Volkseinkommen, da- 1913 etwa 42 Milliarden betrug, beträgt beute rund 58 Milliarden gegenüber 70 Willlarven im Jahre 1929. Wir werden, wenn wir nicht inflatorische Wege gehen toollen, für die nächsten Jahre den jetzigen nominellen Stand deS VollSeinkommens nlcht halten können, fonbetn werden uns mit einem kleineren Einkommen begnügen müssen- Der Reallohn muh bei vermindertem Dominallohn bestehen bleiben, daS Geld muh verstärkte Kaufkraft gewinnen.
3m sozialen Abbau ist schon viel mehr ae- fchehen, als die Öffentlichkeit glaubt. An der Arbeitslosenfürsorge sind mindesten- 750Willionen in den letzten Jahren praktisch
gekürzt worden. Wir haben im nächsten Winter zwar eine gröbere Arbeitslosigkeit alS im letzten Winter au erwarten, aber sie wird unS nicht mehr ko st en als im letzten Winter. Wettere Ersparnisse sind in der Arbeitslosenfürsorge nicht zu schaffen, wenn nicht eine Preissenkung groben StilS kommt. 3n der Invaliden- und Unfallversicherung werden wir noch zu gröberen Veränderungen kommen müssen.
ES bleibt im übrigen dabei, dah ich den Kern der Sozialversicherung zu erhalten suche, und ebenso den Kollektivvertrag und die Verbindlich- keit-erklärung, wenn auch in der Handhabung Aenderungen in mancher Hinsicht getroffen werden müssen.
Reparationen und Kredite
England sekundiert der deutschen These
London, 6 Nov. (WTB. Funkspruch.) „Finan. cial News" erklärt, manche Kreise hätten gehofft, daß Laval durch seinen völligen diplomatischen Sieg in Washington zu einer versöhnlichen Haltung veranlaßt werde. Aber aus amtlichen französischen Aeußerungen und aus dem Ton der französischen Presse gehe hervor, daß diese Hoffnungnichtberechtigt sei. Frankreich bleibe bet der engherzigen Haltung, die es während der ganzen Krise eingenommen habe. Die Forderung der deutschen Regierung, kommerzielle Verbindlichkeiten müßten den Reparationen Vorgehen, habe in der Lon- doner City einen günstigen Eindruck hervor- Serufen. Man hoffe, daß die deutsche Regierung bei ieser Haltung bleiben und nicht die Interessen der privaten Gläubiger Deutschland« geaen eine Repa- rationsvereinbarung mit Frankreich preisgeben werde, zumal, da eine solche Vereinbarung nur einen sehr problematischen Wert hätte. Wenn Deutschland den politischen Schulden die Priorität vor den kom- merziellen einräumte, dann werde es seine Aus- landkredite zerstören und nicht imstande sein, irgendwelche neuen Auslandanleihen aufzu- nehmen und seinen Außenhandel zu finan- zieren und Reparationen zu bezahlen. Frankreich werde übrigens aus einer solchen Vereinbarung gar keinen Vorteil ziehen, weil Deutschland nicht imstande sein werde, die Reparationszahlungen wieder aufzunehmen. Auch „News Chronicle" weist auf die französischen Absichten hin, die finanzielle Laße Deutschlands zur Erzwingung von politt- schen Zugeständnissen ausnutzen zu wollen. Wenn die Verhandlungen fehlschlogen oder die Franzosen infolge ihrer Forderungen den Rücktritt des Reichskanzlers oder das politische Chaos in Deutschland erwirken sollten, werde niemand Geld erhalten.
Der Safer des Noungplans.
Ter Uounopian elastisch genug für veränderte Verhältnisse.
