Ausgabe 
6.5.1931
 
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Kleinen Entente-Konferenz hat in Bukarest nicht überrascht. Es deckt sich fast völlig mit den Vermutungen, die vor der Konferenz ausge­sprochen wurden. Die Kleine Entente hat zu der deutsch»österreichischen Zollunionsfrage keine Stellung genommen. Sie wartet die Genfer Tagung ab und wird den ganzen Fragenkom­plex vor den' Haager Schiedsgerichtshof bringen. Die Zusage Bencschs, Rumänien ein Bor­zugszollsystem zu gewähren, ist von sehr zweifelhaftem Wert und dürfte bei den tsche­chischen Agrariern einen Entrüstungssturm aus­lösen, ganz abgesehen davon, daß die Tschechoslowa­kei nur einen geringen Teil der rumäni­schen Ernte abnehmen kann. Der in diesem Zusam­menhang erwähnte und von Frankreich warm unterstützte neue Plan sieht scheinbar eine Zoll­union der Kleinen Entente unter Hinzuziehung von Bulgarien und Ungarn vor.

Die Blätter nehmen zu dem sehr mageren Er­gebnis noch keine Stellung, weil die ganae Auf­merksamkeit vom Wahlkampf in Anspruch genommen ist und die Zurückberufung der deutschen Abordnung in den maßgebenden Kreisen mit sehr gemischten Gefühlen ausgenommen wird. Man scheint jetzt zu begreifen, daß Deutschland warten kann, daß die Folgen für Rumänien aber nicht abzusehen sind, wenn es in diesem Jahre auf seiner Ernte sitzen­bleibt, was einen Ausfall von 40 Milliarden Lei bedeuten würde. Infolgedessen bringen zwei Nach­mittagsblätter eine anscheinend amtlich beeinflußte Meldung, wonach die Zurückberufung der deutschen Abordnung falsch sei und die Verhandlungen a m 7. Mai beginnen würden. Auf alle Fälle wird hinter den Kulissen von den Rumänen eifrig ge­arbeitet, um Deutschland wieder an den Verhand­lungstisch zu bringen.

Abrüstung und Wirischastskrisis.

Oas Berliner Echo der Hooverrede. - Deutschland in erfreulicher Lleber- einstimmung mit dem amerikanischen Präsidenten.

Berlin, 5. Mai. (TU.) Die bei der Eröff­nung der Internationalen Handelskammertagung gehaltene Rede des Präsidenten Hoo­ver über die Abrüstungsfrage hat in Ser* lineinen freundlichen Widerhall ge­funden. Die amerikanische Regierung hat es be-- kanntlich seit langer Zeit vermieden, zum 216* rüstungsproblem Stellung zu nehmen. Zum ersten Male sind jetzt im Kreise der ersten Wirt­schaftsführer der Welt von höchster amerikanischer Stelle Aeuherungen über die 2Ibrüstungsfrage getan worden, die erkennen lassen, daß auch nach amtlicher amerikanischer An- sicht zwischen der 2lbrüstungsfrage und der Reparationsfrage gewüsse Zusammenhänge bestehen. Präsident Hoo­ver hat bekanntlich die These vertreten, daß durch eine Begrenzung der st ungen eine der Hauptursachen der gegenwärtigen Tln- ruhe in der Welt beseitigt werden würde, und dah hierdurch das Bertrauen für die Zu­kunft und damit das Gefühl für die Sicherheit gestärkt würden. Gerade dieser Passus gibt maß­gebenden Kreisen in Berlin Deranlassung, auf die französische Rbrüstungsthese hinzuweisen, nach der die Sicherheit der 216* rüstung übergeordnet ist.

