Ausgabe 
7.7.1931
 
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nr. 156 (Elftes Blatt

181. Jahrgang

Dienstag, 7. Juli 1931

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BcUefti: Die Dlluftrierte

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Frredr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyrrot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Ula^ FiU«, sämtlich in Gießen.

Die Einigung in Pans vollzogen.

Ein amerikanisch-französisches Kompromiß. - Das Schlußprotokoll unterzeichnet. - Paris und Washington sind zufrieden.

Die Einigungsformel.

Ta-Ergebnis der Montag-Besprechung

Paris, 6. 3ull. (1DIB.) Die Bef pred)ua- gen der französischen und amerikani­schen Unterhändler, die um 15 Uhr began­nen, gingen um 16.30 Uhr zu Ende. Um 17 Uhr f rat der französische TH l n i ft errat zusam- men, um zur Lage Stellung zu nehmen. Die fran­zösisch - amerikanischen Besprechungen wurden um 19 Uhr wieder ausgenommen und führten in später Abendstunde zu einer völligen (Einigung, über deren Grundlage, die die französische Regierung vorgeschlagen und die die amerikanische Regierung angenommen hat, die Agentur havas folgende Aus­lassung verbreitet:

Nach dem vorgenommenen Meinungsaustausch stellt die französische Regierung fest, daß sie sich mit der amerikanischen Regierung über die wesent­lichen Grundsätze des Vorschlags des Präsi- denlen Hoover und über die nachstehend aufgeführ- ten Bestimmungen einig sei:

1. Die Bezahlung der Regierungs­sitz u 1 d wird vom 1. Juli 1931 bis 30. Juni 1932 ausgesetzt.

2. Deutschland bezahlt jedoch den Betrag der ungeschützten Annuität; aber die französische Regierung Ist, soweit sie in Frage kommt, bereit ein- zuwllligen, dah die auf diese weise von Deutschland geleisteten Zahlungen durch die Internationale Zahlungsbank I n garantierten Bonds der Deutschen Reichsbahn angelegt werden.

3. Alle suspendierten Zahlungen tragen unter den seitens der amerikanischen Regierung angeregten Bedingungen Zinsen und sind vom 1. Juli 1933 ab In zehn Annuitäten z u tilgen.

1. Die gleichen Bedingungen gelten für die von der Reichsbahn auszugebenden Bonds.

Die französische Regierung erklärt hinsichtlich dreier Punkte, von denen sie ihrerseits anerkennt, dah diese Punkte die amerikanische Regierung nicht direkt betreffen, das folgende:

a) (Eine gemeinsame Aktion der hauptsächlichsten Sentralnofenbanfen wird durch Vermittlung der Internationalen Zahlungsbank zugunsten der europäischen Länder unternommen, die be­sonders durch die Aussetzung der 3 aff­in n ge n betroffen werden.

b) (Eine vorherige Verständigung wird zwischen Frankreich und der Internationalen Zahlungsbank erzielt werden müssen, damit Frankreich den im Falle eines Poungplan-INoratoriums vorgesehenen Garantiefonds nur durch Monatsraten ergänze, die den Bedürfnissen der Internationalen Zahlungsbank unter Be- rücksichtigung der tatsächlich von Deutschland transferierten Zahlun- gen entspreche.

c) Die Frage der Sachlieserungen und die verschiedenen durch die Anwendung des amerikani­schen Vorschlages und das vorliegende Abkommen notwendig werdenden technischen Beft im­mun ge n werden oon einem Sachverstän­dig e n a u s f ch u h geprüft werden, zu dem die interessierten Mächte Delegierte entsenden; die Sachverständigen werden die tatsächlichen Notwendigkeiten mit dem Geist des hooverschen Vorschlags in Einklang zu bringen haben. Frankreich behält sich vor, von derdeutschen Regierung die uner - läßlichen Versicherungen bezüglich der Verwendung der Summen, die im deutschen Budget gespart werden, zu ausschliehlich wirtschaftlichen Zwecken zu verlangen.

