Ausgabe 
7.5.1931
 
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Der Landwirtschastsrat fordert Hilfe für die Veredlungswirtschast

Zollschutz für Molkereiprodukte, Obst und Gemüse.

Der Lairdwirtschastsrai nahm sodann folgende Entschließung zu Punkt 1 der Tagesordnung an: Der Deutsche Landwirtschastsrat hat der Rcichs- rcgierung eingehende Vorschläge unterbreitet, um die Rentabilitätsmöglichkett der deutschen Bauernwirtschaften, insbesondere der Viehwirtschaft, des Obst-, Gemüse-, Wein - und Gartenbaues endlich wieder­herzustellen. Diesen Vorschlägen ist bisher nicht entsprochen worden, vielmehr hat die Wirtschaftslage der bäuerlichen Veredelungs- Wirtschaft im letzten Iahre eine katastrophale Verschlechterung erfahren. Die derRcichs- regierung und dem Herrn Reichspräsidenten über­tragene und durch Artikel 3 des Zollermächti- gungsgesehes ausdrücklich bestätigte Verpflichtung, die Lebensmöglichkeiten der Landwirtschaft durch Angleichung des Agrarindexes an ^die übrigen Indices wiederherzustellen, ist gerade bezüglich der Haupterzeugnisse der bäuer­lichen Wirtschaften bisher nicht erfüllt worden. Der Index der wichtigsten Erzeugnisse der bäuerlichen Viehwirtschaft liegt zur Zeit um mehrals 30 Prozentunter dem Index der Betriebsmittel. Der Deutsche Land­wirtschaftsrat fordert daher erneut mit größtem Ernst schleunige Maßnahmen zu wirk­samem Preisschutz der Erzeugnisse der Viehwirtschaft sowie der sog. Edel­produktion, insbesondere die sofortige Ver­doppelung des Butterzolles, dem handelspolitische Bindungen nicht entgegenstehen, sowie beschleunigte Durchführung der handels­politischen Verhandlungen zwecks Lösung der Bindungen des Käsezo11es und der wichtig­sten Ob st - und Ge m'ü sezölle.

Aufregung in Bukarest.

Tie Schuld am Abbruch der deutsch-rumänischen Handelsvertrags­verhandlungen.

Bukarest, 7. Mai. (TU.) In hiesigen politi­schen Kreisen herrscht große Aufregung über den Abbruch der deutsch-rumänischen Wirtschaftsver- handlungen, der angeblich in erster Linie aus das Konto des neuen Außenministers Ghika komme. Er versuche unter dem Ein­fluß von Benesch und der Franzosen, die Verhandlungen zu Hintertreiben. Wan wirft Ghika vor, daß er in dieser für Rumänien hoch­wichtigen Frage ganz selbständig gehandelt habe. Voraussichtlich wird sich am Donnerstag ein Ministerrat mit dieser Frage beschäftigen. Ein dauernder Abbruch der Verhandlungen mit Deutschland würde die Verwertung der Ernte und damit die Staatseinkünfte stark bedrohen. Adeverul" sucht die Sache so hinzustellen, daß Ghika von dem Eintreffen der deutschen Abord- nung nicht rechtzeitig unterrichtet worden sei. Die Agrarknsis als Weltproblem.

Die russische Gefahr für den Weltmarkt.

Washington, 7. Mai. (MTV. Funkspruch.) Vor der internationalen Handelskammer wurde als zweite Hälfte des Programms die Rot der Land­wirtschaft erörtert. Professor Russell von der landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Wis­consin bezeichnete als ein haupterfordernis die Einschränkung der I a n d w i rts cha f t - kichen Erzeugung, insbesondere des Wei- . zens. mit Rücksicht auf die Bedürfnisse des ein­beimischen Mackles. Lin bedrohliches Problem stelle 'Rußlands Fünfjahresplan und Rußlands Entschluß dar, die Ankäufe von industriellen Ma­schinen durch Ausfuhr von Weizen zu bezahlen. Solange Rußland auf ausländische Kredite angewiesen sei, werde es sowohl Weizen wie Holz und Er; zu irgend einem Preis ans Ausland absiohen. um Gold hereinzubekommen, und Amerikas Aussichten auf Weizenausfuhr wür­den immer geringer. Dies sei nicht die einzige Ware, in der die USA. durch Rußland auf dem Weltmarkt bedroht würden: Rußlands Vaumwollpro- duklion stieg von 41 000 Ballen im Jahre 1921

Zwei neunzigjährige Künstler

Von Prof. Dr. Karl Esselborn.