Paris, 6. Rov. (WTD. Funkspruch.) Der Sonderkorrespondent deS Matin, Stefan Lausanne, hat vor seiner Rückreise auS Amerika eine lurxe Unterredung mit Owen D. Poung gehabt, Der ihm über seine Ansicht zum Schuldenproblem folgendes erklärte: Die Umstände hätten bei der Ausarbeitung deS VoungplanS anders als heute gelegen, aber die Sachverständigen wären kurzsichtig gewesen, wenn sie nicht den Fall vorgesehen hätten, daß sich die Umstände ändern könnten. Daher hätten sie ihren Plan möglich st elastisch gestaltet, damit er ft d) den Ereignissen anpassen lasse. Er habe die seste Ueberzeugung, daß der MechaniS-
im Streit um die Priorität.
muS deS VoungplanS auch heute noch g u t sei, wenn man guten Willen und guten Glauben für sein Funktionieren habe. Gegenwärtig greife man gerne zu Moratorien. Ein Moratorium aber sei — wie er auch dem Präsidenten Hoover gesagt habe — sozusagen die Verhängung des Standrechtes oder des Belagerungszustandes. Man könne in gewissen Fällen gezwungen sein, den Belagerungszustand zu verhängen, aber man könne unter dem Belagerungszustand nicht normal leben. 3e früher er aufhöre und je weniger man auf ihn zurückgreife, um so besser sei eS.
Amerikas Standpunkt.
Man bebält sich freie Hand.
Washington, 5. Rov. (WTD.) Eine Meldung, daß Präsident Hoover dem französischen Ministerpräsidenten gegenüber ein Prioritätsrecht der Reparationen vor den Privatkrediten anerkannt habe, wird hier als abwegig bezeichnet. Man habe lediglich vereinbart, das; die Frage der internationalen Schulden angesichts der Weltdepression einer Reuprüfung unterzogen werden solle, und daß, während im 3uni Amerika da- Moratorium vorschlug, diesmal die Initiative von Europa kommen müsse, da ein erneutes Angebot eines gröberen amerikanischen Opfers weder vom Kongreß, noch von der öffentlichen Meinung gebilligt werden würde. Erst wenn Europa sich geeinigt habe und man den hiesigen durch die Depression schwer getroffenen Steuerzahlern zeigen könne, daß alle Schuldner Amerikas ebenfalls Opfer bringen, werde eine Reuregelung der alliierten Schulden auf der Basis der Zahlungsfähigkeit der einzelnen Staaten geprüft werden. Abwegig seien daher auch Pariser Meldungen, daß Amerika den Alliierten den vollen Betrag dessen zu erlassen bereit sei, wa- sie von den deutschen Reparationen streichen. Diese Form der Regelung würde die Abwälzung deS Gesamtopfers auf Amerika bedeuten und daher undiskutierbar fein. Was die Frage der deutschen kurzfristigen Kredite anlange, fo feien sich Hoover und Laval bei ihren Unterhandlungen durchaus bewußt gewesen, daß der 2 9. Februar 1 93 2 ein kritischer Tag fei, für den Vorsorge getroffen werden müsse. Hier werde man die weitere Entwicklung in Europa abwarten und glaube zuversichtlich, daß Laval und Brüning zu einer Verständi- gung in diesen finanziellen Fragen kommen werden.
Das neue Kabinett in England.
Macdonald bleibt Premier, Simon wirb Außenminister und Neville Chamberlain Schatzkanzler.
London, 5. Roo. (TU.) König Georg V. hat auf Vorschlag des Ministerpräsidenten feine Zustimmung zu folgender Kabinettsliste gegeben:
Ministerpräsident und 1. Lordschahmeister: Ramsay
Macdonald (Rationale Arbeiterpartei): Lordpräsident des Geh. Staatsrates: Baldwin
(Konservativ);
Schatzkanzler: Reoille Chamberlain (Kon- fervallo);
Innenminister: Sir Herbert Samuel (Rationaler Liberaler);
Lordkanzler: Lord Sankey (Ralionaler Arbeiter): Kriegsminister: Lord Hail« Ham (konservativ):
Außenmin.ster: Sir John Simon (Liberaler Rationalist):
Staatssekretär für Indien: Sir Samuel Hoare (Konservativ);
Staatssekretär für die Dominion«: Thoma» (Rationaler Arbeiter):
Staatssekretär für die Kolonien: Sir Luntiffe Lister (Konservativ);
Luftfahrtminister: Dlarque« von Londonderry (Konservativ);
Staatssekretär für Schottland: Sir Archibald Sinclair (Rationaler Liberaler);
Gefundheitsmln'.fler: Sir C. hitton-young (Konservativ);
handelsm nisler: Walther Randman (Liberaler Rationalist);
Lord-Gehrimsiegelbewahrer: Philipp Snowden (Rationale Arbeiterpartei);
Erster Lord der Admiralität: Sir Bolton Lyre«- Monfe 1 l (Konservativ);
Erzichungsmlnister: Sir Donald Mac Lean (Rationaler Liberaler);
Minister für Landwirtschaft und Fischerei: Sir John Gilmour (Konservativ);
«rbelletninifferlum: Sir Henry Vetterton (Kon- servatio);
Minister für öffentliche Arbeiten: C. Vrme.by Gore (Konferoatio).
