Ausgabe 
7.7.1931
 
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spruch besteht. Das Abkommen wird jedoch seine Völle moralische Wirkung nur haben, wenn Deutschland selbst an seiner wirtschaftlichen und finanziellen Gesundung mitarbeitet.Jour­nal" (national-klerikal) betont, daß die fran­zösische Regierung die heilig st en Rechte Frankreichs nicht habe veräußern lassen. DieS sei wichtiger als der Wortlaut des Ab­kommens selbst.

Quvtidien" (radikalsoA.) ist mit der fran­zösischen Regierung außerordentlich unzufrieden: DaS Kabinett hat nicht wiedergutzu­machende Fehler begangen. Der QJoung- plan ist heute getroffen, morgen wird er zer­rissen werden. »Volonts" (radikalsoz.)

schreibt: Deutschland Hot versprochen, daß es seine Rüstungen während eines Jahres nicht herauf­sehen wird, Linser Interesse wird es sein, wenn man mit einem gleichlautenden ver­sprechen antworten wird. Alles übrige wird von selbst folgen. - Victoire (Blatt Herv6s) ironisiert die französischen Unterhändler: Rach zweiwöchigem Feilschen stimmt Marianne endlich dem Vorschlag Uncle Sams zu mit der verärgerten Miene einer Bäuerin aus der Auvergne, die an einem Strick ihre Kuh auf den Markt geführt hat und nach abgeschlossenem Han­del untröstlich ist, weil der Käufer ihr nicht auch den Strick bezahlt hat.

Marianne in Bedrängnis.

psychologische Hintergründe Don unserem Pariser

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Der Bericht unseres Pariser Komespon- denten hat seiner guten Milieuschilderung wegen auch noch nach Abschluß der Pariser Verhandlungen Interesse.

Paris, Juli 1931.

Der Wetterbericht verkündet Tag für TagL e beau temps continu e. Das schöne Wetter hält an! Tatsächlich, es ist eine Lust, zu leben. Die Sonne strahlt über die Dächer von Paris. Auf der Seine gleiten die weißen Boote dahin. Im Luxenbourg spielen fröhliche Kinder um das Wasscrrondcll und lassen ihre Schiffchen schwim­men, und auf dem Doul'Miche flaniert paarweise dis junge Welt des Quartier latin und summt von der Liebe. Es scheint, diese Stadt, in der der Frühling so früh anfängt, hat Frühling bis in den Hixhsommer hinein. Es ist eine zärtliche Stadt. Eine Stadt, die ganz und gar weiblich ist, die selbst das Gesicht eines ibrer entzückenden Kinder angenommen hat und die genau wie eine dieser Midinetten immerfort süß lächelt, mit den niedlichsten Launen kokettiert, unwiderstehlich bit- 'ten kann und der man jedenfalls niemals recht bös zu fein vermag.

