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Die Illustrierte
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GietzemrAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Dr. Friede. Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wich. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Dietzen.
Behebung derArbeiislosigkeii durch Arbeitsbeschaffung
Oie Brauns-Kommission erstattet den zweiten Teil ihres Gutachtens.
Grundsätzliches.
Auslandskapital zur Finanzierung neuer Arbeitsgelegenheiten.
Berlin, 6. Mai. (WTB.) Die „Gutachter- kommissivn zur Arbeitslvsenfrage" legt der Oef- fentlichleit jetzt den zweiten Teil ihres Gutachtens vor. Es trägt die Heberschrift: „Behebung der Arbeitslosigkeit durch Arbeitsbeschaffung". 3n seinem ersten Kapitel, „Grundlegendes", wird betont, daß der deutsche Wiederaufbau der Hilfe des ausländischen Kapitals bedürfte. Der Auftrieb, den die deutsche Wirtschaft auf diese Weise erhielt, erzeugte eine Scheinblüte. Sie blendete das Ausland und uns selbst. Sie führte im Ausland aut Hebevschähung unserer Leistungsfähigkeit und daheim zu einem Mangel an Disziplin in allen Zweigen der öffentlichen und der privaten Wirtschaft. Als der Kapitalzufluß vom Ausland versiegte, standen viele Betriebe vor dem Zusammenbruch. Der Schaffenswille bei den Unter* nehmern schlug in Pessimismus um, und weiter Kreise der Arbeiterschaft bemächtigte sich eine bis zur Verzweiflung gehende Mutlosigkeit. So befindet sich die deutsche Wirtschaft heute in -einer Erstarrung. Alle Mahnahmen müssen darauf abzielen, diese Erstarrung zu lösen und die in Deutschland brachliegenden Produktivkräfte wieder in Bewegung zu sehen.
Die Rotlage zwingt dazüs der Privatwirtschaft dadurch zur Hilfe zu kommen, dah durch eine Kapitalbeschaffung auf Grund öffentlichen Kredits neue Arbeitsgelegenheit geschaffen wird. Das natürliche Betätigungsfeld werden dabei solche Aufgaben sein, die sich für eine zentrale Planung eignen, dauernden volkswirtschaftlichen Wert besitzen und durch ihren Ertrag das aufgewandte Kapital lohnen. Da aber die Aufnahme von Kredit zur Zeit im ausreichenden Mah nicht möglich ist. muh Ausland- kapital zu erträglichem Zinsfuß herangezogen werden. Aehnliche Wege sind auch in früheren Zähren beschritten worden. Der grundlegende Unterschied beruht auf folgenden Gesichtspunkten: Einmal würden die aus den Anleihen uns zu- fließenden Devisen voraussichtlich nicht wie früher sofort zur Bezahlung einer steigenden Einfuhr, sondern bei Fortdauer der zur Zeit günstigen Zahlungsbilanz im erheblichen Ausmaß zur Abdeckung kurzfristiger Auslandschulden dienen können, deren gegenwärtige Höhe lähmend auf die deutsche Wirtschaft, ins- Ibesondere auf die deutsche Bankpolitik wirkt. Das hindert nicht, dah bei fortschreitender Konjunktur auch der internationale Warenaustausch eine entsprechende Steigerung erfährt. Ferner fällt heute günstig ins Gewicht der planmäßig eingeleitete Abbau unserer überhöhten Produktionskosten und der Tiefstand der Deprission, welcher einer Belebung der Wirtschaft bessere Aussichten bietet.
Wo findet sich Arbeit?
Elektrizität, Gas, Verkehr, Landwirtschaft.