Da» Kabinett seht sich demnach zusammen au» 11 konservativen, vier Rationalen Arbeitern, drei Rationalen Liberalen und zwei Liberalen Ra'ttona- listen.
Gute Aufnahme in der Oeffentrichkeit.
London, 6. Rov. (TU.) Die Lifte des neuen Kabinetts der Rationalregierung hat bei den Mitgliedern der verschiedenen Parteien im allgemeinen Befriedigung ausgelöst. Macdonald hat eS verstanden, den Eharakter seines Kabinetts als einen Ausdruck der verschiedenen an der Regierung beteiligten Parteien durchaus zu wahren und eS zu einem Rationalkabinett zu stempeln, das die Zusammenarbeit der verschiedenen Parteien auf einer praktischen Grundlage gestattet und Reibungen, soweit wie möglich ausschaltet. Wichtig Ist an der Zusammensetzung des Kabinett-, daß Baldwin die Teilnahme von Konservativen auf die Mitglieder der gemäßigteren Richtung beschränkt und Anhänger kkS radikaleren hochschuhzöllnerischen Flügels ausge- schaltet hat. Weder die Ramen von Churchill noch von Amry, Sir Henry Pagc-Crost oder anderen find in der Kandidatenliste enthalten. Diese Zusammensetzung gibt eine Sicherheit dafür, daß die Einführung von Schutzzöllen ftcherlich ohne Uebereilung und erst nach reichlicher äleberlegung eriolgcn wird, nachdem der Charakter jedes einzelnen Schutzzölle- und seine Rückwirkung auf die 3ndustrie und den Handel Englands eingehend untersucht find, was jedoch nicht ausschlicßt, daß die Regierung möglicherweise zu sofortigen RotstandSmaßnahmen greifen wird, fall- sie überzeugt ist, daß dies im 3ntercsse der Handelsbilanz und des englischen Pfunde- notwendig ist.
GS wird die Rotwendigkeit betont, ein Kabinett zu bilden, da- daS Vertrauen nicht nur im Inland, sondern auch in der ganzen Welt wieder- herstellt. Der zum Staatssekretär deS Aeußern ernannte Gir John Simon hat eine außerordentlich glänzende Anwaltslaufbahn hinter sich. Er ist wegen seines sehr scharfen, kühlen Verstände- bekannt, und man hält ihn für sehr befähigt, die schwierigen und verwickelten Fragen der Außenpolitik, wie z. B. die Reparationen und ähnliche Probleme, zu behandeln. Die neue Regierung hat eS vor allem mit finanziellen Problemen sowohl im Innern al- auch im AuSlande zu tun, und daher ist die Wahl RuncimanS zum Präsidenten deS Handel-amte- von besonderer Bedeutung. Runciman ist ein anerkannter Sachverständiger aus dem Gebiete des gesamten internationalen Finanz- und HandelswesenS; sein Urteil wird, tote man erwartet, für da- Land und die Regie
rung von äußerst großem Werte sein, tocrm man sich einer Lage gegenübersieht, die eher ein Weltproblem alS ein nationales und örtliche- Problem darstellt. Das Kabinett ist ein verhältnismäßig junge- Kabinett. Wenn die Ernennungen der iln- terstaatssekretäre stattfinden, was nach der Rückkehr de- Premierministers aeschehen soll, wird man wahrscheinlich finden, daß die Regierung al- GanAes als eine gute Kombination ber Erfahrung de- Alter- unb der Energie der Jugend bezeichnet werden kann.
