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diesem Deist Wicherns in sich tragen müssen, um trotz Hnban! und Enttäuschung den Glauben an seine Pflegebefohlenen nicht zu verlieren, ohne den eine gesegnete Arbeit nicht denkbar ist.

Ltm das Darmstädter pädagogische Institut.

Darmstadt. 4. April. Der Evangelische Preß­verband für Hessen schreibt: Wie wir erfahren, hat das Ministerium für Kultus und Bildungswesen

verfügt, daß die Neuaufnahme von Lehrstudenten für das Sommersemester 1931 nur im Pädagogischen Institut Mainz zu erfolgen hat. In Darmstadt wer­den demnach nur Kurse für diejenigen Studenten wciteraeführt, die hier seither schon gewesen sind. Praktisch bedeutet diese Verfügung die langsame llcberleitung des Instituts von Darmstadt nach Mainz. Trotz der Proteste aus Lehrerkreisen, trotz des öffentlichen Ausrufs der Evangelischen Kirchen­regierung, trotz des Anspruchs der Stadt Darmstadt sowie der Studentenschaft von Darmstadt ist diese Verfügung erlassen worden.

Zag-unsälle und ihre Verhütung.

Von Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Olt, Gießen.

DaS tragische Unglück auf der Jagd bei Rup­pertsburg, dem vor einigen Wochen ein treu­sorgender Familienvater und angesehener Burger unserer Stadt zum Opfer gefallen ist, steht noch in frischer Erinnerung. Zu dem Fall selbst wird in Rachstehendem keinerlei Stellung genommen; ich halte es aber unter Bezugnahme hierauf für geboten. tx>r breiter Oeffentlichkeit die Frage auf­zuwerfen, ob eine Möglichkeit gegeben ist, die durch Jagdwaffen verursachten vielen Unfälle wesentlich herabzumindern. Aus den wöchent­lichen Mitteilungen der Jägerzeitungen ist zu er­sehen, daß sich die Zahl solcher Todesfälle iit den letzten Jahren trotz aller Warnungen und Belehrungen stetig gesteigert hat.

In der Armee kommt ein Unglücksfall durch die Handhabung des Gewehrs kaum einmal vor. Der Rekrut ist noch kein Soldat, wenn ihn der Militärrock ziert. Bevor er scharf geladene Pa­tronen in die Hand bekommt, muß ihm der kor­rekte Gebrauch des Gewehres so sicher beigebracht sein, daß jeder falsche Griff so gut wie aus­geschlossen ist.

Ein guter Kenner aller Regeln des Auto­verkehrs wird erst Wagenlenker, wenn ihm gründ­licher Unterricht am Steuerrad auf vielgestal­tigen Fahrten gegeben wurde. Von ihm wird bekannllich ein Examen gefordert, ehe er selbstän­dig dem für ihn und seine Mitmenschen gefähr­lichen Beruf obliegen darf.

Der Inhaber eines Jagdwaffenpasses dagegen hat das Recht, das Gewehr zu schultern und an Jagden aller Art teilzunehmen, ohne irgend­welche Beweise für seine Befähigung erbracht zu haben.

In der Vorkriegszeit gingen fast alle Jäger durch die Wasfenschule des Heeres, uiti> die üb­rigen wurden von diesen in der Handhabung des Gewehres unterwiesen, während heute die scharf geladene Waffe hauptsächlich von Schützen ge­handhabt wird, denen jegliche Ausbildung auf fraglichem Gebiete fehlt. Aus dieser Tatsache er­klärt sich das stetige Anwachsen der Unglücksfälle.

Im Jagdwaffenschein sind Regeln angegeben, wie Unglücksfällen vorzubeugen ist. Sie werden Wohl auch einmal gelesen, von der Mehrzahl der Schützen aber nicht genau beachtet, viele vimmern sich überhaupt nicht darum. Bei Treibjagden ist außerhalb des Treibens das Gewehr annähernd senkrecht mit der Mündung nach oben zu tragen. Auch dürfen die Gewehre nur toäfjrenb des Treibens auf den Ständen ge­laden sein. Gehen zwei oder mehrere Schützen zusammen, dann dürfen die Gewehre nicht ge­laden fein. Wer nach solchen Regeln erzogen ist, wird sie befolgen; die schriftliche Anweisung er­reicht den Zweck nicht.

