Ausgabe 
6.5.1931
 
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Fragen der Hygiene im Hessischen Landtag.

Darmstadt. 5. Mai. Präsident Delp eröff­net die Sitzung um 10.15 Llhr zur Fortsetzung der Einzelaussprache über den Innenetat.

Zu Kap. 39Aerztlicher Dienst" kriti­siert Abg. Sumpf (Ä.) die Abstriche bei der Bekämpfung der Krebs- und Tuberkulose-Krank- freiten und der Hebammenfortbildung. Ein Skan­dal seien die fürstlichen Paläste vieler Ortskran­kenkassen, gleichzeitig stretche man den mittellosen Kranken die nottoendigsten Heil- und Stärkungs­mittel.

Abg. D o n a t (D.) nimmt die Krankenkassen in Schuh. In der Verordnung seien nur überteuerte Medikamente und übermäßige Bestrahlungen be­schränkt. Berbesferungsbedürftig fei die Bausch- gift-Verordnung, die den Aerzten ihre notwendige Tätigkeit erschwere.

Abg. Arras (Lbd.) fordert Herabsetzung der Arztgebühren bei Besuchen von Kranken, die einer Krankenkasse nicht angehören können.

Abg. W e ck l e r (Z.) wünscht zu Kapitel Tier­ärztlicher Dien ft eine Herabsetzung der Impf- gebühren und Serumpreise.

Abg. Arras (Lbd.) fordert dringend die Wie­dererrichtung der Lehrschmiede' am Tierärztlichen Institut in Gießen.

Abg. Dr. Werner (NS.) führt Klage über die Höhe der Fleischbeschaukosten im Kreise Alsfeld.

Zu Kapitel 41: Hebammen-Lehranstalt Mainz" rügt Abg. Arras (Lbd.) Mißstände aus der Anwendung des neuen Hebammengesetzes, wo­durch die Gemeinden schwer belastet würden.

Abg. Frau Heraus (dntl.) lehnt die Ueberfüh- rung der Gemeinde-Hebammen ins Beamtenver­hältnis ab.

Abg. Dr. Werner (NS.) weist auf Fälle hin, wo die Kandidatinnen für Hebammenposten nach parteipolitischen Gesichtspunkten ausgewählt wurden.

Abg. Frl. Birnbaum (DDP.) fordert zu Kap.

Heil, und Pflegeanstalten bessere Unter» kunstsoerhältnisse für die Schwestern in Gießen.

Abg. Donat (D.) erklärt, eine Lebersührung des gesamten Pflegepersonals ins Beamtenver- hältms sei unmöglich.

Abg. Widmann (S.) stellt fest, daß die Leistungsfähigkeit des Pflegepersonals anerkannt würde. Daher sei eine Sicherung des Per­sonals für das Alter angebracht.

Abg. Dr. Werner (AS.) fordert Herab­setzung der Pflegegeldsähe. insbeson­dere, wenn es sich um Druerkranke hanid-elt. Anscheinend verdienten die Verhältnisse an der Provinzial-Anstalt Heidesheim eine Untersuchung.

Zu Kapitel Dolksgesundheitspflege und Dolkskrankheiten fordern die Kom­munisten Erhöhung des Tuberkulosefonds und die Errichtung eines staatlichen Kinderheims.

Abg. Harth (S.) wünscht bessere Beachtung der Tuberkuloseheil st ätte Selters­berg bei Gießen. Die jetzt im Etat eingestellten Mittel betrachte die Sozialdemokratie als das Mindeste, was geleistet werden müsse. Zu for­cieren seien vorbeugende Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Volkskrankheiten.

Abg. Frl.Birnbaum (DVP.) wünscht, den vorjährigen Betrag für die Kreisfürsorge­rinnen wieder in den Etat einzustellen.

Abg. Dr. Werner (AS.) fordert vor allem stärkeren Wohnungsbau durch llnter- stützung der Baugenossenschaften, insbesondere der Deutschen Dau- und Siedlungsgemeinschaft.

Zu Kapitel 52, Straßenbau, fordert Abg. Dr. Werner (AS.) bevorzugte Heranzie­hung der hessischen S te i n i n du st nie zu Stratzenbauten.

