Samstag, 7. März
Siehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Nr. 56 Drittes Blatt
, Christoph Möbus (Richter). । notleidend l (Därbchenl ncr ollstandigten. heute viel
schenkt.
Wert auf die Durcharbeitung des szenischen Spiels, das mit sprühender Lebendigkeit erfüllt war. Die einzelnen Gestalten waren persönlich ausgeprägt und so konnte der nicht immer offen zu Tage liegende Dang der Handlung llar erschlosst werden. Die Ensembles waren charakteristisch abgestimmt; jeder neue Zug in der Situation fand seine musikalische Beleuchtung.
Käthe Walter war eine Susanne von befon- derer Darstcllungsaewandthei', erfüllt mit Heber* mut; von einer Schlag'ertigkei. die mit schnellem Blick das Gegebene der Situativ i erkannte und sie mit wissender Heberlegenheit zu meistern verstand. Sie besitzt die Fähigkeit, Musik und Geb irde in überzeugender Einheitlichkeit mit seinem gesanglichen Stllempfinden zu verbinden. Die Gräfin — Anny vo i S t o s ch — resigniert, empfindsam, aber stark als Kämpferin um ihre Lie^e; in ge anglicher Hinsicht war sie ihrer Bedeutung als Standes- person vielleicht nicht voll entsprechend Schwärmerisch, empfindungsvoll im Singen und im Sp.el war Regina Harre als Cherubin. Anna Jacobs war eine Marzlline mit reicher Skala der Aeuherungen. von Spihfindi zkeit, List, Derschla- gescheit der Intrigantin bis zu weicher Mütterlich- leit. Dem der Leidenschaft verfallenen Grälen gab Carl Stralendorf eine Verkörperung, die sich
'Aber dem Landwirt bleibt einfach nichts anderes übrig. _
Man hat im Laufe der letzten Monate der Landwirtschaft wiederholt vor Äugen geführt, daß sie besondere Möglichkeiten bei den C d e I e r Zeugnissen hat, "vornehmlich bei den Molkereiprodukten und den Erzeugnissen der Geflügelwirtschaft. Di« Umstellung der deutschen Landwirtschaft aus die Her» oorbringung hochwertiger Erzeugnisse ist zum großen Teil eine K a p 11 a l f r a g c. Mancherlei technische Einrichtungen müssen diescrhald geschaffen und man- cherlei besondere Aufwendungen gemacht werden, die Geld kosten. Im Zeichen der jetzigen Unrentabilität ist die Landwirtsä>ast ober dazu mir in ganz beschränktem Masze in der Lage. So erstrebenswert die Verwirklichung der genannten Borschläge ist, so darf man doch bei der Abwägung der möglichen Erfolge den Boden der Wirklichkeit nicht unter den Füßen verlieren. Selbst wenn alle Kräfte voll angespannt werden, wird sich doch aus lange Zeit immer noch der Kapitalmangel hemmend bemerkbar machen. Deshalb muh die Agrarpolitik von dem jetzigen Produktionsstand der deutschen Landwirtschaft ausgehen und darf nicht den zukünftig erhofften als maßgebende Basis nehmen. Solange der Kapitalmangel nicht behoben wird, werden die Erlensivierungstendenzcn in der deutschen Landwirtschaft anhalten: die Wirtschaftskrise kann nur durch Kapitalneubildung überwun- den werden. Bon der Lösung des Kapitalprvblems in der Landwirtschaft hängt die Sicherung der Volks- ernährung in großem Maße ab Durch agrarpolitische Maßnahmen, wie die verschiedenen Teile der Osthilfe und die Siedlung, können zwar Krisen- gefahren verringert werden: aber in ernährungspolitischer Hinsicht ist damit zunächst nichts gewon- ncn. Letzten Endes kommt alles auf die Wiederherstellung der agraren Rentabilität an; bann wird sich auch allmählich in den Betrieben wieder Kapital bilden können. Die Wiederherstellung der agraren Rentabilität ist d i c beste Abwehr gegen die Extensivierungsgesahr.
Aus Der provinzialhauvtstakt.
Gießen, den 7. März 1931.
Deutsche Dollspartei in Gießen.