Die Franzosen wissen sehr genau, was sie an dieser ihrer Stadt haben. Besonders genau aber wissen es die französischen Politiker. Sie ver­lassen sich mit Sicherheit darauf, daß ein Frem­der, wenn er auch in noch so ernster Mission nach Paris kommt, vom Zauber dieser Stadt gefangen wird und schon aus dem Kavaliers­gefühl heraus sich zu Zugeständnissen bereit fin­den läßt, die er selbst vor seiner Ankunft niemals für möglich gehalten hätte. Vielleicht liegt in die­sem Gefühl der Llnwiderstehlichkeit der At­mosphäre etwas von dem Grund dafür, daß Herr L a v a l sich in seiner Kammerrede derart zu Fest­legungen hinreihen lieh, von denen er nun kaum mehr herunter fann, will er nicht den sprühenden Zorn Mariannes erregen. Lind dieser Zorn Ma­riannes ist gefährlich. Das haben andere fran­zösische Politiker vor ihm oft genug hart gespürt. Selbstverständlich hatte der französische Minister­präsident auch eine Reihe von Sachgründen, die zu dieser Haltung brachten. Das Wort, daß der Boche alles bezahlen werde, wird zwar heute nicht mehr offen ausgesprochen, aber es ist darum doch immer noch wesentlicher Be­standteil jeder französischen Etataufstellung. Lind trotz des Reichtums Frankreichs ist auch dieser Haushalt immer nur so eben ausbalanciert. D i e Rüstung verschlingt ungeheureSum- m e n. An dem Etat rütteln heißt zugleich daS Rüstungsprogramm gefährden und die Industrie berausfordern, die sich auf lange und sichere Lie­ferungen eingestellt hat. Man wird sich klar dar­über sein müssen, dah gerade aus dem in­dustriellen Lager Einwirkungen auf Herrn Laval ausgeübt worden sind, die seine Haltung 'stark bestimmten. Man durfte ihm vorgetragen haben, dah das ^verzweifelte Manöver" des Herrn Hoover schließlich nur ausgeführt worden sei, um die Aussichten bei der bevorstehenden Präsidentenwahl zu retten. Darüber hinaus aber vermutet man oder behauptet es wenigstens an­zunehmen, dah die ganze Aktion schließlich nur dazu dienen soll, in der Zeit der Entspannung die amerikanischen P r iv a t k r e d i te nicht nur aus Deutschland, sondern aus ganz Eu­ropa zurückzuziehen. Die unmittelbare Folge aber würde eine neue und schwerere Er­schütterung des europäischen Wirtschaftsstandes sein. Man sieht, das sind Argumente, die so-

der pariser Konferenz.

Korrespondent.

wohl Herrn Briand verständlich sind, wie sie auch Herrn Hcrriot nicht unberührt lassen. Lind Her-, riot und seine sozialistischen Freunde haben durch ihr Auftreten in der Kammer gezeigt, dah sie diese Argumente der Industrie sehr wohl zu wür­digen wußten, wie ja überhaupt der französische Sozialismus den Klassenkampf immer sofort und mit einer Großzügigkeit sondergleichen a b b r i ch t, sobald es gilt, einegemeinsameSacheder nationalen Wirtschaft zu vertreten. Da- kommen selbstverständlich alle diese Lieberlegungen und Erwägungen, die in bezug auf die Hei­ligkeit der Verträge und auf die Frage der Sicherheit die französische Politik gegen­über Deutschland bisher bestimmt haben und auch noch geraume Zeit bestimmen werden, selbst wenn der Hoover-Aktion und dem hier außer­ordentlich ernst genommenen Schritt Mussolinis noch weitere Ereignisse folgen, die eine Isolierung Frankreichs vollständig machen und die Grund­festen, auf denen diese französische Politik aufge­baut ist, erschüttern.

Man hat hier in Paris immer wieder den Ein­druck, daß man drüben in Deutschland die fran­zösische Politik nicht begreift. Linier den­selben Worten, unter den gleichen Begriffen ver­steht man an der Spree etwas grundsätzlich an- deres als das ist, was man an der Seine meint. Wenn kurz vor dem Hoover-Schritt Gustav H e r v ö wieder einmal von sich reden machte und in grohen Plakaten eine Kampagne für die Ver­ständigung mit Deutschland führte, so meint auch er, wenn er noch so befriedigende Formulierurr- gen aufstellt, etwas ganz anderes unter dieser Verständigung, als man in Berlin darin sieht, ganz abgesehen davon, dah Herve nach wie vor ein gänzlich hoffnungsloser Außenseiter ist. Aber seine Plakate haben zum mindesten dazu beigetragen, dah Laval in seiner Kammerrede mit Worten und Begriffen jonglieren konnte, die ge­rade im Munde des Volkes waren. Llnverein- barkeiten tonnten dadurch geschickt überbrückt werden und rein innerpolitisch gesehen ist es La­val unzweifelhaft gelungen, sowohl die Rechte, die immer noch Deutschland züchtigen will, als auch die Linke, die die Verständigung auf ihr Panier geschrieben hat, für seine Antwort an Amerika zu einigen.