Damit ist die Aussprache über die Kapitel des Innenetats abgeschlossen. Die Abstimmungen fol­gen Mittwoch, ferner der Etat des Finanzmini­steriums.

ersucht die LandtagsfraLtion, ihre Bemühungen auf Beseitigung der falschen Gesetz­gebung, die m der Frage der Sondergebäude- steuer schon zu einem gewissen, doch unzureichenden Aachgeben des Finanzministers geführt habe, fortzusehen. Der Vorstand stelle mit Genugtuung fest, daß die Haltung der Fraktion in der Frage der Aealsteuerbelastung feit Jahren auf eine Senkung der untragbaren Lasten hinziele, eine Stellungnahme, der sich jetzt auch die Staats- Partei anschließe, die die Steuererhöhungen im Dezember m i t g e m a ch t und die wohlbegrün­deten Milderungsvorschläge der Volkspartei niederge stimmt habe.

Aus aller Welt.

Die Malchower Mörder verhaftet.

Zur Flucht des Untersuchungsgefangenen 3 o» nas aus Malchow i. M. teilt die Hamburger Poli­zeibehörde mit, es scheine festzustehen, daß Sonas und seine Helfer gestern abend gegen 19 Uhr von Schulau a. d. Elbe aus mit dem Motor­seglerBubi" die Flucht fortgesetzt haben. Zwei der Malchower Mörder und zwar Kaselitz und Jörsz sind in der Nähe von Ab­benfleth festgenommen worden. AuchSonas konnte bald daraus verhaftet werden. Seine Frau, die sich ihm in Hamburg angeschlossen hatte und sich eben­falls an Bord der MotorjcichkBubi" befand, wurde mit ihm verhaftet. A n Bord der Sacht befan­den sich erhebliche Borräte an Lebens­mitteln. Die Stader Polizei hatte, als gemeldet wurde, das Boot der geflüchteten drei Mörder fei auf der unteren Elbe in der Nähe von Grauerort gesichtet worden, alle benachbarten Stationen alar­miert. Beim Absuchen des Ufergeländes mit Hilfe von Polizeibarkassen und Motorbooten entdeckte man in der Nähe von Abbenfleth das Book in dichtem Schilf. Die beiden Snsassen, Kaselitz und Sörsz, leisteten keinen ernstlichen Widerstand. Sie wurden in das Polizeipräsidium nach Stade gebracht. Dort sagten sie aus, daß Sonas sich beim Herannahen der Polizei ent­fernt und wahrscheinlich im Schilf verbor­gen halte. Bei der Vernehmung erklärte sich der Schwager des Sonas, der schon bejahrte Kaselitz, bereit, ein volles Geständnis abzulegen. Aus seinen bisherigen Aussagen ergibt sich, daß der Mord an dem Sustizoberwachtmeister Gläsel nicht b e a b - sich t i g t war. Da er jedoch erheblichen Wider- st a n d leistete und auch drohte, durch Hilferufe die Flucht zu aefährdcn, versetzte einer der drei wer, konnte bisher noch nicht festgestellt werden mit einer Eisen st ange Gläsel den tödlichen Hieb. Nach der Tat ergriffen die drei Spießgesellen die Flucht in der Absicht, Deutschland möglichst schnell zu verlassen. Sie mußten jedoch bald einsehen, daß der von ihnen erworbene Motorsegler den Strapa­zen, die ihm zugemutet wurden, nicht gewachsen war, deshalb landeten sie in Abbenfleth und wur­den bann verhaftet.

Die Aufklärung des Berliner Briefträgermordes.

Der Mord an dem Geldbriefträger Schwan scheint bereits seine Aufklärung gesun­den zu haben. Der Mörder hatte bekanntlich am Satori einen abgerissenen Kragen zurückgelassen, in dem sich Wäschezeichen befan­den. Durch Ilmfrage konnte der Betrieb ermit­telt werden, in dem der Kragen gereinigt worden war. Heber die Wäscherei konnte auch der Be­sitzer des Kragens ausfindig gemacht werden. Wie sich hcrausslellte, befand sich der Kragen in den letzten Tagen aber nicht mehr im Besitze des Ermittelten. Dieser hatte ihn an denMau- rer Ernst Aeins verschenkt. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Aeins wurde sestgestellt, daß die dort liegenden Kragen die gleiche Weite haben wie der an dem Tatort gefundene. Reins, der im 24. Lebensjahre steht und seit längerer Zeit arbeitslos ist, ist feit Dem 2. Mai nicht mehr in feine Wohnung zurückgekehrt. Auch eine zweite Spur führt zu dem gleichen Ziel. Am Abend der Tat hat die frühere Braut des Reins ihn an einer Halte­stelle in Charlottenburg getroffen und Dlut­spuren an der rechten Schläfe und der rechten Backe bei ihm wahrgenommen. Hinzu kommt weiter, daß der Täter eine Visitenkarte mit dem Rainen des Eintänzers Erich Wiechl aus Wien