Am 7. Mai 1931 vollenden Heinrich Reinhard K r ö h und Hermann Müller in ihrer Ge­burtsstadt Darmstadt ihr 90. Lebensjahr. Kräh, der ältere, ein Sohn des Malers und Hofgalerie- Inspektors Friedrich Kröh, erhielt seine erste künstlerische Ausbildung bei den Darmstädter Landschaftsmalern August Lucas und Karl See­ger. 2m Iahre 1873 zum Hofmaler des Groß- Herzogs Ludwig Hl. ernannt, nahm er an meh­reren Reisen des Grohherzogs teil und war auch, als Lehrer tätig; sämtliche Schwestern des Groh­herzogs Ernst Ludwig zählte er zu seinen Schü­lerinnen. Seit über vierzig Iahren ist er in Darm­stadt ansässig. Alljährlich unternahm er Studien­reisen nach Bayern, nach Oberhessen, nach Rhein­hessen und in den Odenwald. Mehrfach war er auch in Italien. Hatte er früher auch die Por­trätmalerei gepflegt, so beschränkte er sich in sei­nen späteren Iahren im wesentlichen auf die Londschastsmalerei. Ohne seinen künstlerischen Anschauungen untreu geworden zu sein, hat er sie nie zur Schablone werden, sondern sie stets als lebendige Kräfte wirken lassen. So kommt den Werken seiner Spätzeit eine Leuchtkraft der Far­ben zu, die die früheren nicht aufwiesen. Zu fei­nem 70. Geburtstag verlieh ihm der Grohherzog Ernst Ludwig den Profcssortitel, der 80. Ge­burtstag brachte eine Gesamtausstellung seiner Werke. Kröh gehört heute zu den geschätztesten hessischen Künstlern.

Hermann Müller, ein Sohn des Pfarrers Paulus Müller, widmete sich anfangs dem Stu­dium der Architektur, da fein Vater ihm nicht er­laubte, den Malerberuf zu ergreifen, der seiner Reigung und Begabung am meisten entsprochen hätte. Seine Ausbildung erhielt er an der Ge­werbeschule in Darmstadt, der Berliner Bauaka­demie und der Uniberfität Gießen. Auf die 1867 abgelegte Staatsprüfung folgte ein längerer Auf­enthalt in Paris, nachdem er die Pläne für die hessische und badische Abteilung der dortigem Weltausstellung bearbeitet hatte. Später wirkte er an der Kunstschule in Offenbach, dann wurde

Giaatöfinanzen und Staatsgüter.

Haushalisberaiung im Hessischen Landtag.

Darmstadt, 6. Mai. Im Landtag stand zur Beratung Staatsgüter, Allgemeine Finanz­verwaltung und Ministerium der Finanzen.

Abg. Dr. Best (DRP.) erklärt, daß es Schuld der Reichsregierung sei, toeim infolge der un­gerechten Verteilung der Steuerquellen die Län­der gezwungen waren, zum notwendigen Dudget- ausglelch erneut Steuern ohne Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit der betroffenen Schichten zu beschließen. Gerechtigkeit könne durch Zu­schläge zur Einkommen st euer erreicht werden.

Abg. Schott (DVP.) erinnert daran, daß früher aus den Forsten die Zivilliste des Landesfürsten und das Lanbestheater finanziert wurden und noch ein Lieberschuh verblieb. Heute verzeichne man einen außerordentlichen Einnahmerückgang. Die Beförsterungs- beträge der Privaten und Gemeinden sollten er­mäßigt werden, da eine Rente aus dem Wald nicht zu ziehen sei.