Die Ortsgruppe Gießen der Deutschen B o l k s p a r t c i hatte — so berichtet man uns — ihre Mitglieder zur Jahreshauptversammlung cingcladen und damit einen tom* munalpolitischen Abend verbunden. Rach Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden, Oberreal- lchrer Appel, konnte die Tagesordnung rasch erledigt werden. Aus dem Kassenbericht, der in Verhinderung des Rechners von Herrn W H o r n vorgetragen wurde, ergab sich, daß trotz hoher Ausgaben noch ein kleiner Hcberschuß erzielt werden konnte. Einstimmig wurde dem Rechner Entlastung erteilt. Den Tätigkeitsbericht erstattete der 1. Vorsitzende. Mit Bedauern nahm die Versammlung davon Kenntnis, daß der Geschäftsführer Dr. Weißer Gießen endgültig verlassen wird. Seiner sür die Partei geleisteten Arbeit wurde in anerkennenden Worten gedacht. Der Frauengruppe der Partei wurde besonderes Lob für die rege Arbeit gezollt. Zum Stresemann- Ehrenmal in Mainz konnte die Ortsgruppe aI8 Ergebnis einer Homssammlung bei den Mitgliedern dem Bauausschuh den Betrag von 1261 Mk. überweisen. Der seitherige Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Kreisdirektor Wolfs hatte schriftlich gebeten, von seiner Wiederwahl zum stellvertretenden Vorsitzenden absehen zu wollen, sonst siehe er aber gern dem. Vorstand zur Verfügung. Die Versammlung entsprach schließlich seinem dringenden Wunsche und ermächtigte den Vorstand, demnächst durch eventuelle Zuwahl den zur Zeit verwaisten Posten des stellvertretenden Vorsitzenden neu zu besetzen. Frl. V e l k e und Frl. A. K a l b f l e 11 ch wurden auf Antrag der Frauengruppe in den ..Erweiterten Vorstand" gewählt. Mit Dankesworten an die seitherigen Vorstandsmitglieder war damit die Tagesordnung der Jahreshauptversammlung erledigt, so daß nunmehr die Versammlung die
Berichte der Sladtratsmitglieder über ihre Tätigkeit im Jahre 1930
platz der Handlung klare Tlebersicht über da- Geschehene gebend. Das Orchester unter der Leitung von Dr. Karl Böhm erschloß mit Stillicherheit dc.i ünern.c li.',c.i Re chtum de. Partitur a mu i- kalischen Feinheiten. L)ie Intendanz kann mit besonderer Genugtuung auf die würdige Feier des 175. Geburtstages Mozarts zurücBltckei, der man gerechterwei^e den C.-arakter einer bedeutungsvollen Festaufführung zuerkennen muß. Dr. li.
auch da mit Würde gab, wo die Situation gegen chn sprach. Er vermochte gesanglich ebenso der Aufwallung des Affektes starken Ausdruck zu geben, wie er sich diskret dem Ensemble cinzu- stigen verstand. Theo Herrmann betonte den Fi"o-o nicht nur als den in allen Liften und Ver- fd I g - :he teuer ahre en5 a .wer ie er, so "emer kehrte besonders das Persönlich-Menschliche in bem Erleben seiner Eifer ucht hervor. Heberlegene Gewandtheit im Spiel wie in der Beherrschung des Gesanglich-Musikalischen ließ chn stellenweise hart an die Grenze dessen gehen, was bei Mozart erlaubt ist. Bartolo (Heinrich K u h ns und Banlw (Eugen Vog ts waren beide gleich trefflich in typischer Gebärde, Haltung und Sangesart. Hans
Die Frage, ob intensiv oder extensiv gewirtschaftet werden soll, hat in der deutschen Landwirtschaft in der jüngsten Vergangenheit eine sehr große Rolle gespielt. Die Antwort, die die Wisenschast erteilte, geht dahin, daß zwar eine planloseJntensivierung aus leinen soll zu rechtfertigen ist, daß aber eoensosehr vor einer allgemeinen Extensivierung gewarnt werden muß. Die Voraussetzungen, unter denen die deutsche Landwirtscha t zu produzieren hat. verla igen einen ausreichenoen Jntensi- täisgrad. Die iandwirtsa,a,tliche Betriebsorganisation muß so gestaltet fein, daß die Aufwendungen in ihrer Gesamtheit möglichst große Gelderfolge bringen. So wurde mit Recht auch dem Gedanken Ausdruck gegeben, daß es oft ratsam ist, die aufgewendeten Produktionsmittel zu konzentrieren und nicht über den ganzen Betrieb zu zersplittern. In Teilen des Betriebs möglichst intensiv wirt chasten, wurde die Losung. Somit wurde auch der Gedanke der Produktionskostensenkung in den Vordergrund gestellt, und zwar mit Erfolg.