am Tatort zurückgelassen hat. Bei der Durch­suchung der Wohnung des Reins fand man zahlreiche Briefe des Wiechl an die jün­gere Schwester des Reins.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 6.Mai 1931.

Rheumatismus.

Von Dr. Karl Richter. Geh.Med.Rat.preuß. Kreis- und Gerichtsarzt i.X

Rheumatismus, vom griechischen rheuma, Fluh im Körper, Flüsse in den Gliedern, ist eine" der auch heute noch rätselhaften Krankheiten. Unfere Altvordern stellten sich darunter etwas ähn­liches vor, wie unter dem Begriff Katarrh. Sie hielten Flüsse aus Mund, Aase, Ohren, Augen, Darm oder Haut für reinigend. Hatten sie da­mit ganz unrecht? Was wissen wir Denn heute schon von dieser landläufigen, in rascher Zu­nahme Begriffenen Krankheit des Rheumatismus?

Das Rheuma ist eine sehr oft, ja vielleicht stets vererbte Anlage. Es gibt Rheumatiker- Familien, wie es Arthritiker-Familien, d. h. mit der Gicht geschlagene Familien, gibt. Auslosende Ursache für den Rheumatismus ist die Erkältung. Das Rheuma befällt vorzugsweise die serösen, d. h. wässrigen Häute, namentlich der Gelenke, und die Muskeln. Beim akuten Gelenkrheumatts- mus finden sich außerdem häufig Bakterien, na­mentlich Eitererreger. S'aphhlo-(Traube.i)-Kokken, auch Pneumo-(d. s. Lungenentzündungs)-Kokken, sogar Tripper-Kokken. Durch sie ist besonders das Herz gefährdet. Das ist alles, was wir wissen, sind daraus läßt sich kein klares Krank­heitsbild gewinnen.

Gleichwohl können wir mit Erfolg den Rheuma­tismus bekämpfen. Die schlimme Anlage läßt sich verbessern durch gesundheitsgemäße Lebensweise, Mäßigkeit im Essen und Trinken, vorwiegend vegetarische Ernährung, keine erhitzenden Ge­tränke. fleißige Bewegung. Vor allem aber durch Abhärtung mittels Wasferanwendung (Hydro­therapie). Erkältungen müssen durch gleichmäßige, nicht zu hohe Erwärmung aller Wohnräume, durch leichte und luftdurchlässige Kleidung und jeder Temperatur anzupassende Lleberkleidung vermieden werden. In unserem Klima muß der Rheumatiker mindestens drei verschieden warme Mäntel haben. Die Gelenke, namentlich die schon einmal befallenen, sind besonders warm zu halten.

Im akuten Anfall weist uns die Aatur selbst den Weg: Rheumatiker schwitzen oft so sehr, daß man sie schon an der Flurtüre riechen kann. 'Da fliehen also doch wohl schädliche Stoffe aus dem Körper aus.

Schweißtreibend wirken Holunderblüten (Flie­dertee) und Lindenblüten. Das Mädesüß, die Spiraea ulmaria, enthält außerdem Salicylsäure. Ebenso die Blätter und namentlich die Rinde unserer heimischen drei Weidenarten, der salix alba, viminalis und fragilis. Diese salicylhaltigen Pflanzen wirken auch beim chronischen Gelenk- und Muskelrheuma. Wenn man sie in der ge­wöhnlichen Art als Tee anwendet, kann man nicht leicht schaden und schont die Verdauung, die alle Salicylpräparate angreifen.

Sonst bei Gelenk- und Muskelrheuma elektri­schen Strom und Massage. Den alten Rheuma­bädern Aauheim, Teplitz, Warmbrunn machen jetzt die radioaktiven Quellen von Gastein, Bram­bach, Iohannisbach, Oberschlema usw. Konkurrenz. Die Medizin ist Modesache. Was beweist, daß sie keinen äleberfluh an wirklich heilsamen Mitteln hat.

