Ausgabe 
7.7.1931
 
Einzelbild herunterladen

Jleue Unwetterkatastrophe im Derratal.

Dos vor kurzem durch ein schweres Unwetter verwüstete Gebiet im Werratai Wurde erneut von iWei schweren Gewittern heimgesucht. 3n breiten Strömen floh bas Wasser zu Tal und ver­schlammte die nach dem letzten Unwetter neu bestellten Aecker Wälder und Gärten wurden verwüstet, desgleichen die erst -um Teil auS- gebesserten Straßen. Diele Bäume wurden ent­wurzelt. DaS Obst ist restloS abgeschlagen. Zahl­reiche neue Bolchungsrutsche sind eingetreten. Don vielen Dächern wurden die Ziegel herab- gerissen. Die Bewohner sind der Verzweiflung nahe. Durch diese letzte Katastrophe ist die Rot in- Ungemessene gestiegen.

Zyklon über Sidney.

Die Stadt Sidney (äluftralien) wurde am Mon­tag von einem Zyklon heimgesucht, dem nach den bisher vorliegenden Meldungen mehrere Men­schen zum Opfer gefallen sind. Die im Ha­sen liegenden Dampfer befanden sich in größter Gefahr, da die Anker gelichtet waren. Die Höhe des Schadens Iaht sich noch nicht abschätzen.

Lin Jluazeug raff In die Zuschoucrmenge.

Gin surchtoareS Flugzeugunglück, bei dem fünf Personen den Tod fanden., ereignete sich auf dem Flugtage in Hirson (Frankreich). Die Wenge st,Late aulmerksam den Kunstflügen, die von nam- hgsten Flugzeugführern au-geführt wurden, alS ihre ÄustnerNamkeit auf eine Maschine gelenkt wurde, in der mehrere Personen P atz genom­men Hanen und die anscheinend zu über­lastet war, um sich zu erheben. Der Führer deS Flugzeuges gab plötzlich Vollgas. Der Ap­parat drehte sich um die eigene Achse und sauste" mit rasender Geschwindigkeit in die Zuschauermenge. Fünf Perso­nen wurden durch den Properer auf der Stelle getötet, während 10 andere zum Te^ leben-- gefährliche Derletzungen davontrugen.

Raubüberfall Im Bahnhof.

Zn U l m wurde ein S ch a l t e r b e a m t e r im Hauptbahnhof von zwei jungen Leuten im -schaler- raum überfallen. Während der eine den Be­amten mit einer Pistole bedrohte, raubte sein Kom­plice aus der Kasse 334 Mark. Die Tater flohen, konnten aber nach kurzer Zeit von Polizei- beamten ge(teilt werden. Es kam äu einer Schieberei, wobei ein Polizcibeamter verletzt und ein Polizeihund getötet wurde. Einer der Tater er­hielt ebenfalls eine Schußwunde und mutzte schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden.

Der Molchs wer Mörder vor Gericht.

Vor dem Schwurgericht Güstrow begann der Prozeß gegen den Fabrikanten Friedrich 3 o n a «. Der Angeklagte hatte bekanntlich am 4. Mai d. 3. den Iustizobcrwachtmeiftcr G l ä se l, der den Auf­trag hatte, den seinerzeit inUntersuchungS- haft befindlichen 3onaS zu überwachen, er­schlagen. Vach der Tat war 3onaS geflohen, konnte aber einen Tag später von ver Polizei auf dem Motorschiff ..Bubi", auf dem et sich mit seinen Helfershelfern verborgen hielt, fest- genommen werden Diese, der Lagerverwalter Kaselitz und der Buchdrucker Heinrich 3örß sind Wegen Gesangenenbefreiuna und Beihilfe Aum Totschlag, die Ehefrau deS 3onaS Wegen Beihilfe zur Gefangenenbefreiung und Beihilfe zum Tot­schlag. die Ghesrau des 3onaS Wegen Beihilfe zur Defangenenbesreiung angeklagt. Während 3onas in Deutschland sechsmal vorbestraft ist, sind die Mitangeklagten bisher unbestraft. Auch von Amerika au- wird Jonas gesucht. 3n der Verhandlung Wurde mit der Vernehmung der Angeklagten begonnen. 3onaÄ Will feine Auskunft über seine Persönlichkeit geben und behauptet, kein Schwindler zu sein. Den Hamen3onaS" Wolle et angenommen ha­

ben, um für seine Gegner verschwunden zu sein. Die Zeugenvernehmung konnte verhältnismäßig schnell durchgelührt werden, da über den Sach­verhalt fast vollständige Klarheit herrschte. Vicht vollständig geklärt werden konnte die Art. wte der ermordete Gläsel erstickt wurde. Die beiden Sachverständigen. Vegierungsmedizinalrat Dr. Preimrter und Medizinalrat Dr. Scheven, gaben übereinstimmend dahin ihr Gutachten ab. datz der Tod deS Gläsel infolge Verlegung der Atemwege durch Erbrechen eingetreten sei.

