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Nr. 5 drftes Blatt
181. Zahraang
Mittwoch, X. januar 1931
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Neue Wege in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit?
Eine Programmrede des Reichsfinanzministers Dietrich. — Statt Llnierstühung Belebung der Wirtschaft durch Lohnzuschüsse.
61 u 11 g a r t, 6. San. (SU.) Auf der Landes- Versammlung der württembergischen Demokraten- lsprach Reichssinanzminister Dietrich über die Wirtschaftskrise, das Arbeitslosenproblem und die Reparationsfrage. Er verteidigte zunächst die letzte Dotverordnung: Zu der Sparsamkeit, die rücksichtslos eingesetzt worden sei, komme eine bedeutende Vereinfachung des Steuerwesens hinzu. Daß man die Deamtengehälter habe kürzen müssen, sei schmerzlich, aber notwendig gewesen. Wenn große Teile des Dolles um ihre nackte Existenz rängen, Millionen von Arbeitern und Angestellten brotlos seien, waren di« Beamten in einen unheilvollen Konflikt zu dem gesamten Volk gekommen, wenn sie an der Rot der Zeit nicht teilgenommen hätten. Der Preisabbau, der leider oft von einem Teil der Bevölkerung lächerlich gemacht werde, bringe einen gewissen Ausgleich für den Gehaltsabbau. Daß man sich mit solchen Aotmatznahmen -beim Dolle nicht beliebt machen könne, liege auf der Hand. Das sei aber auch nicht die Aufgabe eines Staatsmannes in einem Augenblick, in dem höchste Gefahr für das Reich und für die deutsche Wirtschaft entstanden sei. Die größte Sorge sei die Wirtschafts- Irlfe und die damit verbundene Arbeitslosigkeit, die zur Zeit noch verschärft werde durch die Auseinandersetzungen im Kohlenrevier, di« die Regierung aber zu bewältigen hoffe.
Auf 2,2 Milliarden Mark würden die Ausgaben für die Arbeitslosen ohne die Dohlfahrtsunter- stühungen geschäht. 1,7 Milliarden Mark betrügen die Tributlasten, über 2 Milliarden die inneren Kriegslasten Deutschlands. Ls sei klar, daß solche unproduktiven Ausgaben von mehr als sechs Milliarden Mark jährlich eine fürchterliche, vielleicht untragbare Last feien.
Die Frage sei nur: Könnten wir unser heutiges Wirtschaftssystem in dieser Fornr erhalten? Der Redner bejahte diese Frage: Er lehne den Sozialismus grundsätzlich ab, sei aber der Meinung, daß die Aufrechterhaltung des privat- wirtschaftlichen Systems nur möglich sei, wenn die Mängel, an denen es leide, aus- gemerzt werden könnten. Er fuhr dann fort: Die Hauptmängel der Gegenwart sehe ich in folgenden Punkten: Sn der Veränderung des selbständigen Unternehmer s, durch dessen Erfindergeist und wirtschaftlichen Wagemut allein unser wirtschaftliches System lich halten könne, ferner in der Zusammenballung großer Wirtschaftsgruppen aus einen oder einige Konzerne, die in ihrer bureaukratischen Organisation und ihrer Abhängigkeit von den Danken auf die Dauer eine Gefahr bedeuten. Die dritte Schwierigkeit liegt darin, daß die Arbeitslosenversicherung das Band der Verantwortung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in einem bedeutenden Maße gelockert hat. Endlich hat die Arbeitslosenversicherung das Familienverantwor- tunKsgefühl in gefährlichem Umfange zerstört. Ein System, das nicht imstande wäre, mit der gegenwärtigen ungeheuerlichen Arbeits- losigkeir aufzuräumen, wäre dem Untergang verfallen.