Die zurückgestellten Abstimmungen zum Etat des Innenministeriums werden nachgeholt. Mit 24 gegen 23 Stimmen werden dreiKreis- arztstellenabgeseht. Die Regierung wird ersucht, einen abgeänderten Stellenplan für das Pflegepersonal in den Heil- und Pflegeanstalten vorzulegen.

Abg. Lux (Soz.) erklärt: Für den Reichs­finanzausgleich wünschten die Sozialdemokraten die Deseittgung der Dürgersteuer und die Ein­führung kommunaler Zuschläge zur Einkommensteuer. Die im Dezember be­schlossene Erhöhung der Sonderge­bäudesteuer in Hessen habe zu vielen Härten geführt. In den meisten Fällen sei sie jedoch violl und ganz gerechtfertigt, da in den letzten sechs Iahren diese Hausbesitzer, die nur in den Städten säßen, große Steuerbeträge gespart hätten. Durch die kommunale Realsteuersenkung werde in vielen Fällen doch eine Steuersenkung bei den Pflichtigen ein­treten. Eine Vereinfachung des Steuersystems und bessere Erfassung bei der Steuerveranlagung müßten wir mit aller Energie anstreben. Der Hauptfaktor der Wirtschaftskrise beruhe im Mangel an Kapital. In Deutschland könn­ten zwei Milliarden aufgebracht werden, wenn eine öffentliche Zwangskasse eingeführt würde, also z. B. von allen Einkommen von 3000 Mark aufwärts ein gestaffelter Betrag einbe­halten werde, der von der Zwangssparkasse mit 3 v. H. verzinst und der Wirtschaft zu etwa 4 v. H. zugeführt werden könnte.

Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.) prophezeit, daß kein Steueransak im Etat eingehen werde. Darum sei eine durchgreifende Senkung der sachlichen Ausgaben notwendig, wie diese von der Opposition seit Jahren gefordert würde.

Abg. Ga l m (Kam. Opp.) erklärt, daß alle Steuer- mittelchen des Finanzministers an der Leistungs­fähigkeit und der erschöpften Geduld des Steuer­zahlers scheitern müßten. Die Vorschläge des Abg. Lux seien Jllusionskunststückchen und würden nur den Kapitalisten zugute kommen.

Abg. Dr. Werner (Naisoz.) fragt, ob der Fi- nanzminister angesichts der zurückgehenden Steuer­eingänge und der gähnenden Leere der Staatskasse seinen Optimismus noch aufrechterhalte. Trotz der letzten Steuererhöhungen fei der hessische Etat nicht ausgeglichen. Ein radikaler Abbau der Beamten­gehälter schädige nur die Wirtschaft. Weshalb ver­öffentliche die Regierung nicht die in Hessen ge­zahlten Minifterpensionön? Der Gipfel der Demagogie sei das Verhalten der sog. Deutschen Staatspartei, die im Lande Protestkundgebungen inszeniere, aber die Steuererhöhungen im Herbst doch selbst beschlossen habe. Das Steuerkapitel ver­diene einstimmige Ablehnung.

Abg. W e ck l e r (Zentr.) fragt die Kommu­nisten, warum die Russen das Holz im Mainzer Hafen billiger anbieten können, als dies mit dem benachbarten Ober­hessen-Holz möglich ist. Koste in Rußland das Holz nichts, oder werde es durch Zwangs­arbeit herbeigeschafft? Das Zentrum stimme der Verringerung des Hiebsatzes und der Anpassung des Absatzes an die Bedürfnisse des Holz­marktes zu. Eine Revidierung der Pachten könne nur in Ausnahmefällen gebilligt werden.

Abg. Wolf (Bbd.) bestätigt, daß die hessische Forstwirtschaft vorbildlich arbeite; doch seien die Be örstelungsbrüräge für Gemeinden und Private viel zu hoch. Auch hei den Regieja^den solle manvon allen, die Böcke schießen", einen Iagd- stempel verlangen.

