deshalb die Versammlung auf. 3m Anschluß hieran bildeten sich Demonstrationszüge. Als der Aufforderung der Polizei, die Züge auf-u- lösen, nicht Folge geleistet wurde, schritten die Beamten ein und lösten die Züge unter Anwendung des Gummiknüppels auf. 3m Verlaufe dieser Aktion wurden etwa 160 Personen zwangsgestellt und der Wache zugeführt, wo sie bis zur Wiederherstellung der Ruh« Derbleiben müssen. Eine große Anzahl von Arbeitern, die sich an dem Streik beteiligten und mehr als drei Schichten nicht befahren haben, wird fristlos entlassen, und nur dann wird in Einzelfällen davon abgesehen werden, wenn die Betroffenen nachweifen können, daß sie infolge eines zwingenden Grundes der Arbeit fern» bleiben mutzten. Es kommen bis jetzt 1120 Mann in Frage.
Schnellgericht mit Schöffen.
Hamburg, 6. 3an. (ERB.) Bei dem Hamburger Strafgericht ist mit dem 3ahre 1931 eine bemerkenswerte Neuerung eingeführt worden: Schnellgericht mit Schöffen. Bisher bearbeitete das Schnellgericht fast nur Fälle der kleinen Kriminalität, die im Rahmen der Zuständigkeit des Einzelrichters liegen. Es war aber auch die Zustimmung des Angeklagten dazu nottoenbig. Durch die Hinzuziehung von Schöffen ist nun ein orden tliches Gericht geschaffen worden, daß auchRaubüberfälle und andere schwere Verbrechen, bei denen der Täter auf frischer Tat ergriffen wurde, oder geständig ist, ohne Unter- suchungsvcrfahren erledigen kann. Hierdurch wird eine erbliche Entlastung der anderen Strafabteilungen und der Untersuchungsrichter herbeigeführt. Weiterhin wird vermieden, datz durch zahlreiche Vernehmungen Protokolle erwachsen, die später oftmals verwirrend wirken. Außerdem ist es dem Gericht unmittelbar nach der Tat diel leichter, sich ein zutreffendes Bild der Vorgänge zu verschaffen: denn die Zeugen stehen noch unter dem frischen Eindruck des Erlebten. Die erste Sitzung dieses neuen Gerichts ist auf Mittwoch, den 7. 3anuar 1931, angeseht.
Kleine politische Nachrichten.
Der Reichs,inanzminister hat das Gehalts- abkommen des Reichsange st ellten- tarifvertrages zum 31. 3anuar gekündigt. Dem Vorgehen des Reichs, inanzministcrs hat sich für Preutzen das preußische Finanzministerium angeschlossen. Die Ende Dezember zwischen dem Ministerium und den am Tarifvertrag beteiligten Organisationen geführten Verhandlungen sind gescheitert. Wie der Gewerkschaftsbund der Angestellten mitteilt, haben die Angestelltenorganisationen nunmehr denReichs- arbeitsministcr angerufcn und die Einsetzung eines Schlichters beantragt
Die Reichsan st alt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat den mit den Angestelltenorganisationen abgeschlossenen Tarifvertrag zum 31. März gekündigt. Die Kündigung soll dazu dienen, einige dem Lariswerl anhaftende Mängel zu beseitigen. Wan denkt hierbei u. a. daran, dre Rechtsverhältnisse der Angestellten klar zu regeln, die von den Vorgängerbehörden der Reichsanstalt übernommen wurden.
Unter dem Vorsitz des stellvertretenden Schlichters für Hessen, Regierungsrat Dr. Kollath, Wiesbaden, fanden Derhand.ungen zur Beilegung des Lohnkonfliktes in der Kasseler Metallindustrie statt Auf Grund der Vorschläge des Schlichters einigten sich die Parteien dahin, datz ab 12. 3anuar die Löhne in der Spitze von 85 auf 81 Pfennig für die Facharbeiter herabgesetzt werden. Die prozentuale Verringerung der anderen Lohne ist geringer und beläuft sich aus 3 bis 4 Prozent. Die Akkorde siäd um 6 Prozent gesenkt worden.