Man darf sich daher keinem Zweifel darüber hingeben, daß es die Lebensfrage ist, nicht durch Versicherung die Arbeitslosen zu unterstützen, sondern sie zu beschäftigen. Jür den Augenblick ist zu prüfen, ob es einen Weg gibt, die wirtschaft anzukurbeln. Der Widersinn, daß wir für Millionen von Arbeitslosen über zwei Milliarden Mark ausgeben (mit dem, was die Gemeinden zahlen sind es nahezu 3 Milliarden) ohne einen Gegenwert zu bekommen, ist so ungeheuerlich, daß trotz aller Vedenken das Betreten neuer Wege gewagt werden darf, wenn wir zur Zeit in einem Monat eine Viertelmilliarde brauchen für die Arbeitslosen, so könnte es vielleicht nicht allzu vermessen sein, wenn man versucht, mit dieser Summe entweder die entscheidenden Rohproduktionen anzutrelben oder ober eine verarbeitende Industrie, die besonders viel lebenswichtige Rohprodukte verbraucht, i n Bewegung ; n bringen. Ich sehe darin keine Subventionen, wenn man in diesen Berufen das, was die Arbeitslosen kosten, zur Verbilligung und zur Vermehrung der Produktion verwendet, indem man fürjeden Arbeitslose n eine entsprechende Summe ; uzahlt.
Wenn wir wieder eine Hochkonjmrkkur haben, so dürfen wir den Wohnungsbau nicht forcieren. Diese Arbeiten müssen wir für die Zeiten der Krisen zurückhalten. Wir müssen in den Zeiten der Hochkonjunktur Geld a n f a mm e In. Wir müssen Arbeiten in Deich, Staat, Gemeinden usw. r u r ü ck st e l l e n. um sie dann auszuführen, wenn die Konjunktur zurückgeht.
Man wird hier einwenden, alle Hoffnungen sind vergebens, wenn die Reparationsfrage richt gelöst wird. Die Zahlung der Tributlasten bedeutet allerdings nicht nur einen Kapital- iirtzug für die deutsche Wirtschaft in einer
Menge, die genügen würde, die gesamte Wirtschaft Deutschlands anzukurbeln, sondern sie bedeutet dadurch, daß wir das Kapital abgeben müssen, und durch den Verlust der Ankurbelungsmöglichkeit eine steigende Menge Arbeitsloser, die wiederum die deutsche Volkswirtschaft belasten. Sch kann heute nicht sagen, welche Schritte die Regierung in der Reparationsfrage zu tun gedenkt, aber wenn wir diese Angelegenheit anfassen müssen, werden wir sie auf d e in Boden der bestehenden Verträge anpacken.
Man wird uns nicht mehr oorroerfen können, daß wir unsere steuerliche Belastung nicht hoch genug geschraubt haben, weder Bier, noch Branntwein, noch Tabak vertragen eine weitere Belastung und wenn man auf die Umsatzsteuer verweist, so berücksichtigt man nicht, daß hier eine Erhöhung eine Belastung der wirtschaft und ihrer Konkurrenzfähigkeit und damit eine erneute Gefahr für die Möglichkeit der deutschen Zahlungsverpflichtungen ist.
Aun gibt es in Deutschland Wunderdoktoren, die dem Volk den Wunderglauben predigen und die ihm einreden, es gäbe ganz wundersame Mittel
Berlin, 7. San. TLl. (Funkspruch.) Verschiedene Berliner Blätter nehmen zu dem Plan des Reichssinanzministers Dr. Dietrich Stellung, der der Sndustrie einen Staatszuschuß für die Mehr- beschäftigung von Arbeitern gewähren will.
Der „Sag“ (Hugenberg) bezeichnet deck Plan als ungewöhnlich nebelhaft. Durch die Llnterstühung würde eine zusätzliche Warenerzeugung entstehen, die an sich zur Verbilligung beitragen könnte, wenn die Ware absehbar wäre. Das sei sie aber vorläufig nicht. Der Diet- richsche Vorschlag würde also darauf hinauslaufen, die Läger zu füllen. Außerdem würde ein solches System nur korrupten Erscheinungen Tür und Tor öffnen.
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" (Vvlkspartei) hebt hervor, daß der Plan, die Mittel der Arbeitslosenunterstützung zur Verbilligung und Steigerung der Produttion einzusetzen, schon früher von namhaften Sndustriellen vorgeschlagen worden sei. Es bestehe bei dem Diet- richschen Verfahren die große Gefahr, daß diese öffentlichen Zuschüsse verewigt werden würden. Außerdem würde d e r l e i st u n g s - fähigere und billigere Betrieb durch die staatliche Unterstützung feiner Konkurrenten geschädigt werden. Sn vielen Fällen träte bei der Mehrbefchäftigung zu den Lohnaufwendungen auch Kapitalverbrauch hinzu. Wenn man also mit dem Diet- richschen Plan einen Teilversuch auf begrenztem Gebiet und für begrenzte Zeit machen wolle, so müsse man einen Augenblick wählen, in dem gleichzeitig ausländische Finanzierungsmöglichketten vorhanden wären.