Heutzutage ist sür fast die gesamte deutsche Landwirtschaft die Frage nach dem Jntensitäts- grab in ein neues Licht gerückt. Die wachsende Agrarkrise hat es mit sich gebracht, daß die Entscheidung über die Höhe der Aufwendungen nicht mehr von der Einsicht und dem Wollen des eiw- zelnen Landwirts abhängt, sondern ein ach durch seine Kapitalkraft bestimmt wird. Die steigende Unrentabilität zwingt zur Beschränkung in der Verwendung von Produktionsmitteln. Die früher noch vorhandene Möglichkeit, Kredit aufzunehmen, spielt keine Rolle mehr. Schon seit geraumer Zeit ist auf den Rückgang im Düngemittelverbrauch verwiesen, der in den letzten Monaten erfolgt ift Die Käufe der Land- Wirtschaft an Maschinen und Geräten ze gen einen erheblichen Rückgang. Mit der Verwendung von fremder Arbeitskraft muß nach Möglichkeit gespart werden.
Angesichts der Absatzschwierigkeiten, unter denen die agrare Erzeugung Deutschlands in so starkem Maße leidet, ist die Bedeutung einer derartigen Extensivierung in der letzten Zeit noch kaum Gegenstand dec Untersuchung geworden. Man spricht so viel von der Ueberproduktion an Roggen und an Kartoffeln, man klagt über die zu große Erzeugung an Schweinen. So ha. sich in Kreisen, die sich mit agraren Fragen von Berufs wegen tagtäglich befaf en, die Auffassung durch- aesetzt, daß es ein Segen wäre, wenn bei diesen Produkten eine Einengung der landwirtschaftlichen Erzeugung ftattfänbe und dafür andere Produkte stärker betont würden. Aber die Frage, wieweit bei dem bestehenden Kapitalmangel größere Umstellungen tatsächlich erfolgen können, ist bisher wenig beachtet. Und erst recht ist die Auswirkung einer Einschränkung bei den Aufwendungen für die Agrarerzeugung in ihrer Gesamtheit in jüngster Zeit kaum untersucht
Die große Masse des Volkes leidet zwar schwer unter der wirtschaftlichen Depression. Die ungeheure Arbeitslosigkeit drückt den Lebenshaltungsstandard herunter. Aber alles das wird gegenwärtig fast nur von dem Gesichtspunkt aus angesehen, daß der
einzelne nicht in dcr Lage ift, aus der Fülle des zum Verkauf vorhandenen Güteroorrats soviel zu erwerben, wie er gern möchte und auch in den letzten Jahren zu kaufen wieder gewöhnt war. Wenig wird aber darüber nachgedacht, daß die Versorgung des deutschen Volkes in stärkstem Maß auch durch die Einfuhr fremdländischer Waren geschieht und daß abgesehen von den Textilien gerade auch bei den Lebensmitteln immer noch ein sehr großer Anteil ausländischen Ursprungs ist.
Die schwierige Wirtschaftslage zwingt zu der Ucberlegung, was geschehen wird, wenn die Importe nicht mehr in derselben Weise wie bislang durchgeführt zu werden vermögen. Viel zu wenig wird beachtet, daß in den letzten Jahren seit der Stabilisierung der Währung die reichliche Bedarfs- deckung durch fremde Erzeugnisse nur möglich war, weil Deutschland in ungeheurem Maße ausländische Kredite zugeflossen sind. Doch schon die Gestaltung der Handelsbilanz im Jahre 1930 weist darauf hin, daß mit einem dauernden Einfuhrüberschuß auf lange Zeit nicht mehr gerechnet werden kann. Die Reparationen und die Verpflichtungen aus den privaten Auslandskrediten erzwingen eine aktive Handelsbilanz. Aber die Exportaussichten Deutschlands sind gering Man ver- langt zwar im Auslande Reparationen, aber wehrt sich andererseits mit allen Mitteln gegen eine Steigerung des deutschen Exports. Womit sollen dann auf lange Sicht die großen Lebensmittelmengen, die Deutschland jetzt noch vom Auslande erhält, bezahlt werden?