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3n der württembergischen Metallindustrie verliefen die Rachverhandlungen ergebnislos. Der Landesschlichter hat daraufhin den
Affenkomödie.
Von Helmut JtofenffcaL
3n schlankem Dogen purzeln sie aus ihrer Schachtel...
Die körperlos seidigen Felle rollen sich zu anmutig grotesken galten; die braunen Köpfe mit dem sanften Kinnbart stolpern in zartem Ungeschick übereinander; und die fleischfarbenen Vorderpfoten reden ihre bizarren Gesten in den Raum. So liegen sie also nun auf der Schreibtischplatten Stoffpuppen, die sich mit dem Profil betulicher kleiner Affen masciert haben und ein gläsern unverwandtes Auge auf die Menschenhand richten, die sie zu einem possenhaft spielerischen Leben ermuntern kann, wenn sie drei Finger zur Verfügung stellt.
Der Herr mit dem Einglas betrachtet sie wohlwollend.
Denn der Herr mit dem Einglas ist schließlich ihr Käufer; als er sie im Schaufenster gewahrte, fiel es ihm ein, datz er Margret eigentlich schon längere Zeit nichts Rechtes zum Spielen geschenkt hätte. Er hat daher allen Grund, die Gegenstände seiner Wahl hübsch zu finden — zumal da er sich mit Vergnügen vorstellt, wie Margrets sechsjährige Fingerchen in die Hand- puppenhulle hineinschlüpfen werden, um mit kindlicher Erfindungskraft sofort eine reizende kleine Affenkomödie auszusühren. Er glaubt einen guten Kauf getan zu haben.
Die Aeffchen scheinen der gleichen Meinung zu fein...
Der Herr mit dem Einglas nimmt zögernd ein Tier auf.
Zögernd — weil er weih, daß sich Spielereien kaum für einen Mann in gefestigterem Lebensalter ziemen — rutschen Zeigefinger, Mittelfinger und Daumen in den drolligen Handschuh ... und schon beginnt ein Aeffchen seine verstohlenen zierlichen Kapriolen, die Pfötchen zucken in spaßigem Takt bald nach rechts, bald nach links, der struppig verschmitzte Schädel dreht sich in behender Wendung beinahe rund um sich selbst, um bann unversehens, dem leisen Winl der lenkenden Finger gehorchend, träumerisch und ergebungsvoll Arabzuknicken.
Das Aeffchen beginnt ein geheimnisvoll eignes Leben.
England und die Revision des Aoungplans. I
Oie „Times" warnt. - Oie Solidarität der Gläubiger gegen den deutschen Schuldner.
London. 6. 3an. (WTB.) 3n einem „Deutschland und der Houng-Plan" überschriebenen Leitartikel verbreitet „Times" aus der Reujahrsansprache des Ministers Groener an den Reichspräsidenten die Stelle, an der die Frage aufgeworfen wird, ob Deutschland imstande fein werde, die ihm auferlegten finanziellen Lasten zu tragen. - „Times" führt aus: Datz die hervorragende Gelegenheit des Äeu'ahrsemp- fang s dazu ausersehen wurde, die e Frage offiziell anzuschnewen, ist zweifellos daraus zurüclzuführeir, daß Dr. Brüning und seine Kollegen angesichts einer sehr heiklen und schwierigen Lage im Zirnern mit Recht auf Erfolg bei der Durchführung ihrer wichtigen Aufgabe nur rechnen zu können glauben, wenn es ihnen gelingt, von dem extremen Flügel der nationalistischen Bewegung eine große Gruppe der gemäßigteren Richtung loszulösen, die seit langem eine kraftvollere Außenpolitik fordert. Das allgemeine Ziel einer solchen Politik ist natürlich die Abänderung des Versailler Vertrages und besonders der wirtschaftlichen Vereinbarungen, die aus ihm hervor- gegangen sind. Diese aus weiten Kreisen kommende Forderung nach irgendeiner Art Befreiungspolitik, die die wirkliche Erklärung für den bemerkenswerten Aufstieg der Rationalsozialistischen Partei gibt, ist durch den Fortschritt derWeltdepressionsehr geitärttworden. Das dauernde Sinken der Preise hat zweifellos die wirkliche Last der Haager An» nuitäten in einem Maße vergrößert, wie es die Voung-Plan-Sachverständigen schwerlich voraussehen konnten, und Deutschland hat wahrscheinlich unter den Wirkungen der Weltdepression beinahe ebenso schwer gelitten wie England. Unter diesen Umständen ist es natürlich, daß die deutsche Regierung den Weg erforscht, der zu einer Erleichterung der Last führen könnte.