Aus der Fremdenlegion entflohen.

Mit dem britt,eben Dampfer .Unport sind -Wei junge Deutsche als blinde Passagiere i n Aberdeen eingclroffen, denen es gelungen ist, nach vier- bzW. fünfjähriger Dienstzeit aus der Fremdenlegion zu entfliehen. Sie Haven ben größ­ten Teil dieser Zeit in Gefängnissen zu­bringen müssen und tragen zahlreiche QIarbcn a l s Beweis einer unmenschlichen Grau­samkeit aus dem Körper. Die beiden Deut­schen hatten sich in der Deckladung des britischen Dampfers so gut versteckt, dah sie von dem Such­kommando der Fremdenlegion in dem Abfahrt­hasen nicht gesunden wurden. Eine ganze Woche hielten sie sich ohneVahrungsmittel verborgen, so dah sie bei ihrer Ankunft voll­kommen erfchöpft Waren.

Die völkerbundsorganisalion für geistige Zusammenarbeit.

(9 » n f, 6. 3uli. (TU.) 3m Rahmen der Organi­sation des Völkerbunds für geistige Zusammenarbeit, die im 3uli eine größere Tagung abhält, ist am Montag $uni erstenmal ein ständiger Aus­schuß für Kunst und Literatur zusammen- getreten, dem führende Persönlichkeiten des Geistes­lebens aus verschiedenen Ländern angehören. Von deutscher Seite nimmt Thomas Mann an den Arbeiten des Ausschusses teil, ferner der französische Schriftsteller Paul Valery, der ungarische Kom­ponist Bela B a r t o k, der englische Dichter M a i s- field, der englische Wissenschaftler Gilbert Mur- ran, der tschechische Schriftsteller Capek sowie Museumsdirektoren und Mitglieder der wissenschaft­lichen Akademien verschiedener Länder. Der Aus­schuß hat beschlossen, sich auf der gegenwärtigen Tagung im Hinblick auf die allgemeine geistige Krise der Gegenwart nicht mit technischen, sondern aus­schließlich mit grundsätzlichen weltanschauli­chen Fragen und insbesondere der Sielluna und Not der geistigen Menschen der heutigen Epoche zu beschäftigen.

An den Gräbern der Skagerrak-Gefallenen.

Boote Der 2. TorPedobootshalb- flo tille der Rcichsmarine liefen auf der Rück­kehr von der Sommerausbildungsreise die schwe­dische Schärcninsel Stensholm, die nördlich von Göteborg im Skagerrak liegt, an, um dem dort befindlichen Friedhof der Skagerrak-Ge­fallenen, auf dem auch der Dichter Gorch Fock begraben liegt, einen Besuch abzustatten. Eine Abordnung der Veichsmarine legte an den Grä­bern der Gefallenen, die 1916 nach der Skagerrak- schlacht an dieser 3nsel angespült und von schwe­dischen Fischern begraben worden waren, einen Kranz nieder und hielt eine schlichte Gedächtnis­feier ab.

Heuschreckenplage In Toscana.

3n der Väho von Perugia und in einigen Ge­meinden in der Vähe von Florenz sind millionen­starke Heuschreckenschwänne ausgetreten, die in den Kulturen verheerenden Schadenan­richten. Man kann selbst unter Anwendung von GaS noch keine merkliche Abhilfe feststellen. Vach Zeitungsberichten sind die Straßen der heimge­suchten Landstrecken buchstäblich mit Heu­schrecken übersät, so daß Automobile der Sicherheit halber die Fahrt verlangsamen müssen.

Derbandsiag des Hessen-Nassauischen Kui-zschnstverbandeö.