Aber diese Antwort fand einen unerwartet schlechten Hörer. Man hatte sich wohl Mel­lo n als das Llrbild eines der vielen reichen Ame­rikaner vorgestellt, wie sie zu Frühjahrszeiten nach Paris kommen, um sich durch erhebliches Geldausgeben recht beliebt zu machen. Wer konnte auch daran denken, daß dieser alte Herr den sprichwörtlichen Ruf der Amerikaner, dah sie wehrlos gegen Frauen seien, so schwer enttäuschen würde. Lind Marianne wurde schwer enttäuscht. Herr Mellon erlag nicht dem Charme der Stadt. Gr war ja nicht auf Llrlaub hier. Er hatte eine Mission, eine männ­liche Mission, eine Geschäftsmissivn. Lind auherdem kabelte er fortwährend über das grvhe Wasser und lieh sich Stunde für Stunde von Herrn Hoover seine Instruktionen geben, Hoover, der bekanntlich Quäker ist, und in der Rüchternheit des Weihen Hauses verärgert von der Hitzewelle wohl kaum etwas von der zärtlichen Sonne Frankreichs ahnt. Marianne geriet in schwerste Bedrängnis, eine Bedrängnis, die um so schmerzlicher war, als es das erstemal seit dem Wirken der grohen Vier ist, dah die Män­ner der anderen Welt die Wünsche Frankreichs kühl ablehnen.

Neue Ausgaben für die Sowjetwirtschast.

(Stalin kündigt Kurswechsel zur Durchführung des Zünsiahreöplans an.

Moskau, 6. Juli. (WTB.) Auf einer Kon­ferenz der Wirtschaftsfichrer sprach Stalin über die neue Lage und die neuen Aufgaben des Wirte schaftSaufbaues der Sowjetunion. Er erklärte u. a., dah die Ursache des Zurückbleibens gewisserJndustrien im Rahmen desFünf- jahresplanes darin zu sehen sei, dah die Entwick­lungsbedingungen -von Grund auf sich geändert hätten. Die neue Lage fordere auch neue Me­thoden in der Führung. Dor allem handele es sich um die Versorgung der Betriebe mit Arbeitskräften. Mit einem automa­tischen Zustrom von Arbeitskräften vom Lande in die Städte könne nicht mehr gerechnet werden. Es sei unumgänglich zu einer Politik organi­sierter Werbung von Arbeitern mit­tels Verträgen überzugehen. Ferner sei es not­wendig, sofort die Mechanisierung der schwer st en Arbeit vorzunehmen. Dies ver­lange eine neue Regelung der Arbeitslöhne und ein Sehhaftwerden der Arbeiter. Der Gleich- stellung der gelernten und ungelern­te n A r b e i t e r und der Arbeitslosen müsse e i n Ende gemacht werden. Man könne hochqucrlte hzierte Arbeitskräfte nur durch Zahlung höherer Löhne an ihre Arbeitsstelle fesseln. Hierdurch werde man den Lerndrang der ungelernten Ar­beiter anspornen.

In der Verbesserung der Dersorgung und dev Wohnungsverhältnisse sei in den letzten Jahren nicht wenig getan worden, aber das ge­nüge noch nicht. Man müsse solche Ar­beitsbedingungen schaffen, dah die Qua­lität der Produktion besser werde. Ferner habe sich in der Industrie die Lage be­züglich deS Bestandes der leitenden Beam­te n grundlegend geändert. Früher sei die Llkraine ßr Dersorgung der ganzen Industrie mit Kohlen und Metallen gewesen. Bei der Beibehaltung des gegenwärtigen Entwicke-