Es könne inbeffen, so faat „Times" weiter, bezweifelt werden, ob eine so deutliche Anspielung auf die Möglichkeit eines Moratoriums zur
Erreichung dieses Ziels beitragen werde. Aus der Entstehungsgeschichte des Voungplans gehe hervor, daß die Bestimmungen über ein Moratorium le- diglich als letzte Zuflucht gemeint feien. Diese Bestimmungen seien an die Stelle der Funktionen des Transfer-Ausschusses des Dawesplanes getreten, um die Stabilität der deutschen Währung zu sichern und durch die Einteilung der Annuitäten in einen geschützten und einen ungeschützten Teil fei klargestellt worden, datz die Bestimmungen sich nicht auf die Natur der Repara- tionsoerpflichtuna als solche, sondern lediglich auf den jährlichen Transfer bezögen. Nur eine Krisis, die so heftig fei, daß sie d i e wirtschaftliche Stabilität Dewtfch- lands unmittelbar gefährde, könne demzufolge der deutschen Regierung die Berechtigung geben, die besondere Art von Zahlungsunfähig- Feit zu erklären, die als Moratorium bezeichnet werde. Tatsächlich sei nun aber eine unerträgliche Anspannung des deutschen Budgets ober der ausländischen Wechselbestände der Reichsbank noch nicht eingetreten. Bei der zeitweiligen Krisis, die im letzten Sommer entstand, handelte es sich nicht um eine Unmöglichkeit, die Bertragsverpslichtungen zu erfüllen, sondern um eine Krisis des Vertrauens, die nicht nur durch vorzeitige Aufrollung der Moratoriumsfrage hervorgerufen werden müsse, sondern auch durch politische Aeutzerungen der Art, in denen sich neulich Dr. Kaas erging. Die Politik, Schmerz zu äußern, bevor man verletzt sei, sei in einer Welt der Realpolitik gefährlich, so zweckmäßig sie auch erscheinen möge als Mittel, den Nationalsozialisten den Wind aus den Segeln zu nehmen. In wirtschaftlicher Beziehung, könne diese Politik nur dazu beitragen, gerade b i e Kri - f i s herbeizuführen, gegen die ein Moratorium dienen soll, und in politischer Beziehung könne sie nur d i e Solidarität der Gläubiger Deutschlands stärken, wie dies die jetzigen Erörterungen zwischen dem britischen und dem französischen Schatzamt deutlich ankündigen.
Schiedsspruch vom 29. Dezember 1930 für verbindlich erklärt. Das neue Lohnabkommen sieht für di« gesamte würtkembergische Me allindustrie für d:e Tarif- und Zeitlöhre eine Lohnermäßigung von 5 Proz., für die Akkorde von 6 Proz. vor.
Die Lage der evangelischen Kirchen in polen.