Musikalischer Abend in der Volkshochschule.

Am Samstagabend fand im Singsaal des Real­gymnasiums die Eröffnungsfeier des Sommerfeme st ers für den Musikkur­sus Der Volkshochschule statt, die von Freunden und Anhängern der Volkshochschule gut besucht war. Der Abend brachte ein sorgfältig aus- gewähltes musikalisches Programm. Musiklehrer tfranj Bauer jr. eröffnete den Abend mit kurzen einführenden Worten über die Art der Arbeit in

den Musikkursen der Bauhochschule, deren Aufgabe es sei, die Laienmusik zu pflegen und in guter Kammermusik die älteren und ältesten Komponisten zu Worte kommen zu lassen. Den Auftakt der mu­sikalischen Darbietungen bildete dieGoldene So­nate" von Purcell, einem englischen Komponisten (16581695), der als Organist an der Westminfter- abtei wirkte, sehr fein wiedergegeben von Musik­lehrer Bauer jr. (1. Violine), Helmuth Bayers» darf (2. Violine) und Frau Elfriede Fischer (Klavier). Gesangliche Darbietungen von Fräulein H. Horn und von Lehrer Kruger-Steinfurth, beide von der Gesangsschule Heermann, bereicherten die Dortragsfolge, die mit einer größeren Kompo­sition Purcells, um deren Wiedergabe sich die Her­ren Bauer, Benzler, Bayersdorf, Theiß und Frau E. Fischer verdient machten, ihr Ende fand. Die einzelnen Vorträge, insbesondere die gesanglichen Darbietungen von Herrn Kruger, der einige Lieder von Schubert fang, fanden starken Beifall.

Nationalsozialistische Versammlung.

Die Ortsgruppe Gießen brr Rational- sozialistischen Deutschen Arbeiter­partei hielt am Sonntagabend im Cafe Leib eine Versammlung ab, in der der Gaupropa- ganda-Leiter Wilhelm Trefz (Wiesbaden) über das ThemaDurch Knechtschaft und Knebelung zur deutschen Freiheit" sprach. Das heutige Ge­schlecht, so führte der Redner u. a. aus, teile sich in zwei Gruppen, deren Wesen sich in zwei lite­rarischen Erscheinungen finnfällig ausdrückte: die eine verkörpere den Geist, der in dem Buche dcs Stahlhelmführers Seldte (MGK") lebe, die andere Gruppe habe den Geist, der dem Buche RemarquesIm Westen nichts Reues" eigen frei. /Beide Geistesrichtungen rängen um das Volkstum; auf der einen Seite stünden der Stahl­helm und die nationalsozialistische Bewegung, auf der anderen stehe der Bolschewismus. Der Sieg der ersteren sei entscheidend für den Wieder­aufstieg, der Sieg der anderen sei für den Unter­gang des deutschen Volkes ausschlaggebend. Die Zusammensetzung der Regierung Brüning ent­spreche nicht dem Willen des Volkes. Im Zu- sammenhong mit der Arbeit der Sozialdemo- kratte in der Zeit nach dem Kriege müsse darauf hingewiesen werden, daß in der Politik nicht der gute Wille allein ausschlaggebend sei, son­dern lediglich der Erfolg. Von polittschen Er­folgen in der Rachkriegszeit könne aber nicht die Rede fein, denn das deutsche Volk sei hart an den Abgrund geführt worden. Hitler habe die Wege erkannt, die das deutsche Volk gehen müsse, nämlich scharfen Kampf gegen den Marxismus. In zehn Jahren sei durch Hitler eine Bewegung entstanden, die es sich zur Aufgabe gemacht habe, die Verhältnisse zu ändern. Die Rationalsozia- listische Partei kämpfe dabei nicht für einen Stand allein, sondern für das Volksganze, da ein Teil unseres Volkes nicht ohne den anderen existieren könne: das deutsche Volk müsse in seiner Gesamtheit lebensfähig gemacht werden. Die Mitglieder der RSDAP. setzten sich deshalb auch aus ehemaligen Angehörigen aller anderen Parteien zusammen. Zur Zeit stünden wir vor der Entscheidung, ob der Geist eines Seldte, oder der eines Remarque siegen solle. Die Rational­sozialistische Partei stehe im Kampf um Die deutsche Freiheit, ihr gehe der Gemeinnutz vor Eigennutz. Die Rationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei wolle die Macht mit dem Willen des Volkes. Der Redner erntete für seine Aus­führungen, während der er öfters zustimmend unterbrochen wurde, lebhaften Beifall. Zur Aus­sprache meldete sich niemand. Rach einem Schluß­wort des Referenten, in dem er die Wege, Die die Rationalsozialistische Partei gehen werde, umriß, fand die ruhig verlaufene Versammlung ihr Ende.