lungstempvs sei das aber nicht mehr möglich. Man müsse daher neue Dersorgungsgebiete erschließen. Llm das Programm der Jndustriali- sierwig durchzuführen, brauche man zwei- bis fünfmal so viele leitende Kräfte, vor allem In­genieure. Diese müßten aus der Arbeiter­klasse selbst hervorgehen. Stalin wies darauf hin, daß in den höheren Lehranstalten der Sowjetunion jetzt Zehntausend junger Arbeiter zu Technikern und Ingenieuren ausge­bildet würden. Diese würden zusammen mit den Angestellten und den gelernten Arbeitern den Jntelligenzkern der Arbeiterklasse bilden. Auch was die Derwendung von Mit­gliedern der Bourgeoisie in den Betrieben betreffe, so sei die Lage grundlegend verändert. Man habe in den Städten und auf dem Lande die kapitalistischen Elemente überwunden und auf dem Gebiete des kollektiven Wirtschastsaufbaues gewaltige Erfolge errungen. Dies erkläre die Tatsache, dah man einen Umschwung zu­gunsten der Sowjetmacht in den Kreisen der Bourgeoisie feststellen könne, und daß diese Hand in Hand mit der Arbeiterklasse zusammen­arbeite. Daher müsse sich auch die Politik gegen­über diesen Kreisen ändern, sie mühten mehr zur Mitarbeit herangezogen werden.

3m Gegensatz zum Ausland habe die Sowjet­union nicht die Möglichkeit der Aufnahme von Anleihen oder Krediten aus dem Auslande ge­habt, sondern sie habe die Wiederherstellung der Landwirtschaft und Industrie mit Hilfe innerer Reserven bewerkstelligen müssen. Zur Einführung der neuen Arbeitsmethoden sei es notwendig, daß die Wirtschaftsführer selbst in Kleinigkeiten sich einen Einblick verschafften und wirkliche Führer würden. Hierzu müsse man große, manchmal 100 bis 200 Unternehmen um­fassende Konzerne teilen und zur Ginzelver- waltuug übergehen. Der Produktionsvlan

für 1931, schloß Stalin, ist tatsächlich durchführbar, da alle rwtwendigen Bedingungen für seine An­wendung vorhanden sind. Seine Durchführung hängt ausschließlich von unserer Fähigkeit ab, die vorhandenen sehr reichen Möglichkeiten auszu­nutzen. Die Tatsache, dah eine ganze Reihe von Unternehmungen und Industriezweigen den Plan schon mehr als erfüllt haben, beweist das. Die Millionen von Werktätigen, die ein neues Leben schaffen, unser Arbeitswille, unsere Bereit­schaft, mit neuen Methoden zu arbeiten, und unsere Entschlossenheit, den Plan durchzuführen, sind die hinter unserem Produktionsplan stehenden Wirklichkeiten.

Der britische Flottenbesuch in Kiel.

Festliche Veranstaltungen zu Ehren der Gäste.

Kiel, 6. Juli. (WTB.) Der Chef der Marine­station der Ostsee, Vizeadmiral Hansen, hatte aus Anlaß des englischen Flottenbesuches für heute abend Einladungen zu einem Essen in kleinem Kreise ergehen lassen, an dem der englische Ge- schwaderchef, Konteradmiral Astley-Rushton, mit den Herren seines Stabes und die Kommandan­ten der beiden englischen Kreuzer, teilnahmen. Ein Empfang m i t T a n z in der Seeburg, dem Be­sitz des Stationschefs, der die englischen Offiziere und ihre deutschen Gastgeber in fröhlicher Gesell­schaft vereinte, schloß sich an. Für eine große An­zahl von englischen Unteroffizieren und Mannschaf­ten fand gleichzeitig auf Einladung der Stadt Kiel eine Kinoveranstaltung statt.

Am Nachmittag hatte die Bevölkerung der Stadt Kiel von der Möglichkeit, die englischen Kriegsschiffe zu besichtigen, in weitestem Um­

fange Gebrauch gemacht. Während eine Segel« regatta mit Kriegsschiffbooten mit Preisoerteilung auf der Seydlitz-Brücke ihren Ab­schluß fand, veranstaltete die Marine-Artillerie- Abteilung auf den Schießständen in Holtenau für die englischen und deutschen Schiffsbesatzungen ein W e t t s ch i e ß e n , bei dem sich die Engländer als ausgezeichnete Schützen erwiesen. Abends hatte die Offiziersmesse des LinienschiffesHes en" die Offi­ziere des KreuzersDorfetfhire" eingeladen, wäh­rend die Offiziere des KreuzersNorfolk" auf dem KreuzerKönigsberg" zu Gast waren.