Warschau, 6. Jan. (TU.) Der Evangelische Zeitungsdienst in Posen veröffentlicht einen aus» führlichen Bericht über die Lage der evangelischen Kirchen in Polen. Die wiederholt von den kirchlichen Svnodcn beschlossene neue Kirchenverfassung hat immer noch nichtdie Genehmigung des Staates gefunden. In diesem Hinzögern der pol- nischen Regierung erblickt die evangelische Kirche ein Zeichen der Nichtachtung oder auch einen Be- weis dafür, daß die Gleichberechtigung der Kirchen in Polen nur auf dem Papier besteht. Dabei beträgt die Zahl der Evangelischen in Polen etwa eine Million. Alsdann heißt es in dem Bericht u. a. wie folgt: .Fragen des Religionsunterrichts und des evangeuschen Schulwesens in Polen bereiten der Synode Sorgen, die auch im Laufe des vergangenen Jahres nicht behoben wurden. Ist doch selbst den Geistlichen in Bromberg und Rawitzsch die Möglichkeit genommen worden, Religionsunterricht sogar an Privatschulen zu erteilen. Da immer noch viele Tausende von deutschen evangelischen Kindern polnische katholische Volksschulen besuchen müssen und ein Teil von ihnen keinen geregelten ^Religionsunterricht in der Schule erhält, müßte die Kirche besonderes Gewicht auf den Kindergottesdienst legen. Die Hauptschwierigkeit für alle kirchliche Arbeit besteht
Lind da es kaum recht wäre, dem einen Geschöpf zu versagen, was man dem andern erlaubt, huscht auch der zweite Affe auf die noch freie Faust, um sich in schlanker, ruckender Verbeugung dem ersten vorzustellen. Reizend wird das sein - denkt der Herr mit dem Einglas, sich freundlich selber entschuldigend —, ganz reizend würde das fein, wenn Margret so die beiden kleinen Stofftiere einander vvrstellt... ganz reizend, wenn sie bann das eine gegen das andere ausspielt und etwa einen scherzenden Streit mit Pfoten und Mäulchen ausfechten läßt.
Der Herr mit dem CinglaS versucht es rasch einmal...
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3edoch so einfach läßt er eS sich nicht durchgehen.
„Eigentlich", denkt er, „ist es ja gar nicht wahr, daß ich nur deshalb hier spiele, weil ich mir ausmalen will, wie Margret mit diesen graziös unbeholfenen Winzigkeiten spielen wird. Wenn ich ehrlich wäre, dann müßte ich eingestehen, daß das für mich selbst ein glattes Vergnügen ist, wie die Affenpfötchen wirbelnd durcheinanderfahren, gegeneinander ihre Scheinangriffe trommeln und mit witzigem Gebärdenaufwand ihre seidig auf- geplusterten Hälse umklammern. Indessen, wer ist heute noch so ehrlich daß er das ruhig gelassen zugäbe...?"
Der Herr mit dem Einglas wird beinahe philosophisch.
„3a, überhaupt: wir und die Puppen! Kleist hat sich wenn ich mich richtig erinnere, ausführlich über die Marionette geäußert; er fand — glaube ich — die letzte Grazie nur dort, wo gar keins oder aber ein unendliches Bewußtsein den Bau eines Körpers beherrschte. Vielleicht liegt der Fall bei den Handpuppen so ähnlich — ? Wenn man ein Gelehrter wäre, könnte man wahrscheinlich ein Buch von ungeahntem Umfange darüber schreiben. UebrigenS wird dieses Buch gewiß schon lang geschrieben sein; und man soll sich ohne Rot keine Gedanken machen!"
Munter, flink und hurtig stimmen die Aeffchen dem zu.
Unversehens aber steht Margret mitten im Zimmerraum.
Der Herr mit dem Einglas bemerkt es ein bißchen zu spät, daß vielleicht schon ein paar Minuten lanfl zwei erstaunt» braune Augen, auf seinem
in dem immer noch zunehmenden Mangel an G e i st l i ch e n. Von den rund 400 Pfarrstellen sind nur etwa 230 besetzt. Ein Drittel dieser 230 Geistlichen ist über 60 Jahre alt und nähert sich dem Abgang durch Pensionierung oder Tod immer mehr."