Nach diesen grundsätzlichen Erörterungen behandelt das Gutachten im zweiten Abschnitt eine Reihe von Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung. Dabei wird festgestellt, daß die (^lektrizitätswirt- schäft noch Raum für weitere wirtschaftlich zweckmäßige Investitionen bietet, und zwar nicht nur auf dem Gebiete des Ausbaues von Kraftwerken, sondern auch auf dem des Ausbaues der Leitungsnetze. Hierbei würde fick eine Steigerung des Verbrauches an elektrischer Arbeit und damit eine bessere Ausnutzung der Kraftwerke durch die Elektrifizierung von Eisenbahnstrecken erzielen lassen. Große Entwicklungsmöglichkeiten sind auch auf dem Gebiete der G a s w i r t- schaft vorhanden. Hier würde insbesondere eine verstärkte Inangriffnahme der Ferngas- und der Gruppengasoersorgung zu Erfolgen führen. Auf dem Gebiete des Verkehrswesens kann die Kommission nicht empfehlen, die Anlage von großen innerdeutschen Durchgangs- st r a ß e n für den Fernverkehr, die mit der Eisenbahn in Wettbewerb treten könnten, mit öffentlichen Mitteln zu fördern. Ebenso sind Kanalbauten abzulehnen. Dagegen bieten sich bei der Reichsbahn innerhalb des bestehenden Bahnnetzes noch zahlreiche andere Möglichkeiten zweckvoller Arbeitsbeschaffung.
Als ein besonders geeignetes Feld für die Arbeitsbeschaffung sieht die Kommission die landwirtschaftlichen Meliorationen an. Die Kommission tritt ferner für zielbewußte Förderung der landwirtschaftlichen Siedlung ein. Auf dem Gebiete der Wohnungswirtschaft ist ein zu schroffer Bruch mit der früheren Praxis, dem Wohnungsbau im großen Umfange öffentliche Mittel zuzuführen, zu vermeiden. Es wird jedoch die Notwendigkeit betont, das System der durch öffentliche Mittel subventionierten Bautätigkeit wieder in das privatwirtschaftliche Sy st em der Vorkriegszeit zu überführen. Die Kommission hält es für erforderlich, daß auch die Gemeinden sich an der Arbeitsbeschaffung für die von ihnen unterstützten Arbeitslosen beteiligen. Dabei sollten in erster Linie langfristig Arbeitslose berücksichtigt werden, ferner jugendliche Personen, bei denen länger dauernde Arbeitslosigkeit
mit Gefahren für eine Schwächung ihrer Arbeitstüchtigkeit oder ihrer sittlichen Widerstandskraft oer- bunden ist.
Die Einführung einer allgemeinen A r ° beitsdien st pflicht häll die Kommission nickt für ein geeignetes Mittel zur Entlastung des Arbeitsmarktes. Dagegen empfiehlt sie die Förderung des freiwilligen Arbeits dienst e s , der eine mannigfaltige Initiative auf sich ziehen könnte und auch in der jüngeren Generation Anklang finden würde.
Was sagt die Presse?
Das Kernproblem: Die Reparationen.
Berlin, 7. Mai. CAB. (Eigene Meldung.) Zum zweiten Gutachten der Brauns-Kommission schreibt der „B ö r sen * C 0 u r ie r": Der Hinweis auf die Aufgaben der Arbeitsbeschaffungs- Politik läßt erkennen^ daß auch diese Sachvepstän- digen ihre Grenze fanden vor der niederdrückenden und alles lähmenden Reparations- l a st. Anscheinend herrscht aber bei den Gutachtern ein gewisser Optimismus darüber, daß es möglich sein wird, vom Ausland billiges Geld zu erträglichen Zinssätzen zu beschaffen, wenn es sich nicht, wie bisher, um Anleihen für den Konsum, sondern für produktive Anleihen handelt. — Die „Voss. Z t g." bedauert, daß der Bericht einem Kernproblem unserer wirtschaftlichen Gesyndung nicht mehr Bedeutung beimesse: Der Umschichtung der arbeitenden Bevölkerung überhaupt.— Das „berliner Tageblatt" ist der Ansicht, daß das Problem der Ausländsanleihen überhaupt noch völlig in der Luft schwebe. Wolle man zunächst einmal unter allen Umständen von der hohen Arbeitslosigkeit herunter und nehme man um dieses Zieles willen eine gewisse Vertagung, Lieberbrückung und Erschwerung desRe* parationsproblems mit in Kauf, so werde man sich für den Weg des Ausschusses entschließen, können, selbst auf die Gefahr hin, daß nach Verpuffen der Ankurbelung die alten wirtschaftskritischen Probleme — vielleicht auf noch weiter übersteigerter Basis — Wiederkehr t e n.