In früheren Zeiten ging strenge Erziehung der jagdlichen Betätigung voraus. Die Zeiten sind qnders geworden, ein Drang nach verantwor- itungsloser Freiheit beseelt die große Masse. Hinzu kommt die starke Bevölkerungsdichte in Parallele mit der sich stetig steigenden Zahl von 7 Unglücksfällen. Die den fraglichen Ereignissen

Kreuzweg der Liebe.

Vornan von Paul Grabein

yrheberrechtSfchutz: RomandienstDigo", Berlin XV 30.

IS. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Drenck machte große Augen. «Was soll das heißen?"

«Bedaure unendlich, aber nach zehn Uhr abends darf ich nach der Hausordnung alkoholische Ge­tränke nicht mehr verabreichen."

I, da soll ja doch gleich" Heftig schlug Drenck mit der flachen Hand auf den Tisch.

Ja, ja, Herr Drenck, der Mann hat recht I" bestätigte schnell der Geheimrat, heimlich durch ein Zeichen des Doktors verständigt.Im übri­gen: wir haben auch wirllich genug gebechert. Es wird Zeit, die Sitzung aufzuheben."

Fällt mir ja gar nicht ein! Woll'n doch mal sehen, ob ich nicht mxh was zu trinfen kriege!" herrschte er den Kellner an,schicken Sie mir sofort den Direktor her!"

Dedaure vielmals der Herr Direktor zieht sich um zehn Uhr in seine Privaträume zurück und ist dann nicht mehr zu sprechen."

So? Wer, zum Henker, ist denn sonst noch verantwortlich für diese blödsinnige Hausord­nung?" Wütend stieß es Drenck hervor, den Kellner grimmig anblitzend mit feinen von Wein bereits erhitzten Augen.

Ich, Herr Drenck, als leitender Arzt dieses Hauses", ruhig sagte es Wigand.

Betroffen fufjr Drenck nach dem Sprecher herum. Auf diese Antwort war er allerdings nicht gefaßt gewesen aber gleichviel. Sollte er sich jetzt vielleicht zurückziehen, sich wohl gar noch entschuldigen? Fiel ihm ja nicht ein! Sv cr= klärte er denn verbissen:

Tut mit leid aber ich kann trotzdem eine derartige Bevormundung der Gäste dieses Hauses nur für höchst lästig und ungehörig erflären

Die Gesellschaft wurde unruhig und schon kam Wigands Antwort:Sie vergessen, Herr Drenck, daß Sie sich hier in einer Kuranstalt und nicht in einem Wirtshaus befinden. Wenn Sie kneipen wollen, werden Sie sich schon anderwärts hin be­mühen müsien."

Drenck stieg eine helle Röte ins Gesicht und schon lohte es in ihm auf, dem überlegen-kühlen Gegner mit einem beleidigenden Wort heimzu­zahlen, aber da machte der Geheimrat der be­drohlichen Situation ein Ende.

..Tja, da haben wir nun unser Fett weg!" Mrt gemütsichem Lachen zog er die Sache ins Scherzhafte, verflocht er sie alle darein.Das ift die Strafe für unsere heimliche Missetat! Wir haben zwiefach gegen den ftpmgen ®eW tne*c6

Fernstehenden nahmen mit fatalistischer Gleich- igültigfeit Unglückssälle hin, als seien sie in unserem Zeitalter naturnotwendig.

Jagdvereine tragen viel zur Erziehung weid­gerechter, mit der Waffe korrekt umgehender Jäger bei. Dieser erzieherischen Tätigkeit entzieht sich aber gerade der Teil von Schützen, öieUnber- weisungen und Befolgung ftrengcr Vorschriften als lästig empfinden.