Der „BerlinerDörfen-Courier" (dem.) widmet dem Plan einen ganzen Artikel, der die äleberschrift „Verfehlt" trägt und in dem die er stesten Bedenken ceiußer werden. Dec Re chS- verdand der Deutschen Sndustrie habe sich stets entschieden gegen alle Subven tionie - rungen pe vaker Betriebe ausgc p ochen, wobei auch besonders auf die schlechten Erfahrungen mit der Schichauwerft ßingetoiefen wird.
Dortmund, 6. Jan. (TA.) wie schon in einem Teil der gestrigen Auslage gemeldet, Hal Reichs- arbeitsminister Slegerwald seine Anwesenheit im Ruhrgebiet benutzt, um die strittigen Lohnfragen mit dcn beiderseitigen verbänden und mit einzelnen führenden Persönlichkeiten aufs eingehendste durchzusprechen. Die Besprechungen haben jedoch eine Möglichkeit der Annäherung der beiderseitigen Standpunkte bisher nicht ergeben. Das Schlichtungsverfahren wird daher am Mittwoch unter dem Vorsitz des Schlichters für Westfalen seinen Fortgang nehmen. Die Reichsregierung hält trotzdem ihren Standpunkt aufrecht, daß eine gewaltsame Austragung dieses Konfliktes bei der gegenwärtigen Gesamtlage Deutschlands nicht zu verantworten wäre und wird ihre Bemühungen nach einer friedlichen Beilegung nachdrücklich fortseheu. Da die Kündigung der einzelnen Arbeitsvertrage erst zum 15. Januar wirksam wird, bleibt hierfür auch noch hinreichend Zelt.
Dom Zechenverband wird der „TTl." folgende Erklärung übergeben:
und Wege, mit denen man das deutsche Volk aus seiner Aot herausführen könne. Mit Geldtheorien -und mit Reden von der Zinsknechtschaft ist weniger als nichts anzufangen. Wenn jetzt in Europa überall wieder die K r i e g s a n g st umgeht, und toerm die Völker schon wieder die Schrecken des Welttrieges zu vergessen beginnen, wenn in allen Staaten unvorsichtige Reden gehalten werden, so muß man dem mit aller Schärfe entgegen treten. Die ganze Sorge kann sofort beseitigt werden, wenn man daran geht, den Unterdrückten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
Diejenigen, die heute an der Spitze des Reiches stehen, glauben an die Zukunft des deutschen Volkes. Wir haben nicht die Absicht, das Steuer des Staates aus der Hand zu geben. Wir sind entschlossen, uns durch den ungeheueren Srrsinn im deutschen Volke und manches geradezu unverständliche Gebühren, den Blick für das Praktisch-Mögliche nicht trüben zu lassen und den Karn^f ebenso sehr mit Ruhe, wie mit Energie zu fuhren in dem Bewußtsein, daß die Gegenwart die geleistete Arbeit nicht anerkannt, daß es aber darauf ankommt, wie sie in der Zukunft sich auswirkt.
Subventionen zwängen die gesunden Betriebe durch ihre Steuerzahlungen, andere Konkurrenzbetriebe zu unterstützen, wodurch sie selbst unter Umständen zu Arbeiterent- lassunigen gezwungen werden würden. Der SelFsthilfegedanke würde geradezu eingeschläfert und es sei kein Wunder, wenn ein subventionierter Betrieb schließlich in die öffentliche Hand überginge. Es wird die Befürchtung geäußert, daß wir zwar vorübergehend vielleicht drei Millionen Arbeitslose beschäfttgen könnten, aber mit dem Enderfolg, daß auf die Dauer auch noch ein großer Teil der heute noch in Arbeit stehenden 10 Millionen Arbeiter brotlos werden würde. Die Wirtschaft müsse von staatlichen Eingriffen möglichst frei bleiben und die Löhne müßten sich so gestalten, wie es der jeweiligen Wirtschaftslage entspräche. Schließlich wird angedeutet, daß es unmöglich sein dürste, die Mittel für den Dietrichschen Plan aufzubringen.