Echo der presse.
L o n d o n, 6. Rov. (WTD. Funkfpruch.) Die Zusammensetzung des neuen englischen Kabinetts findet sowohl in der liberalen, wie in der konservativen Presse eine sehr gute Aufnahme. Al- einzige Aeberraschung der neuen Ministerliste wird von allen Blättern die Ernennung Sir John Simon- zum Staatssekretär des Aeußeren bezeichnet. — Times sieht in der Wahl Sir John Simon- ein Zeichen der Klugheit Macdonald-, der darauf verzichtet habe, die Bürde seine- Amtes als Premierminister durch Uebernahme eines Spezialamtes noch au erschweren. Dazu komme, dah der große Rechtsgelehrte, al- der sich Sir John Simons erwiesen habe, die Beziehungen Großbritannien- zu dem Au-land in einer Zett zu lenken habe, da die außenpolitischen Verhandlungen besonders ver- wickeltundwtchtig seien. 3m übrigen könne das Kabinett mit allgemeiner Befriedigung ausgenommen werden. Denn Macdonald habe Männer um sich versammelt, die zweifellos dem Ideal der nationalen Zusammenarbeit voll hingegeben seien. Die einzige Frage fei die, ob fie auch stark genug feien, da- Programm der freien Hand rasch und entschlossen durchzuführen. — Scharfe Kritik äußert lediglich da- Blatt der Arbeiterpartei, der Daily H e r a l d, der erklärt, im Kabinett fei keineswegs ein Gleichgewicht der Parteien vorhanden, e- werde vielmehr vollständig von den Konservativen beherrscht, die in ihren Schuhzollwünschen auch die Tlnterstühung der zwei Simon-Liberalen und de- Staatssekretärs für die Kolonien, Thomas, hätten.
Kämpfe in der Mandschurei.
Die Japaner stoßen ans Ts tsikar vor.
Schanghai, 5. Roo. (WTB.) (Einige Meilen südlich von Angantschi Hal zwischen 5000 chinesischen Soldaten unter General TNalschangschen und zwei Bataillonen Japanern ein ernster Kampf um den Besitz der Eisenbahnbrücke, die über den Ronnifluh führt, begonnen. Die japanischen Truppen sollen mehr als 40 Tote und verwundete gehabt haben. Die Chinesen sollen sich in voller Auf- lösung auf Tsitsikar zurückziehen. In chinesischen Kreisen erblickt man in der Besetzung der Ronni- brücke einen ersten Schritt Japan« zur Besetzung der wichtigen Stadt Tsilsikar, um durch die Beherrschung der Bahnlinie und der Gebirgspässe gegen einen möglichen Vormarsch der Russen gesichert zu sein.
Krisis in Oldenburg.
Erfolglose Ministerpräjidentenwahl.
Oldenburg, 5.Rov. (WTB.) 3m Landtag wurde von den Rationalsozialisten der Abgeordnete Rechtsanwalt Dr. Doehrneker als Ministerpräsident vorgeschlagen. Bel der Abstimmung wurden 23 Stimmen für den Kandidaten abgegeben und 25 weihe Zettel. Da die absolute Mehrheit für die Wahl eine-- Ministerpräsidenten erforderlich ist, war die Wahl erfolglos. Gegen den Kandidaten stimmten die Sozialdemokraten, da- Zentrum, die Kommunisten und der Staatsparteiler. Rach der Abstimmung wurde auch der von den Rationalsozialisten gestellte Antrag aus Auflösung des Landtage- abgelehnt. Zur Annahme eine- solchen Antrages ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Der Antrag erzielte aber nur 25 von 48 Stimmen. Es stimmten für die Auflösung die Rationalsozialiften und die Deutschnationalen, die Kommunisten und der Landvolk-Äbgeordnete. Degen die Auflösung stimmten das Zentrum, die Sozialdemokraten, der Staatsparteiler und beide DolkSparteilcr. Die Rationalsozialisten erklärten zum Schluß, daß sie einen Volksentscheid aus Auflösung des Landtages einleiten würden.