Hubertus, Verein weidgerichter 3äger e. V., Sitz Gießen, entfaltet eine rührige Tätigkeit auf allen Gebieten der Jagd und betrachtet es als vornehme Aufgabe, seine Mitglieder zu tüchtigen Weidmännern heranzubilden. Er fordert weid­gerechtes Jagen, besaßt sich mit den ethi­schen Fragen des Weidwerkes und versteht es, erste Autoritäten der einschlägigen Gebiete für seine Vortragsabende zu gewinnen. Es wäre sicher hoch einzuschähen, wenn die Studierenden der Forstwisienschaft sich die Gelegenheit der Teilnahme an den Veranstaltungen desHuber­tus" nicht entgehen ließen. Sie sind als Gäste jederzeit willkommen, dürften so auf jagdkund- lichem Gebiete gar vieles, das vom Katheder nicht gegeben werden kann, lernen und im Leben ersprießlich weitergeben. DerHubertus" hat zu seinen größeren Veranstaltungen die Fvrst- studenten wiederholt eingeladen, und lediglich um der Schießübungen willen die Satzungen dahin abgeändert, daß diesen Studenten die Aufnahme als außerordentliche Mitglieder ermöglicht wird. Durch den auf 2 Mk. herabgesetzten Jahresbeitrag sind sie gleichzeitig gegen Haftpflicht für Unglücks- sälle auf den Schießständen versichert. Don dem Entgegenkommen wurde bisher keinerlei Gebrauch gemacht.

Ich habe es erlebt, daß mir ein Förster bei der Begrüßung die Mündung des Gewehres gegen den Leib richtete, es war geladen und ge­spannt. Der Mann war, um rasch schuhfertig zu fein, gewöhnt, gelegentlich das Gewehr auf diese Weise zu handhaben. Ein hiesiger Arzt ist vor etwa zwanzig Jahren im Stadtwald verunglückt; er trug das geladene und gespannte Gewehr, mit den Läufen nach unten gerichtet, auf der rechten Schulter; drei Fehler! Durch den ver­hängnisvollen Schuß wurde ein Unterschenkel zer­schmettert, und tödlich verlaufender Wundstarr­krampf, das qualvollste Leiden, hatte sich nach einigen Tagen hinzugesellt. Vor bald dreißig Jahren fiel auf der Universitätstreibjagd drer Schritte hinter mir aus leichtsinnig getragenem, geladenem und dazu noch gespanntem Gewehr ein Schuß, der vielleicht handbreit an mir vorbei- ging. In einem ganz ähnlich liegenden Falle flog die Kugel unmittelbar an meinem Kopf vor­bei, und bei einer Treibjagd ging mir ein Schrot­schuh des Rachbars auf die Stiefel. Jeder be­jahrte Weidmann kennt solche Vorfälle aus eigener Anschauung; zum Glück nimmt nur ein kleiner Teil dieser Fälle tragischen Ausgang.

Die Erfahrung lehrt^ daß Rügen und Hinweise auf die einschlägigen Regeln zur Vermeidung von Unfällen keinen Erfolg Haden. Ein großer Teil der

Hauses gefrevelt. Kommt, laßt uns Buße tun! Er erhob sich und mit ihm Wigand und der Ritt­meister.Acht jetzt, gute Rächt jetzt! Einst war ich nicht so brav doch ehrbar wandeln ist das best'. Ich geh' ins Bett und schlaf'!"

Einen Vers des Rodensteinerlieds leise vor sich hinträllernd, verabschiedete er sich von Drenck.

Gut Rächt, Derehrtester: Gehn Sie in sich und folgen Sie unserem guten Beispiel!"

Die Herren gingen vom Tisch fort, wo Drenck grollend sitzen blieb. Wigand als letzter; schon im Weggehn wandte er sich noch einmal an Drenck:

Ich vergaß übrigens eine Bestellung von Ihrer Frau Gemahlin auszurichten. Sie fühlte sich ziemlich abgespannt und ist bereits auf ihr Zimmer gegangen, wo sie Eie erwartet."

Einige Augenblicke blieb Drenck noch, in stum­mem Trotz gegen Wigand und seine Frau, am Tisch sitzen, dann stand er auf und ging gelang­weilt in den Saal hinüber. Aber auch hier nichts mehr los! Die meisten hatten sich schon zurück­gezogen. Mißmutig ließ Drenck ein paarmal seine Blicke über die Gruppen der noch Anwesenden Hinwegschweifen, aber es konnte ihn nicht reizen, sich irgendwo anzuschließen. Stumpsiinn auf der ganzen Linie! Da war es wirllich schon das beste, auch er legte sich ins Bett.