Die vorgerückte Wirtschaftslage rückt wiederum die Forderung in den Vordergrund, die schon in der Inflation eine so große Rolle spielte: die landwirtschaftliche Erzeugung verdient nicht nur um ihrer selbst willen und nicht nur zwecks Herstellung der agraren Rentabilität, sondern auch mit Hinblick auf öie Volksernährung größte Förderung. Nichts wäre freilich gefährlicher als eine planlose Produktionssteigerung. Die Erfahrungen der Vergangenheit sollten- hier unbedingt warnend wirken. Wohl aber muß man überlegen, daß bei Anhalten der gegenwärtigen Unrentabilität der agraren Erzeugung allmählich, aber sicher eine Exten- f i d i c r u n g sich durchsetzt, welche im Laufe der Zeit zu Steigerungen des Einfuhrbedarfs führen muß oder, wenn solche zufolge Devisenmangels nicht möglich sind, zu einer Verknappung der zum Konsum verfügbaren 'Nah. rungsmittelmengen. Die gegenwärtige Ueberpro- duktionserscheinung bei Roggen, Kartoffeln und Schweinen darf man keineswegs als allgemeines Kriterium nehmen. Sie sind nur im Zeichen besonderer Kräfte zustande gekommen. Auch die aus der Rationalisierung der landwirtschaftlichen Erzeugung jetzt erwachsenden Produktionssleigerungen, also der vergrößerte Effekt der einzelnen Aufwendung, darf man auf die Dauer nicht überschätzen Denn schon zeigt sich bei den Voranschlägen und Maßnahmen mit denen sich die ^Betriebsleiter jetzt befassen, der Zwang zur weiteren Einschränkung in der Verweil- düng käuflicher Produktionsmittel, besonders Dünge- mittel. Gewiß werden damit, privatwirtschaftlich gesehen, die Rentabilitätsaussichten nicht erhöht.
Giehener Gtadttheater
2-tozari: „Tic Hochzelt des Figaro".
Das deutsche Nationalsingspiel, dem M o z a r t feine Entführung" (1782) und spater den „Schau- fpielbircttor" (1786) geschaffen hatte konnte sich aus die Dauer gegen das Ausleben der italienischen Osier, insbesondere der opera buffa mit 'dren ausgezeich- nelcn Leistungen nicht behaupten. Obwohl Mozart dieser zunächst innerlich ablehnend gegenuberstanb, entschloß er sich doch schließlich, dem starken Brang -ur Oper zu folgen und sein Buhnenschassen Eder aufzunehmen, wenn es auch nicht dem Nationalsing- spiel gewidmet war. Er prüfte eine Reche von Büchern durch; aber teils tagten ihm d»e Texte müst zu, teils kam er nicht über die ersten Vorarbeiten hinweg. In dem Theaterdichter Lorenzo da Ponte, einer bühnengewandtcn Abenteurernatur, fand er
fetbft baVonie bcnSorldtlag mach!-.
Le manage de Figaro ou la solle journfe das in de^damaligen Zeit Mittelpunkt des Tagesgefpra- ches war, zu einem Operntext um3uarbeiten. Bic- weit sich Mozarts Anteil an der Umgestaltung des Textes erstreckte, läßt sich, nicht niehr feststellen, wohl aber wird man mit Hinsicht auf denbestim wenden Einfluß, den Mozart z. B. auf den Text von der „Entführung" gehabt hatte, auch m diesem 6alle seine eingehende Mitarbeit voraussetzen können Trotz der Widerstände gegen Beaumarchais Werk (Joseph 11. hatte eine Wiener Aufführung verboten) verstand es da Ponte, beim Kaiser die Austuhrung von Mozarts Oper zu erwirken.