Präsident Hoover befindet sich demnach in völ­liger Tiebereinstimmung mit der deutschen These. Hoover hat ferner festgeftellt. dah der K e l - loggpakt ein 2lbkommen sei, das die inter­nationale 2lbrüstung zweifellos erleichtern werde. Es ist interessant, auch in diesem Zu­sammenhang auf die erst kürzlich von französischer Seite gefallene 2leußerung hinzuweisen, dah der Kelloggpakt für Frankreich keine Be­deutung habe. Frankreich müsse selbst für seine Sicherheit sorgen. Lebhaft inter­essiert haben in Berlin auch die zifsern- mähigen Vergleich, die Präsident Hoover über die Rüstungen der ganzen Welt angestellt hat. Da die Rüstungsausgaben in Deutsch­land seit dem Fahre 1913 um ein Drittel zurückgegangen sind, während sich die sranzösischenRüstungsausgaben um das Fünffach «erhöht haben, trifft der von Präsident 5^>over gemachte Dorwurf einer 70prozentigen Rüstungssteigerung selbstverständ- lid) nicht Deutschland, sondern seine stark gerüsteten Rachbarn. 2Illes in allem wird in Berlin eine erfreuliche Tlebereinstimmung zwi­schen der deutschen und der amerikanischen 2Iuf* sassung über diese für den Weltfrieden so über­aus wichtige Frage festgestellt.

Oie internationalen Wirtschafts­beziehungen im Zeichen der Krisis.

Washington, 5. Mai. (TTl.) 2Iuf der Voll­sitzung der Internationalen Handelskammer be­handelte Pirelli an Hand umfangreichen Ma­terials die europäisch-amerikanischen Wirtschafts­beziehungen im Laufe der 30 testen Fahre. Er stellte fest, dah die Vereinigten Staa­ten eine Vorzugs st ellung genoss en hätten, da sie mit weit geringerer Bevölkerung über unvergleichlich größere natürliche Hilfs­quellen bcrfügt hätten. Gleichzeitig hätten sie mit einer Massenerzeugung Standardisierung und Mechanisierung gearbeitet, die in Europa wegen seiner verschiedenartigen Märkte nur mit gro­ßer Vorsicht anwendbar geweseir seien. Europa sei heute für Amerika noch weit bedeut* samer als Käufer, denn als Vierkäufer. Das Gleichgewicht sei aber gestört, da weder die Arbeitskräfte noch das Kapital frei und beweg lich seien, wie vor 30 Fahren. Die passive Handelsbilanz Europas gegenüber Ame­rika werfe die Frage auf, wie lange die 2xrr* einigten Staaten in der Lage sein würden, den Rettoüberschuh an Waren und Kapitalien nach Europa auszuführen. Dieses sei nur dann möglich, wenn die Viereinigten Staaten die einkommenden Gelder wieder nutzbar machen können. Die Lösung dieser Fnvestierungsfrage werde durch die europäischen Schuldenzah- lungennocherschwert. Da die verhängnis­vollen Rückwirkungen der Schuldenzahlungen auf Europa nicht Hinwegzuleugnen seien, müsse die

Frage, ob die ganze Angelegenheit erneut über­prüft werden solle, nicht nur für die Schuldner, sondern in Anbetracht der Wichtigkeit des euro­päischen Marktes für die amerikanische Wirtschaft auch für di e Gläubiger bedeutsam fein. Die öffentliche Meinung Amerikas unter­schätze die schädlichen Rückwirkungen der Schulden­zahlung.

Melvin Traylor^ Präsident der First National Bank of Chicago

und Organisator der Bank für internationalen Zah­lungsausgleich. sprach überPsychologische Faktoren in geschäftlichen Krisen". Die Krise, erklärte er, habe im Juli 1914 begonnen, als d i e politische Führung der Welt versagte und die Menschheit in den Weg lenkte, der zur Tragödie von 1930 führte. Es sei em Armutszeugnis für die Welt und besonders für Amerikas wirtschaftliche und Solitische Führung, daß man inmitten von eberfluß so viele Arbeitslose und Arme haben. Die Preisgebarung der letzten zehn Jahre sei nicht auf Gold, sondern auf Kredit basiert. Amerika übertrieb im letzten Jahrzehnt die Steigerung des Exportgeschäftes durch Gewährung von großen Anleihen und des Jnlandgeschäftes durch Kreditgewährung. Man hätte sich sagen sollen, daß diese Treibhausmethoden nicht von Dauer fein können; denn niemand kann ständig borgen, um weitere Ankäufe zu machen. Traylor empfahl die Abschaffung des sog. täglichen Geldes,