Befriedigung in England.

London, 6. Jüll. (WTB.) Die äußerst far­big gehaltenen Berichte der englischen Korre- sponltenten für den Kieler Besuch der englischen Flotte werden von allen Blättern an hervor­ragender Stelle veröffentlicht. Die Berichte be­fassen sich ausführlich mit dem reichhaltigen. Programm, das man zu Ehren der englischen Besucher zusammengestellt hat. Die äußerst herz­liche Aufnahme der englischen Blaujacken durch die Kieler Bevölkerung wird wiederholt her­vorgehoben.Jack und Fritz Arm in Arm", so tautet z. B. die Lieberschrift imSundatz Expreß".Sunday Rews" bezeichnen den Be­such als einen bemerkenswerten Fortschritt der deutsch-englischen Annäherung.Observer" be­merkt nach Bezugnahme auf den letzten eng­lischen Flottenbesuch vor 17 Jahren in einem besonderen Leitartikel: Die KreuzerDorset­shire" undRvrföll" dampften in eine von Be­fürchtungen völlig gereinigte Atmosphäre. Der größte Sturm der Geschichte hat inzwischen ge­wütet und ist vorübergezogen, seitdem einige der Besatzung die deutsche Station Hum letztenmal erblickten. Ihr Eindruck, wie weil die beiden Döller alles glücklich hinter sich gelassen haben» wird ein besonders starker sein.

Die SunWhnmg des Wsomverbots in Äfften

Hitler protestiert gegen die Besetzung des Braunen Hauses.

Die Polizeiaktion gegen das Braune Haus in München, das Hauptquartier der Nationalsozialisten.

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München, 6v3n!i. (TLl.) Im Hinblick auf die Vorgänge am Braunen Haus erläßt Hitler im heutigenVölkischen Beobachter" eine Erklärung an die Parteigenossen, in der er zunächst darauf hinweist, dah trotz gegenteiliger gericht­licher Entscheidungen die Rotverordnung vom 28. März erneut die Zulässigkeit von Uni* formverboten behauptet habe. Die Mün­chener Polizeidirektion habe es für angebracht gehalten, im Wege unhaltbarer Anordnungen und Verfügungen den uniformierten Schutz des Braunen Hauses zu bekämpfen. Entgegen der Zusage der Polizeidirektion, daß uniformierte Parteigenossen den Derkehrsdienst im Braunen Haus besorgen könnten, soweit sich dieser auf Grund und Boden des Parteiheimes abspielt, wurden am Samstag über vier Hundertschaften aus München gegen das Braune Haus eingesetzt. Die Vorgänge, die sich in Durchsetzung der Poli- zeiangriffe in und vor dem Braunen Haus ab­spielten, erregten die breite Masse der Münchener Bevölkerung. Llm für die kommenden restlichen Auseinandersetzungen zugleich das einwandfreie Deweismaterial zu sichern, wurden die wesent­lichsten Vorgänge sofort urkundlich festgestellt. Die Rechtswidrigkeit dieser polizeilichen Maß­nahmen sei von namhaften deutschen Juristen, die in der Reichsleitung anwesend waren, sofort vermerkt worden. Gegen jede Einzelmahnahme sind die Rechtsmittel ergriffen. Es be­steht die dringende Hoffnung, daß nunmehr durch einen eklatanten Fall eine gerichtliche Ent­scheidung grundsätzlicher Art herbei- gesührt werden wird. Die Erklärung Hitlers schließt mit der Mahnung an die Parteigenossen, sich durch gar nichts provozieren zu lassen.An unserer Gesetzlichkeit wird der Gegner trotz allem zerschellen."

Das Hamburger llnisormverboi ungültig.

Urteil des Oberlandesgerichts.