Dcr „Sun gdeuts che" bezeichnet die Rede als das bedeutendste politische Ereignis der letzten Wochen. Der Wille zu neuen Wegen in der Arbeitslosenfrage sei hvcherfreulich. Schon jetzt müsse freilich vor unüberlegten Schritten gewarnt werden. Das Urteil über die Maßnahmen der Regierung werde sich danach richten, ob sie nur kleine vorläufige Mittelchen seien, oder ob man den großen Wurf einer planmäßigen neuen nationalen Wirtschaftspolitik endlich wage.
Dcr „Vorwärts" (svz.) spricht von einem „phantastischen Projekt" und von „Wirtschaftsankurbelung auf Kosten der Arbeitslosen" und fragt, was während der Ankurbelung aus den Arbeitslosen werden solle, die keine Unterstützung erhielten.
Der „L o k a 1 a n z e t g e r“ (deutschnatl.) sieht trotz der Erklärung des Ministers, er wolle keine Subventionen, in seinem Vorschläge eine Subventionspolitik, gegen die ungeheure Bedenken vorlägen. Das Blatt bezeichnet die ganze Frage als noch nicht spruchreif.
„Die Schlichtungsverhandlungen im Lohnstreit des Ruhrbergbaues haben bisher keinen Lohnabbau gebracht, da sich der Schlichter offenbar unter dem Druck der Regierung nicht entschließen konnte, mit den Stimmen der Arbeitgeber einen Spruch zu fällen, obschon der Zechenvrrband im Laufe der Schlichtungsver» Handlungen mit seiner Lohnabbauforderung schließlich auf einen Satz herunterging, der sogar in den Vorverhandlungen mit der Regierung von dieser als angemessen anerkannt worden war.
Wenn die Regierung jetzt erklärt, keine Zusicherungen gemacht zu haben, so muß gegenüber dem Dementi der Regierung festgestellt werden, daß die Preisabbauverhandlungen, an denen allerdings der Reichsarbeitsminister nicht beteiligt war, von der Grundfrage ausgehen, m i t welchem Lohnabbau der Ruhrbergbau als Ausgleich des Preisabbaues rechnen könne.
Dach dem ganzen Gang der Verhandlungen mußte der Ruhrbergbau annehmen, daß derAeichS- arbeitsminister sich für eine Lohnsenkung von mindestens 8 v.H. ab 1. Sanuar einsetzen würde und daß er sich dabei im Einverständnis mit dem Gesamt- f ab t nett, insbesondere dem Reichskanzler be
fände. Wenn auch eine formelle Zusicherung nicht gegeben werden konnte, so bedeutet das Ergebnis der damaligen Verhandlungen ohne allen Zweifel eine Bindung der Regierung, ohne welche der Ruhrbergbau die Vorleistung einer Preisermäßigung ab 1. Dezember niemals auf sich genommen hätte.
Das war jedoch nicht die einzige Enttäuschung, die der Ruhrbergbau in dem gegenwärtigen Konflikt erleben mußte. Die Schlichtungsverhandlungen wurden von anderer Sette offensichtlich verschleppt und als der Zechenverband Dach- richt darüber erhielt, daß die auf den 19. Dezember festgesetzten Verhandlungen verschoben werden würden, mußte er befürchten, daß e i n verbindlicher Schiedsspruch bis zum 1. Sanuar nicht vorliegen würde. Sm Snteresse der Zechen erschien es damals ratsam, diesen die Kündigung der Gesamtbelegschaft schon zum 1. Sanuar zu empfehlen, um von diesem Tage ab freie Hand in der Lohngestaltung zu haben. Von dieser Empfehlung ging der Zechen- verband jedoch auf den dringenden persönlichen Wunsch des Reichsarbeitsministers ab, nachdem Herr Stegerwald erklärt hatte, daß ein verbindlicher Schiedsspruch bestimmt so zeitig erfolgen werde, daß eine Lohnsenkung ab 1. Sanuar 1931 eintreten werde.