Der „Vorwärts" sagt: Schon vor einem Jahr hätten ernsthafte Anstrengungen unternommen wer- den müssen, um auf diesen Wegen der Wirtschaft Halt und Anstoß zu geben. Stattdessen habe der Lohnabbau im Vordergründe gestanden. Zur Durchführung der Vorschläge bedürfe es des ernsten Willens und der Aktivität der Reichsregierung — dann aber auch der Geneigtheit des Auslandes, Kredite zu geben. Diese Geneigtheit zu schaffen und nicht zu verdecken, bedürfe sehr umsichtiger politischer Führung.
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" stimmt den wesentlichen Gedankengängen des Gutachtens zu. Die Kommission habe die Ausarbeitung eines konjunkturpolitiscken Programms nachgeholt. Daß man nicht gleichzeitig Maßnahmen treffen könne, die die Erstarrung der deutschen Wirtschaft weiterhin aufrecht erhielten und die Krisenheilung verschleppten, sei eine selbstverständliche Forderung, mit deren Vernachlässigung der Sinn des neuen Gutachtens zerstört würde. — Der „L 0 kalanzei- g e r" bezeichnet den grundsätzlichen Teil als selbstverständliche Binsenwahrheiten. Skeptiker würden auch in diesem Gutachten manche Elemente einer Milchmädchen-Rechnung aufzufinden wissen. — Die „B ö r s e n - Z e i t u n g" äußert, daß das Gutachten an dem Kernproblem der ganzen Arbeitslosenfrage, der Lohnfrage, oorübergehe bzw. sie nur nebenbei erwähne. Die Lohnpolitik, wie sie in Deutschland ohne Rücksicht auf die Wirtschaft getrieben worden sei, sei zum großen Teil verantwortlich für das Entstehen des Heeres der Arbeitslosen, denen man jetzt mit unzulänglichen Mitteln zu Helsen versuche.
Keine Einberufung des Reichstags.
Der kommunistische Antrag findet keine Unterstützung.
Berlin, 6. Mai. (TU.) 3m Ältestenrat des Reichstages wurde am Mittwochmittag derk o m- munistische Antrag auf fofortigeEin- Berufung des Reichstages gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt, nachdem von Staatssekretär Pünder dringend gebeten worden war, von einer Einberufung Abstand zu nehmen, zumal irgendwelche Pläne zu weiterer Kürzung der Beamtengehälter oder an sozialen Maßnahmen bisher in keiner Form Gegenstand von Kabinettsverhandlungen gewesen seien. VonsozialdemokratischerSeite wurde zum Ausdruck gebracht, daß eine Einberufung des Reichstages im gegenwärtigen Augenblick nicht zweckmäßig sei, weil bisher konkrete Vorlagen der Regierung nicht vorhanden feien. Weiter wurde von dem Vertreter der Sozialdemokratischen Partei die Regierung dringend auf ihre gesetzliche Verpflichtung zur Senkung des Brotpreises und zur Ermäßigung des Zolles hingewiesen. Es wurde bezweifelt, dah die jetzigen Regierungsmaßnahmen ausreichten, eine Senkung des Brotpreises zu erreichen. Sollten sich diese Maßnahmen nicht
in wenigen Tagen als wirksames Mittel zur Brotpreissenkung Herausstellen, so würde man erneut zur Einberufung des Reichstages Stellung zu nehmen haben. Auch von allen anderen Parteien wurde zum Ausdruck gebracht, daß eine Einberufung gegenwärtig unzweckmäßig sei, da gesetzgeberischer Stoff nicht vorliege. Die Rationalsozialisten und die Deutschnationalen hatten an der Sitzung nicht teilgenommen.
Oer freiwillige Heimatdienst.
Wohin zielt der Plan?
