich»tag entsandt, dem er noch heute al» Abgeordneter de» Deutschen Landvolk» (Ehristlich-Ratio- nale Landvolk- unb Bauernpartei) angehört. Schlange trat Im Januar 1930 au» ber DRVP. au», war dann Mitbegründer der v o lk»ko n f er oa- lioen Bereinigung und schloß sich mit deren Einverständnis ber Christlich-Rationalen Landvolk- partei an. Er ist mit zahlreichen Büchern über agrar- politische Fragen hervorgetreten.

Die kritische Lage in der Mandschurei.

rowsb

Der Dölkerbundsrat hatte sich, nachdem er in ziemlich ultimativer Form von den Japanern bis zum 16. November die Mitteilung der erfolgten Räumung der Mandschurei verlangt hatte, wieder beruhigt schlafen gelegt. Er wird sich etwas erstaunt die Augen reiben, wenn er jetzt hort, daß die Japaner trotz des Ultimatums In aller Ruhe ihren Vormarsch fortsetzen und ihren strategischen Aufmarsch wohl schon voll­endet haben. Nach den letzten Meldungen sind sie bis Z i z i k a r vorgerückt. Der normale Europäer, der von der chine­sischen Landkarte keine sonderlich klaren Vorstellungen hat, wird sich darunter nicht allzu viel vorstellen können. Ein Blick auf die Karte zeigt aber, daß tat­sächlich yier die Japaner in aller Ge- mütsruhe die Lunte an das ganze oft- asiatische Pulverfaß gelegt haben. Denn Zizikar ist der Knotenpunkt, von dem sie die Lage nach allen Seiten be­herrschen. nicht nur China gegenüber. Der chinesische Widerstand schlägt ja militärisch kaum zu Buch, er kann sich nur moralisch auswirken und hier allerdings auf die Dauer den Japanern sehr unbequem in Form eines systematischen Boy­kotts aller japanischen Waren werden.

Die einzige aktive Unterstützung aber könnten doch die Chinesen von den Russen erwarten, und gegen 1 Russen wendet sich die Drohung des iapa- Nischen Vormarsches, der unmittelbar in die russische Interessensphäre hineingeht. In weniger als einem Tagesmarsch können jetjt die Japaner am Amur- bogen bie transsibirische Bahn besetzen, so daß damit Rußland von den östlichen Äüftcnaebleten einschließlich Wladiwostok abgeschnitten ist. Auf der andern Seite aber ist von Zizikar nach Man- dschuria nur eine Strecke noch zu überwinden, die im Auto oder mit der Eisenbahn in einem Tag zurückgelegt werden kann. Stehen aber die Japaner in Mandschurin, bann Haden sie bie Paßhöhe bereits hinter sich unb haben ben Vormarsch in die ganze sibirische Steppe dis zum Baikalsee frei. Die russische Stellung ist also jetzt von zwei Seiten her bedroht, noch einen Schritt weiter, und die russische Macht­position in Ostasien hängt in der Lust.

Das ist eigentlich eine so unmißverständliche Dro­hung, daß Rußland sie sich nicht gefallen lassen könnte, wenn cs nicht prestigemähig einen so schweren Rückschlag erleiden will, der es aus dem Spiel der Mächte ausschaltet. Jeder russische Gegenzug aber müßte unvermeidlich e i n e n K r i e g von unüberseh­baren Ausmaßen zur Folge haben. Die Russen Haden sich bisher nicht gerührt. Vorläufig haben also die Japaner in der weltpolitischen Konstellation recht be­halten. Denn wenn die Russen sich ducken, dann ist auch Amerika zu sehr eingeengt, um sich gegen diese unverhüllte Aufteilung Chinas wehren zu können. Und Japan wird klug genug gewesen fein, sich rechtzeitig eine RückendeckungbeiFrank. reich gesichert zu haben. Vielleicht sogar noch mehr, denn dieser Vorstoß kommt der französischen Politik gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt so gelegen, baß man fast in Die Versuchung kommen könnte, anzu­nehmen, er sei von Paris aus ungeraten worben.

Dom Kriegsschauplatz.

Tic Japaner stoppen den Vormarsch.

Tokio, 6. Rov. (WTD. Funkspruch). (Reuter). Die neuesten Rachrichten über die militärische Lage in der Mandschurei lauten etwas zuversichtlicher. Die japanischen Truppen haben nach einer Bekanntmachung deS Kriegsminifteriums den Be­fehl erhalten, nicht über Tanchi (zwölf Kilometer nördlich vom Ronnifluh) vorzugehen. DaS Krieg-Ministerium gibt ferner bekannt, daß die Truppen nach der Besetzung von Tashlng von einer Verfolgung der sich in der Richtung Anganchi zurücHlehenden chinesischen Truppen abzusehen haben. Da die Kämpfe am Ronnl- 1 fluß doch heftiger gewesen waren, als man angc-

Karte ber Mandschurei.

nommen hatte, wurden gestern morgen eiligst Verstärkungen nach Changhun in Marsch gesetzt. Diese Verstärkungen sind nunmehr auf die Rachrichten von der Einstellung der Feind­seligkeiten hin unterwegs angehalten worden.