Do kam er aufs Zimmer, freilich übelster ßaune, aber die Gefahr war doch noch glücklich ab» gewendet.

14. Kapitel.

Am anderen Morgen war Wigand gerade im Begriff, vom Frühstückstisch aus in fein Sprech­zimmer hinüberzugehen, als das Stubenmädchen zu ihm eintrat mit einer Empfehlung von Frau Drenck: Die gnädige grau lasse Herrn Dollar bitten, möglichst sofort hinaufzukommen, ihres Mannes wegen. Einen Moment zögerte Wigand, er hielt auf größte Pünktlichkeit und ließ feine Patienten in der ohnehin überreichlich besuchten Sprechstunde niemals warten. Hatte es mit Drenck denn nicht Zeit bis nachher? Er war schließlich zu wichtigeren Dingen da, als Ursula Drenck bei der Direktion ihres unfügsamen Man­nes zu helfen; aber dann sagte er sich, daß möglicherweise mit Drenck etwas Ernsteres passiert sein könnte gerade nach gestern! Lind so ging er denn nach dem ersten Stock hinauf.

Auf sein Klopfen an der Tür wurde ihm mit einem halblautenHerein!" sofort geöffnet; Ur­sula, die ihn augenscheinlich bereits erwartet hatte, stand so dicht vor ihm, daß, wie sie nun mit ge­dämpfter Stimme eilends zu ihm sprach er hatte noch die Türklinke in der Hand der Hauch ihres Mundes ihn fast berührte. Ihr blasses, überwachtes Antlitz verriet eine hixh- grabige Aufregung.

Verzeihen Sie, daß ich schon wieder Ihre Hilfe in Anspruch nehmen nnch, ehe ich Ihnen

Schützen entzieht sich jedem erzieherischen Einfluß, ja, viele lesen nicht einmal eine Iagerzeitung.

Führende Weidmänner rufen seit einigen fahren nach dem Gesetzgeber und fordern von jedem Men­schen, der sich jagdlich betätigen will, ein Examen über seine Befähigung zum Jäger. Der Preußische Landesjagdverband hat im Herbst 1930 mit Rücksicht auf die gehäuften Unglücksfälle den Antrag auf staatliche Prüfung vor Erteilung des ersten Waffenscheines gestellt. Das Gesetz sollte aber vom Reich erlassen werden, da sonst die rückständigen Gliedstaaten von prüfungsscheuen Schützen benach­barter Länder überlaufen würden.

Der Prüfling müßte im Revier beweisen, daß er mit dem richtigen Gebrauch des Gewehres vertraut ist und zeigen, daß er durch Hebungen gelernt hat, wie bei jeder ihm gestellten Ausgabe die Schußwaffe zu bandhaben ist> und wie Unglücksfälle sicher ver­mieden werden.

Theoretisch wäre zu prüfen über die Stellung der Jagd in der Volkswirtschaft, über Wildhege, Wildpflege, Vogelschutz, Wildschadenverhütung, das Verhalten gegenüber dem Wilderer, über Jagd­methoden, Wildnutzung und dergleichen mehr.

Wer nicht tiefe Liede zur Natur und zum Wilde empfindet und seine Nerven nicht in der Gewalt hat, eignet sich nicht zum Säger; er wird wenig Lust verspüren, sich gründlich für eine seinen Neigungen zuwiderlaufende Prüfung vorzubereiten. Dem weid­gerechten Jäger bereiten Beobachtungen des Wildes

und der übrigen Tierwelt reinste Freuden, er findet im Wald Stärkung seiner Gesundheit, und glückliche Stunden entrücken ihn den Gedanken der Alltags­sorgen. Im Gegensatz zum Jäger steht der Schießer im Banne seiner Neigung, Tiere zu töten; er hat größere Freude an der toten Kreatur, als an dem in voller Freiheit sich tummelnden Wilde und den befiederten Sängern. Er geht mit geladenem Gewehr, um unvorhergesehene Schießgelegenheiten ja nicht zu verpassen. Auch wenn Hindernisse über Zäune ge­nommen werden müssen, beim Besteigen des Hoch­sitzes und Fahrgelegenheiten bleibt das Gewehr ge­wohnheitsmäßig geladen, ja, es wird in diesem Zu­stande in der Wohnung an die Wand gehängt, wie häufige Unglücksfälle beweisen.