Berlin, 6. Mai. (ERD.) Wie wir erfahren, war die gestrige Konferenz der Verbände bei Reichsminister Treviranus, in der das Problem des freiwilligen Heimatdienstes behandelt wurde, bereits vor einer Reihe von Wochen angesetzt worden. Sie geht auf den Gedanken
eines „Heimatdienstes" — diese Bezeichnung wird auch für die Zukunft angewandt werden — für den Osten zurück. Dabei hat sich sehr bald geaeigt, dah es praktischer ist, den Gedanken räumlich auf das ganze Reich zu erweitern und direkte Verhandlungen mit den zentralen Stellen der Verbände aufzunehmen. Ter Kern des Problems liegt darin, dah arbeitslose Mitglieder der betreffenden Verbände, in örtliche Gemeinschaften zu- sammengesaht, bei freiwilliger Meldung zu Arbeiten angeseht werden sollen, die bei normaler Bezahlung unterbleiben müßten, weil das notwendige Geld nicht vorhanden ist. Man denkt z.B. an die Ausbesserung und Ver- oesserungdesStraßennetzes, aber nicht an großartige Reuanlagen, die Riesenfummen verschlingen würden, sondern will sich von vornherein im Rahmen des Möglichen halten.
Das Konirollkomiiee wird gegen die Zollunion mobil gemacht.
Goll Oesterreich eingeschüchtert werden?
Genf, 6. 2Hai. (TU.) Wie die .^Telegraphen- Union“ von gut unterrichteter Seite erfährt, sind in den letzten Tagen zwischen den europäischen Hauptstädten erneut diplomatische Verhandlungen über die Einberufung des im zweiten Genfer Protokoll von 1922 vorgesehenen ftonlroll- ausschusses für d i e österreichische Völkerbundsanleihe geführt worden. Eine diplomatische Umfrage bei den acht im Kontrollausschuß vertretenen Mächten hat ergeben, daß lediglich Frankreich. Belgien und die Tschechoslowakei für eine sofortige Einberufung des Kontrollausschusses eiztgetreten sind, während d i e übrigen fünf Mächte die Einberufung des Ausschusses a b g e t e h n t haben. Wie verlautet, werden jedoch die Verhandlungen zur Zelt noch weiter geführt, so dah eine endgültige Entscheidung noch ausstehk. Die Befugnisse des Kontroll- ausschusses sind in dem Genfer Protokoll von 1922 ausdrücklich auf d i e Prüfung rein f i n a n 3- bechnischer Fragen beschränkt worden, so dah eine grundsätzliche politisch-wirtschaftliche Stellungnahme des Ausschusses zu dem deutschösterreichischen Abkommen nicht in Frage kommt. Wie verlautet, soll in den bisherigen Verhandlungen auch die Absicht erwogen worden sein, einen Vertreter Deutschlands zu den Verhandlungen des Kontrollausschusses zuzuziehen.
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Die Einberufung des Kontrollausschusses für die österreichische Völkerbundsanleihe kommt nicht überraschend. Sie gehört zu den vielen von Frankreich veranlaßten Maßnahmen, die das Zustandekommen der deutsch-österreichischen Zollunion verhindern wollen. Der Kontrollausschuß darf nur dann
eingreifen, -wenn der Zinsendien st der Völkerbundsanleihe gefährdet wird. Das geschieht durch die Zollunion jedoch nicht. Die österreichischen Zolleinnahmen werden sich infolge der Zollunion sogar erhöhen. Ebenso ist anzunehmen, daß die Zollunion voraussichtlich eine Stärkung der österreichischen Wirt- schäft mit sich bringen und so auch auf die Finanzen einen günstigen Einfluß haben wird. Man kann somit diese» französischen Manöver mit Ruhe entgegensehen. Eine Entscheidung gegen die deutschösterreichische Zollunion wäre jedenfalls nur unter Bruch der völkerrechtlichen Voraussetzungen möglich, unter denen die Völkerbundsanleihe seinerzeit abgeschlossen wurde.
Die „Germania" weist daraus hin, daß der Ausschuß, da sich nicht alle feine Mitglieder von der französisch-tschechischen Politik mißbrauchen lassen würden, zu keinem einheitlichen Ergebnis kommen könne. Eine solche uneinheitliche Stellungnahme würde dem Unionsprojekt nichts anhaben können, wohl aber die Vergewaltigung der wirtschaftlichen und finanzpolitischen Tatsachen durch die Pariser Politik schonungslos für jeden, der zu sehen verstehe, aufdecken. Die „Börsenzeitung" spricht von einem Großangriff gegen die Zollunion und schreibt, die Einberufung des Kontrollausschusses wäre, da seine Kontrollb^fugnisse auf rein finanz- technischen Fragen beschränkt sind, praktisch zwecklos, wenn nicht Frankreich und die Tschechoslowakei damit die Absicht verfolgten, Oesterreich einzuschüchtern und unsicher zu machen und weiter die Hoffnung hegten, durch eine, wenn auch nur theoretische Stellungnahme des Ausschusses zur Zollunion die anschließenden Verhandlungen im Europa-Ausschuß und im Völkerbundsrat stimmungsmäßig zu be- einflussen.