Abg. Späth (Zentr.) polemisiert unter leb­haftem Protest der Kommunisten gegen das rus­sische Dumping und verliest Auszüge aus der Rundschau der Arbeit" über den Forstarbeiter- kongreß in Moskau, wo festgestellt worden sei, daß die Waldarbeiter täglich zwölf Stun­den zu den niedrigsten Sätzen zwangsarbeiten müßten, andernfalls die Maschinengewehre sprächen.

Donnerstag Einzelberatung des Finanzetats.

auf 2 Millionen Ballen 1930 und 1932 würde Rußland keine ausländische Baumwolle mehr zu kaufen brauchen. Andere Länder schühlen sich durch Zölle vor der Einfuhr von landwirt­schaftlichen Erzeugnissen. Deutschland sei hierin am weitesten gegangen. In den letzten 16 Monaten habe Deutschland den Weizenzoll um über 230 v. h. erhöht, auf das fast Doppelte des Weltmarktpreises. Frankreich habe seinen Weizenzoll verhältnis­mäßig noch stärker gesteigert, nämlich um 400 v. h. in vier Jahren, wenn auch der tatsächliche Zoll nur wenig mehr als die Hälfte des deutschen Zollsatzes betrage. Amerika habe genau so gehan­delt. Die einzige Hoffnung für die Landwirte sei zur Zeit e i nM Oratorium für die landwirt­schaftlichen Produkte.

Frankreich ratifiziert die Genfer Zollkonvention.

Eine Geste, die zu spät kommt.

Genf, 6. Mai. (ERB.) Das Bölkerbundssekre- tariat teilt offiziell mit daß Frankreich die Genfer Handelskonvention vom 24. März 1930, durch die ein gewisser Zollwaf­fe n st i l l ft a n d in Europa herbei geführt werden sollte, jetzt ratifiziert und die Ratifikations­urkunde beim. Bölverbundssekretariat hinterlegt habe. In politischen Kreisen ist man über diese Mitteilung ziemlich erstaunt. Man erinnert sich, daß die Inkraftsetzung der Konvention nament»

er Privatarchitekt in Darmstadt, bis ihm 1876 die Leitung der Londesbaugewerkschule daselbst über­tragen wurde. 1877 zum Professor ernannt, wirkte er ein Menschenalter an dieser Stelle: 1906 trat er in den Ruhestand.

Seine amtliche Stellung bot Müller Gelegen­heit und Muße, seinen künstlerischen Neigungen nachzugehen. Viele feiner Bilder sind in Italien entstanden. Ein Grundzug seiner Kunst ist der Humor. Davon geben Zeugnis dieLicht- und Schattenbilder", die BlätterDer deutsche Michel" und das unschätzbareDarmstädter Skizzenbuch", das ein treues Bild von Darmstadt in der zweiten Hälfte des 19. Iahrhunderts überliefert.

Zum 90. Geburtstage der beiden Freunde soll eine Ausstellung in der Kunsthalle am Rheintor ein Gesamtbild von ihrem künstlerischen Schaffen geben.

Hessen Nassauisches Wörterbuch.

lieber die Arbeiten an diesem großen Heimatmerk im Jahre 1930 erstattete in den Sitzungsberichten der Preußischen Akademie der Wissenschaften Prof. Luise Berthold, die Mitarbeiterin von Prof. Ferd. W r e d e, folgenden Bericht:

Von unserer Publikation, dem Hessen-Nassauischen Volkswörterbuch, erschien im Berichtsjahr die vierte Lieferung (Luppcher Marienkäfer). Wieder steckt in ihr auch die Mühe zahlreicher Helfer, besonders aber vieler Lehrer, aus den verschiedensten Gegen- den unseres Gebietes. Teils gingen sie uns ständig mit Auskunft zur Hand: so außer den einstigen Schulern Wredes Hauptlehrer Abel, Mittelschul­lehrer Kappus, Taubstummenoberlehrer Nup­pel, Lehrer i. R. Schaefer, Studienassessor Dr. Schudt, Schulrat i. R. Schwalm sowie Frau Arndt. Teils beantworteten sie uns die zahlreichen Einzslfragen, die das Fortschreiten der Publikation nach immer wechselnden Orten auszuschicken zwang.