vorgelcgt. Das sind freilich im wesentlichen die alten Rezepte, mit denen die Sozialdemo­kratie unsere Wirtschaft zuschanden kuriert hat. 2luch das Rotopfer auf die höheren Einkommen und die Verschärfung der Aufsichtsratssteuer, die vor wenigen Wochen im Reichsrat erst zu Fall gebracht wurden, tauchen wieder auf. Dazu Verzicht auf die Steuervereinfachungen der Rot* vervrdnung, Reform der Tabaksteuer, Erhöhung der Denzinbesteuerung. Es ist wirklich, als, wenn die Sozialdemokratie nichts gelernt hätte. Sie scheint immer noch nicht einzusehen, wie nahe wir der Katastrophe stehen. Tlnd daß nur eine gründliche Abkehr von den verhängnis­vollen Methoden der letzten Fahre zu einer Ge­sundung führen kann.

Der freiwillige Arbeitsdienst.

Vorbereitende Besprechungen bei Treviranus.

DDZ. Berlin, 5. Mai. Fn der Reichskanzlei fand am Dienstag "eine Aussprache zwischen den interessierten Verbänden über die Fragen des freiwilligen Arbeitsdienstes statt. 23ertreten waren Neben einer Reihe von Ein^el- persönlichkeiten und Behörden der Kysfhäuser* bund, das Reichsbanner, der Stahlhelm, Fugend­kraft, Eichenkreuz, der Reichsausschuh deutscher Fugendverbände, Hilfsgemeinschaft deutscher Kriegsteilnehmer. Freischar, Reichslandbund, Ku­ratorium für Arbeitsdienst und Volksbund für Arbeitsdienst. Den Vorsitz führt Reeichsmimster Treviranus, der die Verhandlungen mit längeren Darlegungen darüber eröffnete, wie sich auf Grund der vorbereitenden Besprechungen zwischen den Reichsressorts und innerhalb der Reichskommission nach seiner Ansicht ein frei­williger Arbeitsdienst mit Unterstützung des Reiches entwickeln ließe. Er betonte hierbei die Rotwendigkeit einer gesetzt ich en Grundlage und die Möglichkeit, an bestimmte, bestehende gesetzliche Einrichtungen anzuknüpfen. Es bestehe die Hoffnung, von der Reichs­anstalt für Arbeitslosen Versiche­rung einen Kopfbeitrag von etwa 2 M a r k für eine bestimmte Frist (etwa 20 Wochen) zu erhalten. Der Minister streifte auch die Übrigen mit dem freiwilligen Arbeitsdienst verbundenen Probleme, darunter die Schwie­rigkeiten der Führerfrage, die Zweck­mäßigkeit, sich vorwiegend auf kleinere Arbeiten zu beschränken und die Möglichkeiten der Kon­trolle. Er betonte abschließend, daß es an der Zeit sei, mit einem Versuch auf größerer Basis an Anfängen.

Fn der Debatte pflichteten alle beteiligten Organisationen mit gewissen Abweichungen dem Grundgedanken des freiwilligen Arbeitsdienstes au. Die Besprechungen sollen fortgesetzt wer­den. Dio nächste Sitzung wird unter dem Vorsitz des Reichsarbeitsministers Dr. Stegerwald stattfinden, sobald die BraunS-Kommission ihr Gutachten über den freiwilligen Arbeitsdienst erstattet hat.