Da Ponte bezeichnete seine Arbett nicht als eine Uebersetzung, sondern als eine Nachahmung von Beaumarchais' Komödie. In der Vorrede zum Textbuch spricht er sogar von der „fast neuen Art des Schauspiels". Das Textbuch schallet die politische Tendenz aus Beaumarchais Vorlage aus; es faßt im Interesse möglichster Klarheit die ineinander- greifende Handlung straff zusammen. Das Rem- Menschliche wird zum treibenden Element, und Damit ün Zusammenhang steht Die Wandlung im Grundcharakter der Personen. Verweist da Pontes Text noch in einzelnen Zügen auf die opera bulfa, fD führt Mozart durch das individuelle Gepräge, das M ben Gestatten mit feiner Musik verleiht, weit
Zetten kommen, gewürdigt werden.
— Märzheft dcr „Zeitwend e". (C. H. Beckscho Verlagsbuchhandlung, München.) Von zeitgemäßer Bedeutung find zwei Beiträge dieses Heftes: „Aus dem neuenSardinien"von Johanna Chroust und „Der .NeueHumanismus' inUSA." von Gust. E. Müller. Das neue Italien hat auf der armen und durch Malaria verseuchten Insel Sardinien mit Hilfe großangelegter Stauseen und Elektrizitätswerke aus Sumpf, Stepps und Sand ein blühendes, fruchtbares Land geschaffen, das Taufenden Brot und Arbeit gibt, ein Beispiel, wie zielbewußter Wille auch einem verarmten und notleidenden Volke zu helfen vermag! — Wir reden
„:j vom ..Amerikanismus", aber wissen wenig davon daß auch in Amerika selbst eine lebendig« Bewegung zu seiner Kritik und UeberminDung eingesetzt hat die vornehmlich ^n Platon anknüpft aber auch Dein Christentum wieder ernste Beachtung
Wensivierimgegeschr und Volksernähtung
Don profeflor Dr. Kurt Ritter
über die Maskentypen dcr Buffa hinaus. In der „Entführung" stand er noch einer Idealwelt gegenüber; hier gibt ihm die Musik das Mittel, Licht zu breiten über die Charaktere, über ihre starken Seiten und ihre menschlichen Schwächen. Die Personen sind ihm nicht marionettengleiche Figuren, über die er je nach Ermessen verfügen kann, sondern Menschen, Die unter der Macht ihrer Triebe stehen und unter ihrem Zwange handeln.
Er fühlt sich als Mensch in ihr Tun ein. et versucht sie zu verstehen, er beltmchtet ihr Inneres durch die symbolisierende Kraft der Musik und führt so tiefer als der Text allein zum Erfassen chres innersten Wesens hm. So gelangt er zu einem neuen Opernstil, der über die damaligen gebräuchlichen Stllformen hinaus- führt ohne an das Uebereinkommen gebunden zu sein, indem er zu den Wurzeln menschlichen Handelns vordringt. Aber bei aller Einfühlung bei allem Verstehen-Wollen identifiziert er sich nicht völlig mit den Personen, er weih immer eine Distanz innezuhalten die chm als Wissenden den Einblick auch in solche Zusammenhänge gewährt. die Den Gestalten selber versch.ofsen bleiben und so kann er ihr Handeln mit einem Zug von leiser Ironie begleiten. Es entftept so jene Mischung von Tragik und Komik die für den Stil des ..Figaro" charakteristisch ist. Richt etwa übertriebene Gebärde. Karikieren. Verkehren ins Groteske find der Grund für die komische Wirkung, sondern daß die Personen durch ihre durchaus ernsthaft durchgeführten Handimmen in die verfänglichsten Situationen geraten. Dazu tritt als besonderes Moment, daß jeder d«i andern in seinem Handeln zu durchschauen glaubt und ihm mit einer gewissen Ueberlegenheit, mit Ironie, begegnet „ „ . ..
Ganz besonders treffend gelingt Mozart die Zeichnung der Personen im Ensemble. Hier wird jedem der ihm zukommende individuelle Zug verliehen, hier erstehen die verschiedenen Situa- Honen im Geiste Der Musik durch Die Reflektion der Affekte des einzelnen.