WÄV. Darmstadt. 5. 3uIL 3n Verbindung mit dem 70jährigen 3ub.läum des Gabelsberger- schen Stenographen Vereins 1861 fand in Darm­stadt am Samstag und Sonntag der diesjährige Hessen-Vassauische Stenographen-Verbandstag statt. Vach einem Jubiläums-Kommers am Sams­tagabend. bei dem insbe'ondere die verdienten Förderer des festgebenden Vereins geehrt wurden, fand am Sonnlagvormittag ein Festakt im großen Saale des SaalbaueS ftatt. Der Verbands Vor­sitzende Vechnungsdireklor Werner (Darmstadt) hielt die Begrüßungsansprache. Der Vedner dankte insbesondere der Regierung für die Unter­stützung, die die Einheitskurzschrift in Hessen ge­funden habe. Anschließend übermittelte Schulrat Hassingcr die Glückwünsche der hessischen Re­gierung. Gleichzeitig brachte er dem 3ubelverein herzliche Glückwünsche dar und dankte dem Steno­graphenverein für die Bereitwilligkeit, erwerbs­losen 3ugend'.ichen die Möglichkeit jur Erlernung der Kurz'chrift zu geben. Regierungsrat Schaible vom Stenographischen Landtagsamt übermittelte die Glückwünsche des Kultusministe­riums Für die Stadlverwaltung Darmstadt wies Stadtrat Schneider darauf hin, daß die Steno­graphenvereine nicht nur Kurz'chriftschulen feien, sondern wertvolle Bildungsstätten für die 3ugend. 3m gleichen Sinne sprachen Stadtschulrat Lösch im Varn en des Stadtschulamts und der unterstell­ten Schulen und Lehrer und als Mitglieds des Landtags Kreisschulrat Storck. Die Grüße des Deutschen 6!enographenbundes übermittelte Ober­studiendirektor Professor Pfaff, diejenigen des Vachbarverbandes Hessen-Waldeck Siadtsekretär Pfeiffer (Kassel».

Prosessor Fischer (Karlsruhe) hielt bann einen großangeleg'.en Vortrag über die »Einhei tS- kurzschrift im Dienste des deutschen Volkes." Er begrüßte es, daß die Kämpfe um eine Reichslurz'chrift jetzt be.nöct seien. We n auch die Einheitsstenographie einige Mängel habe, so seien diese doch nicht so groß, dah das System als solches revidiert Werben müsse. Der Redner stellte fest, dah Hessen auf stenographischem Gebiet ohne Zweifel ein Mush:rland darstelle. Das mit dem Verbandstag verbundene Derbands-Wett- schreiben zerfiel in ein Schnell- und ein Richtig- und Schönschreiben. Am Schnellschreiben nahmen 1168 Personen teil, am Richtigschreiben 68. Es gelangten beim Wettschreiben 65 Ehrenpreise, 503 erste, 224 zweite und 188 dritte Preise zur Vertei­lung. Die mit Ehrenpreisen bedachte Höchstlei­stung erreichte Hans Fischer (Darmstadt) mit 260 Silben, der den Ehrenpreis des hessischen Staatspräsidenten erhielt. Der Schüler Wilhelm Schmitt (Darmstadt) erhielt in der Abteilung 240 Silben den Ehrenpreis der Stadt Darmstadt, einen weiteren Ehrenpreis in der gleichen Ab­teilung erhielt Theobald Winkler (Frankfurt am Main). 3n der Abteilung 220 Silben erhiel­ten Ehrenpreise Georg W a h l (G i e h e n), Maria Wenzel (Darmstadt), Karl Fröhner (Dieburg) und Emil 3oft (Gießen).

Wettervoraussage.

Die Störung über der Vordsee hat ihren Weg nach Mittel- und Süddeutschland genommen und infolgedessen auch über unseren Bezirk ihren Ein­fluß ausgedehnt, so daß in der verflossenen Vacht und in den heutigen Morgenstunden ungefähr 20 Millimeter Regen gefallen sind. Voch lagert über der Vordsee ein Tiefdrucklern, dessen Rück eile über den britischen 3nfeln kühlere Luft vor schiebt. Sie Wird auch für uns von Einfluß sein und unter sinkenden Temperaturen mehr wechselhaftes Wet­

ter verursachen. Dabei treten zunächt noch Meder» schlüge auf, jedoch nicht mehr als Dauerregen, sondern nur zeitweise und mehr in Fern, von Schauern.

Aussichten für Mittwoch Wechselnd bewölkt mit kurzer Aufheiterung, kühler, vorerst noch Regenschauer.

L u f 11 e m pe r a t u r e n. Am 6 3u?i m.ttags 21.6 Grad Ee .'.us. abends 15.6 Grad EelsiuS: am 7. 3u_; morgens 15.3 Grab Genius. Maffi- mum 25,0 Grad Ee.tus, Minimum 15.2 Grad Ee. '.us. Viedcrschläge 15 Mttlnne-er. Sonnen- fcheindauer 5l/< Stunden.

Erdtempcraturen in 10 Zentimeter Tiefe: Am 6.3uli, abends. 23.3 Grad Celsius. 26n 7. 3uli, morgens. 19.0 Grad Eelsius.

Hrifcroctlcrbicnfl der amtlichen IDctterbienflfleUe Gießen.

Konstanz: 16 Grad. Südwind, Regen, gestern regnerisch

Garmifch - Partenkirchen: 15 Grad, Westwind, bedeckt Witterungsverlauf feil gestern veränderlich mit Schauem.