Rußland und polen.
Moskau schlägt einen Neutralitätsvertrag vor. ,
Die Moskauer Regierung hat wieder einmal in Warschau anfragen lassen, ob Polen geneigt wäre, einen Nichtangriffspakt oder einen Neutra- litätsnertrag mit seinen östlichen Nachbarn abzu- schließen. Verhandlungen über ein derartiges Abkommen hat es in den letzten Jahren wiederholt gegeben. Sie sind aber stets gescheitert, weil in der Hauptsache die Polen keine Lust hatten, sich Rußland gegenüber zu binden und damit offiziell alle Angriffsgelüste auf die Sowjetunion abzu- schwören. Warum man in Moskau plötzlich wieder auf einen Nichtangriffspakt drängt, ist nicht recht ersichtlich. Wahrscheinlich fürchten die Sowjetmachthaber, daß es im kommenden Jahr in Rußland zu revolutionären Ausbrüchen kommen wird, die die Rote Armee fortgesetzt in Atem halten dürften, so daß sie nicht in der Lage ist, den Grenzschutz in dem für Rußlands Sicherheit notwendigen Umfang versehen zu können. Das Echo, das die diplomatischen Dorstelluygen des Moskauer Botschafters bisher ausgelöft haben, läßt aber Dermalen, daß auch diesmal aus dem von Rußland an- gesteuerten Neutralitätsvertrag nichts wird.
nicht eben übermäßig erwachsenen Treiben ruhen: etwas hilflos und linkisch kreiseln die Affenköpfe auf den verlegenen Zeigefingern; und mit einer beinah verzweifelten Bewegung rudern vier Vorderpfoten durch die Luft, um sich aus ihr einen braven Vorwand zu haschen. Jedoch, die Köpfchen kreiseln umsonst; und keine Vorderpfote bekommt den Vorwand zu fassen, der einem Erwachsenen angemessen wäre.
Der Herr mit dem Einglas vergißt seine Philosophie.
Denn Philosophie ist nur hübsch und angenehm, wenn man allein mit ihr und ohne sechsjährige Zeugin ist. Oder sollte man Margret etwa berichten, daß man einmal Kleist gelesen hat; sollte man ihr etwa erzählen, daß die letzte Grazie nur dort zu treffen sei, wo gar keins oder aber das unendliche Bewußtsein die Bildung des Körpers bestimmt —? Margret wird sich wenig darum kümmern, sondern lediglich mit braunen und erstaunten runden Blicken auf die Tatsache starren, daß es mit der ernsten Würde der Erwachsenen nicht allzuweit her ist.
Lind die Säule des Respektes käme schlimm ins Wanken.
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Taumelnd purzeln die Affen in sich selbst zusammen —
„Siehst du —", äußert der Herr mit dem Einglas nicht ohne hörbares Räuspern, „siehst du, wie ich mir gerade so vorst-fite, wie du, Margret, damit..
Margret holt still und langsam die Affen in den Arm.
„3a also ... I", fährt der Herr mit dem GinglaS mit Aufgebot seines gesammelten Ernstes fort, „solche Affen, nicht wahr? Rebenbei gesagt: Affen..."
Er macht eine sehr überlegene, sehr erwachsene Geste.
Oie zähen Zoffres.
Marschall 3of f re ist nun nach einem, man darf schon ruhig sagen: heroischen Todeskampf gestorben. Mit zähem Lebenswillen hat er sich bis zuletzt gegen den Tod gewehrt. Diese Bärennatur ist, wie ein Pariser Blatt erzählte, ein altes Erbstück in der Familie 3offre. Zum Beweis dafür berichtet es suS der Feder eines Augenzeugen die
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Aus aller Welt.
Graf Luckner wieder genesen.