Ein erfahrener Weidmann findet bei dem vrak- tischen Examen im Revier schnell heraus, ob sich der Prüfling als Jäger eignet, und ihm ohne Gefahr für seine Mitmenschen die Rechte des Waffenschein- inhabers zuerkannt werden sollen. Die gesetzliche Vorschrift des fraglichen Examens wird noch lange ein frommer Wunsch bleiben, und gar viele Men­schenleben fordert auch die Zukunft nach durch den Mangel an staatlichen Bestimmungen über die Hand­habung der Jagdwaffen.

Für die Vereinigungen der Jäger ist die Zeit ge­kommen, an maßgebender Stelle einschlägige g e- setzliche Regelung zu fordern. Aber^auch 'die öffentliche Meinung ist berufen, bejahende Stellung hierzu zu nehmen.

OieZagd im April.

Aach langem Kampf mit einem hartnäckigen Rachwinter hat das Frühjahr seinen Einzug ge­halten, und überall hat seine Sonne neues Kei­men und Sprießen erweckt. Ruhe und Schutz vor dem Menschen hat der Gesetzgeber dem Wild durch Hegezeiten gesichert. Aufgabe des Weid­mannes ist es. Behaglichkeit und Frieden ihm zu schassen, Schutz vor seinen Feinden und Ge­währung von Stätten, wo es sicher setzen und brüten kann.

Der hinter uns liegende Winter ist in seiner Wirkung auf das Wild sehr verschätzt worden. Er hat unseren Beständen, vor allem dem Reh­wild, viel größere Verluste gebracht, als der strenge Winter vor zwei Jahren. Die kärg­lichen Wintersaaten boten keine Aefung, im Walde gab es weder Decheckern nod) Eicheln, und vielerorts lag eine ungewohnt hohe und lang anhaltende Schneedecke. Die Verluste, die eintraten, sind aber wohl weniger auf Nah­rungsmangel zurückzuführen. Wenn allerdings in Revieren von nur 200 Meter Höhe mit Wald und Feld das Rehwild noch Mitte März Füt­terungen gierig annahm, so läßt dies nur auf Aesungsmangel schließen. Dadurch aber, daß i n etwa 9 Wochen rund 50 Stück Reh­wild im Veterinär-Pathologischen Institut der Universität zur Untersuchung kamen, ist schon ge­nügend bewiesen, wie groß die Verluste gewesen sind. Denn alles das, was einfach untergescharrt wurde, oder in der Dickung verluderte, ist viel, viel mehr gewesen. Die Untersuchungen führten alle zu demselben Befund: Magen- und Darmerkrankungen, hervorgerufen durch Aufnahme von Dodenbestandteilen durch das Wild. Rach den Untersuchungsergebnissen er­scheint es sicher, daß das Rehwild Erde leckt, und zwar offenbar solche, in der sich frische, oder nicht gelöste Düngesalze befinden. Diese können unter Umständen Aetzungen der Magen- und Darmschleimhäute Hervorrufen und damit die Eingangspforten für Bodenbakterien offnen, die Infektionen Hervorrufen. Werden die Krank­heitserreger bei Regenwetter nach Ausscheidung mit der Losung verbreitet, so kann leicht eine Infektion anderer Stücke erfolgen. Die Erschei­nungen hören aber auf, sobald die Vegetation höher wird und der Wald sich belaubt. Wenn

rwch für gestrigen guten Dienst gedankt habe!

2lus ihren umschatteten Augen, die heute namenlos traurig blickten ihr übermächtiger Kummer hatte den kalten Stolz ihm gegenüber gebrochen, traf Wigand ein Blick, der ihm bis ins Innerste drang, der wie mit einem Zauberschlag die Vergangenheit mit all ihrem Glück unb Weh heraufbeschwor. Er fühlte, wie es ihn überlief. Aber im nächsten Moment hatte er sich wieder in der Gewalt. Lächerlich! Hm eines betörenden Augenaufschlags willen wollte er vergessen, was diese Frau ihm angetan hatte? Wer sagte ihm denn, daß nicht auch diese Freund­lichkeit jetzt nur Heuchelei, eitel Lug und Trug war, wie alles damals! So blieb denn seine Miene unnahbar und mit einer abwehrenden Bewegung lehnte er jeden Dank ab.