Die japanischen K.nsuln in der Mandschurei teil­ten dem Ministerium des Aeuhern mit, daß für den gestrigen Zwischenfall an einer Drücke über den Ronni-Fluß einchinesischerDesehls- Haber verantwortlich fei, der sich weigerte, den Befehl des Generals Matschangschen zum Rück­züge anzuerkennen. General Ma hatte sich bereit erklärt, seine Truppen zehn Kilometer zurück­zunehmen und sandte seinen Adjutanten mit einem entsprechenden Beseh! zu dem betressenden Unterführer. General Ma hatte es nicht für nötig gehalten, den Befehl schriftlich zu erteilen. Der Kommandant weigerte sich aber, mündliche Instruktionen entgegenzunehmen. In Unkenntnis blefer Sachlage schritten die Iapaner vor. Da die Chinesen sich bereit erklärt haben, die Brücke ?u reparieren, besteht die Hoffnung, trotz der riegerischen Zwischenfälle doch noch zu einem modus vivendi zu gelangen.

Aufklärung in Washington.

Japan will Zizikar nicht beicycn.

Washington, 6. Rov. (WTB.) Der ja­panische Botschafter De bucht erklärte dem Staatssekretär Stimson, Iapan werde seine Trup­pen auS der Umgebung von Zizikar zurück- ziehen, sobald die dortigen Eisenbahnbrücken repariert seien. Die Reparaturen würden von japanischen Ingenieuren ausgeführt und etwa zehn Tage dauern. Stimson neigte dazu, die Lage wenig optimistisch zu beurteilen. Debuchi teilte mit, daß §war rund 4000 Mann japanische Truppen in die Mandschurei gesandt worden feien? aber hauptsächlich zur Ablösung der auS Korea gekommenen, jetzt ermüdeten Sol­daten bestimmt seien, so dah die tatsächliche Ver­mehrung des Truppenbestandes nur gering sein dürfte. Er glaube nicht an Kompllla- tionen zwischen Iapan und Rußland, da Iapan nicht die Absicht habe, Zizikar zu besetzen.

Schweigen in Moskau.

Moskau (über Kotono). 6. Rov. (TU.) In russischen Kreisen wird über die Lage im 5enicn Osten Schweigen bewahrt. Cs wird lediglich er­klärt, dah bi- jetzt Grund zur Beun­ruhigung über das Schicksal der chinesischen Ostbahn nicht vorhanden sei, da die ja­panischen Truppen die Dahn im Interesse der Beziehungen zur Sowjetunion zweifellos nicht besetzen würden. Sollten die Iapaner die chinesische Ostbahn dennoch besetzen, so würde die Regierung gegen die Maßnahme Ein­

spruch einlegen. Rußland suche keinen Konflikt mit Iapan herbeizuführen. DaS wisse Tokio. Die japanische Reg.erung werde, auch wenn ne ,lrzikar zeitweise besetzen lasse, btc chinesische Ostbahn weiter in russisch-chinesischen Besitz lassen.

Hitler und Brüning.

Rattonaionattstticheo vcho der Kantterrede.

München. 6. Rov. (TU.) Im .Völkischen Beobachter" wird heute mehrfach zur Rede des Reichskanzlers Stellung genommen. In einem Redaktionsartikel heißt es In den Augen der Rationalsozialisten fei daS einzig Mögliche der Rücktritt oeS Kabinetts Brünings, das jeder rettenden Aenderuna der deutschen Außen- und Inn.npoftftk h mmend im W gc st he. In einem Au'satz des Hauptschriftleiters Ro­senberg heißt es am Schluß: Trotz aller Zen­trumstagungen bleibe nur eine Wahl: Entweder mit Hitler als Führer zu gehen oder unter die Walze der nationalloAialiflif<t)cn VollSerhebung zu geraten. Die Pressestelle der Reichsleitung der RSDAP. endlich schreibt zur Kanzlerrede, die beängstigende Rot unterer Tage hätten nicht jene zu verantworten, die feit 3obren vor der Verelendung-Politik deS Systems gewarnt haben, sondern die politische Machtgruppe, die die Macht im Staate in den Händen hielte Daß Derr Stegerwald eire koalitionSpolftische 5ront- erweiterung nach Rechts al- unmöglich ablehnte, sei ein Meisterstück zentrümlicher VertamungS- funfL

Geheimrat Gtimming f.