Um 23.30 Uhr haben die französischen und ameri­kanischen Unterhändler ein in französischer Sprache obgesahtes Protokoll in zwei Exemplaren para­phiert, das die Grundlagen des veröffentlichten Ab­kommen enthält. Ls haben paraphiert für die vereinigten Staaten Schahsekretär Mellon und Botschafter E d g e, für Frankreich Ministerpräsident C a oal, Außenminister Briand, Finanzminister F l a n d i n , Budgetminister Pi 61ry und Anter - staatssekretär Franxois Poncet.

Mellon macht den Parisern Komplimente. Paris, 7. Juli. (XU.) Dach Abschluß des amerikanisch-französischen Abkommens hat Schah­sekretär Mellon den Vertretern der amerikani­schen Presse die in solchen Fällen übliche kurze Erklärung abgegeben. Er führte aus:

»Unsere Verhandlungen mit den Franzosen sind in der liebenswürdig st en und ange­nehmsten Form verlaufen Ihre herzliche und freimütige Haltung hat unsere Aufgabe sehr erleichtert. Im Verlaufe unserer Be­sprechungen haben wir das Vertrauen auf den endgültigen Erfolg niemals verloren. Ich möchte, dah der amerikanischen Oeffentlich- leit gegenüber zum Ausdruck gebracht wird.

dah die Zusammenarbeit mit den französischen Unterhändlern, besonders aber mit dem Minister­präsidenten Laval, unsere aufrichtige Anerken- mmg gesunden und zur Erreichung des Zieles geführt hat."

Präsident Hoover über die Einigung.

Keinerlei Belastung der deutschen Reich-» lasse während eines IahreS."

Washington, 6. Juli. Präsident Hoover hatte die Pressevertreter zu einer Pressekonferenz ins Weihe Haus bitten lassen, wo er ihnen freudestrahlend entgegentrat und ihnen eine Er­klärung vorlas, in der von der Einigung mit Frankreich über den Grundgedanken des Hoover-Planes Mitteilung gemacht wird. Der Präsident betonte, Frankreich habe endlich der Forderung Hoovers zuge st immt, dah die Reichsregierung während des Auf­schubjahres keinen Pfennig an Repara-

Berlin, 7. Juli. (ERB.) Die gestern in spä­ter Rachtstunde in Paris ^ustandegekommene Ei­nigung zwischen den französischen und amerikani­schen Unterhändlern über den Plan des Präsi­denten Hoover wird von den meisten Berliner Morgenzeitungen in großer Aufmachung veröf­fentlicht. Indes unterziehen nur wenige Blätter den Inhalt der Einigungsfvrmel einer kritischen Betrachtung.

DieGermania" (Zentrum) charakterisiert die Einigung dahin, daß man sich, nachdem Frankreich zwölf volle Tage gekämpft und gefeilscht habe, auf der Grundlage eines Kompro­misses einigte, der grundsätzlich Hoovers Prin­zipien annehme, in den Einzelheiten aber der französischen Empfindlichkeit und den französischen Sonoerwünschen in recht weitgehendem Mähe Rechnung trage. Amerika und Frank­reich dürfen behaupten, schreibt das Blatt, dah sie in diesem zähen Kampfe die Verständigung im Auge hatten. Wir selbst aber müssen dankbar sein, aber auch mit Wehmut feststellen, dah Hoover und seine Bevollmächtigten, Mellon und Castle, hartnäckig und folgerichtig um ihr Ziel kämpften und um dieses notwendigen Zieles willen auch Unerwünschtes in Kauf zu nehmen hatten. Dah die Anerkennung des französischen Anspruches der Aufrechterhaltung des Prinzips der ungeschützten Annuitäten nach dem bisherigen Verlauf der Verhandlungen zu erwarten war, wird von uns in der Ueberzeugung zur Kenntnis genommen, dah trotzdem noch nicht das letzte Wort über die deutsche Zahlungsfähigkeit in den kommenden Jahren gesprochen sein wird.