Ursula bemerkte es wohl. Gestern noch hätte sie dieses Verhalten in Helle Empörung verseht, aber die entsetzliche Rächt, die sie verlebt, hatte alle ihre Widerstandskraft ermatten lasten. Sv nahm sie denn mir mit einem dumpfen Gefühl des Schmerzes wahr, daß sie auch hier wieder abgestoßen und verwundet wurde, zum Zu­sammenbrechen elend, wie sie war. Run, mochte es sein, es war ja ihr Schicksal! Rur noch etwas gequälter flang ihre Stimme, als sie bann fortfuhr:

Mein Mann hat sich feit gestern abend in den Kopf gesetzt, das Haus hier zu verlassen, und zwar sofort heute noch! Er will überhaupt in keine Anstalt mehr gehen. Ich sehe aber voraus, daß Dies unfehlbar zu seinem Verderben führen wird bitte, helfen Sie mir ihn um- stimmen. Ich weiß mir ja sonst keine Hilfe!"

Unwillkürlich streckten sich ihre Hände mit einer flehenden Gebärde zu ihm hin, und aus ihren Augen schrie die Angst. Wieder wallte ein warmes Mitleid in Wigand auf: Arme, unglück­liche Frau! Was sie ihm auch angetan hatte sie büßte es aufs schwerste! Aber ehe er noch ein Wort der Erwiderung gefimden hatte, ging plötzlich die Tür zum Rebenzimmer auf, und Drenck erschien.

Ah dacht' ich mir's doch!" Mit ironischem Kopfnicken nahm er von der Anwesenheit Wi­gands auf der Schwelle stehen bleibend, Rottz. Sie sind natürlich von meiner Frau herbestellt worden?"

Allerdings, wenn Sie aber meine Hilfe nrcht wünschen, so werde ich sie selbstverständlich nicht aufdrängen."

Ich bebau re ich bebarf Ihrer nicht. Meine grau befindet sich in dieser Beziehung in einem starken Irrtum."

Hochmütig abweisend kamen die Worte heraus, beide gleich stark verletzend. Roch mehr fast als die eigene Kränkung empfand Wigand die fccr Frau neben ihm, die unter der kalten Zurecht­weisung vor einem dritten tote unter einer?8rp-r-

es sich bestätigt, daß Salz hunger, den das Wild auf kahlem Boden leichter stillen kann, die eigentliche Ursache ist, dann müßten die Re­vierinhaber in ganz anderem Maße als es bis jetzt geschieht, dem Salzhunger durch Darbietung von Kochsalz in Leckenform entgegenkommen. Be­dauerlich ist es jedenfalls, daß manche, mit viel Liebe zum Wild gehegten Reviere recht empfind­liche Einbußen erlitten haben. Auch seuchenhaft erkrankte Hasen kommen in letzter Zeit wieder vermehrt zur Beobachtung. Häufiges Wieder­aufleben der Seuchen ist vielfach auf die Ein­fuhr ausländischen Wildes zurückzuführen, das zur angeblich notwendigen Dlutauffrischung aus­gesetzt wird und womit wieder gutgemacht wer­den soll, was übermäßiger Abschuß geschadet hat. Es sei besonders betont, daß diese Wild­seuchen den Menschen nicht gefährden.

Die austreibenden Wintersaaten und die grü­nenden Wiesen üben auf alles Schalenwild eine große Anziehungskraft aus. Das Rehwild steht gern in warmen, sonnigen Stangenhölzern in der Rähe der Felder. Die Böcke fegen, und mancher Pirschgang durch den noch kahlen Wald wird sich durch den Anblick eines braven Dockes lohnen oder dem Weidmann überhaupt über den Zustand seines Wildes Aufschluß geben.