Vwinemünde: 22 Grad, Südostwind, wol­kig gestern Dauerregen.

Helgoland: 16 Grad. Westwind, wolkig, gestern veränderlich mit Schauem.

Die Wetterlage.

>10

1

nami

5ci<ly<

20

O

Tu

Par

90

\ 25

-*O-< *

nKt ^Wlen

< O o

* o N (ifrmonl 151

G vontenios ® nentr. » hato DtdecH® wolkig aveder«, eKegt^ »Sehnte aOraupeitiMtOcl KQewit'rr.^windiUMc-«O-> X* «eichte» On massige» SOdiodwtsi q siOrmucho «tordWesl Ole Piene fliegen mit dem winde. Ole oeiden Stationen stenenden Zah­len gehen die Temperatur an. Oie Linien verbinden Orte mH .gleiche» tu1 eiteresniveau umgereehneten Luftdruck

(Schluß des redaktionellen Teils.)

Derantwortl. f. d. Feuilleton: i. V. Dr. Lang e.

Die Ziehung der Eisenacher Geldlotterie qum Besten des Thüringer Museums zu Eisenach sinket am 16. und 17.3uli statt. Die Lotterie bietet eine aussichtsreiche Gelegenheit, für eine kleine Ausgabe einen großen ober geringeren Geldgewinn zu er­zielen.

Anläßlich meines

stelle Ich ca. 50 Stück

Hemden, Zephir und Popeline

*welt unter Preis zum Verkauf

Hier ein Beispiel:

Oberhemden

Popeline, 80 cm breit, gute traglähige Qualität, echt Indanthren getärbt. in grober Muster-Auswahl.......netto m

0.68

Ferner alle anderen Qualitäten entsprechend billig

L. BERN ARD

Stoffspezialhaus, Plockstrabe 16

Auf alle regulären Waren gewähre ich während meines Ausverkaufes

10% Sonder-Rabatt 10%

___________________________________________________________________ 451

Großer Transport

Erinelanderu. Ostpreußischer Arbeitspferde

!eichten,mittleren und schweren Schlages,darunter mehrere egale Gespanne sowie Einspänner stehen ab Freitag, den io. 3uli, in unseren Stallungen zum lommisstonsweisen

Verkauf und Tausch.

Gebrüder Stenberg

J« de« wühle« 2 Seenspeechev 2312.

BORKUM t>

Wissenschaftliche Werke

Sondergeoiet oar

Brühlschen Druckerei

SrifOe wische

Mittwoch. Donnerstag, Freitag:

Frische Schellfische, Kabeljau Seelachs o. K.

Arische Fischfilets

Richard Grünewald

Bahnhofstrahe 27 Fernspr. 3631 _________________________________03933

Strandhotel und Strandvilla Viktoria Bestempfohlen, Ruh. Lage, Seeblick

Pens.M 6.50.KeineKonzerte, KcinWeinzw. Mittwoch, den 8. Zuli 1931, nachm. 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28/ ,3um Löwen^zwangsweise geg. Bar» Zahlung:

1. Büfetts, Kredenzen, Vertikos, Nähma- fchinen, Warenfchränke, Lodentyeken, Grammophons, Sofas, Schreibtische, Schreibmaschinen, Kleiderschränke, Chaiselongues Zimmerteppiche, Tru- meauspieyel, Kommoden, Diwans, Da­menfahrräder, Frisier-Toiletten, Eß­service, Kaffeeservice, 100 Mistbeet- senster, Küchcnanrichten, einen Kassen- schrank, 25 Meter Gummivcrdeckstoff, eine Registrierkasse, Rucksacke, Kosser, Aktenmappen, Handkoffer, Biegel- koffer, Schulranzen, Mitteldärme, Mo­torräder, zwei Schlafzimmerbilder, Oclgemaldo, einen Warenschrank mit 95 Bildern, ein Fernglas, Stühle, Waschseroice, Werfpupven, Halsketten, Gasherde, 95 Auswaschlumpen, eine Klebepresse, Papierkörbe, ein Rinkz Tischdecken, zwölf Deckbettenbezüge, Kopfkistenbezüge, Paradekissen, vier Bände Denkmäler des Theaters, Ständerlampen.

2. zwei Reisekörbe, Dokumentenmappen. Bleistifte, Briefpapier, Reißzeuge, Ra­diergummi, Züllsederhalterständer, Se­hern, Bestellbücher.

Die Versteigerung zu 2 findet bestimmt statt.

Siebert

stellv. Gerichtsvollzieher in Gießen, Wiesecker Weg 16 Telephon 3383.

wieder

i-Ä