Kleine Entente und Zollunion.

Der Eindruck in Bukarest. Die Verhand­lungen mit Deutschland.

Bukarest, 5.Mai. (TU.) Die Konferenz der Kleinen Entente hat heute mittag ihre Arbeiten abgeschlossen. Fn dem offiziellen Eommunique heißt es: Die Vertreter der drei Länder haben den Plan einer deutsch-öster­reichischen Zollunion erörtert und vom juristischen, politischen und wirtschaftlichen Stand­punkt geprüft. Sie haben auch die ihnen von her französischen Regierung über­mittelten Vorschläge sowie das Wirt- i schastsproblem in seinem ganzen Umfang einer eingeheirden Beratung unterzogen. Die drei Re* ; gicrungen haben die völlige Ueberein st im­mun g ihrer Auffassungen über alle geprüften Fragen festgestellt und haben beschlossen, hierbei eine gemeinsame Haltung bei den bevor­stehenden Verhandlungen vor dem Völkerbunds­rat, im Europaausschrch und bei, etwaigen sonsti­gen Verhandlungen zwischen den interessierten Staaten einzunehmen. Sie haben sich hinsichtlich der Agrarkrisis für die sofortige Durchführung des Präferenzsystems zugunsten der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und für die baldige Prüfung weiterer Vorschläge aus­gesprochen.

Der amtliche Bericht über das Ergebnis der

Gießener Etadttheater.

Hans Latzmann:Haus Rothschild."

Eine Familie, die zusammenhält, ist un­überwindlich." B j ö r n s o n.

Die wenig erfteulichen Auseinandersetzungen im Anschluß an die Uraufführung dieses Stückes in Wien brauchen hier nicht erörtert zu werden, da sie mit dem Schauspiel als solchem nichts zu tun haben. Die reichsdeutsche Premiere in Bremen war ein starker und einhelliger Erfolg, der sicherlich nicht ausschließlich mit einer tüchtigen Regie und Dar­stellung zu begründen ist.

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Man ist, nach der Ankündigung, zunächst über­rascht und erwartet eine (überflüssige) Neuauflage derFünf Frankfurter". Doch ist in beiden Fällen aus dem gleichen Motiv etwas grundsätzlich anderes entstanden. Aus dem Lustspiel wurde ein Schau­spiel mit geflissentlicher Betonung des Historisch- Dokumentarischen.

Rößler, vor Jahren, gab das gern gesehene und belächelte Biedermeier-Idyll aus der Blütezeit einer weltberühmten Familie. Saßmann schildert nicht das Idyll, sondern die Krise und den Sieg. Er ver­suchte zu gestalten, wie hinter der freundlichen Po­pularität des Nachens (der ja fast ein Begriff geworden ist, Symbol des Reichtums und einer unkriegerischen Macht) die tiefere Bedeutung auf- taucht: nicht persönlicher oder familiengeschichtlicher Art, sondern im wirtschaftshistorischen und politi­schen Sinne. Zwar gibt das Biedermeier auch hier den äußeren Rahmen; aber im Biedermeier dies ist der Sinn setzte sich die heute weniger als je zu leugnende Erkenntnis der Weltmacht des gro­ßen Kapitals entscheidend durch.

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Aus der FrankfurterJuddegaß", dem Stamm­sitz der Rothschilds hervorgehend, erobert sich die geniale Gelddynastie Schritt für Schritt die euro­päische Welt. Sie regieren die Börsen in Paris und in Landon. Nur im konservativen Wien des Fürsten Metternich ist es ihnen schwer geworden, Fuß zu fassen und Einfluß zu gewinnen. Aber gerade in

Wien wird Anno 1830, nach der zweiten Pariser Revolution, das Schicksal Europas entschieden.