Neben der Arbeit an der Publikation wurde der Ausbau des Gesamtapparates unverrückt im Auge behalten. <£r wurde auch im Berichtsjahr gefördert durch die Anzettelung von Dialektliteratur, von Fragebogen ufw. sowie durch die dankenswerten Einsendungen unserer Helfer in Dorf und Stadt. Besonders hervorgehoben seien darunter die Ein­sendungen von Frau Arndt (Eitelborn), Lehrer

lich an der unkla ren Haltung Frank­reichs und der positiven Weigerung Englands gescheitert war. DerDorsihende der Konferenz, der ehemalige holländische Mi­nisterpräsident Colijn, hat damals ausdrücklich festgestellt, daß die Konvention hinfällig gewor­den sei, da ihre Inkraftsetzung bis zum 1. April t>. I. nicht habe erfolgen können. Verschiedene Regierungsvertreter hatten damals ausdrücklich erklärt, eine nochmalige spätere Konferenz könne nicht ohne weiteres die zu Fall gebrachte Konvention, deren eigentliche Inkraftsetzung auf den 1. April d. I. begrenzt war, in Wirksamkeit sehen, sondern die Regierungen, die bereits rati­fiziert hätten, müßten gegebenenfalls nochmals die Zustimmung der gesetzgebenden Körperschaften einholen. Wenn Frank­reich jetzt nachträglich eine Konvention, die längst existiert, noch ratifiziert, so ist das e ine G e ste, die nicht zuletzt mit Rücksicht auf die großen tourt» schafts- und handelspolitischen Auseinandersetzun­gen, die von der Tagung der europäischen Stu­dienkommission am 15. Mai erwartet werden, er­folgt ist.

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichsminister des Innern hat den Lan­desregierungen mitgeteilt: Rach zuverlässiger Mitteilung sind im Deutschen Reiche in den letz­ten Iahren nicht weniger als lOOFälle von Schändungen jüdischer Fried­höfe vorgekommen. Unter Hinweis hierauf darf

Hain (Oberrodenbach), Lehrer i. N. Kuhlmann (Breitscheid), Lehrer Nord (Rhadern), Lehrer i. R. Schaefer (Densbura), stud. med. Schneider (Battenfeld), Rektor Ziemer (Idstein). Die Ge­samtzahl der revidierten Apparatzettel stieg auf 235 500.

Wenn im Berichtsjahr die Verbindung mit unfern Helfern zufriedenstellend blieb, so gebührt ein An­teil daran der Presse; durch den Abdruck unserer Jahresberichte, durch Besprechungen unserer Publi­kation usw. verstärkte sie die Brücke von uns zu jenen.

Während des ganzen Berichtsjahres oder doch seines größten Teils im Dienste des Wörterbuchs tätig waren die Berichterstatterin und Frl. Dr. Bretschneider. Zeitweise leisteten dem Wörter­buch Hilfsarbeit Dr. Bischoff, Herr Coroi- nu s, Bibliotheksrat Dr. Martin, stud. Döh- r e r, cand. Rakers und die Damen stud. Hart- manshenn, stud. Jagdhuhn, stud. Kühn.

Zeitschriften.