Sn Deutsche LandwirWafisral zum Schielekurs.
Berlin, 6. Mai. (WTB.) Die 61. Vollversammlung des Deutschen Landwirtschaftrats wurde durch den Präsidenten Dr. Brandes eröffnet. 3n Anerkennung der Schteleschen Getreidepolitik sei zwar festzustellen, daß die absoluten inländischen Getreidepreise höher lägen als im Vorjahr, daß aber der Roggenrichtpreis von 230 Mark, von dem die Existenz weiter Teile der östlichen Landwirtschaft abhänge noch nicht erreicht sei. Sehr ungünstig sei die Lage des Viehmarktes und die Preisentwicklung beim Ob st - und Gemüsebau. Der Duttermarkt weise ebenfalls rückgängige Konjunktur auf. Die Stimmung der Landwirtschaft im O ste n sei verzweifelt. Die Rot greife über auf Kaufmann, Gewerbetreibende und Landarbeiter und selbst auf Mittel-, West- und Süd* deulschland. Der Rettorückgan^g derKauf- k r cx.f t der deutschen Landwirtschaft werde auf eine halbe Milliarde Mark geschätzt.
Heber die R0 t des deutschen Waldes sprachen Geheimer Oekvnomierat Prieger und Hofkammerpräsident von Garnier. Seit 1929 habe die Krise der Landwirtschaft auch auf die deutsche Forstwirtschaft übergegriffen. Die Redner forderten Erhöhung der Holzzölle bzw. Einführung von Kontingenten, Senkung der Frachten für Holz und Verwendungszwang von deut* schem Holz für alle öffentlichen Gebäude, auch Derwendungszwang von Papierholz sowie Einsetzung einer großzügigen Propaganda für deutsches Holz mit staatlicher Unterstützung. Schiele über die vrofversorgung
Der Reicksminister für Ernährung und Landwirtschaft Dr. h. c. Martin Schiele beschäftigte sich
dann ausführlich mit den aktuellen Fragen der Agrarpolitik Die Lage der Landwirtschaft in dem politischen Ringen um ihr Lebensrecht ift sehr ernst. Aber die Not hat auch in allen anderen Volkskreisen ihren Einzug gehalten. Not macht schließlich ungerecht. Es ist daher verständlich, das; man in der Landwirtschaft von der Staatshilfe mehr verlangt als selbst ein Diktator zu geben vermag, während man in den anderen Berufskreisen aus Sorge um die eigene Existenz die Geneigtheit für weitere Hilfsmaßnahmen zugunsten der Landwirtschaft immer mehr verliert.
Es ist selbstverständlich, daß von mir alles geschieht, um d i e Versorgung des deutschen Volkes mit Brot zu erträglichen Prei- s e n möglich zu machen. Aber es gibt doch auch eine natürliche Grenze der praktischen Möglichkeiten. Diese Grenze sehe ich in einem Rogaen- preis, der der Landwirtschaft noch die Existenz gewährleistet. Es wird also an der bisherigen Zollpolitik fe st gehalten werden müssen. Entgegen den vielfach unrichtig wiedergegebenen Darlegungen kann ich feststellen, daß nach den Ermittlungen des Statistischen Reichsamtes der durchschnittliche Brotpreis im April j 0 - gar noch etwas unter dem im Gesetz als Richtlinie fe ft gelegten Ausgangspunkt im Durchschnitt der Monate Oktober 1930 bis März 1931 lag. Die besonderen Verhältnisse in Berlin hoffe ich noch in diesen Tagen wieder korrigieren zu können. Dem Gedanken des Verbraucherschutzes habe ich in letzter Zeit durch eine Reihe von Maßnahmen Rechnung getragen. An dem mühsam wiederhergestellten Gleichgewicht in unserer Roggenwirtschaft aber lasse ich schon angesichts der besonderen Not des Ostens nicht rütteln.