Sozialdemokratische Versammlung.

Arn Montagabend fand im Saale der Liebigs- höhe eine Kundgebung der Sozialdemokratischen Partei statt. Als erster Redner sprach der Ita­liener Pietro R e n n i in seiner Muttersprache über den Kampf der SozialDemokratie gegen den Faschismus. Der Redner die ileberfetjung er­folgte durch Herrn Schulte erklärte u. a.: Der Faschismus, eine der schlimmsten Folge­erscheinungen des Krieges, sei ein Feind der Arbeiterschaft und der Kultur. Der Faschismus sei 6er Feind des Sozialismus und bestrebt, die Errungenschaften Der Arbeiterschaft zunichte zu machen. Man müsse immer auf das Beispiel, das der Faschismus in Italien gebe, Hinweisen; dort sei die Arbeiterschaft entrechtet und ge­knebelt worden. Mussolinis Diktatur habe viel in Trümmer geworfen, was von den Sozialisten geschaffen worden sei. Die italienische Sozial- Demofratie habe manchen Fehler gemacht, Die deutsche Sozialdemokratie solle aus Den Fehlern der andern lernen und mit allen Kräften zu verhindern suchen, daß die Demolratte durch eine faschistische Diktatur abgelöst werde. Der Vortrag wurde beifällig ausgenommen.

Sodann sprach Oberregierungsrat Ritzel über das ThemaDemokratie ober Faschismus?" Er führte u. a. aus, Italiens Geschick müsse Den deut­schen Sozialdemokraten eine Mahnung sein, der Sieg Hitlers müsse verhindert werden. Die Demo­kratie sei nicht schuld am Elend des deutschen Vol­kes. In Deutschland fei die Rechtsopposition stets bemüht, das Parlament und die Demokratie in Mißkredit zu bringen und zu beseitigen, um an Deren Stelle eine Diktatur zu setzen. Die Demo­kratie habe positive Leistungen aufzuweisen, sie habe sich für Die SörDcrung der Wirtschaft, Der Handelsflotte und der Luftfahrt eingesetzt und die Kriegsschuldlüge bekämpft. Heute kämpfe man ge­gen die Demokratie nur, um einen einzelnen an die Spitze zu setzen, der mit rauher Gewalt alle Errungenschaften der Arbeiterschaft auslöschen wolle. Hitler sei nicht der Mann, der Die Ge­schicke unseres Volkes zu leiten imstande sei. 3m übrigen fehlten in Deutschland alle Voraussetzun­gen für eine Diktatur; die Deutschen feien kein unmündiges Volk; was in Rußland möglich sei, sei für uns noch lange nicht bestimmend. Im Kampf um die politische Behauptung sei heute Die Förderung der Liebe zum Staat unserer Tage notwendiger Denn je. Die Reichsregierung müsse in ihrer Politik endlich klaren Kurs halten, sie müsse praktische Wege finden zur Behebung Der Arbeitslosigkeit und Dafür sorgen, Daß Die Mil­liarden, die für Erwerbslosenunterftützung aus­

gegeben werden, in Werte um gewandelt werden. Man müsse alles tun, um eine Bündnispolitt? Hitlers mit Mussolini zu verhindern, dagegen be­strebt sein, mit Frankreich auf freundschaftlicher Basis einen Weg aus den Konflikten zu finden. Starker Beifall wurde dem Redner zuteil. Die Versammlung verlief ruhig.

Bornotizcn.

Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater:Im Spiel Der Sommerlüfte", 20 bis 22 älhr. Ehemalige 115er: Lichtbilder-Dor- trag, 20.30 Uhr, Stadt Mainz. Lichtspielhaus. Bahnhofstraße:Grock".