Hamburg, 6. Juli. (TLl.) Vor dem Straf­senat des Hanseatischen Oberlandes­gerichtes fand am Montag unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten Dr. Griesebach eine Re­visionsverhandlung gegen ein Urteil des Amtsgerichts Hamburg, welches das LI n i f v r m - verholt des Hambuurger Senats vom 20. Oktober 1930 als ungültig er­klärt hatte, weil das Tragen der Uniform eine Meinungsäußerung dar stelle, die nach der Reichsverfassung jedem Staatsbürger gewährlei- stet sei. In dem Urteil heißt es weiter, das Ver­bot des Senats stellt sich deshalb als ein Svn- dergesetz dar, Sondergesehe seien aber in Deutschland verboten. Deshalb sei das Verbot des Senats ungültig. Die Entscheidung des Amts­gerichts hatte sich ferner darauf gestützt, dah die Polizei ihre Ermächtigungsbefugnis

überschritten hatte und daß außerdem das Verbot keine Definition des Begriffes Partei- uniform enthalte. Gegen diese Entscheidung hatte die Staatsanwaltschaft Revision einge­legt. In der jetzigen Verhandlung vor dem Ober­landesgericht wurde die Materie nochmals ein­gehend bargelegt. Das Gericht verwarf dann bie Revision der Staatsanwaltschaft und legte die Kosten des Verfahrens dem Staate auf. Damit ist der Uniform streit in Hamburg durch höchstin- stanzliches Urteil entschieden. Das Verbot des Se- na-ds ist ungültig.

Aus aller Wett.

Großfeuer im Bremer Freihafengebiel.

Im Freihafengebiet ereignete sich ein schweres Brandunglück. In der H o l z in eh l f a b r i k Zinszer entzündete sich, vermutlich durch Heißlaufen der stei­nernen Mahlwalzen, das Holzmehl. Infolge der gro­ßen Trockenheit des Materials griff das Feuer schnell um sich und führte kurz nach feiner Entstehung au einer Explosion des Holzmehlbaues, wodurch das ganze Gebäude zerstört wurde. Ein Arbeiter, der sich durch einen Sprung aus einem Fenster des Obergeschosses zu retten versuchte, stürzte auf ein Glasdach und zog sich schwere Verletzungen zu. Der Feuerwehr gelang es, nach zweistündiger angestreng, ter Tätigkeit, das Feuer zu lokalisieren, so daß die Gefahr, daß das Feuer auf benachbarte Fabrik­gebäude übergreift, beseitigt war.

Schweres Unwetter im westlichen Erzgebirge.

Lieber Johanngeorgenstadt entlud sich ein außerordentlich schweres Llnwetter, das von einem wolkenbruchartigen Regen begleitet wurde. Die Bäche und Flüsse vermochten die Wasser- mengen nicht zu fassen. Das Rittägetal und das Lehmgrundtal bildeten einen einzigen See. Im Lehmer Grund wurde das Haus des Arbeiters Hänele weggerissen, wobei der Besitzer unter den Trümmern seines einstürzenden Hauses be­graben wurde. Seine Kinder werden vermißt, öb sie ebenfalls ein Opfer der Fluten geworden sind, steht noch nicht fest. Der ganze Eisen­bahnverkehr ist infolge Dammrutsches lahm­gelegt. Die Stadt ist ohne Licht. Telephon- und Telegraphenleitungen sind stark beschädigt. Die Stadt Schwarzenberg wurde ebenfalls von einem Hochwasser heimgesucht, wie es Wohl im Erzgebirge noch nicht zu verzeichnen war und das bte gewaltigen Raturkataftrophen von 1907 und 1895 in den Schatten stellt. Die Eisenbahn­linie SchwarzenbergJohanngeorgenstadt wurde vom Wasser unterspült. Die Züge blieben auf der Strecke stehen. Die Wassermengen wälzten sich in einer Breite von etwa 60 Meter durch das Tal, wobei die hohen Llfermauern keinerlei Hin­dernis bildeten. Die Stoßkraft des Wassers war so stark, dah ein mächtiges Holzlager w e ggeschwemmt wurde. Im unteren Stadt­teil wurde das Strahenpflaster aufge» rissen und das Wasser drang meterhoch ein.