Im Maiheft der Münchner Monatsschrift ,,D i e Kun ft" (Verlag F. Bruckmann) finden alle Dinge, die sich in dem Begriffe Kunst und Wohnung um­fassen lassen, eine ausführliche, mit vielen vorzüa- Uchen Bildern belegte Würdigung. Die Aufsätze rich- ten sich nach der allgemein verständlichen Art der Darstellung an den großen Kreis aller Kunstsinni­gen. Zur Eröffnung des neuen Heftes ein inter- effanter Deutungsoersuch über die Wesensart der Nazarener Kunst mit guten bildlichen Beispielen; dann sehen wir den Bildhauer Josef Thorak bei der Arbeit und erhalten durch eine Auslese aus seinen Werken Einblick in sein Schaffen. Eine kri- tische Umschau führt uns in die mit über 400 Kunst- werken beschickte Frühjahrsausstellung des Kunst- Vereins in Hannover. SchließlichSchultze-Naum­burgs Kampf um die Kunst". Aus dem Bereiche der Wohnkultur sehen wir neue Wohnhäuser in der Gesamtansicht und im Modell und neue Wohnungs- fünft; man erhält Anregungen für die neue Anlage alter Gärten und sieht kapriziös-lustige Porzellan- tiere der Nymphenburger Manufaktur und neue Textilarbeiten.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hat Gutachten eingeholt, in denen die

ich den Landesregierungen erneut nahelegen, M« Landesbehörden anzuweifen, um die Aufklä­rung und Verfolgung von Störun­gen des Gräberfriedens nachdrücklich be­müht zu fein. Ich halte,schärfstes Einschreiten ge­gen solche verabscheuungswürdige Taten für nö­tig und bin nach Iben Erfahrungen der letztem Iahre der Auffassung, daß es nicht möglich ist, ihnen ohne empfindliche Strafen zu begegnen.

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Die. Unterzeichnung des evangelischen Kirchenvertrages durch die Vertreter des preußischen Staates und der acht evangelischen Landeskirchen Preußens findet am Montag, dem 11. Mai, im Sitzungssaal des Staatsministeriums statt.

Der Reichskanzler hat in Anwesenheit des Reichsarbeitsministers Stegerwald die Herren von Dorsig und Brauweiler vom Arbeitgeberverband zu einer Besprechung über * die allgemeine Wirtschaftslage empfangen.

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Das Republikanische Kartell München, be­stehend aus dem Deutschen Reichsautoklub, dem Reichsbanner, dem Verein republikanischer Presse und dem Republikanischen! Klub.^hat Protest dagegen erhoben, daß bei derStnweihung der Äuf ft einer Heldenorgel die amtliche deutsche Flagge nicht führend gezeigt" worden sei.

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Das Präsidium des Allrussischen Zentral-Exe- kutivkomitees entband K r y l e n ko feiner Pflich­ten als Generalstaatsanwalt unb ernannte ihn zum Volkskommissar der Iustiz für Innerrußland.

Aus aller Well.

Expedition desGraf Zeppelin" in die Arktis.

Zwischen dem LuftschiffGraf Zeppelin" und der amerikanischen Hearst-Presse ist ein Abkom- - men geschlossen worden, wonach mit demGraf Zeppelin" eine wissenschaftliche Expedi­tion in die Polargegend unternommen wird. Sie soll versuchen, mit der von Sir Hubert W i l k i n s im Unterseeboot beabsichtigten Expedi­tion in Verbindung zu kommen und sie, wenn mög­lich, am ober nahe dem Nordpol zu treffen. Es ist beabsichtigt, die Frage zu klären, ob ein Luft­schiff das geeignetste Mittel ist, um Forschungsexpe- ditionen in der Arktis zu landen, sie zu finden und wieder aufzunehmen ober solchen Expebitionen, bis bereits unterwegs finb, Nahrungsmittel und Hilfe zu bringen.Graf Zeppelin" wird für ben Notfall eine oollftänbige Polarausrüstung o n Bord mitführen. Acht ober neun Wissenschaftler und arktische Forscher, auch eine Frau, werben an dem Fluge teilnehmen. Deutschlanb, AmerikS, Eng­land und die Sowjetunion werden bei diesem Polar­fluge vertreten sein. Einschließlich der Besatzung werden wahrscheinlich 45 Personen an Bord; des Luftschiffes sein. Der Start desGraf Zep­pelin" hängt von dem Vordringen derNautilus"- . Expedition in Richtung auf den Nordpol ab. Das Luftschiff wird von seiner Basis, dem Franz-Joseph- Land, erst dann starten, wenn derNautilus" sich' zwölf Tagereisen vom Pol entfernt befindet. Man glaubt, daß dies gegen Mitte Juli der Fall fein wird. William Randolph Hearst finanziert die Expedition.