Die durch Die Musik symbolisierte Abbildung des Geschehens stellt besondere Anforderungen an die Gestaltungskraft der Darsteller, da ieder einzelne Zug wieder in Handlung. Gebärde um- gesetzt sein will. Deshalb legte die Aufführung, ut Szeus gesetzt von Carl Ebert, besonderen
Oie Erhöhung der Gondergebäudesteuer. Bon Äurgermeiner Dr. A epoch, ÄkdD
Als Der Finanzminister vor Weihnachten seine Steuererhohungsoorlage sehr im Wiverjpiuch mit der gesamten Tendenz Der Reichspolttik einbrachte, hab« ich schon auf Das U n t r a g b a r c Der erhöhten Belastung durch die Sondergebaudestcuer hingewte- kn und betont, daß der ursprüngliche Zweck Der SonDersteuer, nämlich Die aus Der Zusammenlegung Der Hypotheken sich ergebenDen angeblichen Gewinne Des Hausbesitzes zu erfassen, infolge der Entwicklung tatsächlich schon weggefallen war Meine Warnung wurde überhört; aber in der Zwischenzeit hat sich schon gezeigt, wie recht ich nut meinen damaligen Behauptungen hatte. Es ift mir eme Fülle von Beispielen bekannt geworden, in Denen Die Erhebung Der erhöhten SonDersteuer infolge von Neu- aufnahmen von Hypotheken Des Hausbesitzers ober infolge von Eigentumswechsels Der OrunDftutfe völlig unmöglich wurde.
Ich habe deshalb im Finanzausschuß schon vor etwa 14 Tagen an Di« Regierung Die Frage gench- tet ob ihr Die Wirkung Der Steuererhöhung ebenfalls bekannt fei und was sie zu tun gedenk«. Die Ansicht Der volksparteilichen Landtagsfraktion wurde Dann in folgendem Antrag nicDergelegt:
^Mit Rücksicht au£ Die allgemeine wirtschaft- siche Lage wird Die Steuerveranlagung nach Artikel 13 Des SonDergebäuDesteitergesetzes b i s auf weiteres ausgefetzt."
Für Den Fall Der Ablehnung Dieses Antrages wurde in einem Eventualantrag verlangt, daß Der Mehrertrag an SonDergcbäuDefteuer auf GrunD Der Veranlagung nach Artikel 13a auf 500000TIL begrenzt wird, mit Der Maßgabe, Daß Die Frie- Dcnsmiete, soweit sie im einzelnen 7 v. H. Des FrieDenswertes übersteigt, unberücksichtigt ' bleibt.
Auf diesen Antrag hat Die Regierung erklärt, Daß st« beabsichtige. Die nachstehenDe Anweisung an Die Finanzämter zu erlassen:
„Infolge Der Erhöhung Der SonDergebäuDe- ftcuer für OebäuDe mit einer FrieDensmiete von mehr als 5 o. H. Des (BrunDfteuerroertes ab 1. April 1931 ift Die Prüfung Der Frage, ob Die Einziehung Der erhöhten Steuer eine b e f o n • Der« Härte bedeutet, befonbers wichtig. Ich ermächtige Deshalb Die Finanzämter, in allen Fällen, in Denen Die Erhebung Der Steuer eine Existenzgefährbung betreuten würde, Den Betrag der Steuererhöhung ganz ober zum Teil unerhoben zu lassen und, soweit die Verhältnisse amtsbekannt sind, schon bei der Anforderung der Steuervorauszahlung für 1931 einen entsprechenden Betrag außer Ansatz zu lasten. Mit besonderer Sorgfalt zu behandeln sind die Fälle, in denen Die Friedensmiete mehr als 7 v. H. Des OrunDfteuerroertcs ausmacht: Die Finanzämter werden Deshalb in Diesen Fällen noch vor Zustellung Der Steuerbescheide nachzuprüfen haben, ob nicht etwa Das vorliegende Material fehlerhaft ist und ob die gegenwärtige Miete noch auf jener hohen Friedensmiete aufgebaut