Bremen, 7. Rov (WTB. Funkspruch.) Der erste Vorsitzende deS Vorstände- de- Rorddeut- schen Lloyd, Geheimrat Dr. h. c. Carl Stirn- m i n g. der vor einigen Tagen verunglückte, ist in der vergangenen Rächt einer Lungen­embolie im Krankenhaus Bethanien in Ham­burg erlegen.

Stimming wurde 1876 in Fürstenwalde alt Sohn eines Brauereib.sihers geboren. Rach Ab­solvierung des Gymnasium- studierte er In Er­langen und Berlin Rechtswissenschasten. Dann wandte er sich dem Marineverwaltunasdienft äu, erhielt seine verwaltungstechnische Ausbil­dung auf einer Kaiserlichen Werft und war nach bestandenem Asscssorexamen 1901 und infor­matorischer Tätigkeit beim Rorddeutfchen Lloyd, 1903 bis 1910 bei der Kaiserlichen Marine-Inten­dantur Kiel, zuletzt in der Stellung eine« Ab­teilungsvorstandes tätig. 1915 trat er in da- ReichSschahamt über als Referent der RelchS- Finanzverwaltung und wurde 1917 Geh. Ober- regierungärat. Im gleichen Iahre verlieh er den Reichsdienst, um Vorstandsmitglied des Rord- deutschen LloydS zu werden. 1921 wählte ihn der Vorstand zum Rachfolger des zurückgetretenen Generaldirektors Heinecke.

Die Kleinsiedlung von Erwerbslosen.

Berlin, 6. Rov (WTB.) Der Reich»kom- miffar für die vorstädtische Kleinsiedelung, Dr. S a a h e n, hielt eine ausführliche Besprechung mit den Vertretern de r Landesregie­rungen über den Sntwurs von Richtlinien zur Durchführung der vorstädtifchen Kleinsiedlung und der Bereitstellung von Kleingärten für ErwerdSlofe ab. Es wurde dabei eine volle llebereinftim- m u n g über alle grundlegenden Fragen enielt Runmehr wird am Samstag eine Besprechung mit den kommunalen Spihenverbän- d e n und am kommenden Montag eine Aus­sprache im SiedlungSauSschuh de«Reichs­tages stattfinden. CS ist damit zu rechnen, daß die Richtlinien noch In der nächsten Woche ver­öffentlicht werden.

Verschärfung des GtudentenkonfliktS in Halle.

Im Anschluß an eine Besprechung des Hoch- schulrlnges Deutscher Art fand eine Asta-Sihung der Deutschen Studentenschaft Halle statt, an der auch zwei Professoren teilnahmen. Rach mehr­stündiger Aussprache wurde beschlossen, den Kamps gegen Dehn, vor allem auf Grund neuen gegen ihn eingegangenen Material-, un­vermindert fortzusetzen. Die Studentenschaft forderte weiter mit besonderem Rachdruck den Rücktritt des Rektor - Pros. Dr. Au- b i n. Die Studentenschaft halte e- für zwecklo-, sich mit Professor Dehn persönlich au-emander- Aufetjen und lehne daher den Besuch der für Den Lachmittag angelegten Besprechungen ab. Eine Abordnung begab sich zum Rektor, um Ihm diese Entschließung zu unterbreiten. Der Rektor hat der Studentenabordnung erklärt, daß et den Rücktritt a b I e b n e. Die Rachmlttag-be- sprcchungen feilten besonder- auf Betreiben de- bei der Studentenschaft sehr beliebten DekanS der juristischen Fakultät, Drosessor Doehmer, eine leidenschaft-lose, sachliche Au-einanderlet- Aung zwischen Professor 4Xhn und der Studenten­schaft zum Ziele haben.

Inzwlfchen waren Vermittlung-Versuche auch der Altherrenschaft im Gange und auch Profefsor Boehmer versuchte sehr energisch, die verantwort­lichen Führer de- Hochschulctnge- und der Deut­schen Studentenschaft von einem Abbruch der kaum aufgenommenen Verbindungen mit den Hochschuldehö.den abzuhalten Die Vermittlungen sollten vor allem einen Weg finden, der ein Eingreifen der StaatSregieruna in die Selbstverwaltung der Universität verhindert, zumal belanntgctootben war, dah die Reich«- reg erung der Preuß schen Regierung die S ch 11 e» fjung zweier älnioer ft täten nahegelegt hat, unter denen sich die Hallesche Universität bisher nicht besand In einet von der Rational- sozialistischen Studentengruppe Halle einberufentn öffentlichen Versammlung am Freitagabend wurde jedoch erneut feftgestellt, daß der Kamps mit unverminderter Stärke und aus breiterer Grundlage fortgesetzt werde: der Kampf gehe nicht nur gegen Dehn, dessen Rücktritt ge­fordert werden müsse, sondern auch gegen den Rektor- In dieser Forderung fän.en die Studenten auch bei einem Teil der Professoren- schast solidarische- Verständnis.