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Es entscheidet sich mit der Austragung der großen Gegensätze, auf denen die Fabel dieses Schauspiels dramatisch ruht: mit der Auseinandersetzung zwi­schen Liberalismus und Legitimismus, zwischen Kapital und Diplomatie, zwischen der politischen Machtyebärde einer uralten Tradition und dem Zukunstswillen der neuen Männer, welche mit dem metaphysischen Prinzip des Geldes zu rechnen ge­lernt haben.

Der dieses Stück schrieb, hat tiefer gesehen als fein Voraänger mit der gleichen Fabel: er blieb nicht im Anekdotischen stecken, er erkannte den Zeit­punkt seines Dramas als einen Wendepunkt nicht nur in der Geschichte jener fünf Frankfurter Bankiers, der Finanzbarone von Rothschild son­dern in der Geschichte Europas im 19. Jahrhundert. Das bedeutet einen Fortschritt, das gibt der Fabel Gehalt und Gesichtspunkte.

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Die Gestaltung solcher Erkenntnis geriet ihm freilich ungleich; er gibt eine Exposition alten Stils, die allzu deutlich und allzu bequem ist. Er bringt (eine Sache überhaupt ein wenig schwerfällig und zähflüssig ins Rollen. Und er übersieht auch gelegent­lich (was theatralisch nicht unwichtig ist): daß die meisten seiner Zuschauer den dokumentarisch fest­gelegten Gang der damaligen wirren Zeitläufte kaum mit der gleichen Eleganz beherrschen wie er selbst; dies gilt etwa für die Szene mit Palmerston. Jene andere mit Gentz ist zwar drastisch und wir­kungsvoll, doch unwahrscheinlich, zum mindesten in dieser Form. Die Schlußszene endlich ist, bei Licht besehen, ganz überflüssig, ... ist bestenfalls dialo­gisierte Geschichtsphilosophie.

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Immerhin: der Gesamtverlauf der sechs Bilder wirkt eher ansteigend als abfallend; Saßmann bringt einen regelrechten Konflikt im alten Sinne und nicht einmal zu früh: die Rothschilds haben das Schwergewicht ihrer Operationen mit gutem Instinkt vom Westen nach dem schwierigen Terrain der Kaiserstadt verlegt. Sie wittern, daß hier die Entscheidungsschlacht geschlagen, hier über die Exi­stenz ihres Hauses entschieden werden wird. Met­

ternich sucht die Tradition vor der Revolution mit einem Kriege gegen Frankreich zu retten. Er braucht Geld dazu. Von den Rothschilds natürlich. Bewilli­gen sie die Anleihe, gibt es Krieg. Weigern sie sich, ist ihre österreichische Position nicht zu halten.

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Das vorletzt^ Bild bringt die stärkste Szene des Schauspiels, die entscheidende und wirklich drama­tische Auseinandersetzung: zwischen Salomon als dem Wortführer der fünf Brüder und Metter­nich. Salomon verhindert den Krieg, Metternich bekennt sich geschlagen. Er ist die tragische Figur des Schauspiels. Ihm zerbricht in dieser Unterredung fein politisches Lebenswerk ... und eine Idee. Die neue Ordnung Europas nach, wirtschaftlichen Ge­setzen kündigt sich mächtig an. Die Rothschilds haben Wien nicht nur nicht verloren, sondern erobert.

Die etwas nachträglichen Spekulationen, die ein wenig lehrhaft-dialektische Zusammenfassung der Er­gebnisse im Schlußbild sind allenfalls als Konzession ans Theater zu werten.

Die Ausführung des Intendanten Dr. Prasch wirkte ausgezeichnet; sie war durchgearbeitet von der ersten bis zur letzten Szene. Sie konnte zwar die Schwächen des Buches nicht verdecken ober überspielen, aber sie war klug gesteigert, sie bewies Sinn für die bühnenmäßigen Möglichkeiten der sechs Bilder, für eine taktisch richtige Einsetzung des Ensembles und für eine möglichst eingängliche Dia- logificrung des oft spröden historischen Materials. (Das.Stück ist seiner ganzen Haltung nach weniger dankbar als andere, die ebenfalls einer politischen These dienen; man denke etwa an denPatrioten" ober anSektion Rahnstetten";Haus Rothschild" hat nur eine einzige Frauengestalt unter lauter Männern, und diese eine ist weder Liebhaberin noch Intrigantin, sondern Mutter.)