Roch optimistischer äußert sich die »Vos s. Z t g. (Ullstein), wenn sie schreibt, dah trotz der den Garantiesonds und die Sachlieferungen be-

Derlin, 6. Juli. (TU.) Die gestern kurz veröffentlichten Aeuherungen desReichs- kanzlers gegenüber dem amerikanischen Bot­schafter Dackett lauten wie folgt:3m Hin­blick auf die in einigen Kreisen aufgetauchten Besorgnisse, die im deutschen Haushalt durch den Eriah der Reparationszahlun­gen sreiwerdenden Summen könnten für «ine Vermehrung der Rüstungen Verwendung finden, stelle ich fest, dah eine Er­höhung der Aufwendungen für Heer und Flott« während des Feierjahres weder je beab­sichtigt war. noch stattfinden wird. Die gesamten Erleichterungen, die der Hoover- plan Deutschland bringen wird, werden zur Deckung der zu erwartenden Ein­nahmeausfälle, zur Konsolidierung der finanziellen Verhältnisse und zur Rettung der deutschen Wirtschaft restlos benötigt und verwandt werden."

Der auhenpolittsche Mitarbeiter des ..Mattn", Sauerwein, hat im Zusammenhang mit diesen Aeuherungen Brünings es handelte sich, wie hervorgehoben werden muh, nicht um eine Rote Mitteilungen gemacht, die auf politische Forderungen Frankreichs hinauslaufen. Er erklärt in Zusammenhang mit dem Abschluß der Verhandlungen, dah es ein ergreifen­der Anblick gewesen sei, als nach Unter­zeichnung der Verhandlungsgrundlagen durch die beiden Parteien die französischen Minister dem amerikanischen Schatzkanzler und dem ameri­kanischen Botschafter herzlich die Hände schüt­telten. Alles sei jedo ch noch nicht been»

t i o n e n zu zahlen habe. Leider habe er bezüglich der Rückzahlungsfrist Frankreich n a ch - geben müssen, die mit dem 1. Juli 1933 be­ginnend festgesetzt wurde, anstatt mit dem l.Iuli 1934. wobei die Tilgung in zehn Jahres­raten erfolgen soll. Aber der Plan sei nunmehr moralisch in Kraft und Deutschlands Lasten wäh- rend dieses Zeitraumes erheblich erleichtert. Er habe Zusicherungen von einer groben Mehrheit beider Häuser deS Kongresses ohne Unterschied der Partei, dah sie alsbald nach Be­ginn der regulären Session anfangs Dezember seinem Plan z u st i m m e n und ihn für die Vereinigten Staaten noch vor Witte Dezember, dem Zeitpunkt, an dem die nächsten' Zahlungen an sich fällig wären, in Kraft setzen werden. Frankreich werd« einige Details mit den anderen Gläubigerländern noch zu regeln haben. Alles aber werd« getreu dem Grund­gedanken des Hoover-Planes erfolgen:Keinerlei Belastung der deutschen Reichskasse während des Jahres" und die Regierung der Vereinigten Staaten werde sich nunmehr an den weiteren Verhandlungen nicht mehr zu beteiligen brauchen.

treffenden Vorbehalte der Wert der poli­tischen Inkraftsetzung des Hoover- planes nicht vermindert werde. Das Entscheidende sei, dah Deutschland bis zum 15. Juli 1932 keinen Pfennig in fremder Wäh­rung zu übertragen haben werde. Das Blatt er­wartet die Wiederkehr des Vertrauens, das dem zähen Ringen der letzten 15 Tage nicht standgehal­ten habe. Alles deute daraufhin, daß das große internationale Hilfswerk zugunsten der deutschen Wirtschaft nun sehr rasch beginnen werde.

In einem sehr krittschen Tone dagegen schreibt dieD. A. Z.", die Franzosen wollten uns aus- bluten lassen, um uns dann diktieren zu können, nicht hinsichtlich der ungeschützten Annui­täten oder der Sachlieferungen, sondern hinsicht­lich politischer Lebensfragen er st en Ranges. Auch nach der Einigung müssen wir vermeiden, dah die französische Politik uns ihre Bedingungen dikttert. Hauptsächlich wirkt sich das Pariser Uebereinkommen psychologisch aus. Richt Mutlosigkeit, sondern k o n st r u k t i v e, aufbauende Gesinnung, die endlich auf das Ganze geht, ist das Gebot der Stunde. Gs kann keine Regierung mehr wagen, jene po­litischen Verzichte auszusprechen, die etwa in der französischen Kammerdebatte gefordert touröen. Sie wäre in dem gleichen Augenblick gestürzt.