Das Befinden des durch seine kühnen Kreuzerfahrten berühmt gewordenen Grafen Luckner, der am 15. Dezember bei einem Autounfall in der Nähe von SBautejjan (Illinois) ernstlich verletzt wurde, hat sich soweit gebessert, daß er mit der Bahn die Reise nach Neuyork antreten konnte. Zu der Fahrt wurde ihm der Salonwagen des Präsidenten der Pennsylvania-Eisenbahngesellschaft zur Verfügung gestellt.
Arbettrlosenunruhen in Amsterdam.
In Amsterdam kam es im Zusammenhang mit größeren Arbeitslosenkundgebungen zu einer Reihe von Zwischenfällen. Als sich z w e i Polizeioffiziere an der Spitze einer Polizeiabteilung einem Demonstrationszuge entgegenftellten und ihn
auflöfen wollten, wurden sie umringt und angegriffen. Einem Polizeioffizier wurde im Handgemenge der Säbel entrissen. Die Menge schlug den Offizier zu Boden und ließ ihn bewußtlos liegen. Auch ein zweiter Offizier wurde niedergeschlagen, ein Polizeibeamter schwer verletzt. Einige der Demonstranten trugen leichtere Perletzungen durch Säbelhiebe davon, einer wurde durch einen Revolverschuß schwer verletzt.
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Buffalo Bills Konkurrent ist gestorben.
Vor einiger Zeit verstarb in Chlkago „Deadwood Dick", der sich anno dazumal vor dem Kriege eines ähnlichen Rufes und Ruhmes wie Buffalo Bill, der Held des Wilden Westens, erfreute. Auch Deadwood Dick wurde von feinem Manager zum berühmten Präriejäger und Jndianertöter gestempelt, und die farbenprächtige Schilderung seiner Heldentaten war in den Vereinigten Staaten in Millionen Exemplaren verbreitet. Richard Clark, so hieß er mit dem bürgerlichen Namen, war englischer Abstammung, kam schon in frühester Jugend nach \zlmerita, und schlug die Militärlaufbahn ein; auch er wurde, gleich Buffalo Bill, d h. dem Obersten W. E. Cody, Äufklärungsoffizier und kämpfte in der Tat tapfer gegen die Rothäute. Natürlich hatten die Beschreibungen seiner Heldentaten weit mehr mit der Phantasie als mit der Wirklichkeit zu tun; immerhin konnte er sich neben Buffalo Bill als „gleichgeordneter Natiönalheld" behaupten. In den letzten fahren ließ aber bas Geschäft stark nach; heute will die amerikanische Jugend nur noch von Autobanditen und Ozeanfliegern lesen und nicht mehr von Jndianertötern, die überall sehr schlecht im Kurse stehen
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Die U-Boot-fcrp
Der norwegische P an Kapitän Willi ti on unter dem Ao hat aus Aeuhorl b er nunmehr mit de fchastlichen 3nflrum< Kn soll. Außerdem datz der Dau des ituar beendet se s »hrten Ende 3anu will diese Probefahrt Konten. 3m tyril f. d»n gehen. Auf der < .aean wird das UZE W sein, der in ! d<Sen soll. Die Dor
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Geschichtet wie ein Onkel 3offreS vor etwa zwanzig 3ahren gegen den Tod gerungen hat.
Der alte Herr lag, vierundsiebzigjährig, auf dem Sterbelager, die beiden Aerzte des Städtchens hatten ihn aufgegeben, und die Familie berief telegraphisch alle auswärts wohnenden Mitglieder nach Hause, Und sie trafen auch ohne Ausnahme ein, aus Rennes, aus Paris, aus Caen. Der Sterbende hatte schon daS Bewußtsein verloren, aber. immer noch, tagelang, bei künstlicher Ernährung, atmetete er, und am vierten Tage nach der Ankunft seiner auswärtigen Familienmitglieder kam er wieder zu sich, wunderte sich über die Ansammlung an seinem Bette, schimpfte und... stand am übernächsten Tage sogar auf, um seine Hühner eigenhändig zu füttern (!). llnb blieb auch auf, bis seine Lieben wieder nach Rennes, nach Paris und Caen abgefahren waren, verblüfft über dies« unglaubliche Lebenszähigkeit des alten Mannes, der in ihrem Beisein einfach nicht sterben wollte. Kaum zu Hause angekommen, erhielten sie dann ein Telegramm, daß der Greis sich gleich nach ihrem Fortgang wieder habe hinlegen müssen und in der darauffolgenden Rächt sanft entschlafen sei.