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Baronin Gudula, die Mutter der Fünf: sie wurde von Frau Prasch-Grevenberg gespielt ... wie die andere Gudula seinerzeit bei Rößler; und obwohl sie an der eigentlichen Austragung des Konflikts nicht teil hat und haben kann, auch nicht so nachdrücklich in den Vordergrund geschoben er­scheint wie im älteren Lustspiel, beweist sie doch in ihren Auftritten bei aller Leichtigkeit und allem

ein Verbot des Börsenhandels in Aktien, die bent Händler nicht gehören, und ein Verbot der Aus­führung von Börsenaufträgen von weniger als 10 000 Dollars auf Kredit. Amerikas Schutzzölle haben die Industrie nicht vor etwa sechs Millionen Arbeitsloser bewahrt, aber den geplagten Farmern ihre Lebenshaltung weiter verteuert. Dies sei ein weiterer Beweis dafür, daß wirtschaftlicher Wohl­stand sich nicht durch Eingreifen der Gesetzgebungs- maschine erzielen lasse.

Der deutsche Minister a. D. Dr. hamm vertrat die Ansicht, daß nicht äleberproduktion vorliege, sondern daß die Kaufkraft un­zureichend sei. Rur an wenigen Stellen sei die Produktion von Lebensmitteln, Rohstoffen und Fertigwaren über den tatsächlichen Bedarf hinausgegangen. Bei den weitaus meisten Gütern fei der Zustand wirklicher Sättigung noch nicht erreicht. Die Menschen kaufen die angebotenen Waren nicht, weil sie nicht Taufen können und nicht, weil sie keinen 'Bedarf hätten. Der Krieg und seine Folgen sowie die Fsvlierung der einzelnen Wirtschafts­systeme hätten die natürliche Entwicklung des Handelsverkehrs zerstört. Trotzdem könne man nicht zur Primi tivierung zurückkehren, sondern der Güteraustausch könne nur durch JgortoärtS- schreiten wieder belebt werden. Hierzu bedürfe es der Beteiligung aller Volkswirtschaften und der Stützung der ärmeren unter ihnen durch Kapitalzufuhr. Das Kapital dürfe nicht ausschließlich den Orten stärksten Wirt­schaftsbedarfes zugeführt werden, sondern es müsse überall dahin Kapital gegeben wer­den, wo Gelegenheit zum Absatz der dort produzierten Werte geschaffen wivd, d. h. die Gläubiger müßten bereit fein, Gegenleistungen in Form von Wa- re n e i n f u h r zu gewähren. Reparationen könn­ten letzten Endes nur durch Transfer von Waren oder Dienstleistungen be­glichen werden.

Der Streit

um den Flottenpakt.

gtaliensBorschläge. BittereEnttäuschung

in Paris.

Paris, 5. Mai. (WTB.) Die gestern am Quai d'Orsey überreichte italienische Antwort auf die französische Note in der Flottenfrage enthält in ihrem dritten Teil die italienischen Gegen­vorschläge. Diese entsprechen durchaus den in der letzten englischen Note dargelegten Thesen. Rom wie London sind bereit, der Konferenz von 19 35 die Sorge zu überlassen, zu bestimmen, ob Frankreich die Ersatzbauten für die 1936 außer Dienst zu stellenden Schiffe schon vorher in Angriff nehmen darf. Diese Note wird gegen- wärtig von den zuständigen Stellen des Quai d'Orsey und des Marineministeriums geprüft.