Das Mörberkleeblatt Reins in Genua verhaftet.

In G e n u a ist der Berliner Raubmörder Reins gestern abend im HotelExcelsior" zusammen mit seinen beiden Schwestern verhaf- t e t worden. Reins, der erst vor zwei Tagen im Excelsior" abgestiegen war, blieb bei feiner Ver­haftung völlig ruhig. Wie vom Hotel versichert wird, hat er in den letzten beiden Tagen eifrig nach einer möblierten Wohnung gesucht und war im Begriff, einen dreimonatigen Mietvertrag zu unterschreiben. Nach polizeilichen Meldungen hat sich Reins auf der Polizei als Ernst Reins aus Berlin, 25jährig, legitimiert; er leugnet aber entschieden, aus Berlin zu kommen und der Täter des Verbrechens an dem Geldbriefträger zu fein. Er wird zur Verfügung der Berliner Polizei gehalten, bis die Auslieferungsformalitäten erledigt sind.

Ein Bei der Filiale eines Berliner Zeitungs­verlages aus Lugano eingegangener Chiffre­brief hatte durch einen Zufall zur Entdeckung des Aufenthaltsortes des Kleeblatts Reins ge­führt, deren Opfer der Geldbriefträger Schwan geworden ist. Da die Chiffre des Briefes nicht

Möglichkeit eines rechtlichen Schuhes der Zivil­bevölkerung gegen Beschießungen außerhalb dec Kampfzone klargestellt wird. Lieber die Ergebnisse dieser Llntersuchung wird im März-Heft dec Europäischen Gespräche (Verlag Dr. Walther Rothschild, Beclin-Grunewald) eingehend Bericht erstattet, Liebereinstimmend kommt in! allen Gutachten zum Ausdruck, daß der völker­rechtliche Schutz der Zivilbevölkerung gegen die furchtbaren aero-chemischen Kampfmittel völlig unzulänglich ist. In einemAppell an das Rote Kreuz" fordert A. Mendelssohn Bartholdy, daß nun das Rote Kreuz vorongehen möge im Kampf gegen die Widersacher des Völkerrechts, die das von Deutschland in Genf geforderte Verbot des Bombenflugzeugs bisher zu vereiteln wußten.

Der Mensch ist, was er ißt, und seine Ge- sundheit wie seine Genesung von Krankheit hängen in entscheidender Weise von der Ernährung ob. So behandeln denn dieSüddeutschen Monats­hefte" in einem SonderheftDiätkuren" die ver­schiedenen, zur Zeit im Vordergrund stehenden Er- nährungssysteme. In zum Teil glänzender Darstel- lung ist in dem bei aller Vielseitigkeit nicht ver- wirrenden Heft ein kleines Kompendium des heuti­gen Standes der Ernährungslehre und Ernährungs­behandlung entstanden. Das Heft ist ein vorzüglicher Führer für alle Menschen, die sich mit Gesundheits­pflege und -fürsorge befassen, für jeden Gesunden und Kranken, der wissen will und muß, was ihm nottut, für den Arzt, dem aus der Verdichtung großer Erfahrungen und Ueberlegungen wertvolle Winke erwachsen. Unentbehrlich ist es vor allem auch für die Hausfrau, der die Gesundheit der Familie anvertraut ist und die durch ihre Kochkunst größeren Einfluß auf Lebensgestaltung und Gesundheit ge­winnt, als es einem ganzen Arsenal von Medika­menten möglich wäre.

Sochschulnachrichten.

Der Präsident der Eolumbia-Unioersifät (USA.), Butler, hat die Wiederernennung eines Roose- velt-Professors in Berlin, die feit 1914 unter­blieben war, vollzogen, und zwar wurde der Pro» fessor der Philosophie, Frederick Woodridge, zum Roosevelt-Professor für 1931/32 ernannt.