Dies« Erklärung Der Regierung läßt zweierlei Schlüsse zu: entweder sieht man im Finanzministerium die Berechtigung unseres Antrags nicht ein, dann ist die Anweisung an Die Finanzämter natürlich nur eine verzuckerte Pille ohne leben Inhalt: ober aber man ist sich bewußt, bah bie Erhebung der erhöhten Sonbergebäubesteuer tatsächlich unmöglich ist, bann ist ber Erlaß eine Halbheit, benn er stellt jebes Entgegenkommen roicberum ausschließlich in bas Ermessen bes einzelnen Finanzamtes. Ich glaube, mancher steuerpflichtige weiß ein Lieb baoon zu singen, wie verschieden bie Auffassungen ber einzelnen Finanzamtsvorsteher nicht nur sinb, fonbern natur* licherweise auch sein müßen, wenn bie obere Instanz uermeibet, klare unb bestimmte Richtlinien zu geben. Ich habe ben Einbruch baß die Regierung tatsächlich bie grunbfätzliche Richtigkeit unserer Ansicht anerkennt, baß es ihr aber aus koa- litionspolitischen ©rünben unmöglich gemacht wurde, Das nun auch offen zuzugeben. Eines ist da-
bei noch besonders intcrefiant: während in dem Sondergebäudesteuergesetz eine Berücksichtigung der persönlichen Verhältnisse des Steuerschuldners dadurch ausgeschlossen war, daß Ermäßigungen nur dann eintreten konnten, wenn sie „im Stcucrgcgcnftanb selbst" begründet waren, hat man durch diese Empfehlung an die Finanzämter diese grundsätzliche Einstellung jetzt verlassen. Gerade dieser Standpunkt des Finanzministeriums dürste auch in anderen Fällen von nicht zu unterschätzender Bedeutung sein.
Es »st bezeichnend, daß wir bei unseren Bestre- bungen, untragbare Steuererhöhungen auszuschlie- ßen, völlig allein standen; weder die Koalition noch Die übrigen Oppositionsparteien unterstützten sie.
A e Y (Antonio, Maria Kienzl (Därbchenl ve .
jeder in seiner Ar-, charakteristisch das Ensemble; ebenso waren der Chor wie auch die, Reihe der Rebenperionen voll am Platze. Die Bühnenbilder (Schenck von Trapp) waren ftttvoll Dem Geiste der Musik angepaht. farbenreich, als Schau-
indem man oorgab, daß teils technische Erwägungen ber Steuererhebung ein Eingehen auf unseren Antrag unmöglich machten ober aber, bah bie Mehr- belaftung aus ©rünben der steuerlichen Gerechtigkeit geradezu geboten gewesen sei Demgegenüber erklärte id), daß technische Schwierigkeiten, wenn der seste Wille vorhanden ist, überwunden werden können, lind daß cs nur dann einen Sinn habe, steuerlich« Gerechtigkeit ins Feld zu führen, wenn etwa die erhöhte Belastung des einen einem anderen zugute kommen würde. Wenn also wir unseren Willen nicht hundertprozentig durchsetzen konnten, so ist doch jetzt wenigstens die Möglichkeit gegeben, bei ben Finanzämtern nicht ganz ohne Aussicht auf Erfolg bei besonderen Härten vorstellig zu werden unb Erlaß ober Ermäßigung zu beantragen.
Zeitschriften.
— Mit Der Nummer 11=12 schließt Der 176 Seiten große, inhaltreiche Band IX Der Friebberger Geschichtsblätter. Nur wenigen wirb es bekannt sein, baß bie Zeitschrift in ben bebcutenbften beutschen Bibsiothelen aufliegt. So in Berlin, Darm» ftabt, Frankfurt, Gießen, Heibelberg, Kassel, Leipzig, Mainz, Marburg, München, Nürnberg, Worms unb vielen anberen Stäbtcn nah unb fern. Was ber Friebberger Geschichtsverein burch bis Grünbung unb den Ausbau des Wetterauer Museums nebst Stadtarchiv unb Stadtbibliothek sowie durch die Herausgabe der Friedberger Geschichts- blätter unb durch zahllose Sonderverössentsichungeii nicht nur für die Wissenschaft und Vottsbildung schlechtweg, sondern auch für die gesamte Wetterau und insbesondere die Stabt Friedverg geleistet hat, steht in umgekehrtem Verhältnis zu seinen winzigen Gelbmitteln unb wird erst späterhin, wenn bessere