Diese Erwartung ist wiederum nicht erfüllt worden. Ein Schiedsspruch liegt nicht vor. So sah sich der Duhrbergbau gezwungen, die Einzelarbeitsverträge zum 15. Sanuar zu kundigen, da ein Lohnabbau besonders angesichts der hohen Vorleistungen zur unabweisbaren Dot- wendigkeit geworden ist. Hätte der Zechenverband entgegen dem persönlichen Wunsch Herrn Steger- Waws die Kündigung bereits am 15. Dezember zum 1. Sanuar ausgesprochen, so würden schon heute die Zechen in der Lage gewesen sein, die Löhne den wirtschaftlichen Doiwendigketten anzupassen."
Gegenüber dieser Erklärung des Zechenverbandes wird vom Arbeitsministerium darauf hin- gewiesen, daß der Schlichter eine unabhängige Instanz ist, auf deren Entscheidungen die Reichsregierung keinen Einfluß nehmen kann, der ihr die Abgabe eines Derfpre^ chens über eine bestimmte Lohnsenkung überhaupt ermöglichen könnte. Dieser Gesichtspunkt wurde bereits vor einigen Tagen unterstrichen, im übrigen ist anzunehmen, daß der Reichsarbeitsminister, der sich auf der Rückfahrt von Dortmund nach Berlin befindet, von sich aus noch zu der Erklärung des Zechenverbandes Stellung nehmen wird.
Zusammenbruch der Streikbewegung.
Dortmund, 7. San. (WTD.) Sm Dortmunder Bezirk war gestern ein weiteres Abflauen der Terrorakte gegen Arbeitswillige zu verzeichnen. Zur Dienslag- Morgenschicht sind auf allen Zechen die Belegschaften vollzählig eingefaßten; der Schichtwechsel vollzog sich auf allen Schachtanlagen: ohne besondere Zwischenfalle. Am Eingang den Zeche „Kaiserstuhl" wurde am Dienstagmorgerr ein Flugblattverteiler der Revolutionären Ge- werkschaftsoppvsition von der Polizei entfernt. Auch die Mittagsschicht fuhr überall vollzählig ein; nur auf der Zeche „de Wendel" fehlten von der 1500 Mann starken Belegschaft etwa 360 Wann.
Sm Duisburg-Harnborner Streikgebiet hat sich die Lage Dienstagabend zu Beginn dcr Dachtschicht gebessert. Don einer Gesamtbelegschaft von 3800 Mann auf den Thyssenschächten sind estva 2500 Arbeiter eingefahren. Die Belegschaft auf Schacht II/V erschien vollzählig zur Dacht-ch cht, auf Schachtlll/VIl fehlen etwa 200 von 550 Mann, auf Schacht IV/Vlll fehlen 450 von einer Belegschaft von 600 Mann« Auf der Schachtanlage in Beeckerwerth sind« Dienstagabend 140 Mann, und auf Schacht Loh« berg die Hälfte der Belegschaft nicht eingefahren. Auf der Schachtanlage „Westend" erschien die Belegschaft vollzählig, in Deumühl sind etwa 50 Personen weniger angefahren.
Die Streikbewegung ist nun auch auf sämtlichen Schachtanlagen im Mörser Bez i rk fast vollständig zus ammengebrochen. Dach dem sich die Lage bereits Montagabend weiter erheblich gebessert hatte, sind Dienstag die Belegschaften der Rheinpreußen-Zeche unb der Gewerkschaft Dtergardt-Mevissen in Rheinhausen fast vollzählig zur Frühschicht angefahren. Dur auf der Zeche Diederrhein in Deulirchen fehlten 210 von 450, und auf der Zeche Friedrich-Heinrich in Lintfort 300 von 1850 Mann. Zu Ansammlungen und Zusammenstößen ist es nirgends mehr gekommen.
Gireikdemonstrationen aufgelöst.
Duisburg. 7.San. (WTB.j Auf dem Dellplatz versammelten sich Dienstagnachini.tag kommunistische Erwerbslose. Sn dieser Versammlung wurden von einigen Seiten Hetz- und Schmähreden gehalten, auch wurde versucht, für den Streik Stimmung zu machen. Die Polizei löste
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Die Berliner presse ist skeptisch.
Vom Lokalanzeiger bis zum Vorwärts werden starke Bedenken geltend gemacht.
Slegerwalds Bemühungen gescheitert.
Das Schiedsverfahren geht weiter. — Zechenverband und Reichsregierung.