Die Betrachtungen der Presse sind recht bitter. Der . offiziösePetit Parisien" erklärt, unter tech­nischen Abmachungen handele es sich für Italien und London vor allem darum, die gegenwärtige Tonnage-Ueberlegenheit der franzö­sischen Marine über d i e italienische zu beseitigen. DasEcho de Paris" und einige andere Blätter wenden sich scharf gegen Eng­land, dessen Vermittlerrolle mehr als merkwürdig sei. Im Augenblick, so schreibt dasEcho de Paris", sei das beste, die Verhandlungen von vorn zu beginnen. Diesmal müsse man jedoch vernünftiger­weise direkt mit Rom verhandeln, ohne von dem ljebenswürdigen Angebot der Downing Street Gebrauch zu machen, das solange nichts Gutes sage, wie die englische Regierung durch die Sozia­listen besetzt fei'. Der nationalistischeFigar o" bedauert das Fehlen jeglicher Solidari- t ä t unter den ehemaligen Alliierten in einem Augenblick, in dem die gemeinsame Gefahr wieder auftauche, die das Prinzip dieser Solidarität ge­wesen sei.

Oie Volkspapiei in Hessen gegen die Erhöhung der Realsteuern.

WSR. Darmstadt, 5. Mai. Der Vorstand der Deutschen Dolkspartei in Hessen hat sich heute erneut mit der durch die Ver­dreifachung der Grundsteuer und durch die Erhöhung der Sondergebäude- steuer geschaffenen Lage befaßt. Der Vorstand

liebenswürdigen Charme das geistige Gewicht einer menschlich gereisten Persönlichkeit, die feste Hand der mütterlich sorgenden und ratenden Frau, welche die Tradition ihres Hauses zu wahren und für den Aufstieg den rechten Weg zu weises versteht.

Die fünf Barone find vom Autor sehr unter­schiedlich behandelt. Carl (L i n k m a n n) und James (W e s e n e r) wirken ganz farblos und konventionell. Nathan ist intellektueller profiliert, bleibt aber doch eine Hintergrundsfigur; von Bruck übrigens sehr pointiert gespielt. Auch Amschel erscheint nicht gerade bedeutend; aber er besticht durch die Treffsicherheit seiner patriarchalisch-gemütlichen Bemerkungen, die von Hub in unwiderstehlichem Frankfurterisch prachtvoll an den Mann gebracht wurden. Zum eigentlichen Wortführer der Fünf, zum Verfechter ihrer Macht und ihrer politischen Idee wächst Salo­mon in die entscheidende Szene des Schauspiels hinein. Sie wurde von Volck vorttefflich mit über­legener Steigerung zu Ende gespielt; ihn sah man lange nicht vor einer so reizvollen Aufgabe ... in so guter und sicherer Form.

Metternich, sein großer Gegenspieler, war Walter Bäuerle; tragischer Held des Stückes, wie man spät entdeckt; kühl, verhalten, in diplomatischer Maske, beherrschten Tones, den nur ganz knapp jähe Erre­gung und resignierender Zusammenbruch auflockern und anfteigen lassen.

Mit Vergnügen sah man den Intendanten Dr. P r a s ch nach langer Zeit wieder einmal persönlich auf der Bühne: in der interessanten Episodenrolle des Lords Palmerston, in einer ausgefeilten und ganz repräsentativ gespielten Szene von schlagender Dialektik.

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Hauer: mit habsburgischer Liebenswürdigkeit und wienerischer Mundart.als Kaiser Franz; Zin­gel: mit Haltung bemüht ttm die haltlose Figur des Hofrats Gentz; Faffott (Windischgrätz): auf­rechter Militär; Ritter: sehr verständnisinnig in der kleinen Charge des Geisenheimer.

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Das Publikum zeigte sich lebhaft interessiert; ent­schiedener Erfolg mit ausdauerndem Beifall zuky Schluß. htn.