Aus dem Stadttheaterbureau wird unS geschrieben: Heute 20 älhr zum letzten­mal im Mlttwochabonnement von Arthur Schnitz­ler: ,3m Spiel der Sommerlüfte"; Spielleitung Walter Bäuerle. Freitag, 8. Mai, 20 Uhr. erste Wiederholung des historischen Schauspiels Haus Rothschild" von Hanns Sahmann mit Frau Auguste Prasch-Grevenberg in der Rolle der Frau Gudula; Spielleitung Intendant Dr. Prasch. Samstag, 9. Mai, 15.45 älhr, Schüler­vorstellungDie Jungfrau von Orleans" von Schiller; Hauptrolle Beatrice Döring, Spiellei­tung Intendant Dr. Prasch.

*

** Verkehrssperre im Seltersweg. Das Polizeiamt teilt mit: Wegen Vornahme von Straßenbauarbeiten wird der Seltersweg bis auf weiteres täglich von 7 bis 19 Uhr für Fahrzeuge aller Art polizeilich gesperrt. Umleitungsschilder sind ausgestellt.

** Das heutige Maienblafen um 19 Uhr vom Turm der Sohanneskirche aus Dringt folgendes Programm: 1. ChoralAllein Gott in der Höh fei Ehr"; 2.Die Ehre Gottes" von Beethoven; 3. Volks- liebSm schönsten Wiesengrunde".

Preußisch-Süddeutsche Klassen- lotteric. Die Erneuerung Der Lose zur zweiten Klasse muh planmäßig spätestens bis zum 11.Mai. 18 Llhr, bei Verlust des Anrechts in Dcfc zustän­digen Lotterie-Einnahme erfolgen.

* Der Filchner-Film. Am Sonntaavor« mittag und am Montagnachmittag fanden im Licht­spielhaus Bahnhofstraße Kultürfilmvorstellungen statt, die wohl kaum einen Besucher unzufrieden entließen. Non berufenster Seite, nämlich von Filchner selbst, wurde an den Zuschauer eine Welt heranyetragen, die ihm fremd sein mußte, solange er sie nur aus unzureichenden Schilderun­gen kannte. Vertrauter mochten jene Mitbürger mit den Dingen dieses Films sein, die seinerzeit Gele­genheit hatten, den Dortraa des Forschers zu hö­ren, der in der überfüllten Aula viele Sntereffenten fand. Nun hatte man Gelegenheit, Tibet, das Land, die Menschen, ihre Sitten und Gebräuche im leben­den Bild kcnnenzulemen, und so wurde manches verständlicher und menschlicher, was vordem in ein mystisches Dunkel gehüllt war. Der Film, der in universeller Weise das wesentlichste der Expedition Des bekannten Forschers bringt, vermittelt einen Einblick in jene Welt, und bereitete dem Besucher nicht nur eine sehr lehrreiche, sondern auch eine sehr unterhaltsame Stunde. Der Film darf gleichermaßen als eine Kulturtat bezeichnet werden, wie die For­schungsreise selbst, denn nicht nur der Snhaft des Films, sondern auch die Form sind überaus glücklich gewählt.

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Wettervoraussage.

Weiterer Temperaturanstieg führte zur Bilduna eines geschlossenen Hochdruckgebiets, dessen Kern sich über der Ostsee und Südskandinavien befindet. Deutschland, an dem südlichen Teil des Hochs ge­legen, erhält infolgedessen mehr östliche Zufuhr. Gleichzeitig ist das Tiefdruckgebiet in dem nördlichen Teil Der britischen Snseln südwärts abgedreht und verursacht bis über Frankreich Barameterfall. Da auch bei uns das Barometer bereits fallende Ten- denz zeigt, ist mit weiterem Dorgreifen der Störung zu rechnen wobei der Einfluß des hohen Druckes abgeschwächt wird. Wenn auch zunächst noch trock- nes Wetter vorherrscht, dürften doch später einzelne Niederschläge zu erwarten sein.

Aussichten für Donnerstag: Dunstig und bewölkt, stellenweise aufheiternd, vorerst noch trocken, Temperaturanstieg.

Lufttemperaturen am 5. Mai: mittags 15,4 Grad Celsius, abends 8 Grad; am 6. Mai: morgens 9,1 Grad. Maximum 16,3 Grad, Minimum 4,1 Grad. Erdtemperaturen in 10 an Tiefe am 5. Mai: abends 15,3 Grad; am 6. Mai: morgens 9,2 Grad Celsius. Sonnenscheindauer IOK Stunden.

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Schöne weiße Zähne: Chlorodont 22