Das Schw arzwild frischt. Auf den Feldern folgen die Hasen einer Schönen, und im alten Gras oder Gestrüpp hat Sine Häsin ihre Wochen- ftube aufgeschlagen. Manches Junghäschen findet hier durch die Unsitte des Grasabbrennens sein Ende. Unnachsichtliche Anzeige dieses verbotenen Tuns kann allein zu einer Besserung führen, zumal es sich fast stets um halbwüchsige Brand­stifter handelt, die damit keinen anderen Zweck als den der Freude am Feuer verbinden.

Fuchs, Marder und Wiesel haben Junge. Ihr Rahrungsbedarf ist daher besonders groß, und manches Stück Jungwild fällt ihnen zum Opfer.

Das Flugwild steht in der Balz. Auer- und Birkwild sind unseren heimischen Wäldern leider fremd. Des Fasanenhahnes rauhen Dalz- ruf aber können wir auch bei uns hören, und die streichende Schnepfe lockt in der ersten Hälfte des Monats noch manchen hinaus in den abend­lichen Frühlingswald. Der Schnepfenzug kam in

lichen Züchtigung zusammenzuckte. Eine scharfe Erwiderung schwebte ihm auf der Zunge, aber er drängte sie wieder zurück. Mit welchem Rechte wollte er die Partei der Frau da ergreifen? Drenck war ihr Mann, sie selber hatte sich ihn gewählt, mitleidlos ein anderes, ihr ergebenes Herz zertretend nun muhte sie tragen, waS sie selber sich auferlegt hatte!

Wigand wollte sich zurückziehen, aber da trat ihm Ursula entgegen.

Bleiben Sie, Herr Doktor! Ich bitte Sie darum!" Dann wandte sie sich zu ihrem Manne; feste Entschlossenheit sprach aus ihren Zügen, die in diesem Augenblick etwas Unbeugsames erhielten.Es ist nötig, daß ich Herrn Doktor in deiner Gegenwart spreche. Du weißt, was ich dir heut nacht erklärt habe: es ist mein vollster Ernst also bitte!"

Drencks hochmütiges Gesicht überflog eine sichte Röte des Zornes, aber der Anblick feiner grau bewog ihn zur Selbstbeherrschung. Roch nie hatte er sie, die stets Sanfte und Rachgiebige, so zurr Aeußerften entschlossen gesehen. Offenbar: er durfte den Bogen nicht weiter spannen, sollte er nicht brechen! Im Derlauf ihrer äußerst er­regten Auseinandersetzungen, die sie beide heute bis spät in die Rächt hinein gehabt hatten, hatte Ursula erklärt, sie würde nur dann noch mit dem Gatten weitergehen, wenn der Arzt hier eine sofortige Abreise für unbedenklich hielte und einen freien Aufenthalt in irgendeinem Riviera- Hotel wie Fred wollte für statthaft er­klärte. Es sei das ihr fester, unwiderruflicher Entschluß. Sie wollte nicht blindlings mvt ihm ins Verderben hineinlaufen.

Also, es war ihr wirklich ernst! Drenck konnle nun nicht mehr daran zweifeln. Er mußte fid> also dem Urteil Wigands unterwerfen, to.e widerwärttg ihm Dies auch war. Und, nun baraitf bedacht, feine Sache so gut wie möglich zu führen sagte er in verändertem, höflichen Ton:

Es handelt sich darum, Ihr ärztliches Gut­achten in einer Frage einzuholen, wo wir ver­schiedener Meinung sind. Ich meinerseits habe den dringenden Wunsch, aus depr Anstaltsläxm, das mich einengt, und stark deprimiert, heraus­zukommen unter frohe, gesunde Menschen. Ich fühl's ganz genau, wie Wohl mir das tun würde, zehnmal mehr als all der Kram hier Ver­zeihung, ich will natürlich ihrer Anstalt nicht xu nahe treten! Ich bin nun mal ein Mensch, der Zwang in keiner Weise verträgt, und ich habe das Vertrauen zu Ihrer Objed iiätat, daß Sie, wiewohl Leiter solcher Anstalt. i)och auck Verständnis haben werden für anders geartete Pattenten, die sich nur in freier Behandlung! wohl fühlen könne". Meine grau Hal ua8 leidet nicht; sie will mich im Gegenteil mit allep Gewalt interniert wissen. Run entscheiden SiH zwischen «r8! (Kortsetzung folgt-.)*