DerT a g" (Hugenberg) schreibt: Die voll­ständige Befreiung der deutschen Finanzen von den Tributlasten während eines Jahres sei nicht erreicht worden. In der Sachlieferungs­frage habe Hoover einen glatten Rückzug an­getreten. Sollte es in dieser Frage zu keiner Einigung kommen, so werde auch dos Sachliefe­rungsprogramm deutscherseits zunächst unter- b roch en werden.

de t. Der BIZ. faÄe die Aufgabe zu, die be­stehenden Schwiergikeiten weiter zu löfen, die weder dem Hovverplan noch dem Poungplan irgendwie schädlich sein könnten..

Das wichtigste sei jedoch, dah Deutschland ohne Umschweife die Versicherungen gegenüber Frank­reich wiederhole, die es soeben erst gegenüber der amerikanischen Regierung abgegeben habe. Deutschland müsse vor allem verstehen, daß, wenn Frankreich um die Unterlassung von abenteuerllchen Maßnahmen, die Dermeidung des deutsch-österreichischen Anschlusses oder von militärischen Kundgebungen bitte, dies keines­wegs eine Schikanlererei bedeute, noch eine Beschränkung der freien Meinungsäußerung.

Es bedeute lediglich, daß zwei Arten von Po­litik nicht möglich seien. Ein großes geschla­genes Volk könne zweierlei wünschen, entweder sich zu rächen oder sich im Einvernehmen mit seinem Gegner wieder zu erholen, niemals aber bei­des auf einmal. Es fei absolut unmöglich, Reoanchegefühle zu unterhalten und zu gleicher Zeit ausländisches Kapital um ein Moratorium anzu- rufen.

Bon zuständiger Stelle in Berlin wird hierzu er­klärt, daß die Aeuherungen Brünings gegenüber dem amerikanischen Botschafter selbstverständlich nicht nur für Amerika, sondern auch für die übrigen Länder Geltung haben. Aus diesem Grunde fei es völlig unverständlich, wenn die französische Regierung eine entsprechende Ber­

eicherung auch für sich wünsche. Für Deutschland kämen in Uebereinftimmung mit Washington natür­lich keine politischen Forderungen in Frage. Es könne auch keine Rebe davon sein, wie das in verschiedenen französischen Meldungen, insbesondere von der halbamtlichen Agenturßavas" behauptet worden ist, dah sich die Reichsregierung wegen der Zollunion bereits mit der Wiener Regierung auseinandergesetzt habe. Demarchen irgendwelcher Art seien weder in Berlin noch in anderen Hauptstädten unternommen.

Frankreichs geheiligte Rechte gewahrt.

Laval verkündet den Beginn einer neuen Acra.

Paris, 6. Juli. (WTB.) Rach Beendigung der heute abend erfolgten französisch-amerikani­schen Besprechung übermittelte Ministerpräsident Laval der Presse folgende Auslassung: Staats­sekretär Mellon und Botschafter Edge hoben dem amerikanischen Präsidenten Hoover telephonisch den vorgeschlagenen Text der Derständigungs- grundlage übermittelt. Bei Wiederaufnahme der französisch-amerikanischen Besprechungen um 22 Uhr haben die amerikanischen Unterhändler die Zustimmung ihrer Regierung zur Kenntnis gebracht und mitgeteilt, Präsident Hoo­ver habe erklärt, das heute geschlossene Abkom­men würde dem Geiste des amerikanischen Vor­schlages entsprechen; es bleibe allerdings dann von der Zustimmung der anderen interessierten Teile abhängig, für deren Staaten er keine Verpflich­tungen übernehmen konnte. Staatssekretär Mel­lon und Botschafter Edge haben darauf im Ramen Hoovers und in ihrem eigenen Ramen der fran­zösischen Regierung ihre aufrichtige Dank­barkeit gegenüber der französischen Regierung zum Ausdruck gebracht, über deren hochher­zige Anstrengungen zugunsten der wirtschaftlichen Wiederherstellung der Welt. Ministerpräsident Laval hat den amerikanischen Unterhändlern für ihre tätige Mit­arbeit und für ihren persönlichen Geist gedankt. Er hat den Wunsch ausgedrückt, dah die Inittative des Präsidenten Hoover die gesteckten Ziele er­reichen möge.