Ein Gesetz über die Gewährung von Zugaben.
Berlin, S.Rov. (WTB.) Die Reich-regle- rung hat beschlossen, den Entwurf eine- DesetzeS über d e Gewährung von Zugaben zu W ren oder Leistunegn dem ReichSrat zur Leschluhfaifung vor- Aulegen. Danach ist es verboten, im Einzelhandel neben einer Ware oder einer Leistung eine Zugabe (Ware oder Leistung) anzubieten, anzukündigen oder zu gewähren. Sine Zugabe liegt auch dann vor, wenn die Zuwendung nur gegen ein geringfügiges, offenbar bloß zum Schein verlangte- Entgelt gewährt wird. Die Vorschriften gelten u. a. nicht: wenn lediglich Reklame- gegenstände von geringem Wert, oder Kleinigkeiten ohne eigenen Verkehr-wert gewährt werden, wenn die Zugabe in einem bestunmtcn Geldbetrag besteht, wenn die Zugabe zu Waren in einer bestimmten oder auf bestimmte Art zu berechnenden Menge gleicher Ware besteht. Bei dem Angebot, der Ankündigung und Gewährung einer Zugabe ist eS verboten, die Zuwendung al- unentgeltlich gewährt (GratiSzugabe, Geschenk und dergleichen) zu bezeichnen oder sonstwie den Eindruck der Unentgeltlichkeit zu erwecken. Ferner ist es verboten, die Zugabe von dem Ergebnis einer Verlosung oder einem anberen Zufall abhängig zu machen.
Oer Sklarek prozeß.
3m Sklarek-Prozeß wurden die Kosten erörtert, die den Sklareks durch den Verkehr mit ihren Bekannten aus der städtischen Verwaltung entstanden sind. Leo Sklarek erklärte, daß die (Belage immer von den Sklareks beglichen worden sind. Nie habe er bemerkt, daß ein anderer be- Zahlt habe. „Wohl griff man", fo fuhr er fort, „In die Tasche, aber die Tasche war dann meist so tief, daß ich schneller war, al« die anderen." DieKosten für ein Wochenende aus der Jagd in Waren wurden von Leo Sklarek mit 1000 bis 1200 Mark beziffert, eine Summe, die der Buch- Halter Lehmann eher zu nlcbna als zu hoch gegriffen bezeichnete. Als der Vorsitzende die Angabe (n der Anklage, daß bei einem Gelage von 5 Personen, 50 Flaschen Sekt getrun
ken worden seien, als zu „phantastisch" übergehen wollte^ fiel ihm Leo Sklarek mit großer Entrüstung ins Wort: „Aber Herr Vorsitzender, wir haben mit 5 Personen sogar 80 Flaschen Sekt getrunken". Der Buchhalter Lehmann schätzte die Ausgaben für den Verkehr der Sklareks mit chren Bekannten aus der städtischen Verwaltung für einen Zeitraum vo» vier bis fünf Jahren auf 1,5 bis 2 Millionen Mark. Die Verhandlung ergab weiter, daß an die Witw, de« früheren Stadtbankdirektors Hirsch dis zum Zusammenbruch der Firma Sklarek „angebliche Zinse» für ein Darlehen" in Höhe von 850 bis 900 Mark monatlich gezahlt wurden. In den Büchern hat aber nach Angaben des Buchhalter» Lehmann niemals der Name Hirsch als Gläubiger gestanden. Es kam weiter die Sprache darauf, daß Max Sklarek beabsichtigt haben soll, Reichstagsabgeordnete r zu werden. In der Firma Sklarek soll bereits davon gesprochen worden sein, daß sich Mar mit den Gedanken getragen hätte, einen Minister - posten zu erhallen.
Burgfriede in Halle.