Oie Ostpreußenreise des Reichskanzlers.
3nsterburg. 7. 3an. (£11.) Reichskanzler Dr. Brüning besuchte mit den Herren seiner Begleitung am Dienstag Königsberg, Tilsit und 3nsterburg. Wie in Tilsit wurde auch in 3nster- burg der Reichskanzler von der Menge mit demRufe: „Hungerdiktatvr" empfange n. Um für Ruhe und Ordnung zu sorgen, war nicht nur Polizei, sondern auch Reichswehr auf- geboten. 3m Rathaus begrüßte Oberbürgermeister ] Wedel die Minister. Der Vorsitzende des KreiS- landwirtschaftsverbandes betonte, daß die Landwirtschaft treu zum Reich und Staat halte. Ebenso wie sie im Kriege ihre Pflicht getan habe, sei sie jetzt mit allen Kräften bemüht, ihre Scholle zu halten. Aus diesem Grunde sei die Bauernnot- , betoegung entstanden. Die falsche Behandlung der i bäuerlichen Wirt,chasts- und Lebrns.n.eresfe.l gerade hier im östlichen Regierungsbezirk wirke sich katastrophal aus. Die Gesamt st immung der Bauernschaft sei die denkbar schlechteste. Der Bauer, den das Elend auf Schritt und Tritt verfolge, kämpfe den Kampf der Verzweiflung mit zusammengebissenen Zähnen. Die Reichsregierung dürfe überzeugt fein, daß der Bauer sich dankbar erzeigen werde, wenn er das Gefühl habe, daß man ihm helfen wolle.
Nachdem noch weitere Wirtschaftsoertreter zu Wort gekommen waren, wies Nerchsusinister Treviranus darauf hin, daß die Reichsregierung die Bevölkerung in ihrem Existenzkampf unterstützen wolle. Sie fei vielfach daran gehindert worden, dies schon früher zu tun. Wenn man etwas ausgeben wolle, müße man es vorher einneh- m e n. Die Fehler der Vergangenheit seien nicht so schnell zu beseitigen. Die Regierung müsse d i e Nerven behalten, auch wenn die Ungeduld im Lande zu groß werde. Die Landwirtschaft könne sich selbst helfen, indem sie bei den Genossenschaften anfange, die hohe Zinsspanne abzubauen.
Reichskanzler Brüning erklärte anschließend^ je mehr die öffentliche Hand Aufwendungen mache, desto schlechter stehe die Wirtschaft. Je höher die Steuern, desto höher die Zinssätze. Den Herren aus der Landwirtschaft müsse er wiederholen, daß der
Führer der Landwirtschaft auch den Mut haben sollte, den Mitgliedern die Wahrheit zu fa- g e n. Man solle die Organisation nicht als Selbstzweck ansehen. Der Führer sei nicht dazu da, sich populär zu machen. „W t r lassen uns auf der Straße anschreien", so erklärte der Minister, „aber uns eint die Zuversicht, daß wir für unser Vaterland arbeiten." — Anschließend sand im Ratskeller ein Empfang statt. Der Platz vor dem Gebäude, den eine ungeheure Menschenmenge umlagerte, war von der Schutzpolizei mit Stricken abgesperrt. Es kam zu Schlägereien zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Die Polizei nahm einige Verhaftungen vor.