Laval erklärte weiter: Das Abkommen sei nun­mehr abgeschlossen. Das sei eine wichtige Entscheidung, die für Frankreich ein schwe­res Opfer bedeute. Man werde begreifen, dah die französische Regierung die französi'sch-ameri- kanische Solidarität aufrechterhalten sollte, sei sie doch die Bedingung für die intemdtionale Zusam­menarbeit, die für den Frieden notwendiger sei denn je. Man werde feststellen, dah die franzö­sische Regierung nicht zugelassen habe, dah das geheiligte Recht Frankreichs auf Reparationen verfalle. Wenn das ab­geschlossene Abkommen die Wiedergeburt des Ver­trauens in der Welt zur Folge haben werde, dann werde dies für Frankreich nicht vergeblich gewesen fein, und wenn man in Deutschland die Bedeutung und den Sinn der edelmütigen Haltung Frank­reichs begreife, müsse für beide Volker eine neue Aera beginnen.

Geteilte Meinung in Paris.

Erste Presscstimmen.

Paris, 7. Juli. (WTB. Funkspruch.) Zu dem Abkommen der französischen Verhandlungen äußert sich fast die gesamte Morgenpressr. ,2 a Repuolique" erklärt: Wir können un8 zu einem derartigen Ergebnis nur beglückwünschen. Ein Abbruch würde das Signal zur allgemeinen Unordnung gewesen fein. Hoovers Vorschlag stellt einen Beginn der. Er wird zu nichts dienen, wenn er sich daraus beschränke, eine Schwächung Deutschlands zu vermeiden, und wenn ihm nicht ein Plan folgen würde, der es Deutschland gestattet, sich wiederzu erheben. Frankreichs Sache fei es, diesen Plan vorzulegen. Im .Populaire" (sozial.) schreibt Löon Blum: Dieser Vorschlag wird nur einen Aufschub bedeuten, wenn er nicht Aus­gangspunkt einer zähen methodisch durchgesührten Gesamtaktton wird. Es geht um den Frieden. 2*0 euo re" (radikalsoz.) schreibt, dah sich die französische Regierung wohl nicht mit den in Washington abgegebenen beruhigenden Erklä­rungen des Reichskanzlers zufrieden­geben werde, fonbern die Versicherung zu er­halten gedenkt, dah die dem deutschen Budget gewährten Erleichterungen weder zur Her­aufsetzung der deutschen Rüstungen, noch ^u einer Art finanziellen Infla­tion verwendet toerben. In diesem Sinne äußert sich auch der offiziösePettt Parisien".

Echo de Paris (national-klerikal) schreibt: Die französischen Minister haben noch gestern einen Abbruch der Verhandlungen befürchtet. Durch äußerste Konzessionen haben unsere Mi- trister das Manöver parieren wollen; aber d ie Angelegenheit ist nochnicht zu Ende. Excelsior" sagt: Man muh in erster Li­nie betonen, dah zwilchen der Grundlage des Abkommens, wie es paraphiert wurde, und den im französischen Parlament abgegebenen Er- Larungen lein tiefgreifender Wider«

Erstes Echo in Berlin.

Oas pariser Kompromiß kommt den französischen Wünschen weit entgegen. Gegen politische Zumutungen.

Frankreichs politische Forderungen.

Oie Verwendung der gestundeten Reparationen. Ein schamloser Erpreffungsversuch.