3n einer Aussprache, die der Rektor der UnU versttät mit drei Professoren und sieben Vertretern der Studentenschaft hatte, ist eS zu einet endgültigen Klärung noch nicht gekommen. Es ist vorläufig verabredet worden, am Frettagnach- mittag 17 Uhr eine Aussprache zwischen Professor Dehn und zehn Vertretern der Studentenschaft stattfinden zu lassen. Den Studenten wird dann Gelegenheit gegeben, Professor Dehns wissenschaftlichen und weltanschaulichen Standpunlt kennen zu lernen. 3m Anschluß hieran wird eine erweiterte Sitzung statt- finden, in der der Rektor Professor Aubin sowie der Dekan der theologischen Fakultät Professor Heinzelmann vor etwa KO Studentenschaft-- und Korporation-Vertretern sprechen werden. ES ist vereinbart worden, dah bi- dahm von feiten der Studentenschaft völliger Burgfriede bewahrt wird. Sine Erklärung, die von den Professoren der Theologie Dr. Schmitz und Dr. Dr. Stählin auSgegangen ist, hat bk Unterschrift von weiteren 22 Ordinarien gefunden. Die Erklärung lautet: „Die unterzeichneten ordentlichen Professoren der Theologie, verschiedener theologischer und politischer Ueberzeugung angehörig, fühlen sich verpflichtet, öffentltch zu erklären, dah fie jeden Versuch stu- dentischer Kreise, Dr. Günther Dehn an der akademischen Lehrtätigkeit zu hindern, auf das schärfste verurteilen." — 3n einer besonderen Erklärung haben außerdem noch fünf Ordinarien erklärt, daß fie mit Dr. Dehn .persönlich und sachlich solidarisch" seien.
Eine kommunistische Kampfschule ausgehoben.
Zwickau, 5. Rov. (TU.) Die polizeiliche» Maßnahmen gegen die KPD. in Schwarzenberg und Dermsgrün haben die Aushebung einer kommunistischen Kampfschule ermöglicht. ES waren Anzeichen dafür vorhanden, daß in D. kommunistische Lehrgänge zur Schulung füe den Dürgerkrieg veranstaltet wurden. Es wurden daher am Mittw ochvormittag verschiedene Gebäude der KPD. von je einem größere« Aufgebot Schutzpolizei gleichzeitig beseht und vx der Kampsschule in Bermsgrün 13 Personen, zwd.f Männer und eine Frau, bei dem Unterricht überrascht und festgenommen. Die Durchsuchung förderte zahlreiche Schriftstücke zutage, die noch gesichtet werden müssen. Waffen wurden nicht gefunden. Die 13 verhafteten Personen werden zur Einleitung eines Verfahrens wegen Hochverrats dem Oderreichsanwalt zugeführt wecdem
Zusammenstoß zwischen Eisenbahn unb Acaftroagru.
Ein Kraftwagen durchfuhr in der Nähe des Bahn- fiofs Baden-Baden-We st in großer chwindigkeit d t e geschloffene Bahn- ch ranke, wurde von einem Pcrsonenzua ersaht und etwa 60 Meter weit mitgefchleisl. Der Chauffeur, ein italienischer Staatsangehöriger, erlitt so schwere Verletzungen, daß er noch am Abend Im Krankenhaus ftarb. Der Eigentümer de» Wagens, ein Hotelbesitzer aus Brica. kam mit leichteren Verletzungen davon. Der Wagen ist voll- kommen zertrümmert worden.
Oie Wetterlage.
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itKWtr- On Mis-flf toer.d-tii h Mer*s<e« w«v<A 6 c ne-x -'n ec* w-Mt 0* oom» Stit-e-«- l*
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tMtcröornuemge.
Weitcrvorhe r f a g e für Samstag Wechselnd wolkige« Wetter mit einzelnen Niederschlägen. kühler, aber im ganzen noch mild.
Vorhersage fürSonntag. Wenig Lende- rung der Wetterlage.
Lufttemoeraturen am 5. November, mittag« 14,4 Grad (Telfiu« abend« 8,5 Grad; am 6. November morgen« 8 Grad. Maximum 14,7 Grad, Minimum 7,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe on 5. November: abends 7,2 Grad; am 6. November: morgens 6,2 Grad Celsius. — Sonnenschelndauet 5 Stunden.


